Letzte Station Aqaba am Roten Meer

Jordanien besitzt mit der Hafenstadt Aqaba einen Zugang zum Roten Meer und noch etwa 30 Kilometer Strand in südlicher Richtung bis zur Grenze nach Saudi Arabien. An der anderen Seite des Golfs von Aqaba gibt es praktisch keinen Strand mehr, denn die israelische Grenze beginnt direkt am östlichen Stadtrand. Die 65.000 Einwohner der Stadt leben zum großen Teil vom Güterverkehr und vom Export von Phosphat. Auch der Tourismus spielt eine Rolle, es gibt eine Reihe internationaler Hotels mit sehr gutem Standard, wir sind in einem Interconti gut untergebracht. Es sind nicht nur internationale Touristen hier, vor allem an den Wochenenden kommen viele jordanische Gäste und bringen die ganze Familie mit.

Hier gilt mehr als anderswo, dass man sich als Besucher dieses Landes auch mit den Gewohnheiten der hier lebenden Menschen auseinandersetzen und diese tolerieren muss, schließlich sind wir die Besucher hier. An erster Stelle sei hier die stark gewöhnungsbedürftige Lautstärke genannt, die sich sowohl bei Gesprächen äußert als auch bei der Musik. Ohrenbetäubende Musik tönt aus vorbeifahrenden Booten, aus idyllischen Teestuben und auch aus der Strandbar unseres Intercontis. Manchmal ist es nicht nur die Lautstärke, sondern auch die für unsere Ohren aggressiv klingende Musik, Technobeats gemischt mit arabischem Lauten. Im Hotel ist spätestens um halb elf Schluß mit Musik, aber nahe am Strand vorbeifahrende Boote, die das gesamte Hotelgelände beschallen, sind echt nervig, manchmal tun sie das auch schon morgens um acht. Da wird die Toleranz auf eine harte Probe gestellt.

Wir haben unsere Ruhe an den öffentlichen Stränden südlich der Stadt gefunden, da hatten die Sonnenliegen zwar keine Auflagen, dafür war es ruhig und wir konnten die besten Schnorchelreviere Jordaniens direkt vom Strand aus erreichen. Für uns ebenfalls ungewohnt war, dass die Jordanierinnen nicht nur vollständig bekleidet an den Stand gehen, sondern auch ins Wasser. Man sollte hier möglichst keinen Bikini tragen, das würde die Blicke der Männer auf sich ziehen.

Morgen geht es zurück nach Hause und das Fazit dieser Reise kann nur lauten: Klasse! Jordanien hat mit Petra und dem Wadi Rum zwei Highlights, die unsere Erwartungen noch übertroffen haben. Das Schnorchelrevier ist so mittel, wobei man dazu wissen muss, dass wir mit Hawaii und dem Great Barrier Reef und auch in Sharm el Sheik schon an den weltbesten Spots geschnorchelt haben. Aber die Korallen sind noch intakt, nicht selbstverständlich in Zeiten des Klimawandels und bunte Fische waren auch da. Aus meiner Sicht kann man eine Reise nach Jordanien unbedingt empfehlen, möglichst nicht später als Mai, es hat die letzten Tage über 30 Grad, heißer sollte es nicht sein.

Schön, dass ihr dem Blog wieder gefolgt seid, die nächste Reise geht zur Abwechslung in den kühlen Norden, wir haben Norwegen mit dem Camper geplant. Der Nachholbedarf nach zwei Corona-Jahren ist doch recht groß, daher – auf bald !

Blick auf die Stadt vom vierten Stock unseres Hotels aus

Der Zentrale Platz, die Taxis sind hier quietschgrün

Schöne Abendstimmung am Souk

Das jordanische Essen war immer lecker, war nur etwas zu viel, daher ist noch etwas übrig

Man kann bedenkenlos in den Straßenrestaurants essen

Die nächste Moschee ist nie weit weg

Blick von unserem Balkon

Unser Schnorchelstrand, Platz war genug da

Freitags ist hier Wochenende und die ganze Stadt ist auf den Beinen

Bootsrundfahrten sind sehr beliebt, die mit dem Glasboden sind meine Freunde mit der lauten Musik

Die größte Sehenswürdigkeit von Aqaba ist die Festung aus dem 16. Jahrhundert, sie wurde im 1. Weltkrieg von den Engländern zum Teil zerstört

Die riesige Fahne ist weithin zu sehen, sie ist mit 800 qm ungefähr achtmal so groß wie unsere Wohnung

Der Fahnenmast war mit seinen 137 Metern bis 2008 der höchste frei stehende Mast der Welt

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Durch die Wüste

Es ist ja mittlerweile bekannt, dass wir die Wüste lieben. Nichts verstellt den Blick, man kann ungehindert bis zum Horizont sehen. Für Einsamkeit und Stille haben wir eine Schwäche und der Sternenhimmel sorgt fürs Abendprogramm. Zwei Gründe gaben den Ausschlag für die Jordanien-Reise, der erste ist Petra und der zweite die Wüste Wadi Rum. Seitdem wir das Filmepos Lawrence von Arabien gesehen haben, reifte der Wunsch in uns, diese Gegend zu besuchen.

Mittlerweile ist das Wadi Rum touristisch bestens erschlossen. Anfangs stellten die Beduinen ihre Zelte für Übernachtungen zur Verfügung. Heute hat man die Wahl zwischen Zelt und Gemeinschaftswaschräumen oder Luxuszelt mit eigenem Badezimmer. Der neueste Schrei sind sogenannte Bubbles. Da verbringt man die Nacht unter einer durchsichtigen Plastikkuppel. Wer den Aufpreis von 100 Euro zahlen möchte, darf dann natürlich kein Auge zumachen, damit es sich auch lohnt. Wir fanden diese Ungetüme mitten in der Wüste deplatziert, man denkt unwillkürlich an Aliens. Sie stechen schon von weither in die Augen. Dagegen passen sich die Beduinenzelte aus Ziegenhaar wie natürlich in die Landschaft ein. Wir haben so ein traditionelles Zelt gebucht, das allerdings von innen aussieht wie ein Gardinenladen. Ringsum glänzende, geraffte Stores, darüber wölbt sich ein Baldachin wie aus Tausendundeiner Nacht. Schwere Holzmöbel und eine Klimaanlage, so etwas nennt man wohl Glamping.

Tagsüber werden 4WD Touren angeboten, abends versammelt man sich am Lagerfeuer und trinkt Tee. Alkohol wird nur in lizensierten Hotels ausgeschenkt. Macht nix, wir haben ja die Wüste. Wir haben drei mehrstündige Jeeptouren gebucht und einen längeren Spaziergang um unser Camp gewagt, ohne uns zu verlaufen. Das Ergebnis sind unzählige Fotos von pittoresk geformten Felsen, Sand und Dünen, Kamelen und Beduinenzelten. Die Auswahl für diesen Blog ist mir nicht leicht gefallen, wieviel Fotos kann ich euch zumuten? Für manch einen sehen sie alle irgendwie gleich aus: Himmel, Berge und Sand! Ich habe euch mal eine kleine Auswahl zusammengestellt, ich hoffe, ihr habt heute nichts mehr vor.

Unser Luxus Camp in der Wüste

Unser Zelt, links das Badezimmer

Das Baldachin-Schlafzimmer

Das Badezimmer ist ungefähr doppelt so groß wie unseres zu Hause

Unser Wüstenschiff, wir saßen hinten auf der Ladefläche, da gibt es zu beiden Seiten gepolsterte Bänke und von dort die beste Aussicht.

Martin bei der Arbeit

Tatsächlich gibt es manchmal auch ein bisschen Grün

Früher das Haupttransportmittel, heute nur noch für Touristen

Die Dünen werden gern zum Surfen genutzt

Einfach nur Weite und Einsamkeit

Bei den Beduinen gibt es immer einen Tee gegen Bakschisch

Wie heißt diese Sehenswürdigkeit? Genau – Mushroom

Die Wüste hat viele Farben, die Blautönung kommt vom Kobaldgehalt

Das Haus von Lawrence von Arabien. Allerdings gehen die Meinungen darüber, ob er wirklich dort gewohnt hat, auseinander. Eventuell hatte er dort auch nur ein Waffenlager, wer weiß.

Das einzige Tier, das wir außer Kamelen gesehen haben.

Wanderung durch einen Canyon

Von der Erosion geschaffener Steinbogen, genannt “White Arch“

Keine Fata Morgana!

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Im Reich der Nabatäer

Die Felsenstadt Petra ist ein lohnendes Ziel sowohl für Kultur- als auch für Naturliebhaber. Die einmalige Lage zwischen hoch aufragenden Felsen ist beeindruckend. Der einzige Zugang führt durch eine enge Schlucht, deren Seitenwände bis zu 100 Meter steil aufragen und die an der engsten Stelle nur zwei Meter breit ist. Somit war die Stadt gut zu verteidigen und das Reich der Nabatäer konnte sich 400 Jahre lang halten. Ursprünglich waren die Nabatäer Beduinen, die Handel betrieben und sich von der Arabischen Halbinsel kommend einen neuen Siedlungsplatz suchten. Petra liegt auf dem Kreuzungspunkt verschiedener Handelsrouten und war daher ideal gelegen.

Der Handel machte die Nabatäer unendlich reich und das erklärt auch, warum sie so viel Zeit und Energie in die Bautätigkeit steckten. Den Ackerbau überließen sie den umliegenden Siedlern, sie konnten es sich erlauben, Nahrungsmittel zu kaufen, um den Anbau konnten sich andere kümmern. Allerdings sorgten sie für die Bewässerung, die Nabatäer entwickelten ein ausgeklügeltes Wassersystem. Kein Tropfen Regen wurde vergeudet, es gab offene und verdeckte Wasserleitungen, viele kleine Stauseen und Zisternen. Trockene und heiße Sommer waren kein Problem, es gab immer genug Wasser für die bis zu 30.000 Einwohner, die sich in Petra ansiedeln sollten. Die Blütezeit währte etwa 400 Jahre, dann kamen die Römer und übernahmen alles, aber ohne die Nabatäer zu vertreiben oder zu vernichten, man lebte friedlich zusammen und war nun eine Provinz Roms.

Wir haben uns zwei volle Tage Zeit genommen, um das weitläufige Gelände zu erkunden. Man läuft zuerst mal 4 Kilometer, bis man im Stadtzentrum angekommen ist. Allerdings sind 1,2 Kilometer davon ein landschaftliches Highlight erster Güte. Man geht durch einen Canyon, der an der engsten Stelle nur zwei Meter breit ist. Der Sandstein nimmt verschiedene Farben an, je nachdem, ob er mit Eisen, Schwefel, Kobald oder Mangan gemischt ist. Wir sind in den beiden Tagen insgesamt knapp vierzig Kilometer gelaufen, davon etliche über mehr oder weniger ausgetretene Stufen oder durch unwegsame Felsenlandschaft. Jetzt pflegen wir in Ruhe unseren Muskelkater und freuen uns auf das nächste Highlight – die Wüste Wadi Rum. Dort haben wir drei Tage lang keine Verbindung zur Aussenwelt, also wundert euch nicht, wenn der nächste Blogeintrag auf sich warten lässt. Hier nun die Bilder zu Petra.

Am Anfang geht es immer durch die Schlucht, genannt Siq.

Plötzlich öffnet sich die Schlucht und man steht vor der berühmtesten Sehenswürdigkeit, dem Al Khazna, auch Schatzkammer genannt. Wobei der Name irritiert, denn es handelt sich wie bei allen Bauten, um eine in den Fels gehauene Grabkammer. Man hat allerdings vermutet, dass sich ein Schatz darin befindet, was nicht der Fall war.

Nur frühmorgens ist es hier so leer, wir sind immer um sieben Uhr aufgebrochen, um die morgendliche Ruhe zu genießen.

Die Ausmaße sind gewaltig, das Schatzhaus ist vierzig Meter hoch.

Kurz hinter dem Schatzhaus öffnet sich das Gelände und die eigentliche Stadt dehnt sich auf der weiter Hochebene aus, umschlossen von zerklüfteten Felsen.

Tempelanlagen sind nur zum Teil erhalten geblieben oder noch nicht ausgegraben, man schätzt, dass erst 30% von Petra zugänglich sind. Die Kamele dienen als Transportmittel für nicht so gehfreudige Touristen.

Es gibt auch abgelegene Grabmale, die muss man sich erkämpfen. Zum Beispiel Ad Deir genannt Kloster, weil sich hier später Christen ansiedelten. Achthundert Stufen führen hinauf, daher der Muskelkater, man muß ja auch wieder hinunter. Aber es hat sich gelohnt.

Das Kloster gehört zu den größten Gebäuden in Petra, es mißt 40 mal 40 Meter. An der Maserung der Säulen kann man die Struktur des Gesteins sehr gut erkennen, man kann sie durchgehend verfolgen, weil eben alles in den Fels gehauen wurde. Übrigens hat der Name der Stadt nichts mit dem deutschen Mädchennamen zu tun, es bedeutet einfach “Fels“.

Und dann die achthundert Stufen wieder zurück, vorbei an unzähligen Händlern, die alle dasselbe verkaufen.

Nach dem Schatzhaus sind die Königsgräber wohl die berühmtesten Gebäude. Sie liegen nebeneinander an einer riesigen Felswand und sind bis zu vier Stockwerke hoch.

Hier sieht man, wie vorausschauend die Nabatäer gebaut haben, die Größe passt genau für die heutigen Pick Ups.

Der Weg zum Opferplatz, diesmal nur 200 Stufen, also Peanuts. Allerdings muß man aufpassen, die Stufen sind im Laufe der Jahrtausende doch etwas ausgewaschen.

Der Opferplatz bietet einen Überblick über das gesamte Stadtgebiet und darüber hinaus.

Martin hat es sich gemütlich gemacht und lässt die Beine baumeln, der Preikestolen lässt grüßen.

Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die Gräber der ärmeren Leute an.

Unvermittelt tauchen immer wieder sehenswerte Gebäude auf, hier der Gartentempel.

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Jordanien mit zwei Jahren Verspätung

Im März 2020 mussten wir bekanntlich mit unseren gepackten Koffern vom Flughafen wieder nach Hause fahren, Corona hatte unser Land erreicht, ein paar Tage später erstarrte alles im Lockdown und alle Flüge wurden gestrichen. Gute Entscheidung nicht zu fliegen, wir hätten vermutlich lange warten müssen, bis Herr Maas uns zurückgeholt hätte. Vielleicht hätten wir die Koffer nicht auspacken sollen, dann wäre uns diese Arbeit jetzt erspart geblieben.

Angenehmer Flug mit Royal Jordanian Airlines, toller Service, warmes Essen und Rotwein, später noch Nüsschen zum Knabbern. Mit Lufthansa nach Malaga gab es lediglich ein Fläschchen Wasser. Nur das Öffnen der Tür bei der Ankunft üben wir noch etwas, das hat beinahe eine halbe Stunde gedauert. Dafür hat dann das Gepäck bereits auf uns gewartet.

Wir haben bei Erlebe Fernreisen eine individuelle Rundreise gebucht, wir werden von einem Fahrer zu unseren Zielen gebracht und können die Besichtigungen dort auf eigene Faust unternehmen. In Petra gibt es sozusagen als Einführung eine zweistündige Tour mit einem Guide, dann werden wir wieder von der Leine gelassen.

Heute haben wir auf dem Weg von Madaba, was ganz in der Nähe des Flughafens von Amman liegt, nach Petra noch ein paar Sehenswürdigkeiten mitgenommen. Jordanien grenzt ja bekanntlich im Westen an Israel und hat somit einige Gedenkstätten aus biblischer Zeit wie den Mount Nebo. Dort soll Gott Moses das gelobte Land gezeigt haben und im 4. Jahrhundert errichteten Christen dort eine Basilika. Berühmt sind vor allem die frühchristlichen Mosaike, die erhalten geblieben sind. Die Basilika wurde teilweise rekonstruiert und mit einem Schutzdach versehen, um die Mosaiken zu schützen.

Und hier der Blick ins Gelobte Land, ich hoffe nur, dass Moses nicht so diesiges Wetter hatte wie wir, damit er mehr davon sehen konnte.

Was wir bis jetzt nicht wussten: Jordanien hat einen “Grand Canyon“ der sich zwar mit dem Original nicht messen kann, aber doch ein Alleinstellungsmerkmal hat, denn er endet 410 Meter unter dem Meeresspiegel am Toten Meer. Auch hier hätten wir uns weniger von dem kräftigen Wind gewünscht, der so viel Sand aufwirbelt.

Schwer beeindruckt hat uns die Kreuzritterburg in Kerak. Nicht nur die imposante Lage auf einem 900 Meter hohen Berg, sondern die schiere Größe der Festung ist sehenswert. Weit verzweigte unterirdische Gänge und große Gewölbehallen durchziehen die Anlage.

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Zu guter Letzt Malaga

Die zweitgrößte Stadt Andalusiens kannten wir bereits von unserer letzten Reise her, aber natürlich wollten wir sie auch noch einmal besuchen. Sie hat kulturell einiges zu bieten, in erster Linie hat sie das ihrem berühmtesten Sohn, Pablo Picasso, zu verdanken. Sein Geburtshaus kann besichtigt werden und nachdem seine Tochter über 200 Werke zur Verfügung gestellt hatte, wurden sie auch in einem eigenen Picasso Museum ausgestellt. Wer sich nicht so sehr für den Künstler interessiert, nimmt zumindest neben seiner Bronzefigur auf der Bank vor seinem Geburtshaus Platz.

Die Innenstadt Malagas ist in großen Teilen verkehrsberuhigt und in den engen Gassen drängen sich Kneipen, Restaurants und Bars aneinander, auffällig sind die zahlreichen Irischen Pubs. An einer Seite wird die Altstadt von einem Hügel begrenzt, auf dem sich – na was wohl – eine Festung befindet, aus maurischen Zeiten. Sie soll einmal ähnlich schön wie die Alhambra gewesen sein, leider sind im Wesentlichen nur die Aussenmauern erhalten geblieben. Am Fuße des Kastells wurde ein römisches Theater freigelegt. Und dann gibt es noch eine Kathedrale, der etwas fehlt, und zwar der rechte Kirchturm. Der ist bis heute nicht fertig geworden. Daher heißt die Kirche im Volksmund “Manquita“ das bedeutet: “Die, der etwas fehlt“.

Wir haben uns den leiblichen Genüssen gewidmet und die älteste Bar der Stadt aufgesucht, dort wird der berühmte Malaga-Wein ausgeschenkt. Es handelt sich um einen Dessertwein, den wir zur unpassenden Zeit, vor dem Mittagessen, probiert haben, würden wir so nicht nochmal machen. Auf den Schreck musste sich der Magen ein wenig erholen, bis wir ihm ein paar Tapas anbieten konnten.

Der Hafen liegt zentral und ist nur durch einen schmalen Grüngürtel von der Altstadt getrennt. Für Kreuzfahrtschiffe wurde der Hafen ausgebaut und hat jetzt eine schicke Promenade mit Cafés und Geschäften. Wenn man beim Leuchtturm um die Ecke schaut, sieht man eine weitläufige Bucht mit Malagas breiten Stadtstränden.

Und schon ist der letzte Tag gekommen, es gibt noch ein Abschiedsessen in einer Chiringuito mit Steckerlfisch an Holzkohle gegrillt und morgen ist Abreisetag. Natürlich ist die Zeit wieder viel zu schnell vergangen, wir haben uns so gut an das milde Klima gewöhnt, dass wir uns morgen wohl warm anziehen müssen. Wir würden jederzeit wieder den Winter in Andalusien verbringen und wir haben immer noch nicht alles gesehen.

Schön, dass ihr wieder mit dabei wart und lasst euch überraschen, wohin die nächste Reise geht. In diesen unruhigen Zeiten weiß man nie, was einen zukünftig erwartet und kann eigentlich nur noch kurzfristig planen. Aber wenn es dann soweit sein sollte, melde ich mich natürlich wieder. Bis dahin euch allen eine gute Zeit und vor allem Gesundheit.

Die Festung mit dem römischen Theater zu ihren Füßen
Die der etwas fehlt

Die schaurig schöne Dekoration der Fußgängerzone
Wenn man sich die Markthalle anschaut, ahnt man schon, was man dort am besten kauft
Die älteste Bar Malagas

Den Wein gibts direkt vom Faß – schmeckt nicht jedem…

Gar nicht so schlecht – der Stadtstrand von Malaga
Abschied von Andalusien mit Wehmut

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Cadiz – die älteste Stadt Westeuropas

Gegründet wurde die Stadt am Meer von den Phöniziern etwa 3000 v.Chr. und im Laufe der Zeit wurde sie des öfteren belagert, eingenommen und zerstört. Daher gibt es kaum ältere Bauwerke zu besichtigen, das heutige Aussehen der Altstadt wurde während der Blütezeit im 18. Jahrhundert geprägt. Bei Ausgrabungen fand man Grabanlagen der Phönizier und Mauren, auch ein römisches Theater ist zum Teil erhalten geblieben. Die Stadt ist an drei Seiten von Meer umgeben und wird fast durchgehend von einer Befestigungsmauer geschützt. Zwei Kastelle sind steinerne Zeugen der kriegerischen Vergangenheit der Hafenstadt. Ihre Blütezeit hatte sie im 18. Jahrhundert als wichtigster Hafen für den Handel mit den Kolonien.

Die Straßen der Altstadt sind schmal und unterscheiden sich in der Bauweise kaum voneinander. Besonders haben mir die vergitterten, schmalen Glasbalkone gefallen, die an keinem Haus fehlen. Eine lebendige Stadt, mit vielen Geschäften für die einheimische Kundschaft, auch die Cafés werden zu dieser Jahreszeit fast ausschließlich von Spaniern bevölkert. Zumindest dann, wenn kein Kreuzfahrer mit seinen tausenden Gästen die Stadt flutet.

Am eindrucksvollsten war der Besuch des Torre Tavira, einem ehemaligen Wachturm. Er ist 45 Meter hoch und die Aussicht ist allein schon einen Besuch wert. Aber in diesem Turm befindet sich eine Camera Obscura, die eindrucksvoll scharfe und detailreiche Bilder auf eine konkav geformte Leinwand projiziert. Durch eine Linse wird mittels eines beweglichen Spiegels das Bild live auf einer Leinwand wiedergegeben, die sich in einem völlig abgedunkelten Raum befindet. Man sieht Menschen durch die Straßen schlendern und Vögel vorbeifliegen. Das Abbild ist gestochen scharf und man kann auf diese weise die gesamte Stadt von hier oben aus erkunden, indem der Spiegel langsam um 360 Grad gedreht wird. Leider darf man dies nicht fotografieren.

Die beiden Kastelle an der Stadtmauer

Die Plaza San Juan de Dios mit dem Rathaus
Man kann die Stadt komplett entlang der Stadtmauer umrunden
Sehr beeindruckend die riesige Kathedrale, die Kuppel ist 50 Meter hoch, im Hintergrund der weitläufige Stadtstrand im “neuen“ Cadiz

Blick vom Torre Tavira auf die Altstadt
Typisches Straßenbild

Und ewig rauscht das Meer

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Flower Power in Estepona

Keine Ahnung, ob es hier auch den Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden“ gibt, jedenfalls tut die Stadtverwaltung einiges dafür, dass der alte Stadtkern sehenswert ist und bleibt. Vielleicht ist der Bürgermeister auch ein ehemaliger Hippie, auch das weiß ich nicht, aber sicher ist, dass hier üppiger Blumenschmuck gepflegt wird. Und organisiert, denn die kleinen Gassen haben Farbmottos, also zum Beispiel die Gasse der gelben Blumentöpfe oder die der roten Töpfe mit weißen Punkten. Und kein vertrocknetes Pflänzchen ist zu entdecken. Damit dass auch im heißen und trockenen Sommer so bleibt, gibt es öffentliche Blumengießer, so wie es Straßenkehrer gibt. Sie sind motorisiert und bewässern regelmäßig jeden einzelnen Blumentopf. Da können die Bewohner auch mal beruhigt in den Urlaub fahren, vielleicht nach Alemania ???

Zugegeben, dieser Blog ist etwas bildlastig geworden, ich konnte mich einfach nicht entscheiden, denn in Zeiten der Digitalfotografie kann man munter drauflos fotografieren. Und dann braucht man Opfer, die sich diese vielen Bilder auch anschauen, also euch zum Beispiel. Na denn viel Spaß!

Zunächst ein paar Strandbilder, hier findet man auch im Hochsommer noch ein Plätzchen fürs Handtuch.

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Gibraltar very british

Wie ein Wachturm ragt der über 400 Meter hohe Felsen aus dem Meer und seine strategische Bedeutung erklärt sich von selbst, denn hier kontrolliert man alles, was ins Mittelmeer hinein- oder herausfährt. Das wusste schon die Kolonialmacht England, als sie den Felsen im 18. Jahrhundert zur Kronkolonie machte. Und den Spaniern war natürlich diese zur Festung ausgebaute Militärbasis ein Dorn im Auge. Immer wieder versuchten sie, den Felsen zu erobern, aber die Engländer wehrten sich erfolgreich. Sie konnten sogar jahrelanger Belagerung standhalten. Neuerlich wären die Briten geneigt gewesen, die Halbinsel an Spanien zurückzugeben, aber die Bevölkerung stimmte im Jahr 2002 zu 98% dagegen. Es ist sogar in der Verfassung von Gibraltar verankert, dass ein Anschluß an Spanien nur möglich ist, wenn eine Mehrheit der Gibraltanesier dafür stimmt. Infolge des Brexits gab es Verhandlungen über den Status und man konnte sich darauf einigen, dass die Grenze offen bleibt, die Einreise ist einfach mit Personalausweis möglich.

Es wird angeraten, den PKW auf der spanischen Seite zu parken und die Grenze zu Fuß zu überqueren. Das haben wir natürlich getan, wobei man die Landebahn des Flughafens überqueren muß. Da nicht gerade jede Minute ein Jet landet, war dies problemlos möglich. Viel Platz hat die Stadt mit ihren etwa 30.000 Einwohnern nicht, an der Mittelmeerseite ragt der Fels fast senkrecht in die Höhe und auf der Atlantikseite ist es zwar nicht ganz so steil, aber dennoch felsig. Also baut man in die Höhe. Aber eine Straße gibt es dennoch, die etwas von ihrem ursprünglichen Charme bewahrt hat, nämlich die zu einer Fußgängerzone ausgebaute Main Street. Dort gibt es genügend Möglichkeiten, zollfreie Waren einzukaufen, beliebt sind Spirituosen und Zigaretten oder auch Parfüm. Und natürlich gibt es an jeder Ecke Fish and Chips.

Man kann auch auf den Felsen hoch, entweder mit der Seilbahn oder zu Fuß, aber beides kostet ungefähr gleich viel, denn die nehmen für den Berg Eintritt. Da haben wir uns für die Seilbahn entschieden. Mehr gibt es dann auch nicht zu unternehmen in Gibraltar und ob sich denn nun ein Besuch lohnt, mag jeder selbst entscheiden. Wir fanden es ganz interessant, diesen Ort mit eigenen Augen gesehen zu haben, zumal wir ja ganz in der Nähe Urlaub machen. Extra hinfahren muß man nicht unbedingt.

Übrigens, die Einwohner von Gibraltar heißen Gibraltarer, ich finde aber Gibraltanesier viel schöner.

Zu Fuß nach Gibraltar überquert man die Start- und Landebahn des Flughafens
Oder man nimmt den Doppeldeckerbus, übrigens ist auf Gibraltar Rechtsverkehr, an den Fußgängerüberwegen steht überall “look left“

Kein Flieger in Sicht, wir mussten nicht rennen

Unterwegs auf der Main Street
Blick in Richtung Spanien
Blick zurück von La Linea, Spanien, aus

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Alte Steine

Das Hinterland ist unser Ziel, zunächst schauen wir uns alte Steine in Antequera an, einem Städtchen mit wechselvoller Geschichte und einem Kastell mit römischen und maurischen Ursprüngen, anschließend besuchen wir ein Naturschutzgebiet, wo Erosion und nicht Menschenhand Steine geformt hat.

Etwa 50 Kilometer nördlich von Malaga liegt Antequera, eine lebhafte Provinzstadt mit 40.000 frommen Einwohnern, angeblich gibt es hier die höchste Kirchendichte. Dominiert wird die Stadt von einem wuchtigen Kastell, das auf einem Hügel am Stadtrand liegt. Ein römisches Bad ist noch in Grundmauern erhalten und später hinließen die Mauren ihre Spuren. Der Grundrisse einer Moschee sowie zwei Türme und eine Mauer sind erhalten geblieben oder restauriert worden. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt nach einer längeren Belagerung von den Christen erobert, sie fügten dem Emsemble die Kirche Santa Maria hinzu.

Südlich von Antequera liegt der Naturpark El Torcal, ein Felsenlabyrinth aus malerisch zerklüftetem Kalkgestein. Ein Wunderwerk der Erosion, die aus den unterschiedlich harten Gesteinsschichten phantasievolle Skulpturen erschuf. Ein gut markierter Wanderweg sorgt dafür, dass man sich nicht verlaufen kann und wieder zum Parkplatz zurückfindet. Die Sicht war sehr gut, wir konnten am Horizont das Mittelmeer erahnen.

Blick vom Kastell auf Antequera
Allein auf diesem Bild erkennt man fünf Kirchen
Santa Maria ist die kunsthistorisch bedeutendste Kirche der Stadt
Im Naturpark El Torcal
Im Hintergrund schimmert blau das Mittelmeer
Ein schöner Tag geht zu Ende, hier das Panorama von unserem Balkon aus mit dem kompletten Panorama der afrikanischen Küste, ganz rechts erkennt man Gibraltar, unser nächstes Ausflugsziel.

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In Europa ganz unten

Die südlichste Stadt Europas heißt Tarifa und liegt an der Meerenge von Gibraltar, einen Steinwurf von Afrika entfernt. Beinahe immer bläst hier ein kräftiger Wind, daher ist der Ort eines der bekanntesten Ziele von Surfern. Manche überwintern hier auch, die Kosten halten sich in Grenzen. Der Strand von Tarifa ist riesig, feiner gelber Sand und türkisfarbenes Meer – ideal zum Baden, wenn nicht ständig dieser Wind wehen würde, das kann unangenehm werden, wenn man im Sand liegt. Nicht unser Problem, wir ziehen uns bei Windstärke 12 die Mützen tief ins Gesicht und staunen über die akrobatischen Kunststücke der Kite-Surfer, die rasend schnell übers Meer pflügen und kurz vor den Felsen plötzlich über uns in der Luft schweben, um dann wieder auf dem Wasser zu landen und den gleichen Weg zurück zu rasen. Nicht unsere Welt, aber kurzweilig, man könnte stundenlang zusehen, wenn man nicht weggepustet werden würde.

Der Tag heute ist nicht ganz klar, die marokkanische Küste liegt in 14 Kilometer Entfernung vor uns im Dunst, vielleicht kommen wir nochmal her, wenn es klarer ist. Riesige Containerschiffe passieren die Meerenge, sie begegnen sich manchmal extrem nahe, zumindest sieht es von hier so aus. Man könnte auch einen Tagesausflug nach Marokko machen, es gibt eine passende Fährverbindung von Tarifa aus. Machen wir aber nicht, hier gibt es genug zu sehen.

Wie alle andalusischen Städte hat auch Tarife eine maurische Vergangenheit und die Altstadt ist ebenso malerisch wie die weißen Dörfer. Wir erleben das Städtchen sozusagen im Winterschlaf, in der Hauptsaison sind hier zehnmal so viele Menschen unterwegs. Da sind wir doch lieber im Winter hier.

Afrika zum Greifen nahe

Blick von Tarifa aus nach Afrika, es sind meistens kastenförmige Containerschiffe, die die Meerenge passieren.

Die schmucke Altstadt von Tarifa
Die Kitesurfer am Strand von Tarifa

Wer braucht da noch die Karibik?
Wir brauchen nur ab und zu einen Caffé con leche

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Die weißen Dörfer Andalusiens

Zu den zahlreichen Touristenattraktionen Andalusiens zählen auch die malerischen Bergdörfer. Schon von weitem erkennt man sie an ihren strahlend weiß getünchten Fassaden. Oft kleben sie an steilen Bergen, was auf einen maurischen Ursprung hindeutet. Zur besseren Verteidigung errichteten die Araber ihre Festungen an strategisch günstig gelegenen Orten, eben auf Bergen mit guter Rundumsicht. Um die Festungen herum entwickelten sich Siedlungen, die aufgrund der Topografie mit engen und steilen Gassen angelegt wurden. Mit schmiedeeisernen Fenstergittern oder Balkonen verziert und mit üppigem Blumenschmuck versehen sind diese Dörfer beliebte Ausflugsziele für die Badegäste an der Costa del Sol. Je näher die Dörfer an der Küste liegen, desto mehr Andenkenläden haben sie.

Wir haben Casares besucht, da hatte nur ein Souvenirladen geöffnet, allerdings ist ja auch noch keine Saison. Wir werden bestimmt noch einige dieser Dörfer sehen, hier schon einmal ein kleiner Eindruck davon, wie schön aber auch wie beschwerlich man hier lebt. Alle Einkäufe müssen mühselig duch die engen Gassen geschleppt werden, Autos kommen hier kaum noch durch.

Der Dorfmittelpunkt, hier gibt es immer einen Cafe con leche und Tapas.
Und zur Belohnung gibt es Calamares und Chipirones am Strand
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Wir nehmen den Königsweg

Man nennt ihn den “Caminito del Rey“ und zwar nur deshalb, weil König Alfons VIII ihn anläßlich seiner Einweihung im Jahre 1921 inspizierte und die Hängebrücke am Ende des Bergpfades überquerte. Es waren allerdings nicht touristische Gründe, die zum Bau dieses Weges in schwindelnder Höhe geführt hatten, sondern es wurden Zugänge zu einem Kanalsystem benötigt, die zwei naheliegende Talsperren speisten und die regelmäßig kontrolliert werden mussten. Zunächst war es ein Pfad auf Planken, später wurde er mit Eisenträgern befestigt. Er führt in einer Höhe von etwa 100 Metern an senkrechten Felswänden entlang. An Geländer war damals nicht zu denken, allein beim Gedanken daran wird mir schon schwindelig.

In Laufe der Jahrzehnte verfiel der Weg zusehends, für die Wasserwirtschaft wurde er nicht mehr benötigt, aber unter Kletterern wurde er immer beliebter. Als es zu Anfang des Jahrtausends zu tödlichen Unfällen kam, wurde der Weg gesperrt und erst 2015 neu eröffnet. Ungefähr zwei Meter über dem ursprünglichen Weg wurde ein komplett neuer und sicherer Bohlenpfad errichtet und nun für Touristen freigegeben. An manchen Stellen kann man den alten Pfad noch sehen. Es wird nur eine begrenzte Zahl von Touristen pro Tag zugelassen, man muß sich also vorher anmelden. In kleinen Gruppen geht es dann mit oder ohne Guide, aber immer mit Helm, den acht Kilometer langen Weg durchs Gebirge, nur in eine Richtung. Der Pfad ist knapp zwei Meter breit, da macht die Einbahnregelung Sinn. Man geht teilweise durch lichten Pinienwald, insgesamt drei Kilometer sind in schwindelnder Höhe zu absolvieren.

Das Beste kommt zum Schluß: eine Hängebrücke quert das Ende der Schlucht. Hier gibt es kein Zurück mehr, siehe Einbahnregelung, und man müsste ja die kompletten acht Kilometer wieder zurück. Also Augen zu und drüber, für Schwindelfreie auch: Handys raus, Selfies machen, runterspucken und Spaß haben. Für mich: Augen geradeaus, nicht rechts und links gucken, runter schon gar nicht und auf das Ende hoffen, der Brücke natürlich.

Insgesamt ein tolles Erlebnis in einer grandiosen Bergwelt, mitten im Fels und unglaublich tiefen und engen Felsschluchten. Nur bei gutem Wetter empfehlenswert!

Immer an der Wand lang
Die Schluchten mal enger, mal weiter
Hier sieht man den inzwischen baufälligen Originalweg
Dieses Tal haben wir auf festem Boden durchquert
Und dann wieder in den Fels
Das Schmankerl zum Schluß – eine leicht schwingende Hängebrücke. Rechts davon noch die historische feste Brücke, baufällig!
Dann um die letzte Ecke und geschafft!
Geschafft!

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H 10 Estepona Palace

Zuerst dachte ich, das ist ein Tippfehler. Wer nennt denn ein Hotel H 10? Auch wenn das Palace am Ende wieder versöhnlich stimmt und eine herrschaftliche Unterkunft verspricht. Des Rätsels Lösung: es handelt sich um eine Hotelkette, aber sie haben weit mehr als 10 Hotels. Weltweit vertreten, auch in Berlin gibt es ein H 10 Ku´damm. Wir haben es ausgesucht, weil es direkt am Strand liegt und in Fußentfernung zur Innenstadt von Estepona. Und natürlich auch wegen des günstigen Angebots.

Es ist nicht gerade ein Boutique Hotel mit seinen 237 Zimmern, aber jetzt zur Vorsaison geht es noch beschaulich zu, man sieht es an den Liegestühlen. Zu zweit stehen sie in großem Abstand zueinander und egal wann man schaut, niemand hat einen Liegestuhl mit seinem Badehandtuch als sein Revier gekennzeichnet. Die Bauweise des Hotels ist für meinen Geschmack etwas zu übertrieben mit den weißen Zinnen und Türmchen, aber das ist wohl landestypisch zu nennen. Man hat wohl als großes Vorbild das Werk der maurischen Baumeister gepaart mit zeitgenössischer Architektur. Immerhin kein großer Kasten am Wasser! Die Poollandschaft fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein und der tropische Garten ist gepflegt. Und eine himmlische Ruhe, nur das Rauschen des Meeres ist die Hintergrundmusik.

Weil wir drei Wochen hier wohnen haben wir ein Superior Zimmer genommen, das hat den vollen Meerblick und ist etwas größer als der Standard. Modern und gemütlich eingerichtet, ein Wohlfühlzimmer. Und das Tollste: wenn man die Balkontür offen lässt, hört man vom Bett aus das Meer rauschen. Hört sich nach Urlaub an, oder?

Damit ihr jetzt nicht sofort losrennt und das Hotel bucht, hier noch ein paar Wahrheiten. Der Speisesaal ist eine akustische Fehlleistung. Hier geht es laut zu, zu wenig Textilien dämpfen die Geräusche, die Stühle scharren unangenehm laut auf dem Fliesenboden. Und das tun sie sehr oft, denn die Mahlzeiten werden in Buffetform gereicht. An der Qualität des Essens gibt es nichts auszusetzen, ist natürlich keine Sterneküche, aber die war auch nicht zu erwarten. Am meisten bedauern wir, dass die Strandbar mit dem wunderschönen Ausblick aufs Meer nur von Mitte Juni bis Mitte September geöffnet hat. Es gibt in der übrigen Zeit nur eine ungemütliche Lobbybar mit wiederum erhöhtem Lärmpegel. Wenn wir abends noch gemütlich ein Weinchen trinken wollen, gehen wir zehn Minuten zu Fuß in die nächstgelegene Strandbar.

Zum Strand ist zu sagen, dass er weder feinsandig noch goldgelb ist. Badeschuhe sollte man einpacken. Dafür kann man ausgedehnte Strandwanderungen machen, teils über Promenaden, teils durch naturbelassenen Sandstrand, der auch felsig sein kann. Privatstrände gibt es hier nicht, das Meer ist für alle da.

Alles in allem fühlen wir uns wohl hier und wir finden, es ist ein guter Ort zum Überwintern. Seht selbst.

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Die Sonne so gleißend

Der Januar 2022 hatte nur halb so viele Sonnenstunde wie im jährlichen Durchschnitt. Also anstatt 40 Stunden nur 20 Stunden in unserer Region. Das sind noch nicht einmal drei Tage! Unserer Meinung nach viel zu wenig. Abhilfe bringt der sonnige Süden und mir ist eingefallen, dass ich als Lehrling im Reisebüro vor über fünfzig Jahren gelernt habe, dass die Gegend um Malaga die wärmste und sonnenreichste Europas ist. Klar, dass wir gar nicht anders konnten, als dieses günstige Angebot zu buchen: mit Lufthansa nach Malaga und dann drei Wochen in einem Strandhotel in Estepona, das liegt etwa 70 km westlich von Malaga. Nun sind wir normalerweise nicht so die Pauschalreisenden und wir waren noch nie im Urlaub länger als 10 Tage an einem Ort, aber das kann man ja lernen!

Wir waren vor fünf Jahren schon einmal im Winter in Andalusien und haben Granada, Córdoba, Sevilla, Jerez de la Frontera und Ronda besucht, haben also die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon abgeklappert. Also können wir es jetzt ruhiger angehen lassen, ich habe fünf dicke Bücher im Reisegepäck. Aber nur Sonnenliege ist nicht unser Ding, also haben wir einen Mietwagen, um die fehlenden Ziele Andalusiens anzusteuern, Cadiz zum Beispiel oder auch mal auf den Felsen von Gibraltar. Die eine oder andere Wanderung haben wir auch schon herausgesucht. Also lasst euch überraschen und folgt meinem Blog, aber nur wenn ihr starke Nerven habt. So viel Sonne und blauer Himmel kann euch fertigmachen.

Estepona ist nicht eine dieser Touristenhochburgen an der Costa del Sol, wenn es natürlich auch Hotels hier gibt. Das Stadtbild ist von Wohnhäusern geprägt, die Touristenhotels liegen außerhalb des Zentrums entlang der Küste, aber sie prägen nicht das Landschaftsbild. Der Stadtstrand ist extrem breit und selbst in der Hochsaison kaum zu füllen. Und da der Platz vorhanden war, wurde eine großzügige Strandpromenade angelegt, die sich weit die Küste entlangzieht, dann als Holzsteg oder Wanderweg, man könnte bis nach Marbella laufen, zu den Reichen und Schönen, aber dazu mehr im Verlauf unserer Reise.

Immer am Meer entlang, man kann sich nicht verlaufen.
In regelmäßigen Abständen gibt es Gastronomie, hier “Chiringuito“ genannt.
Blick auf die Bucht von Estepona
Abendstimmung, Blick von unserem Balkon. Ganz rechts am Horizont kann man Gibraltar sehen, die zweite Erhebung links davon gehört zu Afrika.
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Zu guter Letzt Piran

Noch eine Altstadt an der Adria dachten wir, und wir lieben ja bekanntlich malerische Altstädte. Aber Piran in Slowenien ist doch etwas anders als die istrischen Küstenstädte, die wir bisher gesehen haben. Der erste Eindruck: mehr klassizistische Bauwerke, das venezianische ist zwar vorhanden, aber man muss es suchen. Mal abgesehen vom Campanile der Kirche Sv. Jurij, der hoch über der Stadt thront und das Panorama prägt, egal, von wo man schaut. Piran liegt auf einer Halbinsel, die zum Landesinnern hin von einem Hügel geschützt wird. Damit nicht genug, die Reste einer Stadtmauer und zwei Wehrtürme können noch heute besichtigt werden.

Wir haben hier noch einmal zwei Nächte eingeplant, damit wir einen vollen Tag für die Stadtbesichtigung zur Verfügung haben. Unser Hotel lag im Zentrum der Stadt, direkt am Meer. Guter Ausgangspunkt für unsere Stadtrundgänge und Fotoexkursionen zu verschiedenen Tageszeiten. Motive findet man genug, hier nun eine kleine Auswahl. Piran hat seine eigenen Reize, der mittelalterliche Stadtkern ist weniger touristisch, dafür aber sehr authentisch. Hier wird gelebt und nicht alles ist nur für Touristen hergerichtet. Manche Seitengassen sind so schmal, dass kein Platz bleibt für Cafés oder Restaurants. Diese findet man hauptsächlich an der Strandpromenade.

Den besten Blick über die Stadt hat man von der Stadtmauer aus
Der Hauptplatz von Piran wird überragt vom Campanile und der Kirche Sv. Jurij.
Hier der Blick von der Kirche auf den gleichen Platz, der früher einmal ein Hafenbecken war, das zugeschüttet wurde. Die ovale Form ist der Wendeschleife der Straßenbahn nachempfunden, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts hier fuhr.
An der äußersten Spitze Pirans steht ein Leuchtturm.
An der Nordseite der Halbinsel war es etwas zugig.
Auf der Südseite hingegen den ganzen Tag Badebetrieb und jetzt sammelt sich hier alles zum Sonnenuntergang.
Unsere Koffer sind gepackt…
… und mit diesem Bild verabschieden wir uns von unserer Reise nach Slowenien und Kroatien, morgen geht es über Rosenheim nach Hause. Schön, dass ihr wieder dabei wart, Adios bis zum nächsten Mal.
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Die Riviera Istriens

Istrien hat noch eine ganz andere, eine mondäne Seite. Die findet man in Opatija und in einigen Orten südlich davon. Mitte des 19.Jahrhunderts wurde eine Eisenbahnlinie von Wien nach Rijeka eröffnet und damit der Weg bereitet für den Tourismus an die Kvarner Bucht. Die Schönen und Reichen der damaligen Zeit waren die erste Gäste, sie bauten sich pompöse Villen entlang der Bucht von Opatija. Doch die Pläne gingen viel weiter, Ziel war es, die französische Riviera zu kopieren. Und das ist sehr gut gelungen, heute sind die palastartigen Hotels der Donaumonarchie ein echter Hingucker. Die Gäste wissen das milde Klima zu schätzen, denn die Bucht wird nach Norden von einem Gebirgszug abgeschirmt, so dass auch die Wintermonate für einen Kuraufenthalt in Frage kommen. Die Badestellen sind eher karg, es gibt einige Betonplatten mit Schirmen und Liegestühlen sowie Einstiege über Leitern ins Meer.

Das Wetter war heute nicht ganz so optimal, wenig Sonne und ein frischer Wind, der allerdings die Regenwolken vom frühen Morgen vertrieben hatte. Man ahnt den Herbst und merkt nun auch an vielen zugeklappten Sonnenschirmen und geschlossenen Restaurants, dass die Sommersaison zu Ende geht. Auch unsere Reise dauert nicht ewig, wir steuern heute Piran in Slowenien an, wo wir die beiden letzten Tage verbringen werden. Aber hier zunächst die Bilder von Opatija.

Die Prachtbauten Opatijas
Der kleine Bootshafen, von hier aus fuhren schon vor 100 Jahren die Touristen zu den benachbarten Orten an der Küste oder auf die gegenüber liegenden Inseln. Damals noch reine Ruderboote.
Das frisch renovierte Grand Hotel Palace
Man findet auch prächtige Jugenstilfassaden
Heute eher kein Badebetrieb, es war nicht kalt, aber sehr windig.
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Nach dem Regen, der nicht kam

Wie einige von euch wissen, verlassen wir uns auf unseren Reisen gern auf die Wettervorhersage des norwegischen Wetterdienstes unter http://www.yr.no. Der hat uns eigentlich noch nie richtig im Stich gelassen. Außer gestern. Übereinstimmend mit dem Regenradar von wetter.online waren sintflutartige Regenfälle vorausgesagt worden. Beim Thema Starkregen gehen ja neuerdings sämtliche Alarmglocken an. Mit Regenjacken sind wir zum Frühstück geeilt und haben es uns dann mit einem guten Buch in unserer Ferienwohnung gemütlich gemacht. Die Lektüre lenkte ab und nach ein paar Stunden haben wir festgestellt, dass es ja noch immer nicht regnet. Allerdings zeigte das Radar immer noch heftige Regenfälle, zeitlich etwas nach hinten verschoben. Ich war schon beim zweiten Buch angelangt, als wir beschlossen, zum Kaffeetrinken in den nahe gelegenen Ort Medulin zu fahren. Spaziergang erst nach rechts und dann nach links die Strandpromenade entlang – immer noch kein Regen! Und es kam auch kein Tropfen mehr von oben, wo der Regen abgeblieben ist, weiß ich nicht. Aber schmökern ist ja auch ganz schön.

Heute ist die Welt wieder in Ordnung, Wetterbericht und Wetter stimmen überein und wir besichtigen Istriens größte Stadt Pula, immerhin beinahe 60.000 Einwohner leben hier. Die Stadt wurde schon vor über 3.000 Jahren gegründet, erlangte aber während der Herrschaft der Römer große Bedeutung als Handels- und Verwaltungszentrum. Dann folgten byzantinische, venezianische und österreichische Einflüsse, die sich bis heute im Stadtbild bemerkbar machen. Die wichtigsten Bauwerke haben die Römer hinterlassen, an erster Stelle das sehr gut erhaltene Amphitheater. Es fasste 20.000 Zuschauer und gehört damit zu den größten seiner Art.

Diesen tollen Ausblick genießt man vom Venezianischen Kastell aus, das im 17. Jahrhundert errichtet wurde.
Noch beindruckender ist jedoch das Römische Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert, errichtet von Kaiser Vespasian.
Der Innenraum bildet ein Oval.
Das römische Forum, ehemaliger Versammlungsort, ist heute noch als Platz erhalten und wird gern zum Einkehren genutzt.
Wenn die Blümchen auch aus Plastik sind, so ist es trotzdem ein Hingucker.
Der Triumphbogen wurde 27 v. Chr. errichtet, das dazugehörige Stadttor leider im Zuge einer Stadterweiterung abgerissen.
Erholungspause in Fasana, unserem Lieblingsort im südlichen Istrien. Diesmal haben wir hier auch Fisch gegessen, natürlich ein Muß, in einem Fischereistädtchen, übrigens sind Sardellen hier die Spezialität.
Der Gruß aus der Küche: eine Sardelle, hübsch angerichtet.
Die Vorspeise: Oktopus-Carpaccio
Der Hauptgang: Gemischte Fischplatte mit korrespondierendem Wein
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Lands End in Istrien

Auf dem Weg nach Premantura schauen wir uns das kleine Städtchen Bale an. Die Römer gründeten den Ort, weil sie den Weg von Trieste nach Pula absichern wollten. Heute steht der mittelalterliche Ortskern unter Denkmalschutz. Das imposanteste Gebäude ist das Kastell Bembo. Im 5. Jahrhundert wurden zunächst zwei Türme errichtet, die durch eine Brücke verbunden waren. Später wurde der Bereich darunter dazugebaut. Wir waren schon früh unterwegs, zu früh für einen ersten Cappuccino, denn der Barista kämpfte noch mit seiner Maschine. Wir sind durch die engen, stillen Gassen geschlendert. Nur wenige Touristen begegneten uns, auch abseits der Hotspots kann man noch malerische Orte entdecken. Gefrühstückt haben wir dann in Fasana, ein Fischerort angereichert mit touristischer Infrastruktur mit Augenmaß. Die Lokale bieten Fischgerichte in allen Variationen an, die haben wir natürlich nicht zum Frühstück probiert. Dazu werden wir noch einmal herkommen.

Schlag Zehn in Bale, aber der Ort zeigt sich noch sehr verschlafen.
Das mittelalterliche Stadtbild ist sehr fotogen, aber die Häuschen stehen eng beieinander und in manche dunkle Gasse fällt kaum Tageslicht. Aber hier steht alles unter Denkmalschutz, schön für die Besucher.
Man merkt, dass die Bewohner ihr Städtchen mögen, alles wird schön dekoriert.
Das markanteste Gebäude der Stadt ist zweifellos das Kastel Bembo.

Weiter geht es in Richtung Süden, dorthin, wo Istrien ausfranst und die etwa 4 Kilometer lange Halbinsel mit dem Kap Kemanjak bildet. Die Halbinsel steht unter Naturschutz, es gibt einen kleinen Ort namens Premantura, dort haben wir eine Ferienwohnung gemietet. Im Ort gibt es keine besonderen Sehenswürdigkeiten, er lebt von den Besuchern des Naturschutzgebietes. Auf Kemanjak gibt e viele Badebuchten mit Fels- oder Kiesstrand, dafür ist Kroatien ja bekannt. Ohne Badeschuhe sollte man gar nicht erst versuchen, im Meer zu baden. Dafür ist das Wasser kristallklar, man kann beim Schwimmen den Meeresgrund sehen. Schnorchler kommen auf ihre Kosten, wenn sie nicht allzu verwöhnt sind. Kajaks sind beliebte Fortbewegungsmittel und neuerdings sieht man ja überall Stehpaddler. Wir haben einen ganzen Tag auf Kemanjak verbracht und verschiedene Buchten erkundet.

Der Schnorchler in der Bildmitte ist unverkennbar Martin
Unser Basislager in der Bucht Debeljak
Die felsige Küste hat den Vorteil, dass man nicht ständig voller Sand ist.
Man kann am Kap Kemanjak posieren….
… oder einen Mutsprung ins 15 Meter tiefe Meer wagen.
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Über Hafergrütze und Naturalisten

Was hat beides miteinander zu tun? Ganz einfach, es geht um einen Ausflug an die istrische Westküste. Unser erstes Ziel ist Porec, das mit der Hafergrütze ist ein interner Scherz unter uns, so haben wir während unseres Urlaubs auch mal was zu lachen. Die Ex-EU Nachbarn vom Königreich werden es uns verzeihen.

Porec ist ähnlich wie Rovinj ein malerisches Küstenstädtchen, etwas kleiner, aber durchaus sehenswert. Es ist nicht so, dass man alle gesehen hat, wenn man eine dieser Perlen an der Küste besucht hat. In Porec ist der venezianische Einfluss noch größer, man sieht Paläste aus längst vergangenen Zeiten. Wobei ein Palast gerne auch als „Reihenhaus“ gebaut wurde, es war ja nicht viel Platz auf dieser Halbinsel. Ein Kleinod verbirgt sich in einer von außen sehr unscheinbaren Basilika aus dem 6. Jahrhundert: ein sehr gut erhaltenes, goldglänzendes Mosaik in der Apsis. Die Basilika zählt zu den am besten erhaltenen frühchristlichen Kirchen Europas.

Nun ist es Zeit für einen Sprung ins kühle Nass. Wir wollen ein Kajak mieten, in einem Küstenort südlich von Porec. In unserem Reiseführer wird empfohlen, dies am besten im Naturalistencamp Kovasada zu tun, von dort aus könne man in den Limski-Kanal paddeln, der eigentlich ein Fjord ist und nur versehentlich Kanal genannt wurde. Das Camp ist ein Campingplatz, aber wir durften hineinfahren, weil wir ja ein Kajak mieten wollten. Erst als uns die ersten Camper begegnen, wird uns klar, wo wir hier eigentlich gelandet sind. Die hatten nämlich alle nichts an. Wir waren die einzigen Bekleideten. Da weiß man auf einmal nicht mehr, wo man hingucken soll. Unter einem Naturalisten Camp hatte ich mir eine naturverbundene Anlage vorgestellt, wie naiv! Wir haben also kein Kajak gemietet, auch weil gerade keins am Anleger war und haben fluchtartig das Gelände verlassen. Es gibt auch kein Bild davon.

Da zeige ich euch lieber das Abschiedsbild aus Rovinj, es geht weiter in Richtung Süden.

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Landpartie mit Trüffeln

Istrien hat nicht nur malerische Küstenstädte, sondern auch ein interessantes Hinterland. Und das ist grüner als gedacht, weniger karstig, dafür von Laubwäldern bedeckt. Es wird Wein angebaut und die Olivenbäume hängen voll mit ihren leckeren Früchten. Aber es gibt noch eine ganz andere Spezialität in der Region um Motovun: Trüffeln. Angeblich hat das Wissen darum ein italienischer Soldat mitgebracht, der dies aus seiner Heimat kannte. Denn die Trüffeln sind nicht leicht zu finden, sie wachsen unter der Erde, da braucht man schon eine feine Nase. Anfangs hat man die Nasen von Wildschweinen zu Hilfe genommen, aber dann musste man sich mit ihnen um die Beute streiten. Besser geeignet sind Trüffelhunde, die bereits mit zwei Monaten für ihre Aufgabe trainiert werden. Sie finden die richtigen Stellen, dann kann man die Pilze vorsichtig ausgraben und die Fundstelle wieder mit Erde bedecken, damit die kostbaren Trüffeln weiterwachsen können.

Natürlich muss man eine solche Spezialität vor Ort kosten, da haben wir natürlich nicht widerstehen können. Pasta mit Trüffeln satt, sehr lecker! Das Städtchen Motovun haben wir uns gerne angeschaut, aber das weitaus kleinere Künstlerdorf Groznjan hat uns noch besser gefallen. Die dort ansässigen Künstler haben dazu beigetragen, dass das Dorf in seiner ursprünglichen Struktur erhalten blieb.

Das Bild sprich für sich, wenn ich es anschaue, rieche ich die Trüffel förmlich.
Ganz oben auf einem Hügel liegt Motovun, ein bekanntes Ausflugsziel. Bustouristen, Wohnmobilisten und auch solche wie wir drängeln sich durch die engen Gassen.
Der Hautplatz von Motovun. Übrigens lebte hier auch Josef Ressel. Den kennt ihr nicht? Na, der hat doch die Schiffsschraube erfunden!
Groznjan, angeblich ein Geheimtipp, der sich aber ganz schön rumgesprochen hat.
Nicht alles ist Kunst, was hier feilgeboten wird, eignet sich aber als Fotomotiv.
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Der Weg zum Meer

Natürlich kann man die Autobahn nehmen und gemütlich an die Adria rollen. Aber man kann auch die Herausforderung suchen und mal einen richtigen Pass fahren, nicht so einen kleinen wie den Wurzenpass, sondern einen mit extra spitzen Haarnadelkurven, steil und eng. So einer ist der Vrsic Pass. Wer den fehlerfrei aussprechen kann, dem gebe ich einen Aperol Spritz aus. In 50 Haarnadelkurven werden 1611 Meter überwunden. Mit uns nehmen unzählige Biker diesen Pass und die meisten von ihnen fahren eine Harley. Oft tun sie sich zu Gruppen zusammen, sehen sehr stylisch aus in ihren original Harley Lederklamotten und den genieteten Taschen, maßgeschneidert und zur Maschine passend. Und dazwischen wir Normalos. Martin hat diese Herausforderung Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich nicht fahren musste. Wird schon recht eng in den Kurven, wenn auch noch Wohnmobile entgegen kommen. Diese Millimeterarbeit am Abgrund liegt mir einfach nicht.

Nach getaner Arbeit gab es einen kleinen Snack in Kanal, ja, so heißt der malerische Ort an der Soca. Wir haben die Speisekarte nicht so richtig lesen können, wollten so etwas wie ein kleines Sandwich und bekamen dann das. Das hielt dann vor bis zum Frühstück. Am nächsten Tag.

Unser heutiges Ziel heißt Rovinj und gilt bei den Verfassern von Reiseführern als der schönste Ort in Istrien. Also ist dort unser Quartier für die nächsten fünf Tage. Die Altstadt ist zu Fuß in gut fünf Minuten zu erreichen und hier sind die Ergebnisse des ersten Stadtrundgangs.

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Durch den Triglav Nationalpark

Zwei volle Tage haben wir, um den Nationalpark rund um den 2.864 m hohen Triglav zu erkunden. Zunächst sind wir zum nächsten größeren See, den Bohinjsko gefahren. Den haben wir nicht ganz umrundet, denn wir wollten die Savica-Wasserfälle sehen, die immerhin 40 Meter in die Tiefe stürzen. Gut dass schon Nachsaison ist, denn der Aussichtspunkt ist viel zu klein und selbst jetzt muss man sich hinten anstellen, um ein Foto zu ergattern. Und ich habe auch noch mein Stativ aufgebaut, aber Geduld zahlt sich aus und meine Fotos sind im Kasten.

Dann einen Abstecher zum See. Leider habe ich zu spät gemerkt, dass diese Seen hier doch wärmer sind, als man denkt. Es sind keine eiskalten Gebirgsseen, sondern der Bled See hat sogar Thermalquellen, Wassertemperatur 24 Grad. Also schauen wir den anderen beim Baden zu und ärgern uns, dass wir keine Badesachen dabei haben. Aber morgen fahren wir ja an die Küste, da kommen wir badetechnisch ganz groß raus.

Sieht ziemlich nach Traumstrand aus aus!

Heute waren wir im Pokljuka-Gebiet. Das ist eine bewaldete Hochebene, die bis an das Massiv des höchsten Berges, den Triglav, heranreicht. Man kann weit hineinfahren, bis zu einem slowenischen Trainingsgelände für Wintersport. Das ganze Gebiet ist schneesicher und vor allem für Langlauf geeignet. Wir haben zunächst den Wald erwandert, hochgewachsene Tannen und am Boden Schwalbenwurz-Enzian, Silberdisteln und Alpenveilchen. Einfach schön anzuschauen.

Eine Rundwanderung führte uns durch die Pokljuka-Klamm. Der Weg begann unspektakulär und Martin fühlte sich mehr an die Rückersbacher Schlucht erinnert. Doch weit gefehlt – es wurde doch dramatischer als gedacht. Die Länge des Weges hatten wir unterschätzt und als wir vor der senkrechten Felswand standen, waren wir schwer beeindruckt. Bis zur Klamm war es anstrengend zu gehen, erst steil hinauf zu einer Höhle und dann einen unwegsamen Pfad über felsigen Waldboden hinauf. Die Beschilderung ließ zu wünschen übrig, aber wir haben uns nicht verwirren lassen. Und die Klamm war dann doch sehr beeindruckend, enge Felsdurchgänge, rechts und links nicht mehr viel Platz. Und dann über eine Galerie, die in den Felsen geschlagen war, zurück. Als Belohnung haben wir uns zwei Tortenstücke gegönnt. Nicht irgendeine Torte, sondern die lokale Spezialität „Kremsnita“. Blätterteig gefüllt mit Vanillecreme und Sahne – wirklich lecker und sättigt wie eine Hauptmahlzeit. Und morgen wechseln wir das Quartier – es geht ans Meer.

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Es geht wieder los

Solange ich zurückdenken kann, hat nichts unser Leben so nachhaltig verändert wie Corona. Die Unbeschwertheit ist dahin, die Maske immer griffbereit und die Nähe zu anderen Menschen ist durch den Sicherheitsabstand geregelt und damit faktisch nicht vorhanden oder zumindest stark eingeschränkt. Und unser liebstes Hobby, das Reisen, ist uns fremd geworden. Nach einem nicht enden wollenden Lockdown haben wir länger auf die Impfungen warten müssen als gedacht, aber seit August sind wir soweit, dass wir uns wieder mit dem Thema Reisen befassen. Allerdings steigen jetzt gerade wieder die Inzidenzen und somit denken wir noch nicht einmal über Flugreisen nach. Wir hatten uns ohnehin vorgenommen, Europa zu erkunden, wenn wir keine Lust mehr haben auf Langstreckenflüge. Wir wollen zwar nicht solange warten, bis es emissionsfreie Flieger gibt, aber in diesen Zeiten wollen wir doch lieber individuell mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sein und flexibel auf veränderte Reisebedingungen reagieren. Das alles hört sich jetzt vielleicht etwas frustriert an, aber dies ist ganz und gar nicht der Fall, im Gegenteil. Wir hatten Spaß bei unserer Reiseplanung und können unser Gepäck zusammenpacken, wie es uns gefällt und nicht, wie es Fluggesellschaften haben wollen. Also freut euch mit uns auf spannende Erlebnisse und folgt uns durch Österreich und Slowenien nach Istrien.

Übrigens, der letzte Blogbeitrag endete etwas abrupt, das war so nicht geplant. Wir haben auf der Heimreise die letzte Nacht in Sterzing am Brenner verbracht, da gab es viel zu sehen und keine Zeit zum Schreiben. Am nächsten Tag zu Hause angekommen, waren meine Gedanken im Hier und Jetzt und den Blog hatte ich ganz vergessen. An alle, die sich Sorgen gemacht haben: wir sind letztes Jahr wohlbehalten zu Hause angekommen, bitte entschuldigt mein Versäumnis. Es hat mir aber auch gezeigt, dass ihr meinen Blog doch sehr aufmerksam verfolgt. Weiter so.

Jetzt zu unserer aktuellen Reise: als Rentner kann man sich Zeit lassen und muss nicht unbedingt die 960 km nach Istrien in einem Stück durchfahren. Außerdem liegt Slowenien auf dem Weg, das wollten wir uns auch anschauen und nicht einfach hindurchrauschen. Die Tagesetappen sollen nicht viel länger als 500 km sein, lieber noch einen Zwischenstopp mehr und ein wenig von der Gegend mitnehmen. So kam unsere erste Etappe nach Österreich zustande, die uns nach Altenmarkt im Pongau führte. Ich hatte einen Ort gesucht, der in der Nähe der Tauernautobahn liegt und ein wenig dörflichen Charakter bewahrt hat. Und ich hatte eine romantische Vorstellung von einem Dorfgasthof, vor jedem Fenster blühende Geranien, eine getäfelte Gaststube und zum Essen gibt es Frittatensuppe, Semmelknödel und Kaiserschmarrn. Ich musste lernen, dass es diese Art der Unterbringung, die für mich immer gleichbedeutend war für einen Urlaub in Österreich, fast nicht mehr gibt. Dafür stehen eine Unmenge von Apartments zur Auswahl, die Gasthöfe haben an- und umgebaut und haben jetzt Wellnessoasen und Sterneköche. Und einen Skilift in der Nähe. Das finde ich sehr schade und ich werde ab jetzt immer, wenn ich in Österreich bin, nach diesen ursprünglichen Gasthöfen fahnden. In Altenmarkt habe ich eine Unterkunft gefunden, die meinen altmodischen Vorstellungen recht nahe kam. Keine Geranien vor den Fenstern, auch keine Holzläden, aber eine getäfelte Gaststube, wenn auch modern gehalten. Zum Abendessen hatte ich Gulasch mit Semmelknödeln, das war so reichlich, dass ich den Kaiserschmarrn nicht mehr geschafft hätte. Immerhin, der Gasthof Alpenblick in Altenmarkt kommt auf meine Liste.

Die Wettervorhersage für die nächste Tage war so bombastisch, dass wir uns für drei Tage in Bled in den Julischen Alpen in Slowenen einquartiert haben. Weiß auch nicht, warum der Ort so heißt. Wir sind über den Wurzenpass gefahren, der ist etwas holprig und nicht besonders lang, aber landschaftlich sensationell. Schroffe Felsenwände beinahe zum Anfassen und saftig grüne Täler. In Kranjska Gora gab es den ersten Cappuccino in Slowenien, sehr lecker und kostete nur € 1,80. Wir haben aber trotzdem nur einen getrunken, uns die Fußgängerzone angeschaut und dann unser Ziel Bled angesteuert. Ein durch und durch touristischer Ort, malerisch an einem See gelegen und als Blickfang eine Burg hoch über dem Wasser. Unser Apartment liegt nur einen Steinwurf vom Zentrum entfernt, aber man hat das Gefühl, auf einem Bauernhof gelandet zu sein. Nicht dass das Haus so aussähe, aber ich sitze auf unserem Balkon und schaue in einen Gemüsegarten, über Wiesen und Obstbäume hinweg bis zum bewaldeten Höhenzug, der den Ort auf der einen Seite umrahmt. Absolute Stille, ganz in der Ferne bimmeln Kirchenglocken. Und die Katze jagt unentwegt irgendwelches Getier. Der Himmel blaßrosa und langsam senkt sich der Abend herab.

Jetzt nicht einschlafen, ich will noch berichten, wie schön dieser Ort Bled ist, wer kennt schon Bled, auch ich kannte ihn vorher nicht. Der See hat glasklares Wasser und ist türkisfarben, das liegt an den Sedimenten, die hineingewaschen werden. Und als wenn die Burg, die majestätisch über dem See thront, nicht schon genug wäre, gibt es auch noch eine kleine Insel mit einem Kirchlein darauf. Und was wir von den Slowenen lernen können: der See ist komplett zugänglich, ein Weg führt um ihn herum, es gibt kein Privatgelände am Wasser. Eine Villa hat einen ausgedehnten Park, der bis zum Seeufer reicht, da kam aber aber durchlaufen. Übrigens, dies ist der ehemalige Sommersitz von Tito und heute ist die Vila Bled eines der besten Hotels Sloweniens. Auf dem See sind Motorboote verboten, es gibt nur Paddelboote, sogar die Ausflugsschiffe werden, ähnlich wie die Gondeln in Venedig, von Muskelkraft vorwärts bewegt.

Ausblick vom Wurzenpass
Bummel durch Kranjska Gora
Unsere Unterkunft in Bled
Das Postkartenidyll Bled
Insel mit Kirche und die Burg im Hintergrund
Emissionsfreie Fortbewegung
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Stille Tage in den Marken

Ich finde, wir haben uns den Urlaub verdient. Ausschlafen, gegen Mittag den ersten Cappuccino in der Bar am Fluß trinken und die Umgebung erkunden und das alles bei bestem Sommerwetter. Tagsüber nicht zu heiß, nachts kühlt es ab, so mögen wir es. Die wohl interessanteste Stadt in der Nähe ist Urbino, sie gilt als die perfekte Renaissancestadt und wird beherrscht von dem gewaltigen Palazzo Ducale und umrahmt von einer sehr gut erhaltenen Stadtmauer. Die Altstadt auf dem Berg ist autofrei und wird von Einheimischen und Studenten bevölkert. Der Erbauer des Palazzos hat die Geschicke der Stadt für 38 Jahre geprägt, schon als junger Mann verdiente sich Federico von Montefeltro Anerkennung. Mit 16 Jahren führte er erfolgreiche Feldzüge und mit 22 Jahren kam er an die Macht. Und er war ein gütiger und beliebter Herrscher, sagt man. Einer der berühmtesten Renaissancemaler, Raffaelo, ist Sohn dieser Stadt. Gern bummeln wir durch die Gassen und genießen den weiten Ausblick.

Aber die Marken punkten auch mit schönen Stränden, man findet hier kleinere und nicht so überfüllte Strände und Restaurants, die Fischspezialitäten auf der Karte haben. Natürlich haben wir das Strandleben ausprobiert, ist zwischendurch ganz entspannend.

Der mächtige Palast des Herzogs von Urbino
Es geht stetig bergauf und bergab in der Stadt.
Die Restaurantbesitzer sind sehr einfallsreich, wenn die Tische gerade stehen sollen, auch wenn es die Straße nicht ist…
… und sie nutzen wie bei uns jede freie Ecke aus.
Bildmotive an allen Ecken und Enden.
Die Strandbar ist nie weit…
… und dann wieder zurück auf den Liegestuhl.
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Zum Entspannen in die Marken

Wir sind in Mittelitalien in der Nähe der Adriaküste gelandet und ehrlich gesagt, kannte ich die „Marken“ erst, seitdem sich Freunde hier ein Anwesen gekauft haben. Im Westen grenzt es an die Toskana und gilt unter Italienern noch als Geheimtipp. Ändert sich jetzt vielleicht, denn auch die Italiener entdecken ihr Land gerade neu. Die größte Stadt ist Ancona, bekannt vor allem für Fährverbindungen bis nach Griechenland.

Wir lassen es etwas ruhiger angehen, genießen das Landleben und erkunden die Umgebung. Es gibt malerische kleine Städtchen und eine lange Geschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht. Eine wichtige Handelsstraße, die Via Ferminia, führte hier entlang. Der Spätsommer bringt hier noch herrliche warme Tage mit sich, so um die 28 Grad, und abends genügt ein leichtes Jäckchen. Wir sitzen im Freien und genießen die schmackhaften Produkte der italienischen Küche.

Das Anwesen unserer Freunde geht auf Langobarden zurück und wurde von den beiden liebevoll und sehr authentisch renoviert. Als sie es kauften, war es eine gut erhaltene Ruine.
Es gibt eine separate Ferienwohnung, die wir jetzt für eine Woche bewohnen.
Die Trauben wachsen uns förmlich in den Mund.
Das Haus liegt etwas erhöht und bietet herrliche Ausblicke in die hügelige Landschaft der Marken.
Auch die Sonnenuntergänge sind sehenswert.
In Fossombrone trinken wir gern einen Cappuccino, der hier nur halb so viel kostet wie zu Hause!

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Auf Irrwegen durch die Lagunenstadt

Natürlich geht man in Venedig zu Fuß, jede noch so winzige Gasse ist ein Blickfang, gut dass die Speicherkarte meines Fotoapparates groß genug ist, danke Lukas! Wenn man ein bestimmtes Ziel anpeilt, ist es anstrengend, dann schaut man andauernd auf den Stadtplan um festzustellen, dass diese kleine Gasse hier nicht verzeichnet ist. Es gibt kaum Orientierungspunkte wie zum Beispiel den Stand der Sonne, denn die sieht man in den engen Gassen nicht. Der Totalversager ist Google Maps, wenn man dort ein Ziel eingibt, findet die App die ersten Meter und dann kommt der große gepunktete Bogen zum Ziel, als ob einem hier plötzlich Flügel wachsen würden. Am besten, man geht einfach drauf los und lässt sich hinter jeder Ecke überraschen. Jede noch so enge Gasse mündet irgendwann in einen kleinen Platz oder überquert plötzlich einen Kanal. Oder man steht in einem Hinterhof, an dessen Ende es nicht weitergeht. Oder die Gasse endet direkt am Wasser, aber da ist keine Brücke, übrigens auch kein Geländer, man muss aufpassen, wohin man tritt.

Gestern Abend haben wir so einen Orientierungslauf unternommen, nach Sonnenuntergang, da sieht alles auf einmal ganz anders aus. Wir haben uns sogar dort verlaufen, wo wir täglich entlanggehen. Wenn man so gar nicht weiß, in welcher Richtung man unterwegs ist, landet man auch mal am entgegengesetzten Ende. Und da wurden die Gassen immer dunkler und auf dem Stadtplan war kaum noch etwas zu erkennen. Und dann geht man vorsichtig um die nächste Ecke und plötzlich steht man wieder auf einem belebten Platz. Ich kürze das jetzt ab, irgendwann haben wir dann doch nach Hause gefunden. Und heute Abend wollen wir wieder los, das Abenteuer ruft.

Wenn wir mal nicht herumirren, besuchen wir Paläste mit verschnörkeltem Inventar und Gemälden von Tiepolo oder Tiziano, schauen mal bei den Filmfestspielen am Lido vorbei oder vergleichen die Preise beim Aperol Spritz, der schwankt zwischen 3 und 6 Euro, je nachdem, wie weit man sich vom Markusplatz entfernt. Deshalb laufen wir auch immer so weit bis in die hintersten Ecken.

Hier nun ein winziger Teil meiner fotografischen Ausbeute, die Auswahl fällt schwer!

Immer ein Foto wert, der Canal Grande
Dieser Kronleuchter aus Muranoglas hängt im Palast Ca ´Rezzonico.
Nicht der Palast
Wie gemalt…
Platz zum Abendessen und in der Nähe des Sonnenuntergangsspots.
Darf natürlich nicht fehlen…
Abends wenn die Lichter angehen wird es romantisch in den Gassen Venedigs.
Oder einsam …
Aber Fotomotive ohne Ende.
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Die Serenissima in Zeiten von Corona

Noch einmal nach Venedig, ohne Menschenmassen und nicht im tiefsten Winter, das war der Plan. Corona macht es möglich, kein einziges Kreuzfahrtschiff verstellt die Sicht auf Palazzi, kein Selfi-Stick weit und breit und Englisch ist nicht die Hauptsprache. So erleben wir die Lagunenstadt im Spätsommer dieses denkwürdigen Reisejahres 2020. Wir waren vor 20 Jahren schon einmal hier, damals waren auf dem Markusplatz und auf der Rialtobrücke mehr Besucher unterwegs. In den engen Gassen wird es trotzdem manchmal eng, aber kein Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Und wenn man die Guccis und Pradas dieser Welt hinter sich gelassen hat, taucht das morbide und stille Venedig wieder auf. Und man sieht Venezianer beim Einkaufen, beim Hunde ausführen und Schwätzchen haltend.

Der Hit ist unsere Unterkunft, ein kleiner Palazzo direkt am Canal Grande. Die Preise waren günstig und wir haben uns eine Suite gegönnt, mit direktem Blick aufs Wasser. Bequeme Sessel vor dem Bogenfenster, da kann man den Abend ausklingen lassen und beobachten, wie sich die Nacht auf die Stadt herabsenkt. Hier die ersten fotografischen Eindrücke.

Das ist unsere Unterkunft, nur von außen etwas angegammelt.
Unser Zimmer mit Aussicht.
Und das ist die Aussicht, wenn es Nacht wird in Venedig.
Und wenn man morgens früh genug auf den Beinen ist, sind auch die Arkaden am Markusplatz noch fotogen.
Morgendliche Ruhe vor dem Dogenpalast.
Die Gondolieri haben nicht viel zu tun,
Auch Venedig hat schiefe Türme.
So viele Fotomotive, die Auswahl fällt echt schwer.
So liebe ich die Plätze in Venedig, malerisch und nicht überlaufen.
Und gleich noch ein leerer Platz.
Hier zur Abwechslung mal ein Postkartenmotiv.
Früh übt sich was ein Gondoliere werden will.

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Nach Triest des Kaffees wegen

Ihr habt es vielleicht schon geahnt: wir trinken sehr gerne Kaffee, genauer gesagt lieben wir den Cappuccino. Der kommt ja bekanntlich aus Italien und zwar konkret aus Triest. Die Stadt mit ihrem natürlichen Tiefseehafen war schon zu Beginn der Seefahrt ein wichtiger Umschlagplatz exotischer Güter. Bis heute wird in Triest ein großer Teil der Kaffeebohnen für Europa umgeschlagen. Aber damit nicht genug, der Kaffee wurde hier auch geröstet und es entwickelte sich eine ausgeprägte Kaffeekultur. Der Pro-Kopf Konsum an Kaffee liegt hier doppelt so hoch wie im italienischen Durchschnitt. Wir sind ausgezogen, diesen Verbrauch weiter zu steigern.

Im Stadtplan haben wir die berühmtesten Traditionscafés eingezeichnet und haben sie dann alle aufgesucht. Und ich kann euch verraten, der Cappuccino, der hier übrigens Café Latte heißt, schmeckt tatsächlich sehr gut. Und es fällt auf, dass es sehr viele Cafés in der Stadt gibt und alle sind immer gut besucht. Die Italiener trinken schon morgens auf dem Weg zur Arbeit den ersten Kaffee, im Stehen am Tresen, da kostet er weniger als im Sitzen, dazu essen sie ein Cornetto. Das ist ein komplettes Frühstück auf italienisch.

Beim Stadtbummel fällt auf, dass es unzählige prachtvolle Gebäude gibt, Zeugen einer glanzvollen Vergangenheit. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kam wieder Leben in die Stadt, in der heute eine bekannte Universität, unzählige Museen und Weltfirmen wie Generali Versicherungen und natürlich, die Kaffeefirma Illy ansässig sind. Es gibt neben den repräsentativen Gebäuden auch ein Altstadtviertel, hier lebten früher Fischer und einfache Arbeiter, heute ist es Ausgehviertel und auch unser Hotel befindet sich hier in einer engen Gasse.

So, jetzt schaut euch noch die Fotos an, ich muß jetzt dringend einen Café Latte trinken.

Die letzten Pfützen sind noch zu sehen, der große Regen ist vorbei, für uns scheint heute die Sonne.
Das noble Stadtviertel mit Blick auf das Kastell San Giusto, Wahrzeichen von Triest.
Blick auf die Stadt vom Kastell aus
Das Café San Marco, seit 1914 die erste Adresse für einen Kaffee
Zuletzt ist er uns in Dublin begegnet, mein Freund James Joyce. Er lebte 10 Jahre in Triest, kann ich gut verstehen, wettermäßig hat er einen guten Tausch gemacht.
Unser Hotel in der Altstadt, heißt zufällig auch James Joyce.
Die Straße des 20. Septembers, ein Café nach dem anderen!
Der Richardsbogen war Teil der römischen Stadtmauer und ist einer der ältesten antiken Funde in der Stadt.
Und als Gegensatz ein Stück Moderner Kunst.
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Mit dem Auto nach Italien

Schon sehr lange hängt eine Karte mit diesem Text an unserer Pinnwand im Arbeitszimmer. Wir sammeln dort unsere Urlaubsideen und ordnen sie nach Monaten und Jahren, um einen Überblick zu behalten, wann man am besten wohin reisen kann. Jeder von uns beiden hat seine Sehnsuchtsziele zu Papier gebracht und nach Wichtigkeit sortiert. Und nach Monaten und Jahren. Das hat ein jähes Ende gefunden, Karten sind abgehängt und zur Seite gelegt, auf ihnen stand „Jordanien“ oder Seychellen“, beides war für 2020 geplant. Und zuletzt ist nur noch diese eine Karte übrig geblieben, auf der steht „mit dem Auto nach Italien“.

Und jetzt sind wir sehr glücklich, dass wir diese Reise im Coronajahr 2020 angetreten haben. Das war lange Zeit nicht klar, ob wir überhaupt eine Urlaubsreise unternehmen werden. Mal angesehen davon, dass wir nach einem Enkelinbesuch in Berlin eine Woche Ostsee angehängt haben. Aber jetzt sind wir tatsächlich unterwegs, nach Italien, dem Sehnsuchtsziel vieler Urlauber in den Sechziger Jahren. Italien war lange Jahre das Reiseziel Nummer eins der Deutschen, und das aus gutem Grund. Es gibt ja so viel zu sehen, bedeutende Kunststädte, feinsandige Strände und nicht zuletzt die liebenswürdige italienische Lebensart. Und erst die Küche… !!!

Wir fahren also los mit unserem Kleinwagen, der zweite Koffer liegt auf der Rückbank (aber nur, weil der Hybrid der ersten Generation noch so eine große Batterie hatte) und fahren in Etappen, wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Heute sind wir bis Salzburg gekommen, da kenne ich ein wunderschönes Hotel, alle Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß zu erreichen. Wir haben es tatsächlich geschafft, den sintflutartigen Regen hinter uns zu lassen und kommen bei Sonnenschein in der Festspielstadt an. Dass es später gewittert und hagelt – geschenkt. Wir wollten ohnehin eine Kaffeepause einlegen, die Sachertorte schmeckt immer noch so gut wie ich es in Erinnerung hatte.

Wir lassen uns treiben, sehen ein paar Festspielgäste, die aufgerafft auf den Einlass warten und tatsächlich keine Touristen, die sich vor allen Sehenswürdigkeiten selbst fotografieren. Wir hören österreichisches Stimmengewirr, Jugendliche können Skateboard fahren und sich ihre Stadt zurück erobern. Es geht geruhsamer zu in Salzburg, allerdings sind auch viele Straßenwirtschaften geschlossen oder kaum besucht. Hat vielleicht auch mit dem Hagelschauer zu tun.

Im Hotel hängen auffällig viele Schlüssel noch an der Rezeption und der Portier macht um 20 Uhr Feierabend, man rechnet nicht mehr mit Gästen. Und das zur Festspielzeit! Wir trinken noch einen Absacker im „Wohnzimmer“, einem geschmackvoll eingerichteten Raum, der allen Gästen offen steht und wo es Getränke zum Selbstbedienen gibt und wir bleiben auch hier alleine. Aber gemütlich wars. Und nun noch die Bilder des Tages und lasst euch überraschen, wohin es uns morgen verschlägt.

Im Mirabellgarten
Die Sonne fehlte noch ein wenig
Das Café Tomaselli bot uns einen trockenen Platz während des Hagelschauers
Und warum der auf der goldenen Kugel steht, weiß ich auch nicht, laut Wikipedia heißt es „Sphaera“ und ist ein Gesamtkunstwerk
Und dann kam doch noch die Sonne zum Vorschein

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Reisen in Zeiten von Corona

Reisevorbereitungen sind für eine Vielreisende wie mich Routine, längst ist die Packliste in Fleisch und Blut übergegangen, der Koffer ruck zuck gepackt. Dann mit dem ICE zum Flughafen, klappt alles wie am Schnürchen, pünktlich und zuverlässig. Wir haben eine individuelle Jordanien-Rundreise gebucht, wollen ein Land bereisen, in dem es derzeit laut offizieller Statistik einen einzigen Corona-Fall gibt. Und die medizinische Versorgung im Land gilt als die Beste im Nahen Osten. Kurz vor dem Check-in Schalter holt uns die Realität ein, unsere Fluggesellschaft Royal Jordanian hat die Rückflüge von Amman nach Frankfurt gestrichen. Wir reisen mit „erlebe Fernreisen“ , haben dort also eine Ansprechpartnerin, die sich umgehend kümmert. Es gäbe wohl eine Alternative mit Turkish Airlines über Istanbul zurückzufliegen. Das wäre in zwei Wochen, wie ist dann die Situation in Europa? Wird Turkish Airlines diese Strecke dann noch bedienen? Wir sind normalerweise nicht ängstlich, doch in diesen Zeiten, wo jeden Tag schlimmere Nachrichten eintreffen, wollen wir nicht heldenhaft sein, wir entscheiden uns für die unserer Meinung nach sichere Variante. Urlaub in den eigenen vier Wänden. Beim Veranstalter hat man Verständnis, wir verabreden eine Verschiebung der Reise, wenn bessere Zeiten kommen.

Ich reise schon immer wahnsinnig gerne, schon als Kind nannte man mich eine „Reisetante“. Ich war vielleicht drei oder vier Jahre alt, als ich alleine mit der Straßenbahn zur Oma fahren wollte. Ich kannte den Weg genau. Mein Vater brachte mich zur Bahn, setzte sich aber heimlich in den zweiten Wagen. Ich stieg natürlich an der richtigen Station aus und lief zum Haus meiner Oma. Doch ich war zu klein, um an den Klingelknopf zu reichen. Ich suchte Hilfe und drehte mich. um. Da sah ich meinen Vater. Es soll sehr lange gedauert haben, mich wieder zu beruhigen.

Später ergriff ich folgerichtig den Beruf der Reiseverkehrskauffrau und für die Reisen nahm ich keine Straßenbahn mehr, sondern immer öfter das Flugzeug. Die Freiheit schien grenzenlos, auch und gerade jetzt, wo ich Rentnerin bin und unabhängig von begrenzten Urlaubstagen. Aber mit der Zeit fühlt sich die Freiheit nicht mehr so unendlich an, der Klimawandel ist mehr als ein Wermutstropfen. Ich habe schon alle Kontinente bereist und viele der „1000 Places to see before you die“ gesehen. Ist es in Ordnung, jetzt so sorglos weiter zu reisen wie bisher? Wann kommen endlich die klimaschonenden Antriebe für Flugzeuge? Kann man fliegen, wenn man die CO2 Kompensation entrichtet?

All das geht mir durch den Kopf, während ich zu Hause die Koffer wieder auspacke. Es juckt mich in den Fingern, nach Last Minute Angeboten zu suchen, aber es fehlt die richtige Lust dazu. Jetzt in den Flieger um mich zu trösten – nein! Mit der Bahn in eine Messestadt, wo so viele Betten leer geblieben sind? Aber jetzt werden überall kulturelle Veranstaltungen abgesagt, sogar Museen geschlossen. Ich habe mich entschieden: erstmal zu Hause bleiben, die Essensvorräte aufstocken (wir haben nie Vorräte daheim, würden schon am dritten Tag verhungern) und dann all die schönen Fotos anschauen, die meine Festplatte füllen. Man kann auch durch das Wiedererleben von tollen Reisen anhand der Fotos schöne Stunden verbringen. Ganz CO2 neutral. Und vielleicht das Reisen später neu erfinden. Aber nach Jordanien wollen wir irgendwann noch, das haben wir mit dem Veranstalter vereinbart.

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Stippvisite in Buenos Aires

Für eine Stadt wie Buenos Aires braucht man sicherlich mindestens eine Woche, um sie zu besuchen, mit Tangokurs noch mehr. Wir sind eigentlich nur hier, weil es eine Lufthansa Direktverbindung von Frankfurt nach Buenos Aires gibt. Zwei Tage reichen gerade für einen groben Überblick. Die Stadt wurde über die Jahrhunderte von Einwanderern vor allem aus Europa geprägt und das sieht man der Stadt an. Mich erinnert sie immer wieder an Paris, das liegt an den breiten Avenidas und der Architektur zum Beispiel rund um die Avenida Mayo. Dort lag auch unser Hotel.

Eigentlich ein Hostel, aber wir haben uns hier wohl gefühlt und waren mitten im Zentrum, konnten viele Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen.

Die breiteste Straße der Welt, die Avenida des 9. Juli, wir haben 18 Fahrspuren gezählt, die konnte ich mit Bordmitteln nicht komplett fotografieren, hier also nur ein Ausschnitt.

Am Ende der Avenida steht dieses Hochhaus, das mit einem Graffiti der allgegenwärtigen Isabel Perón versehen ist. Übrigens blühen überall in der Stadt diese herrlichen Jakaranda Bäume.

Eine weitere Hauptachse ist die Avenida de Mayo (gemeint ist der Monat Mai, nicht die Mayonaise), sie verbindet den Präsidentenpalast mit dem Kongresspalast.

Der Präsidentenpalast wird wegen seiner Farbe auch „Casa Rosada“genannt. Dort befindet sich der Balkon, von dem aus Isabel Perón ihre berühmte Rede hielt.

Der Kongresspalast ist gerade verhüllt, leider nicht von Christo.

Ein Farbtupfer ist der Stadtteil La Boca, das ehemalige Hafenviertel, hier wohnten Einwanderer aus aller Herren Länder auf engstem Raum zusammen. Heute ist es ein Künstlerviertel, daher die bunten Farben. Natürlich kommen auch alle Touristen hierher und lassen sich mit einer Maradona Figur fotografieren.

Mit diesen bunten Bildern verabschiede ich mich von euch und bedanke mich fürs „Mitreisen“.  Über eure Kommentare habe ich mich wie immer sehr gefreut, danke dafür.

Adios Argentina!

 

 

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Am Strand mit See-Elefanten

Wir hatten die Estancia ausgewählt, weil sie in der Nähe der größten Pinguin-Kolonie liegt, nach eigenen Angaben die größte der zugänglichen Pinguin-Kolonien der Welt. Die Zahlen schwanken zwischen 500.000 und 1 Mio. Tiere. Das hat mir gefallen, als letzten Programmpunkt vor Buenos Aires noch einmal Pinguine! Als wir auf der Estancia ankommen, erzählt uns der Besitzer voller Stolz von der Kolonie von See-Elefanten auf seinem Gelände. Das Gebiet ist eigentlich unzugänglich, aber er hat einen Zugang anlegen lassen, damit er mit einem Allrad-Fahrzeug Ausflüge für seine Gäste anbieten kann. Wir überlegen nicht lange, verschieben die Pinguine auf den nächsten Tag und fahren mit Guido zu den Robben. See-Elefanten sind die größten Robben und hier handelt es sich um die Südlichen See-Elefanten, die noch einmal größer sind als die Nördlichen.

Es ist gut, dass wir einen kundigen Führer dabei haben, denn diese gewaltigen Tiere sind nicht zu unterschätzen und man muß wissen, wie man sich ihnen nähern kann. Ganz wichtig: man sollte niemals zwischen Tier und Meer geraten und ihnen damit den Fluchtweg abschneiden, das mögen sie gar nicht. Natürlich kennt Guido die besten Beobachtungsplätze und wir wandern mit ihm drei Stunden durch diese wilde Küstenlandschaft, immer wieder tauchen See-Elefanten auf. Eigentlich liegen sie die meiste Zeit faul herum und schauen uns mit ihren großen Augen verwundert an, sie schauen uns auch hinterher, wenn wir an ihnen vorbeilaufen.

Es kommt Bewegung in die Gruppe, wenn es den Männchen mal wieder einfällt, ihren Artgenossen zu zeigen, wer der Stärkere ist. Dann kämpfen sie, wobei sie sich auch Verletzungen zufügen.

So plötzlich, wie sie angefangen haben, hören sie auch wieder auf und dösen weiter.

Wirklich ein tolles Erlebnis, so auf Tuchfühlung zu gehen mit diesen massigen Tieren. Aber natürlich wollte ich auch noch einmal zu den Pinguinen, da haben wir am nächsten Tag kurzerhand das Frühstück ausfallen lassen, um früh bei der Kolonie zu sein, am Nachmittag ging der Flieger nach Buenos Aires. Wir waren fast die ersten Besucher, ein Paar aus den USA war noch etwas früher aufgebrochen. Und da kommt uns vorwitzig jemand entgegen getrappelt.

Wir bleiben bis 10 Uhr, dann wird es voll, denn natürlich wird diese Attraktion von Reiseveranstaltern gebucht und Busse bringen die Besucher hierher. Auf dem Rückweg zum Auto haben wir noch einmal Glück, eine brütende Mutter zu sehen und dann noch zwei frisch geschlüpfte Pinguinchen.

Wir haben übrigens noch ein spätes Frühstück in unserer Estancia bekommen, sehr lecker zubereitet von der hervorragenden Köchin. Und beim Autovermieter ging alles glatt, die waren scheinbar froh, dass wir das Auto zurückgebracht haben und keine weiteren Forderungen gestellt haben.

 

 

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Viel Platz für Himmel

Von Ushuaia nach Trelew sind es 1.734 Kilometer, bis dorthin muss unser Auto noch halten. Wir haben die Strecke in vier Etappen eingeteilt, von denen zwei reine Fahrtage sind. Aber  wir haben noch einen kleinen, wenig besuchten Nationalpark auf unserer Route und eine Estancia mit Überraschung. Aber der Reihe nach. In Ushuaia gestartet, geht es zunächst durch eine dramatische Bergwelt, vorbei an Seen, Hochmooren und niedrig wachsenden Wald. Es ist alles saftig grün, es regnet ja genug. Der Rest von Feuerland ist Steppenlandschaft, wellig und nur noch blassgrün, karger Bewuchs, das macht der Regenschatten. Trotzdem gibt es Tiere, die angepasst sind und hier überleben, zum Beispiel diese kamelähnlichen Guanacos, die es hier in großer Anzahl gibt.

Wir verlassen Feuerland, nachdem wir noch einmal ein Stück von Chile durchquert haben, über die Magallenstraße, dauert nur eine halbe Stunde mit der Fähre. Und dann wieder Pampa. Wir wissen jetzt wirklich, was „mitten in der Pampa“ bedeutet. Stellt euch vor, ihr dreht euch einmal um euch selbst, und ihr seht immer das Gleiche: Ebene bis zum Horizont, kein Hindernis, rein gar nichts, nur diese mit dem Lineal gezogene Straße. Klingt vielleicht langweilig, aber der Star ist hier der Himmel. Wir konnten schon Stunden vorher die Schlechtwetterfronten beobachten, wie sie aufzogen, sich über uns abregneten und dann über dem Meer verschwanden. So eine Fahrt hat etwas Meditatives.

Und dann Monte Leon, dieser Nationalpark liegt abseits der Touristenrouten und sie nehmen noch nicht einmal Eintritt. Dabei hat er viel zu bieten: Pinguine, Seelöwen, eine große Kolonie von Kormoranen, Guanacos und Nandus. Seht selbst.

Die Pinguine haben es auch nicht leicht, sie nisten oberhalb des Meeres in kleinen Erdhöhlen und müssen immer den weiten Weg bis zum Strand hinunter und natürlich auch wieder hinauf watscheln, das sieht drollig aus, ist aber bestimmt anstrengend. Sie bleiben oft stehen und gucken sich auch mal die Menschen an, die hier herumlaufen. Natürlich bleibt man auf den eingezäunten Wegen, aber die Pinguine sind auch neugierig.

Ein Pinguinweibchen brütet in der Regel zwei Eier aus und momentan schlüpften die Kücken. Keine Sorge, wir haben die drei hier nicht gestört, das Nest lag unmittelbar am Weg und die Mutter schien durch unsere Anwesenheit nicht beunruhigt.

Auch landschaftlich war der Park ein Highlight, da biegt man von der Straße ab, immer noch Pampa, und nach 30 Kilometern wird es auf einmal  hügelig und am Meer eine dramatische Steilküste. Das wechselnde Licht durch Regen und Sonne tat ein Übriges.

 

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Der Wendepunkt

Es hat dann doch noch aufgehört zu regnen und wir konnten den Nachmittag im Nationalpark verbringen und am Tag darauf den schönen Weg an der Küste entlang laufen. Der Park liegt nur etwa 15 Kilometer ausserhalb von Ushuaia und ist zum Wandern gut erschlossen. Es gibt Seen und vor allem die Küste am Beagle Kanal. Neben der Magellanstraße existiert noch ein zweiter Seeweg durch die Inselwelt von Feuerland, der Beagle Kanal. Eine natürliche Seestraße, verbindet Punta Arenas mit Ushuaia, diese Fahrt dauert drei bis vier Tage und führt durch unberührte Bergwelt.

Und es gibt ein weiteres Highlight im Park: die Panamericana, die in Alaska beginnt, endet hier im Park, für viele ist sie die Traumstraße der Welt. Es gibt nur eine Unterbrechung in Panama, ansonsten ist sie durchgehend befahrbar. An ihrem Ende steht eine Tafel und natürlich lässt sich dort jeder Depp fotografieren, die meisten davon haben die Straße natürlich nicht komplett zurückgelegt.

Das nächste Foto gibt die Farben nicht ganz naturgetreu wieder, aber ich versichere euch, die Felsen schimmern hellblau. Als Beweis bringe ich einen kleinen Stein mit, den könnt ihr euch nach meiner Rückkehr anschauen.

Der Wald ist naturbelassen, wie es sich für einen Nationalpark gehört, das ist manchmal eine Kletterpartie und außerdem ist der Weg stellenweise sehr matschig nach dem vielen Regen, aber wir haben ihn unfallfrei gemeistert.

Viele Bäume schaffen es nicht, gerade zu wachsen, besonders wenn sie einzeln stehen, ich habe ja bereits über diesen unglaublichen Wind hier berichtet.

Nach getaner Arbeit schmeckt das Essen besonders gut, hier seht ihr das älteste Restaurant von Ushuaia, es ist zwei Jahre älter als ich, und das will was heißen. Beachtet bitte auch die Stromkabel, die haben den Vorteil, dass sie für Reparaturen jederzeit zugänglich sind.

Ushuaia markiert den Umkehrpunkt unserer Reise, hier drehen wir um und bewegen uns fortan in nördlicher Richtung auf unseren Ausgangspunkt Trelew zu. Und hoffen weiter, dass unser Auto durchhält. Da habe ich euch noch eine Geschichte vorenthalten, und die geht so:

Mitten in der Pampa fängt der linke Kotflügel an zu klappern, er steht gut fünf Zentimeter nach außen ab. Aber immerhin sind es nur noch 60 Kilometer zu unserem Tankstopp in Esperanza. Eine Tankstelle im Nirgendwo. Natürlich legen wir Wert darauf, unseren Wagen nur von einer Vertragswerkstatt reparieren zu lassen und die finden wir hier natürlich.

Mit vier Erfahrung und Sachkenntnis wird der Schadenbegutachtet.

Mit seinem Spezialwerkzeug wir die Blende sach- und fachgerecht befestigt.

Mit der Schraube sitzt jetzt alles bombenfest und wir hoffen auf eine glückliche Rückgabe des Fahrzeuges in drei Tagen. Übrigens haben wir keine Quittung bekommen, die Vertragswerkstatt hat bereits auf das papierlose Büro umgestellt.

 

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Auf Feuerland

Angekommen auf Feuerland. Die Präposition stimmt, es handelt sich nämlich um eine Insel, die sich Chile und Argentinien teilen. Es gibt noch eine Reihe kleinerer Inseln, die zu Feuerland zählen, die Hauptinsel, auf der wir uns befinden, ist etwas größer als Bayern. Und nun zum Namen. Es ist nicht etwa so, dass hier glühende Lavaströme das Land durchziehen, wie ich mir das als Kind immer vorstellte. Nein, es waren die Entdecker, und natürlich wieder der Herr Magellan, der nachts vom Schiff aus die Feuer der Ureinwohner sah und von „Rauchland“ sprach. Daraus wurde, vielleicht durch einen Übersetzungsfehler?, der Name Feuerland. Übrigens haben wir gestern tatsächlich ein Feuer gesehen, auf Feuerland, da war es nach dem Brand eines Gebäudes aufgrund von Funkenflug zu einem Waldbrand gekommen. Aber keine Sorge, momentan regnet es Bindfäden, daher kommt ihr heute schon wieder zu einem Blogeintrag.

Ich muß euch nämlich unbedingt von den Pinguinen erzählen, die wir gestern gesehen haben. Die einzige Kolonie in Südamerika, abgesehen von der Antarktis. Und vermutlich auch die einzige, die man mit einem Auto ansteuern kann. Bis vor wenigen Jahren war die Kolonie noch frei zugänglich, dann hat man zum Schutz der Tiere Unterstände gebaut und das Gelände eingezäunt. Kein Problem, wir kommen nah genug heran und stehen in den Holzunterständen etwas geschützt, denn der patagonische Wind bläst mal wieder aus allen Rohren. Ich habe Mühe, die Kamera ruhig zu halten. Es macht immer wieder Freude, diese putzigen Tiere zu beobachten. Es ist vor allem der ulkige Watschelgang, der mir gefällt. Morgens gehen Sie üblicherweise auf Fischfang, mittlerweile sind die meisten wieder an ihrem Platz angekommen, stehen die meiste Zeit am Fleck und gucken in eine Richtung. Eine kleine Gruppe kommt zurück vom Wasser, aber sie putzen unentwegt ihr Fell, daher dauert es sehr lange, bis sie an der Kolonie ankommen. Insgesamt leben hier 100 Tiere, der Bestand ist stabil. Sie haben gute Bedingungen, der Strand fällt flach ins Meer ab und die weite Bucht, die noch zur Magellanstraße gehört, ist fischreich.

Ein Jungtier können wir erkennen, das sein erstes, braunes Fell noch nicht gegen den typischen „Frack“ gewechselt hat, das passiert ungefähr nach 12 bis 13 Monaten. Und so stehen wir da und beobachten sie genau, wenn sie einenLaut von sich geben, was sie zum Beispiel tun, wenn sie ihren Partner suchen, und dazu den Kopf in den Nacken legen.

Leider können wir nicht unendlich lange hier stehen, wir haben noch 340 Kilometer bis Ushuaia vor uns und es ist bereits 15 Uhr. Und dann sind noch diese Tiere im Weg:

Und der Asphalt hört plötzlich auf, aber Gott sei Dank nur für 15 Kilometer.

Um halb acht erreichen wir Ushuaia, von hier berichte ich mehr, wenn es jemals aufhört zu regnen.

 

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Das Ende ist nahe

Na ja, jedenfalls das Ende des südamerikanischen Kontinents und das Ende von Chile. Wir sind in Punta Arenas angekommen, die Stadt nennt sich die südlichste der Welt. Darüber kann man streiten, Ushuaia und Puerto Williams liegen südlicher, aber es ist mit 125.000 Einwohnern mit Sicherheit die größte Stadt am Ende der Welt. Die Lage an der Magellanstraße hat natürlich zur Entwicklung dieser Stadt beigetragen. Es war im November 1521, als Ferdinand Magellan durch Zufall eine Abkürzung  bei der Umrundung des Kap Horn entdeckte und den wichtigen Seeweg zu den Gewürzinseln damit schneller und sicherer machte, denn das sturmgepeitschte Kap Horn wurde vielen Schiffen bis in die Neuzeit zum Verhängnis.

Apropos Sturm. Es geht nicht ohne Wind in Patagonien, das ist klar und das wussten wir ja auch. Aber wenn man Mühe hat, die Autotür zu öffnen oder einigermaßen gerade zu gehen, ist das schon heftig. Und es gibt auch einen Grund, warum uns gerade hier unten der Wind besonders heftig um die Ohren pfeift. Man nennt sie auch die „Roaring Forties“ also die stürmischen Vierziger, gemeint sind die Breitengrade südlich des 40sten. Hier sind wir bereits auf dem 53sten Breitengrad. Die Südhalbkugel hat viel weniger Landmasse als die nördliche, der Wind kann ungestört von West nach Ost wehen, es gibt keine Hindernisse. Außer uns beiden, wenn wir am Aussichtspunkt auf die Magellanstraße schauen und uns festhalten müssen, damit wir nicht umgepustet werden.

Nach zweieinhalb Wochen sind wir mal wieder in einer Stadt, schöne Abwechslung. Und man merkt gar nicht, dass die Stadt so etwas wie eine Sackgasse ist, es geht zwar noch holprige 80 Kilometer weiter nach Süden, aber da kommt nur noch ein Leuchtturm. Die Stadt hat viele Auswanderer angezogen, die große Farmen gründeten und hauptsächlich Schafe züchteten. Ein reicher Reeder und Schafzüchter namens José Nogueira ehelichte Sara Braun, die Tochter eines einflussreichen Kaufmanns. Noch heute gehören der Palacio Sara Braun und das Museo Regional de Magellanes zu den schönsten Gebäuden der Stadt.

Stadtzentrum ist die Plaza mit ihren gepflegten Grünflächen. Hier finden jeden Abend  die Demonstrationen gegen die chilenische Regierung und insbesondere gegen den Präsidenten Pinera statt. Friedlich und mit viel Musik, alle singen inbrünstig emotionale Hymnen und schwenken ihre Fahnen. Anschließend ziehen sie durch die Straßen, Gewalt haben wir hier keine gesehen.

Wenn man das Zentrum verlässt, wirkt alles nicht mehr so gepflegt und hochherrschaftlich, die meisten Graffittis sind politische Parolen, außer diesem hier.

Wir bummeln die Meerespromenade entlang, wenn der Wind dies zulässt. Es gibt ein Naturschutzgebiet am Stadtrand, Reserva Nacional Magellanes, hier heißt alles irgendwie Magellan, ob es sich um ein Bier handelt, ein Hotel oder wie in diesem Fall ein großes Waldgebiet mit zerzausten Südbuchen. Es gibt einen gut markierten Wanderweg mit weitem Blick auf die Magellanstraße, da war das Wort wieder!

Morgen fahren wir nach Feuerland, warum das so heißt, erzähle ich euch das nächste Mal.

 

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Abstecher nach Chile

Die südlich Spitze von Südamerika teilen sich zwei Länder, Chile und Argentinien. Ein Besuch des chilenischen Teils von Patagonien ist eigentlich ein Muß, die Silhouette der Torres del Paine zieren jeden Patagonien Reiseprospekt. Diese nicht zu besuchen, wäre wie Paris ohne den Eiffelturm gesehen zu haben. Man kann trefflich darüber streiten, ob man „Postkartenmotive“ unbedingt gesehen haben muß, aber für mich ist es ein Sehnsuchtsziel, eng verbunden eben mit diesem Bergmassiv. Also auf nach Chile!

Wir wohnen auf der Estancia Tercera Barranca, die liegt am Rande des Nationalparks mit freiem Blick auf die Torres del Paine, und von unserem Zimmer aus haben wir den perfekten Blick, aus der ersten Reihe sozusagen. Bei der Ankunft hüllen sich die Berge in Wolken, aber am frühen Morgen haben wir diesen Blick:

Es lohnt sich, mal etwas früher aufzustehen! Sonnenaufgang ist hier viertel vor sechs und es ist ganz schön kalt in den Hotelschläppchen vor unserem Zimmer. Das Rosarot sind immer die ersten Sonnenstrahlen des Tages, nach wenigen Minuten sieht das dann so aus:

Was kann noch passieren, wenn ein Tag so anfängt! Ich erzähle es euch, es hat sich eingetrübt und dann den restlichen Tag geregnet. Eine Fahrt in den Park wäre sinnlos, aber wir setzen unsere ganze Hoffnung auf den nächsten Tag. Und der beginnt auch mit Regen. Wir haben uns für heute einen Fahrer mit einem geeigneten Fahrzeug gebucht, und da er kein Englisch spricht, haben sie uns eine Amerikanerin mitgeschickt, die hier gerade ihren Jahresurlaub als weiblicher Gaucho verbringt, im richtigen Leben ist sie Architektin. Na, wir fahren mit gemischten Gefühlen los, die Berge verstecken sich noch.

Die Landschaft ist sehenswert, um das Massiv herum ist sie hügelig, manche Strecken der Piste sind sehr steil und bei dem Regen auch schmierig, das haben wir mit unserem Auto nicht gewagt. Und die Farben – viel Grün, kein Wunder bei dem Regen, und türkisfarbene Seen.

Langsam klart es auf, die Berge sind immer deutlicher zu erkennen und dann der erste Blick auf die sogenannten Hörner des Massivs, das war schon dramatisch, wie schnell sie dann auf einmal zu sehen waren, für mich ein bewegender Moment. Martin sagt, ist doch nur ein Berg, womit er auch Recht hat.

Für den Nachmittag ist eine Fahrt mit einem Katamaran zum Grey Gletscher geplant. Man läuft zunächst über den Kiesstrand zur Anlegestelle und kann von hier aus schon den Gletscher sehen. Der schickt Grüße zu uns herüber in Form von riesigen blau schimmernden Eisbergen. Das hat schon etwas von Arktis, wenn man hier am Strand steht.

Aber es wäre nicht Patagonien, wenn sich das Wetter nicht ebenso rasch wieder ändern würde. Eine Regenfront zieht beinahe schneller herauf, als wir gucken können.

Also wieder unter Deck, den Regen abwarten, und dann mal wieder einen Gletscher fotografieren. Ihr müsst jetzt stark sein, es wird wieder eisig.

Auf der Rückfahrt werfe ich noch einen letzten Blick auf die geliebten Berge, ein versöhnliches Abschiedsbild sozusagen.

Der Tage hat uns entschädigt mit dem Wetter der vergangenen Tage, jetzt fahren wir  weiter in Richtung Süden, bis es nicht mehr weiter geht. Hier noch ein Foto vom Speiseraum unserer Estancia.

 

 

 

 

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Von Gletschereis und Wetterscheiß

Leider konnten wir uns von unserem Lieblingsberg Fitz Roy nicht mehr verabschieden. Nach 18 Stunden Dauerregen hat er sich nicht mehr gezeigt. Aber damit muß man in Patagonien rechnen, entweder deutet sich ein Wetterumschwung an oder er bricht plötzlich herein. Wir vertrauen ja auch im Ausland immer auf den norwegischen Wetterdienst http://www.yr.no  Und der hat für übermorgen Dauerregen am Perito Moreno Gletscher, unserem nächsten Ziel, vorausgesagt. Also machen wir diesen Ausflug gleich am Ankunftstag.

Gesagt, getan. Eingecheckt in der Posada Larsen, unsere bisher beste Unterkunft, Zimmer mit Blick auf den Lago Argentino, geräumig, genügend Ablageflächen und als Highlight Fußbodenheizung, was für ein Luxus! Und auch nicht teurer als der Durchschnitt bisher. Hier der Blick vom Bett aus dem Fenster:

Aber jetzt fahren wir erstmal 71 Kilometer zu Argentiniens berühmtesten Gletscher. Er heißt Perito Moreno und kann zu Lande oder mit einem Boot besucht werden, wir entscheiden uns für den Landweg. Die sogenannte Kalbungsfront ist 2,3 Kilometer lang. Damit ist die Kante gemeint, an der Teile des Eises abbrechen und in den See plumpsen, das nennt man kalben. Direkt gegenüber dieser Kante liegt ein Felsen, der mittels Metallstegen auf mehreren Ebenen für die Besucher zugänglich gemacht wurde. So kann man auf verschiedenen Etagen die Aussicht auf den insgesamt über 30 Kilometer langen Gletscher genießen. Natürlich möchte man live erleben, wie so ein riesiger Eisbrocken abbricht und ins Wasser fällt, doch das passiert nicht ständig. Wir sehen nur, wie kleine Stückchen herunterfallen. Aber das ganze Eisfeld ist imposant und wenn man weiß, dass dieser  Gletscher nicht zurückgeht, jedenfalls momentan nicht, so ist das schon ein außergewöhnliches Erlebnis, dies aus nächster Nähe zu betrachten.

Das Eis ist wirklich so blau, wie auf den Fotos! Wenn es abbricht, schwimmt es noch eine lange Zeit im Wasser und nimmt bizarre Formen an. Im Restaurant am Gletscher kann man Whiskey auf Gletschereis trinken, aber keine Angst, wir trinken ja kein Alkohol!

Eigentlich hätten wir dieses Naturwunder gern noch einmal besucht, aber für heute ist Dauerregen am Gletscher vorhergesagt. Also bleiben wir in El Calafate, bummeln durch den Ort, wechseln Geld, trinken Kaffee und derlei Dinge mehr. Es gibt eine Lagune mit Flamingos, die lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Bis uns das patagonische Wetter einholt, beinahe von einer Minute auf die nächste zieht ein Sturm herauf und Regen peitscht auf uns herab. Gut dass wir warm genug und regendicht angezogen sind.

Das nächste Highlight wartet schon auf uns: morgen fahren wir nach Torres del Paine, das ist in Chile und ebenfalls ein Highlight in den südlichen Anden. Wir werden drei Tage auf einer Estancia verbringen, die Wettervorhersagen sind nicht toll. Wir hoffen, dass wir diese berühmten Bergspitzen wenigstens einmal zu Gesicht bekommen. Und wandern würden wir auch gern im Nationalpark. Na ja, haltet uns mal die Daumen. Eventuell kann ich mich erst von Punta Arenas aus melden, weil die Estancia Tercera Barranca vermutlich kein Wlan hat.

 

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Durch die Einsamkeit in die Berge

Der Weg bis zu den Anden ist weit und die Pampa extrem dünn besiedelt. Aber wir lieben den unendlichen Himmel über uns und die wechselnden geologischen Formationen. Aber manchmal ist es auch nur eine weite Ebene mit blassgrünen stacheligen Grasbüscheln bewachsen. Und dann muss ich feststellen, dass ich in der Reiseplanung eine Kleinigkeit übersehen habe. Ich habe die Tagesetappen mit Google Maps ermittelt, um nicht zu große Entfernungen zurücklegen zu müssen. Nur über die Beschaffenheit der Straßen weiß Google nichts. Wir folgen die nächsten Tage der Ruta 40, eine der längsten Fernstraßen in Argentinien, aber sie ist nicht durchgehend asphaltiert. Man kann diese Strecken zwar mit dem PKW befahren, besser wäre aber ein SUV oder ein Pick Up. Da wir einen Mittelklasse-Chevrolet fahren, bedeutet es, die Geschwindigkeit anpassen. Da braucht man schonmal für 70 Kilometer zwei Stunden. Aber wir haben ja Zeit!

Dafür ist das Ankommen umso schöner, wir werden immer herzlich begrüßt, wenn wir Glück haben, sogar mit einem Happen zu essen. Denn da es hier keine größeren Ansiedlungen mehr gibt, sondern nur verstreut liegende Estancia, können wir uns unterwegs nicht verköstigen. Und manchmal sind die Tankstellen sogar geschlossen. Das Prinzip heißt, immer tanken, wenn eine Tankstelle da ist.

Wir verbringen zwei entspannte Tage in Lago Posadas und schauen uns den gleichnamigen See auch an, vor allem die Naturbrücke hat es uns angetan und die verschiedenen Farben der Felsen.

Am Abreisetag mussten wir tanken, aber es war kein Tankwart da, obwohl wir während der Öffnungszeit da waren. Wir hatten Glück, ein Einheimischer musste auch tanken, er wusste wo der Tankwart wohnt. Der war aber nicht zu Hause, sondern bei der Gemeinde mit wichtigen Dingen befasst. Nach 45 Minuten kam er dann, wir hatten uns inzwischen sehr angeregt mit dem jungen Dorfbewohner unterhalten.

Dann wieder auf die Piste. Doch schaut mal, wie abwechslungsreich eine Fahrt sein kann:

Aber nicht jeder schafft es…

Als wir an unserer Estancia ankommen, glauben wir zunächst an eine Fata Morgana, wie aus dem Nichts haben wir diese Oase vorgefunden.

Da hätten wir es auch noch länger ausgehalten, aber wie schön es tatsächlich ist, weiß man manchmal erst hinterher. Und da wir ja alle Quartiere gebucht hatten, ging es am nächsten Tag weiter, mitten in die Berge. El Chaltén heißt unser nächstes Ziel, ein Bergsteigerdorf und Ausgangspunkt zu Expeditionen auf den pittoresken Fitz Roy, der ist 3.400 Meter hoch. Das Bergmassiv mit seinen vielen Spitzen zieht eine Menge Besucher an, also Schluß mit der Einsamkeit!

Es gibt viele Wanderwege hier in der Gegend, wir haben uns den zur Lagune Capri ausgesucht, denn von dort hat man eine tolle Sicht auf das Fitz Roy Massiv.

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Durch die Pampa

Schweren Herzens haben wir die Halbinsel Valdés verlassen und bewegen uns zunächst an der Küste entlang nach Süden. Unser Ziel ist Bahia Bustante, eine Lodge direkt am Meer in einem Nationalpark gelegen und nur über eine Schotterpiste zu erreichen. Unterwegs machen wir noch einmal Halt an einer Pinguin Kolonie. Belohnt werden wir von einem kleinen Tierparadies, denn nicht nur Pinguine sind hier, sondern sie vertragen sich anscheinend gut mit Guanacos, die geschickt zwischen ihnen umherlaufen. Ab und zu sehen wir Nandus, das sind die südamerikanischen Verwandten des Vogel Strauß.

Etwas weiter weg gibt es eine große Kolonie von Seelöwen. Übrigens fällt die Unterscheidung zwischen Seelöwen und See-Elefanten schwer, letztere sind größer. Aber den charakteristischen elefantenähnlichen Rüssel und die „Mähne“ sieht man nur bei den ausgewachsenen Männchen. Davon gibt es ja immer nur eins pro Gruppe. Hier waren sie so weit weg, dass wir nur wegen des Hinweisschildes wussten, dass es sich um Seelöwen handelte.

Unsere Unterkunft erreichen wir erst am späten Nachmittag und werden von einem sensationellen Sonnenuntergang belohnt. Begrüßt wurden wir von einem Nandu mit seinen Jungen. Die Männchen leisten sich einen Harem und sorgen sich persönlich um den Nachwuchs. Sie graben ein Loch, in welches die Weibchen ihre Eier legen und dann werden sie auch von dem Männchen ausgebrütet. Wer hier das Kindermädchen war, weiß ich allerdings nicht.

Am nächsten Morgen geht es weiter, wir verlassen jetzt die Küste und fahren in westlicher Richtung, geradewegs auf die Anden zu. Aber das dauert noch zwei Tage, zunächst fahren wir bis Rio Mayo. Auf dem Weg dorthin… nein, diesmal keine Pinguine, sondern etwas lebloses, nämlich versteinerte Bäume. Diese hier sind besonders groß und noch älter als wir, viele Millionen Jahre alt. Sie sehen aus, als wären sie gerade gefällt worden, aber wenn man ein Stück in die Hand nimmt, ist es Stein. Ein chemischer Prozess machte das möglich, der geht in etwa so: eine hohe Lavaschicht bedeckte die Bäume und dann kam noch Wasser dazu und verschiedene Mineralien… besser kann ich es nicht erklären, fragt einen Geologen, wenn ihr es genauer wissen wollt. Uns hat die bunte Bergwelt gefallen und zu einer kleinen Fotosession angeregt.

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Tiere auf der Halbinsel Valdes – Fortsetzung

Auch zu Lande gibt es Tiere zu sehen, die Halbinsel Valdes ist Naturschutzgebiet, das über Staubpisten zu erreichen ist. Das mit dem Staub wäre ja nicht so schlimm, wenn man ein Auto hätte, das gut abgedichtet ist. Haben wir aber nicht. Also Feuchttücher raus und wenigstens die Griffe abstauben, wir hoffen auf eine Tankstelle mit Staubsauger. Aber nun zu den Tieren.

Das erste Tier rast wieselflink über den Parkplatz: ein Gürteltier. Es hofft anscheinend auf Abfälle von den Touristen, in unserem Fall Fehlanzeige.

Am ersten Aussichtspunkt könne wir ausgiebig See-Elefanten beobachten (weiß jemand, ob man das mit drei  „e“ schreibt?). Das heißt, wir können ihnen beim Schlafen zusehen. Aber der Höhepunkt sind die Pinguine, da kann ich mich nur schwer trennen. Es sind Mangellan-Pinguine, die ohne Schnee und Eis auskommen können. Sie stehen am Strand oder erklimmen die Klippen und verkriechen sich in Erdhöhlen. Manchmal strecken sie den Kopf in die Höhe und geben quietschende Laute von sich.

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Tiere auf der Halbinsel Valdes

Die erste Station unserer Patagonien-Rundreise heißt Puerto Piramides auf der Halbinsel Valdes. Ich hatte den Ort ausgewählt, weil er mitten im Naturschutzgebiet liegt. Aber dass es so beschaulich sein würde, hatte ich nicht gewußt. Tagsüber werden viele Besucher aus Puerto Madryn hergebracht, sie kommen her, um Wale zu beobachten. Immer wieder sieht man sie mit angelegter Schwimmweste in kleinen Gruppen zum Strand laufen und dort in die Boote steigen. Jedes Boot wird von einem Traktor ins Meer geschoben und später auch wieder herausgezogen, auf einem speziellen Anhänger. Gute Idee, wenn man keinen Hafen hat aber Bootstouren zu den Glattwalen anbieten möchte, die hier zwischen März und November in großer Zahl leben. Sie bringen in dieser geschützten Meeresbucht ihre Jungen zur Welt und wenn diese groß genug sind, ziehen sie weiter in Richtung Süden.

Wir bummeln durch den kleinen Ort, der alles bietet, was der Tourist braucht, also Cafés und Restaurants, kleine Läden und natürlich die Tourveranstalter. Aber ich hatte nicht erwartet, dass es doch sehr gemütlich zugeht, abends wird es richtig einsam hier. Da treffen sich die wenigen, die hier übernachten, in den zwei oder drei Restaurants. Also der  richtige Ort zum Ankommen und Eingewöhnen. Ein Bummel am Strand entlang, den haben wir nach einer Weile ganz für uns.

Für den Nachmittag haben natürlich auch wir eine Walbeobachtungstour gebucht und werden nicht enttäuscht. Es gibt wirklich viele Wale hier, es handelt sich um den Südkaper, diese Art gehört zu den Glattwalen und wird um die 16 Meter lang. Und wir schippern hier durch ihre Kinderstube, wir sehen die Kälber immer ganz nah bei der  Mutter schwimmen. Zum Thema Fotografieren sei gesagt, es ist wie immer eine Herausforderung, auf einem schwankenden Boot zu fotografieren, wenn man sich mit einer Hand festhalten muß. Und der Wal taucht  plötzlich aus dem Nichts auf und verschwindet meistens genauso schnell wieder, kaum hat man die Kamera auf ihn gerichtet. Aber mit der Zeit erwischt man doch den einen oder anderen Schnappschuß.

 

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Reise ans Ende der Welt

Der Begriff ist vermutlich ein Allgemeinplatz, aber im Falle von Patagonien stimmt es tatsächlich, wenn wir vom südlichen Ende der Erde sprechen. Am Kap Horn ist Ende Gelände, danach kommt die Antarktis. Ob wir es zum Kap Horn schaffen, ist fraglich und hängt vom Wetter ab, aber in Ushuaia sind wir auf dem 54. Breitengrad, das sind 21 Breitengrade südlicher als Kapstadt. Oder in Kilometern ausgedrückt ca. 2.300 km südlicher als am Kap der Guten Hoffnung. Also weiter runter geht es nicht mehr, wenn wir das ewige Eis ausschließen.

Aber Patagonien bietet noch viel mehr, wild zerklüftete Bergspitzen, riesige Gletscher und an der Atlantikküste große Robben-Kolonien, Pinguine und Wale. Also können wir uns auch auf Tierbeobachtungen freuen. Die Herausforderung wird das Wetter sein, wir rechnen mit einem frischen Wind und einstelligen Temperaturen, und das, obwohl in Patagonien der Sommer vor der Tür steht. Aber wir sind gut vorbereitet und wissen, was uns erwartet.

Die Entfernungen in Patagonien sind riesig, wir werden auch mal längere Strecken in absoluter Einsamkeit überwinden müssen, aber das kennen wir ja. Es gilt wieder das Prinzip, an jeder Tankstelle wird getankt, egal wieviel noch im Tank ist. Wir beginnen unsere Rundreise in Trelew, das liegt ca. 1.400 km südlich von Buenos Aires. Wir haben einen Mietwagen und werden in einfachen Häusern übernachten, manchmal auf einer Estancia, so heißen hier die „Bauernhöfe“.

Ihr könnt uns wieder virtuell begleiten, die Beiträge kommen vielleicht nicht ganz regelmäßig, aber schreiben und fotografieren werde ich natürlich, das Hochladen erfolgt eventuell etwas später. Wie immer freue ich mich in der Einsamkeit über eure Kommentare. Bis bald in Argentinien!

 

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New York, New York

Über New York ist eigentlich schon alles geschrieben worden. Denkt man. Aber mir scheint es so, als müsste die Geschichte ständig neu geschrieben werden. Die Stadt verändert sich rasend schnell. Die augenscheinlichste Veränderung geschah nach den Anschlägen vom 11. September, aber es gibt auch andere Beispiele. Ich dachte, in Manhattan ist jeder Quadratmeter Grund bebaut oder verplant, kein Platz für Neues mehr. Weit gefehlt. Zwischen Chelsea und Greenwich Village  waren Schlachthöfe, Lagerhallen und Kühlhäuser angesiedelt, zuletzt war diese Gegend als Rotlicht Milieu bekannt. Meatpacking District war der passende Name. Die Umwandlung des Stadtteils begann mit der Stilllegung einer Hochbahntrasse, über diese wurde Schlachtvieh transportiert. In den Siebziger Jahren wurde die Strecke stillgelegt und es entstand ein Verein zur Rettung dieses Industriedenkmals. Die Bahngleise wurden begehbar gemacht, bepflanzt und mit Kunstwerken bestückt. Im Jahre 2014 eröffnete mit der High Line die neueste New Yorker Attraktion. Die knapp drei Kilometer lange Strecke ist sehr beliebt, wir waren allerdings auch an einem Sonntag da. Unaufhörlich schieben sich Menschenmassen die Trasse entlang, es ist aber nicht so überfüllt wie der Fußweg über die Brooklyn Bridge, dazu später mehr.

Durch die veränderte Nutzung entstand in West Chelsea ein komplett neuer, hypermoderner Stadtteil, mit einer nagelneuen Metrostation, atemberaubenden Wolkenkratzern aus glänzendem Stahl und Glas. Natürlich auch ein Einkaufszentrum, Hudson Yard genannt. Es ist ein spannenden Nebeneinander von Industriebrachen und modernster Architektur. Den Wert der alten Backsteinbauten scheint man erkannt zu haben, sie werden aufwändig restauriert und umgebaut, schon siedeln sich Modelabels, schicke Cafés und Kreative hier an. Ein neues Szeneviertel entsteht.

Unser Weg führte uns zum Sonnenuntergang nach Brooklyn. Wir wollten zu Fuß den East River überqueren, die Brooklyn Bridge hat eine Fußgängerspur. Wir waren nicht die einzigen, um es harmlos auszudrücken. Denn es war ein einziges Geschiebe über die Brücke, ständig mussten wir warten, weil hier offenbar jeder bemüht ist, so viele Selfies von sich und der Brücke zu schießen wie möglich. Trotzdem, der Weg hat sich gelohnt, denn wir haben ein weiteres neues Viertel entdeckt, Dumbo genannt. Bis vor wenigen Jahren kannten wir das Ufer des East River auf der Brooklyn Seite nur aus Krimis, hier wurden immer die Leichen entsorgt oder gefunden, je nachdem. Das ist vorbei, auch hier erlebt die Backsteinarchitektur eine Renaissance, coole Läden und Kneipen wechseln sich ab. Am Wasser zieht sich eine Promenade entlang und da Samstag ist, finden sich die Brautpaare vor der untergehenden Sonne ein und werden zigfach fotografiert. Ist auch ein schönes Motiv, wenn die Abendsonne durch das durchsichtige Brautkleid schimmert.

Das Thema Essen gehen muß ich noch einmal aufgreifen, denn wir haben das ultimative Steak-Restaurant gefunden. In einer Seitenstraße des Broadway versteckt, habe ich dort das beste Steak ever  gegessen. Bevor man das Restaurant betritt, fällt der Blick in den Kühlraum, der ein Schaufenster zur Straße hat. Da liegen feinste Rinderteile und reifen vor sich hin. Die Regale vom Boden bis zur Decke gut gefüllt, so etwas habe ich noch nie gesehen. Das Restaurant Gallagher ist sehr gut besucht, wir hatten einen Tisch reserviert. Die Steaks waren butterzart und saftig, haben keinen Tropfen Fleischsaft beim Anschneiden verloren. Bevor ihr jetzt alle dahin rennt, es ist nicht billig. Es ist teuer, ein Steak kostet um die 40 Dollar, aber die Beilagen gehen extra, und da gibt es nichts unter 11  Dollar. Und ein Glas Wein kostet so viel wie bei uns eine ganze Flasche. Es war unser Abschlußabend dieser wunderbaren Reise und das Geld hat uns nicht gereut, weil es eben ein außergewöhnlich gutes Essen war.

Viel zu schnell ist die Zeit vergangen, was uns nicht wirklich wundert, denn in drei Tagen kann man natürlich nur kurze Einblicke gewinnen. Für einen nächsten Besuch in New York hätten wir einige Ideen, was man unbedingt noch tun könnte. Auf Wiedersehen New York!

 

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Die Queen trifft Big Apple

Wir haben wieder festen Boden unter den Füßen. Eigentlich dachten wir, wir hätten jetzt den typischen Seemannsgang. Ist aber nicht, hat einfach nicht genug geschaukelt an Bord. Was uns natürlich sehr recht war, denn somit haben wir keine Mahlzeiten verpasst. Um die entgangenen Gaumenfreuden wäre das wirklich schade gewesen.

In den letzten Stunden an Bord fieberten wir natürlich der Einfahrt in den New Yorker Hafen entgegen. Allerdings mussten wir dafür auch etwas tun, nämlich sehr früh aufstehen. Bereits um 3 Uhr nachts wurden die Lotsen an Bord genommen und um 4 Uhr sind wir unter der Verrazano Brücke hindurchgefahren. Sie ist mit 1298 Metern die längste Brücke Amerikas und damit länger als die Golden Gate. Die lichte Höhe beträgt 70 Meter und da passte unser Schiffchen gerade so durch. Es waren noch 4 Meter Luft. Das Ganze ereignete sich bei völliger Dunkelheit, daher ist die Brücke auf dem Foto nicht ganz scharf geworden:

Leider haben wir kurz darauf die Freiheitsstatue  passiert, bei dieser fotografischen Herausforderung  bin ich gescheitert. Bei Dunkelheit muss man sehr lange belichten und dieses Schiff bewegte sich stoisch auf sein Ziel zu, da nützt dann auch das Stativ nichts mehr. Pech gehabt. Also ich meine, ihr habt Pech gehabt. Denn ich habe dieses Erlebnis für alle Zeiten auf meiner internen Festplatte gespeichert und behalte es für mich.

Wir haben sehr lange an Deck und auf dem Balkon unserer Kabine gestanden und das erste zaghafte Licht des Tages erlebt. Hinter Brooklyn ging kurz vor sieben die Sonne auf, da hatten wir schon längst festgemacht. Die ersten Sonnenstrahlen verfingen sich in den Glasfassaden von Manhattan. Ich würde jetzt gerne schreiben, die Stadt erwachte langsam. Aber das stimmt nicht, denn die schläft  ja nie. Die Schnellstraßen waren schon nachts um vier belebt und die Staten Island Fähre fährt die ganze Nacht hindurch nach Manhattan und zurück.

Die Skyline von Manhattan im ersten Morgenlicht, die Gruppe am Eck sind die Teilnehmer der Gruppenreise, die von der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ organisiert wurde. Das hatte für uns den Vorteil, dass wir deutschsprachige Vorträge von Zeit-Journalisten anhören konnten.

Unser Hotel liegt sehr zentral in Midtown, das heißt, Times Square, Theaterdistrikt und 5th Avenue liegen in Fußentfernung. Das bedeutet, wir haben unbegrenzt Auslauf. Aber ab sofort müssen wir uns selbst um unser Essen kümmern. Wir ernähren uns auf unseren Reisen ja bekanntlich vorzugsweise landestypisch, also haben wir gleich mal mit einem Hotdog begonnen, natürlich nur von Nathans, das ist sozusagen das Original.

Hier noch ein paar Schnappschüsse vom ersten Stadtbummel. Übrigens haben wir zum Dinner die ultimativen Hamburger von „burger joint“ gegessen. Stellt euch ein schickes Hotelfoyer vor mit weißen Säulen, glänzendem Boden und vielen Spiegeln und dann an einer Ecke, dicht an einen Vorhang gedrängt, eine illustre Warteschlange. Nach zwei Ecken steht man plötzlich in einer engen Pommesbude mit Graffitti an den Wänden und sechs Leuten, die einen Burger nach dem anderen braten. Und wir hatten Riesen Glück, dass gerade rechtzeitig einer der wenigen Tische frei wurde, sonst hätten wir mit unserer Burgertüte auf die Straße gemusst. Ich habe natürlich nicht verraten, dass ich im Internet einen Tisch reserviert hatte.

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Kochkunst und Augenschmaus

Wenn man sechs Seetage erlebt, sind es die einfachen und elementaren Dinge, die den Tag strukturieren. Also so etwas wie Sonnenaufgang, Essenszeiten, die Ansprache des Kapitäns jeden Tag Punkt 12 oder der Beginn der Abendshow. Das Meer ist die einzige landschaftliche Attraktion und da gibt es tatsächlich immer etwas zu gucken, denn wir haben uns eine unruhige Zeit ausgesucht. Allein an Deck zu kommen, ist nicht immer einfach bei einer Windstärke zwischen 6 und 8 Beaufort. Entweder sind manche Decks gleich gesperrt oder man muss sich mit voller Kraft gegen die Tür lehnen, um hinaus zu gelangen. Mit 16 bis 18 Grad ist es nicht zu kalt, wenn auch der Wind entsprechende Kleidung erfordert. Und sogar einfordert, Alex hatte ein perfekt zur Kleidung passendes Stirnband, das fest um den Kopf saß, das hat sich der Wind auf dem Achterdeck einfach geholt. Es verschwand für immer in den Weiten des Nordatlantiks. Sie hofft noch, dass der Delphin, der längs ihrer Balkonkabine auftauchte, das leuchtend gelbe Stirnband zurückbringt. 

Unvergesslich der Seegang während unseres gestrigen Abendessens, bei Windstärke 9. Wir haben einen schönen Tisch direkt am Fenster und können uns kaum aufs Essen konzentrieren, denn wir sind uns sicher, noch nie solche gewaltigen Wellen in einem aufgewühlten Meer gesehen zu haben. Die Meerestiefe beträgt hier etwa 3.000 Meter, da bauen sich Wellen auf, die beinahe bis an unser Fenster auf Deck 3 heranreichen. Der ganze Ozean ist in Aufruhr. Unser Oceanliner wackelt kein bisschen, die Weingläser stehen fest auf der Damasttischdecke und der Wein schwappt nicht einen Millimeter im Glas.

Was mich jetzt zum Thema Essen bringt. Man ist ja schon etwas verwöhnt, und entsprechen hoch sind die Erwartungen, wenn man sich an Bord der Queen Mary 2 befindet. Und ich kann ohne nachzudenken sagen, dass wir nicht enttäuscht wurden. Die Küche liefert excellentes Essen, egal, ob man sich im Buffet-Restaurant ernährt oder sich im Britannia Restaurant mit einem Menü verwöhnen lässt. Ein paar Zahlen verdeutlichen, was es bedeutet, jeden Tag die 2.497 an Bord befindlichen Gäste satt zu kriegen. Es sind 146 Köche, die hier beinahe rund um die Uhr arbeiten. Auch ein interessantes Thema: die Bevorratung. Nur drei Beispiele: wir haben bei der Abfahrt in Southampton 64.000 Eier an Bord, 2.400 Melonen, sortiert nach drei Reifegraden, sowie 1.700 Bananen. Und auch die Blumen auf den Tischen werden regelmäßig erneuert.

Ein Beispiel, wie wir gestern Abend auf hoher See schlemmen konnten.

Entenleber mit Artischocken, Entenkonfit Terrine und Safran Kräuter Aioli

Geräucherte Makrele mit Gurke, Rettich und Toast

Filetsteak vom grasgefütterten Rind mit Reis, Jambalaya Gemüse und Cajun Senfsoße

Im Ofen gebratener Truthahn mit Bratkartoffeln, Würstchen im Schlafrock, Karottenwürfel und Cranberrysoße

Himbeer-Schokoladenkuchen mit Chantilly Sahne

Weißer Schokoladen Panna Cotta mit Himbeersoße

Wir genießen hier an Bord ohne Reue, fasten können wir zu Hause wieder.

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Das Leben an Bord

Der dritte Tag auf See. Und wir haben noch nicht die Hälfte bis New York. Bei uns geht es nicht um Schnelligkeit, sondern um Genuss. Die einen genießen das Essen, für andere zählen die Abendveranstaltungen mit Musik und Tanz, wieder andere lieben das Bridge Spiel oder Joggingrunden auf Deck 7. Baden kann man in beheizten Pools auf beiden Achterdecks oder bei schlechtem Wetter im überdachten Schwimmbad. Massage oder Sauna, Friseur oder Fitnessstudio, jeder kommt auf seine Kosten. Es gibt ruhige Lounges fürs gute Buch oder Klavierkonzerte beim Mittagessen in der Carinthia Lounge. Abends geht es hier etwas ruhiger zu, dann kann man seinen Portwein zu den Klängen einer Harfe trinken. Und wenn es zur Nachtruhe geht, wird man mehr oder weniger sanft in den Schlaf gewiegt. 

Wenn Gala-Abend angesagt ist, putzen sich alle auf und es funkelt und glitzert den ganzen Abend. Der Kapitän lässt es sich nicht nehmen, an einem der Gala-Abende einen Willkommens-Champagner auszugeben und die Gäste mit einer launigen Rede zu begrüßen. Er habe eine gute und eine schlechte Nachricht für uns, meinte er. Die schlechte sei, wir hätten es die nächsten Tage mit den Ausläufern eines Hurrikans zu tun. Aber die gute Nachricht sei, unser Schiff ist ein Oceanliner, der ist für die schwersten Stürme gerüstet. Das hat uns natürlich ungemein beruhigt. Überhaupt trauen wir dem nautischen Personal einiges zu. Nachdem wir Le Havre verlassen hatten und dem nächsten Morgen entgegen schlummerten, wurden wir vom Kapitän geweckt. Es gab einen medizinischen Notfall an Bord und das Schiff hatte seinen Kurs bereits verlassen und fuhr in Richtung englische Küste. Die Küstenwache schickte einen Hubschrauber, der noch im Dunkeln bei einer Windstärke von 8 auf dem Schiff landete und den Passagier aufnahm. Es ginge ihm jetzt wieder gut, meinte der Kapitän, innerhalb von 15 Minuten sei er im Krankenhaus gewesen. 

Eine solche Aktion wäre jetzt nicht mehr möglich, wir befinden uns mitten auf dem Atlantik und  Neufundland, Grönland und Westeuropa sind von uns aus in etwa gleich weit entfernt, jeweils ein paar hundert Kilometer. Wir bewegen uns mit ungefähr 38 km/h vorwärts und in einem hatte derKapitän auf jeden Fall recht: dieses Schiff ist für raue See gebaut. Selbst bei Windstärke 8 liegt es wie ein Brett im Wasser und wir spüren nur ein leichtes, gemächliches Schwanken. Auch von Seekrankheit ist nicht die Rede, die Plätze sind zu den Mahlzeiten gut gefüllt. 

Nur die Sonne könnte etwas öfter scheinen, heute haben wir zum ersten mal ein Stündchen auf Liegestühlen an Deck gelegen, bislang hatten wir neben Sturm auch Regen, da wurden manche Decks zeitweilig gesperrt. Aber wir hoffen auf die nächsten Tage, unser Kurs verläuft etwas weiter südlich als normal, um besagtem Hurrikan auszuweichen. Hoffentlich verschwinden wir da nicht im Bermuda-Dreieck. Also hofft einfach auf den nächsten Blog.

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Blumen in Honfleur

Letzte Station in Europa ist Le Havre in der Normandie. Die Stadt gibt nicht viel her, sie wurde nach dem Krieg komplett neu aufgebaut. Aber das Luftlinie nur 5 Kilometer entfernte Honfleur hat seinen mittelalterlichen Stadtkern bis heute bewahren können. Es liegt wie Le Havre an der Seinemündung, hat einen kleinen Fischereihafen und eine pittoreske Altstadt. Wir bummeln durch enge Gassen, lassen uns einen Café au Lait schmecken und kaufen lose Schokolade aus Schütten. Erfrischend das Gläschen Cidre, dann geht es wieder an Bord.

Noch befinden wir uns nicht auf dem offenen Atlantik, aber der Wind hat zugenommen. Nach der Ausfahrt aus dem Hafen bekommen wir die volle Breitseite, auf Deck werden die Auflagen weggeräumt und die Liegestühle angebunden, damit sie nicht über Bord gehen. Unser Gang wird schwankend, nicht was ihr denkt. Vor dem Abendessen trinken wir keinen Alkohol, auch wenn es jetzt so aussieht.

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