New York, New York

Über New York ist eigentlich schon alles geschrieben worden. Denkt man. Aber mir scheint es so, als müsste die Geschichte ständig neu geschrieben werden. Die Stadt verändert sich rasend schnell. Die augenscheinlichste Veränderung geschah nach den Anschlägen vom 11. September, aber es gibt auch andere Beispiele. Ich dachte, in Manhattan ist jeder Quadratmeter Grund bebaut oder verplant, kein Platz für Neues mehr. Weit gefehlt. Zwischen Chelsea und Greenwich Village  waren Schlachthöfe, Lagerhallen und Kühlhäuser angesiedelt, zuletzt war diese Gegend als Rotlicht Milieu bekannt. Meatpacking District war der passende Name. Die Umwandlung des Stadtteils begann mit der Stilllegung einer Hochbahntrasse, über diese wurde Schlachtvieh transportiert. In den Siebziger Jahren wurde die Strecke stillgelegt und es entstand ein Verein zur Rettung dieses Industriedenkmals. Die Bahngleise wurden begehbar gemacht, bepflanzt und mit Kunstwerken bestückt. Im Jahre 2014 eröffnete mit der High Line die neueste New Yorker Attraktion. Die knapp drei Kilometer lange Strecke ist sehr beliebt, wir waren allerdings auch an einem Sonntag da. Unaufhörlich schieben sich Menschenmassen die Trasse entlang, es ist aber nicht so überfüllt wie der Fußweg über die Brooklyn Bridge, dazu später mehr.

Durch die veränderte Nutzung entstand in West Chelsea ein komplett neuer, hypermoderner Stadtteil, mit einer nagelneuen Metrostation, atemberaubenden Wolkenkratzern aus glänzendem Stahl und Glas. Natürlich auch ein Einkaufszentrum, Hudson Yard genannt. Es ist ein spannenden Nebeneinander von Industriebrachen und modernster Architektur. Den Wert der alten Backsteinbauten scheint man erkannt zu haben, sie werden aufwändig restauriert und umgebaut, schon siedeln sich Modelabels, schicke Cafés und Kreative hier an. Ein neues Szeneviertel entsteht.

Unser Weg führte uns zum Sonnenuntergang nach Brooklyn. Wir wollten zu Fuß den East River überqueren, die Brooklyn Bridge hat eine Fußgängerspur. Wir waren nicht die einzigen, um es harmlos auszudrücken. Denn es war ein einziges Geschiebe über die Brücke, ständig mussten wir warten, weil hier offenbar jeder bemüht ist, so viele Selfies von sich und der Brücke zu schießen wie möglich. Trotzdem, der Weg hat sich gelohnt, denn wir haben ein weiteres neues Viertel entdeckt, Dumbo genannt. Bis vor wenigen Jahren kannten wir das Ufer des East River auf der Brooklyn Seite nur aus Krimis, hier wurden immer die Leichen entsorgt oder gefunden, je nachdem. Das ist vorbei, auch hier erlebt die Backsteinarchitektur eine Renaissance, coole Läden und Kneipen wechseln sich ab. Am Wasser zieht sich eine Promenade entlang und da Samstag ist, finden sich die Brautpaare vor der untergehenden Sonne ein und werden zigfach fotografiert. Ist auch ein schönes Motiv, wenn die Abendsonne durch das durchsichtige Brautkleid schimmert.

Das Thema Essen gehen muß ich noch einmal aufgreifen, denn wir haben das ultimative Steak-Restaurant gefunden. In einer Seitenstraße des Broadway versteckt, habe ich dort das beste Steak ever  gegessen. Bevor man das Restaurant betritt, fällt der Blick in den Kühlraum, der ein Schaufenster zur Straße hat. Da liegen feinste Rinderteile und reifen vor sich hin. Die Regale vom Boden bis zur Decke gut gefüllt, so etwas habe ich noch nie gesehen. Das Restaurant Gallagher ist sehr gut besucht, wir hatten einen Tisch reserviert. Die Steaks waren butterzart und saftig, haben keinen Tropfen Fleischsaft beim Anschneiden verloren. Bevor ihr jetzt alle dahin rennt, es ist nicht billig. Es ist teuer, ein Steak kostet um die 40 Dollar, aber die Beilagen gehen extra, und da gibt es nichts unter 11  Dollar. Und ein Glas Wein kostet so viel wie bei uns eine ganze Flasche. Es war unser Abschlußabend dieser wunderbaren Reise und das Geld hat uns nicht gereut, weil es eben ein außergewöhnlich gutes Essen war.

Viel zu schnell ist die Zeit vergangen, was uns nicht wirklich wundert, denn in drei Tagen kann man natürlich nur kurze Einblicke gewinnen. Für einen nächsten Besuch in New York hätten wir einige Ideen, was man unbedingt noch tun könnte. Auf Wiedersehen New York!

 

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2 Antworten zu New York, New York

  1. Christina Simon schreibt:

    Hallo Isa,

    vielen Dank für deine tollen Fotos und Dokumentationen. Bildhaft, lebendig, informativ, erheiternd einfach Klasse.
    Ich war dabei👍😀
    Wünsche euch allen eine gute Heimreise
    Liebe Grüße Christina

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  2. Rainer Hein schreibt:

    Hallo ihr Beiden,
    das ist ja wieder mal eine ganz tolle Reportage von Euch. Ich bin ja eigentlich nicht der Städte-Urlauber und New York steht nicht gerade ganz oben auf meiner Bucket-List. Aber Ihr habt mich echt nachdenklich gemacht, ob ich da nicht doch mal hin will. :–)
    Seid ganz herzlich gegrüßt – Rainer

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