Archiv der Kategorie: Winterreise mit dem Hurtigschiff

Bergen die Regenreiche

Mit 240 Regentagen im Jahr ist Bergen die regenreichste Stadt in Europa. Für uns ist es der Endpunkt unserer Postschiffsreise. Wir nähern uns von See und können nicht einmal ein kleines Regenwölkchen erkennen. Das tolle Wetter begleitet uns bis zum Schluß der Reise.

Gefühlt haben wir auf den letzten Seemeilen den Winter hinter uns gelassen. Man kann jetzt sogar eine Runde auf Deck drehen, ohne sich vorher wetterfest zu verpacken. Ganz Mutige rücken sich schon einen Deckstuhl in die Sonne, Augen zu und vom Frühling träumen. Der Schnee ist beinahe völlig verschwunden, Reste auf den höheren Bergen glänzen in der Sonne. Vor unseren Augen zieht eine leicht hügelige Schärenlandschaft vorüber. Viele kleine Inseln, manchmal stehen Häuser darauf, für Leute, die nicht so oft Besuch haben wollen. Oder für solche, die ein Buch schreiben wollen. Oder beides.

Dann geht alles ganz schnell, Deck für Deck verlassen alle Passagiere das Schiff und ab jetzt wird nur noch geschwankt, wenn es Alkohol gibt. Wir haben eine Übernachtung in Bergen geplant, um uns die zweitgrößte Stadt Norwegens anzuschauen. Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick und fahren mit der Standseilbahn auf den Fløyen, das ist der Hausberg von Bergen. Dann noch ins historische Bryggen-Viertel mit den schönen alten Holzhäusern. Den Abschiedsabend verbringen wir in einer Sportsbar, um Bayern München beim Ausscheiden aus der Champions League zuzuschauen.

Und jetzt das Fazit der Reise: wir können die Hurtigruten auf der Wintertour uneingeschränkt empfehlen. Die Polarlys ist ein gemütliches Schiff mit viel Raum für Ruhe und Entspannung. Bei knapp 400 Passagieren sind Landgänge problemlos und ohne Massenbetrieb möglich. Das Essen an Bord hat unsere Erwartungen übertroffen, es ist schmackhaft und abwechslungsreich und dazu noch nachhaltig. Aber unübertroffen ist das Erlebnis der Winterlandschaft Nordnorwegens. Das ist außergewöhnlich, vor allem auch, weil die Route nah an der Küste verläuft und beim Anlaufen der vielen Häfen geht es durch Sunde hindurch mitten hinein in die Fjorde. Das Licht  ändert sich  rasch durch schräg einfallende Sonnenstrahlen im arktischen Winter. Man könnte ständig draußen stehen und staunen, wenn es nicht so kalt wäre. Aber das ist ja das Schöne an der Schiffsreise: man kann sich jederzeit aufwärmen und dann wieder raus! Und um noch einen  draufzusetzen: wir haben dreimal tolles Nordlicht erlebt, kurz und gut: es blieb kein Wunsch offen.

Ich bedanke mich bei euch allen, dass ihr uns wieder begleitetet habt auf unserer Reise, über eure Kommentare habe ich mich sehr gefreut. Bis zum nächsten Mal!

Eure Isa

Erster Rundgang am Morgen, ich kann es gar nicht fassen, dass wir schon wieder so schönes Wetter haben.

 

Der Winter schwächelt, es gibt nur noch Puderzuckerschnee

 

Unser schnuckeliges Schiff fährt mit Marinediesel, nicht mit Schweröl. Die meisten Schiffe werden aber in den nächsten Jahren auf Gashybrid Motoren umgestellt.

 

Wir haben wieder Land unter den Füßen und müssen uns jetzt den Seemannsgang abgewöhnen. Hier seht ihr das historische Bryggen-Viertel von Bergen.

 

Hier könnt ihr euer Augenlicht testen: unser Schiff liegt links!

 

Kaufmannshäuser aus der Hansezeit

 

Zwischen den Häusern bleibt nur wenig Platz zum Durchgehen

 

 

 

Trondheim sonnig

Kaum hatte ich gestern Abend den Blog abgesetzt, da kam schon die Durchsage, daß Nordlicht an der Backbordseite zu sehen sei. Natürlich habe ich mir sofort den bereitliegenden Fotoapparat und das Stativ geschnappt, dicke Jacke an und nix wie raus aufs zugige Deck. Kein Nordlicht gleicht dem anderen und diesmal  breitete es sich halbkreisförmig  über den gesamten Horizont aus. Ich deutete es schon an: es war bitterkalt, der Fahrtwind bläst kräftig, da bekommt man sofort klamme Finger. Gut, daß ich an den Fernauslöser gedacht hatte, da konnte ich die Hände beim Auslösen in den Taschen aufwärmen. Nordlicht sehen bedeutet naturgemäß klarer Himmel und der Sternenhimmel ist durchaus sehenswert, den sollte man vor lauter Nordlicht nicht vergessen.

Landgang heute morgen in Trondheim, ein Déjà-vu  sozusagen, aber heute hat jemand die Sonne angeschaltet, da gab es wieder tolle Motive für die Camera. Hier hätten wir gern etwas mehr Zeit gehabt, aber das Schiff legte bereits um 10 Uhr wieder ab. Es ist also wieder Entspannung im Panorama Salon angesagt, und wir müssen uns langsam mit dem Gedanken anfreunden, dass unsere Reise morgen in Bergen zu Ende geht.

Für dieses Schauspiel verlasse ich gern das kuschelig warme Bett

 

Das Bahnhofsgebäude von Trondheim

 

Der Winter hat die Stadt noch fest im Griff

 

Es gibt noch richtig viele von den alten Holzhäusern

 

Fahrradfahrern geht hier auch im Schnee

 

Blasse Wintersonne

Gen Süden

Gerade haben wir den Polarkreis überquert, das wird an Bord natürlich gebührend gefeiert. König Neptun höchst persönlich kommt und kippt den Passagieren eine Schippe Eiswürfel in den Nacken. Diese Art von Mutprobe brauche ich nicht, ich muß meinen Mut niemanden beweisen. Nur so viel: ich stand an der Reling und fotografierte die schön in der Sonne glänzende Weltkugel als plötzlich und völlig unerwartet das Signalhorn unseres Schiffes ertönte, da bin ich so erschrocken, dass mir beinahe der Fotoapparat aus der Hand gefallen wäre.

Bei strahlendem Sonnenschein bewegt sich unser Postschiff langsam aber stetig nach Süden, die Arktis liegt hinter uns und wir erfreuen uns an der mittelnorwegischen Küstenlandschaft. Sie ist nicht mehr so tief verschneit, aber immer noch mehr Schnee, als wir in den letzten Jahren zusammengerechnet bei uns gesehen haben. Also dösen wir so vor uns hin, als eine Durchsage uns plötzlich wachrüttelt: es seien Grindwale backbord gesichtet worden, heißt es. Da springen wir natürlich auf und richten unsere Cameras aufs Meer und tatsächlich sehen wir sie. Es sind ziemlich viele, die sich hier tummeln. Grindwale sieht man häufig in großen Gruppen, sie werden zur Familie der Delphine gerechnet.

Und dann kommt auch noch der Felsen mit dem Loch in der Mitte, also man hat an Bord immer etwas zu tun. Langeweile gibt es eigentlich nicht. Denn mit der Camera bewaffnet eine Runde ums Schiff zu drehen bringt eigentlich immer eine gute Ausbeute.

Selbst wenn man dann zur wohlverdienten Ruhe im Bett liegt, gibt es immer noch die Möglichkeit des Weckrufes, wenn Nordlicht gesichtet wird. Deshalb steht die Camera immer schußbereit auf dem Stativ, mal sehen, was diese Nacht noch bringt.

Egal wann man sich an Deck aufhält, ein lohnendes Fotomotiv gibt es fast immer

 

Auch auf dem Rückweg passieren wir noch einmal den Polarkreis

 

Und dann kommen plötzlich Grindwale vorbei

 

Kurzer Landgang in Brønnøysund

 

Der Torghatten Felsen mit dem Loch in der Mitte

 

Ihr habt es nicht gesehen? Hier nochmal in groß

 

Kaiserwetter zum Landausflug

Das Wetter ändert sich hier beinahe so schnell wie die Jahreszeiten, wenn man den Worten unseres Reiseführers glaubt. Scherzhaft sagt der Norweger, wenn du aufs Klo gehst, ist Frühling und wenn du fertig bist, ist er vorbei. Wir lassen uns gern jeden Tag überraschen, wenn wir den ersten Blick nach draußen wagen. Besser hätte es heute nicht sein können. Wir haben eine Panoramafahrt mit dem Bus gebucht. Dazu verlassen wir unser Schiff in Harstadt und steigen in Sortland wieder zu. Es ist schön, mal die Perspektive zu wechseln und die Wintermärchenlandschaft an Land zu erleben. Der Schnee kam verhältnismäßig spät in diesem Jahr, erst Mitte Januar, und vor einer guten Woche stiegen die Temperaturen und es regnete sogar. Aber danach kam noch einmal gut ein Meter Schnee und deshalb ist jetzt alles so tief verschneit.

Am Nachmittag, wieder auf dem Schiff, kommen die Berge sehr nahe und unser Kapitän fädelt das Schiff in Zentimeterarbeit durch den engen  Raftfjord. Da ist unser Lieblingsplatz natürlich im Panorama Salon mit Rundumsicht.

Sonnenaufgang – der Tag beginnt

 

Bestes Fotolicht

 

Die letzten Wolken, die wir heute sehen

 

Fester Boden unter den Füßen, aber manchmal etwas glatt

 

Zu viele Motive, die Auswahl fällt schwer

 

Ein Rentier am Wegesrand

 

Überzeugt von Norwegen im Winter?

 

Blau weiß einmal nicht bajuwarisch

 

Eine Begenung der besonderen Art, wir stehen auf einer Brücke und unser Schiff fährt unter uns durch

 

Und alle winken – aber wir kommen doch gleich wieder!

 

 

 

Schnee satt

Der Tag beginnt mit heftigem Schneetreiben, aber wir sitzen ja warm und trocken. Da bleibt Zeit, mal wieder die Speisekarte ausgiebig zu studieren. Über Schnee kann ich nicht so viel schreiben, daher zitiere ich aus der Speisekarte. Und das soll kein Lückenbüßer sein, sondern ich finde das Verpflegungskonzept wirklich toll und ich versichere euch, es schmeckt alles ganz hervorragend.

Das Motto des heutigen Tages lautet „Das Licht aus dem Norden“, damit ist das Nordlicht gemeint. Und es wird auch gleich eine Erklärung geliefert, die so einfach wie einleuchtend ist: Nordlichter entstehen aus Sonnenwinden, die mit den Erdmagnetfeldern kollidieren. Hätte ich nicht besser auf den Punkt bringen können.

Doch nun zu den Speisen. Als Vorspeise gibt es Bottarga-Risotto. Ich zitiere: „Jedes Jahr schwimmt der nordatlantische Kabeljau, genannt Skrei, in den sauberen, klaren Gewässern der arktischen Küste Norwegens, um dort zu laichen. Der handverlesene Rogen aus diesem Skrei wird gesalzen und im kalten Winter draußen auf traditionellen Trockengestellen aufgehängt, wodurch der langsame Trocknungsprozess initiiert wird, der den Rogen so schonend  und behutsam reifen lässt. Nach einer  Trocknungszeit von 10 bis 15 Wochen wird der Rogen abgenommen, kontrolliert und als Bottarga Borealis verpackt, der mit seinem intensiven Umami-Aroma für einen überraschend anderen Meeresgeschmack sorgt“. Da freut man sich doch den ganzen Tag lang aufs Abendessen. Es gibt dann übrigens noch Rind aus Trøndelang und als Nachtisch Schokoladenkuchen mit handverlesenem Löwenzahnsirup.

Aber einen Hafen haben wir doch noch angelaufen, wo der Aufenthalt für einen Landgang gereicht hat: Hammerfest. Das haben wir früher alle in der Schule gelernt, von wegen nördlichste Stadt, und heute erkunden wir sie bei dichtem Schneetreiben. Aber wir sind mit unserem Klamotten gut gerüstet und ich finde Schnee im Winter schön, im Gegensatz zu Regen im Sommer. Mir gefällt auch das Geräusch, wenn man durch frischen Tiefschnee stapft. Mit Sehenswürdigkeiten geizt die Stadt, aber wir hatten ja ohnehin nur eine gute Stunde Zeit.

Dann suchen wir uns einen gemütlichen Platz im Panoramasalon und lassen den Nachmittag an uns vorüberziehen. Und nach dem Dessert wird noch ein Nordlicht serviert. Wir haben wirklich Glück auf unserer Tour.

Wintersonne

 

Der Winter hat Hammerfest in seiner eisigen Hand

 

Die Form der Kirche ist den Gestellen für Stockfisch nachempfunden

 

Schnell wieder an Bord bei dem Wetter

 

Pünktlich zum Sonnenuntergang reißt der Himmel auf

 

Das Grüne ist das Nordlicht, die Orangefärbung ist Umgebungslicht

 

 

Arktische Vergnügungen

Soweit nördlich war noch nie, wir sind eingetaucht in die Welt der Arktis mit ihren Naturwundern und Wetterphänomenen. Bei Arktis denkt man an Grönland oder Spitzbergen, aber der äußerste Norden Norwegens gehört auch dazu. Normalerweise wäre der Seeweg auf dem 71. Breitengrad auch nicht mehr eisfrei, aber das haben wir dem Golfstrom zu verdanken, der dafür sorgt, daß die Küste und damit alle Häfen Norwegens im Winter eisfrei bleiben. Wir haben heute aber doch Eis gesehen, unser Schiff musste sich den Weg in den Varangerfjord freibrechen, denn so weit reicht der Golfstrom nicht. Und die Außentemperatur beträgt minus 15 Grad! Am Ende des Fjords liegt Kirkenes, hier ist der Wendepunkt unserer Reise, ab jetzt geht es südwärts.

In Kirkenes haben wir einen Ausflug zu den Schlittenhunden gebucht. Erster Programmpunkt war die Besichtigung eines Schneehotels, aber beim Betrachten der Eisbetten kam doch nicht so richtig Wohlfühlatmosphäre auf. Auch wenn man auf Eisbärfellen liegt und die besten Schlafsäcke bekommt, ist es doch nicht Jedermanns Sache, bei minus 4 Grad zu nächtigen. Den Schlaftrunk gibt es an der Eisbar.

Endlich können wir zu den Huskies, die zerren schon ganz ungeduldig an den Leinen. Diese Hunde wollen unbedingt Auslauf und ziehen dabei gerne noch einen Schlitten hinter sich her. Das können sie hier unentwegt tun, denn Touristen bringen nicht nur die Hurtigruten her, sondern auch Hotels, die Übernachtungsgästen ein abwechslungsreiches Winterprogramm bieten. Ich sagte es ja schon, minus 15 Grad, da muß man sich warm anziehen, wenn man auf einen Schlitten will. Natürlich sind wir bestens ausgerüstet mit langärmliger Unterhose und Fellmütze, aber vorsorglich bekommen wir noch Overalls, die wir, wie der Name sagt, über alles obendrüber anziehen. Ich fühle mich wie ein Michelin-Männchen mit fünf Lagen dicker Kleidung. Auf dem Schlitten bin ich froh, es gibt keine Felldecken und der Fahrtwind schneidet ins Gesicht, das ist die einzige unbedeckte Stelle. Martin und ich sitzen hintereinander auf dem Hundeschlitten, hinter uns steht der Musher auf Kufen und kennt hoffentlich den Weg. Wir haben übrigens Glück mit dem Wetter, vor einer Woche hat es geregnet und der ganze Schnee war weg. Aber dann kam neuer angeschneit und so macht das Schlittenfahren natürlich Spaß. Zuerst dachte ich, die Fahrt könnte eigentlich etwas länger dauern, aber nach einer halben Stunde wird es doch langsam etwas schattig und die Zehenspitzen beginnen zu frieren. Der Musher schießt noch das Erinnerungsfoto und dann schnell zurück zum Schiff, das wir punktgenau zur Abfahrt erreichen.

Nachtragen möchte ich zum gestrigen Abend, dass wieder Nordlichtalarm war, mitten im Doppelkopfspiel. Natürlich haben wir alles stehen und liegenlassen, die dicken Jacken angezogen und raus in die arktische Kälte. Und wir erleben ein außerwöhnlich  schönes Nordlicht. Es breitet sich vor uns, weit über uns und eigentlich fast überall aus. Ständig ändern sich die Formen, werden heller und wieder dunkler, verschwinden und tauchen anderswo wieder auf. Wir stehen alle auf dem Aussichtsdeck und staunen, hören Begeisterungsrufe. Anmerken möchte ich nur noch, dass wir mitten auf der Barentssee bei gefühlt Windstärke acht unterwegs waren, was für die Fotografen eine besondere Herausforderung war, denn ein Stativ nutzt wenig, wenn sich das Schiff ständig hebt und senkt. Aber das nur nebenbei, das Erlebnis war einzigartig und ein paar Bilder zur Erinnerung sind da.

Es wird eisiger und die Fenster werden nicht mehr frei

 

Der Tag geht und der nächste Hafen kommt bestimmt

 

Manchmal wird das Schiff nur von zwei, drei Leuten erwartet

 

Die Überraschung des Abends: ein fulminantes Nordlicht!

 

 

 

Am nächsten Morgen wieder Sonnenschein

 

Die Einfahrt nach Kirkenes ist vereist

 

Ist aber für unser Schiff kein Problem

 

Nur der Fotografin frieren die Finger ein

 

Auch im Schneehotel wird einem nicht warm ums Herz

 

Unterwegs auf dem Hundeschlitten

 

So weiß der Schnee

 

 

 

 

 

 

Das richtige und das falsche Nordkap

Es ist mal an der Zeit, einige Fehler zu berichtigen. Hammerfest ist nicht die nördlichste Stadt der Welt, das Nordkap nicht der nördlichste Punkt Europas und überhaupt liegt es auf einer Insel. Doch der Reihe nach. Und Schuld sind mal wieder die Engländer. 1553 machte sich Richard Chancellor auf den Weg, um die Nordostpassage nach China zu finden. Er umsegelte einen Felsen, den die Einheimischen „Steile Klippe“ nannten und taufte ihn kurzerhand „Nordkap“. Keiner hat es nachgeprüft und es waren schon viele Touristen hierher gereist, bis man endlich mal nachgemessen hat.  Eine westlich des „Nordkaps“ gelegene Halbinsel endet 1300 Meter weiter nördlich im Meer, aber eigentlich gehört auch Spitzbergen zu Europa und das liegt nördlicher. Aber egal, aus touristischer Sicht eignet sich das Kap perfekt, es liegt 308 Meter auf einem Plateau direkt über der Barentssee.

Nun zu Hammerfest, das war tatsächlich einmal die nördlichste Stadt der Welt, bevor Honningsvøg gegründet wurde. Und diese Gründung hat vor allem mit dem „Nordkap“ zu tun, denn hier legen alle Schiffe an. Eine 30 Kilometer lange Straße verbindet den Hafen mit dem „Nordkap“. Und mit Hammerfest wurde ein Gentleman Agreement getroffen und es durfte den Titel behalten, denn die haben ja dort sonst nichts.

Wir erleben heute ein Potpourrie an Wettervariationen, von Sonne bis Schneesturm, und das in ständigem Wechsel. Und wir haben mal wieder verdammtes Glück, dass wir bis zum Nordkap kommen, denn gestern ist der Ausflug wetterbedingt ausgefallen. Aber heute klappt es mit dem Konvoi, es fährt ein Schneepflug voraus, dann kommen Busse und sonstige Fahrzeuge und ein Begleitfahrzeug, nach welchem die Straße wieder gesperrt wird. Die Fahrt führt uns durch ein unberührtes Schneeparadies und die Sonne sorgt für Licht, das ist Winter, wie er mir gefällt. Am Kap dann die üblichen Fotos an der Weltkugel und Füße vertreten im Schnee. Bis die nächste Wetterfront heraufzieht und uns beinahe wegbläst.

Neuschnee an Bord

 

Deine Spuren im Schnee

 

Beweissicherungsfotos

 

Unsere kleine Reisegruppe

 

Auf dem „Nordkap“ Plateau

 

Soweit die Füße tragen

 

Der Kampf gegen die Elemente

 

Nah am Ort eingeparkt

 

Hafenausfahrt Honningsvåg

 

 

Hier ist richtig Winter

Wenn man es mal über den Polarkreis geschafft hat, dann kann es nur noch kalt werden. Und der Winter hat eine andere Farbe als bei uns, hier gibt es kein Einheitsgrau. Die Farbe des Winters in Nordnorwegen ist weiß, sieht irgendwie freundlicher aus. Man kann sich gar nicht satt sehen an den tief verschneiten Bergen. Und immer, wenn ich denke, hier lebt  bestimmt niemand mehr, stehen mitten in der Einöde ein paar tief im Schnee versunkene Häuser. Und dann passieren wir auch mal die E 8, an deren Verlauf immer wieder kleine Ansiedlungen stehen. Imposante Brückenbauten schließen auch entlegene Inseln an das Straßennetz des Festlandes an.

Unser heutiger Landgang führt uns nach Tromsø, manche nennen sie die Pforte zum Eismeer. Von hier aus starteten große Expeditionen in die Arktis und auch heute ist die Stadt ein Zentrum der Polarforschung. Unser Schiff steht wieder zentral im Stadtzentrum und so kämpfen wir uns durch dichtes Schneetreiben. Es geht sich ganz gut auf dem festgetretenen Schnee und da werden wir mutiger. Die berühmte Eismeerkathedrale liegt auf der anderen Seite des Sunds, verbunden durch eine dieser hohen, geschwungenen Brücken, unter denen die Schiffe durchfahren.  Natürlich haben wir uns wetterfest angezogen und trotzen den Unbilden des Wetters. Zur Belohnung gibt es ein Bierchen in Macks Ølhallen. Eine traditionsreiche Brauerei, also so etwas wie das Hofbräuhaus von Tromsø. Habt ihr übrigens gemerkt, dass ich jetzt auch dieses komische ö auf der Tastatur gefunden habe?

Schnee am Kabinenfenster

 

Der Anleger in Finnsnes, unser Schiff ist ja eigentlich eine Fähre und Leute steigen aus und ein.

 

Neben moderner Bauweise sieht man auch noch malerische Holzhäuser

 

Über diese Brücke musst du gehen… wenn du zur Kathedrale willst

 

Die Eismeerkathedrale erinnert in seiner Form an Packeisschollen, sagt man.

 

Feierabendverkehr in der Einkaufsmeile

 

Die Zeit läuft

 

Wenn’s draußen kalt ist, trinkt man was Kaltes, ist doch klar!

 

Die Tage sind kurz im nordischen Winter

 

Licht in dunkler Winternacht

 

 

Die Sache mit dem Nordlicht

Es gibt mindestens zwei Gründe für die Winterreise mit den Hurtigruten: tief verschneite Landschaften in kristallklarer Polarluft und das Nordlicht. Letzteres gibt es naturgemäß nur im Dunkeln, vorzugsweise zu nachtschlafender Zeit. Damit man nur ja nichts verpasst, kann man sich die Borddurchsagen rund um die Uhr in die Kabine durchstellen lassen. Der Nordlichtalarm kommt natürlich genau dann, wenn man sich gerade das Nachtgewand überstreifen möchte. Also alles zurück, schnell anziehen was wärmt, die Camera geschnappt und raus in die Eiseskälte, kurz vor Mitternacht. Dann beginnt der Kampf mit dem Equipment im Stockdunkeln. Und wo ist eigentlich dieses Nordlicht? Das Auge muß sich zunächst an die Dunkelheit gewöhnen und dann tauchen die ersten hellen Schimmer am Himmel auf. Nicht so bunt wie auf den Werbefotos, eher fahl. Das erste Foto mißlingt, ich sehe vor lauter Dunkelheit nichts im Sucher und auf dem Foto erscheint – nichts, ein paar Sterne höchstens. Der kalte Wind schneidet ins Gesicht und ich finde die eine Feststellschraube am Stativ nicht. Die Finger werden steif vor Kälte. Nächster Versuch, auslösen und erstmal Hände in die Taschen. Und siehe da, es wird so langsam. Das Wunder des Nordlichts hat meine Camera vollbracht. Was für meine Augen wie fahles Licht aussieht, verwandelt sie in grüne und rote Farbflächen. Der Bildausschnitt ist noch nicht optimal, aber es macht Spaß zu fotografieren, jedes Bild ein Unikat. Und vielleicht sehen meine Augen beim nächsten mal auch dieses tolle Farbspektakel. Nach einer knappen halben Stunde ist der Spuk vorbei und ab in die Koje.

Der Sonnenaufgang gegen sieben Uhr fällt zusammen mit der Überquerung des Polarkreises. Kein Wölkchen am Himmel, also wieder alles anziehen, was warm ist und raus in die Kälte. Bei jedem Schritt knirscht es und der Fahrtwind lässt die Gesichtszüge erstarren. Und wieder Fotomotive ohne Ende. Gegen Mittag laufen wir Bodö an und wir sind neugierig auf die südlichste Stadt nördlich des Polarkreises. Häh? Also ich hab mir das nicht ausgedacht, das stammt von den Marketing Experten des Tourismusbüros.

Der Charme Bodös ist etwas spröde, Zweckbauten neueren Datums und kein richtiges Zentrum. Der kleine Fischereihafen ist ganz schön und wir genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Wir erwarten einen Wetterumschwung, eine steife Brise und Schneefall.

Erster Versuch mit dem Nordlicht

 

Wo kommt bloß dieses Grün her?

 

Kurz nach Sonnenaufgang passieren wir den Polarkreis

 

Kleine Kurve um das Polarkreiszeichen

 

Begegnung mit einem Schwesterschiff

 

Imposante Wohnlage

 

Unser Schiff im Hafen von Bodö

 

Fischerboot in Bodö

 

Da läuft mir doch glatt das Wasser im Munde zusammen

Kulinarisches mit Prosa

Ich möchte eure Aufmerksamkeit noch einmal auf unser Essen an Bord richten. Ihr wißt schon, die typisch norwegische Küche. Der Küchenchef legt viel Wert darauf, regionale Produkte zu verwenden. Das Schiff legt ja ständig an irgendeiner Milchkanne an, da kann man natürlich auch immer frische Lebensmittel an Bord nehmen. Die Reederei hat sogar alle Erzeuger entlang der Küste aufgerufen, ihre Erzeugnisse vorzustellen und hat daraus 45 Anbieter ausgewählt, die nun ihre Produkte regelmäßig anliefern. Damit wir Reisenden das auch mitkriegen, werden die Hauptgerichte auf der Speisekarte eingehend beschrieben. Das möchte ich euch nicht vorenthalten.

„Carpaccio vom Klippfisch aus Dybvik“

Der Zucker-Seetang wurde heute von Angelita und Tamara und ihren Freunden gepflückt. Die Seaweed Company wurde 2016 gegründet und basiert auf dem Erbe zweier Inselmädchen mit sehr unterschiedlichem kulturellen Hintergrund. Angelita, geboren und aufgewachsen auf den Lofoten, war bereits früh im Fischereibetrieb ihres Vaters tätig. Vom Meer konnte man als Familie leben und überleben. Auf der anderen Seite der Erde, in Neuseeland, hatte der Seetang in Tamaras Leben bereits seinen Platz gefunden, da ihre japanische Mutter ihn in fast jeder Mahlzeit einsetzte.

Soweit das Zitat aus der Speisekarte. Läuft einem da nicht schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammen? Und ich Banause dachte, das Grünzeug über dem Fisch sei so was wie Ruccola. Klippfisch ist übrigens ähnlich wie Stockfisch, wird zum Trocknen nicht auf die Wäscheleine gehängt, sondern gesalzen und dann, wie der Name schon sagt, auf die Klippen gelegt. Gut, daß es hier keine Bären gibt, sonst wär es nix geworden mit dem Klippfisch. Man braucht nicht viel Lektüre an Bord, allein die Speisekarte bietet jeden Tag lehrreiche und erhellende Prosa.

Heute haben wir Trondheim erreicht, die drittgrößte Stadt Norwegens. Der Reiseleiter hatte in einem seiner launigen Vorträge erwähnt, was Winter in Norwegen genau bedeutet. Jedenfalls keine Sonne und Temperaturen über 5 Grad. Prompt hatten wir heute  das richtige Wetter für die Jahreszeit. Drei Stunden hatten wir Zeit, die Festung zu erobern, was den Schweden nicht gelungen war,  uns einen Überblick über die Stadt zu verschaffen und dann ins Detail zu gehen. Es gibt eine Kathedrale zu bestaunen und bunte Holzhäuser, auch von den historischen Lagerhäusern haben etliche die Zeit überdauert. Zwar gab es auch in Trondheim größere Brände, aber es hat hier nicht die alle Häuser erwischt.

Der Nachmittag zeigte sich gnädig mit uns,  die Sonne beschien die malerische Küstenlandschaft. Die Berge sind Hügeln gewichen, die eine abgerundete Form haben, da haben die Gletscher ganze Arbeit beim Abschleifen geleistet.

Die Festung Kristiansten in Trondheim wurde erbaut, um die Stadt gegen Schweden zu verteidigen.

 

Blick von der Festung auf die Stadt

 

Die typischen alten Holzhäuser

 

Die historischen Lagerhäuser am Nidelva Fluss

 

Die alten Lagerhäuser werden heute zum Wohnen und für kommerzielle Zwecke genutzt

 

Der Nidaros Dom, der größte Sakralbau Norwegens, dies ist auch die Krönungskirche der norwegischen Könige.

 

Frühlingssonne in Alesund

Beim Frühstück sah der Tag noch gar nicht so toll aus, grau verhangener Himmel und auch mal ein paar Regentropfen. Es ist ja nicht der Süden, das war klar, aber da war wettermäßig noch Luft nach oben. Erstmal wurden wir etwas durchgeschaukelt aber dann riß der Himmel immer weiter auf und Alesund lag im milden Sonnenlicht vor uns. Drei Stunden wurden wir von der Leine gelassen mit der Empfehlung, 10 Minuten vor Abfahrt des Schiffes zurück zu sein. Es würde nicht auf uns warten.

Alesund war sehr verschlafen an diesem Sonntag Mittag, da konnten wir uns in Ruhe umschauen. Im Reiseführer stand, daß man unbedingt vom Berg Aksla die Aussicht genießen sollte. Haben wir natürlich gemacht, bei herrlichem Sonnenschein! Dann noch mal die Jugenstilhäuser bewundert, die das Stadtbild prägen. Dazu muß man wissen, dass 1904 in einer Margarinefabrik eine Petroleumlampe umfiel und das gesamte Gebäude in Brand steckte. Weil auch noch ein starker Wind wehte, griff die Feuersbrunst um sich und zerstörte 85 % der Häuser, die damals typischerweise aus Holz gebaut waren. Als großzügiger Helfer tat sich unser Kaiser Wilhelm hervor, der Norwegen liebte und hier oft seine Ferien verbrachte. Er schickte 4 Schiffe mit Hilfsgütern und stellte sie als Notunterkünfte zur Verfügung. Als Dank hat man eine Straße nach ihm benannt. Und man hatte aus dem Unglück gelernt, fortan wurden nur noch Steinhäuser gebaut. Und da gerade Jugendstil in Mode war, gibt es heute sehr viele Bauwerke dieser Stilrichtung anzuschauen.

Den Nachmittag verbringen wir gemütlich an Bord und lassen die Küste wie einen Film an uns vorbeiziehen.

Zugegeben, so haben wir die Landschaft nicht gesehen, das kriegt man nur mit Filtern hin. War aber wirklich noch nicht eitel Sonnenschein heute morgen.

 

Martin auf dem Weg zur Arbeit

 

Norwegische Bilderbuchlandschaft

 

Das winterliche Alesund

 

Alesund beeindruckt mit Jugendstilbauten, die Innenstadt ist von Wasser umgeben

 

Blick vom Aussichtsberg, in der Bildmitte unser Schiff

 

Schneeberge bei Alesund

 

Als hätte jemand Puderzucker gestreut

 

Unser Schiff ganz vorne

 

Man kann kaum den Finger vom Auslöser lassen

 

Drama am Himmel vor dem Sonnenuntergang

 

Es verspricht eine kalte Nacht zu werden

Leinen los!

Den Wunsch, einmal mit einem Postschiff die norwegische Küste entlang zu fahren, habe ich schon sehr lange. Ich kann auch genau sagen, wie lange. Nämlich seit ich 1969 meine Lehre im Reisebüro begann und Kunden genau diese Reise schmackhaft machte. Es hat also genau 50 Jahre gedauert, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Aber immerhin, seit einer halben Stunde begleitet uns ein leises Brummen, unser Schiff hat in Bergen bei leichtem Regen abgelegt. Knapp 400 Mitreisende sind an Bord und natürlich waren die meisten mit  Cameras bewaffnet beim Ablegemanöver auf dem zugigen Deck. Wir werden noch sehr oft ablegen, insgesamt erleben wir dieses Manöver 66 mal, denn wir haben die komplette Rundreise bis zum Nordkap und zurück nach Bergen gebucht. Manchmal werden wir auch schon in der Koje liegen, denn das Schiff fahrt pausenlos und legt zwischen 15 Minuten und 6 Stunden an. Ursprünglich wurde in erster Linie Post befördert, als der Liniendienst 1893 aufgenommen wurde. Heute steht eher die Mitnahme von Passagieren in Vordergrund, obwohl auch immer noch Waren befördert werden. Die Häfen an der norwegischen Küste sind durch den Golfstrom eisfrei, was man von den Straßen im hohen Norden nicht unbedingt behaupten kann.

Beim deutschen Publikum sind die Reisen mit den Hurtigschiffen sehr beliebt, was ganz praktisch ist, denn unser norwegisch ist nicht wirklich gut. Es gibt genügend deutschsprachiges Personal an Bord, englisch wird natürlich auch gesprochen. Der erste Eindruck ist sehr gut, die Kabine ist gemütlich, wenn auch größenoptimiert, am Bett kommt man nur vorbei, wenn man seitwärts geht. Aber wir sind ja durch unsere Wohnmobiltouren an wenig Platz gewöhnt. Das Abendessen  war sehr gut, es wird Wert gelegt auf landestypische Küche. Die Spezialität heute war Smalahove. Hört sich zunächst harmlos an, es handelte sich um einen Schafskopf, der gesalzen, getrocknet, geräuchert und dann gekocht wird. Hat richtig gut geschmeckt.

Nun sind wir gespannt, was wir im ersten Morgenlicht sehen werden. Die Reise lebt in erster Linie von eindrucksvollen Landschaften, die langsam an uns vorüberziehen werden.  Morgen werden wir für 3 Stunden in Alesund anlegen, da ist natürlich ein Landgang angesagt. Nun noch ein paar Fotos von den ersten Stunden an Bord.

Bergen macht seinem Namen als regenreichste Stadt alle Ehre.

 

Unsere Kabine mit Blick auf Bergen

 

Nicht mehr viel los in Bergen nach Anbruch der Dunkelheit

 

Die Ausfahrt aus dem Hafen lässt man sich natürlich auch bei nicht ganz idealem Wetter nicht entgehen

 

Langsam nimmt das Schiff Fahrt auf