Archiv der Kategorie: Istrien Rundreise

Zu guter Letzt Piran

Noch eine Altstadt an der Adria dachten wir, und wir lieben ja bekanntlich malerische Altstädte. Aber Piran in Slowenien ist doch etwas anders als die istrischen Küstenstädte, die wir bisher gesehen haben. Der erste Eindruck: mehr klassizistische Bauwerke, das venezianische ist zwar vorhanden, aber man muss es suchen. Mal abgesehen vom Campanile der Kirche Sv. Jurij, der hoch über der Stadt thront und das Panorama prägt, egal, von wo man schaut. Piran liegt auf einer Halbinsel, die zum Landesinnern hin von einem Hügel geschützt wird. Damit nicht genug, die Reste einer Stadtmauer und zwei Wehrtürme können noch heute besichtigt werden.

Wir haben hier noch einmal zwei Nächte eingeplant, damit wir einen vollen Tag für die Stadtbesichtigung zur Verfügung haben. Unser Hotel lag im Zentrum der Stadt, direkt am Meer. Guter Ausgangspunkt für unsere Stadtrundgänge und Fotoexkursionen zu verschiedenen Tageszeiten. Motive findet man genug, hier nun eine kleine Auswahl. Piran hat seine eigenen Reize, der mittelalterliche Stadtkern ist weniger touristisch, dafür aber sehr authentisch. Hier wird gelebt und nicht alles ist nur für Touristen hergerichtet. Manche Seitengassen sind so schmal, dass kein Platz bleibt für Cafés oder Restaurants. Diese findet man hauptsächlich an der Strandpromenade.

Den besten Blick über die Stadt hat man von der Stadtmauer aus
Der Hauptplatz von Piran wird überragt vom Campanile und der Kirche Sv. Jurij.
Hier der Blick von der Kirche auf den gleichen Platz, der früher einmal ein Hafenbecken war, das zugeschüttet wurde. Die ovale Form ist der Wendeschleife der Straßenbahn nachempfunden, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts hier fuhr.
An der äußersten Spitze Pirans steht ein Leuchtturm.
An der Nordseite der Halbinsel war es etwas zugig.
Auf der Südseite hingegen den ganzen Tag Badebetrieb und jetzt sammelt sich hier alles zum Sonnenuntergang.
Unsere Koffer sind gepackt…
… und mit diesem Bild verabschieden wir uns von unserer Reise nach Slowenien und Kroatien, morgen geht es über Rosenheim nach Hause. Schön, dass ihr wieder dabei wart, Adios bis zum nächsten Mal.

Die Riviera Istriens

Istrien hat noch eine ganz andere, eine mondäne Seite. Die findet man in Opatija und in einigen Orten südlich davon. Mitte des 19.Jahrhunderts wurde eine Eisenbahnlinie von Wien nach Rijeka eröffnet und damit der Weg bereitet für den Tourismus an die Kvarner Bucht. Die Schönen und Reichen der damaligen Zeit waren die erste Gäste, sie bauten sich pompöse Villen entlang der Bucht von Opatija. Doch die Pläne gingen viel weiter, Ziel war es, die französische Riviera zu kopieren. Und das ist sehr gut gelungen, heute sind die palastartigen Hotels der Donaumonarchie ein echter Hingucker. Die Gäste wissen das milde Klima zu schätzen, denn die Bucht wird nach Norden von einem Gebirgszug abgeschirmt, so dass auch die Wintermonate für einen Kuraufenthalt in Frage kommen. Die Badestellen sind eher karg, es gibt einige Betonplatten mit Schirmen und Liegestühlen sowie Einstiege über Leitern ins Meer.

Das Wetter war heute nicht ganz so optimal, wenig Sonne und ein frischer Wind, der allerdings die Regenwolken vom frühen Morgen vertrieben hatte. Man ahnt den Herbst und merkt nun auch an vielen zugeklappten Sonnenschirmen und geschlossenen Restaurants, dass die Sommersaison zu Ende geht. Auch unsere Reise dauert nicht ewig, wir steuern heute Piran in Slowenien an, wo wir die beiden letzten Tage verbringen werden. Aber hier zunächst die Bilder von Opatija.

Die Prachtbauten Opatijas
Der kleine Bootshafen, von hier aus fuhren schon vor 100 Jahren die Touristen zu den benachbarten Orten an der Küste oder auf die gegenüber liegenden Inseln. Damals noch reine Ruderboote.
Das frisch renovierte Grand Hotel Palace
Man findet auch prächtige Jugenstilfassaden
Heute eher kein Badebetrieb, es war nicht kalt, aber sehr windig.

Nach dem Regen, der nicht kam

Wie einige von euch wissen, verlassen wir uns auf unseren Reisen gern auf die Wettervorhersage des norwegischen Wetterdienstes unter http://www.yr.no. Der hat uns eigentlich noch nie richtig im Stich gelassen. Außer gestern. Übereinstimmend mit dem Regenradar von wetter.online waren sintflutartige Regenfälle vorausgesagt worden. Beim Thema Starkregen gehen ja neuerdings sämtliche Alarmglocken an. Mit Regenjacken sind wir zum Frühstück geeilt und haben es uns dann mit einem guten Buch in unserer Ferienwohnung gemütlich gemacht. Die Lektüre lenkte ab und nach ein paar Stunden haben wir festgestellt, dass es ja noch immer nicht regnet. Allerdings zeigte das Radar immer noch heftige Regenfälle, zeitlich etwas nach hinten verschoben. Ich war schon beim zweiten Buch angelangt, als wir beschlossen, zum Kaffeetrinken in den nahe gelegenen Ort Medulin zu fahren. Spaziergang erst nach rechts und dann nach links die Strandpromenade entlang – immer noch kein Regen! Und es kam auch kein Tropfen mehr von oben, wo der Regen abgeblieben ist, weiß ich nicht. Aber schmökern ist ja auch ganz schön.

Heute ist die Welt wieder in Ordnung, Wetterbericht und Wetter stimmen überein und wir besichtigen Istriens größte Stadt Pula, immerhin beinahe 60.000 Einwohner leben hier. Die Stadt wurde schon vor über 3.000 Jahren gegründet, erlangte aber während der Herrschaft der Römer große Bedeutung als Handels- und Verwaltungszentrum. Dann folgten byzantinische, venezianische und österreichische Einflüsse, die sich bis heute im Stadtbild bemerkbar machen. Die wichtigsten Bauwerke haben die Römer hinterlassen, an erster Stelle das sehr gut erhaltene Amphitheater. Es fasste 20.000 Zuschauer und gehört damit zu den größten seiner Art.

Diesen tollen Ausblick genießt man vom Venezianischen Kastell aus, das im 17. Jahrhundert errichtet wurde.
Noch beindruckender ist jedoch das Römische Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert, errichtet von Kaiser Vespasian.
Der Innenraum bildet ein Oval.
Das römische Forum, ehemaliger Versammlungsort, ist heute noch als Platz erhalten und wird gern zum Einkehren genutzt.
Wenn die Blümchen auch aus Plastik sind, so ist es trotzdem ein Hingucker.
Der Triumphbogen wurde 27 v. Chr. errichtet, das dazugehörige Stadttor leider im Zuge einer Stadterweiterung abgerissen.
Erholungspause in Fasana, unserem Lieblingsort im südlichen Istrien. Diesmal haben wir hier auch Fisch gegessen, natürlich ein Muß, in einem Fischereistädtchen, übrigens sind Sardellen hier die Spezialität.
Der Gruß aus der Küche: eine Sardelle, hübsch angerichtet.
Die Vorspeise: Oktopus-Carpaccio
Der Hauptgang: Gemischte Fischplatte mit korrespondierendem Wein

Lands End in Istrien

Auf dem Weg nach Premantura schauen wir uns das kleine Städtchen Bale an. Die Römer gründeten den Ort, weil sie den Weg von Trieste nach Pula absichern wollten. Heute steht der mittelalterliche Ortskern unter Denkmalschutz. Das imposanteste Gebäude ist das Kastell Bembo. Im 5. Jahrhundert wurden zunächst zwei Türme errichtet, die durch eine Brücke verbunden waren. Später wurde der Bereich darunter dazugebaut. Wir waren schon früh unterwegs, zu früh für einen ersten Cappuccino, denn der Barista kämpfte noch mit seiner Maschine. Wir sind durch die engen, stillen Gassen geschlendert. Nur wenige Touristen begegneten uns, auch abseits der Hotspots kann man noch malerische Orte entdecken. Gefrühstückt haben wir dann in Fasana, ein Fischerort angereichert mit touristischer Infrastruktur mit Augenmaß. Die Lokale bieten Fischgerichte in allen Variationen an, die haben wir natürlich nicht zum Frühstück probiert. Dazu werden wir noch einmal herkommen.

Schlag Zehn in Bale, aber der Ort zeigt sich noch sehr verschlafen.
Das mittelalterliche Stadtbild ist sehr fotogen, aber die Häuschen stehen eng beieinander und in manche dunkle Gasse fällt kaum Tageslicht. Aber hier steht alles unter Denkmalschutz, schön für die Besucher.
Man merkt, dass die Bewohner ihr Städtchen mögen, alles wird schön dekoriert.
Das markanteste Gebäude der Stadt ist zweifellos das Kastel Bembo.

Weiter geht es in Richtung Süden, dorthin, wo Istrien ausfranst und die etwa 4 Kilometer lange Halbinsel mit dem Kap Kemanjak bildet. Die Halbinsel steht unter Naturschutz, es gibt einen kleinen Ort namens Premantura, dort haben wir eine Ferienwohnung gemietet. Im Ort gibt es keine besonderen Sehenswürdigkeiten, er lebt von den Besuchern des Naturschutzgebietes. Auf Kemanjak gibt e viele Badebuchten mit Fels- oder Kiesstrand, dafür ist Kroatien ja bekannt. Ohne Badeschuhe sollte man gar nicht erst versuchen, im Meer zu baden. Dafür ist das Wasser kristallklar, man kann beim Schwimmen den Meeresgrund sehen. Schnorchler kommen auf ihre Kosten, wenn sie nicht allzu verwöhnt sind. Kajaks sind beliebte Fortbewegungsmittel und neuerdings sieht man ja überall Stehpaddler. Wir haben einen ganzen Tag auf Kemanjak verbracht und verschiedene Buchten erkundet.

Der Schnorchler in der Bildmitte ist unverkennbar Martin
Unser Basislager in der Bucht Debeljak
Die felsige Küste hat den Vorteil, dass man nicht ständig voller Sand ist.
Man kann am Kap Kemanjak posieren….
… oder einen Mutsprung ins 15 Meter tiefe Meer wagen.

Über Hafergrütze und Naturalisten

Was hat beides miteinander zu tun? Ganz einfach, es geht um einen Ausflug an die istrische Westküste. Unser erstes Ziel ist Porec, das mit der Hafergrütze ist ein interner Scherz unter uns, so haben wir während unseres Urlaubs auch mal was zu lachen. Die Ex-EU Nachbarn vom Königreich werden es uns verzeihen.

Porec ist ähnlich wie Rovinj ein malerisches Küstenstädtchen, etwas kleiner, aber durchaus sehenswert. Es ist nicht so, dass man alle gesehen hat, wenn man eine dieser Perlen an der Küste besucht hat. In Porec ist der venezianische Einfluss noch größer, man sieht Paläste aus längst vergangenen Zeiten. Wobei ein Palast gerne auch als „Reihenhaus“ gebaut wurde, es war ja nicht viel Platz auf dieser Halbinsel. Ein Kleinod verbirgt sich in einer von außen sehr unscheinbaren Basilika aus dem 6. Jahrhundert: ein sehr gut erhaltenes, goldglänzendes Mosaik in der Apsis. Die Basilika zählt zu den am besten erhaltenen frühchristlichen Kirchen Europas.

Nun ist es Zeit für einen Sprung ins kühle Nass. Wir wollen ein Kajak mieten, in einem Küstenort südlich von Porec. In unserem Reiseführer wird empfohlen, dies am besten im Naturalistencamp Kovasada zu tun, von dort aus könne man in den Limski-Kanal paddeln, der eigentlich ein Fjord ist und nur versehentlich Kanal genannt wurde. Das Camp ist ein Campingplatz, aber wir durften hineinfahren, weil wir ja ein Kajak mieten wollten. Erst als uns die ersten Camper begegnen, wird uns klar, wo wir hier eigentlich gelandet sind. Die hatten nämlich alle nichts an. Wir waren die einzigen Bekleideten. Da weiß man auf einmal nicht mehr, wo man hingucken soll. Unter einem Naturalisten Camp hatte ich mir eine naturverbundene Anlage vorgestellt, wie naiv! Wir haben also kein Kajak gemietet, auch weil gerade keins am Anleger war und haben fluchtartig das Gelände verlassen. Es gibt auch kein Bild davon.

Da zeige ich euch lieber das Abschiedsbild aus Rovinj, es geht weiter in Richtung Süden.

Landpartie mit Trüffeln

Istrien hat nicht nur malerische Küstenstädte, sondern auch ein interessantes Hinterland. Und das ist grüner als gedacht, weniger karstig, dafür von Laubwäldern bedeckt. Es wird Wein angebaut und die Olivenbäume hängen voll mit ihren leckeren Früchten. Aber es gibt noch eine ganz andere Spezialität in der Region um Motovun: Trüffeln. Angeblich hat das Wissen darum ein italienischer Soldat mitgebracht, der dies aus seiner Heimat kannte. Denn die Trüffeln sind nicht leicht zu finden, sie wachsen unter der Erde, da braucht man schon eine feine Nase. Anfangs hat man die Nasen von Wildschweinen zu Hilfe genommen, aber dann musste man sich mit ihnen um die Beute streiten. Besser geeignet sind Trüffelhunde, die bereits mit zwei Monaten für ihre Aufgabe trainiert werden. Sie finden die richtigen Stellen, dann kann man die Pilze vorsichtig ausgraben und die Fundstelle wieder mit Erde bedecken, damit die kostbaren Trüffeln weiterwachsen können.

Natürlich muss man eine solche Spezialität vor Ort kosten, da haben wir natürlich nicht widerstehen können. Pasta mit Trüffeln satt, sehr lecker! Das Städtchen Motovun haben wir uns gerne angeschaut, aber das weitaus kleinere Künstlerdorf Groznjan hat uns noch besser gefallen. Die dort ansässigen Künstler haben dazu beigetragen, dass das Dorf in seiner ursprünglichen Struktur erhalten blieb.

Das Bild sprich für sich, wenn ich es anschaue, rieche ich die Trüffel förmlich.
Ganz oben auf einem Hügel liegt Motovun, ein bekanntes Ausflugsziel. Bustouristen, Wohnmobilisten und auch solche wie wir drängeln sich durch die engen Gassen.
Der Hautplatz von Motovun. Übrigens lebte hier auch Josef Ressel. Den kennt ihr nicht? Na, der hat doch die Schiffsschraube erfunden!
Groznjan, angeblich ein Geheimtipp, der sich aber ganz schön rumgesprochen hat.
Nicht alles ist Kunst, was hier feilgeboten wird, eignet sich aber als Fotomotiv.

Der Weg zum Meer

Natürlich kann man die Autobahn nehmen und gemütlich an die Adria rollen. Aber man kann auch die Herausforderung suchen und mal einen richtigen Pass fahren, nicht so einen kleinen wie den Wurzenpass, sondern einen mit extra spitzen Haarnadelkurven, steil und eng. So einer ist der Vrsic Pass. Wer den fehlerfrei aussprechen kann, dem gebe ich einen Aperol Spritz aus. In 50 Haarnadelkurven werden 1611 Meter überwunden. Mit uns nehmen unzählige Biker diesen Pass und die meisten von ihnen fahren eine Harley. Oft tun sie sich zu Gruppen zusammen, sehen sehr stylisch aus in ihren original Harley Lederklamotten und den genieteten Taschen, maßgeschneidert und zur Maschine passend. Und dazwischen wir Normalos. Martin hat diese Herausforderung Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich nicht fahren musste. Wird schon recht eng in den Kurven, wenn auch noch Wohnmobile entgegen kommen. Diese Millimeterarbeit am Abgrund liegt mir einfach nicht.

Nach getaner Arbeit gab es einen kleinen Snack in Kanal, ja, so heißt der malerische Ort an der Soca. Wir haben die Speisekarte nicht so richtig lesen können, wollten so etwas wie ein kleines Sandwich und bekamen dann das. Das hielt dann vor bis zum Frühstück. Am nächsten Tag.

Unser heutiges Ziel heißt Rovinj und gilt bei den Verfassern von Reiseführern als der schönste Ort in Istrien. Also ist dort unser Quartier für die nächsten fünf Tage. Die Altstadt ist zu Fuß in gut fünf Minuten zu erreichen und hier sind die Ergebnisse des ersten Stadtrundgangs.

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Durch den Triglav Nationalpark

Zwei volle Tage haben wir, um den Nationalpark rund um den 2.864 m hohen Triglav zu erkunden. Zunächst sind wir zum nächsten größeren See, den Bohinjsko gefahren. Den haben wir nicht ganz umrundet, denn wir wollten die Savica-Wasserfälle sehen, die immerhin 40 Meter in die Tiefe stürzen. Gut dass schon Nachsaison ist, denn der Aussichtspunkt ist viel zu klein und selbst jetzt muss man sich hinten anstellen, um ein Foto zu ergattern. Und ich habe auch noch mein Stativ aufgebaut, aber Geduld zahlt sich aus und meine Fotos sind im Kasten.

Dann einen Abstecher zum See. Leider habe ich zu spät gemerkt, dass diese Seen hier doch wärmer sind, als man denkt. Es sind keine eiskalten Gebirgsseen, sondern der Bled See hat sogar Thermalquellen, Wassertemperatur 24 Grad. Also schauen wir den anderen beim Baden zu und ärgern uns, dass wir keine Badesachen dabei haben. Aber morgen fahren wir ja an die Küste, da kommen wir badetechnisch ganz groß raus.

Sieht ziemlich nach Traumstrand aus aus!

Heute waren wir im Pokljuka-Gebiet. Das ist eine bewaldete Hochebene, die bis an das Massiv des höchsten Berges, den Triglav, heranreicht. Man kann weit hineinfahren, bis zu einem slowenischen Trainingsgelände für Wintersport. Das ganze Gebiet ist schneesicher und vor allem für Langlauf geeignet. Wir haben zunächst den Wald erwandert, hochgewachsene Tannen und am Boden Schwalbenwurz-Enzian, Silberdisteln und Alpenveilchen. Einfach schön anzuschauen.

Eine Rundwanderung führte uns durch die Pokljuka-Klamm. Der Weg begann unspektakulär und Martin fühlte sich mehr an die Rückersbacher Schlucht erinnert. Doch weit gefehlt – es wurde doch dramatischer als gedacht. Die Länge des Weges hatten wir unterschätzt und als wir vor der senkrechten Felswand standen, waren wir schwer beeindruckt. Bis zur Klamm war es anstrengend zu gehen, erst steil hinauf zu einer Höhle und dann einen unwegsamen Pfad über felsigen Waldboden hinauf. Die Beschilderung ließ zu wünschen übrig, aber wir haben uns nicht verwirren lassen. Und die Klamm war dann doch sehr beeindruckend, enge Felsdurchgänge, rechts und links nicht mehr viel Platz. Und dann über eine Galerie, die in den Felsen geschlagen war, zurück. Als Belohnung haben wir uns zwei Tortenstücke gegönnt. Nicht irgendeine Torte, sondern die lokale Spezialität „Kremsnita“. Blätterteig gefüllt mit Vanillecreme und Sahne – wirklich lecker und sättigt wie eine Hauptmahlzeit. Und morgen wechseln wir das Quartier – es geht ans Meer.

Es geht wieder los

Solange ich zurückdenken kann, hat nichts unser Leben so nachhaltig verändert wie Corona. Die Unbeschwertheit ist dahin, die Maske immer griffbereit und die Nähe zu anderen Menschen ist durch den Sicherheitsabstand geregelt und damit faktisch nicht vorhanden oder zumindest stark eingeschränkt. Und unser liebstes Hobby, das Reisen, ist uns fremd geworden. Nach einem nicht enden wollenden Lockdown haben wir länger auf die Impfungen warten müssen als gedacht, aber seit August sind wir soweit, dass wir uns wieder mit dem Thema Reisen befassen. Allerdings steigen jetzt gerade wieder die Inzidenzen und somit denken wir noch nicht einmal über Flugreisen nach. Wir hatten uns ohnehin vorgenommen, Europa zu erkunden, wenn wir keine Lust mehr haben auf Langstreckenflüge. Wir wollen zwar nicht solange warten, bis es emissionsfreie Flieger gibt, aber in diesen Zeiten wollen wir doch lieber individuell mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sein und flexibel auf veränderte Reisebedingungen reagieren. Das alles hört sich jetzt vielleicht etwas frustriert an, aber dies ist ganz und gar nicht der Fall, im Gegenteil. Wir hatten Spaß bei unserer Reiseplanung und können unser Gepäck zusammenpacken, wie es uns gefällt und nicht, wie es Fluggesellschaften haben wollen. Also freut euch mit uns auf spannende Erlebnisse und folgt uns durch Österreich und Slowenien nach Istrien.

Übrigens, der letzte Blogbeitrag endete etwas abrupt, das war so nicht geplant. Wir haben auf der Heimreise die letzte Nacht in Sterzing am Brenner verbracht, da gab es viel zu sehen und keine Zeit zum Schreiben. Am nächsten Tag zu Hause angekommen, waren meine Gedanken im Hier und Jetzt und den Blog hatte ich ganz vergessen. An alle, die sich Sorgen gemacht haben: wir sind letztes Jahr wohlbehalten zu Hause angekommen, bitte entschuldigt mein Versäumnis. Es hat mir aber auch gezeigt, dass ihr meinen Blog doch sehr aufmerksam verfolgt. Weiter so.

Jetzt zu unserer aktuellen Reise: als Rentner kann man sich Zeit lassen und muss nicht unbedingt die 960 km nach Istrien in einem Stück durchfahren. Außerdem liegt Slowenien auf dem Weg, das wollten wir uns auch anschauen und nicht einfach hindurchrauschen. Die Tagesetappen sollen nicht viel länger als 500 km sein, lieber noch einen Zwischenstopp mehr und ein wenig von der Gegend mitnehmen. So kam unsere erste Etappe nach Österreich zustande, die uns nach Altenmarkt im Pongau führte. Ich hatte einen Ort gesucht, der in der Nähe der Tauernautobahn liegt und ein wenig dörflichen Charakter bewahrt hat. Und ich hatte eine romantische Vorstellung von einem Dorfgasthof, vor jedem Fenster blühende Geranien, eine getäfelte Gaststube und zum Essen gibt es Frittatensuppe, Semmelknödel und Kaiserschmarrn. Ich musste lernen, dass es diese Art der Unterbringung, die für mich immer gleichbedeutend war für einen Urlaub in Österreich, fast nicht mehr gibt. Dafür stehen eine Unmenge von Apartments zur Auswahl, die Gasthöfe haben an- und umgebaut und haben jetzt Wellnessoasen und Sterneköche. Und einen Skilift in der Nähe. Das finde ich sehr schade und ich werde ab jetzt immer, wenn ich in Österreich bin, nach diesen ursprünglichen Gasthöfen fahnden. In Altenmarkt habe ich eine Unterkunft gefunden, die meinen altmodischen Vorstellungen recht nahe kam. Keine Geranien vor den Fenstern, auch keine Holzläden, aber eine getäfelte Gaststube, wenn auch modern gehalten. Zum Abendessen hatte ich Gulasch mit Semmelknödeln, das war so reichlich, dass ich den Kaiserschmarrn nicht mehr geschafft hätte. Immerhin, der Gasthof Alpenblick in Altenmarkt kommt auf meine Liste.

Die Wettervorhersage für die nächste Tage war so bombastisch, dass wir uns für drei Tage in Bled in den Julischen Alpen in Slowenen einquartiert haben. Weiß auch nicht, warum der Ort so heißt. Wir sind über den Wurzenpass gefahren, der ist etwas holprig und nicht besonders lang, aber landschaftlich sensationell. Schroffe Felsenwände beinahe zum Anfassen und saftig grüne Täler. In Kranjska Gora gab es den ersten Cappuccino in Slowenien, sehr lecker und kostete nur € 1,80. Wir haben aber trotzdem nur einen getrunken, uns die Fußgängerzone angeschaut und dann unser Ziel Bled angesteuert. Ein durch und durch touristischer Ort, malerisch an einem See gelegen und als Blickfang eine Burg hoch über dem Wasser. Unser Apartment liegt nur einen Steinwurf vom Zentrum entfernt, aber man hat das Gefühl, auf einem Bauernhof gelandet zu sein. Nicht dass das Haus so aussähe, aber ich sitze auf unserem Balkon und schaue in einen Gemüsegarten, über Wiesen und Obstbäume hinweg bis zum bewaldeten Höhenzug, der den Ort auf der einen Seite umrahmt. Absolute Stille, ganz in der Ferne bimmeln Kirchenglocken. Und die Katze jagt unentwegt irgendwelches Getier. Der Himmel blaßrosa und langsam senkt sich der Abend herab.

Jetzt nicht einschlafen, ich will noch berichten, wie schön dieser Ort Bled ist, wer kennt schon Bled, auch ich kannte ihn vorher nicht. Der See hat glasklares Wasser und ist türkisfarben, das liegt an den Sedimenten, die hineingewaschen werden. Und als wenn die Burg, die majestätisch über dem See thront, nicht schon genug wäre, gibt es auch noch eine kleine Insel mit einem Kirchlein darauf. Und was wir von den Slowenen lernen können: der See ist komplett zugänglich, ein Weg führt um ihn herum, es gibt kein Privatgelände am Wasser. Eine Villa hat einen ausgedehnten Park, der bis zum Seeufer reicht, da kam aber aber durchlaufen. Übrigens, dies ist der ehemalige Sommersitz von Tito und heute ist die Vila Bled eines der besten Hotels Sloweniens. Auf dem See sind Motorboote verboten, es gibt nur Paddelboote, sogar die Ausflugsschiffe werden, ähnlich wie die Gondeln in Venedig, von Muskelkraft vorwärts bewegt.

Ausblick vom Wurzenpass
Bummel durch Kranjska Gora
Unsere Unterkunft in Bled
Das Postkartenidyll Bled
Insel mit Kirche und die Burg im Hintergrund
Emissionsfreie Fortbewegung