Archiv der Kategorie: Triest, Venedig und die Marken

Stille Tage in den Marken

Ich finde, wir haben uns den Urlaub verdient. Ausschlafen, gegen Mittag den ersten Cappuccino in der Bar am Fluß trinken und die Umgebung erkunden und das alles bei bestem Sommerwetter. Tagsüber nicht zu heiß, nachts kühlt es ab, so mögen wir es. Die wohl interessanteste Stadt in der Nähe ist Urbino, sie gilt als die perfekte Renaissancestadt und wird beherrscht von dem gewaltigen Palazzo Ducale und umrahmt von einer sehr gut erhaltenen Stadtmauer. Die Altstadt auf dem Berg ist autofrei und wird von Einheimischen und Studenten bevölkert. Der Erbauer des Palazzos hat die Geschicke der Stadt für 38 Jahre geprägt, schon als junger Mann verdiente sich Federico von Montefeltro Anerkennung. Mit 16 Jahren führte er erfolgreiche Feldzüge und mit 22 Jahren kam er an die Macht. Und er war ein gütiger und beliebter Herrscher, sagt man. Einer der berühmtesten Renaissancemaler, Raffaelo, ist Sohn dieser Stadt. Gern bummeln wir durch die Gassen und genießen den weiten Ausblick.

Aber die Marken punkten auch mit schönen Stränden, man findet hier kleinere und nicht so überfüllte Strände und Restaurants, die Fischspezialitäten auf der Karte haben. Natürlich haben wir das Strandleben ausprobiert, ist zwischendurch ganz entspannend.

Der mächtige Palast des Herzogs von Urbino
Es geht stetig bergauf und bergab in der Stadt.
Die Restaurantbesitzer sind sehr einfallsreich, wenn die Tische gerade stehen sollen, auch wenn es die Straße nicht ist…
… und sie nutzen wie bei uns jede freie Ecke aus.
Bildmotive an allen Ecken und Enden.
Die Strandbar ist nie weit…
… und dann wieder zurück auf den Liegestuhl.

Zum Entspannen in die Marken

Wir sind in Mittelitalien in der Nähe der Adriaküste gelandet und ehrlich gesagt, kannte ich die „Marken“ erst, seitdem sich Freunde hier ein Anwesen gekauft haben. Im Westen grenzt es an die Toskana und gilt unter Italienern noch als Geheimtipp. Ändert sich jetzt vielleicht, denn auch die Italiener entdecken ihr Land gerade neu. Die größte Stadt ist Ancona, bekannt vor allem für Fährverbindungen bis nach Griechenland.

Wir lassen es etwas ruhiger angehen, genießen das Landleben und erkunden die Umgebung. Es gibt malerische kleine Städtchen und eine lange Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht. Eine wichtige Handelsstraße, die Via Ferminia, führte hier entlang. Der Spätsommer bringt hier noch herrliche warme Tage mit sich, so um die 28 Grad, und abends genügt ein leichtes Jäckchen. Wir sitzen im Freien und genießen die schmackhaften Produkte der italienischen Küche.

Das Anwesen unserer Freunde geht auf Langobarden zurück und wurde von den beiden liebevoll und sehr authentisch renoviert. Als sie es kauften, war es eine gut erhaltene Ruine.
Es gibt eine separate Ferienwohnung, die wir jetzt für eine Woche bewohnen.
Die Trauben wachsen uns förmlich in den Mund.
Das Haus liegt etwas erhöht und bietet herrliche Ausblicke in die hügelige Landschaft der Marken.
Auch die Sonnenuntergänge sind sehenswert.
In Fossombrone trinken wir gern einen Cappuccino, der hier nur halb so viel kostet wie zu Hause!

Auf Irrwegen durch die Lagunenstadt

Natürlich geht man in Venedig zu Fuß, jede noch so winzige Gasse ist ein Blickfang, gut dass die Speicherkarte meines Fotoapparates groß genug ist, danke Lukas! Wenn man ein bestimmtes Ziel anpeilt, ist es anstrengend, dann schaut man andauernd auf den Stadtplan um festzustellen, dass diese kleine Gasse hier nicht verzeichnet ist. Es gibt kaum Orientierungspunkte wie zum Beispiel den Stand der Sonne, denn die sieht man in den engen Gassen nicht. Der Totalversager ist Google Maps, wenn man dort ein Ziel eingibt, findet die App die ersten Meter und dann kommt der große gepunktete Bogen zum Ziel, als ob einem hier plötzlich Flügel wachsen würden. Am besten, man geht einfach drauf los und lässt sich hinter jeder Ecke überraschen. Jede noch so enge Gasse mündet irgendwann in einen kleinen Platz oder überquert plötzlich einen Kanal. Oder man steht in einem Hinterhof, an dessen Ende es nicht weitergeht. Oder die Gasse endet direkt am Wasser, aber da ist keine Brücke, übrigens auch kein Geländer, man muss aufpassen, wohin man tritt.

Gestern Abend haben wir so einen Orientierungslauf unternommen, nach Sonnenuntergang, da sieht alles auf einmal ganz anders aus. Wir haben uns sogar dort verlaufen, wo wir täglich entlanggehen. Wenn man so gar nicht weiß, in welcher Richtung man unterwegs ist, landet man auch mal am entgegengesetzten Ende. Und da wurden die Gassen immer dunkler und auf dem Stadtplan war kaum noch etwas zu erkennen. Und dann geht man vorsichtig um die nächste Ecke und plötzlich steht man wieder auf einem belebten Platz. Ich kürze das jetzt ab, irgendwann haben wir dann doch nach Hause gefunden. Und heute Abend wollen wir wieder los, das Abenteuer ruft.

Wenn wir mal nicht herumirren, besuchen wir Paläste mit verschnörkeltem Inventar und Gemälden von Tiepolo oder Tiziano, schauen mal bei den Filmfestspielen am Lido vorbei oder vergleichen die Preise beim Aperol Spritz, der schwankt zwischen 3 und 6 Euro, je nachdem, wie weit man sich vom Markusplatz entfernt. Deshalb laufen wir auch immer so weit bis in die hintersten Ecken.

Hier nun ein winziger Teil meiner fotografischen Ausbeute, die Auswahl fällt schwer!

Immer ein Foto wert, der Canal Grande
Dieser Kronleuchter aus Muranoglas hängt im Palast Ca ´Rezzonico.
Nicht der Palast
Wie gemalt…
Platz zum Abendessen und in der Nähe des Sonnenuntergangsspots.
Darf natürlich nicht fehlen…
Abends wenn die Lichter angehen wird es romantisch in den Gassen Venedigs.
Oder einsam …
Aber Fotomotive ohne Ende.

Die Serenissima in Zeiten von Corona

Noch einmal nach Venedig, ohne Menschenmassen und nicht im tiefsten Winter, das war der Plan. Corona macht es möglich, kein einziges Kreuzfahrtschiff verstellt die Sicht auf Palazzi, kein Selfi-Stick weit und breit und Englisch ist nicht die Hauptsprache. So erleben wir die Lagunenstadt im Spätsommer dieses denkwürdigen Reisejahres 2020. Wir waren vor 20 Jahren schon einmal hier, damals waren auf dem Markusplatz und auf der Rialtobrücke mehr Besucher unterwegs. In den engen Gassen wird es trotzdem manchmal eng, aber kein Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Und wenn man die Guccis und Pradas dieser Welt hinter sich gelassen hat, taucht das morbide und stille Venedig wieder auf. Und man sieht Venezianer beim Einkaufen, beim Hunde ausführen und Schwätzchen haltend.

Der Hit ist unsere Unterkunft, ein kleiner Palazzo direkt am Canal Grande. Die Preise waren günstig und wir haben uns eine Suite gegönnt, mit direktem Blick aufs Wasser. Bequeme Sessel vor dem Bogenfenster, da kann man den Abend ausklingen lassen und beobachten, wie sich die Nacht auf die Stadt herabsenkt. Hier die ersten fotografischen Eindrücke.

Das ist unsere Unterkunft, nur von außen etwas angegammelt.
Unser Zimmer mit Aussicht.
Und das ist die Aussicht, wenn es Nacht wird in Venedig.
Und wenn man morgens früh genug auf den Beinen ist, sind auch die Arkaden am Markusplatz noch fotogen.
Morgendliche Ruhe vor dem Dogenpalast.
Die Gondolieri haben nicht viel zu tun,
Auch Venedig hat schiefe Türme.
So viele Fotomotive, die Auswahl fällt echt schwer.
So liebe ich die Plätze in Venedig, malerisch und nicht überlaufen.
Und gleich noch ein leerer Platz.
Hier zur Abwechslung mal ein Postkartenmotiv.
Früh übt sich was ein Gondoliere werden will.

Nach Triest des Kaffees wegen

Ihr habt es vielleicht schon geahnt: wir trinken sehr gerne Kaffee, genauer gesagt lieben wir den Cappuccino. Der kommt ja bekanntlich aus Italien und zwar konkret aus Triest. Die Stadt mit ihrem natürlichen Tiefseehafen war schon zu Beginn der Seefahrt ein wichtiger Umschlagplatz exotischer Güter. Bis heute wird in Triest ein großer Teil der Kaffeebohnen für Europa umgeschlagen. Aber damit nicht genug, der Kaffee wurde hier auch geröstet und es entwickelte sich eine ausgeprägte Kaffeekultur. Der Pro-Kopf Konsum an Kaffee liegt hier doppelt so hoch wie im italienischen Durchschnitt. Wir sind ausgezogen, diesen Verbrauch weiter zu steigern.

Im Stadtplan haben wir die berühmtesten Traditionscafés eingezeichnet und haben sie dann alle aufgesucht. Und ich kann euch verraten, der Cappuccino, der hier übrigens Café Latte heißt, schmeckt tatsächlich sehr gut. Und es fällt auf, dass es sehr viele Cafés in der Stadt gibt und alle sind immer gut besucht. Die Italiener trinken schon morgens auf dem Weg zur Arbeit den ersten Kaffee, im Stehen am Tresen, da kostet er weniger als im Sitzen, dazu essen sie ein Cornetto. Das ist ein komplettes Frühstück auf italienisch.

Beim Stadtbummel fällt auf, dass es unzählige prachtvolle Gebäude gibt, Zeugen einer glanzvollen Vergangenheit. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kam wieder Leben in die Stadt, in der heute eine bekannte Universität, unzählige Museen und Weltfirmen wie Generali Versicherungen und natürlich, die Kaffeefirma Illy ansässig sind. Es gibt neben den repräsentativen Gebäuden auch ein Altstadtviertel, hier lebten früher Fischer und einfache Arbeiter, heute ist es Ausgehviertel und auch unser Hotel befindet sich hier in einer engen Gasse.

So, jetzt schaut euch noch die Fotos an, ich muß jetzt dringend einen Café Latte trinken.

Die letzten Pfützen sind noch zu sehen, der große Regen ist vorbei, für uns scheint heute die Sonne.
Das noble Stadtviertel mit Blick auf das Kastell San Giusto, Wahrzeichen von Triest.
Blick auf die Stadt vom Kastell aus
Das Café San Marco, seit 1914 die erste Adresse für einen Kaffee
Zuletzt ist er uns in Dublin begegnet, mein Freund James Joyce. Er lebte 10 Jahre in Triest, kann ich gut verstehen, wettermäßig hat er einen guten Tausch gemacht.
Unser Hotel in der Altstadt, heißt zufällig auch James Joyce.
Die Straße des 20. Septembers, ein Café nach dem anderen!
Der Richardsbogen war Teil der römischen Stadtmauer und ist einer der ältesten antiken Funde in der Stadt.
Und als Gegensatz ein Stück Moderner Kunst.

Mit dem Auto nach Italien

Schon sehr lange hängt eine Karte mit diesem Text an unserer Pinnwand im Arbeitszimmer. Wir sammeln dort unsere Urlaubsideen und ordnen sie nach Monaten und Jahren, um einen Überblick zu behalten, wann man am besten wohin reisen kann. Jeder von uns beiden hat seine Sehnsuchtsziele zu Papier gebracht und nach Wichtigkeit sortiert. Und nach Monaten und Jahren. Das hat ein jähes Ende gefunden, Karten sind abgehängt und zur Seite gelegt, auf ihnen stand „Jordanien“ oder Seychellen“, beides war für 2020 geplant. Und zuletzt ist nur noch diese eine Karte übrig geblieben, auf der steht „mit dem Auto nach Italien“.

Und jetzt sind wir sehr glücklich, dass wir diese Reise im Coronajahr 2020 angetreten haben. Das war lange Zeit nicht klar, ob wir überhaupt eine Urlaubsreise unternehmen werden. Mal angesehen davon, dass wir nach einem Enkelinbesuch in Berlin eine Woche Ostsee angehängt haben. Aber jetzt sind wir tatsächlich unterwegs, nach Italien, dem Sehnsuchtsziel vieler Urlauber in den Sechziger Jahren. Italien war lange Jahre das Reiseziel Nummer eins der Deutschen, und das aus gutem Grund. Es gibt ja so viel zu sehen, bedeutende Kunststädte, feinsandige Strände und nicht zuletzt die liebenswürdige italienische Lebensart. Und erst die Küche… !!!

Wir fahren also los mit unserem Kleinwagen, der zweite Koffer liegt auf der Rückbank (aber nur, weil der Hybrid der ersten Generation noch so eine große Batterie hatte) und fahren in Etappen, wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Heute sind wir bis Salzburg gekommen, da kenne ich ein wunderschönes Hotel, alle Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß zu erreichen. Wir haben es tatsächlich geschafft, den sintflutartigen Regen hinter uns zu lassen und kommen bei Sonnenschein in der Festspielstadt an. Dass es später gewittert und hagelt – geschenkt. Wir wollten ohnehin eine Kaffeepause einlegen, die Sachertorte schmeckt immer noch so gut wie ich es in Erinnerung hatte.

Wir lassen uns treiben, sehen ein paar Festspielgäste, die aufgerafft auf den Einlass warten und tatsächlich keine Touristen, die sich vor allen Sehenswürdigkeiten selbst fotografieren. Wir hören österreichisches Stimmengewirr, Jugendliche können Skateboard fahren und sich ihre Stadt zurück erobern. Es geht geruhsamer zu in Salzburg, allerdings sind auch viele Straßenwirtschaften geschlossen oder kaum besucht. Hat vielleicht auch mit dem Hagelschauer zu tun.

Im Hotel hängen auffällig viele Schlüssel noch an der Rezeption und der Portier macht um 20 Uhr Feierabend, man rechnet nicht mehr mit Gästen. Und das zur Festspielzeit! Wir trinken noch einen Absacker im „Wohnzimmer“, einem geschmackvoll eingerichteten Raum, der allen Gästen offen steht und wo es Getränke zum Selbstbedienen gibt und wir bleiben auch hier alleine. Aber gemütlich wars. Und nun noch die Bilder des Tages und lasst euch überraschen, wohin es uns morgen verschlägt.

Im Mirabellgarten
Die Sonne fehlte noch ein wenig
Das Café Tomaselli bot uns einen trockenen Platz während des Hagelschauers
Und warum der auf der goldenen Kugel steht, weiß ich auch nicht, laut Wikipedia heißt es „Sphaera“ und ist ein Gesamtkunstwerk
Und dann kam doch noch die Sonne zum Vorschein