Archiv der Kategorie: Die Prärie ruft

Zu guter Letzt

Der Plan für die beiden letzten Tage lautet: zurück nach Calgary, übermorgen geht der Flieger. Touristisch ist die Strecke weniger von Bedeutung, uns war nur wichtig, schöne Plätze in der Natur zu finden. Und das ist in diesem Land kein Problem, denn die Kanadier lieben es, zu campen. Und sie bevorzugen dabei schöne Plätze im Wald, vorzugsweise an einem Fluss oder kleinen See gelegen. Die einzelnen Provinzen unterhalten solche Naturplätze, die nur ein Minimum an Versorgung haben, also einen Stellplatz mit Picknickbank und Feuerring sowie auf dem Platz verteilt Trockentoiletten, das feinere Wort für Plumpsklo. Wenn sie richtig gut ausgestattet sind, haben sie Klos mit Wasserspülung und Duschen. Feuerholz wird meistens verkauft, in British Columbia zahlt man bereits im voraus eine Feuerpauschale und holt sich dann so viel Holz, wie man braucht. Es gibt auch kommunale Plätze, sogenannte Recreation Areas mit und ohne Camping. Früher war alles auf der Basis wer zuerst kommt, hat einen Platz, also first come, first serve. Heute kann man die Plätze im Internet reservieren, was in der Ferienzeit und am Wochenende empfehlenswert ist. Nicht nur, dass die Naturplätze viel schöner sind und großzügig angelegte Stellplätze haben, sie sind auch noch viel günstiger. Wir haben im Schnitt 25 Euro pro Nacht gezahlt, auf dem kommerziellen Plätzen ist es mehr als das Doppelte.

Hier ein schönes Beispiel von der Fish Lake Provincial Recreation Area.

Unser Stellplatz im Wald, wir fühlen uns, als wären wir ganz allein hier.

Die Stellplätze liegen im Wald entlang des Sees, es gibt einen Wanderweg um den See herum und weitere markierte Wanderwege.

Viele Camper schnallen sich ihr Boot aufs Dach und können es hier an der Bootsrampe zu Wasser lassen.

Und hier das Gegenprogramm, die letzte Nacht wollen wir in der Nähe der Vermietstation verbringen, damit wir morgen rechtzeitig dort sind. Der Shuttle zum Flughafen benötigt auch etwas Zeit und wir wollen doch nicht hetzen, wir sind ja schließlich nicht mehr die Jüngsten. Für diese Nacht zahlen wir 48 Euro, die Duschen kosten extra! Zwar haben wir am Stellplatz Wasseranschluss, Stromanschluss und einen Abwasserkanal, aber trotzdem ein stolzer Preis, wie ich finde.

Aber mit diesem Bild will ich meinen Kanada-Blog nicht enden lassen. Da habe ich noch etwas Schöneres, das ich beim Waterton Park vergessen hatte. Und jetzt wird es königlich. Es geht um das Prince of Wales Hotel mit der tollen Lage oberhalb des Sees.

Hier wird die schöne Tradition des Afternoon Tea gepflegt. Das steht zwar im krassen Gegensatz zu unserem Campingurlaub, aber es hat uns einfach gereizt, einmal in dieses Haus einzukehren. Es ist kein kein billiges Vergnügen, man zahlt immerhin 40 Euro pro Person, aber der Tee ist inbegriffen. Anders als beim Parken, da hat man uns noch einmal 25 Euro abgeknöpft, weil wir so ein großes Auto haben. Aber darauf kam es dann auch nicht mehr an. Denn dieses Hotel ist auch von innen sehenswert.

Vom Foyer aus überblickt man den ganzen See.

Das gesamte Hotel ist ein Museum, an der Inneneinrichtung wurde nicht verändert.

Zunächst stellt sich unsere persönliche Bedienung vor, warum die alle einen Schottenrock tragen, konnten wir nicht herausfinden. Jane erklärt uns jede der 20 Teesorten eingehend, als hätte sie jedes Teeblatt in Händen gehabt. Dann gibt es als Appetitanreger Scones mit Cream und Marmelade. Und dann diese Etagere, die von unten nach oben verputzt wird. Da kommt zuerst das Herzhafte und dann das Süße.

Für uns war der Nachmittagstee eine Hauptmahlzeit und wir brauchten erstmal einen Verdauungsspaziergang. Abends gab es nur noch kalt. Und mit diesem Bild möchte ich den Kanada-Blog beenden. Es zeigt den Übergang von der Prärie zu den Bergen mit dem Weg in die Unendlichkeit. Schön, dass ihr auf unserer Reise wieder dabei wart, danke für eure Kommentare und Tschüß bis zum nächsten Mal.

Auf dem Icefields Parkway

Unsere Kanadareise steht ja unter dem Motto: „Meide die Hotspots“ und suche die schönen Nebenstrecken und hab die Natur für dich. Haben wir auch weitgehend so gemacht. Dazu muss man wissen, dass wir die Hauptsehenswürdigkeiten bereits vor 25 Jahren gesehen haben und damals noch ohne Overtourism. Eine Ausnahme musste sein: um den Bogen zurück nach Calgary zu schlagen, sind wir etwa ein Drittel des Icefields Parkway gefahren. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in den 1930er Jahren wurde die 230 km lange Strecke von Jasper nach Banff gebaut. Für manche die Traumstraße schlechthin, mit Sicherheit eine der schönsten Berg- und Gletscherstrecken Kanadas.

Natürlich haben wir uns erinnert wie es damals war und müssen feststellen, dass der Verkehr unglaublich zugenommen hat. An den interessanten Haltepunkten ist es beinahe unmöglich, einen Parkplatz zu bekommen, an den Toilettenhäuschen stehen lange Schlangen und an den Aussichtspunkten drängeln sich die Egomanen mit ihren Selfie Posen. Sie breiten dabei beide Arme möglichst weit nach rechts uns links aus, um alleine vor dem Bergsee abgebildet zu werden. Dann wird ewig gepost, nach rechts, nach links, von oben und unten, nochmal lächeln… und dann steht man daneben und möchte doch auch mal einen Blick auf dieses türkisfarbene Wunder werfen…früher war alles viel besser…

Ok, genug gejammert, wir wussten ja, warum wir die Hauptstrecken meiden wollten und nach 80 Kilometern sind wir abgebogen auf den David Thompson Hwy und die Welt ist wieder in Ordnung.

Am Herbert Lake, glasklar das Wasser und nein Rüdiger, kein Fisch zu sehen.

Am Nordende vom Bow Lake

Und hier der Peyto Lake, steht bestimmt bei Instagram geschrieben, dass man hier posen muss.

Hier am North Saskatchewan waren nur wenige Besucher, scheinbar nicht Selfie-tauglich. Wir haben es genossen und auch noch eine schöne Picknickbank für uns gehabt.

Dieser unscheinbare Saskatchewan fließt tatsächlich nach knapp zweitausend Kilometern in den Winnipeg Lake.

Da dieser Kanadische Tigerschwalbenschwanz war so freundlich, nicht wegzuflattern, bis ich mit dem Fotoapparat soweit war, dass er einen Ehrenplatz in meinem Blog bekommt.

Der Park der 140 Gletscher

Er nennt sich Glacier National Park Kanada, nicht zu verwechseln mit dem Glacier Park in Montana/USA. Er ist sowohl ein Natur- als auch ein Historischer Park. Denn der 1.300 Meter hohe Rogers Pass spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Schienenverkehrsnetzes von Kanadas Ost- zur Westküste. Der Rogers Pass wurde 1881 entdeckt und bald darauf die Bahnstrecke gebaut. Neben dem Warentransport wollte die Canadian Pacific Railway auch Passagiere befördern und zwar vor allem die Wohlhabenden. Diese frühen Touristen mussten in der Wildnis verköstigt und auch untergebracht werden. Daher wurde bereits 1892 Glacier House gebaut, das erste Luxushotel in der unberührten Bergwelt. Ein Vorläufer der weltbekannten Hotels Lake Louise und Banff Springs. Allerdings wurde es bereits 1920 wieder geschlossen, heute sind nur noch Ruinen zu sehen. Die Straßenverbindung von Ost nach West wurde mit dem Transkanada Highway 1 erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut.

Die Gletscher verstecken sich vor den meisten Besuchern, sie sind nur nach stunden- oder tagelangen Wanderungen zu erreichen, wir haben uns die Schneegipfel von moderaten Wanderwegen aus betrachtet. Die Hochgebirgslandschaft ist grandios, neben dem Highway gehen die Hänge steil nach oben, man muß ein Tal oder einen Flusslauf suchen, um langsam aber stetig bergauf gehen zu können. Das Visitor Center hält entsprechende Informationen bereit und hat uns zudem mit einer übersichtlichen Wanderkarte ausgestattet.

Sehenswerte Berggipfel meist um die 3.000 Meter hoch.

Unser kleiner aber feiner Campingplatz für drei Nächte.

Die Passhöhe des Rogers Pass mit Gedenktafeln zur Entwicklung des Eisenbahnverkehrs.

Auf dem Great Glacier Trail. Der bekannteste Wanderweg führte einst bis zum Gletscher, das war in den Zwanziger Jahren. Heute, hundert Jahre später, hat sich der Gletscher so weit zurückgezogen, dass man ihn am Endpunkt des Weges nicht mehr sehen kann. Nur noch über erwähnte Extremwanderungen. Es ist gut, dass dies auf der Wandertafel am Anfang des Weges geschrieben steht, dann werden keine falschen Erwartungen geweckt. Die Wanderung war anspruchsvoll und im letzten Drittel steil und felsig, aber wir haben es geschafft, das Talende war auch ohne Gletscher sehenswert.

Suchbild: wer findet Martin?

Geschafft!

Die Ruinen des Glacier House

Die Wanderung zum Grizzly Creek war nicht so fotogen, es fing dann an zu regnen und ich habe den Fotoapparat weggepackt.

Hier laufen wir den Rock Garden Trail. Der macht seinem Namen alle Ehre.

Und zuletzt noch ein Blümchen, mit dem wunderschönen Namen „Gelber Silberwurz“.

Dem Fluss beim Rauschen zu lauschen…

… ist eindeutig besser als dem Regen beim Trommeln aufs Camperdach zuzuhören. Beides haben wir im Kootenay National Park erlebt. Wollt ihr noch mehr wissen? Bitte schön. Der Park erstreckt sich entlang einer 150 km langen Straße in Nord-Süd Richtung. Gleich am Anfang steht das Schild: No Cell Service for 150 km. Daher kann ich erst heute wieder schreiben. Das Wetter war durchwachsen, Sonne, Regenschauer sowie ein kompletter Regentag. Da haben wir in einer kleinen Regenpause zweimal den Camper verlassen, mussten aber bald wieder umkehren. Im Regen wandern macht einfach keinen Spaß. Nach zwei Tagen kam der Sommer zurück und wir konnten alle Sehenswürdigkeiten und die empfohlenen Wanderungen machen. Man muss eben nur lange genug an einem Ort bleiben, dann kann man nichts verpassen. 

Ein breiter Fluss durchquert den Park, eingerahmt von den Gipfeln der Rocky Mountains. Offenes Land gibt es nicht, der dichte Wald zieht sich die Berghänge hinauf auf bis zu 2.000 Meter Höhe. Aussichtspunkte gibt es daher nur wenige, allerdings stimmt dies nur teilweise, denn der Park wurden in den letzten 20 Jahren immer wieder von Waldbränden heimgesucht. Auf einmal tut sich eine andere Landschaft auf, wenn „keine Bäume mehr die Sicht versperren“. Natürlich sind wir bestürzt über die riesigen Flächen, wo verbrannte Baumstämme wie Mahnmale in der Landschaft stehen. Wir haben mit einer Rangerin gesprochen und sie hat ihre Sichtweise erklärt und die Geschichte von der Erneuerung des Waldes erzählt. Das stimmt zwar, aber die Häufigkeit und das Ausmaß der Brände in den letzten 20 Jahren haben drastisch zugenommen. Wir haben ein kanadisches Rentnerpaar kennengelernt, die in Price George inmitten der Natur leben. Sie haben einen geräumigen Wohnwagenanhänger und immer einen vollen Tank, damit sie ihr Haus im Falle eines Waldbrandes jederzeit schnell verlassen können.

Hier nun die Bilder aus dem Kootenay National Park.

Am Marble Canyon hat sich ein kleiner Bach bis zu 40 Meter tief ins Gestein eingegraben und marmorähnliche Formationen geschaffen.

Am Kootenay River

Der Weg zu den Paint Pots führt durch einen ockerfarbenen Sumpf. Freundlicherweise gibt es einen Boardwalk, wäre sonst eine sehr schlammige Angelegenheit geworden.

Die intensive Farbe ist auf den hohen Eisengehalt zurückzuführen. Früher wurde der Schlamm zum Färben genutzt.

Der erste Platz im Park, mitten im Wald, Dinner ist gleich fertig, die Steaks auf dem Feuer brauchen noch etwas.

Nicht der Hase, aber zumindest der Fuchs sagt gute Nacht.

Zu den Wanderungen müssen wir meistens den Fluss überqueren.

Hier sieht man die Folgen der Waldbrände, alles kahl, das Unterholz wächst nach.

Gerade an den Stellen, wo es gebrannt hat, findet man oft die meisten Wildblumen, hier eine Waldlilie.

Und diese Schönheit heißt Scarlet paintbrush. Ich will nicht klugscheißen, das habe ich in meiner Naturapp nachgeschaut.

Das nächste Wetter zieht auf, schnell zurück zum Camper.

Im Frühtau zu Berge wir geh´n fallera…

Der Dog Lake ist unser Ziel.

Sehr einsam gelegen, hat sich gelohnt. Vor allem, dass wir früh genug aufgebrochen waren, denn das Ziel scheint sehr beliebt zu sein. Wir hatten den See noch für uns allein.

Zurück wieder über diese schwankende Brücke.

Und dies ist der bisher schönste Platz unserer Reise, direkt am Kootenay River gelegen.

Der Blick vom Vorgarten auf den Fluss.

Essen ist fertig, diesmal kein Steak, sondern das zweitmeiste Gericht unserer Reise: Spaghetti Bolognese.

Das Abendlicht macht die Farben besonders intensiv, es war nicht Photoshop!

Am Lagerfeuer sitzen und dem Fluss lauschen, besser geht´s nicht.

Der Olive Lake, wir finden, er sollte Türkis Lake heißen.

Am südlichen Ende des Kootenay Parks fährt man durch diese Schlucht und erreicht den kleinen Ort Radium Hot Springs und ist zurück in der Welt der mobilen Kommunikation.

Drei Tage im Peter Lougheed Park

In den Bergen ändert sich das Wetter sehr schnell, das weiß man. Nach dem Lagerfeuer im Schnee hat hier der Frühling Einzug gehalten. Der Schnee ist sehr schnell weggetaut und die Wanderwege waren Ruck zuck wieder trocken und ohne Matschschuhe begehbar. Alle Empfehlungen von der netten Dame im Visitor Center haben wir abgewandert, in einer traumhaft schönen Seen- und waldreichen Hochgebirgslandschaft. Der Park ist sehr gepflegt, an jedem Wanderparkplatz gibt es Toilettenhäuschen, natürlich meist ohne Wasserspülung, und oft auch Picknickbänke. So haben wir drei geruhsame Tage weit ab vom Weltgeschehen verbracht.

Die Tierwelt ist aufregend, wir befinden uns hier in der Bärengegend. Überall wird darauf hingewiesen, dass man keinen Abfall liegenlassen darf. Nach den Mahlzeiten also alles spülen und die Reste in einen bärensicheren Abfallbehälter werfen. Es handelt sich um wilde Tiere, keine Teddys. Das konnten wir hautnah erleben, als wir eine Bärenmutter mit ihren Jungen direkt neben der Straße entdeckten. Wir konnten gerade noch die Cameras zücken, natürlich vom Auto aus, da kam schon eine Rangerin angefahren und bat uns, weiterzufahren. Die Tiere sollen nicht an Autos gewöhnt werden. Und in den Autos sitzen oft Menschen, die versuchen, die niedlichen Tiere zu füttern, auch wenn das mit sehr hohen Strafen belegt ist. Wir sind natürlich sofort weitergefahren, für zwei Fotos hatte es gerade so gereicht.

Dieses Tierchen kann unbedenklich beobachtet werden, es läuft von alleine weg, wenn man ihm zu nahe kommt. Es handelt sich um ein Ziesel. Das ist kein Schreibfehler. Ein Ziesel ist ein Erdhörnchen.

Noch näher kam uns dieses flinke Tierchen, ein kleines Streifenhörnchen. Streicheln und füttern verboten, aber es war schneller wieder weg als ich es auf meinem Fuß beobachten konnte.

Die Belohnung

Wir haben es zurück zu unserem Campingplatz geschafft, bei Schneeregen und einer steifen Brise. Dann wieder Heizung an, ein gutes Buch zur Hand nehmen und ab uns zu mal aus dem Fenster schauen, ob sich da vielleicht ein wildes Tier zeigt. Tatsächlich hat Martin einen Wolf entdeckt, der die Wiese hinter unserer Picknickbank durchstreift. Aber so schnell wie er zu sehen war, war er auch schon wieder weg.

Am nächsten Morgen dann Erleichterung, die ersten Sonnenstrahlen blinzeln durch die Tannen und wir schöpfen neuen Mut. Schnell ist der Camper startklar und als wir unsere Fahrt Richtung Norden fortsetzen, können wir zum ersten Mal die atemberaubende Landschaft um uns herum sehen, die tatsächlich so toll ist, wie in diversen Berichten geschildert. Jetzt am frühen Vormittag verziehen sich die letzten Wolken und blauer Himmel macht sich breit. Dazu die tief verschneiten Berggipfel, alle um die 3.000 Meter hoch, wir könnten alle zehn Meter anhalten und Bilder machen. Tatsächlich halten wir dauernd an, hier eine kleine Auswahl:

Unser heutiges Ziel ist der Peter Lougheed Provincial Park, der großzügig mit allen Facilities eingerichtet ist wie ein Nationalpark. Hier sitze ich auch gerade im Visitor Center, weil es WLAN gibt. Wir haben inzwischen schon eine Nacht hier verbracht und der Schnee begleitet uns weiterhin. Hier muss es viel geschneit haben, unser Stellplatz ist tief verschneit, wir liegen hier immer auf 1.800 Meter Höhe. Für heute Abend waren Grillksteaks geplant, das lassen wir uns natürlich nicht nehmen. Man kann auch im Schnee wunderbar ein Feuer machen und Steaks bruzzeln.

Sommer in Kanada? Schwierig…

Eine interessante Strecke liegt vor uns, es handelt sich um eine landschaftlich besonders schöne Nebenroute entlang der Rocky Mountains, die Straße allerdings ist nicht ohne. Wir müssen 100 km Schotterpiste fahren, haben dafür aber das richtige Auto, einen hochbeinigen Pick-up Camper mit Allradantrieb und einem starken Motor. Was uns Sorge bereitet, ist das Wetter. Extreme Regenmengen sind für den geplanten Fahrtag vorhergesagt und dann verwandelt sich eine staubige Schotterpiste schnell in eine schmierige Angelegenheit. Wir überlegen hin und her und da auch noch Sturm angesagt ist, entscheiden wir Weicheier uns für eine asphaltierte Alternativstrecke. So erreichen wir unseren Campingplatz mitten im Wald nach einer Regenfahrt ohne Sicht. Daher auch keine Bilder. Soweit, so gut.

Nun kommt der nächste Tag, starker Dauerregen wird erwartet. Der Plan ist, wir mummeln uns in unserem Camper ein und lassen uns von der Gasheizung verwöhnen. So verbringen wir den ersten Abend bei Kerzenlicht im regennassen Wald und legen uns beruhigt zur Ruhe. Die Überraschung kommt im Morgengrauen, beim ersten Blick aus dem Fenster traue ich meinen Augen nicht, der Boden sieht so weiß aus, hier war doch gestern kein Sand? Nein, kein Sand aber frisch gefallener Schnee. So etwas haben wir den ganzen Winter lang zu Hause nicht gesehen. Also Schnee statt Starkregen. Wir ziehen alles Warme übereinander an und machen einen kleinen Ausflug, weg aus dem Funkloch. Der aktuelle Wetterbericht ist wichtig, also fahren wir aus der Wildnis in die nächstgelegene menschliche Ansiedlung, nach Longview. Ein kleiner Cowboy Ort mit Tankstelle und einer kleine Coffee Hütte. Und gutem 5G Netz. Morgen wird ´s besser, der Schnee und Regen sind dann durch und eventuell sehen wir sogar die Sonne. Die Hütte ist gut bewirtschaftet, wir essen Cinnemon Rolls und trinken Cappuccino. Gesättigt und aufgewärmt geht es jetzt wieder zurück auf unserem Campingplatz, der hoffentlich nicht zu sehr eingeschneit ist. Die Geschichte kann ich erst weitererzählen, wenn wir wieder Netz haben. Also geduldet euch. Um uns macht euch bitte keine Sorgen, unser Motto ist: always expect the unexpected!

Der erste Blick aus dem Camper

Unser Vorgarten

Und wir hatten extra Holz fürs Lagerfeuer besorgt

Frühstück bei Kerzenlicht

Schnee abkehren und los geht´s

Kanada ein Wintermärchen

Cinnemon Rolls in XXL, ein guter Seelentröster

Waterton National Park

Der Waterton National Park liegt direkt an der amerikanischen Grenze, setzt sich grenzübergreifend in den Vereinigten Staaten fort und heißt dort Glacier National Park. Wir besuchen natürlich nur den kanadischen Teil. Es gibt einen gleichnamigen kleinen Ort direkt am Upper Waterton Lake gelegen. Der idyllische Ort hat nur 100 Einwohner, in der Saison werden es aber erheblich mehr. Die meisten Besucher bevölkern den riesigen Campingplatz, der einen großen Teil des Ortes einnimmt. Teilweise sind die Stellplätze am Seeufer gelegen, wir hatten das Glück, einen solchen in der ersten Nacht zu erwischen. Ein wirklich hübscher Ferienort mit eingeschossigen Holzhäusern, kleinen Hotels und Motels und ein absolutes Highlight: das Prince of Wales Hotel, einsam auf einer Anhöhe hoch über dem See gelegen. Es wurde 1927 erbaut, als der kanadische Westen durch eine Eisenbahnlinie erschlossen wurde und Touristen angelockt werden sollten. Die mussten natürlich gut untergebracht werden.

Einmalige Lage: das Prince of Wales Hotel

Vor acht Jahren brach die Katastrophe über Waterton herein: ein verheerendes Feuer vernichtete sehr viel Wald und auch Gebäude, das Visitor Center brannte ab und bis heute ist ein zweiter Campingplatz im Park noch immer geschlossen. Das ganze Land zitterte um das Prince of Wales Hotel, es wurde gut geschützt und die exponierte Lage ohne Bäume in Hotelnähe halfen mit, dieses historische Gebäude zu erhalten. Bei unseren Wanderungen im Park sind wir natürlich über viele Strecken durch verbrannten Wald gelaufen. Aber nach acht Jahren hat sich das Unterholz erholt, jetzt im Frühsommer ist alles grün und Wildblumen blühen um die Wette. Erste Nadelbäume sind bereits zwischen einem und zwei Meter hoch gewachsen. Für die Natur ist so ein Feuer ein Erneuerungsprozess, für uns Besucher ist es traurig anzusehen, wie auf ganzen Berghängen verbrannte Baumstämme stehen.

Die weißen Blumen im Unterholz heißen Bärengras und wachsen hier nur in bestimmten Gegenden. Sie blühen nur alle sieben Jahre. Nach dem Feuer haben sie sich stark vermehrt.

Bärengras, ein optischer Hingucker.

Die Bergwelt oberhalb der Baumgrenze ist grandios, Die Gipfel sind zwischen 2.500 und 3.000 Meter hoch und manchmal noch mit etwas Schnee bedeckt. Die Wanderwege sind sehr gut erschlossen, überall hängen detaillierte Beschreibungen, so kann sich jeder den geeigneten Wanderweg aussuchen.

Der Red Rock Canyon, nicht sehr gewaltig, aber das Farbenspiel macht es wett.

Blick auf Waterton Town, unter den Bäumen befindet sich der Campingplatz.

Direkt an unserem Stellplatz stehen diese beiden Adirondack Stühle, da haben wir gemütlich in der Abendsonne gesessen, aber leider gibt es hier im Park ein Wetterphänomen: Durch den abrupten Übergang von den Bergen zur Prärie entstehen starke Fallwinde, teilweise auch bedingt durch größere Unterschiede im Luftdruck. Also irgendwann wurde es doch zu ungemütlich. Übrigens ist es streng verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Also 20 Meter weiter hinten auf unserem Stellplatz hätten wir ein Weinchen trinken dürfen, auf den schönen roten Stühlen aber nicht.

Where the Prairie meets the Mountains

Spannend ist der Übergang von der endlosen Hochebene zu den Rocky Mountains. Der Waterton National Park ist dafür ein gutes Beispiel. Auf dem Weg dorthin machen wir Station in Lethbridge. Nicht nur, weil es für die nächsten Wochen die mit 90.000 Einwohnern größte Stadt und damit wichtiger Versorgungspunkt ist, sondern weil es hier ein schönes Beispiel für gute Ingenieurskunst gibt. Es handelt sich um die größte und höchste Eisenbahnbrücke Kanadas. Und die ist tatsächlich zwischen 1907 und 1909 hier erbaut worden und steht noch da wie eine Eins. Sie überspannt den Oldman River und wenn man so darunter steht, sieht das schon ganz gewaltig aus, man selbst fühlt sich wie ein Zwerg.

Die Brücke ist 95 Meter hoch und 1,6 km lang. Zum Vergleich: der Kölner Dom ist 157 Meter hoch.

Für eine Zwischenübernachtung finden wir einen schönen Platz am See, in erster Reihe. Fast hätte es einen tollen Sonnenuntergang gegeben, wenn sich nicht wieder irgendwelche Wolken vor die Sonne geschoben hätten.

Fort McLeod ist überraschenderweise ein hübsches kleines Städtchen, da bummeln wir gern über die Main Street mit intaktem Einzelhandel. Natürlich unterstützen wir dies und kaufen zwei Geschirrtücher, denn die vom Wohnmobilvermieter taugen rein gar nichts.

Das eigentliche Ziel ist aber eine World Heritage Site, also ein Weltkulturerbe für indianische Bräuche. Es nennt sich „Head-smashed-in Buffalo Jump“ und das will ich jetzt lieber nicht übersetzen, das könnt ihr auch allein. Ich beschreibe lieber, was es ist. Bekanntlich lebten die Indianer ja im Einklang mit der Natur und nahmen nur, was sie zum Überleben brauchten. Zum Beispiel Bisons, die sie für Ernährung, Kleidung, Tipis und Werkzeuge brauchten. Und diese riesigen Tiere sind ja nicht ganz einfach zu jagen. Da haben sie verschiedene Techniken entwickelt und um eine davon geht es hier. Vor über 6.000 Jahren haben sie hier an diesem Ort Herden von Bisons zusammen getrieben und zu einer Klippe gejagt. Die Bisons waren in Panik und konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen, sie fielen über die etwa 20 Meter hohe Klippe. Das brach ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Genick. Und ein ganzer Stamm konnte einen langen Winter im Überfluss leben. Im angeschlossenen Museum finden sich anschauliche Beispiele dafür, was die First Nations, wie die Ureinwohner hier genannt werden, aus dem Fell, Sehnen und Knochen eines Bisons herstellen konnten. Und das wie gesagt schon vor 6.000 Jahren. Sehr beeindruckend.

Die Berge kommen näher und wir verlassen die Prärie oder besser gesagt das Farmland.

Badlands sind für uns Goodlands

Neben den weitläufigen Prärien gibt es in Nordamerika die sogenannten Badlands. Es handelt sich dabei um zerklüftete Lehm- und Sandsteinformationen, die durch Erosion entstanden sind. Was dieses „schlechte Land“ so sehenswert macht, ist das Farbenspiel der unterschiedlichen Gesteinsarten. In Kanada ziehen sich die Badlands in einem etwa 1000 km langen Streifen entlang des Red Deer und des Milk Rivers bis an die amerikanische Grenze. Unsere erste Nacht mit unserem Camper verbringen wir auf einem idyllischen Platz am Red Deer River mit Blick auf die wellenförmigen Hügel. Den Abend können wir noch draußen sitzen, dann beginnt es zu regnen und hört auch so schnell nicht wieder auf. Die Hoodoos können wir uns auf unserer Fahrt zum Dinosaurier Provincial Park nur in einer kurzen Regenpause anschauen. Diese farbenprächtigen, pilzförmigen Felsnadeln kommen ohne Sonnenlicht nicht wirklich zur Geltung. 

Die Sicht war noch etwas getrübt durch Rauch, der von den Waldbränden im Norden des Landes in südliche Richtung geweht wurde. Der Wind hat sich wieder gedreht und jetzt haben wir wieder gute Sicht.

Unterwegs stoppen wir an einer Ansammlung Hoodoos, wie diese Felsennadeln genannt werden. Es hat den ganzen Tag geregnet, aber wir konnten eine kurze Regenpause für einen kleinen Rundgang nutzen.

Nun hoffen wir auf besseres Wetter für den nächsten Park in den Badlands, dem Dinosaurier Provincial Park. Es handelt sich um eine der wichtigsten Fundstellen für versteinerte Dinosaurier Skelette. Seit den Fünfziger Jahren wurden hier über 300 komplette Dinosaurier Skelette ausgegraben und über 30 neue Spezies entdeckt. Bis heute finden hier Ausgrabungen statt. Da dürfen wir natürlich nicht hin, aber es gibt einen schönen Rundweg mit tollen Ausblicken in die Erosionslandschaft. Und einen wunderschön gelegenen Campingplatz, Grund für uns, diesen Park aufzusuchen.

Schattiger Platz unter Bäumen, wird jetzt wichtig, denn der Regen hat sich verzogen.

Viele Wege im Park sind noch nicht begehbar, denn der Untergrund ist glatt wie Schmierseife, da geht man nicht durch eine Felsenlandschaft.

Zwei Tage lassen wir uns Zeit für den Writing on Stone Provincial Park, nahe der amerikanischen Grenze. Der Campingplatz liegt am Ufer des Milk River und die Attraktion sind hier wieder die erodierten Felsnadeln, diese Hoodoos. Wir gehen früh los, in der prallen Sonne wird es recht heiß. Den Nachmittag können wir auf unserem schattigen Campingplatz verweilen. Und ich versuche ständig, eine stabile Internetverbindung zu erwischen, nicht ganz einfach in dieser dünn besiedelten Gegend. Wenn ihr das hier lest, hat es geklappt.

Erstmal einen Überblick von oben gewinnen, morgen gehen wir durch die Felsenlandschaft entlang des Flusses.

Hinter uns endlose Prärie, aber landwirtschaftlich genutzt, keine Bisons mehr!

Frühstück am Freien, so beginnt der Tag perfekt.

Frisch gestärkt beginnen wir unsere Wanderung zu den Hoodoos.

Zwei Pilzköpfe und ein Hoodoo

Am Milk River, unter den Bäumen im Hintergrund befindet sich unser Campingplatz.

Aus dem Felsen entspringen Blümchen.

Der Hirschsprung

Die Prärie ruft

Das hören wir gerne, denn diese unendlichen Graslandschaften Nordamerikas mit Millionen von Büffeln haben es uns angetan. Deshalb wollten wir eine eigene Reise der Prärie widmen. Doch ganz so einfach ist das gar nicht, denn seit der Ankunft der ersten weißen Siedler aus Europa hat sich der amerikanische Kontinent verändert. Die Bisons wurden beinahe komplett ausgerottet und aus dem Grasland wurden die Plains, riesige Anbauflächen für Getreide. Das Gegensteuern kam spät aber nicht zu spät. Um das Überleben der Bisons zu ermöglichen, wurden Schutzgebiete ausgewiesen und tatsächlich ist die Anzahl dieser mächtigen Tiere in Kanada auf etwas über 10.000 angestiegen. Die Kurzgrasprärien wiederherzustellen ist nicht mehr möglich, durch Rodungen, landwirtschaftliche Nutzung und spätere Brachen ist Ödland entstanden, das nicht mehr kultiviert werden kann. Also keine guten Nachrichten für Liebhaber der Prärie.Es gibt aber noch einige Schutzgebiete und Nationalparks, die sich dem Erhalt dieser ursprünglichen Landschaftsform verschrieben haben und die wollen wir aufsuchen. Man findet sie in den südlichen Provinzen von Alberta und Sasketchewan entlang der Grenze zu den USA. Mal sehen, ob wir auch Bisons sehen werden. Unsere Reiseroute führt uns auch ins Gebirge, wir werden Nationalparks in den Rocky Mountains besuchen und abseits der Hauptrouten zu entlegenen Campingplätze in Naturparks fahren. Lust bekommen mitzureisen? Nur zu, vier Wochen liegen vor uns und wir hoffen nur noch, von den Waldbränden, die derzeit vor allem in den nördlichen Landesteilen toben, verschont zu bleiben. Hier noch ein paar Eindrücke aus Calgary, dem Startpunkt unserer Rundreise.

Downtown Calgary, eine sehr moderne Metropole mit 1,4 Mio. Einwohnern. Die Hochhäuser sind nicht nur Bürogebäude, viele sind auch bewohnt, was man oft an den Balkonen erkennt, die bis in schwindelerregende Höhen gebaut werden.

Freiflächen zwischen den Wolkenkratzern werden für gepflegte Grünanlagen genutzt.

Da gibt es genügend Raum für Kunstwerke wie diese galoppierenden Tiere.

Moderne Skyline und als Kontrast dazu das Rathaus von Calgary.

Hier beginnt die Fußgängerzone „Stephen Avenue Walk“