Archiv der Kategorie: Jordaniens Felsenstadt und Wüste

Letzte Station Aqaba am Roten Meer

Jordanien besitzt mit der Hafenstadt Aqaba einen Zugang zum Roten Meer und noch etwa 30 Kilometer Strand in südlicher Richtung bis zur Grenze nach Saudi Arabien. An der anderen Seite des Golfs von Aqaba gibt es praktisch keinen Strand mehr, denn die israelische Grenze beginnt direkt am östlichen Stadtrand. Die 65.000 Einwohner der Stadt leben zum großen Teil vom Güterverkehr und vom Export von Phosphat. Auch der Tourismus spielt eine Rolle, es gibt eine Reihe internationaler Hotels mit sehr gutem Standard, wir sind in einem Interconti gut untergebracht. Es sind nicht nur internationale Touristen hier, vor allem an den Wochenenden kommen viele jordanische Gäste und bringen die ganze Familie mit.

Hier gilt mehr als anderswo, dass man sich als Besucher dieses Landes auch mit den Gewohnheiten der hier lebenden Menschen auseinandersetzen und diese tolerieren muss, schließlich sind wir die Besucher hier. An erster Stelle sei hier die stark gewöhnungsbedürftige Lautstärke genannt, die sich sowohl bei Gesprächen äußert als auch bei der Musik. Ohrenbetäubende Musik tönt aus vorbeifahrenden Booten, aus idyllischen Teestuben und auch aus der Strandbar unseres Intercontis. Manchmal ist es nicht nur die Lautstärke, sondern auch die für unsere Ohren aggressiv klingende Musik, Technobeats gemischt mit arabischem Lauten. Im Hotel ist spätestens um halb elf Schluß mit Musik, aber nahe am Strand vorbeifahrende Boote, die das gesamte Hotelgelände beschallen, sind echt nervig, manchmal tun sie das auch schon morgens um acht. Da wird die Toleranz auf eine harte Probe gestellt.

Wir haben unsere Ruhe an den öffentlichen Stränden südlich der Stadt gefunden, da hatten die Sonnenliegen zwar keine Auflagen, dafür war es ruhig und wir konnten die besten Schnorchelreviere Jordaniens direkt vom Strand aus erreichen. Für uns ebenfalls ungewohnt war, dass die Jordanierinnen nicht nur vollständig bekleidet an den Stand gehen, sondern auch ins Wasser. Man sollte hier möglichst keinen Bikini tragen, das würde die Blicke der Männer auf sich ziehen.

Morgen geht es zurück nach Hause und das Fazit dieser Reise kann nur lauten: Klasse! Jordanien hat mit Petra und dem Wadi Rum zwei Highlights, die unsere Erwartungen noch übertroffen haben. Das Schnorchelrevier ist so mittel, wobei man dazu wissen muss, dass wir mit Hawaii und dem Great Barrier Reef und auch in Sharm el Sheik schon an den weltbesten Spots geschnorchelt haben. Aber die Korallen sind noch intakt, nicht selbstverständlich in Zeiten des Klimawandels und bunte Fische waren auch da. Aus meiner Sicht kann man eine Reise nach Jordanien unbedingt empfehlen, möglichst nicht später als Mai, es hat die letzten Tage über 30 Grad, heißer sollte es nicht sein.

Schön, dass ihr dem Blog wieder gefolgt seid, die nächste Reise geht zur Abwechslung in den kühlen Norden, wir haben Norwegen mit dem Camper geplant. Der Nachholbedarf nach zwei Corona-Jahren ist doch recht groß, daher – auf bald !

Blick auf die Stadt vom vierten Stock unseres Hotels aus

Der Zentrale Platz, die Taxis sind hier quietschgrün

Schöne Abendstimmung am Souk

Das jordanische Essen war immer lecker, war nur etwas zu viel, daher ist noch etwas übrig

Man kann bedenkenlos in den Straßenrestaurants essen

Die nächste Moschee ist nie weit weg

Blick von unserem Balkon

Unser Schnorchelstrand, Platz war genug da

Freitags ist hier Wochenende und die ganze Stadt ist auf den Beinen

Bootsrundfahrten sind sehr beliebt, die mit dem Glasboden sind meine Freunde mit der lauten Musik

Die größte Sehenswürdigkeit von Aqaba ist die Festung aus dem 16. Jahrhundert, sie wurde im 1. Weltkrieg von den Engländern zum Teil zerstört

Die riesige Fahne ist weithin zu sehen, sie ist mit 800 qm ungefähr achtmal so groß wie unsere Wohnung

Der Fahnenmast war mit seinen 137 Metern bis 2008 der höchste frei stehende Mast der Welt

Durch die Wüste

Es ist ja mittlerweile bekannt, dass wir die Wüste lieben. Nichts verstellt den Blick, man kann ungehindert bis zum Horizont sehen. Für Einsamkeit und Stille haben wir eine Schwäche und der Sternenhimmel sorgt fürs Abendprogramm. Zwei Gründe gaben den Ausschlag für die Jordanien-Reise, der erste ist Petra und der zweite die Wüste Wadi Rum. Seitdem wir das Filmepos Lawrence von Arabien gesehen haben, reifte der Wunsch in uns, diese Gegend zu besuchen.

Mittlerweile ist das Wadi Rum touristisch bestens erschlossen. Anfangs stellten die Beduinen ihre Zelte für Übernachtungen zur Verfügung. Heute hat man die Wahl zwischen Zelt und Gemeinschaftswaschräumen oder Luxuszelt mit eigenem Badezimmer. Der neueste Schrei sind sogenannte Bubbles. Da verbringt man die Nacht unter einer durchsichtigen Plastikkuppel. Wer den Aufpreis von 100 Euro zahlen möchte, darf dann natürlich kein Auge zumachen, damit es sich auch lohnt. Wir fanden diese Ungetüme mitten in der Wüste deplatziert, man denkt unwillkürlich an Aliens. Sie stechen schon von weither in die Augen. Dagegen passen sich die Beduinenzelte aus Ziegenhaar wie natürlich in die Landschaft ein. Wir haben so ein traditionelles Zelt gebucht, das allerdings von innen aussieht wie ein Gardinenladen. Ringsum glänzende, geraffte Stores, darüber wölbt sich ein Baldachin wie aus Tausendundeiner Nacht. Schwere Holzmöbel und eine Klimaanlage, so etwas nennt man wohl Glamping.

Tagsüber werden 4WD Touren angeboten, abends versammelt man sich am Lagerfeuer und trinkt Tee. Alkohol wird nur in lizensierten Hotels ausgeschenkt. Macht nix, wir haben ja die Wüste. Wir haben drei mehrstündige Jeeptouren gebucht und einen längeren Spaziergang um unser Camp gewagt, ohne uns zu verlaufen. Das Ergebnis sind unzählige Fotos von pittoresk geformten Felsen, Sand und Dünen, Kamelen und Beduinenzelten. Die Auswahl für diesen Blog ist mir nicht leicht gefallen, wieviel Fotos kann ich euch zumuten? Für manch einen sehen sie alle irgendwie gleich aus: Himmel, Berge und Sand! Ich habe euch mal eine kleine Auswahl zusammengestellt, ich hoffe, ihr habt heute nichts mehr vor.

Unser Luxus Camp in der Wüste

Unser Zelt, links das Badezimmer

Das Baldachin-Schlafzimmer

Das Badezimmer ist ungefähr doppelt so groß wie unseres zu Hause

Unser Wüstenschiff, wir saßen hinten auf der Ladefläche, da gibt es zu beiden Seiten gepolsterte Bänke und von dort die beste Aussicht.

Martin bei der Arbeit

Tatsächlich gibt es manchmal auch ein bisschen Grün

Früher das Haupttransportmittel, heute nur noch für Touristen

Die Dünen werden gern zum Surfen genutzt

Einfach nur Weite und Einsamkeit

Bei den Beduinen gibt es immer einen Tee gegen Bakschisch

Wie heißt diese Sehenswürdigkeit? Genau – Mushroom

Die Wüste hat viele Farben, die Blautönung kommt vom Kobaldgehalt

Das Haus von Lawrence von Arabien. Allerdings gehen die Meinungen darüber, ob er wirklich dort gewohnt hat, auseinander. Eventuell hatte er dort auch nur ein Waffenlager, wer weiß.

Das einzige Tier, das wir außer Kamelen gesehen haben.

Wanderung durch einen Canyon

Von der Erosion geschaffener Steinbogen, genannt “White Arch“

Keine Fata Morgana!

Im Reich der Nabatäer

Die Felsenstadt Petra ist ein lohnendes Ziel sowohl für Kultur- als auch für Naturliebhaber. Die einmalige Lage zwischen hoch aufragenden Felsen ist beeindruckend. Der einzige Zugang führt durch eine enge Schlucht, deren Seitenwände bis zu 100 Meter steil aufragen und die an der engsten Stelle nur zwei Meter breit ist. Somit war die Stadt gut zu verteidigen und das Reich der Nabatäer konnte sich 400 Jahre lang halten. Ursprünglich waren die Nabatäer Beduinen, die Handel betrieben und sich von der Arabischen Halbinsel kommend einen neuen Siedlungsplatz suchten. Petra liegt auf dem Kreuzungspunkt verschiedener Handelsrouten und war daher ideal gelegen.

Der Handel machte die Nabatäer unendlich reich und das erklärt auch, warum sie so viel Zeit und Energie in die Bautätigkeit steckten. Den Ackerbau überließen sie den umliegenden Siedlern, sie konnten es sich erlauben, Nahrungsmittel zu kaufen, um den Anbau konnten sich andere kümmern. Allerdings sorgten sie für die Bewässerung, die Nabatäer entwickelten ein ausgeklügeltes Wassersystem. Kein Tropfen Regen wurde vergeudet, es gab offene und verdeckte Wasserleitungen, viele kleine Stauseen und Zisternen. Trockene und heiße Sommer waren kein Problem, es gab immer genug Wasser für die bis zu 30.000 Einwohner, die sich in Petra ansiedeln sollten. Die Blütezeit währte etwa 400 Jahre, dann kamen die Römer und übernahmen alles, aber ohne die Nabatäer zu vertreiben oder zu vernichten, man lebte friedlich zusammen und war nun eine Provinz Roms.

Wir haben uns zwei volle Tage Zeit genommen, um das weitläufige Gelände zu erkunden. Man läuft zuerst mal 4 Kilometer, bis man im Stadtzentrum angekommen ist. Allerdings sind 1,2 Kilometer davon ein landschaftliches Highlight erster Güte. Man geht durch einen Canyon, der an der engsten Stelle nur zwei Meter breit ist. Der Sandstein nimmt verschiedene Farben an, je nachdem, ob er mit Eisen, Schwefel, Kobald oder Mangan gemischt ist. Wir sind in den beiden Tagen insgesamt knapp vierzig Kilometer gelaufen, davon etliche über mehr oder weniger ausgetretene Stufen oder durch unwegsame Felsenlandschaft. Jetzt pflegen wir in Ruhe unseren Muskelkater und freuen uns auf das nächste Highlight – die Wüste Wadi Rum. Dort haben wir drei Tage lang keine Verbindung zur Aussenwelt, also wundert euch nicht, wenn der nächste Blogeintrag auf sich warten lässt. Hier nun die Bilder zu Petra.

Am Anfang geht es immer durch die Schlucht, genannt Siq.

Plötzlich öffnet sich die Schlucht und man steht vor der berühmtesten Sehenswürdigkeit, dem Al Khazna, auch Schatzkammer genannt. Wobei der Name irritiert, denn es handelt sich wie bei allen Bauten, um eine in den Fels gehauene Grabkammer. Man hat allerdings vermutet, dass sich ein Schatz darin befindet, was nicht der Fall war.

Nur frühmorgens ist es hier so leer, wir sind immer um sieben Uhr aufgebrochen, um die morgendliche Ruhe zu genießen.

Die Ausmaße sind gewaltig, das Schatzhaus ist vierzig Meter hoch.

Kurz hinter dem Schatzhaus öffnet sich das Gelände und die eigentliche Stadt dehnt sich auf der weiter Hochebene aus, umschlossen von zerklüfteten Felsen.

Tempelanlagen sind nur zum Teil erhalten geblieben oder noch nicht ausgegraben, man schätzt, dass erst 30% von Petra zugänglich sind. Die Kamele dienen als Transportmittel für nicht so gehfreudige Touristen.

Es gibt auch abgelegene Grabmale, die muss man sich erkämpfen. Zum Beispiel Ad Deir genannt Kloster, weil sich hier später Christen ansiedelten. Achthundert Stufen führen hinauf, daher der Muskelkater, man muß ja auch wieder hinunter. Aber es hat sich gelohnt.

Das Kloster gehört zu den größten Gebäuden in Petra, es mißt 40 mal 40 Meter. An der Maserung der Säulen kann man die Struktur des Gesteins sehr gut erkennen, man kann sie durchgehend verfolgen, weil eben alles in den Fels gehauen wurde. Übrigens hat der Name der Stadt nichts mit dem deutschen Mädchennamen zu tun, es bedeutet einfach “Fels“.

Und dann die achthundert Stufen wieder zurück, vorbei an unzähligen Händlern, die alle dasselbe verkaufen.

Nach dem Schatzhaus sind die Königsgräber wohl die berühmtesten Gebäude. Sie liegen nebeneinander an einer riesigen Felswand und sind bis zu vier Stockwerke hoch.

Hier sieht man, wie vorausschauend die Nabatäer gebaut haben, die Größe passt genau für die heutigen Pick Ups.

Der Weg zum Opferplatz, diesmal nur 200 Stufen, also Peanuts. Allerdings muß man aufpassen, die Stufen sind im Laufe der Jahrtausende doch etwas ausgewaschen.

Der Opferplatz bietet einen Überblick über das gesamte Stadtgebiet und darüber hinaus.

Martin hat es sich gemütlich gemacht und lässt die Beine baumeln, der Preikestolen lässt grüßen.

Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die Gräber der ärmeren Leute an.

Unvermittelt tauchen immer wieder sehenswerte Gebäude auf, hier der Gartentempel.

Jordanien mit zwei Jahren Verspätung

Im März 2020 mussten wir bekanntlich mit unseren gepackten Koffern vom Flughafen wieder nach Hause fahren, Corona hatte unser Land erreicht, ein paar Tage später erstarrte alles im Lockdown und alle Flüge wurden gestrichen. Gute Entscheidung nicht zu fliegen, wir hätten vermutlich lange warten müssen, bis Herr Maas uns zurückgeholt hätte. Vielleicht hätten wir die Koffer nicht auspacken sollen, dann wäre uns diese Arbeit jetzt erspart geblieben.

Angenehmer Flug mit Royal Jordanian Airlines, toller Service, warmes Essen und Rotwein, später noch Nüsschen zum Knabbern. Mit Lufthansa nach Malaga gab es lediglich ein Fläschchen Wasser. Nur das Öffnen der Tür bei der Ankunft üben wir noch etwas, das hat beinahe eine halbe Stunde gedauert. Dafür hat dann das Gepäck bereits auf uns gewartet.

Wir haben bei Erlebe Fernreisen eine individuelle Rundreise gebucht, wir werden von einem Fahrer zu unseren Zielen gebracht und können die Besichtigungen dort auf eigene Faust unternehmen. In Petra gibt es sozusagen als Einführung eine zweistündige Tour mit einem Guide, dann werden wir wieder von der Leine gelassen.

Heute haben wir auf dem Weg von Madaba, was ganz in der Nähe des Flughafens von Amman liegt, nach Petra noch ein paar Sehenswürdigkeiten mitgenommen. Jordanien grenzt ja bekanntlich im Westen an Israel und hat somit einige Gedenkstätten aus biblischer Zeit wie den Mount Nebo. Dort soll Gott Moses das gelobte Land gezeigt haben und im 4. Jahrhundert errichteten Christen dort eine Basilika. Berühmt sind vor allem die frühchristlichen Mosaike, die erhalten geblieben sind. Die Basilika wurde teilweise rekonstruiert und mit einem Schutzdach versehen, um die Mosaiken zu schützen.

Und hier der Blick ins Gelobte Land, ich hoffe nur, dass Moses nicht so diesiges Wetter hatte wie wir, damit er mehr davon sehen konnte.

Was wir bis jetzt nicht wussten: Jordanien hat einen “Grand Canyon“ der sich zwar mit dem Original nicht messen kann, aber doch ein Alleinstellungsmerkmal hat, denn er endet 410 Meter unter dem Meeresspiegel am Toten Meer. Auch hier hätten wir uns weniger von dem kräftigen Wind gewünscht, der so viel Sand aufwirbelt.

Schwer beeindruckt hat uns die Kreuzritterburg in Kerak. Nicht nur die imposante Lage auf einem 900 Meter hohen Berg, sondern die schiere Größe der Festung ist sehenswert. Weit verzweigte unterirdische Gänge und große Gewölbehallen durchziehen die Anlage.