Es geht wieder los

Solange ich zurückdenken kann, hat nichts unser Leben so nachhaltig verändert wie Corona. Die Unbeschwertheit ist dahin, die Maske immer griffbereit und die Nähe zu anderen Menschen ist durch den Sicherheitsabstand geregelt und damit faktisch nicht vorhanden oder zumindest stark eingeschränkt. Und unser liebstes Hobby, das Reisen, ist uns fremd geworden. Nach einem nicht enden wollenden Lockdown haben wir länger auf die Impfungen warten müssen als gedacht, aber seit August sind wir soweit, dass wir uns wieder mit dem Thema Reisen befassen. Allerdings steigen jetzt gerade wieder die Inzidenzen und somit denken wir noch nicht einmal über Flugreisen nach. Wir hatten uns ohnehin vorgenommen, Europa zu erkunden, wenn wir keine Lust mehr haben auf Langstreckenflüge. Wir wollen zwar nicht solange warten, bis es emissionsfreie Flieger gibt, aber in diesen Zeiten wollen wir doch lieber individuell mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sein und flexibel auf veränderte Reisebedingungen reagieren. Das alles hört sich jetzt vielleicht etwas frustriert an, aber dies ist ganz und gar nicht der Fall, im Gegenteil. Wir hatten Spaß bei unserer Reiseplanung und können unser Gepäck zusammenpacken, wie es uns gefällt und nicht, wie es Fluggesellschaften haben wollen. Also freut euch mit uns auf spannende Erlebnisse und folgt uns durch Österreich und Slowenien nach Istrien.

Übrigens, der letzte Blogbeitrag endete etwas abrupt, das war so nicht geplant. Wir haben auf der Heimreise die letzte Nacht in Sterzing am Brenner verbracht, da gab es viel zu sehen und keine Zeit zum Schreiben. Am nächsten Tag zu Hause angekommen, waren meine Gedanken im Hier und Jetzt und den Blog hatte ich ganz vergessen. An alle, die sich Sorgen gemacht haben: wir sind letztes Jahr wohlbehalten zu Hause angekommen, bitte entschuldigt mein Versäumnis. Es hat mir aber auch gezeigt, dass ihr meinen Blog doch sehr aufmerksam verfolgt. Weiter so.

Jetzt zu unserer aktuellen Reise: als Rentner kann man sich Zeit lassen und muss nicht unbedingt die 960 km nach Istrien in einem Stück durchfahren. Außerdem liegt Slowenien auf dem Weg, das wollten wir uns auch anschauen und nicht einfach hindurchrauschen. Die Tagesetappen sollen nicht viel länger als 500 km sein, lieber noch einen Zwischenstopp mehr und ein wenig von der Gegend mitnehmen. So kam unsere erste Etappe nach Österreich zustande, die uns nach Altenmarkt im Pongau führte. Ich hatte einen Ort gesucht, der in der Nähe der Tauernautobahn liegt und ein wenig dörflichen Charakter bewahrt hat. Und ich hatte eine romantische Vorstellung von einem Dorfgasthof, vor jedem Fenster blühende Geranien, eine getäfelte Gaststube und zum Essen gibt es Frittatensuppe, Semmelknödel und Kaiserschmarrn. Ich musste lernen, dass es diese Art der Unterbringung, die für mich immer gleichbedeutend war für einen Urlaub in Österreich, fast nicht mehr gibt. Dafür stehen eine Unmenge von Apartments zur Auswahl, die Gasthöfe haben an- und umgebaut und haben jetzt Wellnessoasen und Sterneköche. Und einen Skilift in der Nähe. Das finde ich sehr schade und ich werde ab jetzt immer, wenn ich in Österreich bin, nach diesen ursprünglichen Gasthöfen fahnden. In Altenmarkt habe ich eine Unterkunft gefunden, die meinen altmodischen Vorstellungen recht nahe kam. Keine Geranien vor den Fenstern, auch keine Holzläden, aber eine getäfelte Gaststube, wenn auch modern gehalten. Zum Abendessen hatte ich Gulasch mit Semmelknödeln, das war so reichlich, dass ich den Kaiserschmarrn nicht mehr geschafft hätte. Immerhin, der Gasthof Alpenblick in Altenmarkt kommt auf meine Liste.

Die Wettervorhersage für die nächste Tage war so bombastisch, dass wir uns für drei Tage in Bled in den Julischen Alpen in Slowenen einquartiert haben. Weiß auch nicht, warum der Ort so heißt. Wir sind über den Wurzenpass gefahren, der ist etwas holprig und nicht besonders lang, aber landschaftlich sensationell. Schroffe Felsenwände beinahe zum Anfassen und saftig grüne Täler. In Kranjska Gora gab es den ersten Cappuccino in Slowenien, sehr lecker und kostete nur € 1,80. Wir haben aber trotzdem nur einen getrunken, uns die Fußgängerzone angeschaut und dann unser Ziel Bled angesteuert. Ein durch und durch touristischer Ort, malerisch an einem See gelegen und als Blickfang eine Burg hoch über dem Wasser. Unser Apartment liegt nur einen Steinwurf vom Zentrum entfernt, aber man hat das Gefühl, auf einem Bauernhof gelandet zu sein. Nicht dass das Haus so aussähe, aber ich sitze auf unserem Balkon und schaue in einen Gemüsegarten, über Wiesen und Obstbäume hinweg bis zum bewaldeten Höhenzug, der den Ort auf der einen Seite umrahmt. Absolute Stille, ganz in der Ferne bimmeln Kirchenglocken. Und die Katze jagt unentwegt irgendwelches Getier. Der Himmel blaßrosa und langsam senkt sich der Abend herab.

Jetzt nicht einschlafen, ich will noch berichten, wie schön dieser Ort Bled ist, wer kennt schon Bled, auch ich kannte ihn vorher nicht. Der See hat glasklares Wasser und ist türkisfarben, das liegt an den Sedimenten, die hineingewaschen werden. Und als wenn die Burg, die majestätisch über dem See thront, nicht schon genug wäre, gibt es auch noch eine kleine Insel mit einem Kirchlein darauf. Und was wir von den Slowenen lernen können: der See ist komplett zugänglich, ein Weg führt um ihn herum, es gibt kein Privatgelände am Wasser. Eine Villa hat einen ausgedehnten Park, der bis zum Seeufer reicht, da kam aber aber durchlaufen. Übrigens, dies ist der ehemalige Sommersitz von Tito und heute ist die Vila Bled eines der besten Hotels Sloweniens. Auf dem See sind Motorboote verboten, es gibt nur Paddelboote, sogar die Ausflugsschiffe werden, ähnlich wie die Gondeln in Venedig, von Muskelkraft vorwärts bewegt.

Ausblick vom Wurzenpass
Bummel durch Kranjska Gora
Unsere Unterkunft in Bled
Das Postkartenidyll Bled
Insel mit Kirche und die Burg im Hintergrund
Emissionsfreie Fortbewegung
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5 Antworten zu Es geht wieder los

  1. Birgit schreibt:

    Schönen Urlaub und ich freue mich auf die folgenden Beiträge- für die Rückreise in Österreich empfehle ich Haus Fritz in Kals am Großglockner, da findest du alles

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  2. Sylvia Bauer schreibt:

    Liebe Isa,
    Du schreibst uns aus dem Herzen. Flugreisen werden wir in absehbarer Zeit auch nicht machen. Europa zu erkunden hatten wir uns eigentlich auch für später vorgenommen, aber jetzt haben wir umgeplant. Wir haben uns einen komfortablen Campervan gekauft, mit dem wir die nächsten Jahre auf Europatournee gehen möchten. Leider haben solche Fahrzeuge eine sehr lange Lieferzeit. Wir hoffen, dass wir den Van im April/ Mai 2022 bekommen. Deine Reiseberichte sind sehr inspirierend und wir werden sicher mal auf „ Isa‘s Spuren“ reisen. Genießt die Zeit und kommt gesund zurück. Ich freue mich auf weitere Berichte und Bilder. Liebe Grüße Sylvia

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  3. Christina schreibt:

    Wir wünschen euch eine tolle Zeit! Nach deinem ersten Beitrag hattest du uns animiert in eure Fußstapfen zu treten. Voller Vorfreude auf Gulasch mit Semmelknödel und aufgrund der Nähe zur Tauernautobahn hatten wir uns vorgenommen, bei unserer Rückreise aus Südtirol einen Abstecher für zwei Nächte in dem Gasthof ohne Geranien zu verbringen, wird aber nix, leider ausgebucht. Na ja, dann beim nächsten Mal:)Wir freuen uns über deine nächsten Beiträge und halte deinen Kameramann bei Laune, damit der nächste Film das Publikum wieder in Begeisterung versetzt. Liebe Grüße Christina und Roland.

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  4. Susanne Daum schreibt:

    Wie schön das ihr wieder unterwegs seid und so toll den Blog mit Fotos und kurzberichten füttert. Ich bin als Abonnement gerne wieder dabei! Alles Gute wünscht Susanne

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