Archiv der Kategorie: Frühling in Andalusien

Zu guter Letzt Malaga

Die zweitgrößte Stadt Andalusiens kannten wir bereits von unserer letzten Reise her, aber natürlich wollten wir sie auch noch einmal besuchen. Sie hat kulturell einiges zu bieten, in erster Linie hat sie das ihrem berühmtesten Sohn, Pablo Picasso, zu verdanken. Sein Geburtshaus kann besichtigt werden und nachdem seine Tochter über 200 Werke zur Verfügung gestellt hatte, wurden sie auch in einem eigenen Picasso Museum ausgestellt. Wer sich nicht so sehr für den Künstler interessiert, nimmt zumindest neben seiner Bronzefigur auf der Bank vor seinem Geburtshaus Platz.

Die Innenstadt Malagas ist in großen Teilen verkehrsberuhigt und in den engen Gassen drängen sich Kneipen, Restaurants und Bars aneinander, auffällig sind die zahlreichen Irischen Pubs. An einer Seite wird die Altstadt von einem Hügel begrenzt, auf dem sich – na was wohl – eine Festung befindet, aus maurischen Zeiten. Sie soll einmal ähnlich schön wie die Alhambra gewesen sein, leider sind im Wesentlichen nur die Aussenmauern erhalten geblieben. Am Fuße des Kastells wurde ein römisches Theater freigelegt. Und dann gibt es noch eine Kathedrale, der etwas fehlt, und zwar der rechte Kirchturm. Der ist bis heute nicht fertig geworden. Daher heißt die Kirche im Volksmund “Manquita“ das bedeutet: “Die, der etwas fehlt“.

Wir haben uns den leiblichen Genüssen gewidmet und die älteste Bar der Stadt aufgesucht, dort wird der berühmte Malaga-Wein ausgeschenkt. Es handelt sich um einen Dessertwein, den wir zur unpassenden Zeit, vor dem Mittagessen, probiert haben, würden wir so nicht nochmal machen. Auf den Schreck musste sich der Magen ein wenig erholen, bis wir ihm ein paar Tapas anbieten konnten.

Der Hafen liegt zentral und ist nur durch einen schmalen Grüngürtel von der Altstadt getrennt. Für Kreuzfahrtschiffe wurde der Hafen ausgebaut und hat jetzt eine schicke Promenade mit Cafés und Geschäften. Wenn man beim Leuchtturm um die Ecke schaut, sieht man eine weitläufige Bucht mit Malagas breiten Stadtstränden.

Und schon ist der letzte Tag gekommen, es gibt noch ein Abschiedsessen in einer Chiringuito mit Steckerlfisch an Holzkohle gegrillt und morgen ist Abreisetag. Natürlich ist die Zeit wieder viel zu schnell vergangen, wir haben uns so gut an das milde Klima gewöhnt, dass wir uns morgen wohl warm anziehen müssen. Wir würden jederzeit wieder den Winter in Andalusien verbringen und wir haben immer noch nicht alles gesehen.

Schön, dass ihr wieder mit dabei wart und lasst euch überraschen, wohin die nächste Reise geht. In diesen unruhigen Zeiten weiß man nie, was einen zukünftig erwartet und kann eigentlich nur noch kurzfristig planen. Aber wenn es dann soweit sein sollte, melde ich mich natürlich wieder. Bis dahin euch allen eine gute Zeit und vor allem Gesundheit.

Die Festung mit dem römischen Theater zu ihren Füßen
Die der etwas fehlt

Die schaurig schöne Dekoration der Fußgängerzone
Wenn man sich die Markthalle anschaut, ahnt man schon, was man dort am besten kauft
Die älteste Bar Malagas

Den Wein gibts direkt vom Faß – schmeckt nicht jedem…

Gar nicht so schlecht – der Stadtstrand von Malaga
Abschied von Andalusien mit Wehmut

Cadiz – die älteste Stadt Westeuropas

Gegründet wurde die Stadt am Meer von den Phöniziern etwa 3000 v.Chr. und im Laufe der Zeit wurde sie des öfteren belagert, eingenommen und zerstört. Daher gibt es kaum ältere Bauwerke zu besichtigen, das heutige Aussehen der Altstadt wurde während der Blütezeit im 18. Jahrhundert geprägt. Bei Ausgrabungen fand man Grabanlagen der Phönizier und Mauren, auch ein römisches Theater ist zum Teil erhalten geblieben. Die Stadt ist an drei Seiten von Meer umgeben und wird fast durchgehend von einer Befestigungsmauer geschützt. Zwei Kastelle sind steinerne Zeugen der kriegerischen Vergangenheit der Hafenstadt. Ihre Blütezeit hatte sie im 18. Jahrhundert als wichtigster Hafen für den Handel mit den Kolonien.

Die Straßen der Altstadt sind schmal und unterscheiden sich in der Bauweise kaum voneinander. Besonders haben mir die vergitterten, schmalen Glasbalkone gefallen, die an keinem Haus fehlen. Eine lebendige Stadt, mit vielen Geschäften für die einheimische Kundschaft, auch die Cafés werden zu dieser Jahreszeit fast ausschließlich von Spaniern bevölkert. Zumindest dann, wenn kein Kreuzfahrer mit seinen tausenden Gästen die Stadt flutet.

Am eindrucksvollsten war der Besuch des Torre Tavira, einem ehemaligen Wachturm. Er ist 45 Meter hoch und die Aussicht ist allein schon einen Besuch wert. Aber in diesem Turm befindet sich eine Camera Obscura, die eindrucksvoll scharfe und detailreiche Bilder auf eine konkav geformte Leinwand projiziert. Durch eine Linse wird mittels eines beweglichen Spiegels das Bild live auf einer Leinwand wiedergegeben, die sich in einem völlig abgedunkelten Raum befindet. Man sieht Menschen durch die Straßen schlendern und Vögel vorbeifliegen. Das Abbild ist gestochen scharf und man kann auf diese weise die gesamte Stadt von hier oben aus erkunden, indem der Spiegel langsam um 360 Grad gedreht wird. Leider darf man dies nicht fotografieren.

Die beiden Kastelle an der Stadtmauer

Die Plaza San Juan de Dios mit dem Rathaus
Man kann die Stadt komplett entlang der Stadtmauer umrunden
Sehr beeindruckend die riesige Kathedrale, die Kuppel ist 50 Meter hoch, im Hintergrund der weitläufige Stadtstrand im “neuen“ Cadiz

Blick vom Torre Tavira auf die Altstadt
Typisches Straßenbild

Und ewig rauscht das Meer

Flower Power in Estepona

Keine Ahnung, ob es hier auch den Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden“ gibt, jedenfalls tut die Stadtverwaltung einiges dafür, dass der alte Stadtkern sehenswert ist und bleibt. Vielleicht ist der Bürgermeister auch ein ehemaliger Hippie, auch das weiß ich nicht, aber sicher ist, dass hier üppiger Blumenschmuck gepflegt wird. Und organisiert, denn die kleinen Gassen haben Farbmottos, also zum Beispiel die Gasse der gelben Blumentöpfe oder die der roten Töpfe mit weißen Punkten. Und kein vertrocknetes Pflänzchen ist zu entdecken. Damit dass auch im heißen und trockenen Sommer so bleibt, gibt es öffentliche Blumengießer, so wie es Straßenkehrer gibt. Sie sind motorisiert und bewässern regelmäßig jeden einzelnen Blumentopf. Da können die Bewohner auch mal beruhigt in den Urlaub fahren, vielleicht nach Alemania ???

Zugegeben, dieser Blog ist etwas bildlastig geworden, ich konnte mich einfach nicht entscheiden, denn in Zeiten der Digitalfotografie kann man munter drauflos fotografieren. Und dann braucht man Opfer, die sich diese vielen Bilder auch anschauen, also euch zum Beispiel. Na denn viel Spaß!

Zunächst ein paar Strandbilder, hier findet man auch im Hochsommer noch ein Plätzchen fürs Handtuch.

Gibraltar very british

Wie ein Wachturm ragt der über 400 Meter hohe Felsen aus dem Meer und seine strategische Bedeutung erklärt sich von selbst, denn hier kontrolliert man alles, was ins Mittelmeer hinein- oder herausfährt. Das wusste schon die Kolonialmacht England, als sie den Felsen im 18. Jahrhundert zur Kronkolonie machte. Und den Spaniern war natürlich diese zur Festung ausgebaute Militärbasis ein Dorn im Auge. Immer wieder versuchten sie, den Felsen zu erobern, aber die Engländer wehrten sich erfolgreich. Sie konnten sogar jahrelanger Belagerung standhalten. Neuerlich wären die Briten geneigt gewesen, die Halbinsel an Spanien zurückzugeben, aber die Bevölkerung stimmte im Jahr 2002 zu 98% dagegen. Es ist sogar in der Verfassung von Gibraltar verankert, dass ein Anschluß an Spanien nur möglich ist, wenn eine Mehrheit der Gibraltanesier dafür stimmt. Infolge des Brexits gab es Verhandlungen über den Status und man konnte sich darauf einigen, dass die Grenze offen bleibt, die Einreise ist einfach mit Personalausweis möglich.

Es wird angeraten, den PKW auf der spanischen Seite zu parken und die Grenze zu Fuß zu überqueren. Das haben wir natürlich getan, wobei man die Landebahn des Flughafens überqueren muß. Da nicht gerade jede Minute ein Jet landet, war dies problemlos möglich. Viel Platz hat die Stadt mit ihren etwa 30.000 Einwohnern nicht, an der Mittelmeerseite ragt der Fels fast senkrecht in die Höhe und auf der Atlantikseite ist es zwar nicht ganz so steil, aber dennoch felsig. Also baut man in die Höhe. Aber eine Straße gibt es dennoch, die etwas von ihrem ursprünglichen Charme bewahrt hat, nämlich die zu einer Fußgängerzone ausgebaute Main Street. Dort gibt es genügend Möglichkeiten, zollfreie Waren einzukaufen, beliebt sind Spirituosen und Zigaretten oder auch Parfüm. Und natürlich gibt es an jeder Ecke Fish and Chips.

Man kann auch auf den Felsen hoch, entweder mit der Seilbahn oder zu Fuß, aber beides kostet ungefähr gleich viel, denn die nehmen für den Berg Eintritt. Da haben wir uns für die Seilbahn entschieden. Mehr gibt es dann auch nicht zu unternehmen in Gibraltar und ob sich denn nun ein Besuch lohnt, mag jeder selbst entscheiden. Wir fanden es ganz interessant, diesen Ort mit eigenen Augen gesehen zu haben, zumal wir ja ganz in der Nähe Urlaub machen. Extra hinfahren muß man nicht unbedingt.

Übrigens, die Einwohner von Gibraltar heißen Gibraltarer, ich finde aber Gibraltanesier viel schöner.

Zu Fuß nach Gibraltar überquert man die Start- und Landebahn des Flughafens
Oder man nimmt den Doppeldeckerbus, übrigens ist auf Gibraltar Rechtsverkehr, an den Fußgängerüberwegen steht überall “look left“

Kein Flieger in Sicht, wir mussten nicht rennen

Unterwegs auf der Main Street
Blick in Richtung Spanien
Blick zurück von La Linea, Spanien, aus

Alte Steine

Das Hinterland ist unser Ziel, zunächst schauen wir uns alte Steine in Antequera an, einem Städtchen mit wechselvoller Geschichte und einem Kastell mit römischen und maurischen Ursprüngen, anschließend besuchen wir ein Naturschutzgebiet, wo Erosion und nicht Menschenhand Steine geformt hat.

Etwa 50 Kilometer nördlich von Malaga liegt Antequera, eine lebhafte Provinzstadt mit 40.000 frommen Einwohnern, angeblich gibt es hier die höchste Kirchendichte. Dominiert wird die Stadt von einem wuchtigen Kastell, das auf einem Hügel am Stadtrand liegt. Ein römisches Bad ist noch in Grundmauern erhalten und später hinließen die Mauren ihre Spuren. Der Grundrisse einer Moschee sowie zwei Türme und eine Mauer sind erhalten geblieben oder restauriert worden. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt nach einer längeren Belagerung von den Christen erobert, sie fügten dem Emsemble die Kirche Santa Maria hinzu.

Südlich von Antequera liegt der Naturpark El Torcal, ein Felsenlabyrinth aus malerisch zerklüftetem Kalkgestein. Ein Wunderwerk der Erosion, die aus den unterschiedlich harten Gesteinsschichten phantasievolle Skulpturen erschuf. Ein gut markierter Wanderweg sorgt dafür, dass man sich nicht verlaufen kann und wieder zum Parkplatz zurückfindet. Die Sicht war sehr gut, wir konnten am Horizont das Mittelmeer erahnen.

Blick vom Kastell auf Antequera
Allein auf diesem Bild erkennt man fünf Kirchen
Santa Maria ist die kunsthistorisch bedeutendste Kirche der Stadt
Im Naturpark El Torcal
Im Hintergrund schimmert blau das Mittelmeer
Ein schöner Tag geht zu Ende, hier das Panorama von unserem Balkon aus mit dem kompletten Panorama der afrikanischen Küste, ganz rechts erkennt man Gibraltar, unser nächstes Ausflugsziel.

In Europa ganz unten

Die südlichste Stadt Europas heißt Tarifa und liegt an der Meerenge von Gibraltar, einen Steinwurf von Afrika entfernt. Beinahe immer bläst hier ein kräftiger Wind, daher ist der Ort eines der bekanntesten Ziele von Surfern. Manche überwintern hier auch, die Kosten halten sich in Grenzen. Der Strand von Tarifa ist riesig, feiner gelber Sand und türkisfarbenes Meer – ideal zum Baden, wenn nicht ständig dieser Wind wehen würde, das kann unangenehm werden, wenn man im Sand liegt. Nicht unser Problem, wir ziehen uns bei Windstärke 12 die Mützen tief ins Gesicht und staunen über die akrobatischen Kunststücke der Kite-Surfer, die rasend schnell übers Meer pflügen und kurz vor den Felsen plötzlich über uns in der Luft schweben, um dann wieder auf dem Wasser zu landen und den gleichen Weg zurück zu rasen. Nicht unsere Welt, aber kurzweilig, man könnte stundenlang zusehen, wenn man nicht weggepustet werden würde.

Der Tag heute ist nicht ganz klar, die marokkanische Küste liegt in 14 Kilometer Entfernung vor uns im Dunst, vielleicht kommen wir nochmal her, wenn es klarer ist. Riesige Containerschiffe passieren die Meerenge, sie begegnen sich manchmal extrem nahe, zumindest sieht es von hier so aus. Man könnte auch einen Tagesausflug nach Marokko machen, es gibt eine passende Fährverbindung von Tarifa aus. Machen wir aber nicht, hier gibt es genug zu sehen.

Wie alle andalusischen Städte hat auch Tarife eine maurische Vergangenheit und die Altstadt ist ebenso malerisch wie die weißen Dörfer. Wir erleben das Städtchen sozusagen im Winterschlaf, in der Hauptsaison sind hier zehnmal so viele Menschen unterwegs. Da sind wir doch lieber im Winter hier.

Afrika zum Greifen nahe

Blick von Tarifa aus nach Afrika, es sind meistens kastenförmige Containerschiffe, die die Meerenge passieren.

Die schmucke Altstadt von Tarifa
Die Kitesurfer am Strand von Tarifa

Wer braucht da noch die Karibik?
Wir brauchen nur ab und zu einen Caffé con leche

Die weißen Dörfer Andalusiens

Zu den zahlreichen Touristenattraktionen Andalusiens zählen auch die malerischen Bergdörfer. Schon von weitem erkennt man sie an ihren strahlend weiß getünchten Fassaden. Oft kleben sie an steilen Bergen, was auf einen maurischen Ursprung hindeutet. Zur besseren Verteidigung errichteten die Araber ihre Festungen an strategisch günstig gelegenen Orten, eben auf Bergen mit guter Rundumsicht. Um die Festungen herum entwickelten sich Siedlungen, die aufgrund der Topografie mit engen und steilen Gassen angelegt wurden. Mit schmiedeeisernen Fenstergittern oder Balkonen verziert und mit üppigem Blumenschmuck versehen sind diese Dörfer beliebte Ausflugsziele für die Badegäste an der Costa del Sol. Je näher die Dörfer an der Küste liegen, desto mehr Andenkenläden haben sie.

Wir haben Casares besucht, da hatte nur ein Souvenirladen geöffnet, allerdings ist ja auch noch keine Saison. Wir werden bestimmt noch einige dieser Dörfer sehen, hier schon einmal ein kleiner Eindruck davon, wie schön aber auch wie beschwerlich man hier lebt. Alle Einkäufe müssen mühselig duch die engen Gassen geschleppt werden, Autos kommen hier kaum noch durch.

Der Dorfmittelpunkt, hier gibt es immer einen Cafe con leche und Tapas.
Und zur Belohnung gibt es Calamares und Chipirones am Strand

Wir nehmen den Königsweg

Man nennt ihn den “Caminito del Rey“ und zwar nur deshalb, weil König Alfons VIII ihn anläßlich seiner Einweihung im Jahre 1921 inspizierte und die Hängebrücke am Ende des Bergpfades überquerte. Es waren allerdings nicht touristische Gründe, die zum Bau dieses Weges in schwindelnder Höhe geführt hatten, sondern es wurden Zugänge zu einem Kanalsystem benötigt, die zwei naheliegende Talsperren speisten und die regelmäßig kontrolliert werden mussten. Zunächst war es ein Pfad auf Planken, später wurde er mit Eisenträgern befestigt. Er führt in einer Höhe von etwa 100 Metern an senkrechten Felswänden entlang. An Geländer war damals nicht zu denken, allein beim Gedanken daran wird mir schon schwindelig.

In Laufe der Jahrzehnte verfiel der Weg zusehends, für die Wasserwirtschaft wurde er nicht mehr benötigt, aber unter Kletterern wurde er immer beliebter. Als es zu Anfang des Jahrtausends zu tödlichen Unfällen kam, wurde der Weg gesperrt und erst 2015 neu eröffnet. Ungefähr zwei Meter über dem ursprünglichen Weg wurde ein komplett neuer und sicherer Bohlenpfad errichtet und nun für Touristen freigegeben. An manchen Stellen kann man den alten Pfad noch sehen. Es wird nur eine begrenzte Zahl von Touristen pro Tag zugelassen, man muß sich also vorher anmelden. In kleinen Gruppen geht es dann mit oder ohne Guide, aber immer mit Helm, den acht Kilometer langen Weg durchs Gebirge, nur in eine Richtung. Der Pfad ist knapp zwei Meter breit, da macht die Einbahnregelung Sinn. Man geht teilweise durch lichten Pinienwald, insgesamt drei Kilometer sind in schwindelnder Höhe zu absolvieren.

Das Beste kommt zum Schluß: eine Hängebrücke quert das Ende der Schlucht. Hier gibt es kein Zurück mehr, siehe Einbahnregelung, und man müsste ja die kompletten acht Kilometer wieder zurück. Also Augen zu und drüber, für Schwindelfreie auch: Handys raus, Selfies machen, runterspucken und Spaß haben. Für mich: Augen geradeaus, nicht rechts und links gucken, runter schon gar nicht und auf das Ende hoffen, der Brücke natürlich.

Insgesamt ein tolles Erlebnis in einer grandiosen Bergwelt, mitten im Fels und unglaublich tiefen und engen Felsschluchten. Nur bei gutem Wetter empfehlenswert!

Immer an der Wand lang
Die Schluchten mal enger, mal weiter
Hier sieht man den inzwischen baufälligen Originalweg
Dieses Tal haben wir auf festem Boden durchquert
Und dann wieder in den Fels
Das Schmankerl zum Schluß – eine leicht schwingende Hängebrücke. Rechts davon noch die historische feste Brücke, baufällig!
Dann um die letzte Ecke und geschafft!
Geschafft!

H 10 Estepona Palace

Zuerst dachte ich, das ist ein Tippfehler. Wer nennt denn ein Hotel H 10? Auch wenn das Palace am Ende wieder versöhnlich stimmt und eine herrschaftliche Unterkunft verspricht. Des Rätsels Lösung: es handelt sich um eine Hotelkette, aber sie haben weit mehr als 10 Hotels. Weltweit vertreten, auch in Berlin gibt es ein H 10 Ku´damm. Wir haben es ausgesucht, weil es direkt am Strand liegt und in Fußentfernung zur Innenstadt von Estepona. Und natürlich auch wegen des günstigen Angebots.

Es ist nicht gerade ein Boutique Hotel mit seinen 237 Zimmern, aber jetzt zur Vorsaison geht es noch beschaulich zu, man sieht es an den Liegestühlen. Zu zweit stehen sie in großem Abstand zueinander und egal wann man schaut, niemand hat einen Liegestuhl mit seinem Badehandtuch als sein Revier gekennzeichnet. Die Bauweise des Hotels ist für meinen Geschmack etwas zu übertrieben mit den weißen Zinnen und Türmchen, aber das ist wohl landestypisch zu nennen. Man hat wohl als großes Vorbild das Werk der maurischen Baumeister gepaart mit zeitgenössischer Architektur. Immerhin kein großer Kasten am Wasser! Die Poollandschaft fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein und der tropische Garten ist gepflegt. Und eine himmlische Ruhe, nur das Rauschen des Meeres ist die Hintergrundmusik.

Weil wir drei Wochen hier wohnen haben wir ein Superior Zimmer genommen, das hat den vollen Meerblick und ist etwas größer als der Standard. Modern und gemütlich eingerichtet, ein Wohlfühlzimmer. Und das Tollste: wenn man die Balkontür offen lässt, hört man vom Bett aus das Meer rauschen. Hört sich nach Urlaub an, oder?

Damit ihr jetzt nicht sofort losrennt und das Hotel bucht, hier noch ein paar Wahrheiten. Der Speisesaal ist eine akustische Fehlleistung. Hier geht es laut zu, zu wenig Textilien dämpfen die Geräusche, die Stühle scharren unangenehm laut auf dem Fliesenboden. Und das tun sie sehr oft, denn die Mahlzeiten werden in Buffetform gereicht. An der Qualität des Essens gibt es nichts auszusetzen, ist natürlich keine Sterneküche, aber die war auch nicht zu erwarten. Am meisten bedauern wir, dass die Strandbar mit dem wunderschönen Ausblick aufs Meer nur von Mitte Juni bis Mitte September geöffnet hat. Es gibt in der übrigen Zeit nur eine ungemütliche Lobbybar mit wiederum erhöhtem Lärmpegel. Wenn wir abends noch gemütlich ein Weinchen trinken wollen, gehen wir zehn Minuten zu Fuß in die nächstgelegene Strandbar.

Zum Strand ist zu sagen, dass er weder feinsandig noch goldgelb ist. Badeschuhe sollte man einpacken. Dafür kann man ausgedehnte Strandwanderungen machen, teils über Promenaden, teils durch naturbelassenen Sandstrand, der auch felsig sein kann. Privatstrände gibt es hier nicht, das Meer ist für alle da.

Alles in allem fühlen wir uns wohl hier und wir finden, es ist ein guter Ort zum Überwintern. Seht selbst.

Die Sonne so gleißend

Der Januar 2022 hatte nur halb so viele Sonnenstunde wie im jährlichen Durchschnitt. Also anstatt 40 Stunden nur 20 Stunden in unserer Region. Das sind noch nicht einmal drei Tage! Unserer Meinung nach viel zu wenig. Abhilfe bringt der sonnige Süden und mir ist eingefallen, dass ich als Lehrling im Reisebüro vor über fünfzig Jahren gelernt habe, dass die Gegend um Malaga die wärmste und sonnenreichste Europas ist. Klar, dass wir gar nicht anders konnten, als dieses günstige Angebot zu buchen: mit Lufthansa nach Malaga und dann drei Wochen in einem Strandhotel in Estepona, das liegt etwa 70 km westlich von Malaga. Nun sind wir normalerweise nicht so die Pauschalreisenden und wir waren noch nie im Urlaub länger als 10 Tage an einem Ort, aber das kann man ja lernen!

Wir waren vor fünf Jahren schon einmal im Winter in Andalusien und haben Granada, Córdoba, Sevilla, Jerez de la Frontera und Ronda besucht, haben also die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon abgeklappert. Also können wir es jetzt ruhiger angehen lassen, ich habe fünf dicke Bücher im Reisegepäck. Aber nur Sonnenliege ist nicht unser Ding, also haben wir einen Mietwagen, um die fehlenden Ziele Andalusiens anzusteuern, Cadiz zum Beispiel oder auch mal auf den Felsen von Gibraltar. Die eine oder andere Wanderung haben wir auch schon herausgesucht. Also lasst euch überraschen und folgt meinem Blog, aber nur wenn ihr starke Nerven habt. So viel Sonne und blauer Himmel kann euch fertigmachen.

Estepona ist nicht eine dieser Touristenhochburgen an der Costa del Sol, wenn es natürlich auch Hotels hier gibt. Das Stadtbild ist von Wohnhäusern geprägt, die Touristenhotels liegen außerhalb des Zentrums entlang der Küste, aber sie prägen nicht das Landschaftsbild. Der Stadtstrand ist extrem breit und selbst in der Hochsaison kaum zu füllen. Und da der Platz vorhanden war, wurde eine großzügige Strandpromenade angelegt, die sich weit die Küste entlangzieht, dann als Holzsteg oder Wanderweg, man könnte bis nach Marbella laufen, zu den Reichen und Schönen, aber dazu mehr im Verlauf unserer Reise.

Immer am Meer entlang, man kann sich nicht verlaufen.
In regelmäßigen Abständen gibt es Gastronomie, hier “Chiringuito“ genannt.
Blick auf die Bucht von Estepona
Abendstimmung, Blick von unserem Balkon. Ganz rechts am Horizont kann man Gibraltar sehen, die zweite Erhebung links davon gehört zu Afrika.