Der Waterton National Park liegt direkt an der amerikanischen Grenze, setzt sich grenzübergreifend in den Vereinigten Staaten fort und heißt dort Glacier National Park. Wir besuchen natürlich nur den kanadischen Teil. Es gibt einen gleichnamigen kleinen Ort direkt am Upper Waterton Lake gelegen. Der idyllische Ort hat nur 100 Einwohner, in der Saison werden es aber erheblich mehr. Die meisten Besucher bevölkern den riesigen Campingplatz, der einen großen Teil des Ortes einnimmt. Teilweise sind die Stellplätze am Seeufer gelegen, wir hatten das Glück, einen solchen in der ersten Nacht zu erwischen. Ein wirklich hübscher Ferienort mit eingeschossigen Holzhäusern, kleinen Hotels und Motels und ein absolutes Highlight: das Prince of Wales Hotel, einsam auf einer Anhöhe hoch über dem See gelegen. Es wurde 1927 erbaut, als der kanadische Westen durch eine Eisenbahnlinie erschlossen wurde und Touristen angelockt werden sollten. Die mussten natürlich gut untergebracht werden.

Einmalige Lage: das Prince of Wales Hotel
Vor acht Jahren brach die Katastrophe über Waterton herein: ein verheerendes Feuer vernichtete sehr viel Wald und auch Gebäude, das Visitor Center brannte ab und bis heute ist ein zweiter Campingplatz im Park noch immer geschlossen. Das ganze Land zitterte um das Prince of Wales Hotel, es wurde gut geschützt und die exponierte Lage ohne Bäume in Hotelnähe halfen mit, dieses historische Gebäude zu erhalten. Bei unseren Wanderungen im Park sind wir natürlich über viele Strecken durch verbrannten Wald gelaufen. Aber nach acht Jahren hat sich das Unterholz erholt, jetzt im Frühsommer ist alles grün und Wildblumen blühen um die Wette. Erste Nadelbäume sind bereits zwischen einem und zwei Meter hoch gewachsen. Für die Natur ist so ein Feuer ein Erneuerungsprozess, für uns Besucher ist es traurig anzusehen, wie auf ganzen Berghängen verbrannte Baumstämme stehen.

Die weißen Blumen im Unterholz heißen Bärengras und wachsen hier nur in bestimmten Gegenden. Sie blühen nur alle sieben Jahre. Nach dem Feuer haben sie sich stark vermehrt.

Bärengras, ein optischer Hingucker.
Die Bergwelt oberhalb der Baumgrenze ist grandios, Die Gipfel sind zwischen 2.500 und 3.000 Meter hoch und manchmal noch mit etwas Schnee bedeckt. Die Wanderwege sind sehr gut erschlossen, überall hängen detaillierte Beschreibungen, so kann sich jeder den geeigneten Wanderweg aussuchen.


Der Red Rock Canyon, nicht sehr gewaltig, aber das Farbenspiel macht es wett.



Blick auf Waterton Town, unter den Bäumen befindet sich der Campingplatz.

Direkt an unserem Stellplatz stehen diese beiden Adirondack Stühle, da haben wir gemütlich in der Abendsonne gesessen, aber leider gibt es hier im Park ein Wetterphänomen: Durch den abrupten Übergang von den Bergen zur Prärie entstehen starke Fallwinde, teilweise auch bedingt durch größere Unterschiede im Luftdruck. Also irgendwann wurde es doch zu ungemütlich. Übrigens ist es streng verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Also 20 Meter weiter hinten auf unserem Stellplatz hätten wir ein Weinchen trinken dürfen, auf den schönen roten Stühlen aber nicht.
