Nach der Schweiz und Italien und machen noch einen Schlenker durch die Alpenrepublik Österreich. In St. Martin bei Lofer kennen wir das schön gelegenes Hotel Hochmoos. Auch hier wird die 30-Grad-Marke geknackt, aber es sind eben keine 40 Grad. Und wir haben immer die Möglichkeit, uns in etwas höher gelegen Bergregionen aufzuhalten. Gestern stand allerdings ein Ausflug nach Salzburg auf dem Programm. Oberhalb der Altstadt gibt es einen relativ schattigen Rundweg und genügend Gelegenheiten für Trinkpausen.
Zum Abschluss muss es nochmal frische Bergluft sein, wir fahren mit der Seilbahn auf die Loferer Alm. Dass Wanderprogramm hält sich stark in Grenzen, denn auch auf 1.500 m Höhe brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Wir suchen uns die nächstgelegene Almhütte aus und sorgen für genügend Flüssigkeitszufuhr. Sehr beliebt bei diesen Temperaturen ist Sodacitro in Halblitergläsern. Purer Zitronensaft mit kaltem Wasser – köstlich.
Hiermit beende ich diesen Blog, morgen geht es heimwärts ins 40 Grad heiße Aschaffenburg in unsere Wohnung, die wir vor 14 Tagen verlassen haben, und die in der Zwischenzeit vermutlich über 30 Grad warm sein wird. Die zurückliegenden 14 Tage kommen mir mal wieder viel länger vor als zwei Wochen. Wir haben unterschiedliche Klimazonen und drei Länder bereist und beeindruckende Bergwelten gesehen. Die Schweiz ist ein wunderschönes Reiseland mit einer tollen alpinen Welt, geeignet für alle, die es sich leisten können und wollen. Der Vinschgau hat unsere Reisekasse wieder etwas entlastet und ist nicht minder schön, gleiches gilt für Lofer und das Saalachtal. Fazit: es gibt noch viel zu erleben in Europa und wer dem Blog folgt, wird erfahren, wie es weitergeht.
Hier noch die letzten Bilder von der Saalach bei Lofer und der Loferer Alm.
Die Dame im Tourismusbüro hatte den Höhenweg von der Haideralm zur Schöneben Hütte wärmstens empfohlen. Immer auf der gleichen Höhe, in etwa drei Stunden einfach zu gehen. Nur am Beginn und am Ende ginge es mal etwas rauf und wieder runter, vielleicht so 200 Höhenmeter. Der Weg biete eine prächtige Aussicht auf die umliegende Bergwelt und insbesondere in das Ortlermassiv. Das Wetter passt, also gehen wir nicht gerade im Frühtau, aber doch zeitig los. Nur der Blick auf die Wanderkarte hätte uns eigentlich stutzig machen müssen, denn da war der wunderschöne Panoramaweg gestrichelt eingezeichnet. Aber hinterher ist am immer schlauer.
Der Beginn der Tour testet unsere Flexibilität. Wir parken am Haiderlift, von dort gibt es eine direkte Busverbindung zum Schönebenlift, mit dem wir zur Schöneben Hütte hochfahren können. Dann den Panoramaweg und von der Haideralm wieder hinunter direkt zum Auto. Da stehen wir also am der Talstation an einem blauen Busschild. In der App steht als Haltestelle eben diese Talstation verzeichnet. Aber der Bus kommt nicht. An der Liftstation erfahren wir, dass die Haltestelle an der Hauptstraße liegt, bei der Feuerwehr. Warum dann in der App Talstation steht, konnte und wollte der etwas wortkarge Liftangestellte nicht sagen. Also drehen wir das Ganze um, fahren von hier aus hoch und hoffen, auf dem Rückweg an der Schönebentalstation einen Bus zu unserem Auto zu erwischen.
Den Anstieg am Beginn der Tour hatten wir uns weniger holprig vorgestellt, etwas blauäugig, wenn man im Hochgebirge unterwegs ist. Aber gut, die Höhe hatten wir dann nach einer schweißtreibenden Stunde und jetzt nur noch Genußwandern, dachte ich. Dass der Weg auf der Höhe bleibt, stimmt ja, aber dass es immer nur wenige Meter Geradeaus geht und dann immer wieder kurze, felsige Anstiege und Abstiege auf schmalem Pfad zurückzulegen sind, hatte ich mir so nicht vorgestellt. Wenn man fünfzehnmal so ein „Hindernis“ nehmen muss, sind das auch 150 Höhenmeter.
Wir brauchen viel Zeit, ich muß jeden Schatten nutzen um mich auszuruhen, aber nach gut vier Stunden sind wir am Ziel. Glücklich, den Weg geschafft zu haben, pausieren wir auf der Schöneben Hütte, die leider Mittelpunkt eines Skigebietes und derzeit auch Großbaustelle ist. Die bauen tatsächlich noch einen neuen Lift vom Tal hier hoch. Also keine Hüttenromantik, aber egal. Dafür klappt die Rückfahrt reibungslos, der Bus fährt direkt an der Talstation ab und in St. Valentin steigen wir am Feuerwehrhaus aus. Meine Frage an den Busfahrer, ob er an der Liftstation halte, wie es in der App steht, beantwortete dieser mit einem klaren „Ja“.
Die schönsten Orte der Welt werden immer überlaufener, je öfter sie in den sozialen Medien geteilt werden. Und dann sind sie irgendwann auch nicht mehr schön. Wir haben heute ein stilles Seitental entdeckt, das sich noch viel von der ursprünglichen Einsamkeit bewahren konnte. Ja, es gibt ein paar wenige, kleinere Hotels. Einige Ferienwohnungen gehören zu landwirtschaftlichen Betrieben. Am Ende des Tals ein Parkplatz, ab da geht es nur noch zu Fuß weiter. Kein Lift weit und breit, einfach nur Wald, Wiesen und stattliche Berge, Dreitausender begrenzen das Tal am Ende. Wir sind einen weitgehend ebenen Weg zur einer Alm gelaufen, ab da wird es hochalpin, nicht mehr unsere Kategorie. Das Wetter spielte mit und wir haben den Ausflug genossen. Wir waren nicht allein hier, aber insgesamt ging es doch eher beschaulich zu.
Das Örtchen Melag besteht aus einer Handvoll Häuser und ab hier wird gelaufen.In dieser Richtung laufen wir auf das Talende zu. Meine LieblingswiesenblumenIch weiß nicht, was euch bei diesem Bild einfällt. Ich denke einfach nur: saftiges Steak vom Weiderind.Am Talende liegt die Melager Alm auf 1.970 Metern.Nach einer Pause geht es den gleichen Weg zurück.Die Alpenrosen stehen in voller Blüte.Und schon sind wir zurück in Melag.
Es dauert nicht lange, einmal über den Ofenpass und schon ist man in Italien. Die nächsten vier Tage verbringen wir in St. Valentin auf der Haide. Das liegt im Oberen Vinschgau, in der Nähe von Reschen. Das ist dort, wo der Kirchturm im Wasser steht. Aber dazu später. Wir haben hier ein Apartment mit Balkon und Aussicht gebucht, mal sehen, ob wir den auch nutzen werden. Denn auch hier gibt es viel zu sehen und vor allem zu erwandern. Wir haben uns heute im Touristenbüro nach gemütlichen Wanderungen erkundigt, maximal 250 Höhenmeter und gut zu gehen. Wie gesagt, Genußreise ist für uns Oldies das Motto.
Zimmer mit Aussicht auf den Haider See und das Ortler Massiv.
Das Wetter passt, also geht es gleich los auf die Alm, wir haben uns noch mit einer topographischen Wanderkarte ausgestattet, es kann also nix schiefgehen. Die erste Wanderung führt uns vom Rojental zur Reschener Hütte. Die Dame vom Touristenbüro hat genau hingehört. Wir laufen einen gleichmäßig ansteigenden Weg in einer Stunde und 10 Minuten und haben dabei 203 Höhenmeter absolviert. Zurück ging’s wesentlich schneller.
Der Weg führt halbschattig durch Wald und Wiesen.Blick auf den ReschenseeZiel erreicht, zurück geht es nur noch bergab
Und nun zum Kirchturm: in den 1940er Jahren begann man mit den Planungen für einen Stausee, nur dummerweise lagen die Dörfer Reschen und Graun im Weg. Damals war man von Seiten der Regierung nicht zimperlich und die Bewohner wurden überrumpelt. Sie wurden enteignet, mies entschädigt und mussten woanders siedeln. Die Pfarrkirche St. Katharina in Graun wurde 1357 eingeweiht und wegen des Stauseeprojektes gesprengt, nur den Kirchturm ließ man aus Gründen des Denkmalschutzes stehen. Im Jahre 2009 wurde er saniert, sogar die Turmuhr wurde restauriert. Heute stoppt jeder, der den Reschenpass hinunterfährt, an diesem kuriosen Bauwerk.
Wir sind umgezogen nach Pontresina in ein modernes Hotel mit Atmosphäre. Man muss hier viel selber machen, zum Beispiel den Check-in an einem Terminal oder auch den Frühstückstisch decken. Was zunächst etwas befremdlich erscheint, stellt sich doch als sehr angenehm heraus. Es ist ja immer eine hilfreiche Seele da, es wird ein lockeres Konzept gelebt. Es gibt keine abgeschlossenen Büros, die Mitarbeiter arbeiten in der Lounge an ihren Laptops. So sind sie immer ansprechbar. Als ich noch überlege, wie ich die Butter auf den Teller kriege, kommt jemand, der es erklärt. Es gibt hier eine Maschine, man stellt den Teller darunter, drückt auf einen Knopf und dann fällt ein talergroßes und streichfähiges Stück Butter auf den Teller. Es gibt selbstgebackene Muffins, das knusprige Brot schmeckt hervorragend und ansonsten ist alles da, was wir zum Frühstück brauchen. Die geschmackvoll eingerichtete Lounge ist gleichzeitig Café, Restaurant und Bar und bietet einen tollen Ausblick.
Pontresina haben wir ausgewählt, weil hier der Bernina Express Station macht. Wir haben noch nicht genug von den Panoramazügen in der Schweiz und einen Trip nach Tirano in Italien gebucht. Die Fahrt dauert zwei Stunden und zeigt hochalpine Bergwelten, wir passieren den Piz Bernina und den Piz Palü, auf der Passhöhe sind wir 2.253 Meter hoch. Interessant neben atemberaubender Bergwelt ist die Bahnstrecke, die aufgrund des steilen Geländes besondere Anforderungen an den Streckenbau stellte. Die eingleisige Strecke hat viele Kehren und enge Kurven, um die Höhenunterschiede zu bewältigen. Einmalig ist das Kreisviadukt von Brusio, der Kreis hat einen Radius von 70 Metern, ist 142 Meter lang und überwindet eine Höhe von 10 Metern, es gehört zur UNESCO-Welterbe-Strecke.
An der Alp Grüm dürfen wir für einen Fotostopp aussteigen und den Piz Palü bewundern.Der Piz Palü ist 3.899 Meter hoch und wir haben einen schönen Blick auf den Gletscher.Blick auf unseren Zug in einer Kurve.Das Kreisviadukt von Brusio
In Tirano haben wir vier Stunden Zeit für einen Stadtbummel, allerdings zeigt das Thermometer 34 Grad im Schatten, da besichtigen wir die Kirche mal etwas länger. Einen Teil der Kosten für die Bahnfahrt holen wir wieder raus, weil die Preise hier richtig günstig sind. Beim Gläschen Wein zum Mittagessen bekommen wir die doppelte Menge zum halben Preis, verglichen mit der Schweiz. Der Cappuccino kosten 1,70 Euro, wenn wir davon 178 trinken, haben wir den kompletten Fahrpreis wieder raus. Späßchen.
Die Kirche San MartinoImpressionen aus der Altstadt von TiranoToller Ausblick in die Gletscherwelt des Val Bernina vom Zug aus
Pünktlich um zwölf geht es los in Chur, die Schweizer Bahnen haben ja einen Ruf zu verlieren. Sechs Stunden dauert die Fahrt nach Zermatt, der Oberalppass mit 2033 m wird überquert und zum Schluß geht es hoch auf 1604 m. Um die steilen Anstiege zu überwinden, wird die Lok gewechselt und bis Zermatt auf Zahnradantrieb umgestellt. Mit einem Augenzwinkern bezeichnet sich der Glacier Express als der langsamste Schnellzug der Welt, für die 200 km sind sechs Stunden eher gemütlich.
Wir werden gut verpflegt, es gibt Gehacktes mit Hörnlinudeln und Risotto, dazu ein Gläschen Weißwein und zum Nachtisch Bündner Nusstorte und Schokoladenkuchen. Es wird nicht langweilig, die Rheinschlucht spektakulär mit den weißen Felsen wird gefolgt von lieblicher Berglandschaft, saftigen Weiden und im weiteren Verlauf Hochgebirge mit schroffen Felsen und letzten Schneeresten. Einmal dürfen wir kurz aussteigen und dann wird es richtig spannend: werden wir das Matterhorn bei unserer Ankunft in Zermatt sehen?
Die Rheinschlucht, manche nennen sie den Grand Canyon der Schweiz.15 Minuten Freigang
Ja, es zeigt sich, zwar nicht in voller Schönheit, aber erkennbar und wir sind zufrieden. Und wir werden diesen berühmten Berg die nächsten eineinhalb Tage nicht aus den Augen lassen, vielleicht sehen wir ihn ja auch noch komplett. Wir haben ein Zimmer mit Matterhornblick gebucht und können den Berg sogar vom Bett aus beobachten.
Die Wetterprognose für den heutigen Tag ist gut, also verlieren wir nach dem Frühstück keine Zeit und fahren mit der Gornergratbahn bis auf 3089 m Höhe. Näher kommen wir dem Matterhorn jetzt nicht mehr und wir warten immer noch auf den Augenblick, wo es sich mal komplett zeigt. Der Andrang hier oben hält sich in Grenzen, wir können in Ruhe filmen und fotografieren oder einfach nur die Aussicht genießen. Die Bahn hat verschiedene Stationen und auf der Rückfahrt steigen wir in Rotenboden aus, weil wir zum Riffelsee laufen wollen, um das Matterhorn doppelt zu sehen, denn hier spiegelt es sich im See, wenn es nicht zu windig ist. Und tatsächlich gelingen die Aufnahmen, der See ist zwar nicht spiegelglatt, aber man kann den Berg gut erkennen. Wir laufen dann weiter bis zur nächsten Bahnstation, den Riffelberg, und fahren von dort zurück in den Ort.
Ganz oben auf den GornergratEinmalige Ausblicke in die Gletscherwelt, das Matterhorn ist von etlichen Viertausendern umgeben.Berghotel mit Forschungsstation auf dem GornergratDas „Silberpaar“ mit dem Matterhorn in der MitteEin Murmeltier zur allgemeinen BelustigungDer Riffelsee und das Fotografenherz schlägt höherWeg zur Station Riffelberg
Der ganze Spaß hier ist nicht für umsonst zu haben, der Glacier Express kostet mehr als ein normaler Zug, der Ausflug zum Gornergrat kostet pro Person 145 Euro und ein Cappuccino auf dem Riffelberg kostet tatsächlich 10 Euro. Aber wir wussten ja, dass die Schweiz ein teures Pflaster ist, aber wenn es eine passende Gelegenheit für eine solche Reise gibt, dann ist es doch auf jeden Fall die Silberhochzeit. Wir hadern keineswegs, genießen die Schweizer Bergwelt und das gehobene Hotel- und Gastronomieangebot. Nach dem Motto: „Einmal im Leben“.
Die Hauptstraße in ZermattEin paar Häuser die zeigen, wie Zermatt vor etwa 500 Jahren aussah.Und hier nochmal der Berg, fast frei, kann man gelten lassen.
Kaum haben wir unseren Bund fürs Leben geschlossen, sind auch schon 25 Jahre vergangen. Und diese Zeit haben wir ausgiebig genutzt, um unsere Reiselust zu stillen. Von Anbeginn an spielte das Thema Reisen eine große Rolle, diese Leidenschaft verbindet uns bis zum heutigen Tag. Für uns gibt es nichts Schöneres, als Koffer zu packen und die Welt zu entdecken. Die meisten Fernreisen findet ihr hier in diesem Blog, aber immer häufiger stehen jetzt auch Ziele in der näheren Umgebung auf dem Plan. Wir hatten uns Europa sozusagen aufgehoben, falls uns Fernflüge irgendwann lästig werden sollten. Dies kam schneller als gedacht, zunächst wurden wir von Corona ausgebremst und dann hat das Fliegen seine Faszination verloren. Die Kontrollen und Bestimmungen werden immer mehr, die Sitzplätze immer enger und der Gipfel: auf einem Flug von Frankfurt nach Oslo mit der Lufthansa gibt es kein Essen, nicht mal einen Snack und der Kaffee kostet extra. Ich möchte nicht ausschließen, dass wir doch noch mal in einen Flieder steigen, so zwei, drei Ideen hätten wir da noch, aber jetzt erstmal Europa.
Anlässlich unserer Silberhochzeit sollte es mal etwas ganz anderes geben und so ist die Idee zu einer Reise mit den Panorama-Zügen durch die Schweiz entstanden. Die Berge mit einem Zug bereisen anstatt schweißtreibende Wanderungen zu unternehmen, erschien uns auch aufgrund der Tatsache, dass wir beide die siebzig überschritten haben, verlockend. Wir sind mit unserem PKW nach Chur gefahren und hier bleibt er jetzt stehen. Morgen geht es los, mit dem Glacier Express bis nach Zermatt.
Chur ist die Hauptstadt des Kantons Graubünden und mit 40.000 Einwohner überschaubar. Eine hübsche Altstadt, alles gut zu Fuß zu erreichen. Wir gewöhnen uns schonmal an den Schweizer Slang, klingt zu schön und gern wird an die Endungen ein „i“ angehängt. Es gibt Müsli zu essen und Rüblikuchen, man grüßt mit „Gruezi“, geht zum Essen in ein Reschti und zum Schwimmen ins Schwümbi. Und bezahlen muss man hier alles mit Karte, sonst wäre es zu teuer.
Der schönste Platz in Chur heißt Arcas
Hübsche Gassen und nicht überlaufen, scheinbar war noch kein Influencer hier.
Das Bischöfliche Schloss ist renovierungsbedürftig und hier von mir wohlwollend abgelichtet.
Blick von Hausberg Brambrüesch, leider ohne „i“, auf 1.595 m Höhe, ging sehr bequem mit der Seilbahn. Ist ja eine Genußreise.
Im Urlaub probieren wir natürlich immer gern die landestypischen Spezialitäten. Hier seht ihr das Bündner Gericht Capuns. Das sind Spätzleteigröllchen in Mangold gewickelt in einer Rieslingschaumsoße und mit Käse überbacken. Sowas von lecker! Martin hat einen halben Liter Bier getrunken, da steht auf der Speisekarte „Kübel Bier“. Jetzt wissen wir auch, woher das Verb „kübeln“ stammt. Wer hat´s erfunden? Die Schweizer!
Der Plan für die beiden letzten Tage lautet: zurück nach Calgary, übermorgen geht der Flieger. Touristisch ist die Strecke weniger von Bedeutung, uns war nur wichtig, schöne Plätze in der Natur zu finden. Und das ist in diesem Land kein Problem, denn die Kanadier lieben es, zu campen. Und sie bevorzugen dabei schöne Plätze im Wald, vorzugsweise an einem Fluss oder kleinen See gelegen. Die einzelnen Provinzen unterhalten solche Naturplätze, die nur ein Minimum an Versorgung haben, also einen Stellplatz mit Picknickbank und Feuerring sowie auf dem Platz verteilt Trockentoiletten, das feinere Wort für Plumpsklo. Wenn sie richtig gut ausgestattet sind, haben sie Klos mit Wasserspülung und Duschen. Feuerholz wird meistens verkauft, in British Columbia zahlt man bereits im voraus eine Feuerpauschale und holt sich dann so viel Holz, wie man braucht. Es gibt auch kommunale Plätze, sogenannte Recreation Areas mit und ohne Camping. Früher war alles auf der Basis wer zuerst kommt, hat einen Platz, also first come, first serve. Heute kann man die Plätze im Internet reservieren, was in der Ferienzeit und am Wochenende empfehlenswert ist. Nicht nur, dass die Naturplätze viel schöner sind und großzügig angelegte Stellplätze haben, sie sind auch noch viel günstiger. Wir haben im Schnitt 25 Euro pro Nacht gezahlt, auf dem kommerziellen Plätzen ist es mehr als das Doppelte.
Hier ein schönes Beispiel von der Fish Lake Provincial Recreation Area.
Unser Stellplatz im Wald, wir fühlen uns, als wären wir ganz allein hier.
Die Stellplätze liegen im Wald entlang des Sees, es gibt einen Wanderweg um den See herum und weitere markierte Wanderwege.
Viele Camper schnallen sich ihr Boot aufs Dach und können es hier an der Bootsrampe zu Wasser lassen.
Und hier das Gegenprogramm, die letzte Nacht wollen wir in der Nähe der Vermietstation verbringen, damit wir morgen rechtzeitig dort sind. Der Shuttle zum Flughafen benötigt auch etwas Zeit und wir wollen doch nicht hetzen, wir sind ja schließlich nicht mehr die Jüngsten. Für diese Nacht zahlen wir 48 Euro, die Duschen kosten extra! Zwar haben wir am Stellplatz Wasseranschluss, Stromanschluss und einen Abwasserkanal, aber trotzdem ein stolzer Preis, wie ich finde.
Aber mit diesem Bild will ich meinen Kanada-Blog nicht enden lassen. Da habe ich noch etwas Schöneres, das ich beim Waterton Park vergessen hatte. Und jetzt wird es königlich. Es geht um das Prince of Wales Hotel mit der tollen Lage oberhalb des Sees.
Hier wird die schöne Tradition des Afternoon Tea gepflegt. Das steht zwar im krassen Gegensatz zu unserem Campingurlaub, aber es hat uns einfach gereizt, einmal in dieses Haus einzukehren. Es ist kein kein billiges Vergnügen, man zahlt immerhin 40 Euro pro Person, aber der Tee ist inbegriffen. Anders als beim Parken, da hat man uns noch einmal 25 Euro abgeknöpft, weil wir so ein großes Auto haben. Aber darauf kam es dann auch nicht mehr an. Denn dieses Hotel ist auch von innen sehenswert.
Vom Foyer aus überblickt man den ganzen See.
Das gesamte Hotel ist ein Museum, an der Inneneinrichtung wurde nicht verändert.
Zunächst stellt sich unsere persönliche Bedienung vor, warum die alle einen Schottenrock tragen, konnten wir nicht herausfinden. Jane erklärt uns jede der 20 Teesorten eingehend, als hätte sie jedes Teeblatt in Händen gehabt. Dann gibt es als Appetitanreger Scones mit Cream und Marmelade. Und dann diese Etagere, die von unten nach oben verputzt wird. Da kommt zuerst das Herzhafte und dann das Süße.
Für uns war der Nachmittagstee eine Hauptmahlzeit und wir brauchten erstmal einen Verdauungsspaziergang. Abends gab es nur noch kalt. Und mit diesem Bild möchte ich den Kanada-Blog beenden. Es zeigt den Übergang von der Prärie zu den Bergen mit dem Weg in die Unendlichkeit. Schön, dass ihr auf unserer Reise wieder dabei wart, danke für eure Kommentare und Tschüß bis zum nächsten Mal.
Unsere Kanadareise steht ja unter dem Motto: „Meide die Hotspots“ und suche die schönen Nebenstrecken und hab die Natur für dich. Haben wir auch weitgehend so gemacht. Dazu muss man wissen, dass wir die Hauptsehenswürdigkeiten bereits vor 25 Jahren gesehen haben und damals noch ohne Overtourism. Eine Ausnahme musste sein: um den Bogen zurück nach Calgary zu schlagen, sind wir etwa ein Drittel des Icefields Parkway gefahren. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in den 1930er Jahren wurde die 230 km lange Strecke von Jasper nach Banff gebaut. Für manche die Traumstraße schlechthin, mit Sicherheit eine der schönsten Berg- und Gletscherstrecken Kanadas.
Natürlich haben wir uns erinnert wie es damals war und müssen feststellen, dass der Verkehr unglaublich zugenommen hat. An den interessanten Haltepunkten ist es beinahe unmöglich, einen Parkplatz zu bekommen, an den Toilettenhäuschen stehen lange Schlangen und an den Aussichtspunkten drängeln sich die Egomanen mit ihren Selfie Posen. Sie breiten dabei beide Arme möglichst weit nach rechts uns links aus, um alleine vor dem Bergsee abgebildet zu werden. Dann wird ewig gepost, nach rechts, nach links, von oben und unten, nochmal lächeln… und dann steht man daneben und möchte doch auch mal einen Blick auf dieses türkisfarbene Wunder werfen…früher war alles viel besser…
Ok, genug gejammert, wir wussten ja, warum wir die Hauptstrecken meiden wollten und nach 80 Kilometern sind wir abgebogen auf den David Thompson Hwy und die Welt ist wieder in Ordnung.
Am Herbert Lake, glasklar das Wasser und nein Rüdiger, kein Fisch zu sehen.
Am Nordende vom Bow Lake
Und hier der Peyto Lake, steht bestimmt bei Instagram geschrieben, dass man hier posen muss.
Hier am North Saskatchewan waren nur wenige Besucher, scheinbar nicht Selfie-tauglich. Wir haben es genossen und auch noch eine schöne Picknickbank für uns gehabt.
Dieser unscheinbare Saskatchewan fließt tatsächlich nach knapp zweitausend Kilometern in den Winnipeg Lake.
Da dieser Kanadische Tigerschwalbenschwanz war so freundlich, nicht wegzuflattern, bis ich mit dem Fotoapparat soweit war, dass er einen Ehrenplatz in meinem Blog bekommt.
Er nennt sich Glacier National Park Kanada, nicht zu verwechseln mit dem Glacier Park in Montana/USA. Er ist sowohl ein Natur- als auch ein Historischer Park. Denn der 1.300 Meter hohe Rogers Pass spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Schienenverkehrsnetzes von Kanadas Ost- zur Westküste. Der Rogers Pass wurde 1881 entdeckt und bald darauf die Bahnstrecke gebaut. Neben dem Warentransport wollte die Canadian Pacific Railway auch Passagiere befördern und zwar vor allem die Wohlhabenden. Diese frühen Touristen mussten in der Wildnis verköstigt und auch untergebracht werden. Daher wurde bereits 1892 Glacier House gebaut, das erste Luxushotel in der unberührten Bergwelt. Ein Vorläufer der weltbekannten Hotels Lake Louise und Banff Springs. Allerdings wurde es bereits 1920 wieder geschlossen, heute sind nur noch Ruinen zu sehen. Die Straßenverbindung von Ost nach West wurde mit dem Transkanada Highway 1 erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut.
Die Gletscher verstecken sich vor den meisten Besuchern, sie sind nur nach stunden- oder tagelangen Wanderungen zu erreichen, wir haben uns die Schneegipfel von moderaten Wanderwegen aus betrachtet. Die Hochgebirgslandschaft ist grandios, neben dem Highway gehen die Hänge steil nach oben, man muß ein Tal oder einen Flusslauf suchen, um langsam aber stetig bergauf gehen zu können. Das Visitor Center hält entsprechende Informationen bereit und hat uns zudem mit einer übersichtlichen Wanderkarte ausgestattet.
Sehenswerte Berggipfel meist um die 3.000 Meter hoch.
Unser kleiner aber feiner Campingplatz für drei Nächte.
Die Passhöhe des Rogers Pass mit Gedenktafeln zur Entwicklung des Eisenbahnverkehrs.
Auf dem Great Glacier Trail. Der bekannteste Wanderweg führte einst bis zum Gletscher, das war in den Zwanziger Jahren. Heute, hundert Jahre später, hat sich der Gletscher so weit zurückgezogen, dass man ihn am Endpunkt des Weges nicht mehr sehen kann. Nur noch über erwähnte Extremwanderungen. Es ist gut, dass dies auf der Wandertafel am Anfang des Weges geschrieben steht, dann werden keine falschen Erwartungen geweckt. Die Wanderung war anspruchsvoll und im letzten Drittel steil und felsig, aber wir haben es geschafft, das Talende war auch ohne Gletscher sehenswert.
Suchbild: wer findet Martin?
Geschafft!
Die Ruinen des Glacier House
Die Wanderung zum Grizzly Creek war nicht so fotogen, es fing dann an zu regnen und ich habe den Fotoapparat weggepackt.
Hier laufen wir den Rock Garden Trail. Der macht seinem Namen alle Ehre.
Und zuletzt noch ein Blümchen, mit dem wunderschönen Namen „Gelber Silberwurz“.
… ist eindeutig besser als dem Regen beim Trommeln aufs Camperdach zuzuhören. Beides haben wir im Kootenay National Park erlebt. Wollt ihr noch mehr wissen? Bitte schön. Der Park erstreckt sich entlang einer 150 km langen Straße in Nord-Süd Richtung. Gleich am Anfang steht das Schild: No Cell Service for 150 km. Daher kann ich erst heute wieder schreiben. Das Wetter war durchwachsen, Sonne, Regenschauer sowie ein kompletter Regentag. Da haben wir in einer kleinen Regenpause zweimal den Camper verlassen, mussten aber bald wieder umkehren. Im Regen wandern macht einfach keinen Spaß. Nach zwei Tagen kam der Sommer zurück und wir konnten alle Sehenswürdigkeiten und die empfohlenen Wanderungen machen. Man muss eben nur lange genug an einem Ort bleiben, dann kann man nichts verpassen.
Ein breiter Fluss durchquert den Park, eingerahmt von den Gipfeln der Rocky Mountains. Offenes Land gibt es nicht, der dichte Wald zieht sich die Berghänge hinauf auf bis zu 2.000 Meter Höhe. Aussichtspunkte gibt es daher nur wenige, allerdings stimmt dies nur teilweise, denn der Park wurden in den letzten 20 Jahren immer wieder von Waldbränden heimgesucht. Auf einmal tut sich eine andere Landschaft auf, wenn „keine Bäume mehr die Sicht versperren“. Natürlich sind wir bestürzt über die riesigen Flächen, wo verbrannte Baumstämme wie Mahnmale in der Landschaft stehen. Wir haben mit einer Rangerin gesprochen und sie hat ihre Sichtweise erklärt und die Geschichte von der Erneuerung des Waldes erzählt. Das stimmt zwar, aber die Häufigkeit und das Ausmaß der Brände in den letzten 20 Jahren haben drastisch zugenommen. Wir haben ein kanadisches Rentnerpaar kennengelernt, die in Price George inmitten der Natur leben. Sie haben einen geräumigen Wohnwagenanhänger und immer einen vollen Tank, damit sie ihr Haus im Falle eines Waldbrandes jederzeit schnell verlassen können.
Hier nun die Bilder aus dem Kootenay National Park.
Am Marble Canyon hat sich ein kleiner Bach bis zu 40 Meter tief ins Gestein eingegraben und marmorähnliche Formationen geschaffen.
Am Kootenay River
Der Weg zu den Paint Pots führt durch einen ockerfarbenen Sumpf. Freundlicherweise gibt es einen Boardwalk, wäre sonst eine sehr schlammige Angelegenheit geworden.
Die intensive Farbe ist auf den hohen Eisengehalt zurückzuführen. Früher wurde der Schlamm zum Färben genutzt.
Der erste Platz im Park, mitten im Wald, Dinner ist gleich fertig, die Steaks auf dem Feuer brauchen noch etwas.
Nicht der Hase, aber zumindest der Fuchs sagt gute Nacht.
Zu den Wanderungen müssen wir meistens den Fluss überqueren.
Hier sieht man die Folgen der Waldbrände, alles kahl, das Unterholz wächst nach.
Gerade an den Stellen, wo es gebrannt hat, findet man oft die meisten Wildblumen, hier eine Waldlilie.
Und diese Schönheit heißt Scarlet paintbrush. Ich will nicht klugscheißen, das habe ich in meiner Naturapp nachgeschaut.
Das nächste Wetter zieht auf, schnell zurück zum Camper.
Im Frühtau zu Berge wir geh´n fallera…
Der Dog Lake ist unser Ziel.
Sehr einsam gelegen, hat sich gelohnt. Vor allem, dass wir früh genug aufgebrochen waren, denn das Ziel scheint sehr beliebt zu sein. Wir hatten den See noch für uns allein.
Zurück wieder über diese schwankende Brücke.
Und dies ist der bisher schönste Platz unserer Reise, direkt am Kootenay River gelegen.
Der Blick vom Vorgarten auf den Fluss.
Essen ist fertig, diesmal kein Steak, sondern das zweitmeiste Gericht unserer Reise: Spaghetti Bolognese.
Das Abendlicht macht die Farben besonders intensiv, es war nicht Photoshop!
Am Lagerfeuer sitzen und dem Fluss lauschen, besser geht´s nicht.
Der Olive Lake, wir finden, er sollte Türkis Lake heißen.
Am südlichen Ende des Kootenay Parks fährt man durch diese Schlucht und erreicht den kleinen Ort Radium Hot Springs und ist zurück in der Welt der mobilen Kommunikation.
In den Bergen ändert sich das Wetter sehr schnell, das weiß man. Nach dem Lagerfeuer im Schnee hat hier der Frühling Einzug gehalten. Der Schnee ist sehr schnell weggetaut und die Wanderwege waren Ruck zuck wieder trocken und ohne Matschschuhe begehbar. Alle Empfehlungen von der netten Dame im Visitor Center haben wir abgewandert, in einer traumhaft schönen Seen- und waldreichen Hochgebirgslandschaft. Der Park ist sehr gepflegt, an jedem Wanderparkplatz gibt es Toilettenhäuschen, natürlich meist ohne Wasserspülung, und oft auch Picknickbänke. So haben wir drei geruhsame Tage weit ab vom Weltgeschehen verbracht.
Die Tierwelt ist aufregend, wir befinden uns hier in der Bärengegend. Überall wird darauf hingewiesen, dass man keinen Abfall liegenlassen darf. Nach den Mahlzeiten also alles spülen und die Reste in einen bärensicheren Abfallbehälter werfen. Es handelt sich um wilde Tiere, keine Teddys. Das konnten wir hautnah erleben, als wir eine Bärenmutter mit ihren Jungen direkt neben der Straße entdeckten. Wir konnten gerade noch die Cameras zücken, natürlich vom Auto aus, da kam schon eine Rangerin angefahren und bat uns, weiterzufahren. Die Tiere sollen nicht an Autos gewöhnt werden. Und in den Autos sitzen oft Menschen, die versuchen, die niedlichen Tiere zu füttern, auch wenn das mit sehr hohen Strafen belegt ist. Wir sind natürlich sofort weitergefahren, für zwei Fotos hatte es gerade so gereicht.
Dieses Tierchen kann unbedenklich beobachtet werden, es läuft von alleine weg, wenn man ihm zu nahe kommt. Es handelt sich um ein Ziesel. Das ist kein Schreibfehler. Ein Ziesel ist ein Erdhörnchen.
Noch näher kam uns dieses flinke Tierchen, ein kleines Streifenhörnchen. Streicheln und füttern verboten, aber es war schneller wieder weg als ich es auf meinem Fuß beobachten konnte.
Wir haben es zurück zu unserem Campingplatz geschafft, bei Schneeregen und einer steifen Brise. Dann wieder Heizung an, ein gutes Buch zur Hand nehmen und ab uns zu mal aus dem Fenster schauen, ob sich da vielleicht ein wildes Tier zeigt. Tatsächlich hat Martin einen Wolf entdeckt, der die Wiese hinter unserer Picknickbank durchstreift. Aber so schnell wie er zu sehen war, war er auch schon wieder weg.
Am nächsten Morgen dann Erleichterung, die ersten Sonnenstrahlen blinzeln durch die Tannen und wir schöpfen neuen Mut. Schnell ist der Camper startklar und als wir unsere Fahrt Richtung Norden fortsetzen, können wir zum ersten Mal die atemberaubende Landschaft um uns herum sehen, die tatsächlich so toll ist, wie in diversen Berichten geschildert. Jetzt am frühen Vormittag verziehen sich die letzten Wolken und blauer Himmel macht sich breit. Dazu die tief verschneiten Berggipfel, alle um die 3.000 Meter hoch, wir könnten alle zehn Meter anhalten und Bilder machen. Tatsächlich halten wir dauernd an, hier eine kleine Auswahl:
Unser heutiges Ziel ist der Peter Lougheed Provincial Park, der großzügig mit allen Facilities eingerichtet ist wie ein Nationalpark. Hier sitze ich auch gerade im Visitor Center, weil es WLAN gibt. Wir haben inzwischen schon eine Nacht hier verbracht und der Schnee begleitet uns weiterhin. Hier muss es viel geschneit haben, unser Stellplatz ist tief verschneit, wir liegen hier immer auf 1.800 Meter Höhe. Für heute Abend waren Grillksteaks geplant, das lassen wir uns natürlich nicht nehmen. Man kann auch im Schnee wunderbar ein Feuer machen und Steaks bruzzeln.
Eine interessante Strecke liegt vor uns, es handelt sich um eine landschaftlich besonders schöne Nebenroute entlang der Rocky Mountains, die Straße allerdings ist nicht ohne. Wir müssen 100 km Schotterpiste fahren, haben dafür aber das richtige Auto, einen hochbeinigen Pick-up Camper mit Allradantrieb und einem starken Motor. Was uns Sorge bereitet, ist das Wetter. Extreme Regenmengen sind für den geplanten Fahrtag vorhergesagt und dann verwandelt sich eine staubige Schotterpiste schnell in eine schmierige Angelegenheit. Wir überlegen hin und her und da auch noch Sturm angesagt ist, entscheiden wir Weicheier uns für eine asphaltierte Alternativstrecke. So erreichen wir unseren Campingplatz mitten im Wald nach einer Regenfahrt ohne Sicht. Daher auch keine Bilder. Soweit, so gut.
Nun kommt der nächste Tag, starker Dauerregen wird erwartet. Der Plan ist, wir mummeln uns in unserem Camper ein und lassen uns von der Gasheizung verwöhnen. So verbringen wir den ersten Abend bei Kerzenlicht im regennassen Wald und legen uns beruhigt zur Ruhe. Die Überraschung kommt im Morgengrauen, beim ersten Blick aus dem Fenster traue ich meinen Augen nicht, der Boden sieht so weiß aus, hier war doch gestern kein Sand? Nein, kein Sand aber frisch gefallener Schnee. So etwas haben wir den ganzen Winter lang zu Hause nicht gesehen. Also Schnee statt Starkregen. Wir ziehen alles Warme übereinander an und machen einen kleinen Ausflug, weg aus dem Funkloch. Der aktuelle Wetterbericht ist wichtig, also fahren wir aus der Wildnis in die nächstgelegene menschliche Ansiedlung, nach Longview. Ein kleiner Cowboy Ort mit Tankstelle und einer kleine Coffee Hütte. Und gutem 5G Netz. Morgen wird ´s besser, der Schnee und Regen sind dann durch und eventuell sehen wir sogar die Sonne. Die Hütte ist gut bewirtschaftet, wir essen Cinnemon Rolls und trinken Cappuccino. Gesättigt und aufgewärmt geht es jetzt wieder zurück auf unserem Campingplatz, der hoffentlich nicht zu sehr eingeschneit ist. Die Geschichte kann ich erst weitererzählen, wenn wir wieder Netz haben. Also geduldet euch. Um uns macht euch bitte keine Sorgen, unser Motto ist: always expect the unexpected!
Der Waterton National Park liegt direkt an der amerikanischen Grenze, setzt sich grenzübergreifend in den Vereinigten Staaten fort und heißt dort Glacier National Park. Wir besuchen natürlich nur den kanadischen Teil. Es gibt einen gleichnamigen kleinen Ort direkt am Upper Waterton Lake gelegen. Der idyllische Ort hat nur 100 Einwohner, in der Saison werden es aber erheblich mehr. Die meisten Besucher bevölkern den riesigen Campingplatz, der einen großen Teil des Ortes einnimmt. Teilweise sind die Stellplätze am Seeufer gelegen, wir hatten das Glück, einen solchen in der ersten Nacht zu erwischen. Ein wirklich hübscher Ferienort mit eingeschossigen Holzhäusern, kleinen Hotels und Motels und ein absolutes Highlight: das Prince of Wales Hotel, einsam auf einer Anhöhe hoch über dem See gelegen. Es wurde 1927 erbaut, als der kanadische Westen durch eine Eisenbahnlinie erschlossen wurde und Touristen angelockt werden sollten. Die mussten natürlich gut untergebracht werden.
Einmalige Lage: das Prince of Wales Hotel
Vor acht Jahren brach die Katastrophe über Waterton herein: ein verheerendes Feuer vernichtete sehr viel Wald und auch Gebäude, das Visitor Center brannte ab und bis heute ist ein zweiter Campingplatz im Park noch immer geschlossen. Das ganze Land zitterte um das Prince of Wales Hotel, es wurde gut geschützt und die exponierte Lage ohne Bäume in Hotelnähe halfen mit, dieses historische Gebäude zu erhalten. Bei unseren Wanderungen im Park sind wir natürlich über viele Strecken durch verbrannten Wald gelaufen. Aber nach acht Jahren hat sich das Unterholz erholt, jetzt im Frühsommer ist alles grün und Wildblumen blühen um die Wette. Erste Nadelbäume sind bereits zwischen einem und zwei Meter hoch gewachsen. Für die Natur ist so ein Feuer ein Erneuerungsprozess, für uns Besucher ist es traurig anzusehen, wie auf ganzen Berghängen verbrannte Baumstämme stehen.
Die weißen Blumen im Unterholz heißen Bärengras und wachsen hier nur in bestimmten Gegenden. Sie blühen nur alle sieben Jahre. Nach dem Feuer haben sie sich stark vermehrt.
Bärengras, ein optischer Hingucker.
Die Bergwelt oberhalb der Baumgrenze ist grandios, Die Gipfel sind zwischen 2.500 und 3.000 Meter hoch und manchmal noch mit etwas Schnee bedeckt. Die Wanderwege sind sehr gut erschlossen, überall hängen detaillierte Beschreibungen, so kann sich jeder den geeigneten Wanderweg aussuchen.
Der Red Rock Canyon, nicht sehr gewaltig, aber das Farbenspiel macht es wett.
Blick auf Waterton Town, unter den Bäumen befindet sich der Campingplatz.
Direkt an unserem Stellplatz stehen diese beiden Adirondack Stühle, da haben wir gemütlich in der Abendsonne gesessen, aber leider gibt es hier im Park ein Wetterphänomen: Durch den abrupten Übergang von den Bergen zur Prärie entstehen starke Fallwinde, teilweise auch bedingt durch größere Unterschiede im Luftdruck. Also irgendwann wurde es doch zu ungemütlich. Übrigens ist es streng verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Also 20 Meter weiter hinten auf unserem Stellplatz hätten wir ein Weinchen trinken dürfen, auf den schönen roten Stühlen aber nicht.
Spannend ist der Übergang von der endlosen Hochebene zu den Rocky Mountains. Der Waterton National Park ist dafür ein gutes Beispiel. Auf dem Weg dorthin machen wir Station in Lethbridge. Nicht nur, weil es für die nächsten Wochen die mit 90.000 Einwohnern größte Stadt und damit wichtiger Versorgungspunkt ist, sondern weil es hier ein schönes Beispiel für gute Ingenieurskunst gibt. Es handelt sich um die größte und höchste Eisenbahnbrücke Kanadas. Und die ist tatsächlich zwischen 1907 und 1909 hier erbaut worden und steht noch da wie eine Eins. Sie überspannt den Oldman River und wenn man so darunter steht, sieht das schon ganz gewaltig aus, man selbst fühlt sich wie ein Zwerg.
Die Brücke ist 95 Meter hoch und 1,6 km lang. Zum Vergleich: der Kölner Dom ist 157 Meter hoch.
Für eine Zwischenübernachtung finden wir einen schönen Platz am See, in erster Reihe. Fast hätte es einen tollen Sonnenuntergang gegeben, wenn sich nicht wieder irgendwelche Wolken vor die Sonne geschoben hätten.
Fort McLeod ist überraschenderweise ein hübsches kleines Städtchen, da bummeln wir gern über die Main Street mit intaktem Einzelhandel. Natürlich unterstützen wir dies und kaufen zwei Geschirrtücher, denn die vom Wohnmobilvermieter taugen rein gar nichts.
Das eigentliche Ziel ist aber eine World Heritage Site, also ein Weltkulturerbe für indianische Bräuche. Es nennt sich „Head-smashed-in Buffalo Jump“ und das will ich jetzt lieber nicht übersetzen, das könnt ihr auch allein. Ich beschreibe lieber, was es ist. Bekanntlich lebten die Indianer ja im Einklang mit der Natur und nahmen nur, was sie zum Überleben brauchten. Zum Beispiel Bisons, die sie für Ernährung, Kleidung, Tipis und Werkzeuge brauchten. Und diese riesigen Tiere sind ja nicht ganz einfach zu jagen. Da haben sie verschiedene Techniken entwickelt und um eine davon geht es hier. Vor über 6.000 Jahren haben sie hier an diesem Ort Herden von Bisons zusammen getrieben und zu einer Klippe gejagt. Die Bisons waren in Panik und konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen, sie fielen über die etwa 20 Meter hohe Klippe. Das brach ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Genick. Und ein ganzer Stamm konnte einen langen Winter im Überfluss leben. Im angeschlossenen Museum finden sich anschauliche Beispiele dafür, was die First Nations, wie die Ureinwohner hier genannt werden, aus dem Fell, Sehnen und Knochen eines Bisons herstellen konnten. Und das wie gesagt schon vor 6.000 Jahren. Sehr beeindruckend.
Die Berge kommen näher und wir verlassen die Prärie oder besser gesagt das Farmland.
Neben den weitläufigen Prärien gibt es in Nordamerika die sogenannten Badlands. Es handelt sich dabei um zerklüftete Lehm- und Sandsteinformationen, die durch Erosion entstanden sind. Was dieses „schlechte Land“ so sehenswert macht, ist das Farbenspiel der unterschiedlichen Gesteinsarten. In Kanada ziehen sich die Badlands in einem etwa 1000 km langen Streifen entlang des Red Deer und des Milk Rivers bis an die amerikanische Grenze. Unsere erste Nacht mit unserem Camper verbringen wir auf einem idyllischen Platz am Red Deer River mit Blick auf die wellenförmigen Hügel. Den Abend können wir noch draußen sitzen, dann beginnt es zu regnen und hört auch so schnell nicht wieder auf. Die Hoodoos können wir uns auf unserer Fahrt zum Dinosaurier Provincial Park nur in einer kurzen Regenpause anschauen. Diese farbenprächtigen, pilzförmigen Felsnadeln kommen ohne Sonnenlicht nicht wirklich zur Geltung.
Die Sicht war noch etwas getrübt durch Rauch, der von den Waldbränden im Norden des Landes in südliche Richtung geweht wurde. Der Wind hat sich wieder gedreht und jetzt haben wir wieder gute Sicht.
Unterwegs stoppen wir an einer Ansammlung Hoodoos, wie diese Felsennadeln genannt werden. Es hat den ganzen Tag geregnet, aber wir konnten eine kurze Regenpause für einen kleinen Rundgang nutzen.
Nun hoffen wir auf besseres Wetter für den nächsten Park in den Badlands, dem Dinosaurier Provincial Park. Es handelt sich um eine der wichtigsten Fundstellen für versteinerte Dinosaurier Skelette. Seit den Fünfziger Jahren wurden hier über 300 komplette Dinosaurier Skelette ausgegraben und über 30 neue Spezies entdeckt. Bis heute finden hier Ausgrabungen statt. Da dürfen wir natürlich nicht hin, aber es gibt einen schönen Rundweg mit tollen Ausblicken in die Erosionslandschaft. Und einen wunderschön gelegenen Campingplatz, Grund für uns, diesen Park aufzusuchen.
Schattiger Platz unter Bäumen, wird jetzt wichtig, denn der Regen hat sich verzogen.
Viele Wege im Park sind noch nicht begehbar, denn der Untergrund ist glatt wie Schmierseife, da geht man nicht durch eine Felsenlandschaft.
Zwei Tage lassen wir uns Zeit für den Writing on Stone Provincial Park, nahe der amerikanischen Grenze. Der Campingplatz liegt am Ufer des Milk River und die Attraktion sind hier wieder die erodierten Felsnadeln, diese Hoodoos. Wir gehen früh los, in der prallen Sonne wird es recht heiß. Den Nachmittag können wir auf unserem schattigen Campingplatz verweilen. Und ich versuche ständig, eine stabile Internetverbindung zu erwischen, nicht ganz einfach in dieser dünn besiedelten Gegend. Wenn ihr das hier lest, hat es geklappt.
Erstmal einen Überblick von oben gewinnen, morgen gehen wir durch die Felsenlandschaft entlang des Flusses.
Hinter uns endlose Prärie, aber landwirtschaftlich genutzt, keine Bisons mehr!
Frühstück am Freien, so beginnt der Tag perfekt.
Frisch gestärkt beginnen wir unsere Wanderung zu den Hoodoos.
Zwei Pilzköpfe und ein Hoodoo
Am Milk River, unter den Bäumen im Hintergrund befindet sich unser Campingplatz.
Das hören wir gerne, denn diese unendlichen Graslandschaften Nordamerikas mit Millionen von Büffeln haben es uns angetan. Deshalb wollten wir eine eigene Reise der Prärie widmen. Doch ganz so einfach ist das gar nicht, denn seit der Ankunft der ersten weißen Siedler aus Europa hat sich der amerikanische Kontinent verändert. Die Bisons wurden beinahe komplett ausgerottet und aus dem Grasland wurden die Plains, riesige Anbauflächen für Getreide. Das Gegensteuern kam spät aber nicht zu spät. Um das Überleben der Bisons zu ermöglichen, wurden Schutzgebiete ausgewiesen und tatsächlich ist die Anzahl dieser mächtigen Tiere in Kanada auf etwas über 10.000 angestiegen. Die Kurzgrasprärien wiederherzustellen ist nicht mehr möglich, durch Rodungen, landwirtschaftliche Nutzung und spätere Brachen ist Ödland entstanden, das nicht mehr kultiviert werden kann. Also keine guten Nachrichten für Liebhaber der Prärie.Es gibt aber noch einige Schutzgebiete und Nationalparks, die sich dem Erhalt dieser ursprünglichen Landschaftsform verschrieben haben und die wollen wir aufsuchen. Man findet sie in den südlichen Provinzen von Alberta und Sasketchewan entlang der Grenze zu den USA. Mal sehen, ob wir auch Bisons sehen werden. Unsere Reiseroute führt uns auch ins Gebirge, wir werden Nationalparks in den Rocky Mountains besuchen und abseits der Hauptrouten zu entlegenen Campingplätze in Naturparks fahren. Lust bekommen mitzureisen? Nur zu, vier Wochen liegen vor uns und wir hoffen nur noch, von den Waldbränden, die derzeit vor allem in den nördlichen Landesteilen toben, verschont zu bleiben. Hier noch ein paar Eindrücke aus Calgary, dem Startpunkt unserer Rundreise.
Downtown Calgary, eine sehr moderne Metropole mit 1,4 Mio. Einwohnern. Die Hochhäuser sind nicht nur Bürogebäude, viele sind auch bewohnt, was man oft an den Balkonen erkennt, die bis in schwindelerregende Höhen gebaut werden.
Freiflächen zwischen den Wolkenkratzern werden für gepflegte Grünanlagen genutzt.
Da gibt es genügend Raum für Kunstwerke wie diese galoppierenden Tiere.
Moderne Skyline und als Kontrast dazu das Rathaus von Calgary.
Hier beginnt die Fußgängerzone „Stephen Avenue Walk“
Es sind nicht die Top-Sehenswürdigkeiten, aber dennoch ist die nähere Umgebung von Riva interessant genug für Ausflüge. Altes Gemäuer ist immer dabei, ob als Dorf oder Städtchen oder eine der vielen Burgen und natürlich Berge, üppig bewachsen und saftig grün. Wir sind zwar im sonnigen Süden, aber trotzdem gibt es immer noch genügend Regen, zum Beispiel heute. Erst gegen 14 Uhr sind wir aufgebrochen, im strömenden Regen geht man auch im Urlaub nicht gern vor die Tür.
Arco liegt nur wenige Kilometer nördlich von Riva, eine sehenswerte Altstadt und mittendrin ein 150 Meter senkrecht aufragender Felsen mit einer Burg obendrauf. Da sind wir gleich mal hochgeklettert. Von der Burg ist nicht viel übrig geblieben, nachdem die Franzosen eingefallen sind und Riva erobert haben. Das war 1703 und anschließend schossen sie die Burg vom gegenüberliegenden Berg aus in Schutt und Asche.
Die Burganlage zieht sich über den gesamten Felsen und konnte nach allen Seiten gut verteidigt werden, aber den Kanonen der Franzosen hielt sie nicht stand, zwei Türme sind in Teilen erhalten geblieben.
Arco hat einen historischen Stadtkern, den man sich auf jeden Fall anschauen sollte.
Der Gardasee im Hintergrund lässt sich mehr erahnen, als dass man ihn sieht.
Weit unten liegt der Gardasee etwas im Dunst.
Etwas weiter in den Bergen liegt der kleine, aber malerische Tennosee. Er ist vor etwa 1.000 Jahren durch einen Erdrutsch entstanden, der seitdem das Flüsschen Rio Secco aufstaut. Ein Spazierweg führt rund um den See, in dem man auch baden kann, wenn man mit 21 Grad Wassertemperatur zufrieden ist. Der See ist übrigens tatsächlich türkis!
Ganz in der Nähe liegt das Bergdörfchen Canale di Tenno. Nach dem 2. Weltkrieg lag es verlassen da und wurde erst in den Sechzigerjahren wiederentdeckt. Künstler waren die Ersten, die sich hier wieder niedergelassen haben und das Dorf zu einem der schönsten Italiens machten. Man fühlt sich zurückversetzt ins tiefste Mittelalter, wenn man durch die niedrigen Bogengänge und die steilen Gassen geht.
Die Küstenstraßen sind gut gefüllt und Parkplätze rar, also nehmen wir das Schiff als Beförderungsmittel. Vom Wasser aus hat man auch noch einmal eine andere Sicht auf die Dinge. Mit der Tageskarte schippern wir zunächst vorbei an Surfern und Seglern nach Limone, der Zitronen wegen. Obwohl der Ortsname gar nichts mit Zitronen zutun hatte, sondern abgeleitet ist vom Begriff „Limen“ für Grenze. Auch die Kelten verwendeten bereits den Namen Limon, aber die ersten Zitronenbäume wurden erst im 17. Jahrhundert gepflanzt. Übrigens möchte ich an dieser Stelle aufräumen mit den Meldungen über einen austrocknenden Gardasee. Natürlich will ich den Klimawandel nicht in Abrede stellen, aber das Niedrigwasser des Frühjahrs ist mittlerweile nach etlichen Regenfällen wieder aufgefüllt, die Isola del Garda wird wieder mit dem Schiff angefahren und wenn man sich die Hafenbecken ansieht, sieht man eine Wasserlinie im normalen Bereich.
Bei Wassersportlern ist der Gardasee sehr beliebt, die Windverhältnisse kommen den Seglern und Surfern entgegen. Aber noch beliebter ist er bei den Radfahrern, sie tauchen überall mit ihren Mountainbikes auf, auf vollbesetzten Schiffen und in den engen Fußgängerzonen, wo manch ein Biker es nicht für nötig hält, mal abzusteigen. Nichts gegen den Radsport, ist auf jeden Fall die ökologisch beste Fortbewegungsart, nur manchmal eben nicht ganz passend.
Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir Limone.
Die Zitrone ist hier allgegenwärtig, die Andenkenläden kennen nur die Farbe gelb, erstaunlich, was man alles zum Thema Zitronen produzieren kann.
Die Zitronen aus Limone gelten als besonders saftig und werden größer als die Früchte von anderswo.
In den engen Gassen drängeln sich die Besucher, aber das ist eben so, wenn sich auf engem Raum viele Menschen aufhalten. Die Schiffe sind zwar sehr voll, aber irgendwie schafft es doch jeder auf ein Boot und ergattert auch noch einen Platz im Ristorante oder einer schattigen Bar. Wir haben jetzt Hochsaison, aber noch mehr Touristen sollten es besser nicht mehr werden. Wir sind über unsere Wahl von Riva del Garda als Standort übrigens sehr zufrieden, denn hier ist viel mehr Platz für all´ die Besucher, natürlich ist der Ort auch größer und liegt nicht direkt an steilen Felsen.
Ein weiteres Highlight direkt gegenüber von Limone ist Malcesine, mit einem sanft ansteigenden Hinterland.
Blickfang ist das Castello Scaligero. Es war ursprünglich eine Langobardenburg, wurde aber mehrfach umgebaut, zuletzt von den Österreichern im 19. Jahrhundert.
Sehr beeindruckend, wie die Burg auf dem Fels erbaut wurde.
Der Palazzo dei Capitani wurde auf römischen Ruinen errichtet und später im venezianischen Stil umgebaut.
Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man Limone.
Oder jedes Jahr – da gehen die Meinungen auseinander. Aber Tatsache ist, dass die Deutschen den größten See Italiens schätzen, die Süddeutschen stellen hier das größte Kontingent an Touristen. Da haben wir tatsächlich eine touristische Bildungslücke bei uns entdeckt und die wollen wir jetzt schnell schließen. Wir haben uns in Riva del Garda einquartiert und wollen in den nächsten vier Tagen die Region erkunden. Die Stadt am Nordufer gefällt uns ausnehmend gut, eine autofreie Altstadt lädt ein zum gemütlichen Bummeln. Riva hat einen mondänen Touch mit Palazzi und Grand Hotels, die schon den Beginn des Gardaseetourismus Anfang des letzten Jahrhunderts erlebt haben. Aber schaut selbst.
Das Nordufer des Gardasees wird von hohen Bergen eingerahmt.
Das Wahrzeichen der Stadt, der Torre Apponale.
Das Wasserschloss Rocca di Riva, heute ein Museum.
Der Blick auf den See ist top!
Von Riva aus erreicht man alle wichtigen Orte mit dem Schiff.
Es gibt genügend Gastronomie für die vielen Besucher, die jetzt zur Hochsaison hier ihren Urlaub verbringen.
Die reich verzierten Gebäude lassen auf wohlhabende Einwohner schließen.
Und genügend Geschäfte zum Shoppen sind auch vorhanden.
Heute war unser letzter Tag auf der Insel, Zeit für ein Fazit. Elba ist eine vielseitige Ferieninsel mit vielen, kleinen Dörfern und Küstenorten. Die Strände sind nur im Süden sandig und etwas größer, sonst gibt es Kiesstrand und Felsenküste. Ist ja nicht schlimm, muss man nur wissen. Aber jeder kann für seinen Geschmack den passenden Ort finden, auch wir haben „unser“ Plätzchen am Wasser entdeckt und dort den letzten Tag verbracht. Bei strahlend blauem Himmel und 28 Grad im Schatten. Glasklares und wohltemperiertes Wasser, kein Gedränge am Strand, was will man mehr!
Und unseren Cappuccino bekommen wir hier auch.
Man kann sogar den höchsten Berg der Insel sehen, den Monte Capanne (1.016 m).
Ein letzter Bummel durch die Altstadt, morgen geht es weiter zu einem See. Nur so viel sei verraten: wir fahren in nördlicher Richtung, Ciao!
Es war eine dramatische Flucht von Paris nach Elba. Napoleon sollte unerkannt bleiben auf der Fahrt durch Frankreich und es musste schnell gehen. Der abgesetzte Kaiser musste quasi mit der Aktentasche unterm Arm fliehen. Auf Elba allerdings wurde er mit offenen Armen empfangen, wer kann schon einen Kaiser aufnehmen, vor allem wenn man wie die Elbaner eher im Schatten von Glanz und Gloria lebte. Doch wo bringt man auf die Schnelle einen Kaiser a.D. unter? Die ersten Nächte musste sich Napoleon mit einer eilig hergerichteten Kammer im Rathaus zufrieden geben. Aber sofort wurde mit dem Bau einer Stadtvilla begonnen, oberhalb von Portoferraio. Nach nur vier Wochen Bauzeit soll Napoleon eingezogen sein, allerdings waren da noch längst nicht alle Räume fertig. Aus Paris wurde Mobiliar herangeschafft und auch 2.000 Bücher aus seiner Bibliothek, der Mann war gebildet und belesen.
Und er machte sich auch nützlich, so ein Kaiser ist es ja gewohnt, Anweisungen zu geben. Zum Wohle des Volkes natürlich. Er sorgte zum Beispiel für den Bau einer Kanalisation und gab der Landwirtschaft Impulse. Aus seiner Heimat Korsika ließ er Setzlinge kommen und forstete auf.
Freundlicher Empfang auf Elba
Die kaiserliche Stadtvilla mit Blick zum Meer und zum Hafen hinunter.
Natürlich braucht so ein Kaiser auch repräsentative Empfangsräume und da muss es gülden glänzen.
Das intime Speisezimmer, Bankette konnte er nicht mehr ausrichten.
Des Königs Bett, das er seiner Schwester überließ, als diese von der Toskana zu Besuch kam. Mittlerweile war die Schlafstatt mit kaiserlichem Baldachin aus Paris angekommen.
Das Arbeitszimnmer mit Bücherwand.
Aber so ein Kaiser braucht natürlich auch einen Landsitz, wohin er sich an heißen Tagen zurückziehen kann. Es gab nur ein Problem: er hatte kein Geld. Seine vereinbarte Apanage war nicht eingetroffen, aber da sprang seine wohlhabende Schwester ein und kaufte ihm ein stadtnahes Grundstück und ließ darauf eine Landvilla errichten. Auf dem Foto ist ein Gebäude mit Säulen zu erkennen, welches erst einige Jahre später als Galerie errichtet wurde. Das Gebäude dahinter ist Napoleons Villa.
Eher bescheiden, der Landsitz, im Untergeschoß Küche und Wirtschaftsräume, im oberen Stockwerk Empfangsräume und zwei Schlafgemächer.
Tolle Aussicht bis nach Portoferraio. Eigentlich hätten der Kaiser hier seinen Lebensabend verbringen können, doch was ein echter Imperator ist, gibt keine Ruhe. Nur gut 10 Monate hielt er es auf Elba aus, dann wollte er es nochmal wissen. Aber er scheiterte gründlich und die nächste Verbannung war endgültig und so weit weg wie es ging: nach St. Helena im Südatlantik, wo er auch verstarb.
Heute ist Ausflugstag, wir umrunden den Westteil der Insel. In der Mitte erhebt sich der mit 1000 Metern höchste Berg Elbas und die Küstenstraße führt um diesen Berg herum. Die Insel ist komplett bewaldet, scheinbar waren die Elbaner keine Seefahrer und mussten daher ihre Wälder nicht roden. Die Küste ist steil und felsig, nur an ganz wenigen Stellen kommt man mit dem Auto an eine kleine Bucht. Badeenthusiasten parken an den wenigen Stellen, die dazu geeignet sind und klettern dann hinab zu den meist felsigen Stränden. Aus dem Alter sind wir raus. Dafür kraxeln wir aber mit Begeisterung in Bergdörfern herum und finden immer eine Bar, die köstlichen Cappuccino für uns brüht. Diese Küstenstraße bietet nur an wenigen Stellen Aussicht aufs Meer, eben wegen des dichten Waldes. An der Südküste gibt es sogar Sandstrand und einen hübschen Badeort an einer weiten Bucht, da haben wir die kurvige Bergstraße schon hinter uns gelassen.
Und hier sind sie, die Farben von Elba: Blau und türkis das Meer, weiß die Felsen und grün der Wald.
Poggio und Marciana sind die bekanntesten Bergdörfer Elbas.
In Richtung Südküste gibt es die ersten kleinen Dörfer an der Küste.
Und wenn die Sandstrände beginnen, wird es gleich turbulent am Strand. Wir haben ein neues Adjektiv erfunden, als wir diesen Strand sahen: „zugeschirmt“.
Keine Sorge, nicht wir wurden hierher verbannt, sondern der berühmteste Korse, nach seinem Waterloo. Wir sind freiwillig hier um die Insel zu erkunden und im Meer zu baden. Napoleon hielt es ein Dreivierteljahr aus, dann zog er weiter. Elba war schon in der Frühzeit besiedelt, das lag auch an seinen reichen Eisenerzvorkommen. Natürlich hinterließen auch die Römer ihre Spuren, es gibt die Überreste einer römischen Villa zu besichtigen. Der Tourismus setzte in den 50er Jahren ein und heute fahren die Autofähren unablässig zwischen Festland und Insel hin und her. Und wenn ein Kreuzfahrtschiff anlegt, kommen gleich 2500 Touristen oder mehr. Aber so groß ist diese Insel gar nicht, etwa 27 km lang und maximal 18 km breit. Durch die zerklüfteten Berge, die bis zu 1.000 Meter hoch aufragen, schlängeln sich enge Sträßchen. Es gibt hübsche Bergdörfer und vor allem Badebuchten, die sich rund um die Insel verteilen. Allerdings sind die schönsten Badeplätze schwer zugänglich, man muß steile Einstiege überwinden. Aber das größere Problem sind die fehlenden Parkplätze. Es gibt nur wenige Haltebuchten und die sind schon früh am Tag voll belegt. An den weniger berühmten Buchten findet man aber Plätze zum Baden, das Wasser ist angenehm temperiert und liefert eine willkommene Abkühlung bei meist 30 Grad im Schatten.
Blick auf den Hauptort Portoferraio
Bestens zugänglich: die ortsnahen Badestrände, hier Cavo an der Nordküste
In Porto Azzuro
Rio nell´Elba in den Bergen gelegen und enge Gassen als Herausforderung.
Hier mussten wir durch, und unser Auto ist 1,83 m breit. Martin hat es geschafft, ohne Kratzer!
Bougainvilleas fühlen sich wohl hier.
Hier haben wir lecker Fisch gegessen, im Ristorante Mare. Wer hat sich nur diesen Namen einfallen lassen?
„This is a wonderful City, it would be worth travelling one thousand miles to see it“.
Und dabei gab es damals noch keinen Aperol Sprizz und Cappucchino. Damit ist auch schon alles gesagt über diese Stadt. Viele historische Gebäude, pittoreske Altstadt, Bars und Trattorias. Genuss für Leib und Seele. Aber auch eine schweißtreibende Angelegenheit bei 30 Grad im Schatten. Da geht man doch lieber auf der Schattenseite der Straße und freut sich über die vielen Bogengänge. UNESCO Welterbestadt ist sie zu recht, sakrale Bauwerke sowie zwei Paläste, der Palazzo Ducale mit 450 Räumen als Sitz der Adelsfamilie Gonzaga sowie deren Lustschloss Palazzo del Te. Kaiser Karl V. machte sie zu einer der bedeutendsten Herrscherfamilie Italiens. Vor allem die Malereien in den beiden Palazzos sind sehenswert, Einrichtungsgegenstände sind nicht erhalten geblieben.
Im Palazzo Ducale
Eines muss ich noch loswerden. Mantua ist die Stadt der Müllmänner! Immer wenn wir uns irgendwo niedergelassen haben, um unseren Wasserhaushalt aufzufüllen oder weil wir Hunger hatten, kamen mittelgroße Müllautos vorbeigefahren. Und nicht nur eines, in einigem Abstand fuhren bis zu acht Müllautos vorbei, hielten auch mal an, um Müllsäcke oder Pappkartons aufzuladen. Und das nicht nur am Samstag, sondern auch heute, an einem Sonntag im katholischen Italien!
Morgen kommt die nächste Etappe in Richtung Süden, die Insel ruft.
Unser letzter Tag in Südtirol beginnt mit Gewitter und Regen, also können wir erst am Mittag losziehen. Unser Ziel ist heute die Seceda, ein 2.519 m hoher Berg bei St. Ulrich. Wir nehmen die Seilbahn nach oben und wollen über die Alm zurückwandern. Es ist nicht gerader strahlender Sonnenschein, aber nach dem Regen ist die Sicht jetzt sehr gut, die Luft ist klar und es hat auch etwas abgekühlt. Kurz bevor wir den Gipfel erreichen, passiert etwas Unglaubliches. Eben noch haben wir den Blick in die umliegende Bergwelt genossen, und plötzlich, wie aus dem Nichts, schieben sich Wolken die Bergwand empor. In zwei Minuten ist alles dicht, wir stehen im Nebel und sehen – nichts! So ratlos waren wir selten. Der Berg fällt nach Norden hin steil ab, daher wurde eine Brüstung errichtet und da stehen wir jetzt und warten. Nach einiger Zeit entstehen kleine Lücken, Teile des Abbruchs werden sichtbar, aber wie von Geisterhand gesteuert steigen immer wieder neue Wolken den Steilhang zu uns empor. Ist doch klar, unten ist die Luft wärmer, der Wind weht sie am Hang entlang nach oben, sie kühlt ab und schon sind die Wolken da und nehmen uns die Sicht. Der Wind wird dann etwas schwächer und wir können unsere Wanderung fortsetzen, es kommen auch wieder Berge zum Vorschein. Aber den besten Ausblick vom Gipfel der Seceda haben wir leider verpasst. Der Weg zurück über die saftig grünen Almen und die Tatsache, dass es wenigstens nicht regnete, hat uns entschädigt.
Auf dem Weg nach oben Blick auf den Langkofel, diesmal von deren anderen Seite.
Der Nebel hat sich gelichtet, wir können wieder etwas weiter gucken.
An der Kante zum Steilhang hört die Alm ganz plötzlich auf…
… und jetzt sieht man den Weg auch wieder.
Rückweg über die Alm.
Und irgendwann zeigte sich auch die Sonne nochmal kurz.
So, das waren die letzten Bilder aus Südtirol, morgen geht es weiter in Richtung Süden. Lasst euch überraschen!
Endlich! Nachdem ich zwei Tage lang die Annehmlichkeiten unseres Zimmers mit Aussicht schätzen lernte, habe ich einen fiebrigen, grippalen Infekt hinter mir gelassen und wir konnten endlich unseren Ausflug auf die Seiser Alm starten. Bereits vor 20 Jahren haben die Tourismus-Verantwortlichen gemerkt, dass sie etwas gegen die von Jahr zu Jahr steigende Zahl von Tagesbesuchern auf der Alm unternehmen mussten. Die Parkplätze wurden immer größer und der Verkehr belastete die idyllische Hochalm zusehends. Die Lösung war eine Seilbahn und ein Verbot, jawohl, man kann tatsächlich für das Gemeinwohl auch mal etwas verbieten, wenn es sinnvoll erscheint. Seit Eröffnung der Seilbahn dürfen Touristen nur dann mit ihrem PKW auf die Alm fahren, wenn sie dort eine Unterkunft gebucht haben. Und es funktioniert tadellos. An der Talstation gibt es genügend kostenfreie Parkplätze und die kostenlosen Busse fahren natürlich auch hierhin. Auf der Seiser Alm gibt es zusätzlich noch einen Shuttlebus, der bis an andere Ende der Alm fährt.
Wir haben uns für heute die Puflatsch-Runde vorgenommen, ein 9 km langer, moderater Rundweg mit wunderbaren Ausblicken in die umliegende Bergwelt. Theoretisch. Wenn es nicht so diesig wäre. Es ist ungewöhnlich warm für die Jahreszeit, bis 28 Grad in Seis und schwül. Ein nettes Gespräch mit dem Hotelier macht immer schlauer, denn nun wissen wir, dass Saharasand angeflogen kam, der seinen Teil zur schlechten Sicht beigetragen hat. Leider konnten wir die etwas entfernter liegenden Dreitausender nicht sehen und die Fotoausbeute bedarf einer Nachbearbeitung. Ich habe mit Bordmitteln versucht, den Dunstschleier wegzubekommen, aber so richtig klappt das erst zu Hause mit Lightroom. Also guckt euch die Fotos an, sie vermitteln jedenfalls einen kleinen Eindruck von der wunderschönen Berglandschaft.
Das Postkartenmotiv schlechthin, der Schlern mal aus einer ganz anderen Perspektive. Dieses Bergmassiv sieht immer wieder anders aus, je nachdem, wo man steht.
Die Almwiesen stehen in voller Blüte, im Vordergrund seht ihr die Alpenrosen-Teppiche.
Hier die Alpenrosen noch einmal von Nahem, da fällt dem Kenner doch sofort auf, dass sie aussehen wie Rhododendren. Genau so ist es, nur der Volksmund nennt sie Alpenrosen.
Und es geht weiter in der Botanik, hier seht ihr die Alpen-Anemone.
Und dann steht da plötzlich ein Pferd im Flur – äh – auf dem Weg. Kein Problem, wir verstanden uns gut und sind dann einfach weitergewandert.
Und dann die Kühe, aber die waren eingezäunt. Martin hat sie schon die ganze Zeit gerochen, also ihre Hinterlassenschaften.
Almhütten liegen verstreut auf den Wiesen, einige davon kann man auch mieten. Und das komische Ding etwas unterhalb der Bildmitte gehört zu Beschneiungsanlage. Ohne künstlichen Schnee gäbe es keine Wintersaison mehr auf der Seiser Alm.
Hier gab´s guten Kaiserschmarrn.
Viel Alm und im Hintergrund links der Langkofel und rechts, wie könnte es anders sein, der Plattkofel.
Und wenn ihr jetzt denkt, wir hätten uns einen Garten mit Rosen angeschaut, dann irrt ihr gewaltig. Der Rosengarten in Südtirol ist ein Bergmassiv, das zum Naturpark Schlern gehört und bei Kletterern sehr beliebt ist. Für die erste Bergwanderung haben wir uns den Einstieg erleichtert und sind mit dem Lift zur Kölner Hütte auf 2.337 m gefahren. Dort beginnt ein wunderschöner Panoramaweg, der Hirzelsteig.
Der erste Enzian sah noch etwas mickrig aus, es handelt sich um den Frühlingsenzian.
Aber dann haben wir doch noch „richtigen“ Enzian am Wegesrand gefunden.
Der Rückweg war recht anstrengend, 700 Höhenmeter im Abstieg über felsiges Gelände mit rutschigem Schotter, das merkt man dann am nächsten Tag, wir sind eben doch nur Flachlandtiroler. Der Muskelkater in den Oberschenkeln macht Treppensteigen nicht gerade zum Vergnügen. Also geht´s zum Auslaufen auf ebener Strecke nach Bozen.
Der öffentliche Nahverkehr hier in Südtirol ist vorbildlich ausgebaut. Wir haben im Hotel eine Buskarte bekommen, damit können wir alle Busse im weiteren Umkreis kostenlos nutzen. 100 Meter vom Hotel entfernt gibt es eine Bushaltestelle, die Fahrzeit nach Bozen beträgt nur 40 Minuten, da wären wir mit dem Auto auch nicht schneller. Der Bus war voll besetzt, das Angebot wird gut angenommen.
Die Bozener Altstadt ist hübsch anzusehen und es gibt zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, keine Billigketten, jedenfalls nicht hier im Zentrum. Den Ötzi besuchen wir dieses Mal nicht, den haben wir schon vor 22 Jahren gesehen und er wird sich seitdem nicht verändert haben. Wir bummeln kreuz und quer und laben uns an einem guten Cappuccino im Heimatland unseres Lieblingskaffeegetränks.
Leute, gute Nachrichten: es geht wieder los! Bella Italia ist das Ziel und wir wollen alles, Berge und Meer und den beliebtesten See unserer Landsleute erkunden. Drei Wochen lassen wir uns Zeit und sind mit unserem Auto unterwegs. Das bedeutet, wir haben immer ein festes Dach über dem Kopf, vier Hotels sind gebucht und das erste davon kennen wir bereits. Denn vor 22 Jahren waren wir auf Hochzeitsreise zuerst in Seis am Schlern in einem schnuckeligen Hotel mit sensationeller Aussicht und hervorragender Küche. Es nennt sich Mirabell Alpine Garden Hotel und hat sich ein wenig verändert, ein Wellness-Bereich mit Hallenbad kam dazu sowie ein kleiner Anbau, aber alles fügt sich harmonisch in das bestehende Ensemble ein. Ursprünglich gehörte das Anwesen einem russischen Grafen, der Anfang des 20. Jahrhunderts einen Bauernhof kaufte und von einem namhaften Architekten eine Villa errichten ließ. Die Villa wurde mit wertvollen Möbeln und Kunstwerken eingerichtet und illustre Gäste weilten hier. In den 1920er Jahren brauchte der Graf Geld und wandelte die Villa in eine Pension um, die er 1936 an die Großeltern des jetzigen Besitzers verkaufte.
Mittlerweile wird das Haus in vierter Generation geführt und uns gefällt es hier noch genauso gut wie vor 22 Jahren. Gediegene Atmosphäre, ein wunderschöner, weitläufiger Garten mit Teich, ein großzügiger Pool und im Hintergrund immer dieser eindrucksvolle Berg, der Schlern, das Wahrzeichen Südtirols. Hier nun die ersten Eindrücke vom Ankunftstag.
An unserem 22. HochzeitstagMirabell Alpine Garden HotelUnverbaubarer Blick auf den Schlern
Wir haben in den zurückliegenden 12 Tagen eine sehr persönliche Betreuung von einem stets gut gelaunten und engagierten Team an Bord erlebt. Gestern Abend durften wir erleben, dass sich auch das Team hinter den Kulissen offensichtlich wohl fühlt an Bord und für einen großen Spaß zu haben ist. Auf dem Programm stand die Band „80 Degree North“. Es war erst ihr zweiter Auftritt und wir sahen unseren Kabinsteward, den Zodiac-Fahrer, einen ersten Offizier und die Hotelchefin an den Instrumenten, der charismatische Sänger bedient uns sonst im Speisesaal. Innerhalb von Minuten hatten sie das Publikum auf ihrer Seite, es gab Szenenapplaus und Jubel nach jedem Stück. Einige hielt es nicht mehr auf den Sitzen, der Rock´n Roll ist unserer Altersklasse eben in Fleisch und Blut übergegangen. Nach einer guten halben Stunde war es vorbei, mehr Stücke hatten sie noch nicht einstudiert. Ein Riesenspaß für die gesamte Crew und uns Gäste.
Es war sehr angenehm, dass wir eine überschaubare Reisegruppe von rund 150 gleichgesinnten Reisenden waren, Naturliebhaber und Fans von nordischen Temperaturen. Wer tiefer eintauchen wollte, konnte sich dem Wissenschaftsteam anschließen, Wasserproben nehmen und unter dem Mikroskop untersuchen. Das Expeditionsteam bestand aus Biologen, Glaziologen, Ornithologen, Meereskundler oder Studenten dieser Fachrichtungen. Unsere Fragen konnten wir immer loswerden.
Der Kapitän hatte sich für den letzten Abend noch eine Überraschung ausgedacht: er ließ ein Farewell Dinner ausrichten, mit einem besonderen Menü. Und das Schiff legte er direkt vor einen Gletscher und drehte es so, dass wir vom Speisesaal aus den Gletscher gut sehen konnten. Danach noch auf ein Sekt in der Explorer Bar und die gesamte Crew zeigte sich noch einmal ausgelassen beim Vorbeimarsch.
Es war insgesamt eine wunderbare Reise in eine abgelegene Gegend, wo sich sonst niemand verirrt, etwa 800 Kilometer vom Nordpol entfernt. Wir haben so viele Gletscher gesehen, dass wir sie nicht mehr zählen können. Das Highlight sind ja immer die Eisbären und auch die konnten wir aus sicherer Entfernung beobachten. Zudem war noch eine Walbeobachtungstour dabei. Unser Fazit ist: eine unvergessliche Reise mit einem engagierten Team, nicht ganz billig, aber seinen Preis wert. Hurtigruten können wir uneingeschränkt empfehlen.
Jetzt legen wir erstmal eine Pause ein und verarbeiten die Eindrücke aus dem Reisejahr 2022. War wieder schön, euch dabei gehabt zu haben und danke für euer Kommentare.
Flughafen Longyearbyn, ein letzter Blick und dann zurück ins warme Deutschland
Es ist etwas wärmer geworden, so um die acht Grad, aber noch immer hängen tiefe Wolken über Spitzbergen. Unser Landgang führt uns heute in den Isfjord zum Hemsedal. Eine kleine Schlucht mit Wasserfall überrascht uns mit viel Grün, bei jedem Schritt sinke ich tief ein in weiches Moos. Die geologischen Formationen ringsum machen sich gut auf den Fotos und ein bewölkter Himmel kann auch zur Dramatik beitragen. Heute ist der letzte Tag auf dem Schiff, es wird schon wieder viel zu viel über Koffer geredet, Busse zum Flughafen und so weiter, das mag ich noch gar nicht hören. Das Erkunden dieser dramatischen und archaischen Landschaft kurz vor dem Nordpol hätte ruhig noch ein wenig weitergehen können, der ganze Archipel ist ein einziger Naturpark. Also sitze ich hier in der Explorer Lounge und genieße den 180 Grad Rundumblick, solange es geht. Alles andere ist ja erst morgen.
Das stammt von Eisbären, aber natürlich dürfen wir das nicht anfassen, aber fotografieren
Die Wettervorhersage ist nicht ganz optimal, bewölkt und eventuell etwas Regen. Aber wir haben Glück, als unsere Gruppe aufgerufen wird, ist es zwar trübe, aber trocken. Wir können ganz nah an den Gletscher herangehen und uns zwischen den Eisbrocken tummeln. Aber die Gefahr lauert immer und überall: wir sollen nur den linken Teil des Geländes betreten, rechterhand wird etwas beobachtet, was noch nicht identifiziert wurde. Im Falle einer drohenden Gefahr würde die Expeditionsleiterin ihre Trillerpfeife einsetzen. Diese hören wir heute nicht, aber im nassen Sand sind eindeutig Spuren eines Eisbären zu erkennen. Die fotografiere ich gerne, den Eisbären selbst brauche ich nicht so nahe am Strand.
Er war hier – ganz sicher!
Am Nachmittag gehen wir noch einmal an Land, wir können im flachen Gelände ausgiebig spazieren gehen. Am Strand liegt noch ein Boot von Walfängern, die hier im letzten Jahrhundert Belugas jagten, einen Walfriedhof gibt es auch, die Knochen gehören zum Naturschutz und dürfen nicht berührt werden. Obwohl die flache Ebene kaum bewachsen ist, finden sich niedrige Flechten und winzige Pflänzchen, die noch winzigere Blüten von etwa fünf Millimeter Größe ausbilden. Macht Spaß, die zu fotografieren, was gar nicht so einfach ist. Man muß sich dazu auf den Boden legen und braucht etwas Zeit, bis alles richtig im Sucher zu sehen ist.
Der Guide muß sehr aufmerksam sein, links sieht man die Signalpistole und rechts das Gewehr
Nebel hüllt uns ein, so dicht, dass man rund ums Schiffs nichts wahrnimmt. Aber beim Frühstück werden wir von einer wunderbaren Rundumsicht überrascht, wir liegen in einer Bucht vor Anker, die von Gletschern eingerahmt ist. Der Nebel hat sich nicht ganz verzogen, er gibt aber die Wasserlinie frei und die Gletscher lugen zur Hälfte aus dem Nebel. Es ist windstill bei 4 Grad und noch stört kein Eisbär die Vorbereitungen an Land. Das Expeditionsteam hat zwei kleine Wanderungen vorbereitet, wir können wählen ob wir den Gletscher zur Rechten oder den zur Linken besuchen wollen. Wir laufen nach links auf eine Endmoräne und hoffen auf einen schönen Ausblick zum nahegelegenen Gletscher. Bis wir auf der Anhöhe ankommen, liegt der Gletscher völlig im Nebel. Wir haben Zeit und hoffen, dass es die fahle Sonne über uns schafft, den Nebel zu lichten. Nach einer halben Stunde geben wir auf, der Nebel wird immer dichter, keine Chance auch nur irgendetwas zu sehen. Zurück am Anlandeplatz hat sich wie von Zauberhand der Nebel gelüftet und der Gletscher liegt leuchtend in der Sonne. Dazwischen lag keine Viertelstunde. So schnell ändern sich hier die Wetterkonditionen. Also schnell nochmal zurück und den Fotoapparat gezückt.
Der Rückweg zum Gletscher hat sich gelohnt
Wir fahren nur ein Stück mit unserem Schiff bis zu einem Vogelfelsen, wir stehen auf Deck und staunen über die tolle Rundumsicht. In die Burgerbucht münden mindestens fünf Gletscher und alle liegen fein im Licht, Sonne und Nebelreste wechseln sich ab. Die nächste Anlandung ist an einem Vogelfelsen geplant, nur etwa 20 Fahrminuten von der letzten Stelle entfernt. Ohne Vorwarnung, ganz plötzlich, ist das ganze Schiff in Nebel eingehüllt. Eben haben wir noch die schönsten Fotos vom Deck aus geschossen, und jetzt sieht man – nichts! Wir warten eine halbe Stunde direkt vor dem Felsen, ohne ihn zu sehen. Dann wird die Exkursion abgesagt, der Kapitän will jetzt mit uns zu einer Stelle fahren, wo sich gewöhnlich viele Wale aufhalten.
Wolkenloser Himmel beim ersten Blick aus dem Kabinenfenster, doch das ändert sich. Bis wir an Land gehen können, sind Wolken aufgezogen, einen Streif schönen Wetters sehen wir nur nochmal Horizont. Es ist windiger als gestern und für die Überfahrt mit den Schlauchbooten zur Landungsstelle ziehen wir über unsere Outdoorhosen noch eine wasserdichte Hose. Wir mutieren langsam zum Michelinmännchen. Aber ich war doch froh über den Überzug, denn ein paar heftige Wellen haben uns eine unfreiwillige Dusche verschafft.
Interessanter Landgang, wir konnten bis auf 50 Meter an eine Robbengruppe herangehen und in Ruhe fotografieren. In der Bucht liegen unzählige Knochen von Walen herum, die von den Walfängern einfach liegen gelassen wurden. Ihre Hütten werden heute als Ferienhäuschen genutzt. Ich fotografiere wieder winzig kleine Blümchen, die fast ohne Stil auskommen müssen, sie sind nur etwa zwei Zentimeter groß.
Die zweite für den heutigen Tag geplante Anlandung muss leider kurzfristig abgebrochen werden. Das Expeditionsteam war dabei, alles für unseren Landgang vorzubereiten, als ein Eisbär gesichtet wurde. Ich hatte mich gerade in die dritte Hose gequält und war dabei, alles in den Schaft der Gummustiefel zu stopfen, als die Durchsage kam. Also alles wieder ausziehen und ab und die Explorer Lounge mit dem tollen Rundblick. Die Sicht ist allerdings nicht mehr gut. Die Wolken hängen tief und lassen dem Sonnenlicht keine Chance. Weit entfernte Gletscher verschwimmen im Ungewissen.
Wir erreichen die Insel Kvitöya, sie liegt nordöstlich von Nordaustlandet und wird relativ selten von Touristen besucht. Übersetzt heißt Kvitöya „Weiße Insel“. Wie vermutet, können wir nicht anlanden, weil die Insel komplett unter Eis liegt und der schmale eisfreie Bereich meist von Eisbären belagert wird. Wir fahren mit den Zodiacs so nah wie möglich an die Landzunge heran und können zwei Eisbären beobachten, die die meiste Zeit schlafen, einer von ihnen bewegt sich kurz, um aus unserem Blickfeld zu verschwinden. Walrosse vergnügen sich im Wasser und bieten ein schönes Fotomotiv. Wir sind pünktlich zum Mittagessen zurück. Eine Gruppe bekommt noch eine Extrarunde, weil ihr Schlauchboot auf einen Felsen aufgelaufen ist und abgeschleppt werden musste.
Es macht nichts, wenn ihr eine Lupe zur Hilfe nehmt, um den Eisbären zu sehen.
Am Abend ist geplant, entlang der Eisküste von Nordaustlandet entlang zu fahren und am Brasvellbreen zu cruisen, das fällt leider aus, wegen zu viel Eis. Das leuchtet uns nicht ganz ein, denn das drittgrößte Eisfeld nach der Antarktis und Grönland hätten wir schon ganz gern gesehen, zumindest eine Fahrt möglichst nah an das Eisfeld heran. Und unser Schiff besitzt ja eine Eisklasse, sollte eigentlich bis zu einem gewissen Grad mit Eis zurechtkommen. Leider sind wir mit großem Abstand an der Küste entlang gefahren, die Sicht war zwar nicht besonders gut, aber aus geringerer Entfernung hätten wir schon einen guten Eindruck gewinnen können. So bleibt als Erinnerung an diesen Tag vor allem die Begegnung mit Meeressäugern. Als rings um unser Schiff Wale auftauchten, hielt unser Schiff an und wir konnten ausgiebig Buckelwale und Minkwale beobachten, die hier reiche Futtergründe finden. Die Wolkendecke wurde durchlässiger und die tiefstehende Sonne taucht die Szenerie in gelbes Licht, toll für Fotos und Filmaufnahmen.
Mein Traumbild: die Fluke eines BuckelwalsHier winkt er nochmal mit der BrustflosseDer Blas verrät sie, den sieht man auf dem Meer meilenweit
Das Programm für heute: Vormittags Anlandung an einer Bucht auf der Insel Philippsöya mit der nördlichsten Hütte und nachmittags Schiffscruising entlang der Nordküste von Nordaustlandet. Aber es sollte ganz anders kommen! Die ersten Gruppen waren an Land und wir haben uns gerade umgezogen, denn nach den ersten Rückkehrern wären wir an der Reihe gewesen. Plötzlich macht ein Gerücht die Runde, dass bald zur Gewissheit wird: Eisbären haben sich unserer Gruppe an Land genähert, und zwar von zwei Seiten. Warnschüsse sind zu hören und sämtliche verfügbaren Boote rasen zum Strand, um zu evakuieren. Die Bären verziehen sich nach den Warnschüssen und im Nu sind alle Passagiere in den Booten und die Expeditionscrew räumt noch das Equipment ein und ist dann auch in Sicherheit. Wir konnten das alles vom Boot aus mit dem Fernglas beobachten. Und natürlich ist unser Landgang damit ausgefallen. Ein Eisbär taucht später wieder auf, er nimmt Witterung auf und schnüffelt noch lange an der Landestelle herum, bestimmt kann er die Besucher noch riechen.
Am Nachmittag fahren wir in die Albertinibukta. Eine Anlandung ist nicht vorgesehen, wir kreuzen vor dem Gletscher und setzen unsere Fahrt bald fort, Nebel zieht auf.
Dies ist ein Suchbild. Wer gute Augen hat, erkennt links die Hütte und rechts den Eisbären, der trotz Warnschüssen wieder zurückgekommen ist.
Wir sind in den Liefdefjord gefahren, die Hauptattraktion ist hier der Monaco-Gletscher, er steht heute Nachmittag auf dem Programm. Jetzt werden wir zur einer Holzhütte gebracht, die sinnigerweise „Texas Bar“ heißt, vermutlich war der Erbauer ein Cowboy-Fan. Wer es am Vormittag verträgt, bekommt einen Whiskey auf Gletschereis, aber ich fotografiere lieber zentimetergroße Blümchen. Dazu muss man wissen, dass es aufgrund der kurzen Vegetationsperiode kaum Pflanzen auf Spitzbergen gibt, die höher als fünf Zentimeter werden. Umso mehr überrascht es, wenn auf einmal winzig kleine Pflänzchen am Wegesrand auftauchen, die wunderschöne Blüten ausbilden. Diese Fotos muss man sich allerdings verdienen, es geht nur, wenn man niederkniet oder sich hinlegt, aber das ist in Ordnung, die Expeditionskleidung hält das aus.
Nach dem Vortrag eines Glaziologen werden wir mit den Booten nahe an den Monaco-Gletscher herangefahren. Je näher wir kommen, desto dichter werden die Eisschollen. Ich wundere mich, wie viel diese Schlauchboote aushalten, denn ein Anstoßen an die scharfkantigen Eisbrocken lässt sich nicht vermeiden. Vor uns rumpelt und grummelt das Gletschereis, aber noch bleibt alles stabil an der Eiswand. Wir halten genügend Abstand, denn es können jederzeit größere Brocken herausbrechen und dies kündigt sich nicht unbedingt durch ein entsprechendes Geräusch an. Plötzlich bricht ein Stück aus der Eiswand heraus und platscht ins Wasser, wir spüren die Wellenbewegung. Noch zwei, dreimal löst sich ein Eisbrocken und wir nehmen etwas mehr Sicherheitsabstand, denn auch die Wellen, die durch den Eisbruch ausgelöst werden, können unser Boot zum Schwanken bringen. Wir sitzen ja alle ohne Rückenlehne auf dem Rand des Bootes, da bekommt man schonmal leicht Übergewicht und kippt nach hinten. Wir haben ja alle Schwimmwesten an, aber in zwei Grad kaltes Wasser möchten wir lieber nicht plumpsen.
Der Monaco-Gletscher ist mehr als drei Kilometer breit und die Eiskante ist zwischen dreißig und sechzig Meter hoch. Immer wieder schaue ich mir die bläulich leuchtenden Skulpturen an, die der Gletscher erschaffen hat. Wenn die Brocken ins Meer gefallen sind, lassen sich die Eisschollen wie in einem Skulpturengarten bewundern.
Langsam wird das Ankleiden vor einer Landexpedition zur Routine. Die Reihenfolge ist wichtig, sonst muss man wieder von vorne anfangen. Also zuerst die Thermounterwäsche, dann die dicken Socken, dann Hose und atmungsaktives Oberteil, darüber kommt Fleece, Schal und dann die rot-gelbe Expeditionsjacke. Wenn man jetzt erst die Gummistiefel anzieht, die Pflicht sind an Land, ist man schweißgebadet, in diese also gleich nach der Hose hineinschlüpfen. Die Jacken bekommen wir geschenkt und ich denke, sie dient in erster Linie dem schnellen Auffinden der Gruppe an Land. Irgendwie erinnert das rot-gelbe Outfit auch an Sanitäter. Zurück zum Anziehen, es folgen die Kopfbedeckung und die Rettungsweste. Diese ist nicht sehr sperrig und muss während des gesamten Aufenthaltes an Land getragen werden. Die Rückfahrt muss manchmal schnell gehen, wenn der Eisbär im Anmarsch ist. Dann bleibt eventuell keine Zeit mehr, um an der Schwimmweste zu nesteln. Die Reederei hat praktische Westen besorgt, sie tragen nicht sehr auf und man vergisst, dass man eine Schwimmweste anhat.
Wir schauen gern vom Oberdeck zu, wie die ersten Gruppen zu Wasser gelassen werden, denn wir sind Gruppe drei. Heute kam der gesamte Ablauf durcheinander, weil wir nicht an Land durften, tatsächlich konnten wir von Bord aus eine Eisbärin mit ihrem Jungen beobachten. Waren ziemlich weit weg, aber mit Fernglas sehr gut zu beobachten. Das bedeutete aber auch, kein Landgang möglich. Also haben wir stattdessen eine Rundfahrt mit dem Zodiac gemacht, da waren die Eisbären zwar schon wieder weg, aber dafür konnten wir in Ruhe die gewaltigen Walrosse beobachten, wie sie faul am Strand liegen und sich ab und zu aus dem Wasser wuchten.
Unsere Nachmittagsanlandung führt uns zu einer ehemaligen Walfängerstation. Man sieht nicht mehr viel davon, lediglich zwei Gräber und eine Holzhütte sind zu besichtigen. Das Wetter wird ungemütlich, ein leichter Schneeschauer geht nieder. Die Berge bekommen gezuckerte Spitzen und wir halten uns nicht allzu lange hier auf. Die Schlauchboote fahren permanent hin und her, so kann jeder individuell zurückfahren.
In Ny Alesund sind wir zum letzten Mal auf dieser Reise zu Fuß vom Schiff gegangen, ab jetzt kommen wir nur noch mit einem Zodiac an Land. Dazu gab es heute morgen eine ausführliche Unterweisung. Jede Anlandung wird vom Expeditionsteam perfekt vorbereitet. Zuallererst fährt ein Team los, das die Umgebung zu Wasser und an Land inspiziert. Es muss sichergestellt sein, dass keine Wildtiere in der Nähe sind. Erst dann kommt das dreizehnköpfige Expeditionsteam mit mehreren Zodiacs an Land und markiert den Bereich, den wir später betreten dürfen. Wir wollen so wenig Spuren wie möglich hinterlassen und kein Tier stören. In einem größeren Bereich um die Anlandungsstelle stehen bewaffnete Posten, wie gesagt, wegen der Eisbären. Mit an Land sind große Zelte, Schlafsäcke sowie Proviant für 24 Stunden. Zur Sicherheit, falls wir nicht zurück zum Schiff kommen können. Es ist eben eine Expedition und es muss an alle Eventualitäten gedacht werden. Aber natürlich wollen wir lieber in unseren gemütlichen Betten schlafen.
Bei Traumwetter werden wir Gruppe für Gruppe mit den Schlauchbooten an Land gebracht. Wir gehen zunächst zum Gletscher, der perfekt in der Sonne liegt. Die Bucht füllt sich mit Eisbrocken, auch wenn wir keinen Abbruch eines größeren Eisstückes an der Gletscherwand sehen. Oberhalb der Klippen staunen wir über die „hängenden Gärten“ und können einen Polarfuchs beobachten.
Das Expeditionsteam mit der Notfallausrüstung für 24 Stunden. Danach müssen wir selber sehen, wie wir klarkommen, meinen sie scherzhaftZu Fuß kommen wir dem Gletscher sehr naheMit dem Zodiac kommt die nächste Gruppe an LandAlternativ kann man sich auch einer Kajakgruppe anschließenDie sogenannten hängenden Gärten mit einer Vogelkolonie in den Felsen. Hier haben wir einen Polarfuchs gesehen, war aber sehr weit weg und nur im Fernglas gut zu sehen
Der Rückweg wird etwas schwieriger, denn mittlerweile treibt viel mehr Eis in der Bucht als beim Hinweg. Die Boote müssen vorsichtig zwischen den dicken Eisbrocken manövrieren, aber die Guides beherrschen die Boote perfekt, wir haben daher bezüglich einer Übernachtung an Land keine Bedenken. Glücklich und schwer beeindruckt von der arktischen Welt um uns herum desinfizieren wir an Bord unsere schweren Gummistiefel. Die gehören zur Expeditionsausrüstung und werden von der Reederei gestellt. Um zu vermeiden, dass mit den Schuhen Erde und Samen verteilt werden, müssen sie nach jedem Landausflug peinlich sauber sein.
Über Nacht haben wir Ny Alesund erreicht. Gegründet als Bergbausiedlung, verlassen Anfang der sechziger Jahre nach einem Grubenunglück, dient die Siedlung heute Wissenschaftlern verschiedener Nationalitäten als Station für ihre Forschungen. Auch hier durften wir nur unter der Aufsicht von bewaffneten Guides an Land.
Übrigens, noch eine Anmerkung zur Terminologie: Spitzbergen ist die größte Insel hier, wenn der gesamte Archipel gemeint ist, heißt dieser korrekt Svalbard. Bei uns ist im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch mit Spitzbergen die gesamte Inselgruppe gemeint. Auf norwegisch schreibt man das Spitsbergen, unser Schiff ist also kein Schreibfehler.
Unser Schiff, die MS „Spitsbergen“
Alles was in Spitzbergern älter ist als 80 Jahre, gilt als schützenswertes Kulturgut. So auch diese Eisenbahn, sie diente dem Transport von Kohle von den Minen zum Schiff.
Viele Nationalitäten haben ihre Forschungsstationen hier und sind in den historischen Gebäuden untergebracht.Die ersten Eisbrocken künden von Gletschern
Es hat sich herausgestellt, dass wir doch ab und zu ein Fitzelchen Netz haben, daher kann ich in unregelmäßigen Abständen berichten.
Bevor wir aufs Schiff gehen, gibt es eine kleine Busrundfahrt an den Stadtrand. Dieses Schild markiert eine Grenze, jenseits dieses Schildes sollte man eine Waffe bei sich tragen, denn es kann zu unliebsamen Begegnungen mit Eisbären kommen. Touristen dürfen hier nur mit einem autorisierten Guide unterwegs sein.
Wir haben das Barentz Camp besucht, es wurde errichtet um Touristengruppen in dieser Hütte zu bewirten. Für uns gab es Pfannkuchen mit Marmelade und einen heißen Kaffee vom offenen Feuer. Und einen Vortrag über Eisbären. Draußen patrouillierte eine Wächterin mit Flinte. Ist aber nichts passiert, ist über ein Jahr her, dass hier ein Bär vorbeischaute.
Und dann endlich Leinen los und ab aufs Meer. Das Wetter meint es richtig gut mit uns, wir hatten heute viel Sonne und zusammen mit den Wolken gab es traumhafte Lichtverhältnisse, ein Eldorado für alle Filmer und Knipser. Der Platz in der Panorama Lounge erweist sich als ideal, man hat kurze Wege nach draußen aufs Deck. Gefühlt alle 10 Minuten springt man auf, weil sich gerade wieder ein tolles Motiv durch das Zusammenspiel von Sonne, Wolken und Bergpanorama ergibt.
Ganz knapp haben wir die Mitternachtssonne verpasst, vorgestern ging die Sonne nicht unter, heute verschwindet sie bereits für 70 Minuten. Die Polarnacht kommt mit Riesenschritten. In 10 Tagen wird es schon sechs Stunden dunkel sein.
Wir wollen nun auch den äußersten Norden erkunden. Spitzbergen heißt das Ziel, es hat zwar einen Sonderstatus mit Rechten für die Anrainerstaaten Russland, USA, Kanada, Dänemark, Island und Norwegen, gehört aber verwaltungstechnisch zu Norwegen. Unser Flug von Oslo nach Longyearbyen, so etwas wie die Hauptstadt Spitzbergens, galt als internationaler Flug.
Longyearbyen liegt auf dem 78. Breitengrad von 90 Breitengraden, wobei der 90. Breitengrad bereits der Nordpol ist. So weit wollen wir nicht, aber wenn wir morgen auf das Hurtigruten Schiff „Spitsbergen“ gehen und zu einer 11 tägigen Umrundung des Archipels aufbrechen, werden wir voraussichtlich den 80. Breitenkreis überqueren. So viel Norden war noch nie!
Wir verbringen noch eine Nacht an Land und haben jetzt zum letzten Mal Netz, denn wenn unser Schiff morgen ablegt, beginnt unsere Expeditionsreise in unbewohnte, archaische Naturlandschaften, natürlich ohne Internet. Ich werde mich also erst am 5. September wieder zurückmelden in die Zivilisation. Ein nachträglicher Blog sozusagen. Ihr müsst euch also jetzt etwas gedulden und glaubt mir, wir sind mindestens so gespannt wie ihr. Hier schon mal ein kleiner Eindruck von unserem ersten kurzen Spaziergang durch Longyearbyen.
Gegründet wurde der Ort als Bergbausiedlung, hier wird seit 1905 Kohle abgebaut, allerdings ist heute nur noch eine Mine aktiv, die versorgt in erster Linie das hiesige Kohlekraftwerk und darüber hinaus noch die deutsche Metallindustrie. Dem Stadtbild sieht man deutlich an, dass hier ein langer Winter vorherrscht und lieblich war nur das Wollgrad am Wegesrand. Die Gebäude sind in erster Linie zweckmäßig, es lohnt sich einfach nicht, hier Gärten anzulegen. Lustigerweise steht vor jedem Haus ein Auto, obwohl es keine Straßen gibt, die zu anderen Orten führen, man kann also nur innerorts fahren. Die wenigen ehemaligen Bergbausiedlungen, sind nur per Schiff zu erreichen. Oder über den zugefrorenen Fjord, allerdings ist dies in den letzten Jahren nicht mehr passiert, der Klimawandel hinterlässt hier sehr deutlich seine Spuren.
Im Hintergrund schon der erste GletscherDie alte Seilbahn, durch sie wurde die Kohle zum Hafen befördert
Standort: Freier Stellplatz auf der Halbinsel Grimsöy Wetter: morgens sonnig, nachmittags bewölkt bei 20 Grad, Nachmittag bis Windstärke 6 Sonnenuntergang: 22:18 Uhr Sonnenaufgang: 4:21 Uhr
Wir haben den letzten Zipfel von Norwegen erreicht, die Halbinsel Grimsöy. Bis zur schwedischen Grenze sind es noch etwa 15 Kilometer und hier endet auch mein Blog. Wir haben noch einen schönen Platz an der Schärenküste erwischt, es gibt überall Picknickbänke und Badestellen am Wasser. Zum Baden fehlt jetzt allerdings die Sonne, aber wir picknicken und faulenzen, während wir gedanklich Abschied nehmen von Norwegen, ein Land, dessen Natur uns schwer beeindruckt hat. Berge ohne Ende, enge Fjorde, unendliche Küstenlandschaften und raue Hochebenen. Das Wetter war besser als gedacht, natürlich geht es nicht ohne Regen ab, aber der hielt sich in Grenzen. Wir hatten auch sehr warme Abende, ungewöhnlich warmes Wetter gerade auch auf den Lofoten, der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar. Zum Campen ist das Land gut geeignet, es gibt überall Picknickplätze mit sauberen Toiletten, auf denen das Übernachten meistens gestattet ist. Mit Glück findet man auch einsame Stellen, wo man allein ist mit sich und der Natur. Es gibt auch wunderschön gelegene kommerzielle Campingplätze, die vollgestellten mit den Dauercampern kann man meiden. Für den Fahrer, und das war in diesem Urlaub nur Martin, sind die Straßen herausfordernd. Ich passe, wenn es keine Mittellinie gibt und trotzdem jederzeit ein LKW kommen kann. Manchmal war es eng, es gab Ausweichmanöver und Martin beherrschte unseren Camper perfekt.
Fazit: tolle Reise, viel gesehen und erlebt und jetzt fahren wir nach Südschweden zu einer Geburtstagsfeier und dann über Trelleborg-Rostock und Berlin zurück nach Hause. Schön, dass ihr uns wieder begleitet habt auf unserer Reise und danke für eure Kommentare. Bis bald!
Standort: Freier Stellplatz in Fredrikstad an der Festung Kongsten Wetter: 24 Grad und sonnig, kaum Wind Sonnenuntergang: 22.22 Uhr Sonnenaufgang: 4:20 Uhr
Abschied von Oslo und weiter Kurs Süd. Mit Fredrikstad haben wir ein Kleinod entdeckt. Das Städtchen hat einen neuen Teil mit teils modernen Gebäuden, Geschäften und einem Einkaufszentrum. Ungleich schöner ist aber der Stadtteil Gamlebyen, auf der anderen Flussseite gelegen und mittels kostenlosen Booten mit dem Zentrum verbunden. Das nehmen wir jedenfalls an, denn bezahlt haben wir nichts und es wollte auch niemand eine Fahrkarte sehen.
Gamle heißt übrigens alt und das trifft auf den kleinen Stadtteil auf jeden Fall zu, gegründet wurde er Ende des 17. Jahrhunderts als Festungsstadt. Ein Wassergraben wurde angelegt und so lag das Städtchen auf einer Insel. Es gab eine Zugbrücke, die abends hochgezogen wurde. 500 Meter weiter östlich entstand die Festung Kongsten mit bombensicheren Gewölben. An deren Fuß haben wir einen schönen Übernachtungsplatz gefunden.
Das Festungsstädtchen Gamlebyen am anderen Ufer des Glama Flusses gegenüber von Fredrikstad gelegenDer Marktplatz mit dem Stadtgründer Fredrik II.Der Wall rings um das Städtchen ist erhalten geblieben so wie auch der gesamte Ort kaum Veränderungen erfahren hatUnser feiner Platz am Fuße der FestungDie Kanonen sind frisch poliert aber nicht mehr auf die Schweden gerichtet.
Standort: Bogstad Campingplatz in Oslo Wetter: 22 Grad und sonnig, Windstärke 4, gegen Abend kaum noch Wind Sonnenuntergang: 22:31 Uhr Sonnenaufgang: 4:12 Uhr
Oslo ist eine interessante Stadt, da ist ein Nachmittag natürlich viel zu wenig. Wir haben jetzt noch einen ganzen Tag Zeit für die Stadtbesichtigung. Es gibt mehr Museen, als man gewöhnlich anschauen kann. In den letzen Jahren hat Oslo noch ein paar moderne Stadtviertel dazubekommen, vorzugsweise in Wassernähe. Dabei werden Wohn-und Geschäftsbereiche gemischt, was die Stadt lebendig macht. Und die Lage am Wasser wird mitgeplant, es gibt überall Badestellen mitten in der Stadt und vor allem in den neu erbauten Gebieten. Heute am Sonntag herrschte überall reger Badebetrieb.
Wir hatten heute Museumstag, zuerst das Munch Museum, das erst voriges Jahr eröffnet wurde und erstmalig eine umfassende Schau seiner Werke zeigt. Munch hatte seinen gesamten Nachlass der Stadt Oslo vermacht und jetzt kann man die wichtigsten Werke an einem Ort sehen. Er war ja nicht gerade ein Optimist, aber seine Werke sind ausdrucksstark und bleiben in Erinnerung. Das gilt nicht nur für sein wohl berühmtestes Werk, den „Schrei“.
Kurzer Stadtbummel zum königlichen Schloß, das in einer Achse mit der Fußgängerzone auf einem Hügel liegt. Im europäischen Vergleich hat es eher bescheidene Ausmaße und liegt in einem großen Park. In den Sommermonaten kann man es auch besichtigen, aber wir wollen Wikingerschiffe sehen und fahren mit einem Boot hinüber zur Halbinsel Bygdöy. Leider ist das Museum mit den original Wikingerschiffen geschlossen, aber im Maritimen Museum gibt es einen Nachbau. Trotzdem interessant, die Entwicklung der Passagierschifffahrt, dargestellt an vielen Modellen berühmter Schiffe, darunter natürlich auch Hurtigrutenschiffe, anzuschauen.
Schon sehr eigenwillig das Munch MuseumÜbrigens sind die “Leitplanken“ von innen transparent, sieht gar nicht so schlecht ausSelbstbildnisEs gibt auch monumentale Werke von Edvard MunchUnd er hat bestimmt die Mitternachtssonne gesehenBei dem schönen Wetter wird überall gebadetSozusagen die “Royal Mile“ von OsloDas königliche Schloß
Standort: Bogstad Campingplatz in Oslo Wetter: Wechselnd bewölkt bei 20 Grad, frischer Wind der Stärke 5 Sonnenuntergang: 22:32 Uhr Sonnenaufgang: 4:11 Uhr
Wir haben die Hauptstadt erreicht! Campingtechnisch ein Luxus, den wir uns erlauben. In einer Großstadt ist es schwierig, ein kostenfreies Plätzchen zu finden, das war klar, und auch das Parken ist in Oslo problematisch, denn man verbannt die PKW aus der Innenstadt. Also macht es Sinn, einen Campingplatz auszusuchen, der an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist. So weit, so gut, das ist alles möglich, aber zu welchem Preis? Bislang haben wir im Schnitt 35 Euro für einen Platz mit Stromanschluss bezahlt. Hier in Oslo zahlen wir 75 Euro! Toiletten und Duschen sind funkelnagelneu und großzügig bemessen, aber dafür den doppelten Preis? Also entweder will man nach Oslo oder nicht, basta! Und außerdem ist die Bushaltestelle direkt vor der Tür.
Hier kommen die Bilder vom ersten Stadtrundgang, morgen geht es weiter.
Das Rathaus in der Innenstadt nahe am Wasser, so etwas wie das Wahrzeichen von Oslo.In diesem ehemaligen Bahnhofsgebäude gibt es eine Ausstellung zum Friedensnobelpreis, verliehen wird er im Großen Saal des Rathauses.Die Festung AkerhusRund um den alten Rathausplatz gibt es einige schöne, ältere Gebäude im sonst sehr von modernen Bauten geprägten OsloEs gibt auffällig viele Irish Pubs in Oslo, warum, weiß ich auch nichtDer komplett neu erbaute Stadtteil Tjuvholmen mit sehenswerter moderner Architektur, hier das Fearnley-Museum mit Werken von Andy Warhol und Anselm KieferDas Highlight moderner Architektur ist meiner Meinung nach das Opernhaus. Die Form soll an eine Eisscholle erinnern. Kein Besucher verpasst es, das großzügig angelegte Gebäude zu besuchen und auf die Aussichtsplattform zu steigen.Gegenüber liegt das erst im letzten Jahr eröffnete Edvard Munch Museum. Kritiker nennen das Gebäude die größte Leitplankensammlung der Welt. Vielleicht ist es ja von innen ganz schön, mal sehen.
Standort: Picknickplatz in der Nähe von Tisleidalen Wetter: Wechselnd bewölkt, nachmittags bewölkt, 16 Grad, auf dem Fjell 8 Grad, Windstärke 5 Sonnenuntergang: 22:49 Uhr Sonnenaufgang: 4:06 Uhr
Wir haben es gemütlich angehen lassen und sind ein wenig in und um Vagamo herumgebummelt. Das Örtchen hat uns ausgesprochen gut gefallen, kleine Geschäfte, Cafés und eine Stabkirche, deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Die Kirche war baufällig geworden, da hat man sie auseinandergenommen und wieder aufgebaut, wobei soviel von dem ursprünglichen Material verwendet wurde, wie möglich. Auf den Wiederaufbau wartet ein halb verfallener Bauernhof noch, der etwas abseits steht und tolle Fotomotive liefert.
Am Nachmittag hatten wir unsere aktive Phase, eine Wanderung auf 1.200 Metern Höhe bei 8 Grad und starkem Wind im Jotunheimen Nationalpark. Übersichtliche Landschaft auf baumloser Hochebene und gute Fernsicht.
Die Stabkirche von VagamoEine Buchhandlung mit Bäckerei und Speisenangebot, interessante MischungWer hier einen Kaffee bestellt, kann kostenlos nachfassenDas halb verfallene BauernhausWanderung im Jotunheimen NationalparkAuch die kleinen Dinge sind interessant. Wenn sich ein Gletscher zurückzieht, kommt blankes Gestein zum Vorschein. Dann tut sich erstmal gar nichts, aber kaum sind 250 Jahre rum, wachsen die ersten Flechten. Sie haben nach dieser Zeit einen Durchmesser von etwa 5 cm und wachsen fleißig weiter… Da sieht man Steine mit ganz anderen Augen an.Die Schneeschmelze dauert noch an, überall fließen Bäche und reißende StrömeWir verlassen den Jotunheimen Nachtionalpark in Richtung Süden.
Standort: Holungsöy Camping in Vagamo Wetter: Wechselnd bewölkt bei 14 Grad, Windstärke 6 Sonnenuntergang: 23:02 Uhr Sonnenaufgang: 3:52 Uhr
Wir sind dem Regen davongefahren! Heute nochmal 277 Kilometer nach Süden und es ist trocken geblieben, teilweise sonnig mit einem böig starken Wind. Wir haben das Dovrefjell passiert und eine kleine Wanderung zu einer Aussichtshütte unternommen. Diese Hütte wurde vor zwei Jahren errichtet in erster Linie als Beobachtungsposten für die hier lebenden Moschusochsen. In diesem Gebiet wurde einmal Kupfer abgebaut, aber die Mine ist stillgelegt und komplett zurückgebaut worden. Das erklärt vielleicht die äußere Gestaltung der Hütte unter Einbezug der Historie des Gebietes, aber kombiniert mit natürlichem Material. Das Holz für die Ruhebänke wurde bewusst ausgewählt, die Form entstand auf natürlichem Weg durch Erosion. Nur eines hatte die Hütte nicht: Gastronomie. Das hatten wir natürlich erwartet, und auch einen Souvenirshop, denn unterhalb gibt es einen großen Parkplatz und viele Besucher klettern hinauf zur Hütte. Also nur Moschusochsen in weiter Entfernung aber einen tollen Ausblick auf das Dovrefjell, das war den Ausflug auf jeden Fall wert.
Die Aussichtshütte im Dovrefjell, von aussen gewöhnungsbedürftig, aber…… von innen gemütlich durch die geschwungenen Holzbänke und im Ofen knisterte ein FeuerchenTolle Sicht auf die Hochebene des Dovre-FjellsIrgendetwas blüht immer am WegesrandHeute mal wieder ein kommerzieller Platz, es ist Waschtag!
Standort: Kjelstad Camping bei Lundamo Wetter: Regen bei 10 Grad und leichtem Wind Sonnenuntergang: 23:19 Uhr Sonnenaufgang: 3:27 Uhr
Ein kompletter Regentag heute – was macht man da? Wir legen einen Fahrtag ein, die Strecke zwischen Mo i Rana und Trondheim bietet ohnehin keine Highlights außer einer Stromschnelle. Da springen die Lachse flussaufwärts zu ihren Laichplätzen, heute allerdings nicht. Wir legen rekordverdächtige 500 Kilometer zurück und benötigen dafür 7 Stunden. Was einige unserer Politiker nicht verstehen wollen, klappt in Norwegen anstandslos: die erlaubte Geschwindigkeit auf gut ausgebauten Straßen beträgt 80 km/h und auf den wenigen Autobahnkilometern dürfen sogar 100 km/h gefahren werden. Wer sich nicht daran hält, riskiert empfindliche Strafen. Wer ausserhalb geschlossener Ortschaften mehr als 20 km/h zu schnell fährt, ist mit 750 Euro dabei. Gut, dass wir einen Tempomat haben.
Wir stehen 40 km südlich von Trondheim und sind dem Regen jetzt weitgehend ausgewichen. Unsere weitere Reiseroute richtet sich ein wenig nach dem Wetter: wenn wir uns morgen noch einmal 200 km nach Süden bewegen, haben wir wieder Sommer.
Der Wasserfall bei Trofors ist zwar nur 17 m hoch, transportiert aber 700 Kubikmeter Wasser die Sekunde, das macht ihm in Europa kein Wasserfall nach. Lachse haben wir leider keine gesehen, nur auf den Tellern im angeschlossenen Restaurant.
Standort: Stellplatz bei Mo i Rana Wetter: Wolkig und am Nachmittag Regen, zunächst noch 19 Grad, später 12 Grad, Windstärke 6 Sonnenuntergang: 0:49 Uhr Sonnenaufgang: 1:27 Uhr
Geographisch hat sich heute viel getan, ihr seht es am Sonnenstand. Wir haben die Polarregion verlassen, als wir den Polarkreis in südlicher Richtung überquert haben und damit auch den Bereich der Mitternachtssonne. Und wir haben den Kurs Nord verlassen, nachdem wir den nördlichsten Punkt bei Gullesfjord erreicht hatten. Ab jetzt nur noch in Richtung Süden. Auch die Lofoten haben wir hinter uns gelassen, sind mit der Fähre von Lödingen nach Bognes gefahren und sind nun wieder auf dem Festland unterwegs.
Was euch aber sicher am meisten interessiert, ist die Frage, ob wir gestern die Mitternachtssonne gesehen haben. Das habe ich fotografisch dokumentiert:
22:33 Uhr Wir versuchen abzuschätzen, wo genau die Sonne den Horizont berühren wird, sieht doch gar nicht so schlecht aus. 23:01 Uhr Ein Regenschauer ging über uns nieder, wir hoffen, dass die Wolken jetzt nicht vor die Sonne ziuehen.Aber man sollte auch mal nach hinten schauen, Regen und Sonne machen – na klar, einen Regenbogen oder zwei23:23 Uhr Langsam wird es spannend. Wir hoffen, dass die Sonne links von diesen Bergen am Horizont untergeht23:50 Uhr Jetzt ist sie doch noch hinter die Berge gerückt0:00 Uhr Mist! Hinter dem einzigen Berg weit und breit versteckt!0:31 Der neue Tag hat begonnen und wir sind nicht wirklich enttäuscht, denn der Himmel hat heute Nacht so eine tolle Show abgezogen, das fanden wir doch sehr beeindruckend und sind versöhnt mit der Mitternachtssonne ins Bett gegangen.Good bye Lofoten, ihr habt uns bei super Wetter richtig gut gefallen, es war, wie Martin sagt, gar nicht so lofotig, wie befürchtet, mit Sturm und Regen, ganz im Gegenteil, wir hatten richtig Sommer.Am Polarkreis habe ich so gerade noch den Regenbogen erwischt, bevor es richtig ungemütlich wurde
Standort: Stellplatz am Meer in der Nähe von Straumnes auf der Insel Austvagöya Wetter: Zuerst bewölkt, dann sonnig bei 21 Grad und kaum Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Wir setzen unsere Lofoten-Rundreise auf der E 10 fort und umrunden die Inseln Gimsöya und Austvagöya. Diese sind mit Brücken untereinander verbunden, nur von Flakstadöya nach Austvagöya gibt es einen Tunnel durch den Nappstraumen, das ist ein Meeresarm. Die Hauptstraße ist sehr gut ausgebaut, besonders die großzügigen und modernen Picknickanlagen. Meist an landschaftlich schönen Stellen, mit pieksauberen Toiletten, großen Abfalltonnen und Picknickbänken.
Hin und wieder nehmen wir kleine Umwege, zum Beispiel die schöne Umrundung der Insel Gimsöya oder die Stichstraße nach Henningsvaer. Dieser kleine Ort wird auch das Venedig des Nordens genannt, der Vergleich hinkt natürlich wie die meisten Vergleiche. Aber die Lage ist sehenswert, viele Häuser stehen auf Stelzen an einem größeren Kanal und es gibt neben ein paar Fischrestaurants tatsächlich zwei Cafés. Außergewöhnlich ist die Lage des Fußballplatzes, der auf einer Anhöhe liegt und an drei Seiten von Wasser umgeben ist.
Auf unserem Weg liegt jetzt Svolvaer mit einem kleinen, hübschen Zentrum mit viel moderner Architektur und von einer mächtigen Felsenwand geschützt. Zur Auswahl unseres Schlafplatzes benötigen wir heute einen Kompass, denn wir wollen endlich die Mitternachtssonne sehen! Dazu brauchen wir freie Sicht nach Norden und natürlich einen wolkenlosen Himmel. Der Platz haben wir gefunden, wunderbare Sicht aufs Meer und noch sonnig. Die Stative sind ausgerichtet, Filme eingelegt, ach so, nee, aber die Akkus geladen und wir sind gespannt. Morgen werdet ihr sehen, ob es fotografisch auswertbares Material zur Mitternachtssonne gab.
Zuerst gab es noch mehr Schatten als LichtLangsam setzt sich der blaue Himmel durch und die satten Farben sind wieder daHenningsvaer strahlend schönDer bunte Zebrastreifen führt direkt zum CappuccinoDas nenne ich mal einen außergewöhnlichen FußballplatzSchöner Blick von Henningsvaer auf die LofotenketteSvolvaer ist mit 5.000 Einwohnern größte Stadt auf den LofotenAussicht vom Picknickplatz am Austnesfjorden
Standort: Stellplatz am Ytterpollen südlich von Eggum Wetter: Erst noch wolkig, dann sonnig und am Abend wieder bewölkt bei 18 Grad, mäßiger Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Heute Nacht hat uns das Wetter geweckt, heftiger Regen und starker Wind, das Auto hat sogar gewackelt, aber nix passiert. Am nächsten Morgen war alles wieder friedlich und im Laufe des Tages ist es immer sonniger geworden. Wir haben eine Landschaftsfahrt unternommen und den pittoresken ehemaligen Fischerort Nusfjord besucht. Um mal einen Kaffee trinken zu können, haben wir das Wikingermuseum besucht. Na ja, ein bißchen auch wegen der Ausstellung und dem Nachbau des Langhauses. Aber es gibt so gut wie keine Gastronomie auf den Lofoten, in Nusfjord hat um halb elf das einzige Café noch geschlossen und dann kam keins mehr. Bis eben das Museum auftauchte.
An der Westküste der Lofoten gibt es einige ausgezeichnete Strände mit türkisfarbenem Wasser und die Chance auf Mitternachtssonne. Heute hätten wir zwar freie Sicht aufs Wasser, aber die Sonne versteckt sich jetzt wieder hinter Wolken. Wir geben die Hoffnung nicht auf.
Wenn nicht Tunnels oder Fähren, dann gibt es viele BrückenDer wunderschöne Strand von RambergDie Straße nach Nusfjord führt direkt auf die Felswand zu, knickt aber im letzten Moment doch noch nach links abAuch hier wurden die Fischerhäuser zu Ferienunterkünften umgebautDas rekonstruierte Haus des Wikinger-HäuptlingsKüste bei HauklandUnser Übernachtungsplatz am Ytterpollen
Standort: Bauernhof Innersand Wetter: meist bedeckt, erst am Nachmittag aufgeklart, 21 Grad und böiger Wind der Stärke 6 Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Wir wechseln heute unseren Standort und bewegen uns in nördlicher Richtung entlang der E 10. Bei bedecktem Himmel verblassen die Farben und unsere Fotomotive leiden etwas darunter. Aber unsere Laune nicht, wir starten wie geplant zu unserer Wanderung zur Kvalvika Bucht. Wie meistens in Norwegen, geht es steil nach oben auf felsigem Untergrund. Die Sicht auf die Bucht ist auch nicht so toll, man müsste einen steilen Felshang bis zum Meer hinabsteigen, das sparen wir uns heute mal, zumal wegen fehlender Sonne das Wasser nicht smaragdgrün ist, sondern einfach nur grau.
Unser Übernachtungsplatz befindet sich auf einer Wiese bei einem Bauernhof, wo ein schlauer Bauer gemerkt hat, dass man an Touristen ganz gut verdient. Man kann von hier aus zum Meer laufen, was wir später auch machen, denn tatsächlich klart es auf und wir bekommen heute doch noch mal türkisfarbenes Wasser zu sehen.
HamnöyaAuf dem Weg zur Kvalvika-BuchtDa unten liegt die sagenhafte BuchtDer weite Strand von SandbotnenLinks hinten liegt unser Bauernhof und die Sonne lacht wieder!Jetzt nochmal die Bucht Sandbotnen im Sonnenlicht
Standort: Moskenes Camping Wetter: kein Wölkchen am Himmel, 24 Grad und kaum Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Für unseren Bootsausflug hätten wir keinen schöneren Tag erwischen können, sommerlich warm und ruhige See. Wir fahren 20 Minuten mit einem kleinen Schiff von Reine aus in den Reinefjord und steigen in Vindstad aus. Von dort laufen wir am Fjord entlang bis zum Ende und gehen über einen Sattel zur Westküste, wir gucken also in Richtung Grönland. Nein, ganz so weit kann man nicht sehen, aber der Blick zu dem einsamen Bunes Strand ist vom Feinsten.
Das Boot geht erst sechs Stunden später zurück, daher haben wir viel Zeit, die wir uns mit einer ausgiebigen Foto- und Filmsession vertreiben. Bitte schön.
Angekommen in VindstadDas Wasser war wirklich so grün!Wir haben das Ende vom Fjord erreichtUnd dann dieser Ausblick!Die blühenden Wiesen sind einfach toll!Und dann hatten wir noch Zeit, die Möwenfamilie zu beobachten
Standort: Moskenes Camping Wetter: sonnig und warm bei 19 Grad, in Böen auffrischender Wind der Stärke 5 Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Die Wolken haben sich verzogen und wir erleben einen strahlend sonnigen Tag auf den Lofoten. Es geht zwar ein frischer Wind, aber wenn man geschützt in der Sonne sitzt, wird es richtig warm. Wir erkunden den südlichen Teil der Inselgruppe, die nennt sich Moskenesöya. Ein kurzer Spaziergang durch unseren Übernachtungsort A und dann geht es weiter zum Postkartenmotiv schlechthin – dem kleinen Ort Reine. Es herrscht reges Treiben, jeder Besucher der Lofoten möchte diesen malerischen Ort sehen und einige wandern auf den Reinebringen, von dort oben hat man eine unvergleichliche Aussicht auf Reine und die gewaltige Bergkette der Lofoten. Ursprünglich wollten wir diese Tour auch gehen, aber über 1500 steile, felsige Stufen, teilweise nahe am Abgrund, haben uns abgeschreckt. Und ich finde die Bilder von unten auch ganz hübsch.
Wir haben für zwei Tage einen kommerziellen Campingplatz genommen, um nicht jeden Tag mühselig einen Stellplatz suchen zu müssen. Morgen wollen wir einen Ausflug per Boot machen, da wären wir recht spät dran mit der Stellplatzsuche. Und wir haben einen schönen Platz mit Meerblick bekommen, da machen wir jetzt mal Urlaub.
Morgenspaziergang durch ReineEs gibt etwa 150 denkmalgeschützte ehemalige Fischerhütten, Rorbuer genannt, die werden in erster Linie an Touristen vermietet. Und jedes ist mit einer Tesla-Ladestation ausgestattet.Sie haben ein Herz für Möwen hierEs blüht überall, der Flieder zusammen mit allen WiesenblumenUnd hier Reine, die meistfotografiertesteHier werden Fischköpfe getrocknet und nach Nigeria verschickt, dort kocht man eine Fischsuppe daraus, die als Delikatesse gilt. Stockfisch haben wir nicht mehr gesehen, der ist wohl schon “abgeerntet“An zweiter Stelle in der Beliebtheitsskala von Fotografen steht HamnöyaUnser Übernachtungsplatz in Moskenes
Standort: Stellplatz an „Land´s End“ nahe der Ortschaft A Wetter: nur noch 14 Grad, morgens Regen, später mehr Wolken als Sonne, Windstärke bis 6 Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Innerhalb von sechs Stunden haben sich die Temperaturen halbiert, das Wettergeschehen ändert sich hier sehr schnell. Mit einem neuen Wasserhahn setzen wir jetzt unsere Reise fort, zunächst schauen wir uns ein Naturwunder an, das weltweit einmalig ist: der Gezeitenstrom bei Saltstraumen. Die Gezeiten drücken das Wasser durch einen engen Eingang in den Skerstadfjord und das mit einer solchen Gewalt, dass sich bis zu vier Meter tiefe Wasserstrudel bilden. Nicht ganz ungefährlich für kleine Boote, wir betrachten das Ganze von einer Brücke aus, die genau hier den Fjord überquert. Angler haben leichtes Spiel, da die Fische der Strömung nicht standhalten können.
Unsere Fähre geht um 18:45, also bleibt noch etwas Zeit für einen Stadtbummel mit Kaffee und Zimtschnecken, bevor wir an Bord gehen. Die Überfahrt ist ruhig, nur etwas Dünung bewegt das Schiff und lässt die meisten Passagiere dahinschlummern. Nach eineinhalb Stunden erkennt man die ersten Silhouetten der markanten Lofotenberge. Die Sicht ist noch etwas wolkenverhangen, aber man erkennt die schroffen Felsenhänge der Lofoten. Am allerletzten Zipfel, also ganz im Süden, erwischen wir gerade so noch einen Stellplatz nahe der Ortschaft A. Kein Schreibfehler, der Ort besteht aus einem Buchstaben, allerdings hat er im norwegischen noch einen Kringel obendrauf und wird wie ein langes, kehliges O ausgesprochen.
Ein Nachtrag zu gestern: wir haben die Tropennacht kurzärmlig verbracht und wollten gar nicht ins Bett, das Foto ist gegen Mitternacht aufgenommenHier stehen wir auf der Brücke bei Saltstraumen, um die Strudel anzuschauenEbenfalls von oben sieht man ganz gut, dass sich manche Norweger den Dachdecker sparenAbfahrt von BodöMoskenes auf den Lofoten in SichtKurzer Abendspaziergang bis der Weg aufhört
Standort: Stellplatz am Strand nördlich von Bodö mit Strom Wetter: heißester Tag bisher, 30 Grad mit in Böen auffrischendem Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Ein Tag am Meer könnte die passende Überschrift heute sein. Wir haben für morgen die Fähre nach Moskenes auf den Lofoten gebucht und daher den ganten Tag Freizeit in Bodö. Die haben wir für einen Einkaufsbummel im sehr überschaubaren Zentrum Bodös genutzt. Für fünf Euro einen Cappuccino getrunken und für morgen früh einen Termin in der Werkstatt vereinbart, ein Wasserhahn muß getauscht werden. Am Mittag haben wir mit Ach und Krach noch einen Stellpatz am Meer erwischt. Und dann hatten wir Urlaub. Die einzige Tätigkeit neben dem Überleben war, den Blog zu schreiben. Voilá.
Unser Stellplatz 10 km nördlich von BodöPartieller MeerblickEin Strandspaziergang in Norwegen bei 30 Grad, wer hätte das gedacht!Die Wassertemperatur – na ja, ich war dann noch schwimmen, das hat aber niemand fotografiert.Und am Abend war das Meer auf einmal weg
Standort: Camp Saltstraumen Elvegard bei Bodö Wetter: sonnig mit leichter Bevölkung, bis 26 Grad, kein Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Heute stand der zweitgrößte Gletscher Norwegens auf dem Programm: der Svartisen. Wir waren schon früh auf, um genügend Zeit für die Wanderung zur Gletscherzunge zu haben. Um dorthin zu gelangen, mussten wir zwei Fähren nehmen, die erste Fahrt dauerte gleich eine Stunde. Wir haben tatsächlich die erste Fähre um 07:20 Uhr geschafft und den Ausgangspunkt Holandsfjorden kurz nach zehn erreicht. Von dort aus brachte uns ein kleines Boot in 15 Minuten auf die andere Seite des Fjords. Bis zum Gletscher läuft man knapp sechs Kilometer, davon vier Kilometer über Felsen mit Kletterpassagen. Und das Ganze natürlich wieder zurück.
Wir sind bei traumhaften Wetter losgelaufen und es ist einfach toll, im Gebirge zu wandern, es gibt immer wieder neue Ein- und Ausblicke. Die Kletterpartie war anstrengend, woran die Hitze einen gewissen Anteil hatte. Der Weg war anspruchsvoll, aber gut markiert. Und dann sind wir dem Gletscher ganz nahe gekommen, das ist schon ein tolles Erlebnis, vor allem weil man wirklich Angst haben muß um unsere Gletscher in Europa. Wenn wir die Gletscherzunge des Svartisen 2003 besucht hätten, wäre die Wanderung nach zwei Kilometern und ohne Kletterei bereits beendet gewesen.
Lust auf was Kaltes: bitte schön, hier die Bilder vom Gletscher Svartisen.
Zuerst mit dem Boot auf die andere Seite des HolandsfjordsGanz hinten sieht man unser Ziel: eine Gletscherzunge des SvartisenEinmal um den See und dann wird geklettertDas ewige Eis, das gar nicht mehr so ewig istAuf dem Rückweg bleibt auch Zeit für die Blümchen am Wegesrand
Standort: Picknickplatz bei Kleivhalsen Wetter: sonnig und warm bis zu 28 Grad, gegen Abend auffrischender Wind Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Heute ist Ausflugstag, wir lassen unseren Camper stehen und fahren mit der Fähre zweieinhalb Stunden zur Insel Lovund. Die ist berühmt wegen der Papageientaucher, die hier zu zehntausenden in den Felsen brüten. Sie kommen jedes Jahr pünktlich am 14. April hier an und zwar alle gleichzeitig. Niemand weiß, warum, das gehört zu den vielen ungelösten Rätseln der Natur. Im Laufe des Augusts verlassen sie die Insel wieder. Leider haben wir diese beschaulichen Vögel nur von weitem sehen können, man darf nicht näher herangehen, um die Tiere beim Brüten nicht zu stören. Fotos gibt es keine.
Aber trotzdem war der Ausflug toll, denn der Weg zu den Brutplätzen war wunderschön und wäre auch ohne die Vögel auf jeden Fall die Anreise wert. Die Insel Lovund ist sehenswert, sie wird geprägt von einem über 600 Meter hohen, steilen Felsen. Sonst ist nicht viel los hier, eine Fischfabrik und schmucke Häuser, aber immerhin eine Kneipe. Hat um 16 Uhr aufgemacht, gerade noch rechtzeitig für uns, denn die Fähre zurück ging um 18:20 Uhr. Hat für ein Bier und Fish and Chips gereicht. Das Glas Bier hat gut geschmeckt, auch für den stolzen Preis von 10 Euro für 0,5 Liter. Wir hatten eben Durst!
Die Vogelinsel LovundIm Hintergrund ist das Festland zu erkennen und unser Ziel für morgen: der Gletscher SvartisenWollgras soweit das Auge reichtUnser Stellplatz für die NachtDas letzte Bild des Tages, aufgenommen um 23:15 Uhr. Leider ist jetzt der Berg im Weg, so dass wir die Mitternachtssonne nicht sehen können.
Standort: Wohnmobilstellplatz am Sionafjord Wetter: richtig Sommer, ungelogen heute 28 Grad bei leichtem Wind der Stärke 1 Sonnenuntergang: gibt es nicht, sie geht nicht unter Sonnenaufgang: daher geht sie auch nicht auf
Aufwachen im Wohnmobil und zuerst mal die Fenster aufstellen, weil es zu warm ist! Das hatten wir bisher noch nicht. Wir freuen uns über den ersten richtigen Sommertag. Morgens um zehn Uhr haben wir bereits 24 Grad. Das Programm für heute ist klar, wir folgen weiter der Atlantikküstenstraße 17, die nicht die kürzeste und nicht die schnellste Verbindung nach Bodö ist, aber zweifelsohne die schönste,. immer am Wasser entlang und das bedeutet heute, drei Fahrten mit der Fähre. Darunter die landschaftlich äußerst reizvolle Strecke von Forvik nach Tjötta. Da passieren wir die sieben Schwestern, das sind diesmal aber Berge. Die Zahl sieben scheint eine mystische zu sein in Norwegen, und mit unverheirateten Schwestern lassen sie ihrer Phantasie freien Lauf. Nur soviel: Es waren diesmal Königstöchter, der Freier nicht gut gelitten und der König warf noch schnell einen Hut dazwischen, aber es ging für alle schlecht aus.
Wie auch immer, diese Bergkette liegt malerisch am Meer und ist vom Schiff aus besonders gut zu sehen. Die Berge werden langsam wieder etwas höher, Schneereste machen sie fotogen. Wir finden auch wieder einen schönen Stellplatz oberhalb des Sionafjords, der mit Picknickbänken und einer modernen Toilettenanlage speziell für die Bedürfnisse der Wohnmobilisten gebaut wurde.
Die sieben Schwestern von Osten aus gesehenUnd hier von Westen aus fotografiert, da habe ich nur sechs aufs Bild bekommenDie HelgelandbrückeBlick auf den Sionafjord
Standort: Campingplatz in Brönnöysund am Torghatten Wetter: Sonnenschein ab mittags, 18 Grad bei mäßigem Wind der Stärke 4 Sonnenuntergang: 0:27 Uhr Sonnenaufgang: 2:01 Uhr
Der heutige Tag hat uns versöhnt, seit Mittag scheint die Sonne und wir haben unsere Wanderung zum Torghatten wie geplant machen können. Er ist ein besonderer Berg, denn in der Mitte ist ein Loch. Wie das da hinkommt? Naturwissenschaftler erklären das Phänomen damit, dass der Berg zu Urzeiten unter Wasser lag und die Strömung das Loch geformt hat. Um sich das Ausmaß vorstellen zu können, hier einige Daten: der Berg ist 258 Meter hoch, das Loch ist 35 Meter hoch und rund 160 Meter lang, denn es geht durch den Berg hindurch und kommt auf der anderen Seite wieder raus. Wir klettern also auf der einen Seite hoch, die letzten Meter sind steil und felsig und der Untergrund ist aufgeweicht und glatt, wegen des Regens gestern. Also muß man etwas vorsichtig gehen. Oben angekommen, steht man in einer mächtigen Höhle und die Kraxelei geht weiter, denn der Boden ist nicht etwa eben, sondern genauso unwegsam und felsig wie der Anstieg. Wir gehen bis zur anderen Seite, Holzleitern erleichtern die Passage. Und dann der Blick aufs Meer, einfach toll und all der Mühen wert. Wir haben uns für den Durchstieg entschieden und gehen an der anderen Seite hinunter. Auch nicht ganz einfach, aber man muß sich Zeit lassen. Bald lässt man die Felsen hinter sich und es wird grün, die Wiesenblumen blühen um die Wette und bald schon sind wir am Strand. Noch ein paar Fotos von dieser Seite mit ein paar schönen roten Gebäuden im Vordergrund und dann gehen wir um den Berg herum zurück zu unserem Campingplatz. Als Schmankerl kommt kurz vor sechs ein Hurtigschiff direkt an unserem Platz vorbeigefahren. Ein toller Tag und laut Vorhersage soll es jetzt ein paar Tage so bleiben. Da haben wir nichts dagegen!
Unser Campingplatz bei schönem WetterDer Aufstieg zum TorghattenDer Blick zur anderen SeiteDa gehen wir jetzt runterBlick zurück von der anderen SeiteStrand in der Nähe vom Campingplatz
Standort: Campingplatz in Brönneysund am Torghatten Wetter: bedeckt, tiefhängende Wolken, später Regen, sehr windig bei Windstärke 7 Sonnenuntergang: 0:27 Uhr Sonnenaufgang: 2:00 Uhr
Wir fahren heute nur eine gute Stunde bis nach Brönneysund, weil wir uns den Campingplatz am Berg Torghatten ausgesucht haben, um dort morgen zu wandern. Das Wetter wird sich bessern, genau richtig für unsere geplante Tour mit Überraschungseffekt, ihr dürft gespannt sein.
Heute kümmern wir uns um profane Dinge wie Wäsche waschen und Bevorratung. Im Ort waren wir in einem Spar Markt einkaufen. Es war ein gute Idee, viele Grundlebensmittel mitzubringen, denn das Einkaufserlebnis wird durch die hohen Preise etwas getrübt. Ein Pfund Erdbeeren kostet 8 Euro und eine Dose 0,33 l Heineken Bier 2,50 Euro. Da haben wir manchmal nicht so viel Durst und Tee schmeckt ja ohnehin besser!
Der Lachs allerdings ist hier im Verhältnis preiswert zu haben, in etwa zu unseren Preisen zuhause. Auch Brot ist sehr teuer, da kostet ein Kilo 6 bis 7 Euro. Übrigens ist auch tanken nicht gerade preiswert, der Liter Diesel kostet zwischen 2,40 und 2,70 Euro. Das hat mich überrascht, weil Norwegen doch eine eigene Ölindustrie hat. Aber tatsächlich sieht man auf den Straßen sehr viele E-Autos und genügend E-Säulen zum Aufladen. Wir sind ja nun schon etliche Kilometer Landstraße gefahren, auch oft Nebenstrecken, aber immer haben wir die Haltebuchten der Linienbusse gesehen. Sieht so aus, als wären die ländlichen Gegenden gut angebunden. Also für die Infrastruktur vergeben wir eine glatte eins.
Nach dem Regen ist vor dem Regen. Hier seht ihr unseren Campingplatz für die nächsten beiden Tage.Das ist unsere Aussicht, vor dem Regen.
Standort: Bindalseidet am Lysfjord, bei den Fischerhütten Wetter: zunächst sonnig, am Nachmittag bewölkt bei 14 Grad und Windstärke 5 Sonnenuntergang: 0:17 Uhr Sonnenaufgang: 02:08 Uhr
Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen versöhnt uns mit dem Wetter.Die Sonne wärmt schon und wir frühstücken auf einer Picknickbank im Freien. Auf der Fahrt heute zeigt sich Norwegen von seiner schönsten Seite, zumindest seit wir den Großraum Trondheim verlassen haben. Ich frage mich schon die ganze Zeit, warum auf unserer Autokarte die landschaftlich schönen Strecken nicht grün markiert sind. Jetzt weiß ich die Antwort: man müsste alle Straßen grün anmalen!
Die Geologie Norwegens stellt die Straßenbauer vor große Herausforderungen. Der Staat hat aber auch viel Geld, um in die Infrastruktur zu investieren. Wir fahren so oft durch Tunnels wie sonst nirgends außer in der Schweiz. Es gibt sogar Tunnels, die unter Fjorden hindurchführen und 250 Meter tief sein können. Manchmal werden aber auch ganz normale Brücken gebaut. Wo sich solche Bauwerke nicht lohnen, gibt es Fähren. Das funktioniert richtig gut, wir hatten uns vor der Reise im Mautsystem registriert und so wird auf den Fähren nur unser Nummernschild gescannt. Abgebucht wird zum Schluß von der Kreditkarte.
Nach Tierbeobachtungen unterwegs haben wir uns wieder bei Fischerhütten einquartiert, hier haben wir die Übersicht über den Lysfjord und können in Ruhe das nächste Regengebiet abwarten. Das dauert morgen noch den ganzen Tag, aber dann ist für die nächsten Tage erst einmal Ruhe mit Naß von oben. Dann hoffen wir, unsere geplanten Wanderungen machen zu können.
Leider habe ich mein Brehm´s Tierleben nicht dabei, vielleicht können die Jäger unter euch helfen, ist das ein Rentier?Fähre von Lund nach Hofles
Standort: Freier Stellplatz am Stadtrand von Trondheim direkt am Trondheimfjord Wetter: nur ein Wort, Regen! Erst am späten Nachmittag nachlassend, 10 Grad und Windstärke 4 Sonnenuntergang: 23:37 Uhr Sonnenaufgang: 03:03 Uhr
Wir waren mental darauf vorbereitet: einmal musste ein Regentag kommen. Das war heute. Und zwar den ganzen Tag. Da an Besichtigungen und Wanderungen nicht zu denken war, haben wir einen Fahrtag daraus gemacht und sind bis Trondheim gekommen. Es hat zwar noch getröpfelt, aber für einen Stadtrundgang hat es natürlich gereicht. Wir kannten uns bereits aus, von unseren Besuchen während der Postschiffsreise, allerdings war das im Winter. Die Temperaturen waren gefühlt ähnlich, aber diesmal ohne Schnee.
Aber ein Highlight gab es heute: wir haben den Nidaros-Dom besichtigt, es waren kaum Besucher da und so konnten wir uns alles in Ruhe anschauen, Fotografieren war ausdrücklich erlaubt. Ein wirklich imposantes Bauwerk, das im Jahr 1070 natürlich in bescheideneren Ausmaßen und als Holzbauwerk begonnen wurde und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder angebaut und nach Bränden auch wiederaufgebaut wurde. Die letzen Verschönerungen wurden Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, vor allem die Skulpturen der Westfassade. Anschließend kurzer Rundgang durch die gemütlichen Gassen, die im 18. und 19. Jahrhundert entstanden sind. Ein versöhnlicher Abschluß dieses Schlechtwettertages.
Der pittoreske Fischereihafen von BudDer Nidaros-Dom von TrondheimDie alten Speicherhäuser am Nidelva-Fluss
Standort: Zwischen Fischerhütten in der Nähe von Molde Sonniger Tag, wir haben die 20 Grad gesehen bei Windstärke 1 Sonnenuntergang: 23:36 Uhr Sonnenaufgang: 3:29 Uhr
Tiefblauer Himmel über dem Geirangerfjord und ein letzter Blick zurück vom Adlerstig. Wir fahren in Richtung Andalsnes durch ein Hochtal, vorbei an Erdbeerfeldern. Mit läuft das Wasser im Munde zusammen, aber es gibt keine Verkaufsstände, wie im Reiseführer erwähnt, obwohl es doch schon Ende Juni ist. Ich kaufe mir dafür ein Erdbeereis.
Das nächste Highlight wartet schon auf uns: der Trollstigen, die wohl berühmteste Serpentinenstraße Norwegens. Noch berühmter ist nur noch der Aussichtspunkt, von dem aus man die 12 Serpentinen aus der Vogelperspektive sehen kann. Ein aufwändiges Besucherzentrum wurde errichtet, das in erster Linie ein Souvenirladen ist. Aber die weit nach vorne ragenden Plattformen sind schon toll, damit man auch wirklich die letzte Kurve von oben sehen kann.
Weiter geht´s via Andalsnes nach Molde, wo wir einen schönen Platz zwischen Fischerhütten finden. Mit einer weiten Aussicht auf schneebedeckte Berge und vorbeifahrende Schiffe. Die Picknickbank können wir allerdings nicht benutzen, da ein Möwen-Junges dort seine Kinderstube hat und die Eltern so aufgeregt mit uns schimpfen, dass wir uns Sorgen um sie machen. Wir haben uns arrangiert, wir halten Abstand von der Picknickbank und sie akzeptieren unsere Anwesenheit.
Der letzte Blick auf GeirangerKaum bist du 800 Meter hoch, ist schon wieder WinterTrollstigen Overlook, bestens erschlossenManchmal kann es eng werdenBlick auf AndalsnesUnser Platz für die Nacht, rechts von der Picknickbank das JungeNäher komme ich leider nicht heran, ohne dass die Möweneltern Angriffe fliegen
Standort: Vinje Camping in Geiranger Sonne setzt sich immer mehr durch, 19 Grad bei Windstärke 0 Sonnenuntergang: 23:26 Uhr Sonnenaufgang: 3:39 Uhr
Heute ist Ausflugstag. Pünktlich zu unserer Bootstour auf dem Geiranger Fjord scheint die Sonne – Kaiserwetter! Im Örtchen, Geiranger hat 250 Einwohner, geht es heute gemütlich zu, kein Kreuzfahrer legt an. Pünktlich um halb drei kommt das Postschiff vorbei, legt für 20 Minuten an und verschwindet dann wieder. Wie sind bereits auf der Fähre nach Hellesylt, die wir hin- und zurück gebucht haben, ohne Auto. So durchfahren wir den 15 km langen Geirangerfjord in ganzer Länge, vorbei an den sieben Schwestern. Das sind die berühmten Wasserfälle, um die sich eine Saga rankt. Diese besagt, dass die Schwestern unverheiratet geblieben sind und ihren Freier, einen Wasserfall auf der gegenüberliegenden Seite, verschmäht haben. Na ja, so haben die Reiseleiter wenigstens etwas zu erzählen. Das war ein gemütlicher Tag und wir haben durchaus mal ein kurzes Sonnenbad genommen.
Geiranger im RuhemodusDie Kong Harald von den Hurtigruten läuft einDer Geiranger Fjord hat einige enge Stellen, rechts und links ragen die Berge bis zu 1.700 m emporDie sieben Schwestern kommen in SichtAbfahrt von Hellesylt und zurück nach GeirangerUnser Campingplatz mit Fjordblick
Standort: Vinje Camping in Geiranger Morgens sonnig, dann bewölkt und nachmittags kurze Schauer, zwischen 6 und 19 Grad bei Windstärke 2 Sonnenuntergang: 23:25 Uhr Sonnenaufgang: 3:39 Uhr
Ein perfekter Morgen, Sonne und blauer Himmel und auf unserer Route liegt der Reinheimen Nationalpark. Wir suchen uns eine Rundwanderung aus, die „Kultursteig“ heißt. Man solle auf den Weg achten stand da und es war die Rede von einer außergewöhnlichen Steinbrücke. Eigentlich wollten wir in leichtem Schuhwerk los, aber wir haben dann doch die Bergstiefel angezogen. Der Weg begann harmlos, allerdings stetig und steil ansteigend und zunehmend felsig. Wir sind bis zur Baumgrenze gelaufen, da pfiff der Wind ganz schön. Und dann kam die interessante Steinbrücke.
Mal ganz abgesehen davon, dass es kein Geländer gab, fehlt hier der Größenvergleich. Wir kamen von rechts und man erkennt eine Felskante, die etwa 1,5 m hoch war, also höher als meine Schrittlänge. Es gab einen schmalen Griff im Felsen, an dem musste man sich festklammern und dann hochziehen. Das war für einen Nicht-Kletterer wie mich ganz schön knifflig.
Hier noch die restlichen Bilder von der Wanderung, die uns übrigens ausgesprochen gut gefallen hat, sehr abwechslungsreich und eben auch ein wenig aufregend.
Und das haben wir auf der Wanderung gelernt: Gehe grundsätzlich in Bergschuhen los, auch wenn es zuerst nach einem Spaziergang aussieht, nimm zusätzlich warme Sachen mit und vor allem immer eine warme Mütze, auch wenn es sonnig und warm ist, denk an Regenkleidung, auch wenn der Himmel blau ist und nimm was zu trinken mit. Jetzt wissen wir es auch!
Jetzt aber los zum Geirangerfjord. Wir fahren den sogenannten Adlerweg, machen aber noch einen Abstecher zum Aussichtspunkt Dalsnibba, der liegt auf 1400 Meter Höhe und bietet eine tolle Aussicht bis nach Geiranger, wenn die Sicht gut ist. Das war sie ja die ganze Zeit, aber als wir oben ankamen, standen wir in dichtem Nebel. Wir hatten sowieso Hunger, haben uns in unserem Camper ein Vesper zubereitet und siehe da, langsam wurde sie Sicht besser. Das Schiff ist die Europa 2, und das ist auch der einzige Kreuzfahrer heute und morgen kommt gar keiner. Wir haben uns für zwei Tage hier einquartiert und planen morgen einen Bootsausflug auf dem Geirangerfjord.
Standort: Gjeilo Camping am Ottasee Bewölkt, später sonnig, ab Nachmittag Regen, bis zu 19 Grad bei Windstärke 2 Sonnenuntergang: 23:15 Uhr Sonnenaufgang: 03:38 Uhr
Auch heute bestimmt das Wettergeschehen den Tagesablauf. Am Nachmittag erwarten wir eine größere Regenfront, die sich bis in den Abend hinein abregnen soll. Wir wollen heute eine der schönsten Passstraßen Norwegens fahren, die Sognefjellfeien. Frühes Aufstehen und kleines Frühstück, dann brauchen wir etwa eine Stunde, um das Jostedal wieder zurückzufahren auf die Hauptroute. Die Passstraße beginnt mit steilen Serpentinen und durchquert in einer Höhe von maximal 1440 Metern das Sognefjell. Mit Fjell bezeichnet man übrigens eine alpine Hochebene oberhalb der Baumgrenze. Und genauso sieht es hier aus, eine felsige Ebene ohne Bewuchs aber mit tollem Rundblick und vielen Schneeresten. Im Winter ist der Pass gesperrt, er wird erst gegen Anfang Juni wieder geöffnet.
Wir sind früh genug losgefahren, die Sicht ist noch gut und ab und zu lässt sich ein Sonnenstrahl blicken. Am Horizont erkennt man bereits die ersten dunklen Wolken. Der Betrieb hält sich noch in Grenzen, man kann jeden Haltepunkt anfahren und die Aussicht genießen. Wandern ist schwierig, zu viele Schneereste und aufgeweichte Böden. Also gibt es heute eine Autowanderung. In der Nähe von Lom im Lagendal finden wir einen Campingplatz im Grünen an einem See. Hier können wir in Ruhe den Regen abwarten.
Standort: Jostedal, unterhalb des Styggevatn Wechselnd bewölkt, kurze Schauer, 12 Grad bei Windstärke 3 Sonnenuntergang: 23:19 Uhr Sonnenaufgang: 3:48 Uhr
Erstes Ziel heute ist die zweitälteste, aber am besten erhaltene Stabkirche Norwegens in Borgund. Vom 12. bis 14. Jahrhundert entstanden etwa tausend dieser kunstvoll und komplett aus Holz erbauten Kirchen im ganzen Land. Der Begriff Stabkirche beschreibt die Bauweise: die tragenden Stäbe wurden in einen Grundrahmen gestellt, verzapft und dann aufgerichtet. Die Kirche von Borgund ist 800 Jahre alt und noch original erhalten. Nur das Holz wird immer wieder gestrichen, um es zu schützen. Die Schnitzereien im Innenraum konnte ich nicht fotografieren, denn Stabkirchen hatten keine Fenster und Blitzlicht ist nicht erlaubt.
In Sogndal habe ich im fünften Anlauf einen Cardreader gekauft, somit gibt es jetzt auch wieder Fotos von der großen Camera im Blog. Das weitere Tagesprogramm haben wir um das Wetter herum geplant. Um eine trockene Phase abzupassen, haben wir uns beeilt, zum Gletscher Jostedalsbreen zu kommen. Wir fahren ins Jostedal-Tal bis zum Parkplatz in der Nähe der Gletscherzunge. Im Reiseführer steht lapidar, dass der Weg dorthin klettern über manchmal rutschige Felden bedeutet und „ein lustiges Hüpfen über wackelige Steine in Bachläufen“. Wir hatten natürlich unsere Bergschuhe an, aber lustig fand ich das trotzdem nicht, ständig balancierend und die Angst, auszurutschen. Na ja, wir haben es letztendlich doch geschafft. Beeindruckend war vor allem, die Auswirkungen des Klimawandels zu sehen. Die Abbildung in unserem Reiseführer zeigt den Gletscher noch in der Nähe des Seeufers, jetzt hat er sich schon mehrere hundert Meter zurückgezogen.
Die Stabkirche von BorgundDer Nigardsbreen, eine Gletscherzunge des Jostedalsbreens. Seit dem Jahr 2000 hat er sich um 450 Meter zurückgezogenUnser hochalpiner Übernachtungsplatz
Standort: Boflaten Camping Sonnig, später mehr Wolken und ein paar Tropfen Regen, 19 Grad bei Windstärke 7 Sonnenuntergang: 23:04 Uhr Sonnenaufgang: 03:49 Uhr
Ich weiß nicht, wie die Norweger das machen, aber die Fähre hat um Punkt 10:00 Uhr in Oslo angelegt. Unser Camper stand auf Deck drei und dieses wurde zuerst entladen. Wir standen sehr weit vorne und sind um 10:03 Uhr von Bord gerollt, das nenne ich mal hurtig. Auf der Stadtautobahn waren wir schnell aus der Stadt raus und hatten uns vorgenommen, etwa 200 Kilometer auf der E 16 in nördlicher Richtung zu fahren und dann einen Campingplatz zu suchen. Oslo werden wir uns für den Schluß aufheben.
Hier nur zwei Bilder vom Campingplatz, die restlichen Fotos kommen wie gesagt morgen.
Standort: an Bord der Color Fantasy von Kiel nach Oslo Wechselnd bewölkt, aber trocken, um die 18 Grad bei Windstärke 5 Sonnenuntergang: 22:41 Uhr Sonnenaufgang: 03:54 Uhr
Die Entscheidung hatten wir schon im Januar getroffen und die Schiffsreise nach Oslo gebucht. Mit Blick auf die Preise für einen Liter Diesel sind wir heute froh, dass wir uns für den Seeweg entschieden haben. Wir sind in 20 Stunden in Oslo, mit dem Camper hätten wir drei Tage eingeplant. Diese Fahrt wird von der Reederei auch als Minikreuzfahrt verkauft und entsprechend ist das Schiff ausgestattet. Von Spa bis Ladenpassage, Gourmet-Restaurant mit einer Glaswand über zwei Stockwerke, Pub und eine Cocktail Lounge im 15. Stock mit Bug-Blick, alles da! Gediegene Kabine mit großem Bullauge, ich sitze, während ich schreibe, auf dem Bett und lasse dänische Inseln lautlos vorbeigleiten. Sehr entspannend. Wir ernähren uns von Krabben und Lachs, anschließend gibt es noch ein Pint Hansa Bier im Pub, mit Live-Musik gratis. Eine sanfte Dünung schaukelt uns in den Schlaf. Man wacht aber sehr früh auf, weil es mitten in der Nacht schon wieder hell wird!
Es gibt ein technisches Problem mit meinen Fotos, das ich vermutlich morgen lösen kann. Daher jetzt nur Handy-Fotos!
Wir wollen nach Norwegen, und das ist das Gegenteil von Süden. Keine lauen Sommernächte, planschen im Meer nicht mit uns, Goretexjacke statt Spaghetti-Träger. Aber dafür freuen wir uns auf eine beeindruckende Berglandschaft, Fjord und Fjell, dramatischer Himmel statt immer nur blau und eine Sonne, die nicht richtig untergeht. Na, Lust bekommen, uns zu begleiten? Bitte schön, heute beginnt mein Norwegen Logbuch.
Logbucheintrag vom 13. Juni 2022 Standort Brasilien am Schönberger Strand Wechselnd bewölkt bei bis zu 20 Grad, Windstärke 5
Wir haben für morgen die Fähre von Kiel nach Oslo gebucht und verbringen jetzt die Nacht an der Ostsee in der Nähe von Kiel. Wir haben schon ausgiebig Meeresluft geschnuppert und freuen uns auf morgen und eine 20 stündige Schiffsreise.
Zuerst dachte ich, das ist ein Tippfehler. Wer nennt denn ein Hotel H 10? Auch wenn das Palace am Ende wieder versöhnlich stimmt und eine herrschaftliche Unterkunft verspricht. Des Rätsels Lösung: es handelt sich um eine Hotelkette, aber sie haben weit mehr als 10 Hotels. Weltweit vertreten, auch in Berlin gibt es ein H 10 Ku´damm. Wir haben es ausgesucht, weil es direkt am Strand liegt und in Fußentfernung zur Innenstadt von Estepona. Und natürlich auch wegen des günstigen Angebots.
Es ist nicht gerade ein Boutique Hotel mit seinen 237 Zimmern, aber jetzt zur Vorsaison geht es noch beschaulich zu, man sieht es an den Liegestühlen. Zu zweit stehen sie in großem Abstand zueinander und egal wann man schaut, niemand hat einen Liegestuhl mit seinem Badehandtuch als sein Revier gekennzeichnet. Die Bauweise des Hotels ist für meinen Geschmack etwas zu übertrieben mit den weißen Zinnen und Türmchen, aber das ist wohl landestypisch zu nennen. Man hat wohl als großes Vorbild das Werk der maurischen Baumeister gepaart mit zeitgenössischer Architektur. Immerhin kein großer Kasten am Wasser! Die Poollandschaft fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein und der tropische Garten ist gepflegt. Und eine himmlische Ruhe, nur das Rauschen des Meeres ist die Hintergrundmusik.
Weil wir drei Wochen hier wohnen haben wir ein Superior Zimmer genommen, das hat den vollen Meerblick und ist etwas größer als der Standard. Modern und gemütlich eingerichtet, ein Wohlfühlzimmer. Und das Tollste: wenn man die Balkontür offen lässt, hört man vom Bett aus das Meer rauschen. Hört sich nach Urlaub an, oder?
Damit ihr jetzt nicht sofort losrennt und das Hotel bucht, hier noch ein paar Wahrheiten. Der Speisesaal ist eine akustische Fehlleistung. Hier geht es laut zu, zu wenig Textilien dämpfen die Geräusche, die Stühle scharren unangenehm laut auf dem Fliesenboden. Und das tun sie sehr oft, denn die Mahlzeiten werden in Buffetform gereicht. An der Qualität des Essens gibt es nichts auszusetzen, ist natürlich keine Sterneküche, aber die war auch nicht zu erwarten. Am meisten bedauern wir, dass die Strandbar mit dem wunderschönen Ausblick aufs Meer nur von Mitte Juni bis Mitte September geöffnet hat. Es gibt in der übrigen Zeit nur eine ungemütliche Lobbybar mit wiederum erhöhtem Lärmpegel. Wenn wir abends noch gemütlich ein Weinchen trinken wollen, gehen wir zehn Minuten zu Fuß in die nächstgelegene Strandbar.
Zum Strand ist zu sagen, dass er weder feinsandig noch goldgelb ist. Badeschuhe sollte man einpacken. Dafür kann man ausgedehnte Strandwanderungen machen, teils über Promenaden, teils durch naturbelassenen Sandstrand, der auch felsig sein kann. Privatstrände gibt es hier nicht, das Meer ist für alle da.
Alles in allem fühlen wir uns wohl hier und wir finden, es ist ein guter Ort zum Überwintern. Seht selbst.
Reisevorbereitungen sind für eine Vielreisende wie mich Routine, längst ist die Packliste in Fleisch und Blut übergegangen, der Koffer ruck zuck gepackt. Dann mit dem ICE zum Flughafen, klappt alles wie am Schnürchen, pünktlich und zuverlässig. Wir haben eine individuelle Jordanien-Rundreise gebucht, wollen ein Land bereisen, in dem es derzeit laut offizieller Statistik einen einzigen Corona-Fall gibt. Und die medizinische Versorgung im Land gilt als die Beste im Nahen Osten. Kurz vor dem Check-in Schalter holt uns die Realität ein, unsere Fluggesellschaft Royal Jordanian hat die Rückflüge von Amman nach Frankfurt gestrichen. Wir reisen mit „erlebe Fernreisen“ , haben dort also eine Ansprechpartnerin, die sich umgehend kümmert. Es gäbe wohl eine Alternative mit Turkish Airlines über Istanbul zurückzufliegen. Das wäre in zwei Wochen, wie ist dann die Situation in Europa? Wird Turkish Airlines diese Strecke dann noch bedienen? Wir sind normalerweise nicht ängstlich, doch in diesen Zeiten, wo jeden Tag schlimmere Nachrichten eintreffen, wollen wir nicht heldenhaft sein, wir entscheiden uns für die unserer Meinung nach sichere Variante. Urlaub in den eigenen vier Wänden. Beim Veranstalter hat man Verständnis, wir verabreden eine Verschiebung der Reise, wenn bessere Zeiten kommen.
Ich reise schon immer wahnsinnig gerne, schon als Kind nannte man mich eine „Reisetante“. Ich war vielleicht drei oder vier Jahre alt, als ich alleine mit der Straßenbahn zur Oma fahren wollte. Ich kannte den Weg genau. Mein Vater brachte mich zur Bahn, setzte sich aber heimlich in den zweiten Wagen. Ich stieg natürlich an der richtigen Station aus und lief zum Haus meiner Oma. Doch ich war zu klein, um an den Klingelknopf zu reichen. Ich suchte Hilfe und drehte mich. um. Da sah ich meinen Vater. Es soll sehr lange gedauert haben, mich wieder zu beruhigen.
Später ergriff ich folgerichtig den Beruf der Reiseverkehrskauffrau und für die Reisen nahm ich keine Straßenbahn mehr, sondern immer öfter das Flugzeug. Die Freiheit schien grenzenlos, auch und gerade jetzt, wo ich Rentnerin bin und unabhängig von begrenzten Urlaubstagen. Aber mit der Zeit fühlt sich die Freiheit nicht mehr so unendlich an, der Klimawandel ist mehr als ein Wermutstropfen. Ich habe schon alle Kontinente bereist und viele der „1000 Places to see before you die“ gesehen. Ist es in Ordnung, jetzt so sorglos weiter zu reisen wie bisher? Wann kommen endlich die klimaschonenden Antriebe für Flugzeuge? Kann man fliegen, wenn man die CO2 Kompensation entrichtet?
All das geht mir durch den Kopf, während ich zu Hause die Koffer wieder auspacke. Es juckt mich in den Fingern, nach Last Minute Angeboten zu suchen, aber es fehlt die richtige Lust dazu. Jetzt in den Flieger um mich zu trösten – nein! Mit der Bahn in eine Messestadt, wo so viele Betten leer geblieben sind? Aber jetzt werden überall kulturelle Veranstaltungen abgesagt, sogar Museen geschlossen. Ich habe mich entschieden: erstmal zu Hause bleiben, die Essensvorräte aufstocken (wir haben nie Vorräte daheim, würden schon am dritten Tag verhungern) und dann all die schönen Fotos anschauen, die meine Festplatte füllen. Man kann auch durch das Wiedererleben von tollen Reisen anhand der Fotos schöne Stunden verbringen. Ganz CO2 neutral. Und vielleicht das Reisen später neu erfinden. Aber nach Jordanien wollen wir irgendwann noch, das haben wir mit dem Veranstalter vereinbart.
„Wie jetzt, ihr wart noch nicht an den Niagarafällen?“ Das haben wir oft gehört, als wir von unseren Reisevorbereitungen berichtet haben. Ja, wir waren tatsächlich noch nicht hier und da wir von Toronto zurückfliegen, haben wir die Fälle eingebaut. Damit ihr alle beruhigt seid.
Den Wasserfall an sich finde ich normalerweise eher nicht so aufregend, doch was die Niagaras angeht, so muss ich zugeben, dass die ganz schön eindrucksvoll sind. Am besten, man nähert sich von der amerikanischen Seite, da hat man sozusagen schon mal die halbe Show. Die amerikanischen Fälle sind nicht ganz so tief und auch nicht so breit wie die kanadischen. Hier haben die Amis mal nicht die Größten.
Wenn man dann am Table Rock an den sogenannten Horseshoefällen auf der kanadischen Seite steht, sieht man die volle Wucht dieser unglaublichen Wassermassen. Und dazu noch tolles Wetter – man kann leicht einen ganzen Tag hier verbringen. Natürlich ist alles touristisch mundgerecht aufbereitet, es gibt Shuttlebusse, Aufzüge bis zum Boden und auch hinter die Fälle, Bootsfahrten zum Nasswerden und Aussichtstürme. Das war wirklich kurzweilig – und hier die Bilder dazu.
Die amerikanischen Fälle mit der Rainbowbridge im Hintergrund
Und hier die volle Ladung an den kanadischen Fällen
„Story behind the Falls“ nennt sich dieser Ausflug. Mit dem Aufzug geht es 30 Meter durch die Felsen nach unten, dort wird man dann nass. Näher an den Fällen geht nicht.
Vom Skylon Tower aus kann man sich einen tollen Überblick verschaffen.
Die amerikanischen Fälle von oben. Wer noch nicht nass genug geworden ist, kann mit einem der Boote in die Gischt fahren, das Boot unten fährt alle Viertelstunde und befördert hunderte von Passagieren.
Die letzten Kilometer bis zum Lake Ontario schiesst das Wasser durch eine enge Schucht und bildet zwischen drei und fünf Meter hohe Wellen. Nicht, weil der Untergrund felsig ist, sondern weil es so viel Wasser ist, mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h
Bei unserem Abstecher in den Adirondack Park im Staate New York – jawohl, wir sind in die USA gewechselt – wollten wir noch einmal die ganze Farbenpracht des Herbstwaldes erleben. Und es gibt hier viel Mischwald, der sich auf sehr malerische Weise verfärbt hat. Aber es ist nur das halbe Vergnügen, wenn die Sonne nicht scheint. Schade, aber dadurch erleben wir einen authentischen Herbsttag mit Bewölkung und Nebel. Nicht so das langweilige Bilderbuchwetter. Bei Sonne fotografieren kann jeder.
Auf unserer Route lag übrigens Lake Placid, schon zweimal Austragungsort der olympischen Winterspiele. Ein belebter Touristenort, hübsch gelegen zwischen zwei Seen, aber ohne gigantische Bauwerke, deren Nutzung nach den Spielen fraglich ist. Einzig die Sprungschanzen ragen etwas heraus.
In der ersten Nacht in den Adirondacks trommelte der Regen auf unser Wohnmobildach, da waren wir schon froh, dass es am nächsten Tag wenigstens nicht mehr regnete. Man wird bescheiden. Ich kann also nur Bilder ohne Sonnenlicht liefern, es ist nicht zu ändern. Wir können auch nicht beliebig verlängern, weil wir ja nur noch wenige Tage bis zu unserem Rückflugort Toronto haben.
Im südlichen Teil des Parkes änderte sich plötzlich das Wetter, als hätten wir eine Wetterscheide passiert. Auf einmal sonnig, aber nun kein Herbstwald mehr! Anscheinend ist es hier wärmer, die typische Rotfärbung des Laubes tritt ja vor allem nach dem ersten Frost ein, den gab es hier wohl noch nicht. Im übrigen sind die Adirondacks nicht auf Wohnmobile vorbereitet, hier übernachtet man in Lodges oder man zeltet. Wanderparkplätze waren beispielsweise für uns unerreichbar, weil sie schon für die PKW kaum ausreichend waren. Da hatten wir mit unserem 8,40 Meter langen Wohnmobil keine Chance. Auch für die Fotos mussten wir lange suchen, bis wir einen geeigneten Platz gefunden hatten. Aber ein paar Bilder sind schon dabei rumgekommen, also schaut selbst!
Typischer Ort in den Adirondacks, davon gibt es allerdings nur sehr wenige.
Es gibt nicht viele Straßen in dem geschlossenen Waldgebiet von etwa 200 mal 200 Kilometern. Nach Alaska ist es das größte Naturschutzgebiet der USA.
Natürlich muss man im Herbst mit Regen rechnen, auch in Kanada. Wir versuchen immer, die Regentage so zu nutzen, dass wir eine größere Fahrstrecke zurücklegen. Wir wären gern noch einen Tag am Saguenay Fjord geblieben, hätten da aber im Regen gesessen. Also fahren wir weiter nach Quebec, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kanadas. Unterwegs machen wir in einer Regenpause Halt im Künstlerstädtchen Baie St. Paul und an einem Vogelschutzgebiet. Da hatten wir richtig Glück, denn den Rest des Tages hatten wir Regen.
In Quebec haben wir einen stadtnahen Campingplatz gefunden, der in einem Waldgebiet liegt und außerdem noch einen Shuttle-Service in die Innenstadt anbietet. Das ist für Wohnmobiltouristen wie uns eine tolle Sache, denn die Parkplatzsuche in der Altstadt mit einem über acht Meter langen Fahrzeug wäre zum Scheitern verurteilt.
Quebec ist eine Stadt, wie es sie in Nordamerika nicht noch einmal gibt. Sie hat eine vollständig erhaltene Altstadt aus dem 17. und 18. Jahrhundert und ist von französischer Lebensart geprägt. Wir trinken Café au Lait und lassen uns Croissants schmecken. Und wenn wir keine Lust zum Kochen haben, gibt es Baguette und Camenbert. Wir haben den ganzen Tag in der Stadt verbracht, die dominiert wird vom Hotel Château Frontenac, das 1883 errichtet wurde und aussieht wir ein Märchenschloss. Prominente gaben sich die Klinke in die Hand und im 2. Weltkrieg fanden wichtige Konferenzen hier statt. Komplett erhalten ist auch die Zitadelle aus dem 17. Jahrhundert, von hier aus hat man einen tollen Ausblick auf die Altstadt und den St.-Lorenz-Strom. Der älteste Teil der Stadt liegt unterhalb des Château und umfasst nur ein paar Gassen sowie den Place Royal. Hier wurde 1608 der Grundstein für die spätere Stadt gelegt und auf diesen Platz ist man hier besonders stolz. Wenn man allerdings einen Tag erwischt, an dem Kreuzfahrtschiffe zu Besuch sind, dann ist man nicht allein in den engen Gassen. Um nicht zu sagen, dass dann drangvolle Enge herrscht. Aber wenigstens verstopfen die Kreuzfahrttouristen nicht die Straßen mit ihren Wohnmobilen. Sie kommen zwar mit einen sehr großen Schiff, sind dann aber zu Fuß unterwegs. Wir haben es jedenfalls genossen, nach viel Natur einen Tag in einer tollen Stadt verbracht zu haben, gefühlt waren wir einen Tag in Frankreich. Französisch ist ja hier auch die Muttersprache, Englisch ist für die hier ansässigen Kanadier die erste Fremdsprache.
Das Städtchen Baie St.Paul wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen, da haben wir uns wohl gefühlt.
Viele Künstler haben sich hier angesiedelt, Galerien und urige Lädchen dominieren das Stadtbild.
Im Vogelschutzgebiet am Cap Tourmente sammeln sich bis zu 30.000 Schneegänse auf dem Weg in wärmere Gefilde. Martin hat sie gezählt, es waren heute 2.456 Gänse am Ufer des St.-Lorenz-Stromes.
Unser naturnaher Campingplatz am Stadtrand von Quebec.
Das alles überragende Wahrzeichen von Quebec, das Château Frontenac.
In der Oberstadt fühlt man sich nach Frankreich versetzt.
In der Unterstadt stehen die ältesten Gebäude von Quebec.
Heute war ein schöner Tag, sonnig aber kühl bei maximal 10 Grad. Die Regenschirme wurden nicht gebraucht und hingen zum Trocknen aus.
Der Place Royal ist der älteste Teil der Stadt, sieht aber nicht so aus, weil die Häuser im Laufe der Jahre renoviert wurden.
Das Kreuzfahrtterminal liegt direkt an der Altstadt, da wirkt so ein großes Schiff schon mal ein wenig deplatziert. Für die Falks: hat nichts mit euch persönlich zu tun, ist nur so eine Anmerkung.
Das Château von der Altstadt aus.
Blick von der Zitadelle auf die Stadt und den St.-Lorenz-Strom.
Wie jeder National Park hat auch der Fundy ein gutes angelegtes und beschildertes Netz von Wanderwegen. Wir haben uns die Küstenwanderung ausgesucht, aber meist sind wir durch dichten Wald gelaufen. War ein bisschen anstrengend zu gehen, weil wir nur über Wurzeln gelaufen sind. Zur Belohnung sind wir dann in Alma in die Kirche gegangen. Aber nicht, um dem Herrgott für diesen schönen Tag zu danken, sondern um ein Bierchen zu zischen. Die Kirche ist jetzt nämlich eine Brauerei. Es gibt acht verschiedene Biere, wir durften probieren und haben uns ein leckeres ausgesucht. Unser Campingplatz im National Park liegt in Fußentfernung zu Alma, das haben wir ausgenutzt und sind abends landestypisch essen gegangen, es gab Hummer. Der wird hier frisch gefangen und man muss ihn einfach mal probieren. Ist viel Arbeit, aber es war zum Sattwerden. Allerdings haben die Hummersandwiches am Mittag genauso gut geschmeckt, ohne die ganze Arbeit. Dann sind wir nochmal in die Kirche, da gab es Live-Musik. Es wurde ein kurzweiliger Abend, wir hatten tagsüber ein Pärchen aus Köln kennengelernt und uns hier wieder getroffen.
Vom Fundy National Park aus sind wir stramm nach Norden gefahren, in Richtung St.-Lorenz-Strom. Und es war, als hätte jemand das Herbstlicht angeknipst. Als wir den Nadelwald hinter uns gelassen hatten, war auf einmal alles gelb, orange und rot. Die Sonne schien dazu, wir konnten uns an den Farben gar nicht sattsehen. Eine Stunde dauerte die Überfahrt mit der Fähre auf die Nordseite des Stromes. Der ist hier so breit, dass man das andere Ufer gerade noch erahnen kann. Wir haben uns wieder einen National Park ausgesucht, und zwar den Fjord-du-Saguenay. Etwa 150 Kilometer erstreckt sich der Fjord ins Landesinnere. Ausgangspunkt ist der hübsche Ferienort Tradoussac, berühmt für seine Walbeobachtungstouren. Der St.-Lorenz-Strom ist hier sehr fischreich und entlang der Küste ist ein marines Schutzgebiet ausgewiesen. Leider ist es nicht mehr so sonnig, die Farben leuchten nicht ganz so bunt, aber Wale haben wir gesehen, Finnwale, Minkwale und einen Buckelwal. Aber viel haben sie nicht von sich gezeigt, die Rückenflossen konnte man aber gut erkennen.
Viele Wurzeln queren den Wanderweg
Marschwiesen am Wasser
De Leuchttürme sind hierzulande viereckig und dieser hier ist nicht mehr in Betrieb, seht aber schön aus.
Wir haben uns getraut, Hummer zu essen ohne zu wissen, wie man das macht. Aber die Bedienung hat freundliche Hinweise gegeben.
Lobster Roll, einfach zu essen und mindestens genauso lecker
Sieht aus wie eine Kirche, ist aber keine!
Bei Sonnenschein zu fahren ist ein Augenschmaus
Wir überqueren de St.-Lorenz-Strom von Rivière-du-Loup nach St. Simeon, der Strom ist hier 24 Kilometer breit
Hier fehlt die Sonne, trotzdem gibt es einen Eindruck von der Farbenpracht
Am 15.September 1773 erreichte das erste Schiff aus Schottland die Küste des heutigen Nova Scotia, und zwar in Pictou. An Bord der Hector befanden sich 200 Passagiere und es sollten noch Tausende folgen. Sie hatten alle die eine Hoffnung: ein Stück Land zu finden, das sie bewirtschaften konnten und das ihnen gehörte. Ihre Pläne gingen auf und der Grundstein für Nova Scotia war gelegt.Geschichtsbewusste Einwohner von Pictou starteten eine Sammelaktion und finanzierten so den originalgetreuen Nachbau der Hector. Noch heute finden Feiern zu diesem Ereignis in Pictou statt.
Ist mir schleierhaft, wie 200 Personen auf dieses Schiff gepasst haben sollen
Der alte Leuchtturm von Pictou, allerdings auch nachgebaut
Das historische Cunard-Haus
Wann kommt die Flut
Den Regentag nutzen wir, um die Strecke von Pictou zu unserem nächsten Ziel zurückzulegen, der Bay of Fundy. Dies ist weltweit der Ort mit dem höchsten Pegelunterschied zwischen Ebbe und Flut. Er beträgt bis zu 16 Meter, die Nordsee bringt es auf maximal drei Meter. Dies bedeutet hier, dass ganze Felsen auf einmal im Trockenen stehen und Boote auf dem Trockenen liegen. Bekanntester Ort, um dieses Phänomen zu bestaunen, sind die Hopewell Rocks in New Brunswick. Bei Ebbe darf man zwischen den Felsen herumlaufen, bei auflaufendem Wasser wird der Strand gesperrt. Es ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in dieser Provinz und somit herrscht auch in der Nachsaison noch viel Betrieb. Wahrscheinlich haben alle den Regentag gestern abgewartet, entsprechend viel Betrieb herrscht bei den Felsen. Wir stapfen durch Sand und Schlick und schauen uns die Blumentopffelsen an. Die heißen so, weil auf ihnen Bäume wachsen. Die Besuchszeiten sind streng reglementiert, denn das Wasser kommt rasch und im Nu ist man eingeschlossen.
Campingplatz mit Aussicht auf die Fundy Bay
Das Wasser ist weg, aber keine Angst, es wird zuverlässig in fünf Stunden zurück sein
Die berühmten Hopewell Rocks an der Bay of Fundy
Ganz schön hoch, wenn man so zwischen ihnen hindurchgeht
Die Häuser am Wegesrand sind allesamt aus Holz gebaut und meistens wunderschön hergerichtet
Vollmundig wird die 300 Kilometer lange Strecke als schönste Küstenroute der Welt gelobt, vielleicht haben das aber auch die Marketing-Experten des Tourismusbüros geschrieben. Mit den Superlativen ist das ja immer so eine Sache. Aber toll ist die Route auf jeden Fall. Die Straße führt meistens nah am Wasser entlang und das Gelände ist hügelig. Bis zu 400 Meter hoch erheben sich die Berge und bilden an der Küste entsprechend hohe Klippen aus. Nur wenige Menschen lassen sich in dieser entlegenen Gegend nieder und einige davon leben vom Tourismus. Zum Beispiel die Anbieter von Walbeobachtungstouren. Hier am Cape Breton haben Pilotwale ihr Revier, je nach Jahreszeit ziehen aber auch Buckelwale und Blauwale vorbei. Wir haben Glück mit dem Wetter und die Tour startet bei strahlendem Sonnenschein um 10 Uhr. Der rothaarige Kapitän kann seine schottischen Vorfahren ebenso wenig verleugnen wie der Tourguide und die beiden machen ihren Job mit Leidenschaft. Sie freuen sich richtig, als sie die ersten Pilotwale aufgespürt haben. Und dann sehen wir noch eine Meeresschildkröte, was äußerst selten ist, da diese hier vom Aussterben bedroht sind. Wir hatten viel Glück mit dieser Tour, denn gestern fand keine statt wegen zu hohem Seegang und die beiden nächsten Tage ist Regen angesagt.
Ganz im Norden des Cape Breton liegt ein Campinglatz direkt an den Klippen und den steuern wir natürlich an. Meat Cove heißt das Nest, drei Häuser, ein Ausflugslokal und eben dieser Campingplatz mit der einmaligen Lage. Und die ist tatsächlich so toll wie auf den Bildern. Nach Sonnenuntergang wird es frisch hier oben, aber der Vollmond spiegelt sich im Meer, das müssen wir uns natürlich anschauen. Etwas durchgefroren freuen wir uns wieder über unser komfortables Wohnmobil mit der tollen Heizung.
Küstenlandschaft am Cape Breton
Küste vom Wasser aus
Ein Pilotwal nah an unserem Boot, leider hat er uns nicht mehr von sich gezeigt als seine Rückenflosse. Wir haben ihn und seine Feunde noch ein paar Mal gesehen, ist ja immer aufregend den größten Meeressäugern zu begegnen.
Ein freundlicher Mitreisender hat uns fotografiert.
Unser Traumplatz in Meat Cove
Scheinbar sind wir so fotogen, dass mir beinahe die Camera aus der Hand gerissen wurde. Oder da wollte jemand unbedingt mal eine Olympus halten…
Unser Traumplatz am nächsten Morgen
Kurzer Stopp in Neills Harbour, ein Kaff fast am Ende der Welt. Pittoresk steht im Reiseführer!
Tut mir leid, dass ich mich erst heute melde, aber die Netzabdeckung in Nova Scotia ist nicht wirklich gut. Aber jetzt geht´s los.
Auf einmal ist der Rasen wieder grün, im Osten Kanadas war der Sommer weder so trocken noch so heiß wie bei uns. Und die Kanadier lieben ihren Rasen – um jedes Haus herum ist vorbildlich gemäht. Vielleicht gibt es auch ein Gesetz, dass samstags der Rasen gemäht werden muss. Das Auge freut sich natürlich über so viel Grün.
Eigentlich hatten wir ja Rottöne erwartet, aber die Herbstfärbung lässt noch ein wenig auf sich warten. Nur vereinzelt sehen wir buntes Laub, aber das soll sich in den nächsten Wochen ändern. Es hängt auch von den Temperaturen ab, denn nur wenn die Blätter Frost bekommen haben, beginnen sie sich rot zu färben.
Wir haben ein sehr komfortables Wohnmobil bekommen, das sich gut heizen lässt, nicht unwichtig bei einstelligen Temperaturen nachts. Tagsüber sind es im Schnitt 15 Grad, je nachdem, ob sich die Sonne blicken lässt. Also perfekt zum Wandern. Hier nun die ersten Fotos aus der Provinz Nova Scotia. Übrigens leben hier tatsächlich viele schottischstämmige Kanadier, die ihre Vorfahren teilweise bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen können. Und die haben auch gleich die Namen ihrer Heimatorte mitgenommen, heute sind wir zum Beispiel durch Inverness gefahren.
Kleine Städtchen am Wegesrand, aber keine Cafés.
Dafür hübsche, bunte Holzhäuser.
Straßenrestaurants nehmen hier die gesamte Breite des Bürgersteigs ein. Die Fußgänger werden kurzerhand auf die Straße geleitet.
Den Indian Summer gibt es bislang nur in den Geschäften.
Oder vor dem Visitor Center. Aber das wird ja vermutlich noch besser.
Stellplatz im Grünen
Wanderung durch borealen Wald auf dem Skyline Trail
Dramatische Küstenlandschaft am Cape Breton
Und dann tatsächlich eine Elchkuh im Gebüsch
Und kurz drauf ihr Bruder, der kam gerade vom Elchtest.
Unser Wohnmobilvermittler hat ein Sonderangebot geschickt und da haben wir zugeschlagen, eine dreiwöchige Tour durch den Osten Kanadas bis nach Toronto. Wir starten in Halifax und werden teilweise der Küstenlinie folgen, durch die maritimen Provinzen Nova Scotia, New Brunswick und dem St.-Lorenz-Strom folgend über Quebec nach Toronto am Lake Ontario fahren. Und weil es fast auf dem Weg liegt, noch einen Abstecher zu den Niagara Fällen. Nein, die haben wir noch nicht gesehen, das hat uns zwar niemand geglaubt, stimmt aber trotzdem.
Ich bin mir nicht sicher, ob der Begriff Indian Summer überhaupt noch politisch korrekt ist. Die Herkunft ist nicht ganz geklärt, manche Quellen behaupten, er bezeichne eine Zeit im Herbst, die durch eine beständige Wetterlage vor dem Wintereinbruch geprägt wird und die früher von den Indianern zur Jagd genutzt wurde. Vielleicht hat es auch mit dem Sternbild des Großen Bären zu tun, in welchem sich die Jäger wiederfanden. Ich finde Indian Summer jedenfalls viel netter als Altweibersommer.
Wir freuen uns sehr auf diese Tour, die Freiheit, dort zu bleiben, wo es uns gefällt und mitten in der Natur zu sein. Zwischen Halifax und Quebec City gibt es vor allem verschlafene Fischerorte und Farmland, also so richtig zum Erholen und Durchatmen nach diesem anstrengenden Sommer. Ich melde mich das nächste Mal aus Halifax, morgen früh um zehn geht der Flieger. Und wie immer freue ich mich auf eure Kommentare. Grüße von der Reiseoma.