Das Ende ist nahe

Na ja, jedenfalls das Ende des südamerikanischen Kontinents und das Ende von Chile. Wir sind in Punta Arenas angekommen, die Stadt nennt sich die südlichste der Welt. Darüber kann man streiten, Ushuaia und Puerto Williams liegen südlicher, aber es ist mit 125.000 Einwohnern mit Sicherheit die größte Stadt am Ende der Welt. Die Lage an der Magellanstraße hat natürlich zur Entwicklung dieser Stadt beigetragen. Es war im November 1521, als Ferdinand Magellan durch Zufall eine Abkürzung  bei der Umrundung des Kap Horn entdeckte und den wichtigen Seeweg zu den Gewürzinseln damit schneller und sicherer machte, denn das sturmgepeitschte Kap Horn wurde vielen Schiffen bis in die Neuzeit zum Verhängnis.

Apropos Sturm. Es geht nicht ohne Wind in Patagonien, das ist klar und das wussten wir ja auch. Aber wenn man Mühe hat, die Autotür zu öffnen oder einigermaßen gerade zu gehen, ist das schon heftig. Und es gibt auch einen Grund, warum uns gerade hier unten der Wind besonders heftig um die Ohren pfeift. Man nennt sie auch die „Roaring Forties“ also die stürmischen Vierziger, gemeint sind die Breitengrade südlich des 40sten. Hier sind wir bereits auf dem 53sten Breitengrad. Die Südhalbkugel hat viel weniger Landmasse als die nördliche, der Wind kann ungestört von West nach Ost wehen, es gibt keine Hindernisse. Außer uns beiden, wenn wir am Aussichtspunkt auf die Magellanstraße schauen und uns festhalten müssen, damit wir nicht umgepustet werden.

Nach zweieinhalb Wochen sind wir mal wieder in einer Stadt, schöne Abwechslung. Und man merkt gar nicht, dass die Stadt so etwas wie eine Sackgasse ist, es geht zwar noch holprige 80 Kilometer weiter nach Süden, aber da kommt nur noch ein Leuchtturm. Die Stadt hat viele Auswanderer angezogen, die große Farmen gründeten und hauptsächlich Schafe züchteten. Ein reicher Reeder und Schafzüchter namens José Nogueira ehelichte Sara Braun, die Tochter eines einflussreichen Kaufmanns. Noch heute gehören der Palacio Sara Braun und das Museo Regional de Magellanes zu den schönsten Gebäuden der Stadt.

Stadtzentrum ist die Plaza mit ihren gepflegten Grünflächen. Hier finden jeden Abend  die Demonstrationen gegen die chilenische Regierung und insbesondere gegen den Präsidenten Pinera statt. Friedlich und mit viel Musik, alle singen inbrünstig emotionale Hymnen und schwenken ihre Fahnen. Anschließend ziehen sie durch die Straßen, Gewalt haben wir hier keine gesehen.

Wenn man das Zentrum verlässt, wirkt alles nicht mehr so gepflegt und hochherrschaftlich, die meisten Graffittis sind politische Parolen, außer diesem hier.

Wir bummeln die Meerespromenade entlang, wenn der Wind dies zulässt. Es gibt ein Naturschutzgebiet am Stadtrand, Reserva Nacional Magellanes, hier heißt alles irgendwie Magellan, ob es sich um ein Bier handelt, ein Hotel oder wie in diesem Fall ein großes Waldgebiet mit zerzausten Südbuchen. Es gibt einen gut markierten Wanderweg mit weitem Blick auf die Magellanstraße, da war das Wort wieder!

Morgen fahren wir nach Feuerland, warum das so heißt, erzähle ich euch das nächste Mal.

 

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Eine Antwort zu Das Ende ist nahe

  1. Christa Wickel schreibt:

    Ist immer wieder schön, Deine super interessanten Berichte zu lesen. Danke fürs „Mitreisen dürfen“…Euch weiterhin eine gute Zeit – und geht stets rechtzeitig aus dem Wind…Liebe Grüße Christa

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