Wetterberichte für die Färöer Inseln sind unnötig, denn sie stimmen nicht. Es lassen sich einfach keine belastbaren Vorhersagen erstellen, wenn die Inseln ständig ihr eigenes Wetter machen. Steile Bergwände halten entweder Wolken ab oder halten sie fest, Niederschläge sind an der Tagesordnung. Alles kein Problem, wenn man sich wetterfest anzieht und nicht den Anspruch hat, die schönsten Fotos zu schießen. Eine Färingerin erklärte mir mit Blick auf ein „Postkartenfoto“ mit Sonne und blauem Himmel, dies sei kein typisches Bild von der Insel, das sei austauschbar und nichtssagend. Die Färöer seien eben wolkenverhangen und nieselig, alles andere habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Aha. Hier also meine Fotos ohne Sonne.
Die Grassodendächer sieht man häufig, auch auf Neubauten oder größeren Zweckbauten.
Typisch für die Färöer sind schwarz gestrichene Häuser und rote Fenster. Historische Holzbauten werden geteert, um sie haltbar zu machen.
Das bekannteste Fotomotiv der Färöer, hierhin führt erst seit 2006 eine Straße, vorher gab es nur einen steilen Bergpfad in das abgelegene Dorf.
Wasserfälle gibt es unzählige, über jeden Berghang strömen gewaltige Wassermassen zu Tale.
Im Hafen der Hauptstadt Torshavn, letzter Stadtbummel, heute Abend legt unsere Fähre nach Dänemark ab. Und damit geht auch diese Reise in den hohen Norden zu Ende. Es gab unglaublich vielfältige landschaftliche Sehenswürdigkeiten, die uns immer wieder begeistert haben. Übrigens auch auf den Färöern, wir haben den Aufenthalt durchaus genossen, das mit dem Wetter musste ich einfach mal loswerden, trotzdem überwiegen im Rückblick natürlich die tollen Ein- und Ausblicke in eine für uns ungewöhnliche Welt.
Der Norden ist ein Ziel für Individualreisende, und es ist ein teures Ziel. Island ist neuesten Untersuchungen zufolge für Deutsche das teuerste Urlaubsland überhaupt. Im Durchschnitt zahlt man 50% mehr als zu Hause, manchmal sogar 100%. Also einmal hinfahren, genießen, sich möglichst oft selbst verpflegen und dann von den Erinnerungen zehren.
Für alle, die virtuell mitgereist sind, herzlichen Dank für eure Reisebegleitung und uns allen wünsche ich jetzt einen angenehmen Sommer ohne zu viele Rekorde. Bye, bye.
Wir sind auf den Färöern angekommen, nach einer relativ ruhigen Überfahrt. Ein sanftes Schaukeln beim Einschlafen ist ja ganz angenehm. Die Nacht war nur kurz für uns, denn wir mussten schon um zwei Uhr morgens die Kabine räumen, Ankunft in Torshavn war mit etwas Verspätung um halb vier. Dann ging alles ganz schnell, das Hotel liegt nah am Hafen und um vier lagen wir wieder in der Falle. Das war das erste Mal, dass ich auf einer Reise für die gleiche Nacht zwei Zimmer bzw. Kabine gebucht habe.
Auch die Färöer sind ja bekannt für interessantes Wetter. Im Nebel sind wir heute morgen gestartet und hatten dann für unsere Erkundungsfahrt über die Insel Eysturoy klares Wetter und ab und zu Sonnenschein. Nur als wir wieder in der Hauptstadt Thorshavn im Süden der Insel Streymoy ankamen, regnete es. Hier die Bilder dazu.
Nach einem kompletten Regentag versöhnlicher Abschied von Island.
Die Straßen auf den Färöern sind gut befahrbar, keine Schotterstraßen, nur manchmal enger als auf diesem Foto. Da muss man den Gegenverkehr in einer Haltebucht abwarten. Klappt gut, ist nicht so viel Verkehr auf den Straßen außerhalb des Hauptortes.
Hier schmelzen zwar keine Gletscher, aber es gibt viel Niederschlag und jede Menge Wasserfälle.
Die Fjorde und Meeresstraßen sind von steilen Berghängen eingerahmt, trotzdem ist jeder Winkel des Landes gut erschlossen. Steile Bergpässe und dramatische Ausblicke begeistern uns, wir vermissen nur des öfteren eine Leitplanke.
Kleine Ortschaften mit den typischen Holzhäuschen sind immer ein lohnendes Ziel. Hier Funningur mit der malerischen Holzkirche aus dem Jahr 1847.
Gjogv hat eine außergewöhnliche Lage an der Meeresstraße, die auch unsere Islandfähre genutzt hat. Die lange Schlucht wird als kleiner Hafen genutzt.
Es gibt viele historische Holzhäuschen, oft mit den typischen Grassodendächern.
Wir sind heute noch einmal ein Stück zurückgefahren, um den Svartifoss anzuschauen. Wir haben also immer noch nicht genug von Wasserfällen. Aber jeder ist eben auf seine Art besonders. Beim Svartifoss sind es die eckigen Basaltsäulen. Wir waren gestern schon mal hier und haben eineinhalb Stunden im strömenden Regen gewartet, dann war unsere Geduld zu Ende. Wir sind die Ringstraße weiter Richtung Osten gefahren und nach 20 km hörte der Regen auf und der Boden war knochentrocken. Es hatte dort nicht einmal geregnet und es würde auch nicht mehr regnen. Als sind wir heute bei Sonnenschein noch einmal zum Svartifoss gefahren und dieses mal ging es gut, die Sicht war besser als die Tage zuvor und wir haben den Fall nach einer kleinen Wanderung erreicht. Allerdings konnten wir nicht ganz nah herangehen, weil der Weg gerade ausgebessert wurde.
Der Svartifoss war aller Mühen wert, wie ich finde. Es gibt einen Mitreisenden, der das nicht so sieht.
Überall in Island werden Lupinen ausgesät, um erosionsgeschädigte Flächen abzudecken und die Bodenqualität zu verbessern. Im Juni eine Augenweise, ganze Hänge sind bedeckt mit den lilablühenden Pflanzen.
Hier hatten wir angehalten, um Lupinen zu fotografieren und zu filmen. Was wir nicht wussten: hier nisten Küstenseeschwalben und die verteidigen ihre Brut aufs heftigste. Hitchcock lässt grüßen. Ich habe mich dann gar nicht getraut auszusteigen, denn diese Biester greifen den höchsten Punkt an, also den Kopf. Martin hatte Glück, er hat nur einen Vogelschiss abbekommen.
Lupinen vom Auto aus fotografiert…
Da sich heute die Sonne etwas gezeigt hat, sind wir noch einmal zum Gletschersee Jökulsarlon gefahren. Die Eisberge sehen immer wieder anders aus, manchmal brechen sie auseinander oder sie verkeilen sich ineinander.
Eine Kegelrobbe inmitten von Eiderenten
Und man sieht immer wieder Shootings, hier ein ganz besonderes, das Hochzeitsfoto im do-it-yourself Verfahren. Die Braut hatte einen Fernauslöser in der Hand, gab das Kommando zum Lächeln und drückte dann ab.
Und nun endlich der Diamond Beach. Hier landen alle Eisbrocken im Meer, oder das, was von ihnen übrig bleibt, mal mehr, mal weniger.
Die Ringstraße im Süden ist landschaftlich ein Highlight, bis auf einige Passagen, die durch eine Schwemmlandebene führen. Und die Gletscher reichen oft nah an die Straße heran.
Unser Zuhause für zwei Nächte, die Hütte links, diesmal ohne Küche und mit Frühstück im Haupthaus.
Wir hatten viel zu tun auf dem Weg nach Höfn entlang der Südküste. Es war wieder alles dabei, Wasserfälle, Puffins, Felsen, Gletscher, schwarze Strände und Islandpferde vor unserer Unterkunft Havammbol. Nachdem sich der Morgennebel aufgelöst hatte, wurde es sonnig und das ist gut für farbenfrohe Fotos. Bitte schön.
Einer der gewaltigsten Wasserfälle des Landes ist der Skogafoss. Aber etwas versteckt liegt ganz in der Nähe fast ein Geheintipp: der Kvernufoss.
Schon der Weg dorthin ist wunderschön.
Man kann hinter den Wasserfall klettern und hat dann diese Aussicht.
Unser Urlaub auf dem Bauernhof im Havammbol Guesthouse.
Die Aussicht von unserer Terrasse mit Meer- und Pferdeblick.
Das Örtchen Vik liegt hinter diesem Felsen, aber der schwarze Strand zieht viele Besucher an. Und zwar mit Recht, wie ich finde.
Hinter der Dyrholaey Halbinsel mit seiner Puffinkolonie liegt dieser schier endlose Strand. Der schneebedeckte Vulkan im Hintergrund war 2010 der Übeltäter, der in ganz Europa den Flugverkehr lahmgelegt hat durch seinen Ausbruch und eine riesige Aschewolke.
Hier zur Abwechslung mal ein Canyon, den Namen wollt ihr nicht wirklich wissen und ich will ihn nicht schreiben.
Also gut, er heisst Fjadrargljufur. So, nun übt mal schön die Aussprache.
Jetzt wird es frostig, wir nähern uns dem riesigen Gletscher Vatnajökull, der sich in einigen Gletscherzungen bis an die Küste erstreckt. Hier der Fjallsjökull, er liegt im Schatten des größeren Jökulsárlón, ist aber nicht so stark frequentiert und man ist näher an der Abbruchkante.
Hier nun der große Bruder Jökulsarlon, hier mit einem Amphibienfahrzeug.
Oder man bewegt sich aus eigener Kraft fort. Die Eisberge sind unfassbar groß. Auf ihrem Weg zum Meer kippen sie manchmal und brechen auseinander, das haben wir heute erlebt. Daher patrouilliert permanent ein Schlauchboot und passt auf, dass niemand ins Wasser fällt.
Der Vatnajökull füllt den gesamten Horizont aus. Er ist der größte Gletscher Europas und misst 150 km mal 100 km
Die Eisberge treiben hinaus aufs offene Meer und geben dem schwarzen Strand seinen Namen: Diamont Beach. Dazu morgen mehr.
In Landmannalaugar gibt es interessante Wanderungen, das Problem ist nur, der Ort liegt im Hochland und ist nur mit Allradfahrzeugen zu erreichen. Nach aufwändigen Recherchen ist es uns gelungen, einen Linienbus ausfindig zu machen, der tatsächlich bis zum Ausgangspunkt der Wanderungen fährt. Wir hatten ein Zeitfenster von vier Stunden, die wir gut ausgenutzt haben.
Geschafft! Wir haben das Basecamp erreicht.
Hier beginnt der Wanderweg.
Wir kämpfen uns durch das Lavafeld nach oben und gewinnen an Höhe.
Der Weg ist anspruchsvoll.
Die Belohnung sind farbenfrohe Berge – und habt ihr eigentlich schon bemerkt, dass wir ein Wetter haben, das nicht zu toppen ist?
Schneereste tauchen auf …
… und schon durchqueren wir das erste Schneefeld.
“Der Schrei“ diesmal im Felsen, ja gut, mit etwas Phantasie, bemüht euch halt, dann seht ihr auch die Finger der linken Hand.
Der Kameramann ist so begeistert von der Landschaft, dass er weiterfilmen muss, während er sein Pausenbrot isst.
Wir müssen leider absteigen, der Bus wartet nicht.
Am Fluss entlang, diesmal sind die Felsen grün!
Nur noch durch die endlose Steinwüste, dann ist es geschafft! Ein toller Tag , der Ausflug hat sich gelohnt. War ja auch nicht ganz billig.
Das ist jedenfalls unsere Hoffnung, endlich mal diese lustigen Vögelchen beobachten zu können. Obwohl ein Bootsausflug auf die Westmännerinsel auch ohne Puffins lohnend wäre. Denn im Jahre 1973 ereilte die Insel ein schreckliches Schicksal, ein bis dahin unauffälliger Vulkan brach mit einer gewaltigen Eruption aus und gestaltete die Insel völlig neu. 400 Häuser wurden zerstört und mutige Männer konnten mit Barrieren verhindern, dass die Lava bis in den Hafen floss. Heute ist die Insel ein beliebtes Ausflugsziel, das hübsche Städtchen Heimaey mit seinen Cafés und Restaurants füllt sich jeden Tag mit Besuchern. Während der Puffin-Saison von Ende April bis August kommen natürlich viele zur Vogelbeobachtung her.
Das Wetter spielt mit, sonnig und nicht ganz so stürmisch wie gestern, beste Voraussetzungen also. Das Schiff ist pünktlich und wir haben vier Stunden Zeit, auf der Insel nach den Papageitauchern zu suchen. Der beste Platz ist am südlichen Ende der Insel, aber wir verschwenden unsere Zeit damit, eine Tourist Info zu finden, um eine Wanderkarte oder wenigstens eine Übersichtskarte der Insel zu bekommen, denn so übersichtlich ist das Gelände nicht, dass man einfach loslaufen könnte. Eine Karte gibt es nicht und wir entschließen uns kurzerhand für eine Taxifahrt zum Puffin Lookout.
Ein gute Entscheidung, der Weg nach Süden zieht sich und so haben wir genügend Zeit vor Ort, um die lustigen Vögel zu suchen. Geduld wird belohnt, es sind nicht allzu viele Vögel zu Hause, die meisten sind tagsüber auf Nahrungssuche auf dem Meer unterwegs. Aber ab und zu zeigt sich mal einer, und ich hatte Glück, als sich ein freundlicher Puffin direkt unterhalb der Aussichtsplattform ins Gras setzte. Und sich von allen Seiten betrachten ließ, einfach schön diese lustigen Vögelchen.
Mit den Filmaufnahmen hat es nicht so geklappt, was aber daran lag, dass Martin seine Actioncam im Ort liegen gelassen hatte und mit dem Taxi gleich wieder zurückfahren musste, um sie zu suchen. Da waren alle Aufnahmen des ganzen Urlaubs drauf, das wäre ein herber Verlust gewesen. Doch hier leben ehrliche Menschen und die Camera lag noch auf dem Stromkasten, wo Martin sie abgelegt hatte. Darauf trinken wir heute Abend einen, und zwar im Hotel Stracta in Sella beim Fußballspiel. Zum heutigen Tag passt, dass unsere Mannschaft tatsächlich überzeugend aufgespielt hat, so kann es weitergehen.
Anspruchsvolle Einfahrt in den Hafen von Heimaey, das Schiff muss um die Felsen herumgezirkelt werden.
Die Insel ist grasgrün, es regnet genug, um alles in saftigem Grün erscheinen zu lassen.
Wir haben heute einen Traumtag erwischt, sonnig bei 16 Grad und kaum Wind, ungewöhnlich für die Westmännerinsel.
Suchbild: wer findet den Elefanten?
Voilá: Der Star des Tages. Neben der Fußballnationalmannschaft natürlich.
Hier sieht man das Lavafeld vom großen Ausbruch 1973, inzwischen holen sich die Lupinen das Land zurück.
Eine Augenweide!
Ein Nachtrag von gestern: der Seljalandsfoss.
Wenn man keine Angst vor Wasser hat, kann man hinter dem Wasserfall entlang laufen.
Der bekannteste Tagesausflug von Reykjavik aus führt über den sogenannten Golden Circle zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Alle haben damit zu tun, dass Island eine der tektonisch aktivsten Zonen der Erde ist. Das zeigt auch der jüngste Vulkanausbruch in der Nähe von Reykjavik, aus einer Erdspalte fließt rotglühende Lava, was eine Sperrung der Blauen Lagune zur Folge hat. Das gesamte Gebiet ist weiträumig abgesperrt und als Tourist bekommt man keine Lava zu Gesicht. Es sei denn, man bucht einen Hubschrauberrundflug. Das haben wir uns verkniffen, so sensationslustig sind wir nun auch wieder nicht. Es breitet sich durch den Ausbruch eine Gaswolke aus, bis etwa 100 Kilometer ins Landesinnere, ist wohl nicht so gesund. Und wir dachten, es sei Nebel!
Die erste Sehenswürdigkeit auf dem Golde Circle ist eine Erdspalte, die sich zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte auftut. Pro Jahr bewegen sich die Platten 1 bis 2 cm auseinander. Und da sie das schon sehr lange tun, so in etwa seit 10.000 Jahren, ist mittlerweile eine unübersichtliche Grabenbruchzone entstanden, die zum Nationalpark erklärt wurde. Einige Spalten sind mit Wasser gefüllt und ganz Mutige können hindurch schnorcheln oder tauchen. Die Wassertemperatur beträgt etwa 3 Grad. Da fehlte mir dann doch der Mut.
Links ist die nordamerikanische Platte und rechts die eurasische Kontinentalplatte.
Hier ist die Spalte zwischen den beiden Platten schon recht groß.
Um den Geysir zu bewundern, braucht es weniger Mut, nur etwas Geduld. Alle 5 bis 10 Minuten hat sich genug Druck aufgebaut, so dass eine Wasserfontäne emporschießt. Gar nicht so einfach, den genauen Zeitpunkt zu erwischen, wenn man die Dampfglocke fotografieren möchte. Wenn der Druck mit einem dumpfen „Puff“ entweicht, ist es schon zu spät. Hier mein Versuch:
Bis zu 20 Meter hoch sind die Wasserfontänen des Stokkur genannten Geysirs.
Ein Paar Minuten später erreicht man den meist besuchten Wasserfall der Insel, den Gullfoss. In zwei Kaskaden stürzt er erst 11 Meter und dann 21 Meter in die Tiefe. Dort ist man nie allein, aber es gibt genügend Aussichtspunkte.
Wir übernachten ganz in der Nähe, um am nächstenTag einen Ausflug ins Hochland zu unternehmen, wir können aber nur so weit fahren, bis der Asphalt aufhört. Dann sind nur noch Allradfahrzeuge erlaubt, allerdings ist eine Durchquerung momentan witterungsbedingt noch nicht erlaubt. Die Landschaft ist abwechslungsreich, mal eintönig grau-braun, wenn der letzte Vulkanausbruch noch nicht so lange zurück liegt. Dann taucht plötzlich ein See mit türkisfarbenem Wasser auf.
In der öden Vulkanlandschaft gibt es ein paar Stellen, da beginnt sich Vegetation zu entwickeln, mit Moosen und Flechten.
Den ganzen Tag Sonne, wie wir das genießen. Der Wind ist zwar noch kühl, das macht aber nichts, dagegen kann man etwas tun. Unser Guesthouse liegt direkt neben der berühmten Hallgrimskirkja und damit zentral, um alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen zu können. Mit dem Bau der Kirche wurde in den 1930er Jahren begonnen, aber fertiggestellt wurde sie erst 1986. Da lästere noch mal jemand über den Flughafen Berlin Brandenburg. Die auffällige Form soll an Basaltsäulen und Gletscher erinnern. Innen folgt sie streng gotischen Linien, ist aber hell und schmucklos. Außergewöhnlich ist die riesige Orgel, es finden regelmäßig Orgelkonzerte in der Kirche statt. Daher also die bequemen, gepolsterten Sitzbänke.
Von der Kirche aus geht es schnurgerade hinunter ins Zentrum über eine belebte Fußgängerzone, an deren Ende die Regenbogenfarben auf dem Gehweg leuchten, die für die Offenheit der isländischen Gesellschaft stehen. Das gastronomische Angebot ist groß, aber es läuft meist auf Hamburger oder Fish & Chips hinaus. Wir haben nichts dagegen. In einigen wenigen Resrtaurants werden isländische Spezialitäten serviert, aber wir haben etwas gegen Papageitaucher und Walfleisch auf der Speisekarte. Übrigens zucke ich neuerdings auch bei Lammfleisch, seit ich die neugeborenen Lämmchen bei ihren Muttertieren auf den Weiden beobachtete.
Die fotografische Ausbeute kommt hier:
Die Hallgrimskirkja, benannt nach dem Prediger Hallgrimur, Prediger und Poet. Sein Buch mit Kirchenliedern ist das meistverkaufte Buch Islands.
Der unbekannte Bürokrat – wir sind so froh, Rentner zu sein, diese Last ist von uns genommen.
In alten Hafen
Konzerthalle und Kongress-Zentrum
In dieser Bäckerei gab es die leckersten Zimtschnecken der Reise.
Die Hauptstadt ist heute unser Ziel. Wir kürzen die Route etwas ab und fahren drei Stunden mit der Fähre zur Halbinsel Snaefellsnes und von dort in gut zwei Stunden nach Reykjavik. Der Wind hat dauerhaft nachgelassen, heute hatten wir Windstärke drei und bis zu 13 Grad bei Sonne, da erscheint doch gleich alles in einem anderen Licht. Jetzt sieht man das Ergebnis des Wintereinbruchs deutlich, die Berge haben leuchtend weiße Schneekappen bekommen. In der isländischen Presse war nachzulesen, dass ein solcher später Wetterumschwung statistisch nur alle 12 Jahre passiert. Die Ringstraße war im Osten drei Tage lang komplett gesperrt, was für den Tourismus und Speditionen, die zum Beispiel frischen Fisch befördern, große Probleme bereitete. Wir hatten tatsächlich Glück, dass wir in der fraglichen Zeit Richtung Westen unterwegs waren. Wir haben ein Schweizer Paar getroffen, das einen Tag lang in ihrem Hotelzimmer festsaß.
Aber das haben wir jetzt hinter uns gelassen und erleben das Land in einem neuen Licht. Der Frühling beginnt mit Macht, die Tulpen und Löwenzahn blühen um die Wette. Aber schaut selbst.
Blick von unserem Guesthouse zum Meer.
Unser Hausberg um 23 Uhr. Sonnenuntergang ist momentan um 0:31 und Sonnenaufgang um 02:34.
Der Strand hat hier tatsächlich gelben Sand, obwohl hier ja alles vulkanischen Ursprungs ist.
Die typische Form der Berge, durch die Witterung wird das Gestein porös, die härteren Schichten bleiben zurück.
Mit der Fähre von Brjansläkur nach Stykkisholmur. Gewöhnt euch ruhig schon mal an die isländische Sprache.
Unterwegs gibt es Picknickplätze, aber nicht immer an den landschaftlich schönsten Stellen wie hier. Das Problem ist nämlich, man kann auf den Straßen nicht ohne weiteres anhalten zum Fotografieren. Die Fahrbahn liegt meist etwas höher, daher gibt es keinen Seitenstreifen, sonder rechts und links der Straße eine unbefestigte Böschung. Wenn man eine wenig befahrene Straße hat und denkt, jetzt kann man mal kurz anhalten, kommt garantiert genau dann das eine Auto und hupt.
Ein schöner Vulkankegel, da liegt der Ausbruch noch nicht so lange zurück.
Nicht nur dass Island von Wasser umgeben ist und dass es öfters regnet, Wasser ist hier irgendwie überall. Besonders reizvoll ist es, wenn es Felsen hinunterstürzt. Mit der fotografischen Umsetzung habe ich mich heute eine zeitlang beschäftigt, denn auf dem Weg von Isafjördur an die südliche Küste der Westfjorde haben wir einen der bekanntesten Wasserfälle des Landes passiert, den Dynjandi. Und wir hatten Glück, dass uns heute kein Kreuzfahrtschiff in die Quere gekommen ist, denn dann wird es voll an diesem sonst eher ruhigen Ort. Obwohl wir es den Kreuzfahrern wohl zu verdanken haben, dass es auf dem Parkplatz am Wasserfall beheizte Wassertoiletten gibt, mitten in der Einsamkeit.
Der Dynjandi Wasserfall aus der Entfernung, 100 Meter hoch und bis zu 60 Meter breit.
Nachzutragen wäre noch, dass das Essen in diesem so vollmundig empfohlenen Restaurant in Isafjördur ausgezeichnet war. Bevor das Buffet eröffnet wurde, stellte der Koch seine komödiantischen Fähigkeiten unter Beweis, hat uns erklärt, wie man sich am Buffet bedient, wo man sich anzustellen hat und ähnliches mehr. Auf isländisch klang das sehr lustig, aber er hat es dann noch einmal auf englisch vorgetragen. Acht verschiedene Sorten fangfrischen Fisch gab es, jeder sehr lecker und unterschiedlich zubereitet. Eine bessere Fischsuppe habe ich noch nicht gegessen. Ein versöhnlicher Ausklang eines etwas verunglückten Tages.
Und am nächsten Tag war es endlich mal trocken und weniger windig, das haben wir für eine Wanderung zu einem – was sonst – Wasserfall genutzt. Es gab einen gut markierten Weg. Das ist hier im Gelände wichtig, denn überall ist es sumpfig und nass, man steht sofort im Nassen, sobald man abseits der Straßen laufen will. Und in den kleinen Orten mit wenig Tourismus hat scheinbar niemand Lust dazu, Wanderwege für die wenigen Besucher anzulegen.
Durch dieses Tal sind wir bis zum Ende gelaufen, ohne kleine Holzbrücken wäre das nicht möglich gewesen. Das waren dann acht Kilometer hin und zurück.
Unser Glücksbringer heute: der Regenbogen.
Und an dieser Bucht steht unser Gästehaus, wo wir heute übernachten. Wieder sehr ländlich, unsere Vermieterin ist wohl die Bäuerin von nebenan. Und wir haben Meerblick.
Wir haben den westlichsten Punkt unserer Reise erreicht: Isafjördur in den Westfjorden gelegen. Fjördur ist isländisch und heisst Fjord. Der Empfang in diesem meinem Ort war etwas rumpelig. Das von mir gebuchte Isafjördur Inn entpuppte sich als eine Unterkunft ohne Rezeption, nur mit Code lässt sich die Eingangstür öffnen. Da hatte ich meine Mails noch nicht gecheckt, aber nette Gäste ließen uns nicht im Regen stehen. Dann stellte sich heraus, dass der Code fürs Zimmer erst ab 15:30 Uhr gültig ist, also standen wir doch wieder im Regen. Aber mit wetterfester Kleidung kein Problem, die zwei Stunden kriegen wir schon rum, mit Tourist Info (dort warm und trocken mit WLAN Zeit verbringen) und bei West Tours den Ausflug zu der Papageitaucher Insel buchen. Manchmal läuft es einfach nicht gut. Die Tourist Info nicht zu finden. Das nächste Café zu, erst mit Maps ein Café gefunden, dort war das Wifi überlastet, aber wenigstens saßen wir erstmal trocken. Bei West Tours erfahren wir, dass es die Ausflüge erst ab nächster Woche gibt, die Insel sei noch wegen der Brutsaison gesperrt. Die Tourist Info konnten wir zwar betreten, doch drinnen sah es aus wie in einer Schreinerwerkstatt und kein Mensch zu sehen.
Dabei war der Tag eigentlich bisher ganz gut gelaufen. Die Fahrt durch die Westfjorde beeindruckend, wenn wir auch das Auto nur an den Aussichtspunkten verlassen haben. Zuviel Wind bei 3 Grad. Den mittleren Bereich der Westfjorde muss man sich vorstellen wie eine Hand mit fünf Fingern, und wir umfahren jeden dieser Finger. So braucht man für die Luftlinie von 50 km dann doch 170 km, aber der Weg ist das Ziel. Die Fjorde sind äußerst dünn besiedelt und wir sehen nur wenige Autos auf dieser Strecke.
Ein Highlight ist Litli Baer, ein kleines Grassodenhaus von 1895, liebevoll restauriert und im Angebot waren Waffeln und heiße Schokolade. Als dann ein Bus hielt und etwa 20 Gäste in die winzige Gaststube drängelten, war es aus mit der Gemütlichkeit und wir sind weitergefahren zum nächsten zugigen Aussichtspunkt. Dann noch ein Besuch im Arctic Fox Museum. Das sollte man unbedingt machen, denn mit dem Eintrittsgeld unterstützt man eine Tierauffangstation für Polarfüchse. Die Ausstellung war informativ, es gab auch ausgestopfte Polarfüchse zu sehen, die waren dekoriert mit alten Kaffeetassen.
So, jetzt gibt es noch eine Möglichkeit, diesen Tag zu retten, denn wir haben fürs Abendessen reserviert im Tjöruhúsid. Dieses wird überall vollmundig empfohlen, täglich fangfrischer Fisch lecker zubereitet. Martin sagt, bei unserem Glück heute….
Fortsetzung folgt morgen, aber hier noch die Fotos des Tages, Isafjördur kommt auch morgen, wenn es hier mal nicht regnet.
Bevor wir die Westfjorde erreicht haben, mussten wir zuerst eine Hochebene überqueren, da gab es noch Schnee satt.
Dabei ist Martin so vorsichtig gefahren. Und wir wollten doch nur eine kurze Stichstraße zu einem Wasserfall fahren und da blinkt doch plötzlich die Warnung auf, dass der hintere linke Reifen Luft verliert. Nun kommt noch erschwerend hinzu, dass wir hier gerade einen heftigen Wintereinbruch erleben. Gestern Abend haben wir noch gegen 23 Uhr die Schäfchen rund um unsere Hütte beobachtet und sie taten uns leid. Standen da im Sturm mit waagerechtem Schneefall, der allerdings nicht liegen blieb. Heute Morgen um sieben war dann ringsum alles weiß und die Schäfchen fort. Die müssen noch in der Nacht in den Stall gebracht worden sein.
Wir machen uns Gedanken wegen der Weiterfahrt. Es gibt im Internet sehr ausführliche Straßenzustandsberichte, so dass wir herausfinden, dass wir lediglich auf einer Strecke von 40 km mit einem Anstieg auf 400 Meter Höhe schwierige Straßenverhältnisse haben werden. Das war eigentlich schon Herausforderung genug, die Sicht wurde immer schlechter und dann hatten wir eine geschlossene Schneedecke unter uns. Auf einmal war alles weiß. Mit angepasster Geschwingkeit und Martins umsichtiger Fahrweise hatten wir diese Hürde gerade genommen, als der Reifen schlapp machte.
Martin konnte den Reifen mit einem speziellen Reifenreparatur Set notdürftig reparieren, allerdings im Schneesturm bei Windstärke neun! Und ich konnte ihm gar nicht helfen, musste so lange im Warmen sitzen und zuschauen. Der Reifen hielt dann bis zur nächsten Werkstatt, dort konnten sie den Reifen flicken. Wir haben unsere Reiseroute verändert und sind nicht die landschaftlich interessantere Strecke an der Küste entlang gefahren, da wären etliche Kilometer Schotter dabei gewesen. Wir haben lieber einen Umweg von 120 km in Kauf genommen.
Noch ein Wort zu den Preisen hierzulande: wir mussten warten, bis die Werkstatt nach der Mittagspause wieder öffnete. Im Café nebenan saßen wir warm und trocken bei Cappuccino und Kuchen. Dieser wurde uns wärmstens empfohlen, da Home made. Schmeckte gar nicht mal so schlecht. Und dann kam die Rechnung, zwei Cappuccini und zwei Stück Kuchen zusammen 34 Euro. Und das ist doch hier gar nicht der Markusplatz in Venedig. Dafür war die Reifenreparatur direkt günstig, sie hat in etwa genauso viel gekostet.
Das Highlight heute ist unsere Hütte in Drangsnes. Gemütlich eingerichtet, mitten in der Natur gelegen und ein Hot Tub auf der Terrasse mit 46 Grad warmem Wasser dank Geothermik.
Da hast du die Wanderung bei Sonnenschein am Fjord entlang noch im Kopf, und dann ist es über Nacht wieder Winter geworden. Nicht sachte, so mit leise rieselt der Schnee und so, sondern gleich mit Windstärke 8 und waagerechten Schneeböen. Schnelles Umdenken ist überlebensnotwendig, alle dicken Sachen an, obendrüber den Windbreaker und Kapuze, so geht es einigermaßen. Aber wir wollten es nicht anders, die Landschaft sieht mit dem Neuschneezucker noch beeindruckender aus und die Straßen bleiben frei, weil der Spuk nach einer Viertelstunde wieder vorbei ist. Aber eine halbe Stunde später geht es wieder von vorne los.
“Unusual“ sagt die Vermieterin unseres schnuckeligen Holzhauses, das wir heute für eine Nacht bezogen haben. Das Häuschen ist mollig warm und es fehlt uns an nichts. Jetzt schauen wir uns das Drama da draußen durch die Fensterscheiben an.
Da haben wir uns erstmal die Augen gerieben, als wir aus dem Fenster geschaut haben.
Unsere Hütte für heute Nacht bei Varmahlid.
Hier noch einige Eindrücke von unserer Fahrstrecke entlang der Nordküste Islands.
Die Nordküste Islands bietet landschaftlich Sehenswertes, das wir uns nicht entgehen lassen wollen und so bleiben wir im äußersten Norden und ziehen um nach Siglufjördur. Hier erreichen wir auch den nördlichsten Punkt unserer Reise, bleiben aber knapp unter dem Polarkreis. Den kann man in Island nur überschreiten, wenn man die vorgelagerte Insel Grimsey besucht.
Und das haben wir alles gesehen. Da war Asbyrgi, eine Schlucht in Hufeisenform mit senkrechten Basaltfelsen und in der Mitte bewachsen mit Moorbirken, deren erste Blättchen hellgrün leuchteten.
Dann noch eine Schlucht von oben mit skurrilen Basaltformationen, leider etwas im Dunst gelegen. Man konnte nicht hinunter, da der Weg gesperrt war.
In Husavik waren wir noch einmal, um das sehenswerte Walmuseum zu besuchen. Dort sind etliche Walskelette ausgestellt, da bekommt man einen guten Eindruck über deren Größe. Dort haben wir auch ein nettes Restaurant gefunden und Fisch gegessen. Der Fang des Tages (Namen habe ich nicht verstanden, mein Isländisch lässt noch zu wünschen übrig) auf Graupenrisotto an Wurzelgemüse mit einer feinen Soße.
Am Eyjafjord besichtigen wir ein Freilichtmuseum. Ein ehemaliges Pfarrhaus aus dem 19.Jahrhundert ist beinahe vollständig erhalten geblieben, musste nur in einigen Teilen restauriert werden. Erbaut wurde aus aus Torfsoden und die Dächer begrünt. Es handelt sich um ein verschachteltes Gebäude, in welchem alles untergebracht war, was für einen Haushalt inklusive Tierhaltung gebraucht wurde. Also auch ein Waschhaus, eine Werkstatt, Lagerraum und sogar ein Raum, der als Schule genutzt wurde. Hier lebten zwischen 20 und 30 Personen.
Das Wetter am Fjord ist interessant, blauer Himmel ist auf die Dauer langweilig und wird überbewertet.
Jetzt sind wir für zwei Tage in einem Penthouse in Siglufjördur gelandet.
Wenn da nicht dieser blöde Schuppen stünde, hätten wir einen tollen Blick auf den Ort.
Es war nicht unsere erste Walbeobachtungstour, aber auf jeden Fall unsere spektakulärste. Abgesehen davon, dass das Wetter einfach perfekt war, die Kulisse mit den schneebedeckten Bergen ebenfalls und die Tour gut organisiert war, zeigten sich die Wale immer wieder und ließen sich auch noch super gut fotografieren. Es gibt Tage, da klappt einfach alles. Und das Tollste ist, dass ich diesen Ausflug bereits vor acht Wochen gebucht hatte und dann erwischen wir diesen perfekten Tag.
Husavik liegt an der Nordküste Islands und ist nur eine Fahrstunde von unserer Unterkunft entfernt. Ein hübscher Küstenort mit einigen schönen Holzhäusern und einer sehenswerten Kirche.
Und hier hatten wir unser bisher leckerstes Sandwich.
Wir hatten eine Tour auf einem Eichenschiff gebucht, das hörte sich irgendwie gemütlich an und mit so einem Speedboot wollten wir sowie nicht fahren.
Die Blössi Sör wurde 1975 gebaut und macht einen sehr stabilen Eindruck, wobei sie bei der ruhigen See heute nicht an ihre Grenzen gebracht werden wird.
Etwa 50 Passagiere haben wir gezählt. Vor der Abfahrt wurden wir alle in einheitliche Overalls gesteckt, diese waren etwas unförmig, hielten aber perfekt warm, denn trotz der Sonne ist es auf See ja immer etwas zugig.
Voller Erwartung auf die ersten Wale. In der Zwischenzeit werden wir gut vorbereitet, erfahren viel über die Gewohnheiten der Meeressäuger, werden aber auch mit den Sicherheitsbestimmungen vertraut gemacht. Dass man bei Unwohlsein seinen Mageninhalt über die Reeling entsorgt zum Beispiel. Oder wenn jemand über Bord geht, den Rettungsring neben die ertrinkende Person werfen soll und nicht auf deren Kopf. Wir merken uns das alles natürlich gut, aber das Wichtigste ist, wann sehen wir den ersten Wal? Damit alle wissen, wohin sie dann gucken müssen, wird ein an die Uhr angelehntes System verabredet. Wenn der Wal auf zwei Uhr erscheint, stellt man sich vor, geradeaus wäre die zwölf und schaut ein wenig nach rechts. Hat super geklappt, bei „Whale at 10 o ´clock“ ging alles aufs die linke Seite, das Boot neigte sich ebenfalls stark nach links, lag aber sicher im Wasser.
Da bläst er. Bevor man einen Wal sieht, bemerkt man eine Wasserfontäne, diese stößt der Wal beim Ausatmen aus. Kurz darauf sieht man meist den Rücken. Danach taucht er wieder ab und das macht der Buckelwal am Schönsten, denn er taucht tief ein und streckt die Rückenflosse, Fluke genannt, dabei senkrecht in die Luft. Die Zeichnung der Fluke ist bei jedem Wal individuell, sie ist wie ein Fingerabdruck.
Drei andere Boote sind ebenfalls hinausgefahren und wenn ein Boot einen Wal entdeckt hat, kommen die anderen natürlich auch dorthin. Es ist immer spannend, wo der Wal als nächstes auftaucht, beim Buckelwal passiert es ziemlich oft und man kann in etwa abschätzen, wann er wieder auftaucht. Das kann manchmal auch ganz nah am Boot sein, das ist dann ein besonderes Erlebnis, denn zuerst hört man ihn prusten und dann ist er auf einmal neben dem Boot. Auch das haben wir heute erlebt.
Zum Anfassen nahe! Das haben die Kapitäne allerdings nicht so gerne, denn sie wollen Rücksicht nehmen und den Walen möglichst nicht so nahe kommen. Unser Boot ist dann auch gleich etwas weiter weggefahren.
Aber den Walen scheint es Spaß zu machen, sich die staunenden Touristen anzuschauen. Manchmal springen sie auch vor lauter Vergnügen, das haben sie heute nicht getan.
Aber dann haben wir doch noch etwas Besonderes erlebt, denn wir haben einen Blauwal gesehen. Das kommt nicht so oft vor und er hat ein etwas anderes Verhalten als der Buckelwal. Er zeigt seine Fluke nicht beim Abtauchen und er bleibt länger unter Wasser, so dass man nie so genau weiß, wo er das nächste Mal wieder auftaucht, meist in einiger Entfernung. Hier war er tatsächlich sehr nahe an einem anderen Boot.
Der Blauwal ist das größte Tier der Erde, er wird bis zu 30 Meter lang und wiegt bis zu 200 Tonnen. Sein Herz hat die Größe eines Elefanten. Ihn einmal in freier Wildbahn gesehen zu haben, war ein ganz besonderes Erlebnis und rundete diesen wunderbaren Tag ab.
PS. Den Blog zu schreiben, hat nicht so lange gedauert. Aber die 1.524 Bilder zu sichten, war die Hauptarbeit. Ich hatte den Serienbildmodus eingeschaltet, um das Eintauchen der Fluke ins Wasser nicht zu verpassen. Man drückt einmal ab und die Kamera schießt blitzschnell ein Foto nach dem anderen, das hört sich beinahe wie ein Maschinengewehr an. Und produziert unendlich viele Fotos. Aber man hat ja abends sonst nichts zu tun.
Ist keiner auf die Idee gekommen, mal nachzuschauen, was Myvatn auf deutsch heißt? Mückensee !!! Aber keine Angst, wir lassen uns von dem Namen nicht abschrecken, zumal wir wissen, dass diese kleinen Biester hier nicht stechen. Wenn es auch zugegebenermaßen sehr viele von ihnen gibt.
Der See macht seinem Namen alle Ehre und ich schwöre, ich habe keinen einzigen Mückenstich.
Die Gegend um den Myvatn ist die einzige Region im Nordosten Islands, die für Touristen einige Sehenswürdigkeiten bietet, die nicht 100 km voneinander entfernt liegen. Und es gibt sogar drei Hotels, aber die findet man nicht immer gleich, es gibt kaum Hinweisschilder und manchmal sehen sie eher wie eine Lagerhalle aus. Aber Touristen sieht man doch, viele sind auf der Durchreise, die einzigen, die vier Tage hier sind, das sind glaub´ich wir. Aber es gibt viel zu tun, hier unser heutiges Tagesprogramm bei eher isländischem Wetter. Das heisst, es fehlt die Sonne und wir haben kleidungstechnisch etwas aufgerüstet. Morgen nehmen wir Handschuhe mit, aber das nur, weil es morgen aufs Schiff geht.
Das sind sogenannte Pseudokrater. Sie haben keine Lava gespuckt, sondern sie waren ein riesiger Lavafluss, der im Wasser verpuffte und sozusagen durch Überdruck in die Luft geflogen ist. Heute ist hier ein Vogelschutzgebiet und es wurde ein schöner Rundweg angelegt.
Hier brauche ich eure Hilfe: ich habe nicht herausgefunden, was für ein Huhn mir hier vor die Kamera gelaufen ist. Irgendeine Idee?
Unser Pausenbrot. Es wurde mittels Erdwärme langsam gegart und heißt übersetzt Rauchbrot. Schmeckt leicht süßlich und der Teig ist schwer bis klebrig. Belegt mit geräucherter Forelle aus dem Fluß nebenan. Für manch einen schmeckt es „bäh“ für andere „landestypisch interessant“. Ob wir es noch einmal bestellen würden? Keine Ahnung…
Die nächste Attraktion sind Lavaformationen, die malerisch im Wasser stehen, auch diese sind mittels Rundweg erschlossen und geben lohnende Fotomotive ab.
Das Thema Lava beschäftigt uns heute noch weiter, hier türmt sie sich zu pittoresken Gebilden auf, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Und um beim Thema zu bleiben, das Geothermalgebiet rund um den Myvatn ist ebenfalls einen Besuch wert, fototechnisch sind die Dampfschwefelquellen ein echter Hingucker. Manch einer rümpft allerdings dabei die Nase.
Zu guter Letzt hat uns noch interessiert, wie die Erdwärme zur Gewinnung von Strom genutzt wird.
Im Geothermalkraftwerk Kröflustdd wird aus heißem Dampf Strom erzeugt.
Die Strasse endet am Kratersee des Vulkans Viti, der zu dieser Jahreszeit noch zugefroren ist, das hat seinen eigenen Reiz wie ich finde.
Er hat den Nebel verscheucht und um die Mittagszeit war alles eitel Sonnenschein. Das Thermometer zeigte tatsächlich 17 Grad, aber im Wind war es natürlich deutlich kälter. 300 Kilometer haben wir heute sehr entspannt zurückgelegt, mit 90 km/h hat man auch etwas von der Landschaft. Der Nordosten Islands gilt als karg und ohne viel Sehenswertes, aber wir können dieser archaischen Landschaft doch etwas abgewinnen. Keine Menschenhand hat in die Natur eingegriffen, sieht man einmal von der Fahrstraße und den Stromleitungen ab. Aber ansonsten waren geophysikalische Kräfte am Werk, das Erdinnere stülpte sich nach außen und Vulkanausbrüche formten Island und tun dies bis heute. Dort, wo die Vulkanausbrüche am längsten zurückliegen, entwickelt sich wieder Vegetation. Jüngst wird an einigen Stellen sogar aufgeforstet, kleine Wäldchen entstehen. Es geht alles sehr langsam hier, weil die Vegetationsperiode nur sehr kurz ist. Unter Schnee und Eis kann die meiste Zeit des Jahres nichts wachsen.
Jetzt im Frühsommer geht alles ganz schnell in der Natur, der Schnee schmilzt noch und speist unzählige Wasserfälle, das erste saftige Grün und Blüten zeigen sich. Wasserfälle sind auch die ersten Natursehenswürdigkeiten, die wir aufsuchen. Dettifoss, Selfoss und sozusagen vor unserer Haustür der Godafoss. Sie gehören zu den bekanntesten Wasserfällen Islands. Jeder beeindruckt auf seine Weise, wir können uns nicht entscheiden, welcher der Schönste ist. Aber seht selbst.
Der Dettifoss, nicht der höchste, aber durch die Wassermassen der gewaltigste Wasserfall Islands.
Wenn man noch eineinhalb Kilometer weiter läuft, ist man schon beim nächsten Wasserfall, dem Selfoss. Das Wasser hat einen bizarren Canyon geformt.
Und dann rauscht es von mehreren Seiten in die Tiefe, sollte man nicht verpassen.
Am Abzweig zu unserem Farmhotel ist der eher kleine Godafoss am Werk, aber hässlich ist der auch nicht, oder?
Der Blick aus unserem Hotelzimmer. Ja, unsere Unterkunft nennt sich nicht „Urlaub auf dem Bauernhof“, sondern etwas vornehmer „Fljótsbakki Farm Hotel”. Wir schlafen im ehemaligen Kuhstall, aber daran erinnert jetzt nichts mehr. Höchstens die Milchkannen vor der Tür.
Im späten Frühjahr über den Nordatlantik – wir hatten uns auf raue See und Stürme gefasst gemacht. Aber weit gefehlt, es war eine überaus ruhige Überfahrt, auf dem Weg zu den Färöern gab es ein paar Stunden lang niedliche Schaumkronen und leichte Dünung, aber in der Kabine ist noch nicht mal die elektrische Zahnbürste umgefallen. An Deck saßen wir stundenlang auf schönen Holzliegestühlen, und zwar so lange, dass sie am Ende etwas hart wurden. Auflagen wären schön gewesen, aber das ist reiner Luxus. Bequemer saßen wir dann an unserem Lieblingsplatz in der Panoramabar und konnten zuschauen, wie sich die Farbe des Meeres änderte, denn die Sonne verschwand wieder und das Wasser war ein hellgraues Seidentuch, das sich neben uns herschob. Ja, man kommt schnell ins Meditieren auf hoher See.
Auf den Färöern konnten wir uns an Land die Beine vertreten, auf dem Rückweg machen wir dort länger Station. Dann hatte der Kapitän noch ein Highlight für uns vorbereitet. Nachdem wir die Färöer mehr oder weniger im Nebel gesehen hatten, steuerte er unser Schiff zwischen die eng beieinander liegen Inseln hindurch, denn er hatte einen guten Draht nach oben und pünktlich zur Durchfahrt zeigte sich eine blasse Sonne. Jetzt wissen wir auch, dass wir uns auf die Färöer freuen können, schroffe Felsen, dünn besiedelte Inseln und saftig grün bewachsene Hänge.
Beschauliches Torshavn auf den Färöern
Panoramafahrt durch die Färöer Inselwelt
Am nächsten Morgen kommt Land in Sicht, man erahnt es mehr als dass man es sieht. Nebel und Regen, so begrüßt uns das Land von Feuer und Eis. Aber wir wissen ja, dass sich das Wetter schnell ändern kann, die atlantischen Winde werden schon dafür sorgen. Immerhin kommen wir mit unserem Auto trockenen Fußes von Bord.
Ungläubiges Staunen, aber es stimmt. Wir sind Rentner und haben Zeit, denn die braucht man tatsächlich. Immerhin sind es von Aschaffenburg nach Hirtshals an der Nordspitze Dänemark 1.022 Kilometer. Mit Übernachtung zwischendurch aber kein Problem. Die Fähre braucht bis an die Ostküste von Island zweieinhalb Tage inklusive Zwischenstopp auf den Färöer Inseln. Wir haben eine Kabine gebucht und das Ganze schon vor einem Jahr. Würden wir jetzt buchen, wäre die Überfahrt ungefähr doppelt so teuer. Übrigens habe ich auch alle Unterkünfte schon im voraus gebucht, denn Isalnd ist dünn besiedelt und ausserhalb der Hotspots gibt es nur wenige, privat Unterkünfte. Aber rechtzeitige Reiseplanung hat mir schon immer Spaß gemacht, dann ist die Vorfreude länger.
Nicht nur die Unterkünfte sind rar gesät, auch die Verpflegungsstellen, sei es Restaurants, Cafés, Imbissbuden oder Tankstellen. Unsere Unterkünfte sind entweder Zimmer, Apartments oder Hütten, die von Privatleuten, oft auch Farmern, betrieben werden. Da gibt es auch keine Dorfkneipe in der Nähe. Also werden wir uns ein paar haltbare Lebensmittel mitnehmen, sowas wie Nudeln und Pesto. Ihr müsst also keine Angst haben, dass wir verhungern. Wobei uns ein paar Kilos weniger auch ganz gut tun würden.
Volle Fahrt voraus mit der Norröna
Unser Schiff nach Island heisst Norröna und gehört zur Smyril Line, einer Reederei beheimatet auf den Färöern. Smyril ist übrigens der färöische Name für Merlin, der einzige heimische Greifvogel dort. Die Norönna wurde 2003 in Flensburg gebaut und zwischenzeitlich modernisiert. Wir fühlen uns sehr wohl an Bord, es gibt ansprechend ausgestattete Aufenthaltsräume, Caféteria, Restaurants und unseren Lieblingsort, die Laterna Magica. Eine Panoramabar auf dem obersten Deck mit einem phantastischen Rundblick. Bequeme Sessel, Lümmelsofas direkt am Fenster oder Tische zum Schreiben, Karten spielen etc. Gestern Abend sahen wir die norwegische Küste im Abendlicht vorübergleiten, untermalt von den besten Motown Songs.
Dies ist eine Warnung: wer Wind hasst oder permanent Angst um seine Frisur hat, sollte nicht nach Lanzarote fahren. Auch nicht nach Fuerteventura. Diese beiden Inseln liegen am weitesten östlich von allen Kanarischen Inseln und kriegen den Nordost-Passatwind ungebremst ab. Es gibt keine nennenswerten Gebirgszüge, die den Wind aufhalten und somit ist ein Orkan hier keine Seltenheit. Die Surfer freut´s, aber wir kämpfen schon seit gestern gegen den unablässig stürmenden Wind der Stärke 12 bis 13, der gefühlt immer von vorne kommt, egal, wohin man geht. Heute auf unserer Sonnenterrasse sind wir irgendwann nach drinnen gegangen, weil die Palmen ohrenbetäubende Geräusche von sich gaben, ähnlich wie direkt an der Brandung. Palmenrascheln statt Wellenrauschen.
Natürlich lassen wir uns nicht von unserem Tagesprogramm abhalten, wir umrunden zwei Vulkane, es ist ja sonnig und warm, auch wenn man beinahe wegfliegt. Wir bekommen noch einmal einen eindrucksvollen Einblick in die vulkangeprägte Landschaft Lanzarotes.
Diese Farben begeistern immer wieder! Nicht alle Vulkane haben so eine schöne Färbung, aber jetzt versteht man, dass sie im Volksmund „Feuerberge“ genannt werden. Der zweite Vulkan, den wir heute umrunden, hat die Besonderheit, dass man in die Caldera hinabsteigen kann
Ich stelle mir die ganze Zeit vor, wie es hier vor 200 Jahren gewesen wäre. Sehr heiß auf jeden Fall, hier öffnete sich die Erde, schleuderte flüssiges Magma nach oben und veränderte die Insel Lanzarote für immer. Langsam entsteht Vegetation, vielleicht wächst hier in 200 Jahren ein Wald?
Hier erkennt man die Caldera ganz gut aus der Entfernung.
Nachzutragen von gestern wäre noch diese leuchtend grüne Lagune. Sie ist aus einer Caldera entstanden, die sich an der Küste gebildet hatte, zur Hälfte eingestürzt ist und überspült wurde.
Hier wird schon seit Jahrhunderten Salz aus Meerwasser gewonnen. Früher arbeiteten hier 100 Salinenarbeiter, denn Salz wurde tonnenweise von den Fischern benötigt, die den frischen Fisch mit Salz haltbar machten. Heute wird nur noch ein Bruchteil gewonnen, aber die Touristen freuen sich über Fleur de sel als passendes Mitbringsel für Gourmets.
Leider ist unser Urlaub morgen zu Ende, wir fliegen zurück in den Regenwinter und behalten vor allem das Licht in Erinnerung, zweimal hat es nachts ein wenig geregnet und an zwei, drei Tagen waren mal mehr Wolken als Sonne da, aber der Rest war blauer Himmel, immer über 20 Grad. Das muss jetzt eine Weile reichen. Schön, dass ihr wieder dabei wart, danke für eure Kommentare und bye, bye! Nach der Reise ist vor der Reise, lasst euch überraschen.
Weinanbau ist ein großes Thema auf Lanzarote, der vulkanische Boden ist reich an Mineralstoffen und die Sonne sorgt für die nötige Süße der Trauben. Allerdings ist der Anbau ungleich schwerer, als wir es von den heimischen Weinbergen kennen. Vor allem der fehlende Regen erfordert viel Wissen um die Bedürfnisse der Pflanzen, um sie trotzdem anbauen zu können. Künstliche Bewässerung ist kein großes Thema, denn es gibt ohnehin kaum Trinkwasser auf Lanzarote. Ein natürliches Vorkommen gibt es noch im Norden der Insel, ein unterirdischer See, der aber schon stark zurückgegangen ist. Der hohe Wasserverbrauch auf der Insel, natürlich vor allem in den touristischen Zentren, wird heute durch eine Meerwasserentsalzungsanlage gedeckt. Doch die ist natürlich energieintensiv.
Aber die Weinbauern haben ihre Anbaumethoden den Gegebenheiten angepasst. Sie pflanzen ihre Rebstöcke in kreisrunde Mulden, die Pflanzen wurzeln in 60 cm Tiefe im fruchtbaren Mutterboden. Um die Mulden herum werden meist halbkreisförmige Mäuerchen aus Lavagestein errichtet, um die Pflanzen gegen den permanenten Wind vor Austrocknung zu schützen. Die Mulden haben den Vorteil, dass sich Feuchtigkeit, wie der morgendliche Tau, am Rebstock sammeln kann. Diese Anbaumethode prägt das Landschaftsbild der zentralen Hochebene von Lanzarote und entlang der sie durchquerenden Landstraße gibt es zahlreiche Bodegas. In erster Linie wird Weißwein angebaut, wir haben am liebsten den trockenen Malvasier getrunken. Übrigens kann man nicht gerade von Schnäppchen sprechen, wenn man in einer Bodega Wein kaufen möchte. Unter 18 Euro die Flasche haben wir keinen Wein gesehen. Wenn man natürlich bedenkt, dass die Winzer alles in Handarbeit machen müssen, haben sie wahrscheinlich Recht, wenn sie sich ihre Mühen versilbern lassen. Allein wenn ich bedenke, dass sie sich immer sehr tief bücken müssen, bei der Pflege wie bei der Ernte, bekomme ich schon Rückenschmerzen.
Mein Knie heilt gut und eine kleine Wanderung auf ebenen Lavawegen ist genau das Richtige. Hier läuft man wie auf einem dicken Teppich, denn die Lava ist hier fein gemahlen wie Split, den wir vom Straßenbau kennen.
Typisches Landschaftsbild der zentralen Ebene auf Lanzarote.
Unsere Finca liegt inmitten des Weinanbaugebietes La Geria.
Der älteste Weinanbaubetrieb geht zurück auf das Jahr 1775. Den Hahn hat übrigens, na wer wohl, entworfen? Natürlich, César Manrique.
Es gibt neuerdings auch diese Variante, Mauern zu bauen, längst nicht so schön wie die runden Mulden, wie ich finde.
Die Rebstöcke fangen gerade erst an, auszuschlagen, manche liegen noch in ihrem Winterschlaf.
Für manche hat es auch etwas meditatives, wahrscheinlich muss man nur lange genug hinschauen…
Da gucke ich mir lieber die Blümchen am Wegesrand an.
Das Wetter hat sich grundlegend geändert, der Wind hat auf Osten umgeschaltet und somit weht uns die warme Luft aus Afrika um die Nasen. Das Thermometer erreicht heute 28 Grad, was an sich sehr schön ist, wir können jetzt am Abend draußen sitzen, die Sonne ist schon längst untergegangen. Der Wermutstropfen ist, dass mit der Wärme auch immer etwas Sand vom schwarzen Kontinent herüberweht , also ist es so diesig, dass Landschaftsaufnahmen heute keinen Sinn machen. Übrigens nennt man diese Wetterlage Kalima. Das passiert jetzt immer häufiger, so alle vier bis sechs Wochen und dauert einige Tage.
Mein Knie bedarf noch etwas Schonung, deshalb haben wir heute zwei Manrique Museen besucht. Eigentlich handelt es sich in beiden Fällen um Wohnhäuser, die er für sich selbst gestaltet hat. Das erste Gebäude hat er schon bald zum Sitz seiner Stiftung gemacht, nachdem er sich 1986 weiter abseits in den Bergen einen ländlichen Wohnsitz erschaffen hat. Leider konnte er sein letztes Haus nur wenige Jahre bewohnen, denn 1992 erlag er seinen Verletzungen infolge eines Autounfalles.
Wir beginnen am letzten Haus, das er bis zum Schluß bewohnt hat. Auf den Grundmauern eines traditionellen Bauernhauses erbaute er seinen Wohnsitz unter Verwendung möglichst natürlicher Materialien.
Der Eingang zum letzten Wohnhaus in Haría. Er hatte das Grundstück mit einem Bestand an alten Palmen schon viele Jahre zuvor gekauft und Ende der 1980er Jahre nach seinem Geschmack ausgebaut.
Am Eingang steht dieser Seat, ihn hatte Manrique anlässlich eines Autosalons in Barcelona bemalt und durfte ihn anschließend behalten. Tatsächlich fahren derzeit noch ein paar Autos mit dieser Bemalung für eine Autovermietung über die Insel.
Das Wohnzimmer mit anschließendem großzügigen Essbereich.
Manrique lässt sich nicht einfach einer bestimmten Kunstrichtung zuordnen. Er verstand sich als Gestalter von Natur und Umwelt, dazu gehörten neben der Architektur auch Malerei und gestaltende Kunst. Hier sind allerdings einheimische Töpferarbeiten zu sehen.
In einem Nebengebäude hatte Manrique die Werkstatt untergebracht. Hier wurde nach seinem Tode nichts verändert, das begonnene Gemälde steht noch so auf der Staffelei, wie der Künstler es verlassen hatte. Hinten rechts ein vergrößertes Foto von ihm.
Den Eingang zu seinem ehemaligen Wohnhaus in der Nähe von Arrecife ziert eines seiner Windspiele, die sich auch an markanten Punkten der Insel finden. Noch zu Lebzeiten hatte Manrique hier seine Stiftung untergebracht und die Wohnräume zum Museum umgestaltet.
Dieses Gebäude errichtete Manrique in einem Lavafeld. Er entdeckte darin einen Feigenbaum, der in einem Lavaschacht bis an den Rand nach oben gewachsen war. Dies inspirierte ihn dazu, sein Gebäude nicht nur ebenerdig zu bauen, sondern auch Hohlräume im Untergrund zugänglich zu machen und als Wohnraum nutzbar zu machen. Ein Pool musste immer dabei sein, das Element Wasser durfte nie fehlen.
Solche Gänge verbinden die einzelnen Wohnbereiche, man könnte sie auch Höhlen nennen. Das ist aber auf keinem Fall despektierlich gemeint.
Auch hier wächst ein Baum nach oben zum Sonnenlicht.
Eine abwechslungsreiche Küstenwanderung gibt es an der Westküste und die führt ein Stück durch den ansonsten nicht zugänglichen Nationalpark Timanfaya. Man läuft mitten durch das Lavafeld, das beim letzten Ausbruch vor 200 Jahren entstanden ist. Richtig dramatisch ist die Steilküste, die heftig umtost wird von ungebremsten Atlantikwellen. Ausgangsort der Wanderung ist El Golfo, ein kleiner Küstenort, keine Hotels aber etliche Fischrestaurants, direkt am Meer gelegen. Da dachte ich zum ersten Mal an die Fischplatte, die ich nach der Wanderung essen würde. Man braucht ja ein Ziel nach all´ der Mühe. Und wenn man dann so vor sich hinwandert, geht sie einfach nicht mehr aus dem Sinn.
Gewöhnungsbedürftig ist die erkaltete Lava ringsum, aber wenn der Weg nah an der Küste entlangführt, wird es dramatisch.
Tief unten liegt eine feinsandige Badebucht, mit schwarzem Lavasand.
Wir gehen jetzt ein Stück durch den Nationalpark, die Vulkanberge leuchten in rot und schwarz.
Kaum sind 200 Jahre rum, kehrt langsam die Vegetation zurück, sehr langsam, nur an geschützten Hängen entwickeln sich die ersten Büsche. Aber die Fischplatte geht mir nicht aus dem Sinn.
Der Weg ist anspruchsvoll zu gehen, manche Abschnitte sind steil und die losen Lavabrocken machen das Gehen mühsam. Man sollte sich auch konzentrieren, aber wenn die Gedanken immer wieder zur Fischplatte schweifen, …..
… bleibt man mit einem Fuß hängen und der scharfkantige Lavastein verzeiht nichts. Wir hatten Verbandszeug dabei, aber um die Hose ist es schade. Zur Belohnung gab´s die Fischplatte, aber dann zum Arzt. Musste nicht genäht werden.
Er hat auf der ganzen Insel seine Spuren hinterlassen – César Manrique, Jahrgang 1919. Als Kunststudent ging er einst nach Madrid und bekam später ein Stipendium nach New York. Er war beeinflusst von Zeitgenossen wie Picasso und Matisse. Neben der Kunst galt sein Interesse der Architektur, er vertrat mehrfach sein Land Spanien auf der Biennale von Venedig.
Ende der 1960er Jahre zog es ihn aber wieder auf seine Insel Lanzarote zurück. Er hatte gesehen, wie sehr der Tourismus Nachbarinseln wie Teneriffa oder Gran Canaria beeinflusst hatte und das wollte er seiner Insel ersparen. Er orientierte sich an der traditionellen Bauweise und dokumentierte sie in einem Bildband. Er hatte einen Förderer für seine Ideen, seinen Freund, den Inselpräsidenten. Manrique konnte daher die touristische Entwicklung nach seinen Vorstellungen fördern. Die kubische Bauweise, harmonisch in die Landschaft eingefügt, weiß getüncht gegen die Hitze und grüne Fenster und Türen. Kein Gebäude sollte mehr als zwei Stockwerke haben. Bis heute ist dies weitgehend gelungen, einige Bausünden sind auf Korruption zurückzuführen. Aber wenn man über Land fährt, sieht man die ursprüngliche Bauweise sehr gut, Reklameschilder fehlen ganz. Übrigens oft auch Wegweiser, entweder lässt man sie ganz weg oder sie sind so klein, dass man sie vom Auto aus erst sieht, wenn man schon an der Abzweigung vorbeigefahren ist.
Manrique hat etliche touristische Anlagen gestaltet, zum Beispiel den Aussichtspunkt El Rio, ihr erinnert euch, von da aus schaut man zu der Nachbarinsel Graciosa. Gesten haben wir einen Lavatunnel besucht, den Manrique zugänglich gemacht und ausgestaltet hat. Dieser Lavatunnel endet im Meer, ist an einigen Stellen eingestürzt und bildet kleine Seen. Der Künstler hat es verstanden, die touristische Infrastruktur wie Cafés und Toiletten so in das Lavagestein zu bauen, dass es sich ganz natürlich in die Umgebung einfügt.
Der Pool ist übrigens nicht zu Baden gedacht, nur zum Staunen.
Ganz in der Nähe hat Manrique um eine Mühle herum einen Kakteengarten angelegt in der Form eines Amphitheaters. Die Kakteen stammen aus allen Regionen der Erde, auf Lanzarote sind nur wenige Arten davon heimisch.
Gerade mal 200 Jahre liegt der jüngste Vulkanausbruch zurück und es handelte sich um einen der längsten je registrierten Ausbrüche. Rund ein Viertel der Insel war danach von erkalteten Lavaströmen bedeckt und etliche Vulkanberge ragten in die Höhe. Wenn man heute über die Insel fährt, ist das Ergebnis des Vulkanismus allgegenwärtig. Schwarzes Lavagestein wird behauen und zum Hausbau verwendet. Wo der Boden urbar gemacht werden konnte, dienen niedrige Mauern aus Lavagestein als Windschutz. Die Berghänge sind noch weitgehend kahl und ändern ihre Farbe je nach Lichteinstrahlung, von schwarzgrau bis rot. Manche schimmern bereits grünlich, die ersten Flechten haben sich angesiedelt.
Um das Gebiet des Vulkanausbruchs von 1730 herum wurde ein Nationalpark angelegt. Man kann sich dort allerdings bis auf eine Ausnahme nicht selbstständig bewegen. Entweder man klettert auf ein Kamel, schließt sich einer geführten Wanderung an, die man einen Monat im Voraus buchen muss, oder man fährt eine halbe Stunde mit dem Bus. Wir entscheiden uns für Letzteres. Die Route führt nahe an den erloschenen Vulkanen entlang auf einer schmalen asphaltierten Straße. Scheinbar genau auf die Größe der Ausflugsbusse abgestimmt. Die Ausblicke waren dramatisch sehenswert, Fotos aber nur durch die spiegelnden Scheiben des Busses möglich.
… und einem Traumstrand! Man nimmt die Fähre von Orzola nach Graciosa…
… umschifft das Nordkap von Lanzarote, Punta Fariones, was ganz schön wackelig werden kann,
und marschiert dann die fünf Kilometer zwischen den beiden Bergen hindurch auf die Westseite von La Graciosa…
und schon ist man überwältigt von dieser Aussicht:
Diese Farben! Smaragdblau bis türkis das Wasser, fein der helle Sand, und dahinter ein roter Feuerberg. Und da habe ich noch das himmelblaue Firmament vergessen. Einfach traumhaft, Playa de las Conchas, falls ihr auch mal dahin wollt.
Ich war nur bis zu den Knöcheln im Wasser, dann kam diese Welle
und dann stand ich bis zu den Knien im Wasser! Dabei hatten wir uns gegen ein Bad im Meer entschieden, denn wir sind erklärte Warmbader. Wenn keine zwei vor der Wassertemperatur steht, denken wir noch nicht einmal drüber nach, ins Wasser zu gehen. Es gibt ja Menschen, die fragen nicht nach der Temperatur, sondern fragen sich nur selbst, will ich da rein oder nicht. Wir gehören nicht zu denen. Hier hat es schätzungsweise 18 Grad. Danke, nicht mit uns.
Unsere Belohnung: den catch of the day mit kanarischen Kartöffelchen und Weißwein aus Lanzarote. Ach, es ist so schön, Rentner zu sein.
Rückfahrt nach Orzola entlang der steilen Westküste.
Wohin, wenn bei uns alles grau in grau erscheint und Regenschauer unser ständiger Begleiter ist? Wer sehnt da nicht den Frühling herbei. Und da haben wir es schon, unser Reiseziel: die Inseln des ewigen Frühlings, auch Kanarische Inseln genannt. Wir haben uns die wohl eigenwilligste der sieben Hauptinseln ausgesucht: Lanzarote. Die vulkanischen Aktivitäten liegen erst knapp 200 Jahre zurück und sind der Grund dafür, dass weite Teile der Insel wie eine Mondlandschaft aussehen. Vulkankegel leuchten in verschiedenen Farben und Lavaströme sind noch heute gut zu erkennen. Aber Lanzarote hat viele Facetten, die wir alle erkunden wollen in den kommenden 14 Tagen. Ich nenne nur ein Stichwort: Weinanbau!
Unser Quartier haben wir etwa in der Mitte der 60 Kilometer langen und 12 Kilometer breiten Insel aufgeschlagen. Wie meistens zieht es uns weg von den touristischen Hochburgen, von denen es hier allerdings nur drei über die Insel verteilte gibt. Wir haben eine Finca gemietet, die authentisch aus schwarzem Lavagestein erbaut und gemütlich mit viel Holz eingerichtet wurde. Sie liegt mitten im Weinanbaugebiet, doch dazu später. Wir bleiben jetzt erstmal nüchtern und starten zu unserem ersten Tagesausflug.
Bei wolkenlosem Himmel fällt die Entscheidung nicht schwer: wir fahren in Richtung Norden zum berühmtesten Aussichtspunkt der Insel. Er befindet sich wie ein Adlerhorst auf einer 500 Meter hohen Felsenklippe und bietet einen einmaligen Ausblick auf die kleine Nachbarinsel La Graciosa. Die smaragdgrüne Meerenge gibt dem Aussichtspunkt seinen Namen: Mirador del Rio.
Erster Café con leche auf der Insel, kostet in Haria € 1,50. Das gefällt uns natürlich. Gleich noch eine Runde durch den Ort gedreht.
Das Anwesen steht zum Verkauf. Jemand interessiert?
Auch eine Italienreise geht viel zu schnell vorbei, wie eigentlich alle Reisen. Wir waren in dem klassischen Reiseland schlechthin unterwegs. Es war äußerst abwechslungsreich, allen Zielen gemein war die spürbare Herzlichkeit der Italiener, besonders wenn wir uns mit ein paar Brocken Italienisch abgemüht haben. Und was uns besonders gefällt, ist natürlich die Kaffeekultur. Überall schmeckt der Cappuccino bestens, egal ob wir 1,20 Euro bezahlt haben wie in Mantua oder auch schonmal 2,50 Euro, was immer noch günstiger ist als zu Hause. Und dass wir die malerischen Altstädte lieben, habt ihr bestimmt bemerkt.
Nicht zuletzt lieben wir die italienische Küche, ich konnte alle meine Lieblingsgerichte probieren, von Spaghetti Vongole bis Risotto Tartufo, alles lecker. Wir haben übrigens neben dem Aperol Sprizz noch zwei Getränke entdeckt, die wir euch empfehlen können, falls ihr mal etwas anderes trinken möchtet: Limoncello Sprizz (leider kommt der nicht aus Limone) und San Bitter Rosso, sieht ähnlich aus wie Aperol ist aber alkoholfrei.
Was war noch? Wir konnten in Italien problemlos an den Elektrosäulen laden. Karte vorhalten, Stecker rein und fertig. Bei uns funktioniert jede Säule anders, man muss jedes mal die Bedienungsanleitung lesen, ob zuerst der Hebel runter oder die Karte rein, in welcher Reihenfolge das Kabel, erst am Auto oder erst am der Säule, das ist zum Mäuse melken. Wir machen’s richtig kompliziert und die Italiener machen’s richtig einfach. Bravissimo!
Und noch ein Tipp zum Dresscode. Martin sagt, der Italiener geht mit langer Hose und auf Hochglanz geputzten Schuhen zum Abendessen. Ich sage, bei 28 Grad im Schatten kommt auch der schnieke Italiener in kurzen Hosen. Wer hat Recht? Also sitzen wir jeden Abend nach dem Essen gemütlich irgendwo rum, bei einem Sprizz oder San Bitter, und zählen. Jawohl, Statistik für Anfänger, ohne Excel und Extrapolation. Da hat man an so einem lauen Sommerabend gut zu tun, die halbe Stadt ist auf den Beinen. Das Problem ist nur, die Anzahl der kurzen Hosen steht in reziproker Relation zu den vorher getrunkenen Rotweinen oder Aperols. Die Antwort ist also ganz klar, es gehen weitaus mehr Männer in kurzen Hosen, und sehen darin gar nicht mal schlecht aus. Übrigens auch Martin, er lässt die lange Hose jetzt auch im Schrank hängen, würde aber nie zugeben, dass dies etwas mit der Statistik zu tun hat.
So, das war´s mal wieder, danke für eure Reisebegleitung und ciao bis zur nächsten Reise.
Hier noch ein paar Bilder von unserem kunterbunten und komfortablen Hotel in Riva del Garda. Unser Zimmer lag im 1. Stock des modernen Anbaus.
Die Isola del Garda befindet sich in Privatbesitz und kann nur im Rahmen einer organisierten Tour besucht werden. Wir sind ja lieber individuell unterwegs, aber in diesem Fall haben wir uns doch für die Tour entschieden und es war eine gute Entscheidung! Die Geschichte der Insel ist durchaus interessant und die verspielt-romantische Villa sehenswert. Drumherum gibt es gepflegte Gartenanlagen und dazu muss man wissen, dass ein Teil der etwa 1 km langen Insel felsig war und erst im 19. Jahrhundert eine Mauer gebaut wurde, um mit Erde aufzufüllen. Kaum zu glauben, wenn man heute die Bäume bestaunt, denen man nicht ansieht, dass sie auf Fels stehen.
Die ersten Bewohner der Insel waren Mönche, später wechselte die Insel des öfteren den Besitzer, zuletzt kauft es ein wohlhabender Graf, der in Venedig eine russische Adelige heiratete. Sie war von der Architektur Venedigs so angetan, dass die Villa auf der Gardaseeinsel im venezianisch-maurischen Stil umgebaut und erweitert wurde. Heute befindet sich die Insel noch immer im Besitz der Familie Borghese Cavazza, in fünfter Generation. Derzeit gehört der Besitz den sieben Geschwistern gemeinsam, drei von ihnen leben zusammen mit der Mutter ständig auf der Insel, die anderen kümmern sich um die Besitzungen der Familie an Land, darunter einen Landsitz mit Zimmern für Urlauber, einen Campingplatz und eine Reitschule. Sie sind durchaus bürgerlich aufgestellt, zum Beispiel ist eine Gräfin Englischlehrerin. Alls zusammen sorgen dafür, dass die Insel mit den gepflegten Gärten und der Villa erhalten bleibt, was nicht zuletzt durch die Besucher finanziert wird.
Unsere Tour beginnt in Maderno, von hier aus bringt uns ein Boot zur Insel.
Das Anwesen vom Wasser aus, der Dogenpalast in Venedig diente sozusagen als Vorlage. Das einfache unterste Geschoss wurde für die Angestellten erbaut, auch befanden sich dort die Küche und Waschräume. Heute leben dort Familienangehörige.
An Samstagen kann die Insel nicht besichtigt werden, dann werden hier Hochzeiten ausgerichtet.
Die Gartenanlagen wurden von allen Generationen der Familie gepflegt, auch heute sind unter den neun Festangestellten auch vier Gärtner.
Traditionelle Gartenanlagen, streng geometrisch, umrahmen die Villa.
Im aufgeforsteten Teil wächst dichter Wald und sogar Sumpfzypressen. Ich gebe zu, die kannte ich vorher auch nicht.
An schließend blieb noch Zeit für einen kurzen Besuch in Saló.
Es sind nicht die Top-Sehenswürdigkeiten, aber dennoch ist die nähere Umgebung von Riva interessant genug für Ausflüge. Altes Gemäuer ist immer dabei, ob als Dorf oder Städtchen oder eine der vielen Burgen und natürlich Berge, üppig bewachsen und saftig grün. Wir sind zwar im sonnigen Süden, aber trotzdem gibt es immer noch genügend Regen, zum Beispiel heute. Erst gegen 14 Uhr sind wir aufgebrochen, im strömenden Regen geht man auch im Urlaub nicht gern vor die Tür.
Arco liegt nur wenige Kilometer nördlich von Riva, eine sehenswerte Altstadt und mittendrin ein 150 Meter senkrecht aufragender Felsen mit einer Burg obendrauf. Da sind wir gleich mal hochgeklettert. Von der Burg ist nicht viel übrig geblieben, nachdem die Franzosen eingefallen sind und Riva erobert haben. Das war 1703 und anschließend schossen sie die Burg vom gegenüberliegenden Berg aus in Schutt und Asche.
Die Burganlage zieht sich über den gesamten Felsen und konnte nach allen Seiten gut verteidigt werden, aber den Kanonen der Franzosen hielt sie nicht stand, zwei Türme sind in Teilen erhalten geblieben.
Arco hat einen historischen Stadtkern, den man sich auf jeden Fall anschauen sollte.
Der Gardasee im Hintergrund lässt sich mehr erahnen, als dass man ihn sieht.
Weit unten liegt der Gardasee etwas im Dunst.
Etwas weiter in den Bergen liegt der kleine, aber malerische Tennosee. Er ist vor etwa 1.000 Jahren durch einen Erdrutsch entstanden, der seitdem das Flüsschen Rio Secco aufstaut. Ein Spazierweg führt rund um den See, in dem man auch baden kann, wenn man mit 21 Grad Wassertemperatur zufrieden ist. Der See ist übrigens tatsächlich türkis!
Ganz in der Nähe liegt das Bergdörfchen Canale di Tenno. Nach dem 2. Weltkrieg lag es verlassen da und wurde erst in den Sechzigerjahren wiederentdeckt. Künstler waren die Ersten, die sich hier wieder niedergelassen haben und das Dorf zu einem der schönsten Italiens machten. Man fühlt sich zurückversetzt ins tiefste Mittelalter, wenn man durch die niedrigen Bogengänge und die steilen Gassen geht.
Die Küstenstraßen sind gut gefüllt und Parkplätze rar, also nehmen wir das Schiff als Beförderungsmittel. Vom Wasser aus hat man auch noch einmal eine andere Sicht auf die Dinge. Mit der Tageskarte schippern wir zunächst vorbei an Surfern und Seglern nach Limone, der Zitronen wegen. Obwohl der Ortsname gar nichts mit Zitronen zutun hatte, sondern abgeleitet ist vom Begriff „Limen“ für Grenze. Auch die Kelten verwendeten bereits den Namen Limon, aber die ersten Zitronenbäume wurden erst im 17. Jahrhundert gepflanzt. Übrigens möchte ich an dieser Stelle aufräumen mit den Meldungen über einen austrocknenden Gardasee. Natürlich will ich den Klimawandel nicht in Abrede stellen, aber das Niedrigwasser des Frühjahrs ist mittlerweile nach etlichen Regenfällen wieder aufgefüllt, die Isola del Garda wird wieder mit dem Schiff angefahren und wenn man sich die Hafenbecken ansieht, sieht man eine Wasserlinie im normalen Bereich.
Bei Wassersportlern ist der Gardasee sehr beliebt, die Windverhältnisse kommen den Seglern und Surfern entgegen. Aber noch beliebter ist er bei den Radfahrern, sie tauchen überall mit ihren Mountainbikes auf, auf vollbesetzten Schiffen und in den engen Fußgängerzonen, wo manch ein Biker es nicht für nötig hält, mal abzusteigen. Nichts gegen den Radsport, ist auf jeden Fall die ökologisch beste Fortbewegungsart, nur manchmal eben nicht ganz passend.
Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir Limone.
Die Zitrone ist hier allgegenwärtig, die Andenkenläden kennen nur die Farbe gelb, erstaunlich, was man alles zum Thema Zitronen produzieren kann.
Die Zitronen aus Limone gelten als besonders saftig und werden größer als die Früchte von anderswo.
In den engen Gassen drängeln sich die Besucher, aber das ist eben so, wenn sich auf engem Raum viele Menschen aufhalten. Die Schiffe sind zwar sehr voll, aber irgendwie schafft es doch jeder auf ein Boot und ergattert auch noch einen Platz im Ristorante oder einer schattigen Bar. Wir haben jetzt Hochsaison, aber noch mehr Touristen sollten es besser nicht mehr werden. Wir sind über unsere Wahl von Riva del Garda als Standort übrigens sehr zufrieden, denn hier ist viel mehr Platz für all´ die Besucher, natürlich ist der Ort auch größer und liegt nicht direkt an steilen Felsen.
Ein weiteres Highlight direkt gegenüber von Limone ist Malcesine, mit einem sanft ansteigenden Hinterland.
Blickfang ist das Castello Scaligero. Es war ursprünglich eine Langobardenburg, wurde aber mehrfach umgebaut, zuletzt von den Österreichern im 19. Jahrhundert.
Sehr beeindruckend, wie die Burg auf dem Fels erbaut wurde.
Der Palazzo dei Capitani wurde auf römischen Ruinen errichtet und später im venezianischen Stil umgebaut.
Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man Limone.
Oder jedes Jahr – da gehen die Meinungen auseinander. Aber Tatsache ist, dass die Deutschen den größten See Italiens schätzen, die Süddeutschen stellen hier das größte Kontingent an Touristen. Da haben wir tatsächlich eine touristische Bildungslücke bei uns entdeckt und die wollen wir jetzt schnell schließen. Wir haben uns in Riva del Garda einquartiert und wollen in den nächsten vier Tagen die Region erkunden. Die Stadt am Nordufer gefällt uns ausnehmend gut, eine autofreie Altstadt lädt ein zum gemütlichen Bummeln. Riva hat einen mondänen Touch mit Palazzi und Grand Hotels, die schon den Beginn des Gardaseetourismus Anfang des letzten Jahrhunderts erlebt haben. Aber schaut selbst.
Das Nordufer des Gardasees wird von hohen Bergen eingerahmt.
Das Wahrzeichen der Stadt, der Torre Apponale.
Das Wasserschloss Rocca di Riva, heute ein Museum.
Der Blick auf den See ist top!
Von Riva aus erreicht man alle wichtigen Orte mit dem Schiff.
Es gibt genügend Gastronomie für die vielen Besucher, die jetzt zur Hochsaison hier ihren Urlaub verbringen.
Die reich verzierten Gebäude lassen auf wohlhabende Einwohner schließen.
Und genügend Geschäfte zum Shoppen sind auch vorhanden.
Heute war unser letzter Tag auf der Insel, Zeit für ein Fazit. Elba ist eine vielseitige Ferieninsel mit vielen, kleinen Dörfern und Küstenorten. Die Strände sind nur im Süden sandig und etwas größer, sonst gibt es Kiesstrand und Felsenküste. Ist ja nicht schlimm, muss man nur wissen. Aber jeder kann für seinen Geschmack den passenden Ort finden, auch wir haben „unser“ Plätzchen am Wasser entdeckt und dort den letzten Tag verbracht. Bei strahlend blauem Himmel und 28 Grad im Schatten. Glasklares und wohltemperiertes Wasser, kein Gedränge am Strand, was will man mehr!
Und unseren Cappuccino bekommen wir hier auch.
Man kann sogar den höchsten Berg der Insel sehen, den Monte Capanne (1.016 m).
Ein letzter Bummel durch die Altstadt, morgen geht es weiter zu einem See. Nur so viel sei verraten: wir fahren in nördlicher Richtung, Ciao!
Es war eine dramatische Flucht von Paris nach Elba. Napoleon sollte unerkannt bleiben auf der Fahrt durch Frankreich und es musste schnell gehen. Der abgesetzte Kaiser musste quasi mit der Aktentasche unterm Arm fliehen. Auf Elba allerdings wurde er mit offenen Armen empfangen, wer kann schon einen Kaiser aufnehmen, vor allem wenn man wie die Elbaner eher im Schatten von Glanz und Gloria lebte. Doch wo bringt man auf die Schnelle einen Kaiser a.D. unter? Die ersten Nächte musste sich Napoleon mit einer eilig hergerichteten Kammer im Rathaus zufrieden geben. Aber sofort wurde mit dem Bau einer Stadtvilla begonnen, oberhalb von Portoferraio. Nach nur vier Wochen Bauzeit soll Napoleon eingezogen sein, allerdings waren da noch längst nicht alle Räume fertig. Aus Paris wurde Mobiliar herangeschafft und auch 2.000 Bücher aus seiner Bibliothek, der Mann war gebildet und belesen.
Und er machte sich auch nützlich, so ein Kaiser ist es ja gewohnt, Anweisungen zu geben. Zum Wohle des Volkes natürlich. Er sorgte zum Beispiel für den Bau einer Kanalisation und gab der Landwirtschaft Impulse. Aus seiner Heimat Korsika ließ er Setzlinge kommen und forstete auf.
Freundlicher Empfang auf Elba
Die kaiserliche Stadtvilla mit Blick zum Meer und zum Hafen hinunter.
Natürlich braucht so ein Kaiser auch repräsentative Empfangsräume und da muss es gülden glänzen.
Das intime Speisezimmer, Bankette konnte er nicht mehr ausrichten.
Des Königs Bett, das er seiner Schwester überließ, als diese von der Toskana zu Besuch kam. Mittlerweile war die Schlafstatt mit kaiserlichem Baldachin aus Paris angekommen.
Das Arbeitszimnmer mit Bücherwand.
Aber so ein Kaiser braucht natürlich auch einen Landsitz, wohin er sich an heißen Tagen zurückziehen kann. Es gab nur ein Problem: er hatte kein Geld. Seine vereinbarte Apanage war nicht eingetroffen, aber da sprang seine wohlhabende Schwester ein und kaufte ihm ein stadtnahes Grundstück und ließ darauf eine Landvilla errichten. Auf dem Foto ist ein Gebäude mit Säulen zu erkennen, welches erst einige Jahre später als Galerie errichtet wurde. Das Gebäude dahinter ist Napoleons Villa.
Eher bescheiden, der Landsitz, im Untergeschoß Küche und Wirtschaftsräume, im oberen Stockwerk Empfangsräume und zwei Schlafgemächer.
Tolle Aussicht bis nach Portoferraio. Eigentlich hätten der Kaiser hier seinen Lebensabend verbringen können, doch was ein echter Imperator ist, gibt keine Ruhe. Nur gut 10 Monate hielt er es auf Elba aus, dann wollte er es nochmal wissen. Aber er scheiterte gründlich und die nächste Verbannung war endgültig und so weit weg wie es ging: nach St. Helena im Südatlantik, wo er auch verstarb.
Heute ist Ausflugstag, wir umrunden den Westteil der Insel. In der Mitte erhebt sich der mit 1000 Metern höchste Berg Elbas und die Küstenstraße führt um diesen Berg herum. Die Insel ist komplett bewaldet, scheinbar waren die Elbaner keine Seefahrer und mussten daher ihre Wälder nicht roden. Die Küste ist steil und felsig, nur an ganz wenigen Stellen kommt man mit dem Auto an eine kleine Bucht. Badeenthusiasten parken an den wenigen Stellen, die dazu geeignet sind und klettern dann hinab zu den meist felsigen Stränden. Aus dem Alter sind wir raus. Dafür kraxeln wir aber mit Begeisterung in Bergdörfern herum und finden immer eine Bar, die köstlichen Cappuccino für uns brüht. Diese Küstenstraße bietet nur an wenigen Stellen Aussicht aufs Meer, eben wegen des dichten Waldes. An der Südküste gibt es sogar Sandstrand und einen hübschen Badeort an einer weiten Bucht, da haben wir die kurvige Bergstraße schon hinter uns gelassen.
Und hier sind sie, die Farben von Elba: Blau und türkis das Meer, weiß die Felsen und grün der Wald.
Poggio und Marciana sind die bekanntesten Bergdörfer Elbas.
In Richtung Südküste gibt es die ersten kleinen Dörfer an der Küste.
Und wenn die Sandstrände beginnen, wird es gleich turbulent am Strand. Wir haben ein neues Adjektiv erfunden, als wir diesen Strand sahen: „zugeschirmt“.
Keine Sorge, nicht wir wurden hierher verbannt, sondern der berühmteste Korse, nach seinem Waterloo. Wir sind freiwillig hier um die Insel zu erkunden und im Meer zu baden. Napoleon hielt es ein Dreivierteljahr aus, dann zog er weiter. Elba war schon in der Frühzeit besiedelt, das lag auch an seinen reichen Eisenerzvorkommen. Natürlich hinterließen auch die Römer ihre Spuren, es gibt die Überreste einer römischen Villa zu besichtigen. Der Tourismus setzte in den 50er Jahren ein und heute fahren die Autofähren unablässig zwischen Festland und Insel hin und her. Und wenn ein Kreuzfahrtschiff anlegt, kommen gleich 2500 Touristen oder mehr. Aber so groß ist diese Insel gar nicht, etwa 27 km lang und maximal 18 km breit. Durch die zerklüfteten Berge, die bis zu 1.000 Meter hoch aufragen, schlängeln sich enge Sträßchen. Es gibt hübsche Bergdörfer und vor allem Badebuchten, die sich rund um die Insel verteilen. Allerdings sind die schönsten Badeplätze schwer zugänglich, man muß steile Einstiege überwinden. Aber das größere Problem sind die fehlenden Parkplätze. Es gibt nur wenige Haltebuchten und die sind schon früh am Tag voll belegt. An den weniger berühmten Buchten findet man aber Plätze zum Baden, das Wasser ist angenehm temperiert und liefert eine willkommene Abkühlung bei meist 30 Grad im Schatten.
Blick auf den Hauptort Portoferraio
Bestens zugänglich: die ortsnahen Badestrände, hier Cavo an der Nordküste
In Porto Azzuro
Rio nell´Elba in den Bergen gelegen und enge Gassen als Herausforderung.
Hier mussten wir durch, und unser Auto ist 1,83 m breit. Martin hat es geschafft, ohne Kratzer!
Bougainvilleas fühlen sich wohl hier.
Hier haben wir lecker Fisch gegessen, im Ristorante Mare. Wer hat sich nur diesen Namen einfallen lassen?
„This is a wonderful City, it would be worth travelling one thousand miles to see it“.
Und dabei gab es damals noch keinen Aperol Sprizz und Cappucchino. Damit ist auch schon alles gesagt über diese Stadt. Viele historische Gebäude, pittoreske Altstadt, Bars und Trattorias. Genuss für Leib und Seele. Aber auch eine schweißtreibende Angelegenheit bei 30 Grad im Schatten. Da geht man doch lieber auf der Schattenseite der Straße und freut sich über die vielen Bogengänge. UNESCO Welterbestadt ist sie zu recht, sakrale Bauwerke sowie zwei Paläste, der Palazzo Ducale mit 450 Räumen als Sitz der Adelsfamilie Gonzaga sowie deren Lustschloss Palazzo del Te. Kaiser Karl V. machte sie zu einer der bedeutendsten Herrscherfamilie Italiens. Vor allem die Malereien in den beiden Palazzos sind sehenswert, Einrichtungsgegenstände sind nicht erhalten geblieben.
Im Palazzo Ducale
Eines muss ich noch loswerden. Mantua ist die Stadt der Müllmänner! Immer wenn wir uns irgendwo niedergelassen haben, um unseren Wasserhaushalt aufzufüllen oder weil wir Hunger hatten, kamen mittelgroße Müllautos vorbeigefahren. Und nicht nur eines, in einigem Abstand fuhren bis zu acht Müllautos vorbei, hielten auch mal an, um Müllsäcke oder Pappkartons aufzuladen. Und das nicht nur am Samstag, sondern auch heute, an einem Sonntag im katholischen Italien!
Morgen kommt die nächste Etappe in Richtung Süden, die Insel ruft.
Unser letzter Tag in Südtirol beginnt mit Gewitter und Regen, also können wir erst am Mittag losziehen. Unser Ziel ist heute die Seceda, ein 2.519 m hoher Berg bei St. Ulrich. Wir nehmen die Seilbahn nach oben und wollen über die Alm zurückwandern. Es ist nicht gerader strahlender Sonnenschein, aber nach dem Regen ist die Sicht jetzt sehr gut, die Luft ist klar und es hat auch etwas abgekühlt. Kurz bevor wir den Gipfel erreichen, passiert etwas Unglaubliches. Eben noch haben wir den Blick in die umliegende Bergwelt genossen, und plötzlich, wie aus dem Nichts, schieben sich Wolken die Bergwand empor. In zwei Minuten ist alles dicht, wir stehen im Nebel und sehen – nichts! So ratlos waren wir selten. Der Berg fällt nach Norden hin steil ab, daher wurde eine Brüstung errichtet und da stehen wir jetzt und warten. Nach einiger Zeit entstehen kleine Lücken, Teile des Abbruchs werden sichtbar, aber wie von Geisterhand gesteuert steigen immer wieder neue Wolken den Steilhang zu uns empor. Ist doch klar, unten ist die Luft wärmer, der Wind weht sie am Hang entlang nach oben, sie kühlt ab und schon sind die Wolken da und nehmen uns die Sicht. Der Wind wird dann etwas schwächer und wir können unsere Wanderung fortsetzen, es kommen auch wieder Berge zum Vorschein. Aber den besten Ausblick vom Gipfel der Seceda haben wir leider verpasst. Der Weg zurück über die saftig grünen Almen und die Tatsache, dass es wenigstens nicht regnete, hat uns entschädigt.
Auf dem Weg nach oben Blick auf den Langkofel, diesmal von deren anderen Seite.
Der Nebel hat sich gelichtet, wir können wieder etwas weiter gucken.
An der Kante zum Steilhang hört die Alm ganz plötzlich auf…
… und jetzt sieht man den Weg auch wieder.
Rückweg über die Alm.
Und irgendwann zeigte sich auch die Sonne nochmal kurz.
So, das waren die letzten Bilder aus Südtirol, morgen geht es weiter in Richtung Süden. Lasst euch überraschen!
Endlich! Nachdem ich zwei Tage lang die Annehmlichkeiten unseres Zimmers mit Aussicht schätzen lernte, habe ich einen fiebrigen, grippalen Infekt hinter mir gelassen und wir konnten endlich unseren Ausflug auf die Seiser Alm starten. Bereits vor 20 Jahren haben die Tourismus-Verantwortlichen gemerkt, dass sie etwas gegen die von Jahr zu Jahr steigende Zahl von Tagesbesuchern auf der Alm unternehmen mussten. Die Parkplätze wurden immer größer und der Verkehr belastete die idyllische Hochalm zusehends. Die Lösung war eine Seilbahn und ein Verbot, jawohl, man kann tatsächlich für das Gemeinwohl auch mal etwas verbieten, wenn es sinnvoll erscheint. Seit Eröffnung der Seilbahn dürfen Touristen nur dann mit ihrem PKW auf die Alm fahren, wenn sie dort eine Unterkunft gebucht haben. Und es funktioniert tadellos. An der Talstation gibt es genügend kostenfreie Parkplätze und die kostenlosen Busse fahren natürlich auch hierhin. Auf der Seiser Alm gibt es zusätzlich noch einen Shuttlebus, der bis an andere Ende der Alm fährt.
Wir haben uns für heute die Puflatsch-Runde vorgenommen, ein 9 km langer, moderater Rundweg mit wunderbaren Ausblicken in die umliegende Bergwelt. Theoretisch. Wenn es nicht so diesig wäre. Es ist ungewöhnlich warm für die Jahreszeit, bis 28 Grad in Seis und schwül. Ein nettes Gespräch mit dem Hotelier macht immer schlauer, denn nun wissen wir, dass Saharasand angeflogen kam, der seinen Teil zur schlechten Sicht beigetragen hat. Leider konnten wir die etwas entfernter liegenden Dreitausender nicht sehen und die Fotoausbeute bedarf einer Nachbearbeitung. Ich habe mit Bordmitteln versucht, den Dunstschleier wegzubekommen, aber so richtig klappt das erst zu Hause mit Lightroom. Also guckt euch die Fotos an, sie vermitteln jedenfalls einen kleinen Eindruck von der wunderschönen Berglandschaft.
Das Postkartenmotiv schlechthin, der Schlern mal aus einer ganz anderen Perspektive. Dieses Bergmassiv sieht immer wieder anders aus, je nachdem, wo man steht.
Die Almwiesen stehen in voller Blüte, im Vordergrund seht ihr die Alpenrosen-Teppiche.
Hier die Alpenrosen noch einmal von Nahem, da fällt dem Kenner doch sofort auf, dass sie aussehen wie Rhododendren. Genau so ist es, nur der Volksmund nennt sie Alpenrosen.
Und es geht weiter in der Botanik, hier seht ihr die Alpen-Anemone.
Und dann steht da plötzlich ein Pferd im Flur – äh – auf dem Weg. Kein Problem, wir verstanden uns gut und sind dann einfach weitergewandert.
Und dann die Kühe, aber die waren eingezäunt. Martin hat sie schon die ganze Zeit gerochen, also ihre Hinterlassenschaften.
Almhütten liegen verstreut auf den Wiesen, einige davon kann man auch mieten. Und das komische Ding etwas unterhalb der Bildmitte gehört zu Beschneiungsanlage. Ohne künstlichen Schnee gäbe es keine Wintersaison mehr auf der Seiser Alm.
Hier gab´s guten Kaiserschmarrn.
Viel Alm und im Hintergrund links der Langkofel und rechts, wie könnte es anders sein, der Plattkofel.
Und wenn ihr jetzt denkt, wir hätten uns einen Garten mit Rosen angeschaut, dann irrt ihr gewaltig. Der Rosengarten in Südtirol ist ein Bergmassiv, das zum Naturpark Schlern gehört und bei Kletterern sehr beliebt ist. Für die erste Bergwanderung haben wir uns den Einstieg erleichtert und sind mit dem Lift zur Kölner Hütte auf 2.337 m gefahren. Dort beginnt ein wunderschöner Panoramaweg, der Hirzelsteig.
Der erste Enzian sah noch etwas mickrig aus, es handelt sich um den Frühlingsenzian.
Aber dann haben wir doch noch „richtigen“ Enzian am Wegesrand gefunden.
Der Rückweg war recht anstrengend, 700 Höhenmeter im Abstieg über felsiges Gelände mit rutschigem Schotter, das merkt man dann am nächsten Tag, wir sind eben doch nur Flachlandtiroler. Der Muskelkater in den Oberschenkeln macht Treppensteigen nicht gerade zum Vergnügen. Also geht´s zum Auslaufen auf ebener Strecke nach Bozen.
Der öffentliche Nahverkehr hier in Südtirol ist vorbildlich ausgebaut. Wir haben im Hotel eine Buskarte bekommen, damit können wir alle Busse im weiteren Umkreis kostenlos nutzen. 100 Meter vom Hotel entfernt gibt es eine Bushaltestelle, die Fahrzeit nach Bozen beträgt nur 40 Minuten, da wären wir mit dem Auto auch nicht schneller. Der Bus war voll besetzt, das Angebot wird gut angenommen.
Die Bozener Altstadt ist hübsch anzusehen und es gibt zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, keine Billigketten, jedenfalls nicht hier im Zentrum. Den Ötzi besuchen wir dieses Mal nicht, den haben wir schon vor 22 Jahren gesehen und er wird sich seitdem nicht verändert haben. Wir bummeln kreuz und quer und laben uns an einem guten Cappuccino im Heimatland unseres Lieblingskaffeegetränks.
Leute, gute Nachrichten: es geht wieder los! Bella Italia ist das Ziel und wir wollen alles, Berge und Meer und den beliebtesten See unserer Landsleute erkunden. Drei Wochen lassen wir uns Zeit und sind mit unserem Auto unterwegs. Das bedeutet, wir haben immer ein festes Dach über dem Kopf, vier Hotels sind gebucht und das erste davon kennen wir bereits. Denn vor 22 Jahren waren wir auf Hochzeitsreise zuerst in Seis am Schlern in einem schnuckeligen Hotel mit sensationeller Aussicht und hervorragender Küche. Es nennt sich Mirabell Alpine Garden Hotel und hat sich ein wenig verändert, ein Wellness-Bereich mit Hallenbad kam dazu sowie ein kleiner Anbau, aber alles fügt sich harmonisch in das bestehende Ensemble ein. Ursprünglich gehörte das Anwesen einem russischen Grafen, der Anfang des 20. Jahrhunderts einen Bauernhof kaufte und von einem namhaften Architekten eine Villa errichten ließ. Die Villa wurde mit wertvollen Möbeln und Kunstwerken eingerichtet und illustre Gäste weilten hier. In den 1920er Jahren brauchte der Graf Geld und wandelte die Villa in eine Pension um, die er 1936 an die Großeltern des jetzigen Besitzers verkaufte.
Mittlerweile wird das Haus in vierter Generation geführt und uns gefällt es hier noch genauso gut wie vor 22 Jahren. Gediegene Atmosphäre, ein wunderschöner, weitläufiger Garten mit Teich, ein großzügiger Pool und im Hintergrund immer dieser eindrucksvolle Berg, der Schlern, das Wahrzeichen Südtirols. Hier nun die ersten Eindrücke vom Ankunftstag.
An unserem 22. HochzeitstagMirabell Alpine Garden HotelUnverbaubarer Blick auf den Schlern
Wir haben in den zurückliegenden 12 Tagen eine sehr persönliche Betreuung von einem stets gut gelaunten und engagierten Team an Bord erlebt. Gestern Abend durften wir erleben, dass sich auch das Team hinter den Kulissen offensichtlich wohl fühlt an Bord und für einen großen Spaß zu haben ist. Auf dem Programm stand die Band „80 Degree North“. Es war erst ihr zweiter Auftritt und wir sahen unseren Kabinsteward, den Zodiac-Fahrer, einen ersten Offizier und die Hotelchefin an den Instrumenten, der charismatische Sänger bedient uns sonst im Speisesaal. Innerhalb von Minuten hatten sie das Publikum auf ihrer Seite, es gab Szenenapplaus und Jubel nach jedem Stück. Einige hielt es nicht mehr auf den Sitzen, der Rock´n Roll ist unserer Altersklasse eben in Fleisch und Blut übergegangen. Nach einer guten halben Stunde war es vorbei, mehr Stücke hatten sie noch nicht einstudiert. Ein Riesenspaß für die gesamte Crew und uns Gäste.
Es war sehr angenehm, dass wir eine überschaubare Reisegruppe von rund 150 gleichgesinnten Reisenden waren, Naturliebhaber und Fans von nordischen Temperaturen. Wer tiefer eintauchen wollte, konnte sich dem Wissenschaftsteam anschließen, Wasserproben nehmen und unter dem Mikroskop untersuchen. Das Expeditionsteam bestand aus Biologen, Glaziologen, Ornithologen, Meereskundler oder Studenten dieser Fachrichtungen. Unsere Fragen konnten wir immer loswerden.
Der Kapitän hatte sich für den letzten Abend noch eine Überraschung ausgedacht: er ließ ein Farewell Dinner ausrichten, mit einem besonderen Menü. Und das Schiff legte er direkt vor einen Gletscher und drehte es so, dass wir vom Speisesaal aus den Gletscher gut sehen konnten. Danach noch auf ein Sekt in der Explorer Bar und die gesamte Crew zeigte sich noch einmal ausgelassen beim Vorbeimarsch.
Es war insgesamt eine wunderbare Reise in eine abgelegene Gegend, wo sich sonst niemand verirrt, etwa 800 Kilometer vom Nordpol entfernt. Wir haben so viele Gletscher gesehen, dass wir sie nicht mehr zählen können. Das Highlight sind ja immer die Eisbären und auch die konnten wir aus sicherer Entfernung beobachten. Zudem war noch eine Walbeobachtungstour dabei. Unser Fazit ist: eine unvergessliche Reise mit einem engagierten Team, nicht ganz billig, aber seinen Preis wert. Hurtigruten können wir uneingeschränkt empfehlen.
Jetzt legen wir erstmal eine Pause ein und verarbeiten die Eindrücke aus dem Reisejahr 2022. War wieder schön, euch dabei gehabt zu haben und danke für euer Kommentare.
Flughafen Longyearbyn, ein letzter Blick und dann zurück ins warme Deutschland
Es ist etwas wärmer geworden, so um die acht Grad, aber noch immer hängen tiefe Wolken über Spitzbergen. Unser Landgang führt uns heute in den Isfjord zum Hemsedal. Eine kleine Schlucht mit Wasserfall überrascht uns mit viel Grün, bei jedem Schritt sinke ich tief ein in weiches Moos. Die geologischen Formationen ringsum machen sich gut auf den Fotos und ein bewölkter Himmel kann auch zur Dramatik beitragen. Heute ist der letzte Tag auf dem Schiff, es wird schon wieder viel zu viel über Koffer geredet, Busse zum Flughafen und so weiter, das mag ich noch gar nicht hören. Das Erkunden dieser dramatischen und archaischen Landschaft kurz vor dem Nordpol hätte ruhig noch ein wenig weitergehen können, der ganze Archipel ist ein einziger Naturpark. Also sitze ich hier in der Explorer Lounge und genieße den 180 Grad Rundumblick, solange es geht. Alles andere ist ja erst morgen.
Das stammt von Eisbären, aber natürlich dürfen wir das nicht anfassen, aber fotografieren
Die Wettervorhersage ist nicht ganz optimal, bewölkt und eventuell etwas Regen. Aber wir haben Glück, als unsere Gruppe aufgerufen wird, ist es zwar trübe, aber trocken. Wir können ganz nah an den Gletscher herangehen und uns zwischen den Eisbrocken tummeln. Aber die Gefahr lauert immer und überall: wir sollen nur den linken Teil des Geländes betreten, rechterhand wird etwas beobachtet, was noch nicht identifiziert wurde. Im Falle einer drohenden Gefahr würde die Expeditionsleiterin ihre Trillerpfeife einsetzen. Diese hören wir heute nicht, aber im nassen Sand sind eindeutig Spuren eines Eisbären zu erkennen. Die fotografiere ich gerne, den Eisbären selbst brauche ich nicht so nahe am Strand.
Er war hier – ganz sicher!
Am Nachmittag gehen wir noch einmal an Land, wir können im flachen Gelände ausgiebig spazieren gehen. Am Strand liegt noch ein Boot von Walfängern, die hier im letzten Jahrhundert Belugas jagten, einen Walfriedhof gibt es auch, die Knochen gehören zum Naturschutz und dürfen nicht berührt werden. Obwohl die flache Ebene kaum bewachsen ist, finden sich niedrige Flechten und winzige Pflänzchen, die noch winzigere Blüten von etwa fünf Millimeter Größe ausbilden. Macht Spaß, die zu fotografieren, was gar nicht so einfach ist. Man muß sich dazu auf den Boden legen und braucht etwas Zeit, bis alles richtig im Sucher zu sehen ist.
Der Guide muß sehr aufmerksam sein, links sieht man die Signalpistole und rechts das Gewehr
Nebel hüllt uns ein, so dicht, dass man rund ums Schiffs nichts wahrnimmt. Aber beim Frühstück werden wir von einer wunderbaren Rundumsicht überrascht, wir liegen in einer Bucht vor Anker, die von Gletschern eingerahmt ist. Der Nebel hat sich nicht ganz verzogen, er gibt aber die Wasserlinie frei und die Gletscher lugen zur Hälfte aus dem Nebel. Es ist windstill bei 4 Grad und noch stört kein Eisbär die Vorbereitungen an Land. Das Expeditionsteam hat zwei kleine Wanderungen vorbereitet, wir können wählen ob wir den Gletscher zur Rechten oder den zur Linken besuchen wollen. Wir laufen nach links auf eine Endmoräne und hoffen auf einen schönen Ausblick zum nahegelegenen Gletscher. Bis wir auf der Anhöhe ankommen, liegt der Gletscher völlig im Nebel. Wir haben Zeit und hoffen, dass es die fahle Sonne über uns schafft, den Nebel zu lichten. Nach einer halben Stunde geben wir auf, der Nebel wird immer dichter, keine Chance auch nur irgendetwas zu sehen. Zurück am Anlandeplatz hat sich wie von Zauberhand der Nebel gelüftet und der Gletscher liegt leuchtend in der Sonne. Dazwischen lag keine Viertelstunde. So schnell ändern sich hier die Wetterkonditionen. Also schnell nochmal zurück und den Fotoapparat gezückt.
Der Rückweg zum Gletscher hat sich gelohnt
Wir fahren nur ein Stück mit unserem Schiff bis zu einem Vogelfelsen, wir stehen auf Deck und staunen über die tolle Rundumsicht. In die Burgerbucht münden mindestens fünf Gletscher und alle liegen fein im Licht, Sonne und Nebelreste wechseln sich ab. Die nächste Anlandung ist an einem Vogelfelsen geplant, nur etwa 20 Fahrminuten von der letzten Stelle entfernt. Ohne Vorwarnung, ganz plötzlich, ist das ganze Schiff in Nebel eingehüllt. Eben haben wir noch die schönsten Fotos vom Deck aus geschossen, und jetzt sieht man – nichts! Wir warten eine halbe Stunde direkt vor dem Felsen, ohne ihn zu sehen. Dann wird die Exkursion abgesagt, der Kapitän will jetzt mit uns zu einer Stelle fahren, wo sich gewöhnlich viele Wale aufhalten.
Wolkenloser Himmel beim ersten Blick aus dem Kabinenfenster, doch das ändert sich. Bis wir an Land gehen können, sind Wolken aufgezogen, einen Streif schönen Wetters sehen wir nur nochmal Horizont. Es ist windiger als gestern und für die Überfahrt mit den Schlauchbooten zur Landungsstelle ziehen wir über unsere Outdoorhosen noch eine wasserdichte Hose. Wir mutieren langsam zum Michelinmännchen. Aber ich war doch froh über den Überzug, denn ein paar heftige Wellen haben uns eine unfreiwillige Dusche verschafft.
Interessanter Landgang, wir konnten bis auf 50 Meter an eine Robbengruppe herangehen und in Ruhe fotografieren. In der Bucht liegen unzählige Knochen von Walen herum, die von den Walfängern einfach liegen gelassen wurden. Ihre Hütten werden heute als Ferienhäuschen genutzt. Ich fotografiere wieder winzig kleine Blümchen, die fast ohne Stil auskommen müssen, sie sind nur etwa zwei Zentimeter groß.
Die zweite für den heutigen Tag geplante Anlandung muss leider kurzfristig abgebrochen werden. Das Expeditionsteam war dabei, alles für unseren Landgang vorzubereiten, als ein Eisbär gesichtet wurde. Ich hatte mich gerade in die dritte Hose gequält und war dabei, alles in den Schaft der Gummustiefel zu stopfen, als die Durchsage kam. Also alles wieder ausziehen und ab und die Explorer Lounge mit dem tollen Rundblick. Die Sicht ist allerdings nicht mehr gut. Die Wolken hängen tief und lassen dem Sonnenlicht keine Chance. Weit entfernte Gletscher verschwimmen im Ungewissen.
Wir erreichen die Insel Kvitöya, sie liegt nordöstlich von Nordaustlandet und wird relativ selten von Touristen besucht. Übersetzt heißt Kvitöya „Weiße Insel“. Wie vermutet, können wir nicht anlanden, weil die Insel komplett unter Eis liegt und der schmale eisfreie Bereich meist von Eisbären belagert wird. Wir fahren mit den Zodiacs so nah wie möglich an die Landzunge heran und können zwei Eisbären beobachten, die die meiste Zeit schlafen, einer von ihnen bewegt sich kurz, um aus unserem Blickfeld zu verschwinden. Walrosse vergnügen sich im Wasser und bieten ein schönes Fotomotiv. Wir sind pünktlich zum Mittagessen zurück. Eine Gruppe bekommt noch eine Extrarunde, weil ihr Schlauchboot auf einen Felsen aufgelaufen ist und abgeschleppt werden musste.
Es macht nichts, wenn ihr eine Lupe zur Hilfe nehmt, um den Eisbären zu sehen.
Am Abend ist geplant, entlang der Eisküste von Nordaustlandet entlang zu fahren und am Brasvellbreen zu cruisen, das fällt leider aus, wegen zu viel Eis. Das leuchtet uns nicht ganz ein, denn das drittgrößte Eisfeld nach der Antarktis und Grönland hätten wir schon ganz gern gesehen, zumindest eine Fahrt möglichst nah an das Eisfeld heran. Und unser Schiff besitzt ja eine Eisklasse, sollte eigentlich bis zu einem gewissen Grad mit Eis zurechtkommen. Leider sind wir mit großem Abstand an der Küste entlang gefahren, die Sicht war zwar nicht besonders gut, aber aus geringerer Entfernung hätten wir schon einen guten Eindruck gewinnen können. So bleibt als Erinnerung an diesen Tag vor allem die Begegnung mit Meeressäugern. Als rings um unser Schiff Wale auftauchten, hielt unser Schiff an und wir konnten ausgiebig Buckelwale und Minkwale beobachten, die hier reiche Futtergründe finden. Die Wolkendecke wurde durchlässiger und die tiefstehende Sonne taucht die Szenerie in gelbes Licht, toll für Fotos und Filmaufnahmen.
Mein Traumbild: die Fluke eines BuckelwalsHier winkt er nochmal mit der BrustflosseDer Blas verrät sie, den sieht man auf dem Meer meilenweit
Das Programm für heute: Vormittags Anlandung an einer Bucht auf der Insel Philippsöya mit der nördlichsten Hütte und nachmittags Schiffscruising entlang der Nordküste von Nordaustlandet. Aber es sollte ganz anders kommen! Die ersten Gruppen waren an Land und wir haben uns gerade umgezogen, denn nach den ersten Rückkehrern wären wir an der Reihe gewesen. Plötzlich macht ein Gerücht die Runde, dass bald zur Gewissheit wird: Eisbären haben sich unserer Gruppe an Land genähert, und zwar von zwei Seiten. Warnschüsse sind zu hören und sämtliche verfügbaren Boote rasen zum Strand, um zu evakuieren. Die Bären verziehen sich nach den Warnschüssen und im Nu sind alle Passagiere in den Booten und die Expeditionscrew räumt noch das Equipment ein und ist dann auch in Sicherheit. Wir konnten das alles vom Boot aus mit dem Fernglas beobachten. Und natürlich ist unser Landgang damit ausgefallen. Ein Eisbär taucht später wieder auf, er nimmt Witterung auf und schnüffelt noch lange an der Landestelle herum, bestimmt kann er die Besucher noch riechen.
Am Nachmittag fahren wir in die Albertinibukta. Eine Anlandung ist nicht vorgesehen, wir kreuzen vor dem Gletscher und setzen unsere Fahrt bald fort, Nebel zieht auf.
Dies ist ein Suchbild. Wer gute Augen hat, erkennt links die Hütte und rechts den Eisbären, der trotz Warnschüssen wieder zurückgekommen ist.
Wir sind in den Liefdefjord gefahren, die Hauptattraktion ist hier der Monaco-Gletscher, er steht heute Nachmittag auf dem Programm. Jetzt werden wir zur einer Holzhütte gebracht, die sinnigerweise „Texas Bar“ heißt, vermutlich war der Erbauer ein Cowboy-Fan. Wer es am Vormittag verträgt, bekommt einen Whiskey auf Gletschereis, aber ich fotografiere lieber zentimetergroße Blümchen. Dazu muss man wissen, dass es aufgrund der kurzen Vegetationsperiode kaum Pflanzen auf Spitzbergen gibt, die höher als fünf Zentimeter werden. Umso mehr überrascht es, wenn auf einmal winzig kleine Pflänzchen am Wegesrand auftauchen, die wunderschöne Blüten ausbilden. Diese Fotos muss man sich allerdings verdienen, es geht nur, wenn man niederkniet oder sich hinlegt, aber das ist in Ordnung, die Expeditionskleidung hält das aus.
Nach dem Vortrag eines Glaziologen werden wir mit den Booten nahe an den Monaco-Gletscher herangefahren. Je näher wir kommen, desto dichter werden die Eisschollen. Ich wundere mich, wie viel diese Schlauchboote aushalten, denn ein Anstoßen an die scharfkantigen Eisbrocken lässt sich nicht vermeiden. Vor uns rumpelt und grummelt das Gletschereis, aber noch bleibt alles stabil an der Eiswand. Wir halten genügend Abstand, denn es können jederzeit größere Brocken herausbrechen und dies kündigt sich nicht unbedingt durch ein entsprechendes Geräusch an. Plötzlich bricht ein Stück aus der Eiswand heraus und platscht ins Wasser, wir spüren die Wellenbewegung. Noch zwei, dreimal löst sich ein Eisbrocken und wir nehmen etwas mehr Sicherheitsabstand, denn auch die Wellen, die durch den Eisbruch ausgelöst werden, können unser Boot zum Schwanken bringen. Wir sitzen ja alle ohne Rückenlehne auf dem Rand des Bootes, da bekommt man schonmal leicht Übergewicht und kippt nach hinten. Wir haben ja alle Schwimmwesten an, aber in zwei Grad kaltes Wasser möchten wir lieber nicht plumpsen.
Der Monaco-Gletscher ist mehr als drei Kilometer breit und die Eiskante ist zwischen dreißig und sechzig Meter hoch. Immer wieder schaue ich mir die bläulich leuchtenden Skulpturen an, die der Gletscher erschaffen hat. Wenn die Brocken ins Meer gefallen sind, lassen sich die Eisschollen wie in einem Skulpturengarten bewundern.
Langsam wird das Ankleiden vor einer Landexpedition zur Routine. Die Reihenfolge ist wichtig, sonst muss man wieder von vorne anfangen. Also zuerst die Thermounterwäsche, dann die dicken Socken, dann Hose und atmungsaktives Oberteil, darüber kommt Fleece, Schal und dann die rot-gelbe Expeditionsjacke. Wenn man jetzt erst die Gummistiefel anzieht, die Pflicht sind an Land, ist man schweißgebadet, in diese also gleich nach der Hose hineinschlüpfen. Die Jacken bekommen wir geschenkt und ich denke, sie dient in erster Linie dem schnellen Auffinden der Gruppe an Land. Irgendwie erinnert das rot-gelbe Outfit auch an Sanitäter. Zurück zum Anziehen, es folgen die Kopfbedeckung und die Rettungsweste. Diese ist nicht sehr sperrig und muss während des gesamten Aufenthaltes an Land getragen werden. Die Rückfahrt muss manchmal schnell gehen, wenn der Eisbär im Anmarsch ist. Dann bleibt eventuell keine Zeit mehr, um an der Schwimmweste zu nesteln. Die Reederei hat praktische Westen besorgt, sie tragen nicht sehr auf und man vergisst, dass man eine Schwimmweste anhat.
Wir schauen gern vom Oberdeck zu, wie die ersten Gruppen zu Wasser gelassen werden, denn wir sind Gruppe drei. Heute kam der gesamte Ablauf durcheinander, weil wir nicht an Land durften, tatsächlich konnten wir von Bord aus eine Eisbärin mit ihrem Jungen beobachten. Waren ziemlich weit weg, aber mit Fernglas sehr gut zu beobachten. Das bedeutete aber auch, kein Landgang möglich. Also haben wir stattdessen eine Rundfahrt mit dem Zodiac gemacht, da waren die Eisbären zwar schon wieder weg, aber dafür konnten wir in Ruhe die gewaltigen Walrosse beobachten, wie sie faul am Strand liegen und sich ab und zu aus dem Wasser wuchten.
Unsere Nachmittagsanlandung führt uns zu einer ehemaligen Walfängerstation. Man sieht nicht mehr viel davon, lediglich zwei Gräber und eine Holzhütte sind zu besichtigen. Das Wetter wird ungemütlich, ein leichter Schneeschauer geht nieder. Die Berge bekommen gezuckerte Spitzen und wir halten uns nicht allzu lange hier auf. Die Schlauchboote fahren permanent hin und her, so kann jeder individuell zurückfahren.
In Ny Alesund sind wir zum letzten Mal auf dieser Reise zu Fuß vom Schiff gegangen, ab jetzt kommen wir nur noch mit einem Zodiac an Land. Dazu gab es heute morgen eine ausführliche Unterweisung. Jede Anlandung wird vom Expeditionsteam perfekt vorbereitet. Zuallererst fährt ein Team los, das die Umgebung zu Wasser und an Land inspiziert. Es muss sichergestellt sein, dass keine Wildtiere in der Nähe sind. Erst dann kommt das dreizehnköpfige Expeditionsteam mit mehreren Zodiacs an Land und markiert den Bereich, den wir später betreten dürfen. Wir wollen so wenig Spuren wie möglich hinterlassen und kein Tier stören. In einem größeren Bereich um die Anlandungsstelle stehen bewaffnete Posten, wie gesagt, wegen der Eisbären. Mit an Land sind große Zelte, Schlafsäcke sowie Proviant für 24 Stunden. Zur Sicherheit, falls wir nicht zurück zum Schiff kommen können. Es ist eben eine Expedition und es muss an alle Eventualitäten gedacht werden. Aber natürlich wollen wir lieber in unseren gemütlichen Betten schlafen.
Bei Traumwetter werden wir Gruppe für Gruppe mit den Schlauchbooten an Land gebracht. Wir gehen zunächst zum Gletscher, der perfekt in der Sonne liegt. Die Bucht füllt sich mit Eisbrocken, auch wenn wir keinen Abbruch eines größeren Eisstückes an der Gletscherwand sehen. Oberhalb der Klippen staunen wir über die „hängenden Gärten“ und können einen Polarfuchs beobachten.
Das Expeditionsteam mit der Notfallausrüstung für 24 Stunden. Danach müssen wir selber sehen, wie wir klarkommen, meinen sie scherzhaftZu Fuß kommen wir dem Gletscher sehr naheMit dem Zodiac kommt die nächste Gruppe an LandAlternativ kann man sich auch einer Kajakgruppe anschließenDie sogenannten hängenden Gärten mit einer Vogelkolonie in den Felsen. Hier haben wir einen Polarfuchs gesehen, war aber sehr weit weg und nur im Fernglas gut zu sehen
Der Rückweg wird etwas schwieriger, denn mittlerweile treibt viel mehr Eis in der Bucht als beim Hinweg. Die Boote müssen vorsichtig zwischen den dicken Eisbrocken manövrieren, aber die Guides beherrschen die Boote perfekt, wir haben daher bezüglich einer Übernachtung an Land keine Bedenken. Glücklich und schwer beeindruckt von der arktischen Welt um uns herum desinfizieren wir an Bord unsere schweren Gummistiefel. Die gehören zur Expeditionsausrüstung und werden von der Reederei gestellt. Um zu vermeiden, dass mit den Schuhen Erde und Samen verteilt werden, müssen sie nach jedem Landausflug peinlich sauber sein.
Über Nacht haben wir Ny Alesund erreicht. Gegründet als Bergbausiedlung, verlassen Anfang der sechziger Jahre nach einem Grubenunglück, dient die Siedlung heute Wissenschaftlern verschiedener Nationalitäten als Station für ihre Forschungen. Auch hier durften wir nur unter der Aufsicht von bewaffneten Guides an Land.
Übrigens, noch eine Anmerkung zur Terminologie: Spitzbergen ist die größte Insel hier, wenn der gesamte Archipel gemeint ist, heißt dieser korrekt Svalbard. Bei uns ist im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch mit Spitzbergen die gesamte Inselgruppe gemeint. Auf norwegisch schreibt man das Spitsbergen, unser Schiff ist also kein Schreibfehler.
Unser Schiff, die MS „Spitsbergen“
Alles was in Spitzbergern älter ist als 80 Jahre, gilt als schützenswertes Kulturgut. So auch diese Eisenbahn, sie diente dem Transport von Kohle von den Minen zum Schiff.
Viele Nationalitäten haben ihre Forschungsstationen hier und sind in den historischen Gebäuden untergebracht.Die ersten Eisbrocken künden von Gletschern
Es hat sich herausgestellt, dass wir doch ab und zu ein Fitzelchen Netz haben, daher kann ich in unregelmäßigen Abständen berichten.
Bevor wir aufs Schiff gehen, gibt es eine kleine Busrundfahrt an den Stadtrand. Dieses Schild markiert eine Grenze, jenseits dieses Schildes sollte man eine Waffe bei sich tragen, denn es kann zu unliebsamen Begegnungen mit Eisbären kommen. Touristen dürfen hier nur mit einem autorisierten Guide unterwegs sein.
Wir haben das Barentz Camp besucht, es wurde errichtet um Touristengruppen in dieser Hütte zu bewirten. Für uns gab es Pfannkuchen mit Marmelade und einen heißen Kaffee vom offenen Feuer. Und einen Vortrag über Eisbären. Draußen patrouillierte eine Wächterin mit Flinte. Ist aber nichts passiert, ist über ein Jahr her, dass hier ein Bär vorbeischaute.
Und dann endlich Leinen los und ab aufs Meer. Das Wetter meint es richtig gut mit uns, wir hatten heute viel Sonne und zusammen mit den Wolken gab es traumhafte Lichtverhältnisse, ein Eldorado für alle Filmer und Knipser. Der Platz in der Panorama Lounge erweist sich als ideal, man hat kurze Wege nach draußen aufs Deck. Gefühlt alle 10 Minuten springt man auf, weil sich gerade wieder ein tolles Motiv durch das Zusammenspiel von Sonne, Wolken und Bergpanorama ergibt.
Ganz knapp haben wir die Mitternachtssonne verpasst, vorgestern ging die Sonne nicht unter, heute verschwindet sie bereits für 70 Minuten. Die Polarnacht kommt mit Riesenschritten. In 10 Tagen wird es schon sechs Stunden dunkel sein.
Wir wollen nun auch den äußersten Norden erkunden. Spitzbergen heißt das Ziel, es hat zwar einen Sonderstatus mit Rechten für die Anrainerstaaten Russland, USA, Kanada, Dänemark, Island und Norwegen, gehört aber verwaltungstechnisch zu Norwegen. Unser Flug von Oslo nach Longyearbyen, so etwas wie die Hauptstadt Spitzbergens, galt als internationaler Flug.
Longyearbyen liegt auf dem 78. Breitengrad von 90 Breitengraden, wobei der 90. Breitengrad bereits der Nordpol ist. So weit wollen wir nicht, aber wenn wir morgen auf das Hurtigruten Schiff „Spitsbergen“ gehen und zu einer 11 tägigen Umrundung des Archipels aufbrechen, werden wir voraussichtlich den 80. Breitenkreis überqueren. So viel Norden war noch nie!
Wir verbringen noch eine Nacht an Land und haben jetzt zum letzten Mal Netz, denn wenn unser Schiff morgen ablegt, beginnt unsere Expeditionsreise in unbewohnte, archaische Naturlandschaften, natürlich ohne Internet. Ich werde mich also erst am 5. September wieder zurückmelden in die Zivilisation. Ein nachträglicher Blog sozusagen. Ihr müsst euch also jetzt etwas gedulden und glaubt mir, wir sind mindestens so gespannt wie ihr. Hier schon mal ein kleiner Eindruck von unserem ersten kurzen Spaziergang durch Longyearbyen.
Gegründet wurde der Ort als Bergbausiedlung, hier wird seit 1905 Kohle abgebaut, allerdings ist heute nur noch eine Mine aktiv, die versorgt in erster Linie das hiesige Kohlekraftwerk und darüber hinaus noch die deutsche Metallindustrie. Dem Stadtbild sieht man deutlich an, dass hier ein langer Winter vorherrscht und lieblich war nur das Wollgrad am Wegesrand. Die Gebäude sind in erster Linie zweckmäßig, es lohnt sich einfach nicht, hier Gärten anzulegen. Lustigerweise steht vor jedem Haus ein Auto, obwohl es keine Straßen gibt, die zu anderen Orten führen, man kann also nur innerorts fahren. Die wenigen ehemaligen Bergbausiedlungen, sind nur per Schiff zu erreichen. Oder über den zugefrorenen Fjord, allerdings ist dies in den letzten Jahren nicht mehr passiert, der Klimawandel hinterlässt hier sehr deutlich seine Spuren.
Im Hintergrund schon der erste GletscherDie alte Seilbahn, durch sie wurde die Kohle zum Hafen befördert
Standort: Freier Stellplatz auf der Halbinsel Grimsöy Wetter: morgens sonnig, nachmittags bewölkt bei 20 Grad, Nachmittag bis Windstärke 6 Sonnenuntergang: 22:18 Uhr Sonnenaufgang: 4:21 Uhr
Wir haben den letzten Zipfel von Norwegen erreicht, die Halbinsel Grimsöy. Bis zur schwedischen Grenze sind es noch etwa 15 Kilometer und hier endet auch mein Blog. Wir haben noch einen schönen Platz an der Schärenküste erwischt, es gibt überall Picknickbänke und Badestellen am Wasser. Zum Baden fehlt jetzt allerdings die Sonne, aber wir picknicken und faulenzen, während wir gedanklich Abschied nehmen von Norwegen, ein Land, dessen Natur uns schwer beeindruckt hat. Berge ohne Ende, enge Fjorde, unendliche Küstenlandschaften und raue Hochebenen. Das Wetter war besser als gedacht, natürlich geht es nicht ohne Regen ab, aber der hielt sich in Grenzen. Wir hatten auch sehr warme Abende, ungewöhnlich warmes Wetter gerade auch auf den Lofoten, der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar. Zum Campen ist das Land gut geeignet, es gibt überall Picknickplätze mit sauberen Toiletten, auf denen das Übernachten meistens gestattet ist. Mit Glück findet man auch einsame Stellen, wo man allein ist mit sich und der Natur. Es gibt auch wunderschön gelegene kommerzielle Campingplätze, die vollgestellten mit den Dauercampern kann man meiden. Für den Fahrer, und das war in diesem Urlaub nur Martin, sind die Straßen herausfordernd. Ich passe, wenn es keine Mittellinie gibt und trotzdem jederzeit ein LKW kommen kann. Manchmal war es eng, es gab Ausweichmanöver und Martin beherrschte unseren Camper perfekt.
Fazit: tolle Reise, viel gesehen und erlebt und jetzt fahren wir nach Südschweden zu einer Geburtstagsfeier und dann über Trelleborg-Rostock und Berlin zurück nach Hause. Schön, dass ihr uns wieder begleitet habt auf unserer Reise und danke für eure Kommentare. Bis bald!
Standort: Freier Stellplatz in Fredrikstad an der Festung Kongsten Wetter: 24 Grad und sonnig, kaum Wind Sonnenuntergang: 22.22 Uhr Sonnenaufgang: 4:20 Uhr
Abschied von Oslo und weiter Kurs Süd. Mit Fredrikstad haben wir ein Kleinod entdeckt. Das Städtchen hat einen neuen Teil mit teils modernen Gebäuden, Geschäften und einem Einkaufszentrum. Ungleich schöner ist aber der Stadtteil Gamlebyen, auf der anderen Flussseite gelegen und mittels kostenlosen Booten mit dem Zentrum verbunden. Das nehmen wir jedenfalls an, denn bezahlt haben wir nichts und es wollte auch niemand eine Fahrkarte sehen.
Gamle heißt übrigens alt und das trifft auf den kleinen Stadtteil auf jeden Fall zu, gegründet wurde er Ende des 17. Jahrhunderts als Festungsstadt. Ein Wassergraben wurde angelegt und so lag das Städtchen auf einer Insel. Es gab eine Zugbrücke, die abends hochgezogen wurde. 500 Meter weiter östlich entstand die Festung Kongsten mit bombensicheren Gewölben. An deren Fuß haben wir einen schönen Übernachtungsplatz gefunden.
Das Festungsstädtchen Gamlebyen am anderen Ufer des Glama Flusses gegenüber von Fredrikstad gelegenDer Marktplatz mit dem Stadtgründer Fredrik II.Der Wall rings um das Städtchen ist erhalten geblieben so wie auch der gesamte Ort kaum Veränderungen erfahren hatUnser feiner Platz am Fuße der FestungDie Kanonen sind frisch poliert aber nicht mehr auf die Schweden gerichtet.
Standort: Bogstad Campingplatz in Oslo Wetter: 22 Grad und sonnig, Windstärke 4, gegen Abend kaum noch Wind Sonnenuntergang: 22:31 Uhr Sonnenaufgang: 4:12 Uhr
Oslo ist eine interessante Stadt, da ist ein Nachmittag natürlich viel zu wenig. Wir haben jetzt noch einen ganzen Tag Zeit für die Stadtbesichtigung. Es gibt mehr Museen, als man gewöhnlich anschauen kann. In den letzen Jahren hat Oslo noch ein paar moderne Stadtviertel dazubekommen, vorzugsweise in Wassernähe. Dabei werden Wohn-und Geschäftsbereiche gemischt, was die Stadt lebendig macht. Und die Lage am Wasser wird mitgeplant, es gibt überall Badestellen mitten in der Stadt und vor allem in den neu erbauten Gebieten. Heute am Sonntag herrschte überall reger Badebetrieb.
Wir hatten heute Museumstag, zuerst das Munch Museum, das erst voriges Jahr eröffnet wurde und erstmalig eine umfassende Schau seiner Werke zeigt. Munch hatte seinen gesamten Nachlass der Stadt Oslo vermacht und jetzt kann man die wichtigsten Werke an einem Ort sehen. Er war ja nicht gerade ein Optimist, aber seine Werke sind ausdrucksstark und bleiben in Erinnerung. Das gilt nicht nur für sein wohl berühmtestes Werk, den „Schrei“.
Kurzer Stadtbummel zum königlichen Schloß, das in einer Achse mit der Fußgängerzone auf einem Hügel liegt. Im europäischen Vergleich hat es eher bescheidene Ausmaße und liegt in einem großen Park. In den Sommermonaten kann man es auch besichtigen, aber wir wollen Wikingerschiffe sehen und fahren mit einem Boot hinüber zur Halbinsel Bygdöy. Leider ist das Museum mit den original Wikingerschiffen geschlossen, aber im Maritimen Museum gibt es einen Nachbau. Trotzdem interessant, die Entwicklung der Passagierschifffahrt, dargestellt an vielen Modellen berühmter Schiffe, darunter natürlich auch Hurtigrutenschiffe, anzuschauen.
Schon sehr eigenwillig das Munch MuseumÜbrigens sind die “Leitplanken“ von innen transparent, sieht gar nicht so schlecht ausSelbstbildnisEs gibt auch monumentale Werke von Edvard MunchUnd er hat bestimmt die Mitternachtssonne gesehenBei dem schönen Wetter wird überall gebadetSozusagen die “Royal Mile“ von OsloDas königliche Schloß
Standort: Bogstad Campingplatz in Oslo Wetter: Wechselnd bewölkt bei 20 Grad, frischer Wind der Stärke 5 Sonnenuntergang: 22:32 Uhr Sonnenaufgang: 4:11 Uhr
Wir haben die Hauptstadt erreicht! Campingtechnisch ein Luxus, den wir uns erlauben. In einer Großstadt ist es schwierig, ein kostenfreies Plätzchen zu finden, das war klar, und auch das Parken ist in Oslo problematisch, denn man verbannt die PKW aus der Innenstadt. Also macht es Sinn, einen Campingplatz auszusuchen, der an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist. So weit, so gut, das ist alles möglich, aber zu welchem Preis? Bislang haben wir im Schnitt 35 Euro für einen Platz mit Stromanschluss bezahlt. Hier in Oslo zahlen wir 75 Euro! Toiletten und Duschen sind funkelnagelneu und großzügig bemessen, aber dafür den doppelten Preis? Also entweder will man nach Oslo oder nicht, basta! Und außerdem ist die Bushaltestelle direkt vor der Tür.
Hier kommen die Bilder vom ersten Stadtrundgang, morgen geht es weiter.
Das Rathaus in der Innenstadt nahe am Wasser, so etwas wie das Wahrzeichen von Oslo.In diesem ehemaligen Bahnhofsgebäude gibt es eine Ausstellung zum Friedensnobelpreis, verliehen wird er im Großen Saal des Rathauses.Die Festung AkerhusRund um den alten Rathausplatz gibt es einige schöne, ältere Gebäude im sonst sehr von modernen Bauten geprägten OsloEs gibt auffällig viele Irish Pubs in Oslo, warum, weiß ich auch nichtDer komplett neu erbaute Stadtteil Tjuvholmen mit sehenswerter moderner Architektur, hier das Fearnley-Museum mit Werken von Andy Warhol und Anselm KieferDas Highlight moderner Architektur ist meiner Meinung nach das Opernhaus. Die Form soll an eine Eisscholle erinnern. Kein Besucher verpasst es, das großzügig angelegte Gebäude zu besuchen und auf die Aussichtsplattform zu steigen.Gegenüber liegt das erst im letzten Jahr eröffnete Edvard Munch Museum. Kritiker nennen das Gebäude die größte Leitplankensammlung der Welt. Vielleicht ist es ja von innen ganz schön, mal sehen.
Standort: Picknickplatz in der Nähe von Tisleidalen Wetter: Wechselnd bewölkt, nachmittags bewölkt, 16 Grad, auf dem Fjell 8 Grad, Windstärke 5 Sonnenuntergang: 22:49 Uhr Sonnenaufgang: 4:06 Uhr
Wir haben es gemütlich angehen lassen und sind ein wenig in und um Vagamo herumgebummelt. Das Örtchen hat uns ausgesprochen gut gefallen, kleine Geschäfte, Cafés und eine Stabkirche, deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Die Kirche war baufällig geworden, da hat man sie auseinandergenommen und wieder aufgebaut, wobei soviel von dem ursprünglichen Material verwendet wurde, wie möglich. Auf den Wiederaufbau wartet ein halb verfallener Bauernhof noch, der etwas abseits steht und tolle Fotomotive liefert.
Am Nachmittag hatten wir unsere aktive Phase, eine Wanderung auf 1.200 Metern Höhe bei 8 Grad und starkem Wind im Jotunheimen Nationalpark. Übersichtliche Landschaft auf baumloser Hochebene und gute Fernsicht.
Die Stabkirche von VagamoEine Buchhandlung mit Bäckerei und Speisenangebot, interessante MischungWer hier einen Kaffee bestellt, kann kostenlos nachfassenDas halb verfallene BauernhausWanderung im Jotunheimen NationalparkAuch die kleinen Dinge sind interessant. Wenn sich ein Gletscher zurückzieht, kommt blankes Gestein zum Vorschein. Dann tut sich erstmal gar nichts, aber kaum sind 250 Jahre rum, wachsen die ersten Flechten. Sie haben nach dieser Zeit einen Durchmesser von etwa 5 cm und wachsen fleißig weiter… Da sieht man Steine mit ganz anderen Augen an.Die Schneeschmelze dauert noch an, überall fließen Bäche und reißende StrömeWir verlassen den Jotunheimen Nachtionalpark in Richtung Süden.
Standort: Holungsöy Camping in Vagamo Wetter: Wechselnd bewölkt bei 14 Grad, Windstärke 6 Sonnenuntergang: 23:02 Uhr Sonnenaufgang: 3:52 Uhr
Wir sind dem Regen davongefahren! Heute nochmal 277 Kilometer nach Süden und es ist trocken geblieben, teilweise sonnig mit einem böig starken Wind. Wir haben das Dovrefjell passiert und eine kleine Wanderung zu einer Aussichtshütte unternommen. Diese Hütte wurde vor zwei Jahren errichtet in erster Linie als Beobachtungsposten für die hier lebenden Moschusochsen. In diesem Gebiet wurde einmal Kupfer abgebaut, aber die Mine ist stillgelegt und komplett zurückgebaut worden. Das erklärt vielleicht die äußere Gestaltung der Hütte unter Einbezug der Historie des Gebietes, aber kombiniert mit natürlichem Material. Das Holz für die Ruhebänke wurde bewusst ausgewählt, die Form entstand auf natürlichem Weg durch Erosion. Nur eines hatte die Hütte nicht: Gastronomie. Das hatten wir natürlich erwartet, und auch einen Souvenirshop, denn unterhalb gibt es einen großen Parkplatz und viele Besucher klettern hinauf zur Hütte. Also nur Moschusochsen in weiter Entfernung aber einen tollen Ausblick auf das Dovrefjell, das war den Ausflug auf jeden Fall wert.
Die Aussichtshütte im Dovrefjell, von aussen gewöhnungsbedürftig, aber…… von innen gemütlich durch die geschwungenen Holzbänke und im Ofen knisterte ein FeuerchenTolle Sicht auf die Hochebene des Dovre-FjellsIrgendetwas blüht immer am WegesrandHeute mal wieder ein kommerzieller Platz, es ist Waschtag!
Standort: Kjelstad Camping bei Lundamo Wetter: Regen bei 10 Grad und leichtem Wind Sonnenuntergang: 23:19 Uhr Sonnenaufgang: 3:27 Uhr
Ein kompletter Regentag heute – was macht man da? Wir legen einen Fahrtag ein, die Strecke zwischen Mo i Rana und Trondheim bietet ohnehin keine Highlights außer einer Stromschnelle. Da springen die Lachse flussaufwärts zu ihren Laichplätzen, heute allerdings nicht. Wir legen rekordverdächtige 500 Kilometer zurück und benötigen dafür 7 Stunden. Was einige unserer Politiker nicht verstehen wollen, klappt in Norwegen anstandslos: die erlaubte Geschwindigkeit auf gut ausgebauten Straßen beträgt 80 km/h und auf den wenigen Autobahnkilometern dürfen sogar 100 km/h gefahren werden. Wer sich nicht daran hält, riskiert empfindliche Strafen. Wer ausserhalb geschlossener Ortschaften mehr als 20 km/h zu schnell fährt, ist mit 750 Euro dabei. Gut, dass wir einen Tempomat haben.
Wir stehen 40 km südlich von Trondheim und sind dem Regen jetzt weitgehend ausgewichen. Unsere weitere Reiseroute richtet sich ein wenig nach dem Wetter: wenn wir uns morgen noch einmal 200 km nach Süden bewegen, haben wir wieder Sommer.
Der Wasserfall bei Trofors ist zwar nur 17 m hoch, transportiert aber 700 Kubikmeter Wasser die Sekunde, das macht ihm in Europa kein Wasserfall nach. Lachse haben wir leider keine gesehen, nur auf den Tellern im angeschlossenen Restaurant.
Standort: Stellplatz bei Mo i Rana Wetter: Wolkig und am Nachmittag Regen, zunächst noch 19 Grad, später 12 Grad, Windstärke 6 Sonnenuntergang: 0:49 Uhr Sonnenaufgang: 1:27 Uhr
Geographisch hat sich heute viel getan, ihr seht es am Sonnenstand. Wir haben die Polarregion verlassen, als wir den Polarkreis in südlicher Richtung überquert haben und damit auch den Bereich der Mitternachtssonne. Und wir haben den Kurs Nord verlassen, nachdem wir den nördlichsten Punkt bei Gullesfjord erreicht hatten. Ab jetzt nur noch in Richtung Süden. Auch die Lofoten haben wir hinter uns gelassen, sind mit der Fähre von Lödingen nach Bognes gefahren und sind nun wieder auf dem Festland unterwegs.
Was euch aber sicher am meisten interessiert, ist die Frage, ob wir gestern die Mitternachtssonne gesehen haben. Das habe ich fotografisch dokumentiert:
22:33 Uhr Wir versuchen abzuschätzen, wo genau die Sonne den Horizont berühren wird, sieht doch gar nicht so schlecht aus. 23:01 Uhr Ein Regenschauer ging über uns nieder, wir hoffen, dass die Wolken jetzt nicht vor die Sonne ziuehen.Aber man sollte auch mal nach hinten schauen, Regen und Sonne machen – na klar, einen Regenbogen oder zwei23:23 Uhr Langsam wird es spannend. Wir hoffen, dass die Sonne links von diesen Bergen am Horizont untergeht23:50 Uhr Jetzt ist sie doch noch hinter die Berge gerückt0:00 Uhr Mist! Hinter dem einzigen Berg weit und breit versteckt!0:31 Der neue Tag hat begonnen und wir sind nicht wirklich enttäuscht, denn der Himmel hat heute Nacht so eine tolle Show abgezogen, das fanden wir doch sehr beeindruckend und sind versöhnt mit der Mitternachtssonne ins Bett gegangen.Good bye Lofoten, ihr habt uns bei super Wetter richtig gut gefallen, es war, wie Martin sagt, gar nicht so lofotig, wie befürchtet, mit Sturm und Regen, ganz im Gegenteil, wir hatten richtig Sommer.Am Polarkreis habe ich so gerade noch den Regenbogen erwischt, bevor es richtig ungemütlich wurde
Standort: Stellplatz am Meer in der Nähe von Straumnes auf der Insel Austvagöya Wetter: Zuerst bewölkt, dann sonnig bei 21 Grad und kaum Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Wir setzen unsere Lofoten-Rundreise auf der E 10 fort und umrunden die Inseln Gimsöya und Austvagöya. Diese sind mit Brücken untereinander verbunden, nur von Flakstadöya nach Austvagöya gibt es einen Tunnel durch den Nappstraumen, das ist ein Meeresarm. Die Hauptstraße ist sehr gut ausgebaut, besonders die großzügigen und modernen Picknickanlagen. Meist an landschaftlich schönen Stellen, mit pieksauberen Toiletten, großen Abfalltonnen und Picknickbänken.
Hin und wieder nehmen wir kleine Umwege, zum Beispiel die schöne Umrundung der Insel Gimsöya oder die Stichstraße nach Henningsvaer. Dieser kleine Ort wird auch das Venedig des Nordens genannt, der Vergleich hinkt natürlich wie die meisten Vergleiche. Aber die Lage ist sehenswert, viele Häuser stehen auf Stelzen an einem größeren Kanal und es gibt neben ein paar Fischrestaurants tatsächlich zwei Cafés. Außergewöhnlich ist die Lage des Fußballplatzes, der auf einer Anhöhe liegt und an drei Seiten von Wasser umgeben ist.
Auf unserem Weg liegt jetzt Svolvaer mit einem kleinen, hübschen Zentrum mit viel moderner Architektur und von einer mächtigen Felsenwand geschützt. Zur Auswahl unseres Schlafplatzes benötigen wir heute einen Kompass, denn wir wollen endlich die Mitternachtssonne sehen! Dazu brauchen wir freie Sicht nach Norden und natürlich einen wolkenlosen Himmel. Der Platz haben wir gefunden, wunderbare Sicht aufs Meer und noch sonnig. Die Stative sind ausgerichtet, Filme eingelegt, ach so, nee, aber die Akkus geladen und wir sind gespannt. Morgen werdet ihr sehen, ob es fotografisch auswertbares Material zur Mitternachtssonne gab.
Zuerst gab es noch mehr Schatten als LichtLangsam setzt sich der blaue Himmel durch und die satten Farben sind wieder daHenningsvaer strahlend schönDer bunte Zebrastreifen führt direkt zum CappuccinoDas nenne ich mal einen außergewöhnlichen FußballplatzSchöner Blick von Henningsvaer auf die LofotenketteSvolvaer ist mit 5.000 Einwohnern größte Stadt auf den LofotenAussicht vom Picknickplatz am Austnesfjorden
Standort: Stellplatz am Ytterpollen südlich von Eggum Wetter: Erst noch wolkig, dann sonnig und am Abend wieder bewölkt bei 18 Grad, mäßiger Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Heute Nacht hat uns das Wetter geweckt, heftiger Regen und starker Wind, das Auto hat sogar gewackelt, aber nix passiert. Am nächsten Morgen war alles wieder friedlich und im Laufe des Tages ist es immer sonniger geworden. Wir haben eine Landschaftsfahrt unternommen und den pittoresken ehemaligen Fischerort Nusfjord besucht. Um mal einen Kaffee trinken zu können, haben wir das Wikingermuseum besucht. Na ja, ein bißchen auch wegen der Ausstellung und dem Nachbau des Langhauses. Aber es gibt so gut wie keine Gastronomie auf den Lofoten, in Nusfjord hat um halb elf das einzige Café noch geschlossen und dann kam keins mehr. Bis eben das Museum auftauchte.
An der Westküste der Lofoten gibt es einige ausgezeichnete Strände mit türkisfarbenem Wasser und die Chance auf Mitternachtssonne. Heute hätten wir zwar freie Sicht aufs Wasser, aber die Sonne versteckt sich jetzt wieder hinter Wolken. Wir geben die Hoffnung nicht auf.
Wenn nicht Tunnels oder Fähren, dann gibt es viele BrückenDer wunderschöne Strand von RambergDie Straße nach Nusfjord führt direkt auf die Felswand zu, knickt aber im letzten Moment doch noch nach links abAuch hier wurden die Fischerhäuser zu Ferienunterkünften umgebautDas rekonstruierte Haus des Wikinger-HäuptlingsKüste bei HauklandUnser Übernachtungsplatz am Ytterpollen
Standort: Bauernhof Innersand Wetter: meist bedeckt, erst am Nachmittag aufgeklart, 21 Grad und böiger Wind der Stärke 6 Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Wir wechseln heute unseren Standort und bewegen uns in nördlicher Richtung entlang der E 10. Bei bedecktem Himmel verblassen die Farben und unsere Fotomotive leiden etwas darunter. Aber unsere Laune nicht, wir starten wie geplant zu unserer Wanderung zur Kvalvika Bucht. Wie meistens in Norwegen, geht es steil nach oben auf felsigem Untergrund. Die Sicht auf die Bucht ist auch nicht so toll, man müsste einen steilen Felshang bis zum Meer hinabsteigen, das sparen wir uns heute mal, zumal wegen fehlender Sonne das Wasser nicht smaragdgrün ist, sondern einfach nur grau.
Unser Übernachtungsplatz befindet sich auf einer Wiese bei einem Bauernhof, wo ein schlauer Bauer gemerkt hat, dass man an Touristen ganz gut verdient. Man kann von hier aus zum Meer laufen, was wir später auch machen, denn tatsächlich klart es auf und wir bekommen heute doch noch mal türkisfarbenes Wasser zu sehen.
HamnöyaAuf dem Weg zur Kvalvika-BuchtDa unten liegt die sagenhafte BuchtDer weite Strand von SandbotnenLinks hinten liegt unser Bauernhof und die Sonne lacht wieder!Jetzt nochmal die Bucht Sandbotnen im Sonnenlicht
Standort: Moskenes Camping Wetter: kein Wölkchen am Himmel, 24 Grad und kaum Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Für unseren Bootsausflug hätten wir keinen schöneren Tag erwischen können, sommerlich warm und ruhige See. Wir fahren 20 Minuten mit einem kleinen Schiff von Reine aus in den Reinefjord und steigen in Vindstad aus. Von dort laufen wir am Fjord entlang bis zum Ende und gehen über einen Sattel zur Westküste, wir gucken also in Richtung Grönland. Nein, ganz so weit kann man nicht sehen, aber der Blick zu dem einsamen Bunes Strand ist vom Feinsten.
Das Boot geht erst sechs Stunden später zurück, daher haben wir viel Zeit, die wir uns mit einer ausgiebigen Foto- und Filmsession vertreiben. Bitte schön.
Angekommen in VindstadDas Wasser war wirklich so grün!Wir haben das Ende vom Fjord erreichtUnd dann dieser Ausblick!Die blühenden Wiesen sind einfach toll!Und dann hatten wir noch Zeit, die Möwenfamilie zu beobachten
Standort: Moskenes Camping Wetter: sonnig und warm bei 19 Grad, in Böen auffrischender Wind der Stärke 5 Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Die Wolken haben sich verzogen und wir erleben einen strahlend sonnigen Tag auf den Lofoten. Es geht zwar ein frischer Wind, aber wenn man geschützt in der Sonne sitzt, wird es richtig warm. Wir erkunden den südlichen Teil der Inselgruppe, die nennt sich Moskenesöya. Ein kurzer Spaziergang durch unseren Übernachtungsort A und dann geht es weiter zum Postkartenmotiv schlechthin – dem kleinen Ort Reine. Es herrscht reges Treiben, jeder Besucher der Lofoten möchte diesen malerischen Ort sehen und einige wandern auf den Reinebringen, von dort oben hat man eine unvergleichliche Aussicht auf Reine und die gewaltige Bergkette der Lofoten. Ursprünglich wollten wir diese Tour auch gehen, aber über 1500 steile, felsige Stufen, teilweise nahe am Abgrund, haben uns abgeschreckt. Und ich finde die Bilder von unten auch ganz hübsch.
Wir haben für zwei Tage einen kommerziellen Campingplatz genommen, um nicht jeden Tag mühselig einen Stellplatz suchen zu müssen. Morgen wollen wir einen Ausflug per Boot machen, da wären wir recht spät dran mit der Stellplatzsuche. Und wir haben einen schönen Platz mit Meerblick bekommen, da machen wir jetzt mal Urlaub.
Morgenspaziergang durch ReineEs gibt etwa 150 denkmalgeschützte ehemalige Fischerhütten, Rorbuer genannt, die werden in erster Linie an Touristen vermietet. Und jedes ist mit einer Tesla-Ladestation ausgestattet.Sie haben ein Herz für Möwen hierEs blüht überall, der Flieder zusammen mit allen WiesenblumenUnd hier Reine, die meistfotografiertesteHier werden Fischköpfe getrocknet und nach Nigeria verschickt, dort kocht man eine Fischsuppe daraus, die als Delikatesse gilt. Stockfisch haben wir nicht mehr gesehen, der ist wohl schon “abgeerntet“An zweiter Stelle in der Beliebtheitsskala von Fotografen steht HamnöyaUnser Übernachtungsplatz in Moskenes
Standort: Stellplatz an „Land´s End“ nahe der Ortschaft A Wetter: nur noch 14 Grad, morgens Regen, später mehr Wolken als Sonne, Windstärke bis 6 Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Innerhalb von sechs Stunden haben sich die Temperaturen halbiert, das Wettergeschehen ändert sich hier sehr schnell. Mit einem neuen Wasserhahn setzen wir jetzt unsere Reise fort, zunächst schauen wir uns ein Naturwunder an, das weltweit einmalig ist: der Gezeitenstrom bei Saltstraumen. Die Gezeiten drücken das Wasser durch einen engen Eingang in den Skerstadfjord und das mit einer solchen Gewalt, dass sich bis zu vier Meter tiefe Wasserstrudel bilden. Nicht ganz ungefährlich für kleine Boote, wir betrachten das Ganze von einer Brücke aus, die genau hier den Fjord überquert. Angler haben leichtes Spiel, da die Fische der Strömung nicht standhalten können.
Unsere Fähre geht um 18:45, also bleibt noch etwas Zeit für einen Stadtbummel mit Kaffee und Zimtschnecken, bevor wir an Bord gehen. Die Überfahrt ist ruhig, nur etwas Dünung bewegt das Schiff und lässt die meisten Passagiere dahinschlummern. Nach eineinhalb Stunden erkennt man die ersten Silhouetten der markanten Lofotenberge. Die Sicht ist noch etwas wolkenverhangen, aber man erkennt die schroffen Felsenhänge der Lofoten. Am allerletzten Zipfel, also ganz im Süden, erwischen wir gerade so noch einen Stellplatz nahe der Ortschaft A. Kein Schreibfehler, der Ort besteht aus einem Buchstaben, allerdings hat er im norwegischen noch einen Kringel obendrauf und wird wie ein langes, kehliges O ausgesprochen.
Ein Nachtrag zu gestern: wir haben die Tropennacht kurzärmlig verbracht und wollten gar nicht ins Bett, das Foto ist gegen Mitternacht aufgenommenHier stehen wir auf der Brücke bei Saltstraumen, um die Strudel anzuschauenEbenfalls von oben sieht man ganz gut, dass sich manche Norweger den Dachdecker sparenAbfahrt von BodöMoskenes auf den Lofoten in SichtKurzer Abendspaziergang bis der Weg aufhört
Standort: Stellplatz am Strand nördlich von Bodö mit Strom Wetter: heißester Tag bisher, 30 Grad mit in Böen auffrischendem Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Ein Tag am Meer könnte die passende Überschrift heute sein. Wir haben für morgen die Fähre nach Moskenes auf den Lofoten gebucht und daher den ganten Tag Freizeit in Bodö. Die haben wir für einen Einkaufsbummel im sehr überschaubaren Zentrum Bodös genutzt. Für fünf Euro einen Cappuccino getrunken und für morgen früh einen Termin in der Werkstatt vereinbart, ein Wasserhahn muß getauscht werden. Am Mittag haben wir mit Ach und Krach noch einen Stellpatz am Meer erwischt. Und dann hatten wir Urlaub. Die einzige Tätigkeit neben dem Überleben war, den Blog zu schreiben. Voilá.
Unser Stellplatz 10 km nördlich von BodöPartieller MeerblickEin Strandspaziergang in Norwegen bei 30 Grad, wer hätte das gedacht!Die Wassertemperatur – na ja, ich war dann noch schwimmen, das hat aber niemand fotografiert.Und am Abend war das Meer auf einmal weg
Standort: Camp Saltstraumen Elvegard bei Bodö Wetter: sonnig mit leichter Bevölkung, bis 26 Grad, kein Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Heute stand der zweitgrößte Gletscher Norwegens auf dem Programm: der Svartisen. Wir waren schon früh auf, um genügend Zeit für die Wanderung zur Gletscherzunge zu haben. Um dorthin zu gelangen, mussten wir zwei Fähren nehmen, die erste Fahrt dauerte gleich eine Stunde. Wir haben tatsächlich die erste Fähre um 07:20 Uhr geschafft und den Ausgangspunkt Holandsfjorden kurz nach zehn erreicht. Von dort aus brachte uns ein kleines Boot in 15 Minuten auf die andere Seite des Fjords. Bis zum Gletscher läuft man knapp sechs Kilometer, davon vier Kilometer über Felsen mit Kletterpassagen. Und das Ganze natürlich wieder zurück.
Wir sind bei traumhaften Wetter losgelaufen und es ist einfach toll, im Gebirge zu wandern, es gibt immer wieder neue Ein- und Ausblicke. Die Kletterpartie war anstrengend, woran die Hitze einen gewissen Anteil hatte. Der Weg war anspruchsvoll, aber gut markiert. Und dann sind wir dem Gletscher ganz nahe gekommen, das ist schon ein tolles Erlebnis, vor allem weil man wirklich Angst haben muß um unsere Gletscher in Europa. Wenn wir die Gletscherzunge des Svartisen 2003 besucht hätten, wäre die Wanderung nach zwei Kilometern und ohne Kletterei bereits beendet gewesen.
Lust auf was Kaltes: bitte schön, hier die Bilder vom Gletscher Svartisen.
Zuerst mit dem Boot auf die andere Seite des HolandsfjordsGanz hinten sieht man unser Ziel: eine Gletscherzunge des SvartisenEinmal um den See und dann wird geklettertDas ewige Eis, das gar nicht mehr so ewig istAuf dem Rückweg bleibt auch Zeit für die Blümchen am Wegesrand
Standort: Picknickplatz bei Kleivhalsen Wetter: sonnig und warm bis zu 28 Grad, gegen Abend auffrischender Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Heute ist Ausflugstag, wir lassen unseren Camper stehen und fahren mit der Fähre zweieinhalb Stunden zur Insel Lovund. Die ist berühmt wegen der Papageientaucher, die hier zu zehntausenden in den Felsen brüten. Sie kommen jedes Jahr pünktlich am 14. April hier an und zwar alle gleichzeitig. Niemand weiß, warum, das gehört zu den vielen ungelösten Rätseln der Natur. Im Laufe des Augusts verlassen sie die Insel wieder. Leider haben wir diese beschaulichen Vögel nur von weitem sehen können, man darf nicht näher herangehen, um die Tiere beim Brüten nicht zu stören. Fotos gibt es keine.
Aber trotzdem war der Ausflug toll, denn der Weg zu den Brutplätzen war wunderschön und wäre auch ohne die Vögel auf jeden Fall die Anreise wert. Die Insel Lovund ist sehenswert, sie wird geprägt von einem über 600 Meter hohen, steilen Felsen. Sonst ist nicht viel los hier, eine Fischfabrik und schmucke Häuser, aber immerhin eine Kneipe. Hat um 16 Uhr aufgemacht, gerade noch rechtzeitig für uns, denn die Fähre zurück ging um 18:20 Uhr. Hat für ein Bier und Fish and Chips gereicht. Das Glas Bier hat gut geschmeckt, auch für den stolzen Preis von 10 Euro für 0,5 Liter. Wir hatten eben Durst!
Die Vogelinsel LovundIm Hintergrund ist das Festland zu erkennen und unser Ziel für morgen: der Gletscher SvartisenWollgras soweit das Auge reichtUnser Stellplatz für die NachtDas letzte Bild des Tages, aufgenommen um 23:15 Uhr. Leider ist jetzt der Berg im Weg, so dass wir die Mitternachtssonne nicht sehen können.
Standort: Wohnmobilstellplatz am Sionafjord Wetter: richtig Sommer, ungelogen heute 28 Grad bei leichtem Wind der Stärke 1 Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Aufwachen im Wohnmobil und zuerst mal die Fenster aufstellen, weil es zu warm ist! Das hatten wir bisher noch nicht. Wir freuen uns über den ersten richtigen Sommertag. Morgens um zehn Uhr haben wir bereits 24 Grad. Das Programm für heute ist klar, wir folgen weiter der Atlantikküstenstraße 17, die nicht die kürzeste und nicht die schnellste Verbindung nach Bodö ist, aber zweifelsohne die schönste,. immer am Wasser entlang und das bedeutet heute, drei Fahrten mit der Fähre. Darunter die landschaftlich äußerst reizvolle Strecke von Forvik nach Tjötta. Da passieren wir die sieben Schwestern, das sind diesmal aber Berge. Die Zahl sieben scheint eine mystische zu sein in Norwegen, und mit unverheirateten Schwestern lassen sie ihrer Phantasie freien Lauf. Nur soviel: Es waren diesmal Königstöchter, der Freier nicht gut gelitten und der König warf noch schnell einen Hut dazwischen, aber es ging für alle schlecht aus.
Wie auch immer, diese Bergkette liegt malerisch am Meer und ist vom Schiff aus besonders gut zu sehen. Die Berge werden langsam wieder etwas höher, Schneereste machen sie fotogen. Wir finden auch wieder einen schönen Stellplatz oberhalb des Sionafjords, der mit Picknickbänken und einer modernen Toilettenanlage speziell für die Bedürfnisse der Wohnmobilisten gebaut wurde.
Die sieben Schwestern von Osten aus gesehenUnd hier von Westen aus fotografiert, da habe ich nur sechs aufs Bild bekommenDie HelgelandbrückeBlick auf den Sionafjord
Standort: Campingplatz in Brönnöysund am Torghatten Wetter: Sonnenschein ab mittags, 18 Grad bei mäßigem Wind der Stärke 4 Sonnenuntergang: 0:27 Uhr Sonnenaufgang: 2:01 Uhr
Der heutige Tag hat uns versöhnt, seit Mittag scheint die Sonne und wir haben unsere Wanderung zum Torghatten wie geplant machen können. Er ist ein besonderer Berg, denn in der Mitte ist ein Loch. Wie das da hinkommt? Naturwissenschaftler erklären das Phänomen damit, dass der Berg zu Urzeiten unter Wasser lag und die Strömung das Loch geformt hat. Um sich das Ausmaß vorstellen zu können, hier einige Daten: der Berg ist 258 Meter hoch, das Loch ist 35 Meter hoch und rund 160 Meter lang, denn es geht durch den Berg hindurch und kommt auf der anderen Seite wieder raus. Wir klettern also auf der einen Seite hoch, die letzten Meter sind steil und felsig und der Untergrund ist aufgeweicht und glatt, wegen des Regens gestern. Also muß man etwas vorsichtig gehen. Oben angekommen, steht man in einer mächtigen Höhle und die Kraxelei geht weiter, denn der Boden ist nicht etwa eben, sondern genauso unwegsam und felsig wie der Anstieg. Wir gehen bis zur anderen Seite, Holzleitern erleichtern die Passage. Und dann der Blick aufs Meer, einfach toll und all der Mühen wert. Wir haben uns für den Durchstieg entschieden und gehen an der anderen Seite hinunter. Auch nicht ganz einfach, aber man muß sich Zeit lassen. Bald lässt man die Felsen hinter sich und es wird grün, die Wiesenblumen blühen um die Wette und bald schon sind wir am Strand. Noch ein paar Fotos von dieser Seite mit ein paar schönen roten Gebäuden im Vordergrund und dann gehen wir um den Berg herum zurück zu unserem Campingplatz. Als Schmankerl kommt kurz vor sechs ein Hurtigschiff direkt an unserem Platz vorbeigefahren. Ein toller Tag und laut Vorhersage soll es jetzt ein paar Tage so bleiben. Da haben wir nichts dagegen!
Unser Campingplatz bei schönem WetterDer Aufstieg zum TorghattenDer Blick zur anderen SeiteDa gehen wir jetzt runterBlick zurück von der anderen SeiteStrand in der Nähe vom Campingplatz
Standort: Campingplatz in Brönneysund am Torghatten Wetter: bedeckt, tiefhängende Wolken, später Regen, sehr windig bei Windstärke 7 Sonnenuntergang: 0:27 Uhr Sonnenaufgang: 2:00 Uhr
Wir fahren heute nur eine gute Stunde bis nach Brönneysund, weil wir uns den Campingplatz am Berg Torghatten ausgesucht haben, um dort morgen zu wandern. Das Wetter wird sich bessern, genau richtig für unsere geplante Tour mit Überraschungseffekt, ihr dürft gespannt sein.
Heute kümmern wir uns um profane Dinge wie Wäsche waschen und Bevorratung. Im Ort waren wir in einem Spar Markt einkaufen. Es war ein gute Idee, viele Grundlebensmittel mitzubringen, denn das Einkaufserlebnis wird durch die hohen Preise etwas getrübt. Ein Pfund Erdbeeren kostet 8 Euro und eine Dose 0,33 l Heineken Bier 2,50 Euro. Da haben wir manchmal nicht so viel Durst und Tee schmeckt ja ohnehin besser!
Der Lachs allerdings ist hier im Verhältnis preiswert zu haben, in etwa zu unseren Preisen zuhause. Auch Brot ist sehr teuer, da kostet ein Kilo 6 bis 7 Euro. Übrigens ist auch tanken nicht gerade preiswert, der Liter Diesel kostet zwischen 2,40 und 2,70 Euro. Das hat mich überrascht, weil Norwegen doch eine eigene Ölindustrie hat. Aber tatsächlich sieht man auf den Straßen sehr viele E-Autos und genügend E-Säulen zum Aufladen. Wir sind ja nun schon etliche Kilometer Landstraße gefahren, auch oft Nebenstrecken, aber immer haben wir die Haltebuchten der Linienbusse gesehen. Sieht so aus, als wären die ländlichen Gegenden gut angebunden. Also für die Infrastruktur vergeben wir eine glatte eins.
Nach dem Regen ist vor dem Regen. Hier seht ihr unseren Campingplatz für die nächsten beiden Tage.Das ist unsere Aussicht, vor dem Regen.
Standort: Bindalseidet am Lysfjord, bei den Fischerhütten Wetter: zunächst sonnig, am Nachmittag bewölkt bei 14 Grad und Windstärke 5 Sonnenuntergang: 0:17 Uhr Sonnenaufgang: 02:08 Uhr
Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen versöhnt uns mit dem Wetter.Die Sonne wärmt schon und wir frühstücken auf einer Picknickbank im Freien. Auf der Fahrt heute zeigt sich Norwegen von seiner schönsten Seite, zumindest seit wir den Großraum Trondheim verlassen haben. Ich frage mich schon die ganze Zeit, warum auf unserer Autokarte die landschaftlich schönen Strecken nicht grün markiert sind. Jetzt weiß ich die Antwort: man müsste alle Straßen grün anmalen!
Die Geologie Norwegens stellt die Straßenbauer vor große Herausforderungen. Der Staat hat aber auch viel Geld, um in die Infrastruktur zu investieren. Wir fahren so oft durch Tunnels wie sonst nirgends außer in der Schweiz. Es gibt sogar Tunnels, die unter Fjorden hindurchführen und 250 Meter tief sein können. Manchmal werden aber auch ganz normale Brücken gebaut. Wo sich solche Bauwerke nicht lohnen, gibt es Fähren. Das funktioniert richtig gut, wir hatten uns vor der Reise im Mautsystem registriert und so wird auf den Fähren nur unser Nummernschild gescannt. Abgebucht wird zum Schluß von der Kreditkarte.
Nach Tierbeobachtungen unterwegs haben wir uns wieder bei Fischerhütten einquartiert, hier haben wir die Übersicht über den Lysfjord und können in Ruhe das nächste Regengebiet abwarten. Das dauert morgen noch den ganzen Tag, aber dann ist für die nächsten Tage erst einmal Ruhe mit Naß von oben. Dann hoffen wir, unsere geplanten Wanderungen machen zu können.
Leider habe ich mein Brehm´s Tierleben nicht dabei, vielleicht können die Jäger unter euch helfen, ist das ein Rentier?Fähre von Lund nach Hofles
Standort: Freier Stellplatz am Stadtrand von Trondheim direkt am Trondheimfjord Wetter: nur ein Wort, Regen! Erst am späten Nachmittag nachlassend, 10 Grad und Windstärke 4 Sonnenuntergang: 23:37 Uhr Sonnenaufgang: 03:03 Uhr
Wir waren mental darauf vorbereitet: einmal musste ein Regentag kommen. Das war heute. Und zwar den ganzen Tag. Da an Besichtigungen und Wanderungen nicht zu denken war, haben wir einen Fahrtag daraus gemacht und sind bis Trondheim gekommen. Es hat zwar noch getröpfelt, aber für einen Stadtrundgang hat es natürlich gereicht. Wir kannten uns bereits aus, von unseren Besuchen während der Postschiffsreise, allerdings war das im Winter. Die Temperaturen waren gefühlt ähnlich, aber diesmal ohne Schnee.
Aber ein Highlight gab es heute: wir haben den Nidaros-Dom besichtigt, es waren kaum Besucher da und so konnten wir uns alles in Ruhe anschauen, Fotografieren war ausdrücklich erlaubt. Ein wirklich imposantes Bauwerk, das im Jahr 1070 natürlich in bescheideneren Ausmaßen und als Holzbauwerk begonnen wurde und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder angebaut und nach Bränden auch wiederaufgebaut wurde. Die letzen Verschönerungen wurden Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, vor allem die Skulpturen der Westfassade. Anschließend kurzer Rundgang durch die gemütlichen Gassen, die im 18. und 19. Jahrhundert entstanden sind. Ein versöhnlicher Abschluß dieses Schlechtwettertages.
Der pittoreske Fischereihafen von BudDer Nidaros-Dom von TrondheimDie alten Speicherhäuser am Nidelva-Fluss
Standort: Zwischen Fischerhütten in der Nähe von Molde Sonniger Tag, wir haben die 20 Grad gesehen bei Windstärke 1 Sonnenuntergang: 23:36 Uhr Sonnenaufgang: 3:29 Uhr
Tiefblauer Himmel über dem Geirangerfjord und ein letzter Blick zurück vom Adlerstig. Wir fahren in Richtung Andalsnes durch ein Hochtal, vorbei an Erdbeerfeldern. Mit läuft das Wasser im Munde zusammen, aber es gibt keine Verkaufsstände, wie im Reiseführer erwähnt, obwohl es doch schon Ende Juni ist. Ich kaufe mir dafür ein Erdbeereis.
Das nächste Highlight wartet schon auf uns: der Trollstigen, die wohl berühmteste Serpentinenstraße Norwegens. Noch berühmter ist nur noch der Aussichtspunkt, von dem aus man die 12 Serpentinen aus der Vogelperspektive sehen kann. Ein aufwändiges Besucherzentrum wurde errichtet, das in erster Linie ein Souvenirladen ist. Aber die weit nach vorne ragenden Plattformen sind schon toll, damit man auch wirklich die letzte Kurve von oben sehen kann.
Weiter geht´s via Andalsnes nach Molde, wo wir einen schönen Platz zwischen Fischerhütten finden. Mit einer weiten Aussicht auf schneebedeckte Berge und vorbeifahrende Schiffe. Die Picknickbank können wir allerdings nicht benutzen, da ein Möwen-Junges dort seine Kinderstube hat und die Eltern so aufgeregt mit uns schimpfen, dass wir uns Sorgen um sie machen. Wir haben uns arrangiert, wir halten Abstand von der Picknickbank und sie akzeptieren unsere Anwesenheit.
Der letzte Blick auf GeirangerKaum bist du 800 Meter hoch, ist schon wieder WinterTrollstigen Overlook, bestens erschlossenManchmal kann es eng werdenBlick auf AndalsnesUnser Platz für die Nacht, rechts von der Picknickbank das JungeNäher komme ich leider nicht heran, ohne dass die Möweneltern Angriffe fliegen
Standort: Vinje Camping in Geiranger Sonne setzt sich immer mehr durch, 19 Grad bei Windstärke 0 Sonnenuntergang: 23:26 Uhr Sonnenaufgang: 3:39 Uhr
Heute ist Ausflugstag. Pünktlich zu unserer Bootstour auf dem Geiranger Fjord scheint die Sonne – Kaiserwetter! Im Örtchen, Geiranger hat 250 Einwohner, geht es heute gemütlich zu, kein Kreuzfahrer legt an. Pünktlich um halb drei kommt das Postschiff vorbei, legt für 20 Minuten an und verschwindet dann wieder. Wie sind bereits auf der Fähre nach Hellesylt, die wir hin- und zurück gebucht haben, ohne Auto. So durchfahren wir den 15 km langen Geirangerfjord in ganzer Länge, vorbei an den sieben Schwestern. Das sind die berühmten Wasserfälle, um die sich eine Saga rankt. Diese besagt, dass die Schwestern unverheiratet geblieben sind und ihren Freier, einen Wasserfall auf der gegenüberliegenden Seite, verschmäht haben. Na ja, so haben die Reiseleiter wenigstens etwas zu erzählen. Das war ein gemütlicher Tag und wir haben durchaus mal ein kurzes Sonnenbad genommen.
Geiranger im RuhemodusDie Kong Harald von den Hurtigruten läuft einDer Geiranger Fjord hat einige enge Stellen, rechts und links ragen die Berge bis zu 1.700 m emporDie sieben Schwestern kommen in SichtAbfahrt von Hellesylt und zurück nach GeirangerUnser Campingplatz mit Fjordblick
Standort: Vinje Camping in Geiranger Morgens sonnig, dann bewölkt und nachmittags kurze Schauer, zwischen 6 und 19 Grad bei Windstärke 2 Sonnenuntergang: 23:25 Uhr Sonnenaufgang: 3:39 Uhr
Ein perfekter Morgen, Sonne und blauer Himmel und auf unserer Route liegt der Reinheimen Nationalpark. Wir suchen uns eine Rundwanderung aus, die „Kultursteig“ heißt. Man solle auf den Weg achten stand da und es war die Rede von einer außergewöhnlichen Steinbrücke. Eigentlich wollten wir in leichtem Schuhwerk los, aber wir haben dann doch die Bergstiefel angezogen. Der Weg begann harmlos, allerdings stetig und steil ansteigend und zunehmend felsig. Wir sind bis zur Baumgrenze gelaufen, da pfiff der Wind ganz schön. Und dann kam die interessante Steinbrücke.
Mal ganz abgesehen davon, dass es kein Geländer gab, fehlt hier der Größenvergleich. Wir kamen von rechts und man erkennt eine Felskante, die etwa 1,5 m hoch war, also höher als meine Schrittlänge. Es gab einen schmalen Griff im Felsen, an dem musste man sich festklammern und dann hochziehen. Das war für einen Nicht-Kletterer wie mich ganz schön knifflig.
Hier noch die restlichen Bilder von der Wanderung, die uns übrigens ausgesprochen gut gefallen hat, sehr abwechslungsreich und eben auch ein wenig aufregend.
Und das haben wir auf der Wanderung gelernt: Gehe grundsätzlich in Bergschuhen los, auch wenn es zuerst nach einem Spaziergang aussieht, nimm zusätzlich warme Sachen mit und vor allem immer eine warme Mütze, auch wenn es sonnig und warm ist, denk an Regenkleidung, auch wenn der Himmel blau ist und nimm was zu trinken mit. Jetzt wissen wir es auch!
Jetzt aber los zum Geirangerfjord. Wir fahren den sogenannten Adlerweg, machen aber noch einen Abstecher zum Aussichtspunkt Dalsnibba, der liegt auf 1400 Meter Höhe und bietet eine tolle Aussicht bis nach Geiranger, wenn die Sicht gut ist. Das war sie ja die ganze Zeit, aber als wir oben ankamen, standen wir in dichtem Nebel. Wir hatten sowieso Hunger, haben uns in unserem Camper ein Vesper zubereitet und siehe da, langsam wurde sie Sicht besser. Das Schiff ist die Europa 2, und das ist auch der einzige Kreuzfahrer heute und morgen kommt gar keiner. Wir haben uns für zwei Tage hier einquartiert und planen morgen einen Bootsausflug auf dem Geirangerfjord.
Standort: Gjeilo Camping am Ottasee Bewölkt, später sonnig, ab Nachmittag Regen, bis zu 19 Grad bei Windstärke 2 Sonnenuntergang: 23:15 Uhr Sonnenaufgang: 03:38 Uhr
Auch heute bestimmt das Wettergeschehen den Tagesablauf. Am Nachmittag erwarten wir eine größere Regenfront, die sich bis in den Abend hinein abregnen soll. Wir wollen heute eine der schönsten Passstraßen Norwegens fahren, die Sognefjellfeien. Frühes Aufstehen und kleines Frühstück, dann brauchen wir etwa eine Stunde, um das Jostedal wieder zurückzufahren auf die Hauptroute. Die Passstraße beginnt mit steilen Serpentinen und durchquert in einer Höhe von maximal 1440 Metern das Sognefjell. Mit Fjell bezeichnet man übrigens eine alpine Hochebene oberhalb der Baumgrenze. Und genauso sieht es hier aus, eine felsige Ebene ohne Bewuchs aber mit tollem Rundblick und vielen Schneeresten. Im Winter ist der Pass gesperrt, er wird erst gegen Anfang Juni wieder geöffnet.
Wir sind früh genug losgefahren, die Sicht ist noch gut und ab und zu lässt sich ein Sonnenstrahl blicken. Am Horizont erkennt man bereits die ersten dunklen Wolken. Der Betrieb hält sich noch in Grenzen, man kann jeden Haltepunkt anfahren und die Aussicht genießen. Wandern ist schwierig, zu viele Schneereste und aufgeweichte Böden. Also gibt es heute eine Autowanderung. In der Nähe von Lom im Lagendal finden wir einen Campingplatz im Grünen an einem See. Hier können wir in Ruhe den Regen abwarten.
Standort: Jostedal, unterhalb des Styggevatn Wechselnd bewölkt, kurze Schauer, 12 Grad bei Windstärke 3 Sonnenuntergang: 23:19 Uhr Sonnenaufgang: 3:48 Uhr
Erstes Ziel heute ist die zweitälteste, aber am besten erhaltene Stabkirche Norwegens in Borgund. Vom 12. bis 14. Jahrhundert entstanden etwa tausend dieser kunstvoll und komplett aus Holz erbauten Kirchen im ganzen Land. Der Begriff Stabkirche beschreibt die Bauweise: die tragenden Stäbe wurden in einen Grundrahmen gestellt, verzapft und dann aufgerichtet. Die Kirche von Borgund ist 800 Jahre alt und noch original erhalten. Nur das Holz wird immer wieder gestrichen, um es zu schützen. Die Schnitzereien im Innenraum konnte ich nicht fotografieren, denn Stabkirchen hatten keine Fenster und Blitzlicht ist nicht erlaubt.
In Sogndal habe ich im fünften Anlauf einen Cardreader gekauft, somit gibt es jetzt auch wieder Fotos von der großen Camera im Blog. Das weitere Tagesprogramm haben wir um das Wetter herum geplant. Um eine trockene Phase abzupassen, haben wir uns beeilt, zum Gletscher Jostedalsbreen zu kommen. Wir fahren ins Jostedal-Tal bis zum Parkplatz in der Nähe der Gletscherzunge. Im Reiseführer steht lapidar, dass der Weg dorthin klettern über manchmal rutschige Felden bedeutet und „ein lustiges Hüpfen über wackelige Steine in Bachläufen“. Wir hatten natürlich unsere Bergschuhe an, aber lustig fand ich das trotzdem nicht, ständig balancierend und die Angst, auszurutschen. Na ja, wir haben es letztendlich doch geschafft. Beeindruckend war vor allem, die Auswirkungen des Klimawandels zu sehen. Die Abbildung in unserem Reiseführer zeigt den Gletscher noch in der Nähe des Seeufers, jetzt hat er sich schon mehrere hundert Meter zurückgezogen.
Die Stabkirche von BorgundDer Nigardsbreen, eine Gletscherzunge des Jostedalsbreens. Seit dem Jahr 2000 hat er sich um 450 Meter zurückgezogenUnser hochalpiner Übernachtungsplatz
Standort: Boflaten Camping Sonnig, später mehr Wolken und ein paar Tropfen Regen, 19 Grad bei Windstärke 7 Sonnenuntergang: 23:04 Uhr Sonnenaufgang: 03:49 Uhr
Ich weiß nicht, wie die Norweger das machen, aber die Fähre hat um Punkt 10:00 Uhr in Oslo angelegt. Unser Camper stand auf Deck drei und dieses wurde zuerst entladen. Wir standen sehr weit vorne und sind um 10:03 Uhr von Bord gerollt, das nenne ich mal hurtig. Auf der Stadtautobahn waren wir schnell aus der Stadt raus und hatten uns vorgenommen, etwa 200 Kilometer auf der E 16 in nördlicher Richtung zu fahren und dann einen Campingplatz zu suchen. Oslo werden wir uns für den Schluß aufheben.
Hier nur zwei Bilder vom Campingplatz, die restlichen Fotos kommen wie gesagt morgen.
Standort: an Bord der Color Fantasy von Kiel nach Oslo Wechselnd bewölkt, aber trocken, um die 18 Grad bei Windstärke 5 Sonnenuntergang: 22:41 Uhr Sonnenaufgang: 03:54 Uhr
Die Entscheidung hatten wir schon im Januar getroffen und die Schiffsreise nach Oslo gebucht. Mit Blick auf die Preise für einen Liter Diesel sind wir heute froh, dass wir uns für den Seeweg entschieden haben. Wir sind in 20 Stunden in Oslo, mit dem Camper hätten wir drei Tage eingeplant. Diese Fahrt wird von der Reederei auch als Minikreuzfahrt verkauft und entsprechend ist das Schiff ausgestattet. Von Spa bis Ladenpassage, Gourmet-Restaurant mit einer Glaswand über zwei Stockwerke, Pub und eine Cocktail Lounge im 15. Stock mit Bug-Blick, alles da! Gediegene Kabine mit großem Bullauge, ich sitze, während ich schreibe, auf dem Bett und lasse dänische Inseln lautlos vorbeigleiten. Sehr entspannend. Wir ernähren uns von Krabben und Lachs, anschließend gibt es noch ein Pint Hansa Bier im Pub, mit Live-Musik gratis. Eine sanfte Dünung schaukelt uns in den Schlaf. Man wacht aber sehr früh auf, weil es mitten in der Nacht schon wieder hell wird!
Es gibt ein technisches Problem mit meinen Fotos, das ich vermutlich morgen lösen kann. Daher jetzt nur Handy-Fotos!
Wir wollen nach Norwegen, und das ist das Gegenteil von Süden. Keine lauen Sommernächte, planschen im Meer nicht mit uns, Goretexjacke statt Spaghetti-Träger. Aber dafür freuen wir uns auf eine beeindruckende Berglandschaft, Fjord und Fjell, dramatischer Himmel statt immer nur blau und eine Sonne, die nicht richtig untergeht. Na, Lust bekommen, uns zu begleiten? Bitte schön, heute beginnt mein Norwegen Logbuch.
Logbucheintrag vom 13. Juni 2022 Standort Brasilien am Schönberger Strand Wechselnd bewölkt bei bis zu 20 Grad, Windstärke 5
Wir haben für morgen die Fähre von Kiel nach Oslo gebucht und verbringen jetzt die Nacht an der Ostsee in der Nähe von Kiel. Wir haben schon ausgiebig Meeresluft geschnuppert und freuen uns auf morgen und eine 20 stündige Schiffsreise.
Jordanien besitzt mit der Hafenstadt Aqaba einen Zugang zum Roten Meer und noch etwa 30 Kilometer Strand in südlicher Richtung bis zur Grenze nach Saudi Arabien. An der anderen Seite des Golfs von Aqaba gibt es praktisch keinen Strand mehr, denn die israelische Grenze beginnt direkt am östlichen Stadtrand. Die 65.000 Einwohner der Stadt leben zum großen Teil vom Güterverkehr und vom Export von Phosphat. Auch der Tourismus spielt eine Rolle, es gibt eine Reihe internationaler Hotels mit sehr gutem Standard, wir sind in einem Interconti gut untergebracht. Es sind nicht nur internationale Touristen hier, vor allem an den Wochenenden kommen viele jordanische Gäste und bringen die ganze Familie mit.
Hier gilt mehr als anderswo, dass man sich als Besucher dieses Landes auch mit den Gewohnheiten der hier lebenden Menschen auseinandersetzen und diese tolerieren muss, schließlich sind wir die Besucher hier. An erster Stelle sei hier die stark gewöhnungsbedürftige Lautstärke genannt, die sich sowohl bei Gesprächen äußert als auch bei der Musik. Ohrenbetäubende Musik tönt aus vorbeifahrenden Booten, aus idyllischen Teestuben und auch aus der Strandbar unseres Intercontis. Manchmal ist es nicht nur die Lautstärke, sondern auch die für unsere Ohren aggressiv klingende Musik, Technobeats gemischt mit arabischem Lauten. Im Hotel ist spätestens um halb elf Schluß mit Musik, aber nahe am Strand vorbeifahrende Boote, die das gesamte Hotelgelände beschallen, sind echt nervig, manchmal tun sie das auch schon morgens um acht. Da wird die Toleranz auf eine harte Probe gestellt.
Wir haben unsere Ruhe an den öffentlichen Stränden südlich der Stadt gefunden, da hatten die Sonnenliegen zwar keine Auflagen, dafür war es ruhig und wir konnten die besten Schnorchelreviere Jordaniens direkt vom Strand aus erreichen. Für uns ebenfalls ungewohnt war, dass die Jordanierinnen nicht nur vollständig bekleidet an den Stand gehen, sondern auch ins Wasser. Man sollte hier möglichst keinen Bikini tragen, das würde die Blicke der Männer auf sich ziehen.
Morgen geht es zurück nach Hause und das Fazit dieser Reise kann nur lauten: Klasse! Jordanien hat mit Petra und dem Wadi Rum zwei Highlights, die unsere Erwartungen noch übertroffen haben. Das Schnorchelrevier ist so mittel, wobei man dazu wissen muss, dass wir mit Hawaii und dem Great Barrier Reef und auch in Sharm el Sheik schon an den weltbesten Spots geschnorchelt haben. Aber die Korallen sind noch intakt, nicht selbstverständlich in Zeiten des Klimawandels und bunte Fische waren auch da. Aus meiner Sicht kann man eine Reise nach Jordanien unbedingt empfehlen, möglichst nicht später als Mai, es hat die letzten Tage über 30 Grad, heißer sollte es nicht sein.
Schön, dass ihr dem Blog wieder gefolgt seid, die nächste Reise geht zur Abwechslung in den kühlen Norden, wir haben Norwegen mit dem Camper geplant. Der Nachholbedarf nach zwei Corona-Jahren ist doch recht groß, daher – auf bald !
Blick auf die Stadt vom vierten Stock unseres Hotels aus
Der Zentrale Platz, die Taxis sind hier quietschgrün
Schöne Abendstimmung am Souk
Das jordanische Essen war immer lecker, war nur etwas zu viel, daher ist noch etwas übrig
Man kann bedenkenlos in den Straßenrestaurants essen
Die nächste Moschee ist nie weit weg
Blick von unserem Balkon
Unser Schnorchelstrand, Platz war genug da
Freitags ist hier Wochenende und die ganze Stadt ist auf den Beinen
Bootsrundfahrten sind sehr beliebt, die mit dem Glasboden sind meine Freunde mit der lauten Musik
Die größte Sehenswürdigkeit von Aqaba ist die Festung aus dem 16. Jahrhundert, sie wurde im 1. Weltkrieg von den Engländern zum Teil zerstört
Die riesige Fahne ist weithin zu sehen, sie ist mit 800 qm ungefähr achtmal so groß wie unsere Wohnung
Der Fahnenmast war mit seinen 137 Metern bis 2008 der höchste frei stehende Mast der Welt
Es ist ja mittlerweile bekannt, dass wir die Wüste lieben. Nichts verstellt den Blick, man kann ungehindert bis zum Horizont sehen. Für Einsamkeit und Stille haben wir eine Schwäche und der Sternenhimmel sorgt fürs Abendprogramm. Zwei Gründe gaben den Ausschlag für die Jordanien-Reise, der erste ist Petra und der zweite die Wüste Wadi Rum. Seitdem wir das Filmepos Lawrence von Arabien gesehen haben, reifte der Wunsch in uns, diese Gegend zu besuchen.
Mittlerweile ist das Wadi Rum touristisch bestens erschlossen. Anfangs stellten die Beduinen ihre Zelte für Übernachtungen zur Verfügung. Heute hat man die Wahl zwischen Zelt und Gemeinschaftswaschräumen oder Luxuszelt mit eigenem Badezimmer. Der neueste Schrei sind sogenannte Bubbles. Da verbringt man die Nacht unter einer durchsichtigen Plastikkuppel. Wer den Aufpreis von 100 Euro zahlen möchte, darf dann natürlich kein Auge zumachen, damit es sich auch lohnt. Wir fanden diese Ungetüme mitten in der Wüste deplatziert, man denkt unwillkürlich an Aliens. Sie stechen schon von weither in die Augen. Dagegen passen sich die Beduinenzelte aus Ziegenhaar wie natürlich in die Landschaft ein. Wir haben so ein traditionelles Zelt gebucht, das allerdings von innen aussieht wie ein Gardinenladen. Ringsum glänzende, geraffte Stores, darüber wölbt sich ein Baldachin wie aus Tausendundeiner Nacht. Schwere Holzmöbel und eine Klimaanlage, so etwas nennt man wohl Glamping.
Tagsüber werden 4WD Touren angeboten, abends versammelt man sich am Lagerfeuer und trinkt Tee. Alkohol wird nur in lizensierten Hotels ausgeschenkt. Macht nix, wir haben ja die Wüste. Wir haben drei mehrstündige Jeeptouren gebucht und einen längeren Spaziergang um unser Camp gewagt, ohne uns zu verlaufen. Das Ergebnis sind unzählige Fotos von pittoresk geformten Felsen, Sand und Dünen, Kamelen und Beduinenzelten. Die Auswahl für diesen Blog ist mir nicht leicht gefallen, wieviel Fotos kann ich euch zumuten? Für manch einen sehen sie alle irgendwie gleich aus: Himmel, Berge und Sand! Ich habe euch mal eine kleine Auswahl zusammengestellt, ich hoffe, ihr habt heute nichts mehr vor.
Unser Luxus Camp in der Wüste
Unser Zelt, links das Badezimmer
Das Baldachin-Schlafzimmer
Das Badezimmer ist ungefähr doppelt so groß wie unseres zu Hause
Unser Wüstenschiff, wir saßen hinten auf der Ladefläche, da gibt es zu beiden Seiten gepolsterte Bänke und von dort die beste Aussicht.
Martin bei der Arbeit
Tatsächlich gibt es manchmal auch ein bisschen Grün
Früher das Haupttransportmittel, heute nur noch für Touristen
Die Dünen werden gern zum Surfen genutzt
Einfach nur Weite und Einsamkeit
Bei den Beduinen gibt es immer einen Tee gegen Bakschisch
Wie heißt diese Sehenswürdigkeit? Genau – Mushroom
Die Wüste hat viele Farben, die Blautönung kommt vom Kobaldgehalt
Das Haus von Lawrence von Arabien. Allerdings gehen die Meinungen darüber, ob er wirklich dort gewohnt hat, auseinander. Eventuell hatte er dort auch nur ein Waffenlager, wer weiß.
Das einzige Tier, das wir außer Kamelen gesehen haben.
Wanderung durch einen Canyon
Von der Erosion geschaffener Steinbogen, genannt “White Arch“
Die Felsenstadt Petra ist ein lohnendes Ziel sowohl für Kultur- als auch für Naturliebhaber. Die einmalige Lage zwischen hoch aufragenden Felsen ist beeindruckend. Der einzige Zugang führt durch eine enge Schlucht, deren Seitenwände bis zu 100 Meter steil aufragen und die an der engsten Stelle nur zwei Meter breit ist. Somit war die Stadt gut zu verteidigen und das Reich der Nabatäer konnte sich 400 Jahre lang halten. Ursprünglich waren die Nabatäer Beduinen, die Handel betrieben und sich von der Arabischen Halbinsel kommend einen neuen Siedlungsplatz suchten. Petra liegt auf dem Kreuzungspunkt verschiedener Handelsrouten und war daher ideal gelegen.
Der Handel machte die Nabatäer unendlich reich und das erklärt auch, warum sie so viel Zeit und Energie in die Bautätigkeit steckten. Den Ackerbau überließen sie den umliegenden Siedlern, sie konnten es sich erlauben, Nahrungsmittel zu kaufen, um den Anbau konnten sich andere kümmern. Allerdings sorgten sie für die Bewässerung, die Nabatäer entwickelten ein ausgeklügeltes Wassersystem. Kein Tropfen Regen wurde vergeudet, es gab offene und verdeckte Wasserleitungen, viele kleine Stauseen und Zisternen. Trockene und heiße Sommer waren kein Problem, es gab immer genug Wasser für die bis zu 30.000 Einwohner, die sich in Petra ansiedeln sollten. Die Blütezeit währte etwa 400 Jahre, dann kamen die Römer und übernahmen alles, aber ohne die Nabatäer zu vertreiben oder zu vernichten, man lebte friedlich zusammen und war nun eine Provinz Roms.
Wir haben uns zwei volle Tage Zeit genommen, um das weitläufige Gelände zu erkunden. Man läuft zuerst mal 4 Kilometer, bis man im Stadtzentrum angekommen ist. Allerdings sind 1,2 Kilometer davon ein landschaftliches Highlight erster Güte. Man geht durch einen Canyon, der an der engsten Stelle nur zwei Meter breit ist. Der Sandstein nimmt verschiedene Farben an, je nachdem, ob er mit Eisen, Schwefel, Kobald oder Mangan gemischt ist. Wir sind in den beiden Tagen insgesamt knapp vierzig Kilometer gelaufen, davon etliche über mehr oder weniger ausgetretene Stufen oder durch unwegsame Felsenlandschaft. Jetzt pflegen wir in Ruhe unseren Muskelkater und freuen uns auf das nächste Highlight – die Wüste Wadi Rum. Dort haben wir drei Tage lang keine Verbindung zur Aussenwelt, also wundert euch nicht, wenn der nächste Blogeintrag auf sich warten lässt. Hier nun die Bilder zu Petra.
Am Anfang geht es immer durch die Schlucht, genannt Siq.
Plötzlich öffnet sich die Schlucht und man steht vor der berühmtesten Sehenswürdigkeit, dem Al Khazna, auch Schatzkammer genannt. Wobei der Name irritiert, denn es handelt sich wie bei allen Bauten, um eine in den Fels gehauene Grabkammer. Man hat allerdings vermutet, dass sich ein Schatz darin befindet, was nicht der Fall war.
Nur frühmorgens ist es hier so leer, wir sind immer um sieben Uhr aufgebrochen, um die morgendliche Ruhe zu genießen.
Die Ausmaße sind gewaltig, das Schatzhaus ist vierzig Meter hoch.
Kurz hinter dem Schatzhaus öffnet sich das Gelände und die eigentliche Stadt dehnt sich auf der weiter Hochebene aus, umschlossen von zerklüfteten Felsen.
Tempelanlagen sind nur zum Teil erhalten geblieben oder noch nicht ausgegraben, man schätzt, dass erst 30% von Petra zugänglich sind. Die Kamele dienen als Transportmittel für nicht so gehfreudige Touristen.
Es gibt auch abgelegene Grabmale, die muss man sich erkämpfen. Zum Beispiel Ad Deir genannt Kloster, weil sich hier später Christen ansiedelten. Achthundert Stufen führen hinauf, daher der Muskelkater, man muß ja auch wieder hinunter. Aber es hat sich gelohnt.
Das Kloster gehört zu den größten Gebäuden in Petra, es mißt 40 mal 40 Meter. An der Maserung der Säulen kann man die Struktur des Gesteins sehr gut erkennen, man kann sie durchgehend verfolgen, weil eben alles in den Fels gehauen wurde. Übrigens hat der Name der Stadt nichts mit dem deutschen Mädchennamen zu tun, es bedeutet einfach “Fels“.
Und dann die achthundert Stufen wieder zurück, vorbei an unzähligen Händlern, die alle dasselbe verkaufen.
Nach dem Schatzhaus sind die Königsgräber wohl die berühmtesten Gebäude. Sie liegen nebeneinander an einer riesigen Felswand und sind bis zu vier Stockwerke hoch.
Hier sieht man, wie vorausschauend die Nabatäer gebaut haben, die Größe passt genau für die heutigen Pick Ups.
Der Weg zum Opferplatz, diesmal nur 200 Stufen, also Peanuts. Allerdings muß man aufpassen, die Stufen sind im Laufe der Jahrtausende doch etwas ausgewaschen.
Der Opferplatz bietet einen Überblick über das gesamte Stadtgebiet und darüber hinaus.
Martin hat es sich gemütlich gemacht und lässt die Beine baumeln, der Preikestolen lässt grüßen.
Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die Gräber der ärmeren Leute an.
Unvermittelt tauchen immer wieder sehenswerte Gebäude auf, hier der Gartentempel.
Im März 2020 mussten wir bekanntlich mit unseren gepackten Koffern vom Flughafen wieder nach Hause fahren, Corona hatte unser Land erreicht, ein paar Tage später erstarrte alles im Lockdown und alle Flüge wurden gestrichen. Gute Entscheidung nicht zu fliegen, wir hätten vermutlich lange warten müssen, bis Herr Maas uns zurückgeholt hätte. Vielleicht hätten wir die Koffer nicht auspacken sollen, dann wäre uns diese Arbeit jetzt erspart geblieben.
Angenehmer Flug mit Royal Jordanian Airlines, toller Service, warmes Essen und Rotwein, später noch Nüsschen zum Knabbern. Mit Lufthansa nach Malaga gab es lediglich ein Fläschchen Wasser. Nur das Öffnen der Tür bei der Ankunft üben wir noch etwas, das hat beinahe eine halbe Stunde gedauert. Dafür hat dann das Gepäck bereits auf uns gewartet.
Wir haben bei Erlebe Fernreisen eine individuelle Rundreise gebucht, wir werden von einem Fahrer zu unseren Zielen gebracht und können die Besichtigungen dort auf eigene Faust unternehmen. In Petra gibt es sozusagen als Einführung eine zweistündige Tour mit einem Guide, dann werden wir wieder von der Leine gelassen.
Heute haben wir auf dem Weg von Madaba, was ganz in der Nähe des Flughafens von Amman liegt, nach Petra noch ein paar Sehenswürdigkeiten mitgenommen. Jordanien grenzt ja bekanntlich im Westen an Israel und hat somit einige Gedenkstätten aus biblischer Zeit wie den Mount Nebo. Dort soll Gott Moses das gelobte Land gezeigt haben und im 4. Jahrhundert errichteten Christen dort eine Basilika. Berühmt sind vor allem die frühchristlichen Mosaike, die erhalten geblieben sind. Die Basilika wurde teilweise rekonstruiert und mit einem Schutzdach versehen, um die Mosaiken zu schützen.
Und hier der Blick ins Gelobte Land, ich hoffe nur, dass Moses nicht so diesiges Wetter hatte wie wir, damit er mehr davon sehen konnte.
Was wir bis jetzt nicht wussten: Jordanien hat einen “Grand Canyon“ der sich zwar mit dem Original nicht messen kann, aber doch ein Alleinstellungsmerkmal hat, denn er endet 410 Meter unter dem Meeresspiegel am Toten Meer. Auch hier hätten wir uns weniger von dem kräftigen Wind gewünscht, der so viel Sand aufwirbelt.
Schwer beeindruckt hat uns die Kreuzritterburg in Kerak. Nicht nur die imposante Lage auf einem 900 Meter hohen Berg, sondern die schiere Größe der Festung ist sehenswert. Weit verzweigte unterirdische Gänge und große Gewölbehallen durchziehen die Anlage.
Die zweitgrößte Stadt Andalusiens kannten wir bereits von unserer letzten Reise her, aber natürlich wollten wir sie auch noch einmal besuchen. Sie hat kulturell einiges zu bieten, in erster Linie hat sie das ihrem berühmtesten Sohn, Pablo Picasso, zu verdanken. Sein Geburtshaus kann besichtigt werden und nachdem seine Tochter über 200 Werke zur Verfügung gestellt hatte, wurden sie auch in einem eigenen Picasso Museum ausgestellt. Wer sich nicht so sehr für den Künstler interessiert, nimmt zumindest neben seiner Bronzefigur auf der Bank vor seinem Geburtshaus Platz.
Die Innenstadt Malagas ist in großen Teilen verkehrsberuhigt und in den engen Gassen drängen sich Kneipen, Restaurants und Bars aneinander, auffällig sind die zahlreichen Irischen Pubs. An einer Seite wird die Altstadt von einem Hügel begrenzt, auf dem sich – na was wohl – eine Festung befindet, aus maurischen Zeiten. Sie soll einmal ähnlich schön wie die Alhambra gewesen sein, leider sind im Wesentlichen nur die Aussenmauern erhalten geblieben. Am Fuße des Kastells wurde ein römisches Theater freigelegt. Und dann gibt es noch eine Kathedrale, der etwas fehlt, und zwar der rechte Kirchturm. Der ist bis heute nicht fertig geworden. Daher heißt die Kirche im Volksmund “Manquita“ das bedeutet: “Die, der etwas fehlt“.
Wir haben uns den leiblichen Genüssen gewidmet und die älteste Bar der Stadt aufgesucht, dort wird der berühmte Malaga-Wein ausgeschenkt. Es handelt sich um einen Dessertwein, den wir zur unpassenden Zeit, vor dem Mittagessen, probiert haben, würden wir so nicht nochmal machen. Auf den Schreck musste sich der Magen ein wenig erholen, bis wir ihm ein paar Tapas anbieten konnten.
Der Hafen liegt zentral und ist nur durch einen schmalen Grüngürtel von der Altstadt getrennt. Für Kreuzfahrtschiffe wurde der Hafen ausgebaut und hat jetzt eine schicke Promenade mit Cafés und Geschäften. Wenn man beim Leuchtturm um die Ecke schaut, sieht man eine weitläufige Bucht mit Malagas breiten Stadtstränden.
Und schon ist der letzte Tag gekommen, es gibt noch ein Abschiedsessen in einer Chiringuito mit Steckerlfisch an Holzkohle gegrillt und morgen ist Abreisetag. Natürlich ist die Zeit wieder viel zu schnell vergangen, wir haben uns so gut an das milde Klima gewöhnt, dass wir uns morgen wohl warm anziehen müssen. Wir würden jederzeit wieder den Winter in Andalusien verbringen und wir haben immer noch nicht alles gesehen.
Schön, dass ihr wieder mit dabei wart und lasst euch überraschen, wohin die nächste Reise geht. In diesen unruhigen Zeiten weiß man nie, was einen zukünftig erwartet und kann eigentlich nur noch kurzfristig planen. Aber wenn es dann soweit sein sollte, melde ich mich natürlich wieder. Bis dahin euch allen eine gute Zeit und vor allem Gesundheit.
Die Festung mit dem römischen Theater zu ihren FüßenDie der etwas fehltDie schaurig schöne Dekoration der FußgängerzoneWenn man sich die Markthalle anschaut, ahnt man schon, was man dort am besten kauftDie älteste Bar MalagasDen Wein gibts direkt vom Faß – schmeckt nicht jedem…Gar nicht so schlecht – der Stadtstrand von MalagaAbschied von Andalusien mit Wehmut
Gegründet wurde die Stadt am Meer von den Phöniziern etwa 3000 v.Chr. und im Laufe der Zeit wurde sie des öfteren belagert, eingenommen und zerstört. Daher gibt es kaum ältere Bauwerke zu besichtigen, das heutige Aussehen der Altstadt wurde während der Blütezeit im 18. Jahrhundert geprägt. Bei Ausgrabungen fand man Grabanlagen der Phönizier und Mauren, auch ein römisches Theater ist zum Teil erhalten geblieben. Die Stadt ist an drei Seiten von Meer umgeben und wird fast durchgehend von einer Befestigungsmauer geschützt. Zwei Kastelle sind steinerne Zeugen der kriegerischen Vergangenheit der Hafenstadt. Ihre Blütezeit hatte sie im 18. Jahrhundert als wichtigster Hafen für den Handel mit den Kolonien.
Die Straßen der Altstadt sind schmal und unterscheiden sich in der Bauweise kaum voneinander. Besonders haben mir die vergitterten, schmalen Glasbalkone gefallen, die an keinem Haus fehlen. Eine lebendige Stadt, mit vielen Geschäften für die einheimische Kundschaft, auch die Cafés werden zu dieser Jahreszeit fast ausschließlich von Spaniern bevölkert. Zumindest dann, wenn kein Kreuzfahrer mit seinen tausenden Gästen die Stadt flutet.
Am eindrucksvollsten war der Besuch des Torre Tavira, einem ehemaligen Wachturm. Er ist 45 Meter hoch und die Aussicht ist allein schon einen Besuch wert. Aber in diesem Turm befindet sich eine Camera Obscura, die eindrucksvoll scharfe und detailreiche Bilder auf eine konkav geformte Leinwand projiziert. Durch eine Linse wird mittels eines beweglichen Spiegels das Bild live auf einer Leinwand wiedergegeben, die sich in einem völlig abgedunkelten Raum befindet. Man sieht Menschen durch die Straßen schlendern und Vögel vorbeifliegen. Das Abbild ist gestochen scharf und man kann auf diese weise die gesamte Stadt von hier oben aus erkunden, indem der Spiegel langsam um 360 Grad gedreht wird. Leider darf man dies nicht fotografieren.
Die beiden Kastelle an der StadtmauerDie Plaza San Juan de Dios mit dem RathausMan kann die Stadt komplett entlang der Stadtmauer umrundenSehr beeindruckend die riesige Kathedrale, die Kuppel ist 50 Meter hoch, im Hintergrund der weitläufige Stadtstrand im “neuen“ CadizBlick vom Torre Tavira auf die AltstadtTypisches StraßenbildUnd ewig rauscht das Meer
Keine Ahnung, ob es hier auch den Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden“ gibt, jedenfalls tut die Stadtverwaltung einiges dafür, dass der alte Stadtkern sehenswert ist und bleibt. Vielleicht ist der Bürgermeister auch ein ehemaliger Hippie, auch das weiß ich nicht, aber sicher ist, dass hier üppiger Blumenschmuck gepflegt wird. Und organisiert, denn die kleinen Gassen haben Farbmottos, also zum Beispiel die Gasse der gelben Blumentöpfe oder die der roten Töpfe mit weißen Punkten. Und kein vertrocknetes Pflänzchen ist zu entdecken. Damit dass auch im heißen und trockenen Sommer so bleibt, gibt es öffentliche Blumengießer, so wie es Straßenkehrer gibt. Sie sind motorisiert und bewässern regelmäßig jeden einzelnen Blumentopf. Da können die Bewohner auch mal beruhigt in den Urlaub fahren, vielleicht nach Alemania ???
Zugegeben, dieser Blog ist etwas bildlastig geworden, ich konnte mich einfach nicht entscheiden, denn in Zeiten der Digitalfotografie kann man munter drauflos fotografieren. Und dann braucht man Opfer, die sich diese vielen Bilder auch anschauen, also euch zum Beispiel. Na denn viel Spaß!
Zunächst ein paar Strandbilder, hier findet man auch im Hochsommer noch ein Plätzchen fürs Handtuch.
Wie ein Wachturm ragt der über 400 Meter hohe Felsen aus dem Meer und seine strategische Bedeutung erklärt sich von selbst, denn hier kontrolliert man alles, was ins Mittelmeer hinein- oder herausfährt. Das wusste schon die Kolonialmacht England, als sie den Felsen im 18. Jahrhundert zur Kronkolonie machte. Und den Spaniern war natürlich diese zur Festung ausgebaute Militärbasis ein Dorn im Auge. Immer wieder versuchten sie, den Felsen zu erobern, aber die Engländer wehrten sich erfolgreich. Sie konnten sogar jahrelanger Belagerung standhalten. Neuerlich wären die Briten geneigt gewesen, die Halbinsel an Spanien zurückzugeben, aber die Bevölkerung stimmte im Jahr 2002 zu 98% dagegen. Es ist sogar in der Verfassung von Gibraltar verankert, dass ein Anschluß an Spanien nur möglich ist, wenn eine Mehrheit der Gibraltanesier dafür stimmt. Infolge des Brexits gab es Verhandlungen über den Status und man konnte sich darauf einigen, dass die Grenze offen bleibt, die Einreise ist einfach mit Personalausweis möglich.
Es wird angeraten, den PKW auf der spanischen Seite zu parken und die Grenze zu Fuß zu überqueren. Das haben wir natürlich getan, wobei man die Landebahn des Flughafens überqueren muß. Da nicht gerade jede Minute ein Jet landet, war dies problemlos möglich. Viel Platz hat die Stadt mit ihren etwa 30.000 Einwohnern nicht, an der Mittelmeerseite ragt der Fels fast senkrecht in die Höhe und auf der Atlantikseite ist es zwar nicht ganz so steil, aber dennoch felsig. Also baut man in die Höhe. Aber eine Straße gibt es dennoch, die etwas von ihrem ursprünglichen Charme bewahrt hat, nämlich die zu einer Fußgängerzone ausgebaute Main Street. Dort gibt es genügend Möglichkeiten, zollfreie Waren einzukaufen, beliebt sind Spirituosen und Zigaretten oder auch Parfüm. Und natürlich gibt es an jeder Ecke Fish and Chips.
Man kann auch auf den Felsen hoch, entweder mit der Seilbahn oder zu Fuß, aber beides kostet ungefähr gleich viel, denn die nehmen für den Berg Eintritt. Da haben wir uns für die Seilbahn entschieden. Mehr gibt es dann auch nicht zu unternehmen in Gibraltar und ob sich denn nun ein Besuch lohnt, mag jeder selbst entscheiden. Wir fanden es ganz interessant, diesen Ort mit eigenen Augen gesehen zu haben, zumal wir ja ganz in der Nähe Urlaub machen. Extra hinfahren muß man nicht unbedingt.
Übrigens, die Einwohner von Gibraltar heißen Gibraltarer, ich finde aber Gibraltanesier viel schöner.
Zu Fuß nach Gibraltar überquert man die Start- und Landebahn des FlughafensOder man nimmt den Doppeldeckerbus, übrigens ist auf Gibraltar Rechtsverkehr, an den Fußgängerüberwegen steht überall “look left“Kein Flieger in Sicht, wir mussten nicht rennenUnterwegs auf der Main StreetBlick in Richtung SpanienBlick zurück von La Linea, Spanien, aus
Das Hinterland ist unser Ziel, zunächst schauen wir uns alte Steine in Antequera an, einem Städtchen mit wechselvoller Geschichte und einem Kastell mit römischen und maurischen Ursprüngen, anschließend besuchen wir ein Naturschutzgebiet, wo Erosion und nicht Menschenhand Steine geformt hat.
Etwa 50 Kilometer nördlich von Malaga liegt Antequera, eine lebhafte Provinzstadt mit 40.000 frommen Einwohnern, angeblich gibt es hier die höchste Kirchendichte. Dominiert wird die Stadt von einem wuchtigen Kastell, das auf einem Hügel am Stadtrand liegt. Ein römisches Bad ist noch in Grundmauern erhalten und später hinließen die Mauren ihre Spuren. Der Grundrisse einer Moschee sowie zwei Türme und eine Mauer sind erhalten geblieben oder restauriert worden. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt nach einer längeren Belagerung von den Christen erobert, sie fügten dem Emsemble die Kirche Santa Maria hinzu.
Südlich von Antequera liegt der Naturpark El Torcal, ein Felsenlabyrinth aus malerisch zerklüftetem Kalkgestein. Ein Wunderwerk der Erosion, die aus den unterschiedlich harten Gesteinsschichten phantasievolle Skulpturen erschuf. Ein gut markierter Wanderweg sorgt dafür, dass man sich nicht verlaufen kann und wieder zum Parkplatz zurückfindet. Die Sicht war sehr gut, wir konnten am Horizont das Mittelmeer erahnen.
Blick vom Kastell auf AntequeraAllein auf diesem Bild erkennt man fünf KirchenSanta Maria ist die kunsthistorisch bedeutendste Kirche der StadtIm Naturpark El TorcalIm Hintergrund schimmert blau das MittelmeerEin schöner Tag geht zu Ende, hier das Panorama von unserem Balkon aus mit dem kompletten Panorama der afrikanischen Küste, ganz rechts erkennt man Gibraltar, unser nächstes Ausflugsziel.
Die südlichste Stadt Europas heißt Tarifa und liegt an der Meerenge von Gibraltar, einen Steinwurf von Afrika entfernt. Beinahe immer bläst hier ein kräftiger Wind, daher ist der Ort eines der bekanntesten Ziele von Surfern. Manche überwintern hier auch, die Kosten halten sich in Grenzen. Der Strand von Tarifa ist riesig, feiner gelber Sand und türkisfarbenes Meer – ideal zum Baden, wenn nicht ständig dieser Wind wehen würde, das kann unangenehm werden, wenn man im Sand liegt. Nicht unser Problem, wir ziehen uns bei Windstärke 12 die Mützen tief ins Gesicht und staunen über die akrobatischen Kunststücke der Kite-Surfer, die rasend schnell übers Meer pflügen und kurz vor den Felsen plötzlich über uns in der Luft schweben, um dann wieder auf dem Wasser zu landen und den gleichen Weg zurück zu rasen. Nicht unsere Welt, aber kurzweilig, man könnte stundenlang zusehen, wenn man nicht weggepustet werden würde.
Der Tag heute ist nicht ganz klar, die marokkanische Küste liegt in 14 Kilometer Entfernung vor uns im Dunst, vielleicht kommen wir nochmal her, wenn es klarer ist. Riesige Containerschiffe passieren die Meerenge, sie begegnen sich manchmal extrem nahe, zumindest sieht es von hier so aus. Man könnte auch einen Tagesausflug nach Marokko machen, es gibt eine passende Fährverbindung von Tarifa aus. Machen wir aber nicht, hier gibt es genug zu sehen.
Wie alle andalusischen Städte hat auch Tarife eine maurische Vergangenheit und die Altstadt ist ebenso malerisch wie die weißen Dörfer. Wir erleben das Städtchen sozusagen im Winterschlaf, in der Hauptsaison sind hier zehnmal so viele Menschen unterwegs. Da sind wir doch lieber im Winter hier.
Afrika zum Greifen naheBlick von Tarifa aus nach Afrika, es sind meistens kastenförmige Containerschiffe, die die Meerenge passieren.Die schmucke Altstadt von TarifaDie Kitesurfer am Strand von TarifaWer braucht da noch die Karibik?Wir brauchen nur ab und zu einen Caffé con leche
Zu den zahlreichen Touristenattraktionen Andalusiens zählen auch die malerischen Bergdörfer. Schon von weitem erkennt man sie an ihren strahlend weiß getünchten Fassaden. Oft kleben sie an steilen Bergen, was auf einen maurischen Ursprung hindeutet. Zur besseren Verteidigung errichteten die Araber ihre Festungen an strategisch günstig gelegenen Orten, eben auf Bergen mit guter Rundumsicht. Um die Festungen herum entwickelten sich Siedlungen, die aufgrund der Topografie mit engen und steilen Gassen angelegt wurden. Mit schmiedeeisernen Fenstergittern oder Balkonen verziert und mit üppigem Blumenschmuck versehen sind diese Dörfer beliebte Ausflugsziele für die Badegäste an der Costa del Sol. Je näher die Dörfer an der Küste liegen, desto mehr Andenkenläden haben sie.
Wir haben Casares besucht, da hatte nur ein Souvenirladen geöffnet, allerdings ist ja auch noch keine Saison. Wir werden bestimmt noch einige dieser Dörfer sehen, hier schon einmal ein kleiner Eindruck davon, wie schön aber auch wie beschwerlich man hier lebt. Alle Einkäufe müssen mühselig duch die engen Gassen geschleppt werden, Autos kommen hier kaum noch durch.
Der Dorfmittelpunkt, hier gibt es immer einen Cafe con leche und Tapas.Und zur Belohnung gibt es Calamares und Chipirones am Strand
Man nennt ihn den “Caminito del Rey“ und zwar nur deshalb, weil König Alfons VIII ihn anläßlich seiner Einweihung im Jahre 1921 inspizierte und die Hängebrücke am Ende des Bergpfades überquerte. Es waren allerdings nicht touristische Gründe, die zum Bau dieses Weges in schwindelnder Höhe geführt hatten, sondern es wurden Zugänge zu einem Kanalsystem benötigt, die zwei naheliegende Talsperren speisten und die regelmäßig kontrolliert werden mussten. Zunächst war es ein Pfad auf Planken, später wurde er mit Eisenträgern befestigt. Er führt in einer Höhe von etwa 100 Metern an senkrechten Felswänden entlang. An Geländer war damals nicht zu denken, allein beim Gedanken daran wird mir schon schwindelig.
In Laufe der Jahrzehnte verfiel der Weg zusehends, für die Wasserwirtschaft wurde er nicht mehr benötigt, aber unter Kletterern wurde er immer beliebter. Als es zu Anfang des Jahrtausends zu tödlichen Unfällen kam, wurde der Weg gesperrt und erst 2015 neu eröffnet. Ungefähr zwei Meter über dem ursprünglichen Weg wurde ein komplett neuer und sicherer Bohlenpfad errichtet und nun für Touristen freigegeben. An manchen Stellen kann man den alten Pfad noch sehen. Es wird nur eine begrenzte Zahl von Touristen pro Tag zugelassen, man muß sich also vorher anmelden. In kleinen Gruppen geht es dann mit oder ohne Guide, aber immer mit Helm, den acht Kilometer langen Weg durchs Gebirge, nur in eine Richtung. Der Pfad ist knapp zwei Meter breit, da macht die Einbahnregelung Sinn. Man geht teilweise durch lichten Pinienwald, insgesamt drei Kilometer sind in schwindelnder Höhe zu absolvieren.
Das Beste kommt zum Schluß: eine Hängebrücke quert das Ende der Schlucht. Hier gibt es kein Zurück mehr, siehe Einbahnregelung, und man müsste ja die kompletten acht Kilometer wieder zurück. Also Augen zu und drüber, für Schwindelfreie auch: Handys raus, Selfies machen, runterspucken und Spaß haben. Für mich: Augen geradeaus, nicht rechts und links gucken, runter schon gar nicht und auf das Ende hoffen, der Brücke natürlich.
Insgesamt ein tolles Erlebnis in einer grandiosen Bergwelt, mitten im Fels und unglaublich tiefen und engen Felsschluchten. Nur bei gutem Wetter empfehlenswert!
Immer an der Wand langDie Schluchten mal enger, mal weiterHier sieht man den inzwischen baufälligen OriginalwegDieses Tal haben wir auf festem Boden durchquertUnd dann wieder in den FelsDas Schmankerl zum Schluß – eine leicht schwingende Hängebrücke. Rechts davon noch die historische feste Brücke, baufällig!Dann um die letzte Ecke und geschafft!Geschafft!
Zuerst dachte ich, das ist ein Tippfehler. Wer nennt denn ein Hotel H 10? Auch wenn das Palace am Ende wieder versöhnlich stimmt und eine herrschaftliche Unterkunft verspricht. Des Rätsels Lösung: es handelt sich um eine Hotelkette, aber sie haben weit mehr als 10 Hotels. Weltweit vertreten, auch in Berlin gibt es ein H 10 Ku´damm. Wir haben es ausgesucht, weil es direkt am Strand liegt und in Fußentfernung zur Innenstadt von Estepona. Und natürlich auch wegen des günstigen Angebots.
Es ist nicht gerade ein Boutique Hotel mit seinen 237 Zimmern, aber jetzt zur Vorsaison geht es noch beschaulich zu, man sieht es an den Liegestühlen. Zu zweit stehen sie in großem Abstand zueinander und egal wann man schaut, niemand hat einen Liegestuhl mit seinem Badehandtuch als sein Revier gekennzeichnet. Die Bauweise des Hotels ist für meinen Geschmack etwas zu übertrieben mit den weißen Zinnen und Türmchen, aber das ist wohl landestypisch zu nennen. Man hat wohl als großes Vorbild das Werk der maurischen Baumeister gepaart mit zeitgenössischer Architektur. Immerhin kein großer Kasten am Wasser! Die Poollandschaft fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein und der tropische Garten ist gepflegt. Und eine himmlische Ruhe, nur das Rauschen des Meeres ist die Hintergrundmusik.
Weil wir drei Wochen hier wohnen haben wir ein Superior Zimmer genommen, das hat den vollen Meerblick und ist etwas größer als der Standard. Modern und gemütlich eingerichtet, ein Wohlfühlzimmer. Und das Tollste: wenn man die Balkontür offen lässt, hört man vom Bett aus das Meer rauschen. Hört sich nach Urlaub an, oder?
Damit ihr jetzt nicht sofort losrennt und das Hotel bucht, hier noch ein paar Wahrheiten. Der Speisesaal ist eine akustische Fehlleistung. Hier geht es laut zu, zu wenig Textilien dämpfen die Geräusche, die Stühle scharren unangenehm laut auf dem Fliesenboden. Und das tun sie sehr oft, denn die Mahlzeiten werden in Buffetform gereicht. An der Qualität des Essens gibt es nichts auszusetzen, ist natürlich keine Sterneküche, aber die war auch nicht zu erwarten. Am meisten bedauern wir, dass die Strandbar mit dem wunderschönen Ausblick aufs Meer nur von Mitte Juni bis Mitte September geöffnet hat. Es gibt in der übrigen Zeit nur eine ungemütliche Lobbybar mit wiederum erhöhtem Lärmpegel. Wenn wir abends noch gemütlich ein Weinchen trinken wollen, gehen wir zehn Minuten zu Fuß in die nächstgelegene Strandbar.
Zum Strand ist zu sagen, dass er weder feinsandig noch goldgelb ist. Badeschuhe sollte man einpacken. Dafür kann man ausgedehnte Strandwanderungen machen, teils über Promenaden, teils durch naturbelassenen Sandstrand, der auch felsig sein kann. Privatstrände gibt es hier nicht, das Meer ist für alle da.
Alles in allem fühlen wir uns wohl hier und wir finden, es ist ein guter Ort zum Überwintern. Seht selbst.
Der Januar 2022 hatte nur halb so viele Sonnenstunde wie im jährlichen Durchschnitt. Also anstatt 40 Stunden nur 20 Stunden in unserer Region. Das sind noch nicht einmal drei Tage! Unserer Meinung nach viel zu wenig. Abhilfe bringt der sonnige Süden und mir ist eingefallen, dass ich als Lehrling im Reisebüro vor über fünfzig Jahren gelernt habe, dass die Gegend um Malaga die wärmste und sonnenreichste Europas ist. Klar, dass wir gar nicht anders konnten, als dieses günstige Angebot zu buchen: mit Lufthansa nach Malaga und dann drei Wochen in einem Strandhotel in Estepona, das liegt etwa 70 km westlich von Malaga. Nun sind wir normalerweise nicht so die Pauschalreisenden und wir waren noch nie im Urlaub länger als 10 Tage an einem Ort, aber das kann man ja lernen!
Wir waren vor fünf Jahren schon einmal im Winter in Andalusien und haben Granada, Córdoba, Sevilla, Jerez de la Frontera und Ronda besucht, haben also die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon abgeklappert. Also können wir es jetzt ruhiger angehen lassen, ich habe fünf dicke Bücher im Reisegepäck. Aber nur Sonnenliege ist nicht unser Ding, also haben wir einen Mietwagen, um die fehlenden Ziele Andalusiens anzusteuern, Cadiz zum Beispiel oder auch mal auf den Felsen von Gibraltar. Die eine oder andere Wanderung haben wir auch schon herausgesucht. Also lasst euch überraschen und folgt meinem Blog, aber nur wenn ihr starke Nerven habt. So viel Sonne und blauer Himmel kann euch fertigmachen.
Estepona ist nicht eine dieser Touristenhochburgen an der Costa del Sol, wenn es natürlich auch Hotels hier gibt. Das Stadtbild ist von Wohnhäusern geprägt, die Touristenhotels liegen außerhalb des Zentrums entlang der Küste, aber sie prägen nicht das Landschaftsbild. Der Stadtstrand ist extrem breit und selbst in der Hochsaison kaum zu füllen. Und da der Platz vorhanden war, wurde eine großzügige Strandpromenade angelegt, die sich weit die Küste entlangzieht, dann als Holzsteg oder Wanderweg, man könnte bis nach Marbella laufen, zu den Reichen und Schönen, aber dazu mehr im Verlauf unserer Reise.
Immer am Meer entlang, man kann sich nicht verlaufen.In regelmäßigen Abständen gibt es Gastronomie, hier “Chiringuito“ genannt.Blick auf die Bucht von EsteponaAbendstimmung, Blick von unserem Balkon. Ganz rechts am Horizont kann man Gibraltar sehen, die zweite Erhebung links davon gehört zu Afrika.
Noch eine Altstadt an der Adria dachten wir, und wir lieben ja bekanntlich malerische Altstädte. Aber Piran in Slowenien ist doch etwas anders als die istrischen Küstenstädte, die wir bisher gesehen haben. Der erste Eindruck: mehr klassizistische Bauwerke, das venezianische ist zwar vorhanden, aber man muss es suchen. Mal abgesehen vom Campanile der Kirche Sv. Jurij, der hoch über der Stadt thront und das Panorama prägt, egal, von wo man schaut. Piran liegt auf einer Halbinsel, die zum Landesinnern hin von einem Hügel geschützt wird. Damit nicht genug, die Reste einer Stadtmauer und zwei Wehrtürme können noch heute besichtigt werden.
Wir haben hier noch einmal zwei Nächte eingeplant, damit wir einen vollen Tag für die Stadtbesichtigung zur Verfügung haben. Unser Hotel lag im Zentrum der Stadt, direkt am Meer. Guter Ausgangspunkt für unsere Stadtrundgänge und Fotoexkursionen zu verschiedenen Tageszeiten. Motive findet man genug, hier nun eine kleine Auswahl. Piran hat seine eigenen Reize, der mittelalterliche Stadtkern ist weniger touristisch, dafür aber sehr authentisch. Hier wird gelebt und nicht alles ist nur für Touristen hergerichtet. Manche Seitengassen sind so schmal, dass kein Platz bleibt für Cafés oder Restaurants. Diese findet man hauptsächlich an der Strandpromenade.
Den besten Blick über die Stadt hat man von der Stadtmauer ausDer Hauptplatz von Piran wird überragt vom Campanile und der Kirche Sv. Jurij.Hier der Blick von der Kirche auf den gleichen Platz, der früher einmal ein Hafenbecken war, das zugeschüttet wurde. Die ovale Form ist der Wendeschleife der Straßenbahn nachempfunden, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts hier fuhr.An der äußersten Spitze Pirans steht ein Leuchtturm.An der Nordseite der Halbinsel war es etwas zugig.Auf der Südseite hingegen den ganzen Tag Badebetrieb und jetzt sammelt sich hier alles zum Sonnenuntergang.Unsere Koffer sind gepackt…… und mit diesem Bild verabschieden wir uns von unserer Reise nach Slowenien und Kroatien, morgen geht es über Rosenheim nach Hause. Schön, dass ihr wieder dabei wart, Adios bis zum nächsten Mal.
Istrien hat noch eine ganz andere, eine mondäne Seite. Die findet man in Opatija und in einigen Orten südlich davon. Mitte des 19.Jahrhunderts wurde eine Eisenbahnlinie von Wien nach Rijeka eröffnet und damit der Weg bereitet für den Tourismus an die Kvarner Bucht. Die Schönen und Reichen der damaligen Zeit waren die erste Gäste, sie bauten sich pompöse Villen entlang der Bucht von Opatija. Doch die Pläne gingen viel weiter, Ziel war es, die französische Riviera zu kopieren. Und das ist sehr gut gelungen, heute sind die palastartigen Hotels der Donaumonarchie ein echter Hingucker. Die Gäste wissen das milde Klima zu schätzen, denn die Bucht wird nach Norden von einem Gebirgszug abgeschirmt, so dass auch die Wintermonate für einen Kuraufenthalt in Frage kommen. Die Badestellen sind eher karg, es gibt einige Betonplatten mit Schirmen und Liegestühlen sowie Einstiege über Leitern ins Meer.
Das Wetter war heute nicht ganz so optimal, wenig Sonne und ein frischer Wind, der allerdings die Regenwolken vom frühen Morgen vertrieben hatte. Man ahnt den Herbst und merkt nun auch an vielen zugeklappten Sonnenschirmen und geschlossenen Restaurants, dass die Sommersaison zu Ende geht. Auch unsere Reise dauert nicht ewig, wir steuern heute Piran in Slowenien an, wo wir die beiden letzten Tage verbringen werden. Aber hier zunächst die Bilder von Opatija.
Die Prachtbauten OpatijasDer kleine Bootshafen, von hier aus fuhren schon vor 100 Jahren die Touristen zu den benachbarten Orten an der Küste oder auf die gegenüber liegenden Inseln. Damals noch reine Ruderboote.Das frisch renovierte Grand Hotel PalaceMan findet auch prächtige JugenstilfassadenHeute eher kein Badebetrieb, es war nicht kalt, aber sehr windig.