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Über das Dahingleiten auf hoher See

Im späten Frühjahr Mit der Norröna über den Nordatlantik nach Island – wir hatten uns auf raue See und Stürme gefasst gemacht. Aber weit gefehlt, es war eine überaus ruhige Überfahrt, auf dem Weg zu den Färöern gab es ein paar Stunden lang niedliche Schaumkronen und leichte Dünung, aber in der Kabine ist noch nicht mal die elektrische Zahnbürste umgefallen. An Deck saßen wir stundenlang auf schönen Holzliegestühlen, und zwar so lange, dass sie am Ende etwas hart wurden. Auflagen wären schön gewesen, aber das ist reiner Luxus. Bequemer saßen wir dann an unserem Lieblingsplatz in der Panoramabar und konnten zuschauen, wie sich die Farbe des Meeres änderte, denn die Sonne verschwand wieder und das Wasser war ein hellgraues Seidentuch, das sich neben uns herschob. Ja, man kommt schnell ins Meditieren auf hoher See.

Auf den Färöern konnten wir uns an Land die Beine vertreten, auf dem Rückweg machen wir dort länger Station. Dann hatte der Kapitän noch ein Highlight für uns vorbereitet. Nachdem wir die Färöer mehr oder weniger im Nebel gesehen hatten, steuerte er unser Schiff zwischen die eng beieinander liegen Inseln hindurch, denn er hatte einen guten Draht nach oben und pünktlich zur Durchfahrt zeigte sich eine blasse Sonne. Jetzt wissen wir auch, dass wir uns auf die Färöer freuen können, schroffe Felsen, dünn besiedelte Inseln und saftig grün bewachsene Hänge.

Hafen von Tórshavn auf den Färöern mit bunten Häusern und Booten

Beschauliches Tórshavn auf den Färöern

Blaue Blumen vor einem roten Holzhaus in Tórshavn
Blick aus der Panoramalounge der Norröna auf die Färöer

Panoramafahrt durch die Färöer-Inselwelt

Passagiere an Deck der Norröna vor der Berglandschaft der Färöer
Blick vom Deck der Norröna auf die grünen Berghänge der Färöer

Am nächsten Morgen kommt Land in Sicht, man erahnt es mehr als dass man es sieht. Nebel und Regen, so begrüßt uns das Land von Feuer und Eis. Aber wir wissen ja, dass sich das Wetter schnell ändern kann, die atlantischen Winde werden schon dafür sorgen. Immerhin kommen wir mit unserem Auto trockenen Fußes von Bord.

Nach Island, mit dem Auto? Wirklich?

Ungläubiges Staunen, aber es stimmt. Wir sind Rentner und haben Zeit, denn die braucht man tatsächlich. Wir fahren mit unserem eigenen Auto nach Island. Immerhin sind es von Aschaffenburg nach Hirtshals an der Nordspitze Dänemark 1.022 Kilometer. Mit Übernachtung zwischendurch aber kein Problem. Die Fähre braucht bis an die Ostküste von Island zweieinhalb Tage inklusive Zwischenstopp auf den Färöer Inseln. Wir haben eine Kabine gebucht und das Ganze schon vor einem Jahr. Würden wir jetzt buchen, wäre die Überfahrt ungefähr doppelt so teuer. Übrigens habe ich auch alle Unterkünfte schon im voraus gebucht, denn Isalnd ist dünn besiedelt und ausserhalb der Hotspots gibt es nur wenige, privat Unterkünfte. Aber rechtzeitige Reiseplanung hat mir schon immer Spaß gemacht, dann ist die Vorfreude länger.

Nicht nur die Unterkünfte sind rar gesät, auch die Verpflegungsstellen, sei es Restaurants, Cafés, Imbissbuden oder Tankstellen. Unsere Unterkünfte sind entweder Zimmer, Apartments oder Hütten, die von Privatleuten, oft auch Farmern, betrieben werden. Da gibt es auch keine Dorfkneipe in der Nähe. Also werden wir uns ein paar haltbare Lebensmittel mitnehmen, sowas wie Nudeln und Pesto. Ihr müsst also keine Angst haben, dass wir verhungern. Wobei uns ein paar Kilos weniger auch ganz gut tun würden.

Blick vom Achterdeck der Norröna auf das Meer während der Überfahrt nach Island

Volle Fahrt voraus mit der Norröna

Mit der Norröna nach Island

Unser Schiff nach Island heisst Norröna und gehört zur Smyril Line, einer Reederei beheimatet auf den Färöern. Smyril ist übrigens der färöische Name für Merlin, der einzige heimische Greifvogel dort. Die Norönna wurde 2003 in Flensburg gebaut und zwischenzeitlich modernisiert. Wir fühlen uns sehr wohl an Bord, es gibt ansprechend ausgestattete Aufenthaltsräume, Caféteria, Restaurants und unseren Lieblingsort, die Laterna Magica. Eine Panoramabar auf dem obersten Deck mit einem phantastischen Rundblick. Bequeme Sessel, Lümmelsofas direkt am Fenster oder Tische zum Schreiben, Karten spielen etc. Gestern Abend sahen wir die norwegische Küste im Abendlicht vorübergleiten, untermalt von den besten Motown Songs.

Panoramabar Laterna Magica an Bord der Norröna mit Blick durch die Fenster auf das Meer