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Whale at 10 o`clock

Es war nicht unsere erste Walbeobachtungstour, aber auf jeden Fall unsere spektakulärste. Abgesehen davon, dass das Wetter einfach perfekt war, die Kulisse mit den schneebedeckten Bergen ebenfalls und die Tour gut organisiert war, zeigten sich die Wale immer wieder und ließen sich auch noch super gut fotografieren. Es gibt Tage, da klappt einfach alles. Und das Tollste ist, dass ich diesen Ausflug bereits vor acht Wochen gebucht hatte und dann erwischen wir diesen perfekten Tag.

Husavik liegt an der Nordküste Islands und ist nur eine Fahrstunde von unserer Unterkunft entfernt. Ein hübscher Küstenort mit einigen schönen Holzhäusern und einer sehenswerten Kirche.

Hafen von Husavik im Norden Islands mit schneebedeckten Bergen
Kirche von Husavik im Norden Islands mit schneebedeckten Bergen

Isländisches Sandwich mit Spiegeleiern und überbackenem Toast

Und hier hatten wir unser bisher leckerstes Sandwich.

Eichenschiff Blössi Soria Hafen von Husavik im Norden Islands

Wir hatten eine Tour auf einem Eichenschiff gebucht, das hörte sich irgendwie gemütlich an und mit so einem Speedboot wollten wir sowie nicht fahren. Die Blössi Sör wurde 1975 gebaut und macht einen sehr stabilen Eindruck, wobei sie bei der ruhigen See heute nicht an ihre Grenzen gebracht werden wird.

Passagiere in Overalls auf der Blössi Sör in der Bucht von Husavik im Norden Islands

Etwa 50 Passagiere haben wir gezählt. Vor der Abfahrt wurden wir alle in einheitliche Overalls gesteckt, diese waren etwas unförmig, hielten aber perfekt warm, denn trotz der Sonne ist es auf See ja immer etwas zugig.

Voller Erwartung auf die ersten Wale. In der Zwischenzeit werden wir gut vorbereitet, erfahren viel über die Gewohnheiten der Meeressäuger, werden aber auch mit den Sicherheitsbestimmungen vertraut gemacht. Dass man bei Unwohlsein seinen Mageninhalt über die Reeling entsorgt zum Beispiel. Oder wenn jemand über Bord geht, den Rettungsring neben die ertrinkende Person werfen soll und nicht auf deren Kopf. Wir merken uns das alles natürlich gut, aber das Wichtigste ist, wann sehen wir den ersten Wal? Damit alle wissen, wohin sie dann gucken müssen, wird ein an die Uhr angelehntes System verabredet. Wenn der Wal auf zwei Uhr erscheint, stellt man sich vor, geradeaus wäre die zwölf und schaut ein wenig nach rechts. Hat super geklappt, bei „Whale at 10 o ´clock“ ging alles aufs die linke Seite, das Boot neigte sich ebenfalls stark nach links, lag aber sicher im Wasser.

Isländischer Buckelwal in der Bucht vor Husavik mit Blas

Da bläst er. Bevor man einen Wal sieht, bemerkt man eine Wasserfontäne, diese stößt der Wal beim Ausatmen aus. Kurz darauf sieht man meist den Rücken. Danach taucht er wieder ab und das macht der Buckelwal am Schönsten, denn er taucht tief ein und streckt die Rückenflosse, Fluke genannt, dabei senkrecht in die Luft. Die Zeichnung der Fluke ist bei jedem Wal individuell, sie ist wie ein Fingerabdruck.

Isländischer Buckelwal in der Bucht von Husavik mit Fluke

Drei andere Boote sind ebenfalls hinausgefahren und wenn ein Boot einen Wal entdeckt hat, kommen die anderen natürlich auch dorthin. Es ist immer spannend, wo der Wal als nächstes auftaucht, beim Buckelwal passiert es ziemlich oft und man kann in etwa abschätzen, wann er wieder auftaucht. Das kann manchmal auch ganz nah am Boot sein, das ist dann ein besonderes Erlebnis, denn zuerst hört man ihn prusten und dann ist er auf einmal neben dem Boot. Auch das haben wir heute erlebt.

Nahaufnahme der Fluke eines Buckelwals mit tropfendem Wasser in der Bucht von Husavik

Zum Anfassen nahe! Das haben die Kapitäne allerdings nicht so gerne, denn sie wollen Rücksicht nehmen und den Walen möglichst nicht so nahe kommen. Unser Boot ist dann auch gleich etwas weiter weggefahren.

Aber den Walen scheint es Spaß zu machen, sich die staunenden Touristen anzuschauen. Manchmal springen sie auch vor lauter Vergnügen, das haben sie heute nicht getan.

Aber dann haben wir doch noch etwas Besonderes erlebt, denn wir haben einen Blauwal gesehen. Das kommt nicht so oft vor und er hat ein etwas anderes Verhalten als der Buckelwal. Er zeigt seine Fluke nicht beim Abtauchen und er bleibt länger unter Wasser, so dass man nie so genau weiß, wo er das nächste Mal wieder auftaucht, meist in einiger Entfernung. Hier war er tatsächlich sehr nahe an einem anderen Boot.

Isländischer Blauwal in der Bucht von Husavik vor einem Walbeobachtungsschiff

Der Blauwal ist das größte Tier der Erde, er wird bis zu 30 Meter lang und wiegt bis zu 200 Tonnen. Sein Herz hat die Größe eines Elefanten. Ihn einmal in freier Wildbahn gesehen zu haben, war ein ganz besonderes Erlebnis und rundete diesen wunderbaren Tag ab.

PS. Den Blog zu schreiben, hat nicht so lange gedauert. Aber die 1.524 Bilder zu sichten, war die Hauptarbeit. Ich hatte den Serienbildmodus eingeschaltet, um das Eintauchen der Fluke ins Wasser nicht zu verpassen. Man drückt einmal ab und die Kamera schießt blitzschnell ein Foto nach dem anderen, das hört sich beinahe wie ein Maschinengewehr an. Und produziert unendlich viele Fotos. Aber man hat ja abends sonst nichts zu tun.

Wer wollte eigentlich zum Mývatn-See?

Ist keiner auf die Idee gekommen, mal nachzuschauen, was Myvatn auf deutsch heißt? Mückensee !!! Aber keine Angst, wir lassen uns von dem Namen des Sees im Norden Islands nicht abschrecken, zumal wir wissen, dass diese kleinen Biester hier nicht stechen. Wenn es auch zugegebenermaßen sehr viele von ihnen gibt.

Mývatn-See in Island mit wenig Vegetation und vielen Mücken

Der See macht seinem Namen alle Ehre und ich schwöre, ich habe keinen einzigen Mückenstich.

Unterwegs rund um den Mývatn-See

Die Gegend um den Mývatn-See ist die einzige Region im Nordosten Islands, die für Touristen einige Sehenswürdigkeiten bietet, die nicht 100 km voneinander entfernt liegen. Und es gibt sogar drei Hotels, aber die findet man nicht immer gleich, es gibt kaum Hinweisschilder und manchmal sehen sie eher wie eine Lagerhalle aus. Aber Touristen sieht man doch, viele sind auf der Durchreise, wenn sie die Ringstraße abfahren. Die einzigen, die vier Tage hier sind, das sind glaub´ich wir. Aber es gibt viel zu tun, hier unser heutiges Tagesprogramm bei eher isländischem Wetter. Das heisst, es fehlt die Sonne und wir haben kleidungstechnisch etwas aufgerüstet. Morgen nehmen wir Handschuhe mit, aber das nur, weil es morgen aufs Schiff geht.

Pseudokrater am Ufer des Mývatn-Sees in Island

Das sind sogenannte Pseudokrater. Sie haben keine Lava gespuckt, sondern sie waren ein riesiger Lavafluss, der im Wasser verpuffte und sozusagen durch Überdruck in die Luft geflogen ist. Heute ist hier ein Vogelschutzgebiet und es wurde ein schöner Rundweg angelegt.

Schneehuhn im gescheckten Gefieder in der Landschaft am Mývatn-See

Isländisches Rauchbrot mit geräucherter Forelle

Unser Pausenbrot. Es wurde mittels Erdwärme langsam gegart und heißt übersetzt Rauchbrot. Schmeckt leicht süßlich und der Teig ist schwer bis klebrig. Belegt mit geräucherter Forelle aus dem Fluß nebenan. Für manch einen schmeckt es „bäh“ für andere „landestypisch interessant“. Ob wir es noch einmal bestellen würden? Keine Ahnung…

Säulenartige Lavaformationen im und am Mývatn-See in Island

Die nächste Attraktion sind Lavaformationen, die malerisch im Wasser stehen, auch diese sind mittels Rundweg erschlossen und geben lohnende Fotomotive ab.

Das Thema Lava beschäftigt uns heute noch weiter, hier türmt sie sich zu pittoresken Gebilden auf, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Das Geothermalfeld dampft und stinkt

Ein kurzer Abzweig von der Ringstraße und schon wird es heiß unter den Füßen. Man sollte genau aufpassen, wo man hinläuft, denn die dampfenden Schwefelquellen kommen mit hohen Temperaturen an die Oberfläche. Es gibt einen markierten Rundweg, den kann man gefahrlos gehen. Manch einer rümpft allerdings dabei die Nase.

Dampfende Schwefelquellen im Geothermalgebiet bei Mývatn in Island

Am Zentralvulkan Krafla

Wie der Name schon ahnen lässt, handelt es sich bei Krafla um ein großes Vulkansystem im Norden Islands. Die Krafla-Caldera ist etwa 10 Kilometer breit, das gesamte Vulkansystem erstreckt sich jedoch über eine wesentlich größere Fläche. Es gibt keinen Zugang zu diesem Vulkan, wohl aber eine Straße zum Kraftwerk Kröflustöð. Die Fahrt lohnt sich vor allem deshalb, weil man von einem Parkplatz aus den kleinen Kratersee Víti besichtigen kann.

Geothermalkraftwerk Kröflustöð bei Krafla mit aufsteigenden Dampffahnen

Im Geothermalkraftwerk Kröflustöð wird aus heißem Dampf Strom erzeugt.

Zugefrorener Kratersee Víti am Vulkan Krafla in Island

Die Strasse endet am Kratersee Víti im Krafla-Vulkansystem, der zu dieser Jahreszeit noch zugefroren ist. Das hat seinen eigenen Reiz wie ich finde.