Spannend ist der Übergang von der endlosen Hochebene zu den Rocky Mountains. Der Waterton National Park ist dafür ein gutes Beispiel. Auf dem Weg dorthin machen wir Station in Lethbridge. Nicht nur, weil es für die nächsten Wochen die mit 90.000 Einwohnern größte Stadt und damit wichtiger Versorgungspunkt ist, sondern weil es hier ein schönes Beispiel für gute Ingenieurskunst gibt. Es handelt sich um die größte und höchste Eisenbahnbrücke Kanadas. Und die ist tatsächlich zwischen 1907 und 1909 hier erbaut worden und steht noch da wie eine Eins. Sie überspannt den Oldman River und wenn man so darunter steht, sieht das schon ganz gewaltig aus, man selbst fühlt sich wie ein Zwerg.

Die Brücke ist 95 Meter hoch und 1,6 km lang. Zum Vergleich: der Kölner Dom ist 157 Meter hoch.
Für eine Zwischenübernachtung finden wir einen schönen Platz am See, in erster Reihe. Fast hätte es einen tollen Sonnenuntergang gegeben, wenn sich nicht wieder irgendwelche Wolken vor die Sonne geschoben hätten.



Fort McLeod ist überraschenderweise ein hübsches kleines Städtchen, da bummeln wir gern über die Main Street mit intaktem Einzelhandel. Natürlich unterstützen wir dies und kaufen zwei Geschirrtücher, denn die vom Wohnmobilvermieter taugen rein gar nichts.

Das eigentliche Ziel ist aber eine World Heritage Site, also ein Weltkulturerbe für indianische Bräuche. Es nennt sich „Head-smashed-in Buffalo Jump“ und das will ich jetzt lieber nicht übersetzen, das könnt ihr auch allein. Ich beschreibe lieber, was es ist. Bekanntlich lebten die Indianer ja im Einklang mit der Natur und nahmen nur, was sie zum Überleben brauchten. Zum Beispiel Bisons, die sie für Ernährung, Kleidung, Tipis und Werkzeuge brauchten. Und diese riesigen Tiere sind ja nicht ganz einfach zu jagen. Da haben sie verschiedene Techniken entwickelt und um eine davon geht es hier. Vor über 6.000 Jahren haben sie hier an diesem Ort Herden von Bisons zusammen getrieben und zu einer Klippe gejagt. Die Bisons waren in Panik und konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen, sie fielen über die etwa 20 Meter hohe Klippe. Das brach ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Genick. Und ein ganzer Stamm konnte einen langen Winter im Überfluss leben. Im angeschlossenen Museum finden sich anschauliche Beispiele dafür, was die First Nations, wie die Ureinwohner hier genannt werden, aus dem Fell, Sehnen und Knochen eines Bisons herstellen konnten. Und das wie gesagt schon vor 6.000 Jahren. Sehr beeindruckend.



Die Berge kommen näher und wir verlassen die Prärie oder besser gesagt das Farmland.
