Archiv der Kategorie: Indian Summer im Osten Kanadas

Glamping

Wir haben unser Ziel Toronto erreicht. Die Fahrt war noch einmal eine Herausforderung, weil es im Großraum Toronto nur so von Autobahnkreuzen und sechsspurigen Fahrbahnen, die sich plötzlich teilen, wimmelt. Unser von zu Hause mitgebrachtes Navi war dabei sehr hilfreich. Das war heute eine Ausnahme, normalerweise fährt man die nordamerikanischen Highways völlig entspannt bei 100 km/h. Die LKW fahren dieses Tempo auch und so rollt der Verkehr störungsfrei vor sich hin. Martin hat unser riesiges Fahrzeug souverän beherrscht. Und es war diesmal richtig groß.

Wir hatten ein Sonderangebot gebucht ohne Garantie für ein bestimmtes Modell. Und sie haben uns das am besten ausgestattete Fahrzeug gegeben, das wir je hatten. Es ist aber auch 8,40 Meter lang, da bin ich lieber nicht gefahren, ein guter Beifahrer ist ja auch wichtig! Seitlich hat es zwei automatisch ausfahrbare Nischen, Slider genannt, die für viel zusätzlichen Platz im Innenraum sorgen. Bei der Länge von über 8 Metern gibt es den Luxus einer separaten Toilette, eines begehbaren Kleiderschrankes und einer Dusche mit Abtrennung. So viel Komfort war noch nie, aber wetterbedingt haben wir uns mehr innen aufgehalten als sonst und waren ganz froh darüber. Vor allem die Heizung wussten wir zu schätzen, als die Nächte um die Null Grad hatten und die Tage einstellige Werte. Es ist aber kein Camping im eigentlichen Sinne mehr, das ist entbehrungsreicher. Man nennt das heute Glamour Camping oder abgekürzt Glamping.

Wir haben in Nova Scotia, New Brunswick und Quebec wunderschöne Landschaften erlebt und würden jederzeit wieder in der Nachsaison fahren. Auf den Campingplätzen konnten wir uns den schönsten Stellplatz aussuchen und Ausflüge wie die Walbeobachtungstouren zu buchen, war kein Problem. Die Temperaturen schwanken sehr, momentan haben wir wieder Mitte 20 Grad. Regentage waren eigentlich nur zwei dabei, aber es war öfter bewölkt als sonnig. Wir haben längst nicht alles gesehen, die Entfernungen sind teilweise doch ganz erheblich.Vielleicht kommen wir eines Tages wieder – in den Osten Kanadas.

Unser Camper fahrbereit

Slider sind herausgefahren, jetzt kommt der gemütliche Teil des Tages

So sieht es innen während der Fahrt aus

Jetzt ist richtig Platz im Wohnzimmer

Küche mit Herd, Backofen, Kühl- und Gefrierschrank sowie Dunstabzugshaube

Das Bett klappt sich automatisch zusammen, wenn der Slider eingefahren wird, hinten Schiebetür zum Bad mit Duschkabine

Separates WC mit Schiebetür

Und der Clou: ein begehbarer Kleiderschrank

 

 

Wasser Marsch

„Wie jetzt, ihr wart noch nicht an den Niagarafällen?“ Das haben wir oft gehört, als wir von unseren Reisevorbereitungen berichtet haben. Ja, wir waren tatsächlich noch nicht hier und da wir von Toronto zurückfliegen, haben wir die Fälle eingebaut. Damit ihr alle beruhigt seid.

Den Wasserfall an sich finde ich normalerweise eher nicht so aufregend, doch was die Niagaras angeht, so muss ich zugeben, dass die ganz schön eindrucksvoll sind. Am besten, man nähert sich von der amerikanischen Seite, da hat man sozusagen schon mal die halbe Show. Die amerikanischen Fälle sind nicht ganz so tief und auch nicht so breit wie die kanadischen. Hier haben die Amis mal nicht die Größten.

Wenn man dann am Table Rock an den sogenannten Horseshoefällen auf der kanadischen Seite steht, sieht man die volle Wucht dieser unglaublichen Wassermassen. Und dazu noch tolles Wetter – man kann leicht einen ganzen Tag hier verbringen. Natürlich ist alles touristisch mundgerecht aufbereitet, es gibt Shuttlebusse, Aufzüge bis zum Boden und auch hinter die Fälle, Bootsfahrten zum Nasswerden und Aussichtstürme. Das war wirklich kurzweilig – und hier die Bilder dazu.

Die amerikanischen Fälle mit der Rainbowbridge im Hintergrund

Und hier die volle Ladung an den kanadischen Fällen

„Story behind the Falls“ nennt sich dieser Ausflug. Mit dem Aufzug geht es 30 Meter durch die Felsen nach unten, dort wird man dann nass. Näher an den Fällen geht nicht.

Vom Skylon Tower aus kann man sich einen tollen Überblick verschaffen.

Die amerikanischen Fälle von oben. Wer noch nicht nass genug geworden ist, kann mit einem der Boote in die Gischt fahren, das Boot unten fährt alle Viertelstunde und befördert hunderte von Passagieren.

Die letzten Kilometer bis zum Lake Ontario schiesst das Wasser durch eine enge Schucht und bildet zwischen drei und fünf Meter hohe Wellen. Nicht, weil der Untergrund felsig ist, sondern weil es so viel Wasser ist, mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h

Kein Regen ist genug Sonne!

Bei unserem Abstecher in den Adirondack Park im Staate New York – jawohl, wir sind in die USA gewechselt – wollten wir noch einmal die ganze Farbenpracht des Herbstwaldes erleben. Und es gibt hier viel Mischwald, der sich auf sehr malerische Weise verfärbt hat. Aber es ist nur das halbe Vergnügen, wenn die Sonne nicht scheint. Schade, aber dadurch erleben wir einen authentischen Herbsttag mit Bewölkung und Nebel. Nicht so das langweilige Bilderbuchwetter. Bei Sonne fotografieren kann jeder.

Auf unserer Route lag übrigens Lake Placid, schon zweimal Austragungsort der olympischen Winterspiele. Ein belebter Touristenort, hübsch gelegen zwischen zwei Seen, aber ohne gigantische Bauwerke, deren Nutzung nach den Spielen fraglich ist. Einzig die Sprungschanzen ragen etwas heraus.

In der ersten Nacht in den Adirondacks trommelte der Regen auf unser Wohnmobildach, da waren wir schon froh, dass es am nächsten Tag wenigstens nicht mehr regnete. Man wird bescheiden. Ich kann also nur Bilder ohne Sonnenlicht liefern, es ist nicht zu ändern. Wir können auch nicht beliebig verlängern, weil wir ja nur noch wenige Tage bis zu unserem Rückflugort Toronto haben.

Im südlichen Teil des Parkes änderte sich plötzlich das Wetter, als hätten wir eine Wetterscheide passiert. Auf einmal sonnig, aber nun kein Herbstwald mehr! Anscheinend ist es hier wärmer, die typische Rotfärbung des Laubes tritt ja vor allem nach dem ersten Frost ein, den gab es hier wohl noch nicht. Im übrigen sind die Adirondacks nicht auf Wohnmobile vorbereitet, hier übernachtet man in Lodges oder man zeltet. Wanderparkplätze waren beispielsweise für uns unerreichbar, weil sie schon für die PKW kaum ausreichend waren. Da hatten wir mit unserem 8,40 Meter langen Wohnmobil keine Chance. Auch für die Fotos mussten wir lange suchen, bis wir einen geeigneten Platz gefunden hatten. Aber ein paar Bilder sind schon dabei rumgekommen, also schaut selbst!

Typischer Ort in den Adirondacks, davon gibt es allerdings nur sehr wenige. 

Es gibt nicht viele Straßen in dem geschlossenen Waldgebiet von etwa 200 mal 200 Kilometern. Nach Alaska ist es das größte Naturschutzgebiet der USA.

Der Herbst zieht alle Register!

Bunt sind schon die Wälder…

Unser Campingplatz in Lake Placid

Feierabendbier muss sein!

 

Quebec die Schöne

Natürlich muss man im Herbst mit Regen rechnen, auch in Kanada. Wir versuchen immer, die Regentage so zu nutzen, dass wir eine größere Fahrstrecke zurücklegen. Wir wären gern noch einen Tag am Saguenay Fjord geblieben, hätten da aber im Regen gesessen. Also fahren wir weiter nach Quebec, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kanadas. Unterwegs machen wir in einer Regenpause Halt im Künstlerstädtchen Baie St. Paul und an einem Vogelschutzgebiet. Da hatten wir richtig Glück, denn den Rest des Tages hatten wir Regen.

In Quebec haben wir einen stadtnahen Campingplatz gefunden, der in einem Waldgebiet liegt und außerdem noch einen Shuttle-Service in die Innenstadt anbietet. Das ist für Wohnmobiltouristen wie uns eine tolle Sache, denn die Parkplatzsuche in der Altstadt mit einem über acht Meter langen Fahrzeug wäre zum Scheitern verurteilt.

Quebec ist eine Stadt, wie es sie in Nordamerika nicht noch einmal gibt. Sie hat eine vollständig erhaltene Altstadt aus dem 17. und 18. Jahrhundert und ist von französischer Lebensart geprägt. Wir trinken Café au Lait und lassen uns Croissants schmecken. Und wenn wir keine Lust zum Kochen haben, gibt es Baguette und Camenbert. Wir haben den ganzen Tag in der Stadt verbracht, die dominiert wird vom Hotel Château Frontenac, das 1883 errichtet wurde und aussieht wir ein Märchenschloss. Prominente gaben sich die Klinke in die Hand und im 2. Weltkrieg fanden wichtige Konferenzen hier statt. Komplett erhalten ist auch die Zitadelle aus dem 17. Jahrhundert, von hier aus hat man einen tollen Ausblick auf die Altstadt und den St.-Lorenz-Strom. Der älteste Teil der Stadt liegt unterhalb des Château und umfasst nur ein paar Gassen sowie den Place Royal. Hier wurde 1608 der Grundstein für die spätere Stadt gelegt und auf diesen Platz ist man hier besonders stolz. Wenn man allerdings einen Tag erwischt, an dem Kreuzfahrtschiffe zu Besuch sind, dann ist man nicht allein in den engen Gassen. Um nicht zu sagen, dass dann drangvolle Enge herrscht. Aber wenigstens verstopfen die Kreuzfahrttouristen nicht die Straßen mit ihren Wohnmobilen. Sie kommen zwar mit einen sehr großen Schiff, sind dann aber zu Fuß unterwegs. Wir haben es jedenfalls genossen, nach viel Natur einen Tag in einer tollen Stadt verbracht zu haben, gefühlt waren wir einen Tag in Frankreich. Französisch ist ja hier auch die Muttersprache, Englisch ist für die hier ansässigen Kanadier die erste Fremdsprache.

Das Städtchen Baie St.Paul wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen, da haben wir uns wohl gefühlt.

Viele Künstler haben sich hier angesiedelt, Galerien und urige Lädchen dominieren das Stadtbild.

Im Vogelschutzgebiet am Cap Tourmente sammeln sich bis zu 30.000 Schneegänse auf dem Weg in wärmere Gefilde. Martin hat sie gezählt, es waren heute 2.456 Gänse am Ufer des St.-Lorenz-Stromes.

Unser naturnaher Campingplatz am Stadtrand von Quebec.

Das alles überragende Wahrzeichen von Quebec, das Château Frontenac.

In der Oberstadt fühlt man sich nach Frankreich versetzt.

In der Unterstadt stehen die ältesten Gebäude von Quebec.

Heute war ein schöner Tag, sonnig aber kühl bei maximal 10 Grad. Die Regenschirme wurden nicht gebraucht und hingen zum Trocknen aus.

Der Place Royal ist der älteste Teil der Stadt, sieht aber nicht so aus, weil die Häuser im Laufe der Jahre renoviert wurden.

Das Kreuzfahrtterminal liegt direkt an der Altstadt, da wirkt so ein großes Schiff schon mal ein wenig deplatziert. Für die Falks: hat nichts mit euch persönlich zu tun, ist nur so eine Anmerkung.

Das Château von der Altstadt aus.

Blick von der Zitadelle auf die Stadt und den St.-Lorenz-Strom.

 

Es wird Herbst

Wie jeder National Park hat auch der Fundy ein gutes angelegtes und beschildertes Netz von Wanderwegen. Wir haben uns die Küstenwanderung ausgesucht, aber meist sind wir durch dichten Wald gelaufen. War ein bisschen anstrengend zu gehen, weil wir nur über Wurzeln gelaufen sind. Zur Belohnung sind wir dann in Alma in die Kirche gegangen. Aber nicht, um dem Herrgott für diesen schönen Tag zu danken, sondern um ein Bierchen zu zischen. Die Kirche ist jetzt nämlich eine Brauerei. Es gibt acht verschiedene Biere, wir durften probieren und haben uns ein leckeres ausgesucht. Unser Campingplatz im National Park liegt in Fußentfernung zu Alma, das haben wir ausgenutzt und sind abends landestypisch essen gegangen, es gab Hummer. Der wird hier frisch gefangen und man muss ihn einfach mal probieren. Ist viel Arbeit, aber es war zum Sattwerden. Allerdings haben die Hummersandwiches am Mittag genauso gut geschmeckt, ohne die ganze Arbeit. Dann sind wir nochmal in die Kirche, da gab es Live-Musik. Es wurde ein kurzweiliger Abend, wir hatten tagsüber ein Pärchen aus Köln kennengelernt und uns hier wieder getroffen.

Vom Fundy National Park aus sind wir stramm nach Norden gefahren, in Richtung St.-Lorenz-Strom. Und es war, als hätte jemand das Herbstlicht angeknipst. Als wir den Nadelwald hinter uns gelassen hatten, war auf einmal alles gelb, orange und rot. Die Sonne schien dazu, wir konnten uns an den Farben gar nicht sattsehen. Eine Stunde dauerte die Überfahrt mit der Fähre auf die Nordseite des Stromes. Der ist hier so breit, dass man das andere Ufer gerade noch erahnen kann. Wir haben uns wieder einen National Park ausgesucht, und zwar den Fjord-du-Saguenay. Etwa 150 Kilometer erstreckt sich der Fjord ins Landesinnere. Ausgangspunkt ist der hübsche Ferienort Tradoussac, berühmt für seine Walbeobachtungstouren. Der St.-Lorenz-Strom ist hier sehr fischreich und entlang der Küste ist ein marines Schutzgebiet ausgewiesen. Leider ist es nicht mehr so sonnig, die Farben leuchten nicht ganz so bunt, aber Wale haben wir gesehen, Finnwale, Minkwale und einen Buckelwal. Aber viel haben sie nicht von sich gezeigt, die Rückenflossen konnte man aber gut erkennen.

Viele Wurzeln queren den Wanderweg

Marschwiesen am Wasser

De Leuchttürme sind hierzulande viereckig und dieser hier ist nicht mehr in Betrieb, seht aber schön aus.

Wir haben uns getraut, Hummer zu essen ohne zu wissen, wie man das macht. Aber die Bedienung hat freundliche Hinweise gegeben.

Lobster Roll, einfach zu essen und mindestens genauso lecker

Sieht aus wie eine Kirche, ist aber keine!

Bei Sonnenschein zu fahren ist ein Augenschmaus

Wir überqueren de St.-Lorenz-Strom von Rivière-du-Loup nach St. Simeon, der Strom ist hier 24 Kilometer breit

Hier fehlt die Sonne, trotzdem gibt es einen Eindruck von der Farbenpracht

Steilufer am St.-Lorenz-Strom

Ein Minkwal sehr nah an unserem Boot

 

Wie alles anfing

Am 15.September 1773 erreichte das erste Schiff aus Schottland die Küste des heutigen Nova Scotia, und zwar in Pictou. An Bord der Hector befanden sich 200 Passagiere und es sollten noch Tausende folgen. Sie hatten alle die eine Hoffnung: ein Stück Land zu finden, das sie bewirtschaften konnten und das ihnen gehörte. Ihre Pläne gingen auf und der Grundstein für Nova Scotia war gelegt.Geschichtsbewusste Einwohner von Pictou starteten eine Sammelaktion und finanzierten so den originalgetreuen Nachbau der Hector. Noch heute finden Feiern zu diesem Ereignis in Pictou statt.

Ist mir schleierhaft, wie 200 Personen auf dieses Schiff gepasst haben sollen

Der alte Leuchtturm von Pictou, allerdings auch nachgebaut

Das historische Cunard-Haus

Wann kommt die Flut

Den Regentag nutzen wir, um die Strecke von Pictou zu unserem nächsten Ziel zurückzulegen, der Bay of Fundy. Dies ist weltweit der Ort mit dem höchsten Pegelunterschied zwischen Ebbe und Flut. Er beträgt bis zu 16 Meter, die Nordsee bringt es auf maximal drei Meter. Dies bedeutet hier, dass ganze Felsen auf einmal im Trockenen stehen und Boote auf dem Trockenen liegen. Bekanntester Ort, um dieses Phänomen zu bestaunen, sind die Hopewell Rocks in New Brunswick. Bei Ebbe darf man zwischen den Felsen herumlaufen, bei auflaufendem Wasser wird der Strand gesperrt. Es ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in dieser Provinz und somit herrscht auch in der Nachsaison noch viel Betrieb. Wahrscheinlich haben alle den Regentag gestern abgewartet, entsprechend viel Betrieb herrscht bei den Felsen. Wir stapfen durch Sand und Schlick und schauen uns die Blumentopffelsen an. Die heißen so, weil auf ihnen Bäume wachsen. Die Besuchszeiten sind streng reglementiert, denn das Wasser kommt rasch und im Nu ist man eingeschlossen.

Campingplatz mit Aussicht auf die Fundy Bay

Das Wasser ist weg, aber keine Angst, es wird zuverlässig in fünf Stunden zurück sein

Die berühmten Hopewell Rocks an der Bay of Fundy

Ganz schön hoch, wenn man so zwischen ihnen hindurchgeht

Die Häuser am Wegesrand sind allesamt aus Holz gebaut und meistens wunderschön hergerichtet

Und der Rasen ist immer frisch gemäht

Halloween kann kommen

Langsam erröten die Bäume

 

Rund um Cape Breton

Vollmundig wird die 300 Kilometer lange Strecke als schönste Küstenroute der Welt gelobt, vielleicht haben das aber auch die Marketing-Experten des Tourismusbüros geschrieben. Mit den Superlativen ist das ja immer so eine Sache. Aber toll ist die Route auf jeden Fall. Die Straße führt meistens nah am Wasser entlang und das Gelände ist hügelig. Bis zu 400 Meter hoch erheben sich die Berge und bilden an der Küste entsprechend hohe Klippen aus. Nur wenige Menschen lassen sich in dieser entlegenen Gegend nieder und einige davon leben vom Tourismus. Zum Beispiel die Anbieter von Walbeobachtungstouren. Hier am Cape Breton haben Pilotwale ihr Revier, je nach Jahreszeit ziehen aber auch Buckelwale und Blauwale vorbei. Wir haben Glück mit dem Wetter und die Tour startet bei strahlendem Sonnenschein um 10 Uhr. Der rothaarige Kapitän kann seine schottischen Vorfahren ebenso wenig verleugnen wie der Tourguide und die beiden machen ihren Job mit Leidenschaft. Sie freuen sich richtig, als sie die ersten Pilotwale aufgespürt haben. Und dann sehen wir noch eine Meeresschildkröte, was äußerst selten ist, da diese hier vom Aussterben bedroht sind. Wir hatten viel Glück mit dieser Tour, denn gestern fand keine statt wegen zu hohem Seegang und die beiden nächsten Tage ist Regen angesagt.

Ganz im Norden des Cape Breton liegt ein Campinglatz direkt an den Klippen und den steuern wir natürlich an. Meat Cove heißt das Nest, drei Häuser, ein Ausflugslokal und eben dieser Campingplatz mit der einmaligen Lage. Und die ist tatsächlich so toll wie auf den Bildern. Nach Sonnenuntergang wird es frisch hier oben, aber der Vollmond spiegelt sich im Meer, das müssen wir uns natürlich anschauen. Etwas durchgefroren freuen wir uns wieder über unser komfortables Wohnmobil mit der tollen Heizung.

Küstenlandschaft am Cape Breton

Küste vom Wasser aus

Ein Pilotwal nah an unserem Boot, leider hat er uns nicht mehr von sich gezeigt als seine Rückenflosse. Wir haben ihn und seine Feunde noch ein paar Mal gesehen, ist ja immer aufregend den größten Meeressäugern zu begegnen.

Ein freundlicher Mitreisender hat uns fotografiert.

Unser Traumplatz in Meat Cove

Scheinbar sind wir so fotogen, dass mir beinahe die Camera aus der Hand gerissen wurde. Oder da wollte jemand unbedingt mal eine Olympus halten…

Unser Traumplatz am nächsten Morgen

Kurzer Stopp in Neills Harbour, ein Kaff fast am Ende der Welt. Pittoresk steht im Reiseführer!

Alles in Grün

Tut mir leid, dass ich mich erst heute melde, aber die Netzabdeckung in Nova Scotia ist nicht wirklich gut. Aber jetzt geht´s los.

Auf einmal ist der Rasen wieder grün, im Osten Kanadas war der Sommer weder so trocken noch so heiß wie bei uns. Und die Kanadier lieben ihren Rasen – um jedes Haus herum ist vorbildlich gemäht. Vielleicht gibt es auch ein Gesetz, dass samstags der Rasen gemäht werden muss. Das Auge freut sich natürlich über so viel Grün.

Eigentlich hatten wir ja Rottöne erwartet, aber die Herbstfärbung lässt noch ein wenig auf sich warten. Nur vereinzelt sehen wir buntes Laub, aber das soll sich in den nächsten Wochen ändern. Es hängt auch von den Temperaturen ab, denn nur wenn die Blätter Frost bekommen haben, beginnen sie sich rot zu färben.

Wir haben ein sehr komfortables Wohnmobil bekommen, das sich gut heizen lässt, nicht unwichtig bei einstelligen Temperaturen nachts. Tagsüber sind es im Schnitt 15 Grad, je nachdem, ob sich die Sonne blicken lässt. Also perfekt zum Wandern. Hier nun die ersten Fotos aus der Provinz Nova Scotia. Übrigens leben hier tatsächlich viele schottischstämmige Kanadier, die ihre Vorfahren teilweise bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen können. Und die haben auch gleich die Namen ihrer Heimatorte mitgenommen, heute sind wir zum Beispiel durch Inverness gefahren.

Kleine Städtchen am Wegesrand, aber keine Cafés.

Dafür hübsche, bunte Holzhäuser.

Straßenrestaurants nehmen hier die gesamte Breite des Bürgersteigs ein. Die Fußgänger werden kurzerhand auf die Straße geleitet.

Den Indian Summer gibt es bislang nur in den Geschäften.

Oder vor dem Visitor Center. Aber das wird ja vermutlich noch besser.

Stellplatz im Grünen

Wanderung durch borealen Wald auf dem Skyline Trail

Dramatische Küstenlandschaft am Cape Breton

Und dann tatsächlich eine Elchkuh im Gebüsch

Und kurz drauf ihr Bruder, der kam gerade vom Elchtest.

 

Wir konnten nicht widerstehen

Unser Wohnmobilvermittler hat ein Sonderangebot geschickt und da haben wir zugeschlagen, eine dreiwöchige Tour durch den Osten Kanadas bis nach Toronto. Wir starten in Halifax und werden teilweise der Küstenlinie folgen, durch die maritimen Provinzen Nova Scotia, New Brunswick und dem St.-Lorenz-Strom folgend über Quebec nach Toronto am Lake Ontario fahren. Und weil es fast auf dem Weg liegt, noch einen Abstecher zu den Niagara Fällen. Nein, die haben wir noch nicht gesehen, das hat uns zwar niemand geglaubt, stimmt aber trotzdem.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Begriff Indian Summer überhaupt noch politisch korrekt ist. Die Herkunft ist nicht ganz geklärt, manche Quellen behaupten, er bezeichne eine Zeit im Herbst, die durch eine beständige Wetterlage vor dem Wintereinbruch geprägt wird und die früher von den Indianern zur Jagd genutzt wurde. Vielleicht hat es auch mit dem Sternbild des Großen Bären zu tun, in welchem sich die Jäger wiederfanden. Ich finde Indian Summer jedenfalls viel netter als Altweibersommer.

Wir freuen uns sehr auf diese Tour, die Freiheit, dort zu bleiben, wo es uns gefällt und mitten in der Natur zu sein. Zwischen Halifax und Quebec City gibt es vor allem verschlafene Fischerorte und Farmland, also so richtig zum Erholen und Durchatmen nach diesem anstrengenden Sommer. Ich melde mich das nächste Mal aus Halifax, morgen früh um zehn geht der Flieger. Und wie immer freue ich mich auf eure Kommentare. Grüße von der Reiseoma.