Archiv der Kategorie: Irisches Tagebuch

Dublin in the Green

Wir starten unsere Irland-Reise in Dublin, denn irgendwie gehört die Hauptstadt dazu, ohne sie wäre Irland nicht komplett. Und wir machen es mal ganz anders als sonst, wir nehmen einen Hop-on-Hop-off-Bus. Und im Nachhinein betrachtet war das gar nicht so dumm. Die Hauptsehenswürdigkeiten rings um das Trinity College bekommt man sicherlich auch zu Fuß hin. Aber insgesamt dauert die Rundfahrt zwei Stunden und man sieht auch etwas abgelegenere Ziele wie dass ehemalige Royal Hospital, heute das Museum  of Modern Art. Oder das Alte Gefängnis von 1795, das beim Osteraufstand von 1916 traurige Berühmtheit erlangte. Noch einen Schlenker durch den Phoenix Park mit der Residenz des Präsidenten. Dass der amerikanische Botschafter gegenüber das schönere Grundstück hat, ist vielleicht nur eine Randnotiz in dieser verrückten Welt. Zum Abendessen geht es natürlich in einen Pub und anschließend noch Live-Musik einen Pub weiter. Und das Guiness schmeckt gar nicht mal so schlecht.

Unsere kleine Reisegruppe

Unser Hotel in der Talbot Street

Pubs gibt es beinahe an jeder Ecke

Angeblich das mit 123 Metern Höhe größte, freistehende Monument der Welt, heißt offiziell Spire, im Volksmund aber Drogen-Nadel.

Irischer Rasen im Trinity College, kann mit dem Englischen mithalten.

Die Bibliothek im Trinity College mit dem Book of Kells aus dem 8. Jahrhundert.

Dublin Castle

Vor der Christ Church

    Die Milleniums-Kinder

Raindrops keep falling on my head …

Dublin hat uns wettermäßig verwöhnt. Mit jedem Meter, den wir nach Westen gefahren sind, wurde es trüber und nun regnet es beinahe ununterbrochen. Schon den zweiten Tag. Aber wir machen tapfer unsere Ausflüge und ignorieren den Regen. Allerdings haben wir heute die Wanderung im Connemara National Park dann doch abgebrochen. Starker Regen und Wind bei 13 Grad waren zu ungemütlich. Da haben wir den Nachmittag doch lieber im Kaminzimmer unserer Unterkunft verbracht. Und morgen soll der Regen um 15 Uhr aufhören. Hm, da kann sich der Wetterbericht mal bewähren!

Half Penny Bridge, damit haben sich die reichen Dubliner die arme Bevölkerung von der anderen Flussseite vom Hals gehalten, denn diese konnten sich den halben Penny nicht leisten.

Die Temple Bar, eine echte Touristenfalle in Dublin.

Live Musik in der Temple Bar, da geht auch mittags schon ein Guiness.

Es gibt viel altes Gemäuer in Irland, hier Aughnanure Castle.

Die blühenden Rhododendron sorgen für Farbkleckse in der regengrauen Landschaft.

Kylemore Abbey, eines der am meisten fotografierten Motive in Connemara. Ein Schloß mit 32 Schlafzimmern, das von einer Industriellen Familie im 19. Jahrhundert bewohnt wurde.

Die Parkanlagen von Kylemore Abbey sind sehenswert, leider hat es in Strömen geregnet, freundlicherweise hat mir Rita den Schirm gehalten beim Fotografieren.

Als der Regen aufhörte

Zweieinhalb Tage haben wir den Unbilden des Wetters getrotzt und am letzten Nachmittag in Connemara wurde es plötzlich trocken. Wir haben die Zeit genutzt für einen Strandspaziergang und anschließend noch eine kleine Wanderung im Connemara National Park. Das hat für die letzten Tage etwas entschädigt und wir konnten endlich die karge Heide- und Moorlandschaft entdecken. Das Grün ist wirklich so leuchtend wie in der Werbung. Die Böden eignen sich nicht für Ackerbau, aber dafür sehr gut für Viehhaltung. Meist sind es Schafe, die in den typischen, von niedrigen Steinmauern eingerahmten Weiden gehalten werden. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist durchwachsen, aber wir gewöhnen uns langsam daran, dass es feucht und windig ist. Wetterunabhängig sind unsere Pub-Besuche und wir erleben jeden Abend andere Bands. Irish Folk hören wir am liebsten, vor allem wenn eine Fiedel und Flöten dabei sind. Unsere beiden Lieblingslieder  „Wild Rover“ und „Molly Malone“ könne wir beinahe schon mitsingen. Außerdem gehört die Sperrstunde um 23 Uhr der Vergangenheit an, „last orders please“ haben wir noch nicht gehört.

Roundstone ist ein beschaulicher Fischerort in Connemara.

An diesem traumhaften Strand baden offenbar nur die Einheimischen, für uns Warmduscher ist es allemal zu kalt.

Wenn man nicht weiß, wohin mit dem Fahrrad.

Clifden ist der Ausgangspunkt für Touren im County Connemara, hier haben wir drei Tage verbracht. Und kennen nun alle Pubs.

Endlich kein Regen mehr. Im Connemara National Park haben sie die Wanderwege so präpariert, dass sie sogar nach drei Tagen Dauerregen begehbar sind.

Wanderung mit Aussicht, die letzten Wolken hängen noch am Horizont.

Die Berge sind bis zu 600 Meter hoch und sanft gewellt.

So stellt man sich Irland vor, Schafe und Steinmauern. Und so ist es tatsächlich.

Dunguaire Castle war eigentlich ein mittelalterlicher Wohnturm für etwas wohlhabendere Bauern und Grundbesitzer. Ursprünglich gab es noch Befestigungsanlagen rings herum.

 

Nichts ist so beständig wie der Wechsel

Und damit meine ich das Wetter in Irland. Es gibt durchaus Lichtblicke, sonnige Perioden, aber auch immer wieder Regen. Man muß also immer für alle Wetter gerüstet sein, auch wenn man bei Sonnenschein losmarschiert. Wir hatten jetzt für drei Tage unser Quartier in Doolin, ganz in der Nähe der landschaftlichen Hauptattraktion, den Cliffs of Moher. Es gibt einen Weg am Rand der Klippen entlang, der immer wieder traumhafte Ausblick auf Meer und Felsen bietet. Wer Adrenalin mag, kann sich zur Kante vorwagen und bis zu 214 Meter in die Tiefe blicken. Bei Regen allerdings nicht zu empfehlen, denn dann wird’s sehr rutschig. Wir hatten Glück mit dem Wetter und nur auf dem Rückweg einen Schauer.

Doolin ist auch Ausgangspunkt für einen Besuch der Aran Inseln.  Derer gibt es drei, wir haben uns für die größte Insel Inishmore entschieden. Dort gibt es eine der am besten erhaltenen prähistorischen Siedlungen zu entdecken. Und scheinbar stricken hier alle Einwohner um die Wette, denn nicht nur hier, sondern überall in Irland werden diese normalerweise naturfarbenen Pullover mit Zopfmuster verkauft. Zwei davon befinden sich jetzt im Reisegepäck unserer kleinen Gruppe.

Für die Abendunterhaltung ist bestens gesorgt, hier gibt es einige legendäre Musikpubs. Übrigens kann man in jedem Pub auch „gut bürgerlich“ essen, da haben wir von Fish and Chips über Pulled Pork  und Irish Stew schon sehr gut gegessen. Die Bands haben nicht so ganz den Sound getroffen, den wir uns erhofft hatten und den wir in Clifden eigentlich immer entdeckt haben. Mal ist es zu viel Country oder Main Stream, mal eine Art Irish Folk, der leicht nervig ist, zu viel Fiedel und ohne Gesang. Wir suchen weiter.

Apropos suchen. Gestern war mein Handy weg, wir haben stundenlang alles abgesucht. Die Ortung ergab, dass es im Auto sein musste. Zu dritt haben wir mit Taschenlampe das Auto auseinander genommen, aber nichts gefunden. Am nächsten Morgen haben ich dann entdeckt, dass man bei der Ortung am Handy auch einen Ton auslösen kann. Und dann tauchte es auf einmal auf, hochkant unter dem Vordersitz bestens getarnt. Es stand übrigens auf lautlos, deshalb war anrufen nicht zielführend. Wir froh man doch ist, wenn es wieder da ist!

Die Cliffs of Moher noch bei Sonne, auf dem Rückweg gab es wieder ein Paar Regenschauer.

Wir sind bis zum Turm gelaufen, immer an der Kante entlang.

Leamaneagh Castle, das Stammhaus der O ´Briens. Es gab Dramen im Laufe der Jahrhunderte, so starb Coonor O ´Briens im Krieg gegen die Protestanten. Seine Witwe heiratete kurzerhand einen gegnerischen Offizier und wahrte ihren Besitzstand. Allerdings starb der Offizier kurz darauf…

Das prähistorische Steinfort Duin Aengus liegt am höchsten Punkt der Insel Inishmore.

Der Klippenrand ist nur etwas für Schwindelfreie.

Kirche aus dem 8. Jahrhundert, das erklärt, warum das Dach fehlt.

Zwischen den Jahrhunderte alten Gräbern werden auch heute noch Einwohner von Inishmore beerdigt.

 

Der „Ring of Kerry“

Hat nichts zu tun mit dem Herrn der Ringe und auch nicht mit den Nibelungen. Es  ist einfach eine Küstenstraße, die die Halbinsel Iveragh im County Kerry umrundet. Aber was für eine Straße, beliebt schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Meist ist die Vegetation niedrig, so hat man weite Ausblicke aufs Meer und auf umliegende Berge. Und was soll ich euch sagen: wir hatten Traumwetter heute. Es fing regnerisch an und wir dachten uns nichts weiter dabei, halt wieder so ein Regentag wie zuvor. Aber dann, je weiter wir in Richtung Meer fuhren, desto häufiger ließ sich die Sonne blicken. Es war zwar kalt, meist zwischen 10 und 14 Grad und dabei sehr windig, aber dagegen kann man kleidungstechnisch etwas tun.

Wir hatten bisher als Unterkunft ein Hotel, ein Bed&Breakfast, ein modernes Ferienhaus und jetzt verbringen wir die letzten vier Nächte in einem typisch irischen Cottage. In der Nähe von Killarney.In der Mitte ein Wohn-Essraum mit Küche, rechts und links jeweils ein Schlafzimmer mit Bad. Hinten gibt es eine Terrasse. Sehr kuschelig, es gibt einen Kaminofen und viel Holz!

Morgens wechselten Regen und Sonne noch ab, hier fahren wird durch das Dunloe Gap, wir würden sagen, eine Scharte. Aber nur 200 Höhenmeter.

Gott sein Dank kam nur selten ein Auto entgegen, das bedeutete immer rangieren.

Und wieder erfreuen wir uns an den blühenden Rhododendren.

Der Ring of Kerry führt uns an traumhaften Orten vorbei.

Das Baden ist allerdings nur etwas für ganz Mutige, das Wasser hat maximal 15 Grad.

Wer die Einsamkeit mag – oder ein Buch schreiben will…

Steilklippen gibt es auf der Insel Valentia und dazu freie Sicht nach Amerika.

Blick zurück ins Landesinnere – einfach nur schön.

 

Killarney ist das Zentrum des Irland Tourismus

Und das hat gute Gründe. Das kleine, malerische Städtchen liegt an einer Seenplatte am Fuße eines Gebirges, das auch den höchsten Berg Irlands umfasst. Große, internationale Hotels haben sich im Laufe der Zeit hier angesiedelt, saftig grüne Golfplätze bieten sich an sowie ein kleiner Nationalpark mit Wanderwegen. Lohnende Ziele für Tagesausflüge sind neben dem King of Kerry die nördlich davon gelegene Halbinsel Dingle oder weiter südlich die Halbinsel Beara, letztere haben wir allerdings nicht besucht.

Unser Cottage lag etwas außerhalb von Killarney, aber an den Abenden haben wir natürlich unsere Erkundungstour durch Irlands Pubs fortgesetzt. Es gibt sie hier in allen Größen, mehr oder weniger urig, aber immer mit Live-Musik. Die Musiker werden an der Tür platziert, so kann mal gleich hören, ob man bleibt oder weiterzieht.

Auf dem Weg zum Flughafen haben wir kurz Station in Limerick gemacht. Jeder denkt dabei an lustige Fünfzeiler, diese haben aber eigentlich ihren Ursprung gar nicht in dieser Stadt. Viel wichtiger ist die wechselvolle Stadtgeschichte und die Verbindung zu England. King John errichtete 1210 hier an der Mündung des Flusses Shannon eine mächtige Burg, die heute aufwändig restauriert ist. Eine sehr sehenswerte Ausstellung gibt anschauliche Informationen zur Geschichte der Stadt.

Am Ende eines Reiseberichts steht meist das Fazit: Irland ist wirklich eine durch und durch grüne Insel, hat tolle Küstenlandschaften, malerische Orte, wo die Zeit stehen geblieben scheint und überall mehr oder weniger gut erhaltene Burgen, Schlösser und mittelalterliche Wohntürme. Es gibt viel zu sehen und zu erleben, aber einen Wermutstropfen gibt es doch: das Wetter. Das wussten wir natürlich und hatten wetterfeste Kleidung dabei, aber Dauerregen über Tage oder stündliche Regengüsse sollte man aushalten können. Es gab auch Sonne, aber insgesamt waren die Temperaturen doch niedriger als erwartet, so zwischen 10 und 13 Grad, was bei dem starken Wind, der eigentlich immer bläst, doch recht kühl ist. Aber die Pubkultur ist Klasse!

Hier noch die letzten Fotos.

Aussicht von O´Connor Pass auf der Dingle Halbinsel

Die Strände sind immer fotogen, wenn das Licht passt.

Aber zum Baden zu kalt. Jedenfalls für uns Weicheier.

Typisches Straßenbild von Killarney

In den typisch irischen Städtchen gibt es noch einen funktionierenden Einzelhandel, hier ein Bonbonladen.

Muckross House bei Killarney

Im Killarney National Park

King John´s Castle in Limerick

Vom Wehrturm aus hat man den Überblick