Archiv der Kategorie: Autoreise nach Island

Sommer auf färöisch

Wetterberichte für die Färöer Inseln sind unnötig, denn sie stimmen nicht. Es lassen sich einfach keine belastbaren Vorhersagen erstellen, wenn die Inseln ständig ihr eigenes Wetter machen. Steile Bergwände halten entweder Wolken ab oder halten sie fest, Niederschläge sind an der Tagesordnung. Alles kein Problem, wenn man sich wetterfest anzieht und nicht den Anspruch hat, die schönsten Fotos zu schießen. Eine Färingerin erklärte mir mit Blick auf ein „Postkartenfoto“ mit Sonne und blauem Himmel, dies sei kein typisches Bild von der Insel, das sei austauschbar und nichtssagend. Die Färöer seien eben wolkenverhangen und nieselig, alles andere habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Aha. Hier also meine Fotos ohne Sonne.

Die Grassodendächer sieht man häufig, auch auf Neubauten oder größeren Zweckbauten.

Typisch für die Färöer sind schwarz gestrichene Häuser und rote Fenster. Historische Holzbauten werden geteert, um sie haltbar zu machen.

Das bekannteste Fotomotiv der Färöer, hierhin führt erst seit 2006 eine Straße, vorher gab es nur einen steilen Bergpfad in das abgelegene Dorf.

Wasserfälle gibt es unzählige, über jeden Berghang strömen gewaltige Wassermassen zu Tale.

Im Hafen der Hauptstadt Torshavn, letzter Stadtbummel, heute Abend legt unsere Fähre nach Dänemark ab. Und damit geht auch diese Reise in den hohen Norden zu Ende. Es gab unglaublich vielfältige landschaftliche Sehenswürdigkeiten, die uns immer wieder begeistert haben. Übrigens auch auf den Färöern, wir haben den Aufenthalt durchaus genossen, das mit dem Wetter musste ich einfach mal loswerden, trotzdem überwiegen im Rückblick natürlich die tollen Ein- und Ausblicke in eine für uns ungewöhnliche Welt.

Der Norden ist ein Ziel für Individualreisende, und es ist ein teures Ziel. Island ist neuesten Untersuchungen zufolge für Deutsche das teuerste Urlaubsland überhaupt. Im Durchschnitt zahlt man 50% mehr als zu Hause, manchmal sogar 100%. Also einmal hinfahren, genießen, sich möglichst oft selbst verpflegen und dann von den Erinnerungen zehren.

Für alle, die virtuell mitgereist sind, herzlichen Dank für eure Reisebegleitung und uns allen wünsche ich jetzt einen angenehmen Sommer ohne zu viele Rekorde. Bye, bye.

Insel Hopping im Nordatlantik

Wir sind auf den Färöern angekommen, nach einer relativ ruhigen Überfahrt. Ein sanftes Schaukeln beim Einschlafen ist ja ganz angenehm. Die Nacht war nur kurz für uns, denn wir mussten schon um zwei Uhr morgens die Kabine räumen, Ankunft in Torshavn war mit etwas Verspätung um halb vier. Dann ging alles ganz schnell, das Hotel liegt nah am Hafen und um vier lagen wir wieder in der Falle. Das war das erste Mal, dass ich auf einer Reise für die gleiche Nacht zwei Zimmer bzw. Kabine gebucht habe.

Auch die Färöer sind ja bekannt für interessantes Wetter. Im Nebel sind wir heute morgen gestartet und hatten dann für unsere Erkundungsfahrt über die Insel Eysturoy klares Wetter und ab und zu Sonnenschein. Nur als wir wieder in der Hauptstadt Thorshavn im Süden der Insel Streymoy ankamen, regnete es. Hier die Bilder dazu.

Nach einem kompletten Regentag versöhnlicher Abschied von Island.

Die Straßen auf den Färöern sind gut befahrbar, keine Schotterstraßen, nur manchmal enger als auf diesem Foto. Da muss man den Gegenverkehr in einer Haltebucht abwarten. Klappt gut, ist nicht so viel Verkehr auf den Straßen außerhalb des Hauptortes.

Hier schmelzen zwar keine Gletscher, aber es gibt viel Niederschlag und jede Menge Wasserfälle.

Die Fjorde und Meeresstraßen sind von steilen Berghängen eingerahmt, trotzdem ist jeder Winkel des Landes gut erschlossen. Steile Bergpässe und dramatische Ausblicke begeistern uns, wir vermissen nur des öfteren eine Leitplanke.

Kleine Ortschaften mit den typischen Holzhäuschen sind immer ein lohnendes Ziel. Hier Funningur mit der malerischen Holzkirche aus dem Jahr 1847.

Gjogv hat eine außergewöhnliche Lage an der Meeresstraße, die auch unsere Islandfähre genutzt hat. Die lange Schlucht wird als kleiner Hafen genutzt.

Es gibt viele historische Holzhäuschen, oft mit den typischen Grassodendächern.

Seltener sieht man Steinhäuser.

Wasser und Eis

Wir sind heute noch einmal ein Stück zurückgefahren, um den Svartifoss anzuschauen. Wir haben also immer noch nicht genug von Wasserfällen. Aber jeder ist eben auf seine Art besonders. Beim Svartifoss sind es die eckigen Basaltsäulen. Wir waren gestern schon mal hier und haben eineinhalb Stunden im strömenden Regen gewartet, dann war unsere Geduld zu Ende. Wir sind die Ringstraße weiter Richtung Osten gefahren und nach 20 km hörte der Regen auf und der Boden war knochentrocken. Es hatte dort nicht einmal geregnet und es würde auch nicht mehr regnen. Als sind wir heute bei Sonnenschein noch einmal zum Svartifoss gefahren und dieses mal ging es gut, die Sicht war besser als die Tage zuvor und wir haben den Fall nach einer kleinen Wanderung erreicht. Allerdings konnten wir nicht ganz nah herangehen, weil der Weg gerade ausgebessert wurde.

Der Svartifoss war aller Mühen wert, wie ich finde. Es gibt einen Mitreisenden, der das nicht so sieht.

Überall in Island werden Lupinen ausgesät, um erosionsgeschädigte Flächen abzudecken und die Bodenqualität zu verbessern. Im Juni eine Augenweise, ganze Hänge sind bedeckt mit den lilablühenden Pflanzen.

Hier hatten wir angehalten, um Lupinen zu fotografieren und zu filmen. Was wir nicht wussten: hier nisten Küstenseeschwalben und die verteidigen ihre Brut aufs heftigste. Hitchcock lässt grüßen. Ich habe mich dann gar nicht getraut auszusteigen, denn diese Biester greifen den höchsten Punkt an, also den Kopf. Martin hatte Glück, er hat nur einen Vogelschiss abbekommen.

Lupinen vom Auto aus fotografiert…

Da sich heute die Sonne etwas gezeigt hat, sind wir noch einmal zum Gletschersee Jökulsarlon gefahren. Die Eisberge sehen immer wieder anders aus, manchmal brechen sie auseinander oder sie verkeilen sich ineinander.

Eine Kegelrobbe inmitten von Eiderenten

Und man sieht immer wieder Shootings, hier ein ganz besonderes, das Hochzeitsfoto im do-it-yourself Verfahren. Die Braut hatte einen Fernauslöser in der Hand, gab das Kommando zum Lächeln und drückte dann ab.

Und nun endlich der Diamond Beach. Hier landen alle Eisbrocken im Meer, oder das, was von ihnen übrig bleibt, mal mehr, mal weniger.

Die Ringstraße im Süden ist landschaftlich ein Highlight, bis auf einige Passagen, die durch eine Schwemmlandebene führen. Und die Gletscher reichen oft nah an die Straße heran.

Unser Zuhause für zwei Nächte, die Hütte links, diesmal ohne Küche und mit Frühstück im Haupthaus.

Naturwunder der Südküste

Wir hatten viel zu tun auf dem Weg nach Höfn entlang der Südküste. Es war wieder alles dabei, Wasserfälle, Puffins, Felsen, Gletscher, schwarze Strände und Islandpferde vor unserer Unterkunft Havammbol. Nachdem sich der Morgennebel aufgelöst hatte, wurde es sonnig und das ist gut für farbenfrohe Fotos. Bitte schön.

Einer der gewaltigsten Wasserfälle des Landes ist der Skogafoss. Aber etwas versteckt liegt ganz in der Nähe fast ein Geheintipp: der Kvernufoss.

Schon der Weg dorthin ist wunderschön.

Man kann hinter den Wasserfall klettern und hat dann diese Aussicht.

Unser Urlaub auf dem Bauernhof im Havammbol Guesthouse.

Die Aussicht von unserer Terrasse mit Meer- und Pferdeblick.

Das Örtchen Vik liegt hinter diesem Felsen, aber der schwarze Strand zieht viele Besucher an. Und zwar mit Recht, wie ich finde.

Hinter der Dyrholaey Halbinsel mit seiner Puffinkolonie liegt dieser schier endlose Strand. Der schneebedeckte Vulkan im Hintergrund war 2010 der Übeltäter, der in ganz Europa den Flugverkehr lahmgelegt hat durch seinen Ausbruch und eine riesige Aschewolke.

Hier zur Abwechslung mal ein Canyon, den Namen wollt ihr nicht wirklich wissen und ich will ihn nicht schreiben.

Also gut, er heisst Fjadrargljufur. So, nun übt mal schön die Aussprache.

Jetzt wird es frostig, wir nähern uns dem riesigen Gletscher Vatnajökull, der sich in einigen Gletscherzungen bis an die Küste erstreckt. Hier der Fjallsjökull, er liegt im Schatten des größeren Jökulsárlón, ist aber nicht so stark frequentiert und man ist näher an der Abbruchkante.

Hier nun der große Bruder Jökulsarlon, hier mit einem Amphibienfahrzeug.

Oder man bewegt sich aus eigener Kraft fort. Die Eisberge sind unfassbar groß. Auf ihrem Weg zum Meer kippen sie manchmal und brechen auseinander, das haben wir heute erlebt. Daher patrouilliert permanent ein Schlauchboot und passt auf, dass niemand ins Wasser fällt.

Der Vatnajökull füllt den gesamten Horizont aus. Er ist der größte Gletscher Europas und misst 150 km mal 100 km

Die Eisberge treiben hinaus aufs offene Meer und geben dem schwarzen Strand seinen Namen: Diamont Beach. Dazu morgen mehr.

Unsere Hochland-Wanderung

In Landmannalaugar gibt es interessante Wanderungen, das Problem ist nur, der Ort liegt im Hochland und ist nur mit Allradfahrzeugen zu erreichen. Nach aufwändigen Recherchen ist es uns gelungen, einen Linienbus ausfindig zu machen, der tatsächlich bis zum Ausgangspunkt der Wanderungen fährt. Wir hatten ein Zeitfenster von vier Stunden, die wir gut ausgenutzt haben.

Geschafft! Wir haben das Basecamp erreicht.

Hier beginnt der Wanderweg.

Wir kämpfen uns durch das Lavafeld nach oben und gewinnen an Höhe.

Der Weg ist anspruchsvoll.

Die Belohnung sind farbenfrohe Berge – und habt ihr eigentlich schon bemerkt, dass wir ein Wetter haben, das nicht zu toppen ist?

Schneereste tauchen auf …

… und schon durchqueren wir das erste Schneefeld.

“Der Schrei“ diesmal im Felsen, ja gut, mit etwas Phantasie, bemüht euch halt, dann seht ihr auch die Finger der linken Hand.

Der Kameramann ist so begeistert von der Landschaft, dass er weiterfilmen muss, während er sein Pausenbrot isst.

Wir müssen leider absteigen, der Bus wartet nicht.

Am Fluss entlang, diesmal sind die Felsen grün!

Nur noch durch die endlose Steinwüste, dann ist es geschafft! Ein toller Tag , der Ausflug hat sich gelohnt. War ja auch nicht ganz billig.

Ausflug zu den Puffins

Das ist jedenfalls unsere Hoffnung, endlich mal diese lustigen Vögelchen beobachten zu können. Obwohl ein Bootsausflug auf die Westmännerinsel auch ohne Puffins lohnend wäre. Denn im Jahre 1973 ereilte die Insel ein schreckliches Schicksal, ein bis dahin unauffälliger Vulkan brach mit einer gewaltigen Eruption aus und gestaltete die Insel völlig neu. 400 Häuser wurden zerstört und mutige Männer konnten mit Barrieren verhindern, dass die Lava bis in den Hafen floss. Heute ist die Insel ein beliebtes Ausflugsziel, das hübsche Städtchen Heimaey mit seinen Cafés und Restaurants füllt sich jeden Tag mit Besuchern. Während der Puffin-Saison von Ende April bis August kommen natürlich viele zur Vogelbeobachtung her.

Das Wetter spielt mit, sonnig und nicht ganz so stürmisch wie gestern, beste Voraussetzungen also. Das Schiff ist pünktlich und wir haben vier Stunden Zeit, auf der Insel nach den Papageitauchern zu suchen. Der beste Platz ist am südlichen Ende der Insel, aber wir verschwenden unsere Zeit damit, eine Tourist Info zu finden, um eine Wanderkarte oder wenigstens eine Übersichtskarte der Insel zu bekommen, denn so übersichtlich ist das Gelände nicht, dass man einfach loslaufen könnte. Eine Karte gibt es nicht und wir entschließen uns kurzerhand für eine Taxifahrt zum Puffin Lookout.

Ein gute Entscheidung, der Weg nach Süden zieht sich und so haben wir genügend Zeit vor Ort, um die lustigen Vögel zu suchen. Geduld wird belohnt, es sind nicht allzu viele Vögel zu Hause, die meisten sind tagsüber auf Nahrungssuche auf dem Meer unterwegs. Aber ab und zu zeigt sich mal einer, und ich hatte Glück, als sich ein freundlicher Puffin direkt unterhalb der Aussichtsplattform ins Gras setzte. Und sich von allen Seiten betrachten ließ, einfach schön diese lustigen Vögelchen.

Mit den Filmaufnahmen hat es nicht so geklappt, was aber daran lag, dass Martin seine Actioncam im Ort liegen gelassen hatte und mit dem Taxi gleich wieder zurückfahren musste, um sie zu suchen. Da waren alle Aufnahmen des ganzen Urlaubs drauf, das wäre ein herber Verlust gewesen. Doch hier leben ehrliche Menschen und die Camera lag noch auf dem Stromkasten, wo Martin sie abgelegt hatte. Darauf trinken wir heute Abend einen, und zwar im Hotel Stracta in Sella beim Fußballspiel. Zum heutigen Tag passt, dass unsere Mannschaft tatsächlich überzeugend aufgespielt hat, so kann es weitergehen.

Anspruchsvolle Einfahrt in den Hafen von Heimaey, das Schiff muss um die Felsen herumgezirkelt werden.

Die Insel ist grasgrün, es regnet genug, um alles in saftigem Grün erscheinen zu lassen.

Wir haben heute einen Traumtag erwischt, sonnig bei 16 Grad und kaum Wind, ungewöhnlich für die Westmännerinsel.

Suchbild: wer findet den Elefanten?

Voilá: Der Star des Tages. Neben der Fußballnationalmannschaft natürlich.

Hier sieht man das Lavafeld vom großen Ausbruch 1973, inzwischen holen sich die Lupinen das Land zurück.

Eine Augenweide!

Ein Nachtrag von gestern: der Seljalandsfoss.

Wenn man keine Angst vor Wasser hat, kann man hinter dem Wasserfall entlang laufen.

Die Top drei, Pingvellir, Geysir und Gullfoss

Der bekannteste Tagesausflug von Reykjavik aus führt über den sogenannten Golden Circle zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Alle haben damit zu tun, dass Island eine der tektonisch aktivsten Zonen der Erde ist. Das zeigt auch der jüngste Vulkanausbruch in der Nähe von Reykjavik, aus einer Erdspalte fließt rotglühende Lava, was eine Sperrung der Blauen Lagune zur Folge hat. Das gesamte Gebiet ist weiträumig abgesperrt und als Tourist bekommt man keine Lava zu Gesicht. Es sei denn, man bucht einen Hubschrauberrundflug. Das haben wir uns verkniffen, so sensationslustig sind wir nun auch wieder nicht. Es breitet sich durch den Ausbruch eine Gaswolke aus, bis etwa 100 Kilometer ins Landesinnere, ist wohl nicht so gesund. Und wir dachten, es sei Nebel!

Die erste Sehenswürdigkeit auf dem Golde Circle ist eine Erdspalte, die sich zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte auftut. Pro Jahr bewegen sich die Platten 1 bis 2 cm auseinander. Und da sie das schon sehr lange tun, so in etwa seit 10.000 Jahren, ist mittlerweile eine unübersichtliche Grabenbruchzone entstanden, die zum Nationalpark erklärt wurde. Einige Spalten sind mit Wasser gefüllt und ganz Mutige können hindurch schnorcheln oder tauchen. Die Wassertemperatur beträgt etwa 3 Grad. Da fehlte mir dann doch der Mut.

Links ist die nordamerikanische Platte und rechts die eurasische Kontinentalplatte.

Hier ist die Spalte zwischen den beiden Platten schon recht groß.

Um den Geysir zu bewundern, braucht es weniger Mut, nur etwas Geduld. Alle 5 bis 10 Minuten hat sich genug Druck aufgebaut, so dass eine Wasserfontäne emporschießt. Gar nicht so einfach, den genauen Zeitpunkt zu erwischen, wenn man die Dampfglocke fotografieren möchte. Wenn der Druck mit einem dumpfen „Puff“ entweicht, ist es schon zu spät. Hier mein Versuch:

Bis zu 20 Meter hoch sind die Wasserfontänen des Stokkur genannten Geysirs.

Ein Paar Minuten später erreicht man den meist besuchten Wasserfall der Insel, den Gullfoss. In zwei Kaskaden stürzt er erst 11 Meter und dann 21 Meter in die Tiefe. Dort ist man nie allein, aber es gibt genügend Aussichtspunkte.

Wir übernachten ganz in der Nähe, um am nächstenTag einen Ausflug ins Hochland zu unternehmen, wir können aber nur so weit fahren, bis der Asphalt aufhört. Dann sind nur noch Allradfahrzeuge erlaubt, allerdings ist eine Durchquerung momentan witterungsbedingt noch nicht erlaubt. Die Landschaft ist abwechslungsreich, mal eintönig grau-braun, wenn der letzte Vulkanausbruch noch nicht so lange zurück liegt. Dann taucht plötzlich ein See mit türkisfarbenem Wasser auf.

In der öden Vulkanlandschaft gibt es ein paar Stellen, da beginnt sich Vegetation zu entwickeln, mit Moosen und Flechten.

Die Hauptstadt quirlig und sonnig

Den ganzen Tag Sonne, wie wir das genießen. Der Wind ist zwar noch kühl, das macht aber nichts, dagegen kann man etwas tun. Unser Guesthouse liegt direkt neben der berühmten Hallgrimskirkja und damit zentral, um alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen zu können. Mit dem Bau der Kirche wurde in den 1930er Jahren begonnen, aber fertiggestellt wurde sie erst 1986. Da lästere noch mal jemand über den Flughafen Berlin Brandenburg. Die auffällige Form soll an Basaltsäulen und Gletscher erinnern. Innen folgt sie streng gotischen Linien, ist aber hell und schmucklos. Außergewöhnlich ist die riesige Orgel, es finden regelmäßig Orgelkonzerte in der Kirche statt. Daher also die bequemen, gepolsterten Sitzbänke.

Von der Kirche aus geht es schnurgerade hinunter ins Zentrum über eine belebte Fußgängerzone, an deren Ende die Regenbogenfarben auf dem Gehweg leuchten, die für die Offenheit der isländischen Gesellschaft stehen. Das gastronomische Angebot ist groß, aber es läuft meist auf Hamburger oder Fish & Chips hinaus. Wir haben nichts dagegen. In einigen wenigen Resrtaurants werden isländische Spezialitäten serviert, aber wir haben etwas gegen Papageitaucher und Walfleisch auf der Speisekarte. Übrigens zucke ich neuerdings auch bei Lammfleisch, seit ich die neugeborenen Lämmchen bei ihren Muttertieren auf den Weiden beobachtete.

Die fotografische Ausbeute kommt hier:

Die Hallgrimskirkja, benannt nach dem Prediger Hallgrimur, Prediger und Poet. Sein Buch mit Kirchenliedern ist das meistverkaufte Buch Islands.

Der unbekannte Bürokrat – wir sind so froh, Rentner zu sein, diese Last ist von uns genommen.

In alten Hafen

Konzerthalle und Kongress-Zentrum

In dieser Bäckerei gab es die leckersten Zimtschnecken der Reise.

Von den Westfjorden nach Reykjavik

Die Hauptstadt ist heute unser Ziel. Wir kürzen die Route etwas ab und fahren drei Stunden mit der Fähre zur Halbinsel Snaefellsnes und von dort in gut zwei Stunden nach Reykjavik. Der Wind hat dauerhaft nachgelassen, heute hatten wir Windstärke drei und bis zu 13 Grad bei Sonne, da erscheint doch gleich alles in einem anderen Licht. Jetzt sieht man das Ergebnis des Wintereinbruchs deutlich, die Berge haben leuchtend weiße Schneekappen bekommen. In der isländischen Presse war nachzulesen, dass ein solcher später Wetterumschwung statistisch nur alle 12 Jahre passiert. Die Ringstraße war im Osten drei Tage lang komplett gesperrt, was für den Tourismus und Speditionen, die zum Beispiel frischen Fisch befördern, große Probleme bereitete. Wir hatten tatsächlich Glück, dass wir in der fraglichen Zeit Richtung Westen unterwegs waren. Wir haben ein Schweizer Paar getroffen, das einen Tag lang in ihrem Hotelzimmer festsaß.

Aber das haben wir jetzt hinter uns gelassen und erleben das Land in einem neuen Licht. Der Frühling beginnt mit Macht, die Tulpen und Löwenzahn blühen um die Wette. Aber schaut selbst.

Blick von unserem Guesthouse zum Meer.

Unser Hausberg um 23 Uhr. Sonnenuntergang ist momentan um 0:31 und Sonnenaufgang um 02:34.

Der Strand hat hier tatsächlich gelben Sand, obwohl hier ja alles vulkanischen Ursprungs ist.

Die typische Form der Berge, durch die Witterung wird das Gestein porös, die härteren Schichten bleiben zurück.

Mit der Fähre von Brjansläkur nach Stykkisholmur. Gewöhnt euch ruhig schon mal an die isländische Sprache.

Unterwegs gibt es Picknickplätze, aber nicht immer an den landschaftlich schönsten Stellen wie hier. Das Problem ist nämlich, man kann auf den Straßen nicht ohne weiteres anhalten zum Fotografieren. Die Fahrbahn liegt meist etwas höher, daher gibt es keinen Seitenstreifen, sonder rechts und links der Straße eine unbefestigte Böschung. Wenn man eine wenig befahrene Straße hat und denkt, jetzt kann man mal kurz anhalten, kommt garantiert genau dann das eine Auto und hupt.

Ein schöner Vulkankegel, da liegt der Ausbruch noch nicht so lange zurück.

Wasser marsch

Nicht nur dass Island von Wasser umgeben ist und dass es öfters regnet, Wasser ist hier irgendwie überall. Besonders reizvoll ist es, wenn es Felsen hinunterstürzt. Mit der fotografischen Umsetzung habe ich mich heute eine zeitlang beschäftigt, denn auf dem Weg von Isafjördur an die südliche Küste der Westfjorde haben wir einen der bekanntesten Wasserfälle des Landes passiert, den Dynjandi. Und wir hatten Glück, dass uns heute kein Kreuzfahrtschiff in die Quere gekommen ist, denn dann wird es voll an diesem sonst eher ruhigen Ort. Obwohl wir es den Kreuzfahrern wohl zu verdanken haben, dass es auf dem Parkplatz am Wasserfall beheizte Wassertoiletten gibt, mitten in der Einsamkeit.

Der Dynjandi Wasserfall aus der Entfernung, 100 Meter hoch und bis zu 60 Meter breit.

Nachzutragen wäre noch, dass das Essen in diesem so vollmundig empfohlenen Restaurant in Isafjördur ausgezeichnet war. Bevor das Buffet eröffnet wurde, stellte der Koch seine komödiantischen Fähigkeiten unter Beweis, hat uns erklärt, wie man sich am Buffet bedient, wo man sich anzustellen hat und ähnliches mehr. Auf isländisch klang das sehr lustig, aber er hat es dann noch einmal auf englisch vorgetragen. Acht verschiedene Sorten fangfrischen Fisch gab es, jeder sehr lecker und unterschiedlich zubereitet. Eine bessere Fischsuppe habe ich noch nicht gegessen. Ein versöhnlicher Ausklang eines etwas verunglückten Tages.

Und am nächsten Tag war es endlich mal trocken und weniger windig, das haben wir für eine Wanderung zu einem – was sonst – Wasserfall genutzt. Es gab einen gut markierten Weg. Das ist hier im Gelände wichtig, denn überall ist es sumpfig und nass, man steht sofort im Nassen, sobald man abseits der Straßen laufen will. Und in den kleinen Orten mit wenig Tourismus hat scheinbar niemand Lust dazu, Wanderwege für die wenigen Besucher anzulegen.

Durch dieses Tal sind wir bis zum Ende gelaufen, ohne kleine Holzbrücken wäre das nicht möglich gewesen. Das waren dann acht Kilometer hin und zurück.

Unser Glücksbringer heute: der Regenbogen.

Und an dieser Bucht steht unser Gästehaus, wo wir heute übernachten. Wieder sehr ländlich, unsere Vermieterin ist wohl die Bäuerin von nebenan. Und wir haben Meerblick.

Ein Fjord, der meinen Namen trägt

Wir haben den westlichsten Punkt unserer Reise erreicht: Isafjördur in den Westfjorden gelegen. Fjördur ist isländisch und heisst Fjord. Der Empfang in diesem meinem Ort war etwas rumpelig. Das von mir gebuchte Isafjördur Inn entpuppte sich als eine Unterkunft ohne Rezeption, nur mit Code lässt sich die Eingangstür öffnen. Da hatte ich meine Mails noch nicht gecheckt, aber nette Gäste ließen uns nicht im Regen stehen. Dann stellte sich heraus, dass der Code fürs Zimmer erst ab 15:30 Uhr gültig ist, also standen wir doch wieder im Regen. Aber mit wetterfester Kleidung kein Problem, die zwei Stunden kriegen wir schon rum, mit Tourist Info (dort warm und trocken mit WLAN Zeit verbringen) und bei West Tours den Ausflug zu der Papageitaucher Insel buchen. Manchmal läuft es einfach nicht gut. Die Tourist Info nicht zu finden. Das nächste Café zu, erst mit Maps ein Café gefunden, dort war das Wifi überlastet, aber wenigstens saßen wir erstmal trocken. Bei West Tours erfahren wir, dass es die Ausflüge erst ab nächster Woche gibt, die Insel sei noch wegen der Brutsaison gesperrt. Die Tourist Info konnten wir zwar betreten, doch drinnen sah es aus wie in einer Schreinerwerkstatt und kein Mensch zu sehen.

Dabei war der Tag eigentlich bisher ganz gut gelaufen. Die Fahrt durch die Westfjorde beeindruckend, wenn wir auch das Auto nur an den Aussichtspunkten verlassen haben. Zuviel Wind bei 3 Grad. Den mittleren Bereich der Westfjorde muss man sich vorstellen wie eine Hand mit fünf Fingern, und wir umfahren jeden dieser Finger. So braucht man für die Luftlinie von 50 km dann doch 170 km, aber der Weg ist das Ziel. Die Fjorde sind äußerst dünn besiedelt und wir sehen nur wenige Autos auf dieser Strecke.

Ein Highlight ist Litli Baer, ein kleines Grassodenhaus von 1895, liebevoll restauriert und im Angebot waren Waffeln und heiße Schokolade. Als dann ein Bus hielt und etwa 20 Gäste in die winzige Gaststube drängelten, war es aus mit der Gemütlichkeit und wir sind weitergefahren zum nächsten zugigen Aussichtspunkt. Dann noch ein Besuch im Arctic Fox Museum. Das sollte man unbedingt machen, denn mit dem Eintrittsgeld unterstützt man eine Tierauffangstation für Polarfüchse. Die Ausstellung war informativ, es gab auch ausgestopfte Polarfüchse zu sehen, die waren dekoriert mit alten Kaffeetassen.

So, jetzt gibt es noch eine Möglichkeit, diesen Tag zu retten, denn wir haben fürs Abendessen reserviert im Tjöruhúsid. Dieses wird überall vollmundig empfohlen, täglich fangfrischer Fisch lecker zubereitet. Martin sagt, bei unserem Glück heute….

Fortsetzung folgt morgen, aber hier noch die Fotos des Tages, Isafjördur kommt auch morgen, wenn es hier mal nicht regnet.

Bevor wir die Westfjorde erreicht haben, mussten wir zuerst eine Hochebene überqueren, da gab es noch Schnee satt.

Meine Lieblingsvögel, die Küstenseeschwalben

Hier gab es heiße Schokolade mit Waffeln.

Island ist nichts für Autoreifen

Dabei ist Martin so vorsichtig gefahren. Und wir wollten doch nur eine kurze Stichstraße zu einem Wasserfall fahren und da blinkt doch plötzlich die Warnung auf, dass der hintere linke Reifen Luft verliert. Nun kommt noch erschwerend hinzu, dass wir hier gerade einen heftigen Wintereinbruch erleben. Gestern Abend haben wir noch gegen 23 Uhr die Schäfchen rund um unsere Hütte beobachtet und sie taten uns leid. Standen da im Sturm mit waagerechtem Schneefall, der allerdings nicht liegen blieb. Heute Morgen um sieben war dann ringsum alles weiß und die Schäfchen fort. Die müssen noch in der Nacht in den Stall gebracht worden sein.

Wir machen uns Gedanken wegen der Weiterfahrt. Es gibt im Internet sehr ausführliche Straßenzustandsberichte, so dass wir herausfinden, dass wir lediglich auf einer Strecke von 40 km mit einem Anstieg auf 400 Meter Höhe schwierige Straßenverhältnisse haben werden. Das war eigentlich schon Herausforderung genug, die Sicht wurde immer schlechter und dann hatten wir eine geschlossene Schneedecke unter uns. Auf einmal war alles weiß. Mit angepasster Geschwingkeit und Martins umsichtiger Fahrweise hatten wir diese Hürde gerade genommen, als der Reifen schlapp machte.

Martin konnte den Reifen mit einem speziellen Reifenreparatur Set notdürftig reparieren, allerdings im Schneesturm bei Windstärke neun! Und ich konnte ihm gar nicht helfen, musste so lange im Warmen sitzen und zuschauen. Der Reifen hielt dann bis zur nächsten Werkstatt, dort konnten sie den Reifen flicken. Wir haben unsere Reiseroute verändert und sind nicht die landschaftlich interessantere Strecke an der Küste entlang gefahren, da wären etliche Kilometer Schotter dabei gewesen. Wir haben lieber einen Umweg von 120 km in Kauf genommen.

Noch ein Wort zu den Preisen hierzulande: wir mussten warten, bis die Werkstatt nach der Mittagspause wieder öffnete. Im Café nebenan saßen wir warm und trocken bei Cappuccino und Kuchen. Dieser wurde uns wärmstens empfohlen, da Home made. Schmeckte gar nicht mal so schlecht. Und dann kam die Rechnung, zwei Cappuccini und zwei Stück Kuchen zusammen 34 Euro. Und das ist doch hier gar nicht der Markusplatz in Venedig. Dafür war die Reifenreparatur direkt günstig, sie hat in etwa genauso viel gekostet.

Das Highlight heute ist unsere Hütte in Drangsnes. Gemütlich eingerichtet, mitten in der Natur gelegen und ein Hot Tub auf der Terrasse mit 46 Grad warmem Wasser dank Geothermik.

Island ist nichts für Weicheier

Da hast du die Wanderung bei Sonnenschein am Fjord entlang noch im Kopf, und dann ist es über Nacht wieder Winter geworden. Nicht sachte, so mit leise rieselt der Schnee und so, sondern gleich mit Windstärke 8 und waagerechten Schneeböen. Schnelles Umdenken ist überlebensnotwendig, alle dicken Sachen an, obendrüber den Windbreaker und Kapuze, so geht es einigermaßen. Aber wir wollten es nicht anders, die Landschaft sieht mit dem Neuschneezucker noch beeindruckender aus und die Straßen bleiben frei, weil der Spuk nach einer Viertelstunde wieder vorbei ist. Aber eine halbe Stunde später geht es wieder von vorne los.

“Unusual“ sagt die Vermieterin unseres schnuckeligen Holzhauses, das wir heute für eine Nacht bezogen haben. Das Häuschen ist mollig warm und es fehlt uns an nichts. Jetzt schauen wir uns das Drama da draußen durch die Fensterscheiben an.

Da haben wir uns erstmal die Augen gerieben, als wir aus dem Fenster geschaut haben.

Unsere Hütte für heute Nacht bei Varmahlid.

Hier noch einige Eindrücke von unserer Fahrstrecke entlang der Nordküste Islands.

Unterwegs auf dem Artic Coast Way

Die Nordküste Islands bietet landschaftlich Sehenswertes, das wir uns nicht entgehen lassen wollen und so bleiben wir im äußersten Norden und ziehen um nach Siglufjördur. Hier erreichen wir auch den nördlichsten Punkt unserer Reise, bleiben aber knapp unter dem Polarkreis. Den kann man in Island nur überschreiten, wenn man die vorgelagerte Insel Grimsey besucht.

Und das haben wir alles gesehen. Da war Asbyrgi, eine Schlucht in Hufeisenform mit senkrechten Basaltfelsen und in der Mitte bewachsen mit Moorbirken, deren erste Blättchen hellgrün leuchteten.

Dann noch eine Schlucht von oben mit skurrilen Basaltformationen, leider etwas im Dunst gelegen. Man konnte nicht hinunter, da der Weg gesperrt war.

In Husavik waren wir noch einmal, um das sehenswerte Walmuseum zu besuchen. Dort sind etliche Walskelette ausgestellt, da bekommt man einen guten Eindruck über deren Größe. Dort haben wir auch ein nettes Restaurant gefunden und Fisch gegessen. Der Fang des Tages (Namen habe ich nicht verstanden, mein Isländisch lässt noch zu wünschen übrig) auf Graupenrisotto an Wurzelgemüse mit einer feinen Soße.

Am Eyjafjord besichtigen wir ein Freilichtmuseum. Ein ehemaliges Pfarrhaus aus dem 19.Jahrhundert ist beinahe vollständig erhalten geblieben, musste nur in einigen Teilen restauriert werden. Erbaut wurde aus aus Torfsoden und die Dächer begrünt. Es handelt sich um ein verschachteltes Gebäude, in welchem alles untergebracht war, was für einen Haushalt inklusive Tierhaltung gebraucht wurde. Also auch ein Waschhaus, eine Werkstatt, Lagerraum und sogar ein Raum, der als Schule genutzt wurde. Hier lebten zwischen 20 und 30 Personen.

Das Wetter am Fjord ist interessant, blauer Himmel ist auf die Dauer langweilig und wird überbewertet.

Jetzt sind wir für zwei Tage in einem Penthouse in Siglufjördur gelandet.

Wenn da nicht dieser blöde Schuppen stünde, hätten wir einen tollen Blick auf den Ort.

Whale at 10 o`clock

Es war nicht unsere erste Walbeobachtungstour, aber auf jeden Fall unsere spektakulärste. Abgesehen davon, dass das Wetter einfach perfekt war, die Kulisse mit den schneebedeckten Bergen ebenfalls und die Tour gut organisiert war, zeigten sich die Wale immer wieder und ließen sich auch noch super gut fotografieren. Es gibt Tage, da klappt einfach alles. Und das Tollste ist, dass ich diesen Ausflug bereits vor acht Wochen gebucht hatte und dann erwischen wir diesen perfekten Tag.

Husavik liegt an der Nordküste Islands und ist nur eine Fahrstunde von unserer Unterkunft entfernt. Ein hübscher Küstenort mit einigen schönen Holzhäusern und einer sehenswerten Kirche.

Und hier hatten wir unser bisher leckerstes Sandwich.

Wir hatten eine Tour auf einem Eichenschiff gebucht, das hörte sich irgendwie gemütlich an und mit so einem Speedboot wollten wir sowie nicht fahren.

Die Blössi Sör wurde 1975 gebaut und macht einen sehr stabilen Eindruck, wobei sie bei der ruhigen See heute nicht an ihre Grenzen gebracht werden wird.

Etwa 50 Passagiere haben wir gezählt. Vor der Abfahrt wurden wir alle in einheitliche Overalls gesteckt, diese waren etwas unförmig, hielten aber perfekt warm, denn trotz der Sonne ist es auf See ja immer etwas zugig.

Voller Erwartung auf die ersten Wale. In der Zwischenzeit werden wir gut vorbereitet, erfahren viel über die Gewohnheiten der Meeressäuger, werden aber auch mit den Sicherheitsbestimmungen vertraut gemacht. Dass man bei Unwohlsein seinen Mageninhalt über die Reeling entsorgt zum Beispiel. Oder wenn jemand über Bord geht, den Rettungsring neben die ertrinkende Person werfen soll und nicht auf deren Kopf. Wir merken uns das alles natürlich gut, aber das Wichtigste ist, wann sehen wir den ersten Wal? Damit alle wissen, wohin sie dann gucken müssen, wird ein an die Uhr angelehntes System verabredet. Wenn der Wal auf zwei Uhr erscheint, stellt man sich vor, geradeaus wäre die zwölf und schaut ein wenig nach rechts. Hat super geklappt, bei „Whale at 10 o ´clock“ ging alles aufs die linke Seite, das Boot neigte sich ebenfalls stark nach links, lag aber sicher im Wasser.

Da bläst er. Bevor man einen Wal sieht, bemerkt man eine Wasserfontäne, diese stößt der Wal beim Ausatmen aus. Kurz darauf sieht man meist den Rücken. Danach taucht er wieder ab und das macht der Buckelwal am Schönsten, denn er taucht tief ein und streckt die Rückenflosse, Fluke genannt, dabei senkrecht in die Luft. Die Zeichnung der Fluke ist bei jedem Wal individuell, sie ist wie ein Fingerabdruck.

Drei andere Boote sind ebenfalls hinausgefahren und wenn ein Boot einen Wal entdeckt hat, kommen die anderen natürlich auch dorthin. Es ist immer spannend, wo der Wal als nächstes auftaucht, beim Buckelwal passiert es ziemlich oft und man kann in etwa abschätzen, wann er wieder auftaucht. Das kann manchmal auch ganz nah am Boot sein, das ist dann ein besonderes Erlebnis, denn zuerst hört man ihn prusten und dann ist er auf einmal neben dem Boot. Auch das haben wir heute erlebt.

Zum Anfassen nahe! Das haben die Kapitäne allerdings nicht so gerne, denn sie wollen Rücksicht nehmen und den Walen möglichst nicht so nahe kommen. Unser Boot ist dann auch gleich etwas weiter weggefahren.

Aber den Walen scheint es Spaß zu machen, sich die staunenden Touristen anzuschauen. Manchmal springen sie auch vor lauter Vergnügen, das haben sie heute nicht getan.

Aber dann haben wir doch noch etwas Besonderes erlebt, denn wir haben einen Blauwal gesehen. Das kommt nicht so oft vor und er hat ein etwas anderes Verhalten als der Buckelwal. Er zeigt seine Fluke nicht beim Abtauchen und er bleibt länger unter Wasser, so dass man nie so genau weiß, wo er das nächste Mal wieder auftaucht, meist in einiger Entfernung. Hier war er tatsächlich sehr nahe an einem anderen Boot.

Der Blauwal ist das größte Tier der Erde, er wird bis zu 30 Meter lang und wiegt bis zu 200 Tonnen. Sein Herz hat die Größe eines Elefanten. Ihn einmal in freier Wildbahn gesehen zu haben, war ein ganz besonderes Erlebnis und rundete diesen wunderbaren Tag ab.

PS. Den Blog zu schreiben, hat nicht so lange gedauert. Aber die 1.524 Bilder zu sichten, war die Hauptarbeit. Ich hatte den Serienbildmodus eingeschaltet, um das Eintauchen der Fluke ins Wasser nicht zu verpassen. Man drückt einmal ab und die Kamera schießt blitzschnell ein Foto nach dem anderen, das hört sich beinahe wie ein Maschinengewehr an. Und produziert unendlich viele Fotos. Aber man hat ja abends sonst nichts zu tun.

Wer wollte eigentlich zum Myvatn?

Ist keiner auf die Idee gekommen, mal nachzuschauen, was Myvatn auf deutsch heißt? Mückensee !!! Aber keine Angst, wir lassen uns von dem Namen nicht abschrecken, zumal wir wissen, dass diese kleinen Biester hier nicht stechen. Wenn es auch zugegebenermaßen sehr viele von ihnen gibt.

Der See macht seinem Namen alle Ehre und ich schwöre, ich habe keinen einzigen Mückenstich.

Die Gegend um den Myvatn ist die einzige Region im Nordosten Islands, die für Touristen einige Sehenswürdigkeiten bietet, die nicht 100 km voneinander entfernt liegen. Und es gibt sogar drei Hotels, aber die findet man nicht immer gleich, es gibt kaum Hinweisschilder und manchmal sehen sie eher wie eine Lagerhalle aus. Aber Touristen sieht man doch, viele sind auf der Durchreise, die einzigen, die vier Tage hier sind, das sind glaub´ich wir. Aber es gibt viel zu tun, hier unser heutiges Tagesprogramm bei eher isländischem Wetter. Das heisst, es fehlt die Sonne und wir haben kleidungstechnisch etwas aufgerüstet. Morgen nehmen wir Handschuhe mit, aber das nur, weil es morgen aufs Schiff geht.

Das sind sogenannte Pseudokrater. Sie haben keine Lava gespuckt, sondern sie waren ein riesiger Lavafluss, der im Wasser verpuffte und sozusagen durch Überdruck in die Luft geflogen ist. Heute ist hier ein Vogelschutzgebiet und es wurde ein schöner Rundweg angelegt.

Hier brauche ich eure Hilfe: ich habe nicht herausgefunden, was für ein Huhn mir hier vor die Kamera gelaufen ist. Irgendeine Idee?

Unser Pausenbrot. Es wurde mittels Erdwärme langsam gegart und heißt übersetzt Rauchbrot. Schmeckt leicht süßlich und der Teig ist schwer bis klebrig. Belegt mit geräucherter Forelle aus dem Fluß nebenan. Für manch einen schmeckt es „bäh“ für andere „landestypisch interessant“. Ob wir es noch einmal bestellen würden? Keine Ahnung…

Die nächste Attraktion sind Lavaformationen, die malerisch im Wasser stehen, auch diese sind mittels Rundweg erschlossen und geben lohnende Fotomotive ab.

Das Thema Lava beschäftigt uns heute noch weiter, hier türmt sie sich zu pittoresken Gebilden auf, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Und um beim Thema zu bleiben, das Geothermalgebiet rund um den Myvatn ist ebenfalls einen Besuch wert, fototechnisch sind die Dampfschwefelquellen ein echter Hingucker. Manch einer rümpft allerdings dabei die Nase.

Zu guter Letzt hat uns noch interessiert, wie die Erdwärme zur Gewinnung von Strom genutzt wird.

Im Geothermalkraftwerk Kröflustdd wird aus heißem Dampf Strom erzeugt.

Die Strasse endet am Kratersee des Vulkans Viti, der zu dieser Jahreszeit noch zugefroren ist, das hat seinen eigenen Reiz wie ich finde.

Der atlantische Wind hat es gut gemeint

Er hat den Nebel verscheucht und um die Mittagszeit war alles eitel Sonnenschein. Das Thermometer zeigte tatsächlich 17 Grad, aber im Wind war es natürlich deutlich kälter. 300 Kilometer haben wir heute sehr entspannt zurückgelegt, mit 90 km/h hat man auch etwas von der Landschaft. Der Nordosten Islands gilt als karg und ohne viel Sehenswertes, aber wir können dieser archaischen Landschaft doch etwas abgewinnen. Keine Menschenhand hat in die Natur eingegriffen, sieht man einmal von der Fahrstraße und den Stromleitungen ab. Aber ansonsten waren geophysikalische Kräfte am Werk, das Erdinnere stülpte sich nach außen und Vulkanausbrüche formten Island und tun dies bis heute. Dort, wo die Vulkanausbrüche am längsten zurückliegen, entwickelt sich wieder Vegetation. Jüngst wird an einigen Stellen sogar aufgeforstet, kleine Wäldchen entstehen. Es geht alles sehr langsam hier, weil die Vegetationsperiode nur sehr kurz ist. Unter Schnee und Eis kann die meiste Zeit des Jahres nichts wachsen.

Jetzt im Frühsommer geht alles ganz schnell in der Natur, der Schnee schmilzt noch und speist unzählige Wasserfälle, das erste saftige Grün und Blüten zeigen sich. Wasserfälle sind auch die ersten Natursehenswürdigkeiten, die wir aufsuchen. Dettifoss, Selfoss und sozusagen vor unserer Haustür der Godafoss. Sie gehören zu den bekanntesten Wasserfällen Islands. Jeder beeindruckt auf seine Weise, wir können uns nicht entscheiden, welcher der Schönste ist. Aber seht selbst.

Der Dettifoss, nicht der höchste, aber durch die Wassermassen der gewaltigste Wasserfall Islands.

Wenn man noch eineinhalb Kilometer weiter läuft, ist man schon beim nächsten Wasserfall, dem Selfoss. Das Wasser hat einen bizarren Canyon geformt.

Und dann rauscht es von mehreren Seiten in die Tiefe, sollte man nicht verpassen.

Am Abzweig zu unserem Farmhotel ist der eher kleine Godafoss am Werk, aber hässlich ist der auch nicht, oder?

Der Blick aus unserem Hotelzimmer. Ja, unsere Unterkunft nennt sich nicht „Urlaub auf dem Bauernhof“, sondern etwas vornehmer „Fljótsbakki Farm Hotel”. Wir schlafen im ehemaligen Kuhstall, aber daran erinnert jetzt nichts mehr. Höchstens die Milchkannen vor der Tür.

Über das Dahingleiten auf hoher See

Im späten Frühjahr über den Nordatlantik – wir hatten uns auf raue See und Stürme gefasst gemacht. Aber weit gefehlt, es war eine überaus ruhige Überfahrt, auf dem Weg zu den Färöern gab es ein paar Stunden lang niedliche Schaumkronen und leichte Dünung, aber in der Kabine ist noch nicht mal die elektrische Zahnbürste umgefallen. An Deck saßen wir stundenlang auf schönen Holzliegestühlen, und zwar so lange, dass sie am Ende etwas hart wurden. Auflagen wären schön gewesen, aber das ist reiner Luxus. Bequemer saßen wir dann an unserem Lieblingsplatz in der Panoramabar und konnten zuschauen, wie sich die Farbe des Meeres änderte, denn die Sonne verschwand wieder und das Wasser war ein hellgraues Seidentuch, das sich neben uns herschob. Ja, man kommt schnell ins Meditieren auf hoher See.

Auf den Färöern konnten wir uns an Land die Beine vertreten, auf dem Rückweg machen wir dort länger Station. Dann hatte der Kapitän noch ein Highlight für uns vorbereitet. Nachdem wir die Färöer mehr oder weniger im Nebel gesehen hatten, steuerte er unser Schiff zwischen die eng beieinander liegen Inseln hindurch, denn er hatte einen guten Draht nach oben und pünktlich zur Durchfahrt zeigte sich eine blasse Sonne. Jetzt wissen wir auch, dass wir uns auf die Färöer freuen können, schroffe Felsen, dünn besiedelte Inseln und saftig grün bewachsene Hänge.

Beschauliches Torshavn auf den Färöern

Panoramafahrt durch die Färöer Inselwelt

Am nächsten Morgen kommt Land in Sicht, man erahnt es mehr als dass man es sieht. Nebel und Regen, so begrüßt uns das Land von Feuer und Eis. Aber wir wissen ja, dass sich das Wetter schnell ändern kann, die atlantischen Winde werden schon dafür sorgen. Immerhin kommen wir mit unserem Auto trockenen Fußes von Bord.

Nach Island, mit dem Auto? Wirklich?

Ungläubiges Staunen, aber es stimmt. Wir sind Rentner und haben Zeit, denn die braucht man tatsächlich. Immerhin sind es von Aschaffenburg nach Hirtshals an der Nordspitze Dänemark 1.022 Kilometer. Mit Übernachtung zwischendurch aber kein Problem. Die Fähre braucht bis an die Ostküste von Island zweieinhalb Tage inklusive Zwischenstopp auf den Färöer Inseln. Wir haben eine Kabine gebucht und das Ganze schon vor einem Jahr. Würden wir jetzt buchen, wäre die Überfahrt ungefähr doppelt so teuer. Übrigens habe ich auch alle Unterkünfte schon im voraus gebucht, denn Isalnd ist dünn besiedelt und ausserhalb der Hotspots gibt es nur wenige, privat Unterkünfte. Aber rechtzeitige Reiseplanung hat mir schon immer Spaß gemacht, dann ist die Vorfreude länger.

Nicht nur die Unterkünfte sind rar gesät, auch die Verpflegungsstellen, sei es Restaurants, Cafés, Imbissbuden oder Tankstellen. Unsere Unterkünfte sind entweder Zimmer, Apartments oder Hütten, die von Privatleuten, oft auch Farmern, betrieben werden. Da gibt es auch keine Dorfkneipe in der Nähe. Also werden wir uns ein paar haltbare Lebensmittel mitnehmen, sowas wie Nudeln und Pesto. Ihr müsst also keine Angst haben, dass wir verhungern. Wobei uns ein paar Kilos weniger auch ganz gut tun würden.

Volle Fahrt voraus mit der Norröna

Unser Schiff nach Island heisst Norröna und gehört zur Smyril Line, einer Reederei beheimatet auf den Färöern. Smyril ist übrigens der färöische Name für Merlin, der einzige heimische Greifvogel dort. Die Norönna wurde 2003 in Flensburg gebaut und zwischenzeitlich modernisiert. Wir fühlen uns sehr wohl an Bord, es gibt ansprechend ausgestattete Aufenthaltsräume, Caféteria, Restaurants und unseren Lieblingsort, die Laterna Magica. Eine Panoramabar auf dem obersten Deck mit einem phantastischen Rundblick. Bequeme Sessel, Lümmelsofas direkt am Fenster oder Tische zum Schreiben, Karten spielen etc. Gestern Abend sahen wir die norwegische Küste im Abendlicht vorübergleiten, untermalt von den besten Motown Songs.