Von Texas nach Monaco

Wir sind in den Liefdefjord gefahren, die Hauptattraktion ist hier der Monaco-Gletscher, er steht heute Nachmittag auf dem Programm. Jetzt werden wir zur einer Holzhütte gebracht, die sinnigerweise „Texas Bar“ heißt, vermutlich war der Erbauer ein Cowboy-Fan. Wer es am Vormittag verträgt, bekommt einen Whiskey auf Gletschereis, aber ich fotografiere lieber zentimetergroße Blümchen. Dazu muss man wissen, dass es aufgrund der kurzen Vegetationsperiode kaum Pflanzen auf Spitzbergen gibt, die höher als fünf Zentimeter werden. Umso mehr überrascht es, wenn auf einmal winzig kleine Pflänzchen am Wegesrand auftauchen, die wunderschöne Blüten ausbilden. Diese Fotos muss man sich allerdings verdienen, es geht nur, wenn man niederkniet oder sich hinlegt, aber das ist in Ordnung, die Expeditionskleidung hält das aus.

Nach dem Vortrag eines Glaziologen werden wir mit den Booten nahe an den Monaco-Gletscher herangefahren. Je näher wir kommen, desto dichter werden die Eisschollen. Ich wundere mich, wie viel diese Schlauchboote aushalten, denn ein Anstoßen an die scharfkantigen Eisbrocken lässt sich nicht vermeiden. Vor uns rumpelt und grummelt das Gletschereis, aber noch bleibt alles stabil an der Eiswand. Wir halten genügend Abstand, denn es können jederzeit größere Brocken herausbrechen und dies kündigt sich nicht unbedingt durch ein entsprechendes Geräusch an. Plötzlich bricht ein Stück aus der Eiswand heraus und platscht ins Wasser, wir spüren die Wellenbewegung. Noch zwei, dreimal löst sich ein Eisbrocken und wir nehmen etwas mehr Sicherheitsabstand, denn auch die Wellen, die durch den Eisbruch ausgelöst werden, können unser Boot zum Schwanken bringen. Wir sitzen ja alle ohne Rückenlehne auf dem Rand des Bootes, da bekommt man schonmal leicht Übergewicht und kippt nach hinten. Wir haben ja alle Schwimmwesten an, aber in zwei Grad kaltes Wasser möchten wir lieber nicht plumpsen.

Der Monaco-Gletscher ist mehr als drei Kilometer breit und die Eiskante ist zwischen dreißig und sechzig Meter hoch. Immer wieder schaue ich mir die bläulich leuchtenden Skulpturen an, die der Gletscher erschaffen hat. Wenn die Brocken ins Meer gefallen sind, lassen sich die Eisschollen wie in einem Skulpturengarten bewundern. 

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